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Buch   LatAm 19      I

DIE ZERSTÖRTEN, HEILIGEN INKA-STÄTTEN -
VORM HINTERGRUND DES HEILIGSTEN CHRISTEN-FEIERTAGS !
ODER: MACHU PICCHU & DAS ‘VALLE SAGRADO’ -
STEINERNE ZEUGEN DER NIEDERGEMETZELTEN INKAS !

... in & um Cuzco ... sowie Trips nach Machu Picchu
und ins Valle Sagrado (Peru):

Karte-Story-LA-19

Dienstag, 27. Mai bis Donnerstag, 29. Mai 1997

... Früh wach!
Eindeutig ZU FRÜH ...
... für diese ‘vergnügungs-süchtige Stadt in den peruanischen Hoch-Anden’!
Oder besser: für diese FUCKIN’-TOURI-SHIT-CITY! Äh ... ich muß darauf achten (& AKTIV daran arbeiten), daß ich NICHTS von meiner ‘mich beschützenden Spannung’ einbüße ...
Um Halb Acht Uhr (!) ... habe ich EXTREME Schwierigkeiten, ein Frühstücks-Café ausfindig zu machen, das bereits geöffnet ist: ÜBERALL ...
... sind, aus übernächtigten Augen unfreundlich dreinblickende KellnerInnen damit beschäftigt, leere Bierflaschen (noch vom Vorabend? Oder bereits die ‘frischen’ Reste des heutigen Frühschoppens?) von den Tischen zu räumen!
‘BUT FINALLY’: Billiges & einfaches Frühstück!
Das Fassungsvermögen der Kaffeetassen wächst von Tag zu Tag. Heute wird mir der so wichtige ‘Jugo da Vida por la Manana’ im riesigen Glas-Humpen kredenzt ...
‘GRANDIOSO ...’
Da ich für den Nachmittag eine Halbtags-Besichtigungs-Tour ‘in & um Cuzco’ plane, kann ich mir nur zustimmen: Die Zeit ist ZU KNAPP, um etwas ‘Richtiges’ zu unternehmen! ... also lasse ich mir Zeit & beende den gestrigen Tagebuch-Eintrag. Um der Wahrheit die Ehre zu geben:
Außerdem habe ich keine Lust!
Auf einer Parkbank im Zentrum genieße ich anschließend die, in den sau-kalten Hoch-Anden-Regionen ach-so-lieb-gewonnene Morgensonne & statte in regelmäßigen Zeitabständen meinem Exkursions-Veranstalter (erfolglose!) Besuche ab:
Hm - die nette ‘Vieja’ (von gestern Abend) ...
... scheint sich den Vormittag frei zu nehmen !?
Ein paar (wenige) Atmo-Shots ...

LA1128-CuscoIglesiasLaCompania+LaMerced

... & ‘zielloses Umher-Streunen’ durch die alte Inka- Kapitale. Endlich (gegen Elf Uhr) treffe ich meine persönliche Tourplanerin an ...
... & erstehe (mit stolz geschwellter Brieftasche!) das GANZ GROSSE Paket:
- heute Nachmittag ‘City-Tour & nearby Ruins’,
- Morgen Tagesausflug (mit dem Zug) nach Machu Picchu,
- & am Donnerstag eine Ganztages-Tour ins ‘Valle Sagrado’ (mit Besichtigung der ‘kleinen’ Inka-Heiligtümer im Rio Urubamba-Tal).
UND ... da ich nun schon mal hier bin, lasse ich mir für den kommenden Samstag-Morgen ein ‘Boleto Classe Pullman’ für den Zug nach Puno (am Titicaca-See) vormerken.
Inklusive des, für die Besichtigungen vorgeschriebenen ‘Ten-Dollar-Cuzco-Visitors-Ticket’ kostet mich DER GANZE SPASS (na, hoffentlich ...?) 81 US-Dollar und 23 ‘Soles Nuevo’ ...
... aber ICH (arbeitslos!) HAB’S JA!
Geld spielt keine Rolle - Hauptsache: ‘Barato’!
Meinen neuen Status als ‘Cuzcos pauschalster Pauschal-Tourist’ deutlich sichtbar ... äh ... vor mir her tragend (genießend? naja: ‘Not really!’), durchkämme ich das Viertel um die ‘Iglesia Santo Domingo’ nach lohnenswerten Fotomotiven & entdecke einige eindrucksvoll-massive, ALTE Inka-Mauern ... ‘mit NEUEN Häusern drauf’.
OB (allerdings) ... meine Dias diese architektonischen Feinheiten authentisch-plastisch wiederzugeben in der Lage sind, wage ich zu bezweifeln!?
SHIT! Ich HASSE es, wenn ich erklären muß ...
... was ich mit meinen Fotos EIGENTLICH ausdrücken wollte!
Auf meinen Tour-Bus wartend, verbringe ich schließlich (nach dem Verzehr eines als ‘Almuerzo Muy Simple’ genossenen riesigen, gebratenen Maiskolben: ‘Do The Beaver!’) auf meinem atmosphärischen Innenhof-Holzbalkon eine entspannte Lese-Stunde.
Pünktlich um Zwei Uhr werde ich im ‘Hostal Caceres’ eingesammelt ...
... als eins der ersten ‘Paquetes’. Daher beginnt der Trip (nicht WIRKLICH überraschend) mit einer Ad-Hoc vorangestellten ... äh ... ‘inoffiziellen City-Sight-Seeing-Tour’: Wir klappern ALLE Hotels, Hostals & Hospedajes der Stadt ab, bis auch der ALLER-LETZTE, leere Sitzplatz des Kleinbusses ...
Um Halb Drei Uhr steuern wir den ersten Besichtigungs-Programmpunkt an:
Die Kathedrale! ...
... die ICH mir schon mal ‘schenke’!
Naja - zum einen kann ich mir DIE mit meinem ‘Visitors-Ticket’ (das für alle Sehenswürdigkeiten gilt: allerdings nur je einmal!) am Freitag auch noch IN RUHE anschauen. Und andererseits weiß ich noch gar nicht, ob ich das überhaupt will?
Denn ... mittlerweile habe ich hier, in Lateinamerika SO VIELE ‘verschwenderisch ausgestattete (menschenverachtende!) Katholen-Klitschen’ von innen gesehen ...
... daß mir regelmäßig SCHLECHT wird!
Zumal ... wenn ich mir gleichzeitig noch ‘die strahlenden Gesichter der, von den Fundis verführten Ärmsten der Armen’ ansehen muß.
Also: A VER ...
ICH ... nutze die ‘geschwänzte’, halbe Besichtigungs-Stunde, um auf den sonnigen Treppenstufen vor der Kathedrale einen interessanten GEO-Bericht über Paranuss-Bauern in Puerto Maldonado (im äußersten südost-peruanischen Dschungel) zu lesen.
DANN geht es ab in den Bus (der Zeitplan ist sehr eng!) ...
... & zum nächsten Etappenziel:
zur ‘Iglesia Santo Domingo’, die von den ‘feinfühlenden spanischen Conquistadores’ auf dem ‘vorher eigen-geschleiften Gelände der Inka-Tempel-Anlage Coricancha’ errichtet wurde!

LA1219-CuscoCoricancha+InkaWall

Das einzig authentische Überbleibsel aus der Inka-Ära ist die einseitig (zur ‘Avenida del Sol’ hin) erhaltene, beeindruckende, und / weil sechs Meter hohe Schutzmauer des damaligen ‘obersten Inka-Heiligtums’. Sie besteht aus schweren Steinquadern, die ohne Verwendung von Mörtel (lediglich exakt behauen & ineinander eingepaßt) übereinandergeschichtet wurden:
Allem Anschein nach eine ‘Heiden’-Arbeit ...
Naja - die als kriegerischer Volksstamm berühmt-berüchtigten Inkas hatten zu jeder Zeit ihrer Herrschaft ausreichend Sklaven zur Verfügung!
Auch wenn unser ‘Tour-Guide’ nicht müde wird, die ‘offizielle peruanische (verfälschte) Geschichts-Darstellung’ zu wiederholen ...
... & uns glauben machen will (muß?), ‘das grundsätzlich friedfertige Inka-Reich wäre nur aufgrund geschickter Verhandlungsführung & beiderseitig nutzbringendem Technologie-Transfer zu seiner letztlichen Größe gelangt ...’ (?!)
Hinter der Kirche befindet sich ein gepflasteter, schattiger Innenhof, in dessen Zentrum sich (dereinst) ein acht-eckiger Opferaltar befand, der (vor dem Eintreffen der Spanier) einen 55 Kilogramm wiegenden Goldmantel trug.
Hm - wo DAS (also: das Gold) wohl abgeblieben sein mag ...
... Fragezeichen !?
In den zweistöckigen Arkaden um den Innenhof sind die Überreste der Inka-Tempel ‘Mond & Sterne’ sowie ‘Donner & Regenbogen’ ausgestellt: große Steinquader, einige mit Inschriften (sowie blaß-bunten, geometrischen Darstellungen & Mustern), ruhen hinter teils SEHR aufwendigen Schutzglas-Verkleidungen.
Den (vermutlich interessanten ...?) Ausführungen unseres ‘Guides’ kann ich leider kaum Aufmerksamkeit schenken - schließlich bin ICH nicht zum Vergnügen hier:
Ich suche für ein paar schnelle Shots ein paar schöne Perspektiven ...

LA1132-CuscoInnenhofIglesiaSantoDomingo

... dann geht’s auch schon weiter (& ab in den, ungeduldig mit laufendem Motor ‘scharrenden’ Bus).
Die ‘so-called: Nearby Inca-Ruins’ besichtigen wir im (ähnlichen) Eilverfahren:
- ZUNÄCHST steuert unser Busfahrer ‘Quenko’ an, ein verwirrendes, ‘die Natur nachahmendes’ Felsen-Labyrinth, das aus einem massiven Fundament typischer Inka-Wälle erwächst (& dem die Bedeutung eines rituellen Ortes zur Herstellung des für Zeremonien unabdingbaren ‘Chicha’-Bieres zugeschrieben wird),
- die NÄCHSTE Teil-Etappe führt zum ‘Puca Pucara’, dem ‘Roten Fort’ (Überreste einer noch relativ gut als solche auszumachenden Inka-Festung),
- WEITER geht’s (‘Hopp-hopp-hopp!’) zum ‘Tamba Machay’, einem aus Naturstein in eine Bergwand gehauenen, zeremoniellen Inka-Bad (das aus einer nahen, unter-irdischen Quelle gespeist wird & dessen Wasser - übrigens - zur Herstellung des beliebten ‘Cuzquena’-Bieres verwendet wird),
- & SCHLIESSLICH erreichen wir den letzten Tages-Besichtigungspunkt:
‘Sacsayhuaman’ ...
... ein (zwar nur noch zu ‘erahnendes’) Inka-Fort mit (jedoch unschwer-erkennbar!) GIGANTISCHEN Abmessungen!
DESSEN ... offensichtliche Haupt-Attraktion sind 22 hohe Inkamauern, die in einer ungewöhnlichen ‘Zick-Zack-Form’ angeordnet sind:
Tja - bekanntlich konzipierten die Inkas die Hauptstadt ihres Reiches nach einem Grundriß, der (konzentriert man sich auf die dicken & hohen Befestigungsmauern der Stadt Cuzco) leicht als Körper eines Jaguars identifiziert werden kann.
Innerhalb des Gesamtbildes stellte die zerstörte Festung ‘Sacsayhuaman’ den Jaguarkopf dar ... & die ‘Zick-Zack’-Wälle bilden die Zähne dieser, von den Inkas als gott-ähnlich verehrten Raubkatze.
Wie bereits erwähnt: All diese Schauplätze ‘ehemals pulsierenden Inka-Lebens’ werden in rasendem Tempo & mit gnadenlos-gehetzter Eile besichtigt. Bei unserem Eintreffen an der letzten & interessantesten Station (‘Sexy Woman’: wie unser ‘Funny Local Guide’ zu scherzen sich BEMÜHT! Aber auch die mehrfache Wiederholung dieses Wort-Witzes läßt bei UNS, seinen Zuhörern, nicht die von ihm vermutlich erwartete ‘uneingeschränkt ausgelassene Freude’ aufkommen ...!?) hat darüberhinaus die Sonnen-Einstrahlung schon derart an Intensität eingebüßt, daß ich selbst mit meinem ‘200-ASA’-Film nichts (oder FAST nichts) mehr ausrichten kann.

LA1140-NaheCuscoSacsaywomanWalls

Resümierend ...
... muß ich den Halbtages-Trip insgesamt (hm, nicht unerwartet!) als ZIEMLICH UNBEFRIEDIGEND abhaken. Naja ... vielleicht ist mir ja DOCH der eine oder andere ‘Lucky Strike’ gelungen !?
Gegen Sechs Uhr kehren wir (nach einer großen Schleife & einem letzten Foto für heute: ‘palästinensische Jesus-Statue On A Hill-Top’) ...

LA1133-NaheCuscoPalästinensischeJesusStatue

... ins mittlerweile abendliche Cuzco zurück. Ich fühle mich ‘körperlich etwas schlapp’ (erste Anzeichen hierfür mußte ich schon gestern Abend feststellen) & gönne mir, flach auf meinem Hotelbett liegend (& NICHTS tuend), eine Stunde der ‘gedanken-losen Erholung’. Wieder bei Kräften ...
... steigere ich diese (die Kräfte ... noch) durch Zuführung eines chinesischen Abendessens: ‘Irgendwas mit Reis’ sowie ‘Mate de Coca’ ...
Nein - heute KEIN Alkohol!
Um Neun Uhr ziehe ich mich ins Hotel zurück. Und nach ‘den üblichen Bett-Geschichten’ (Tagebuch & Lesen) erlege ich mir bereits um Elf Uhr strengste Nachtruhe-Pflicht auf ...
... nicht grundlos, denn:
MORGEN FRÜH geht’s mit dem ‘6-Uhr-20’-Zug hinunter (?) nach Machu Picchu!
Diese Nacht wird kurz - also:
SCHNELL SCHLAFEN! ...

... Pünktlich um Fünf Uhr (!) bin ich (nach eiskalter Dusche, im allerdings stock-dunklen ‘Hostal’) HELLWACH! Bei vier weiteren Hotelgästen steht heute Machu Picchu auf dem Besichtigungsprogramm & gemeinsam warten wir (ERBÄRMLICH frierend!) auf den ‘Shuttle-Bus’ unseres Tourveranstalters.
Währenddessen laufen in der unmittelbaren Umgebung (wie in der ganzen Stadt) die letzten Vorbereitungen für die große ‘Corpus-Christi-Feria’ (siehe später!) auf Hochtouren. MEINE Straße wird systematisch mit Bierzelten sowie Essens- & Verkaufs-Ständen zugebaut.
Da ein Bus die ‘Calle Plateros’ nicht mehr passieren kann, hat die Agentur einen Taxifahrer mit unserem Transport zur ‘Estación de Trenes San Pedro’ beauftragt, wo wir pünktlich um Sechs Uhr eintreffen:
- Menschengewimmel & ‘schock-weise’ (in jeder Beziehung!) Polizisten-Trupps,
- Foto- & Video-Film-Verkäufer, die ihre Waren in aufgeklappten, schick-schwarzen Aktenkoffern aufbewahren (& zum Kauf anbieten),
- diverse Kunst- & Kulturführer über Machu Picchu (in diversen Sprachen) sind auf den Treppenstufen zum Bahnhofsgebäude ausgelegt,
- Snack- & Getränke-Verkäufer bieten (sich gegenseitig ‘übertönend’) eine unüberschaubare Palette ‘Eye-Opener’ an!
ICH ... HAUE mir erstmal einen gezuckerten ‘Mate de Coca’ REIN ... äh ... gegen die zu befürchtenden Symptome der von nahezu keinem Touristen (außer mir!) ernstgenommenen ‘Low Altitude Sickness’!
Ja - HEUTE steht eine extreme Berg- & Tal-Fahrt an: vom Cuzco-Niveau (auf etwa 3.400 Höhenmetern) führt die Zugstrecke zunächst HINUNTER auf knapp 2.000 Meter über NN (Aguas Calientes am Ufer des Rio Urubamba) & ...
... von dort gilt es dann (HINAUF zum Machu Picchu-Berg) 350 steilst an-steigende Höhenmeter zu überwinden!
Erstmal aber heißt es, den richtigen Waggon & meinen reservierten Sitzplatz zu finden: Meine ‘Classe Expresso en El Tren Turistica’ ist mit NUR 20 Dollar für den ‘Round Trip’ die billigste Kategorie!
Der Waggon ist zwar nur knapp zur Hälfte gefüllt, aber alle reservierten Plätze befinden sich natürlich konzentriert in der Mitte des Abteils. Nachdem sich der Zug in Bewegung gesetzt hat (leider KEINE Dampflok!), kann ich mir ‘eine eigene Vierer-Sitzgruppe’ sichern ... & mich ausbreiten.
Der sich für mich zuständig erklärende Tourleiter (Fragezeichen: Brauch’ ich nicht!) stellt sich vor & erklärt mir (jovial), die Fahrkarte für den Bus ‘Up- & Down-Hill Machu Picchu’ sowie die Eintrittskarte zur ‘Machu-Picchu-Anlage’ würde ich von ihm an der ‘Machu Picchu-Bahnstation Puntas Ruinas’ ausgehändigt bekommen!
Dabei schaut er mich unzweifelhaft STOLZ (auf sich) an - gerade so, als erwarte er (von mir) ein euphorisches ‘Eh - Dufte, Mann!’ ...
... ICH aber frage ihn, warum er mir die Tickets nicht gleich HIER gibt ...?
Äh ... sichtlich verunsichert zögert er, sucht nach Worten ...
... zuckt aber letztlich nur die Schultern & reicht mir die ‘Boletas’.
Und somit bin ich (spätestens: ab NUN!) unabhängig & darf mir den Rest des Tages ‘nach meenem Justus’ einteilen ...
Um Viertel vor Sieben Uhr rollen wir aus dem Bahnhof. Zunächst müssen wir den Talkessel Cuzcos verlassen (rund um die Stadt geht ein Berg in den nächsten über) & das bedeutet, daß der Zugführer sich die ‘am wenigsten hohe (äh ...) Erhebung’ aussucht & EISERN auf deren 3.800 Meter hohen Pass zusteuert!
Da die Bahntrasse in den steilen Berghängen keine engen Schleifen drehen kann, beginnt ein verwirrendes, schon nach kurzer Zeit JEDE Orientierung unmöglich machendes, mehr-etappiges Rangieren: Nachdem sich der Zug (ächzend & stöhnend) fünf Minuten bergan GEQUÄLT hat ...
... rollt er wieder (langsam) zurück in Richtung Bahnhof!
Hm - da ich die Strategie des Lokführers nicht GLEICH durchschaue, vermute ich das Naheliegende: Wir haben den Heizer vergessen! Zwar ...
... handelt es sich um eine Diesel-Lokomotive, aber die peruanische Eisenbahn-Gewerkschaft ist ‘Muy Fuerte’ & hat durchgesetzt, daß TROTZDEM ...
... & IN JEDEM FALL ...
Naja - noch ZWEIMAL wiederholt sich dieser, an eine Springprozession erinnernde (immerhin doch!) VOR-gang (die Steig-Phasen führen offensichtlich DOCH über eine längere Strecke als die ‘Zwei-Drei-Vier-Marschieren-Wir’-Berg-AB-Wärts-Roller).
DANN haben wir ‘den Rand des Cuzco-Kraters’ erklommen: ein letzter Blick auf die dunstige, tief unter uns in der Morgensonne erwachende Stadt ...
... & in der Folge geht’s nur noch abwärts (& zwar schlappe 1.800 Höhenmeter!).
Nach anderthalb Fahrtstunden hat sich der livrierte Zugbegleiter auch bis in MEIN nieder-klassiges (aber immer noch ‘Touri’-) Abteil vorgekämpft & ich darf mir (mit dreistündiger Verspätung) einen RIESIGEN, dampfenden ‘Open-Your-Eyes!’-Kaffee zuführen: dazu ein halbes Maisbrot (trocken!) & ...
... ‘der strahlend-blaue Morgenhimmel über den süd-peruanischen Anden hängt voller Geigen!’ (für mich ... äh - ja: ... also: wieder ... ‘Mechtild!’).
Vom höchsten Punkt der Zugfahrt aus, sind im entfernten Westen einige mehr als 6.000 Höhenmeter messende, schneebedeckte Gipfel auszumachen. Deren Namen kann ich allerdings nicht in Erfahrung bringen.
Oder genauer: leider nur deren ‘Quechua’-Namen ...
... & diese werden von meinen auskunftsfreudigen, einheimischen Mitreisenden leider SO ‘dahergenuschelt’, daß ich mich AUSSER STANDE sehe, sie (mittels welcher Lautsprache auch immer) hier niederzuschreiben!
Das Gelände fällt leicht, aber stetig ab. Während der raren Zug-Stops gelingen mir einige interessante Shots auf allmählich erwachendes, peruanisches Landleben:
- kleine, halb-verfallene Bahnstationen (mit den typischen, auch aus amerikanischen Western sattsam bekannten, ballonartigen Wassertanks neben den Bahngeleisen),
- Schulkinder (natürlich in Uniform), auf dem Weg von ihren heimischen, einfachen Naturstein- & Lehmhütten über staubige Dorfstraßen & feuchte Feldwege zur (wie-weit-entfernt-die-auch-immer-liegen-mag ...?) Schule,
- trotz verschlissener Kleidung, augenscheinlich STOLZE Indios (auf ihren unter-ernährten Mauleseln einher reitend & ... mit ihren Strohhüten hinter uns / dem Zug her winkend).

LA1147-TrainToMachuPicchuAtmoShotLA1148-TrainToMachuPicchuAtmoShot

Auch die ‘offene’ Landschaft bietet dem aus einem komfortablen Touristen-Zug zuschauenden (‘spanne-r-nden’!) Betrachter ‘idyllische Natur- & Farb-Kompositionen’, deren glorifizierende Beschreibung jedoch vermutlich MEILENWEIT an den hier (knallhart!) HERRSCHENDEN Lebensbedingungen vorbeizielt:
- durchgängig bewaldete, sanft ansteigende & sattgrüne Hügel,
- vereinzelte (einsame), leuchtend-rote ‘Adobe’-Lehmhäuser,
- kleine, glasklare Gebirgsbäche & -flüsschen (mit ‘gischtig’-weißen Schaumkronen),
- sowie ein makellos-blauer & endlos-weiter Anden-Himmel.
Gegen Neun Uhr passieren wir Ollantaytambo (siehe morgen!) & erreichen hier den (zunächst noch im breiten Bett dahinfließenden) ‘heiligen Rio Urubamba’, dem wir bis nach Machu Picchu folgen (werden). Schnell jedoch ändern sich die Panorama-Ausblicke (und zwar ... von ‘nordisch-kühl’ ... hin zu ‘tropisch-schwül’):
- die sanften Hügel entwickeln sich zu immer schroffer & steiler ansteigenden Bergen, die trotzdem & weiterhin (fast immer) unter dichtem ‘Grün’ stecken,
- das Flußbett wird schmaler, der Fluß besteht schon nach wenigen Kilometern nur noch aus einer reißenden Aneinanderreihung extremer Stromschnellen (‘ABSOLUTELY NON-Boatable’!),
- mit jedem verlorenen Höhenmeter steigen die Außentemperaturen stetig (& ... letztlich förmlich SICHTBAR!) an.
Ich PROBIERE mich an einigen ‘Natur-&-Atmo-Shots’ (aus dem fahrenden Zug heraus): Aber die extremen Lichtverhältnisse im engen Canyon wechseln (im Nano-Sekundenbereich) ständig ...
... & ich mache mir (daher) über die zu erwartenden Resultate ‘meiner halbherzigen Dokumentationsversuche’ keinerlei Illusionen ...
SHIT !!!
Aguas Calientes ...
... heißt der letzte, nächste (& einzige) Ort vor Machu Picchu: SEHR touristisch drängt sich Hotel neben Restaurant (& das unmittelbar an den Bahngeleisen).
Zehn Minuten später fährt unser Zug in die kleine Station ‘Puntas Ruinas’ ein ...

LA1153-MachuPicchuBahnhofPuenteRuinas

... wo wir schon erwartet werden: nämlich - von ungezählten Händlern & Verkäufern (sowie etwa einem halben Dutzend Kleinbussen).
Die anderen Touris bilden wie selbstverständlich eine lange Menschenschlange & warten geduldig auf den unauffindbaren ‘Guide’, der mit den ‘Boletos de Autobus y Entrada’ verschwunden ist ... & ICH?
Naja - ich will mich ja nicht selbst in die Pfanne hauen ...
... aber auf MICH wirkt es SCHON (ein wenig!) ARROGANT, wie ICH (aufreizend LÄSSIG!) an den ‘Qs’ vorbeischlendere & (einfach so: Zack!) den nächst-parkenden, abfahrtbereiten ‘Machu Picchu’-Bus erklimme!
Serpentinig steigt die schmale Schotterstraße (‘Öp - Öp - Öp!’, wie nicht anwesende ‘Holländerinnen mit erstem Wohnsitz in der Eifel’ dies zu beschreiben pflegen) 350 Höhenmeter (und / oder acht Entfernungskilometer) berganwärts. Eine Viertelstunde später ergießt der Bus seine touristische Ladung auf den großen Parkplatz vor dem gutbewachten Eingangstor zum ‘höchsten Inka-Heiligtum’ & ...
... diese (die Ladung) verschmilzt AUGENBLICKLICH mit den (übrigen) ‘Myriaden umher-wuselnder & fotogen posierender Inka-Fans’.
Und TROTZDEM ...
... wenn man es SCHAFFT, sich die Touristen (bis auf einen: den GUTEN!) weg zu denken, dann strahlt der Ort (alleine schon wegen seiner exponierten Lage) von Anbeginn an eine SEHR SPEZIELLE, mystisch-magische Atmosphäre aus:
Der Blick hinunter ins ‘Rio-Urubamba-Tal’ & auf den sich steil aus diesem empor- reckenden, spitz-kegelförmigen (& absolut ‘Un-Climb-Able’ zumindest scheinenden), feucht-grünen Berg, um den der Urubamba eine ‘270-Grad’-Spitzkehre dreht ...
... ist (ohne Übertreibung!) ATEMRAUBEND!

LA1154-TalDesRioUrubambaVonMachuPicchu

Der Machu Picchu-Hügel (selbst) ist bis in dramatischstes Gefälle hinein von Lehm- & Naturstein-Ruinen ‘bestanden’, die nur über schwindelerregend-hoch verlaufende, schmale ‘Inca-Trails’ zu erreichen sind.
Ich wandere vorbei an den ‘unteren Wachtürmen’ (unterhalb der, über eine Unzahl hoher Terrassen-Stufen erreichbaren ‘Hütte des Zeremonienmeisters der Begräbnis-Feierlichkeiten’) zur ‘Plaza Mayor’:

LA1169-MachuPicchuZentralerPelotaPlatz

... einer etwa 200 Meter langen & 50 Meter breiten satt-grünen, gepflegt wirkenden Rasenfläche, die von den Häusern & Tempeln der Oberschicht (‘Downhill’) sowie den augenscheinlich einfacheren Hütten der Unterschicht (‘Uphill’) eingefaßt wird.
Am westlichen Ende der ‘Plaza’ laden zwei ‘Photo-Genious Posing Llamas’ zu Schuß, Rast & Kontemplation (in genau dieser Reihenfolge!) ...

LA1156-MachuPicchuLlamaInGrünanlage

... meine angestrengten Bemühungen, diesen heiligen Ort (rauchend) ‘zu atmen’, sind jedoch nur MÄSSIG erfolgreich:
Der Menschenandrang ist schlicht ‘Too Machu’!
Naja - vielleicht rauche ich auch nur ‘das falsche Gras’ ...
... & sollte mehr Wert auf ‘Inka-Authentizismus’ legen!
(hm - letztlich kann man JEDEN Ort heilig kiffen!).
Ich beschließe (auch um den Menschenmassen zu entfliehen), den hoch über der Inka-Anlage thronenden ‘Huayna Picchu’ (einen steilst aufragenden & doch dicht-bewaldeten Berg westlich von Machu Picchu) zu besteigen.
Am Startpunkt des Berg-Pfades muß ich mich in eine Besucherliste eintragen. Offizielle Begründung: ‘Nobody Shall Get Lost!’ ...
... aber der wahre Grund für diese Kontrollmaßnahme, ist die Befürchtung der Offiziellen, daß sich Besucher ‘über Nacht’ in der Anlage aufhalten & ‘wer-weiß-was’ (ja, was denn?) anstellen könnten ... !?
Neben dem schmalen, natur-steinigen Trampelpfad fallen die Felsen dramatisch tal-abwärts: ein ums andere Mal muß ich ‘fingierte Foto-Stops’ einlegen - der Anstieg ist äußerst anstrengend & überschreitet wiederholt (eindeutig!) den schmalen Grat zwischen ‘Trekking Extreme & Easy Mountaineering’!
Als ich schließlich den Gipfel (& damit DAS ENDE ab- ...) sehen kann, fasse ich den Entschluß, mir genau DIESES Erfolgserlebnis zu verwehren ...
... & lasse mich am Rand des Bergpfades nieder:
HIER herrscht eine HIMMLISCHE RUHE!
Sieht man einmal von den (mit stierem ‘I-Have-TO-...-Blick) im steten Strom an mir vorbeikeuchenden ‘Erfolgshungrigen’ ab ...
... so umgeben mich NUR einige exotisch aussehende & ‘Laut gebende’ Vögel (denen ich VÖLLIG gleichgültig bin!) sowie Schwärme kunterbunter Schmetterlinge.
Auch HIER bieten sich mir ‘One-Million-Dollar-Views’ (ich darf fotografieren, ohne mich mit meinen Ellenbogen gegen 100 drängelnde, andere Touris zur Wehr setzen zu müssen) & ...
... ich fühle mich SEHR im Einklang mit mir & meiner ‘Wanderslust’-Maxime:
‘HIKING - NOT REACHING!’
Von hier aus beobachte ich (natürlich AUCH) die ‘traurigen Gestalten’, die sich den Berg ‘hinauf QUÄLEN’. Mir wird so manch interessantes Schauspiel geboten:
- angefangen vom lautlosen Fluchen & verräterisch-verzerrten Grimassen-Spiel,
- über lautstarke, unkontrollierte UN-WOHL-SEINS-Bekundungen,
- bis hin zum ‘die Freuden des Bergwanderns auf den Punkt bringenden’ (& im folgenden in Auszügen wiedergegebenen) Dialog zweier SEHR gebrechlicher, älterer Schweizerinnen ...
‘Also Lilo - die Natur hier ist ja wirklich TRAUMHAFT (STÖHN!) ... & der Berg gar nicht mal SO steil ... aber DIESE STUFEN (KEUCH!) sind einfach ZU HOCH für meine Haxen!’
‘Stimmt GENAU, Bertha ... äh ... also: wenn es nicht sein MUSS (HECHEL!) & es Dir nichts ausmacht, dann würde ICH vorschlagen wollen ... obwohl: von MIR AUS können wir (DOPPEL-HECHEL!) natürlich auch weitergehen ... weil: VON OBEN soll die Aussicht ja SO WAS von PHANTASTISCH ...’
Hm - ich kann BEIM BESTEN WILLEN nicht nachvollziehen, WAS diese Leute veranlaßt, sich DIESE QUALEN anzutun ...???
Gerade, als ich mich zum Abstieg entschließe, erscheint das nette ‘British-Thai-Couple’ (das ich ‘On my Way to Cuzco’ auf dem Bahnsteig in Juliaca kennengelernt habe) & ...
... SCHWÄRMT in den höchsten Tönen vom grandiosen Aus- & Weitblick, der sich am Gipfel bietet! Aber mein Entschluß ist gefaßt:
Jegliches etwaige Ziel weiträumig umgehend vermeiden UND stattdessen den möglichst ‘aussichtslosen’ Weg suchen ...
... oder so ähnlich ?!
Netter Plausch, in dessen Verlauf ich auch die mir widerfahrene ‘Cuzco-Attack’ schildere. Aber nach (VIEL ZU!) kurzer Anteilnahms-Phase, erzählt der Brite von einem Landsmann, dem in Arequipa ‘genau das gleiche passiert ist - bei ihm war es jedoch noch VIEL SCHLIMMER, weil ...’
Hm - es ist ECHT SCHEISSE, wenn Dich niemand beachtet ...
... & KEINE SAU Dich (& Deine Sorgen) ernst nimmt!
Es folgt der lange & kräfte-raubende Abstieg hinunter nach Machu Picchu. Übrigens: aus der Ferne (& ‘von oben’) betrachtet, könnten die Fantastilliarden zwischen den Ruinen herum wuselnder Touris auch als Inkas ‘durchgehen’ ...

LA1160-BlickVonHuaynaPicchuAufMachuPicchu

Zwei Stunden verbleiben mir noch, bis zur Abfahrt des letzten hügel-abwärts ‘bremsenden’ Busses. Ich nutze diese Zeit, indem ich ziellos durch die Ruinen streune & ungewöhnliche Foto-Perspektiven suche:
Die Hauptschwierigkeit besteht (entschieden!) darin, einen Bildausschnitt zu wählen, der die Touristen-Schwärme außen vor hält - obwohl ...
... eigentlich ist diese Prozedur weniger schwierig als vornehmlich zeitaufwendig!
Mit den Resultaten bin ich (rein gefühlsmäßig) zwar recht zufrieden. Aber endgültig beruhigt werde ich wohl erst sein, wenn ich die entwickelten Dias in Händen halte.
Woran ich mich stets aufs Neue berauschen kann:
Das ‘unendlich SATTE Grün’ der gepflegten Rasenflächen zwischen den gräulich-braunen Steinhäusern & -ruinen! Und das, obwohl die Mittagssonne gnadenlos-gleißend auf die alte Inka-Stadt herniederbrennt (wieviel atmosphärischer müssen die Ansichten da erst in der Morgen- oder Abenddämmerung sein ...?).
Auch das Zusammenspiel zwischen ...
... hoch im Berg hockender Siedlung - die diese noch um mehrere hundert Höhenmeter überragenden, umliegenden Gipfel - sowie das tiefe Tal des Rio Urubamba ...
... besitzt in JEDER (noch so leicht veränderten), NEUEN Perspektive einen ganz speziellen, einzigartigen Reiz:
‘Machu Picchu is DEFINITELY MAGIC!’
(... würdest Du wohl sagen, Carmen!).

LA1172-MachuPicchuRuinenLA1163-MachuPicchuSteinhaus+StrohdachLA1175-MachuPicchuInkaTrail+Atmo

       LA1176-MachuPicchuInkaTrail+AtmoLA1180-MachuPicchuTerrassenBerg+Tal

LA1181-MachuPicchuHütteDesBegräbnisfelsenWächtersLA1182-MachuPicchuHütteInTerrassenbergLA1174-MachuPicchuTerrassenMauern+Ruinen

LA1183-MachuPicchuSelbstportrait

Um Drei Uhr begebe ich mich zurück zum Eingangsgebäude & mir bleibt gerade noch genügend Zeit, einen Kaffee im ‘Restaurante (Muy Caro)’ zu trinken.
Während der zehnminütigen Busfahrt ‘Down To the River’, wird uns dann eine ganz besondere Show geboten:
Im Minutentakt erscheint der immergleiche, kleine Junge (im authentisch-spärlichen Inka-Outfit) vor unserem Bus & verabschiedet uns ein ums andere Mal mit einem mark-erschütternd hinterher gebrüllten ...
... ‘GOOOD BYYEEE!’
Er nutzt die im Hügel vorhandenen ‘Short-Cuts’ & bewältigt den Abfahrtslauf ‘quasi Luftlinie’. An der Urubamba-Brücke (er hat das Wettrennen gegen unseren Bus übrigens KLAR für sich entscheiden können), steigt er ausgepumpt & leicht hechelnd in unseren Bus & ...
... erhält von den anerkennend lächelnden Touristen für seine sportliche Sonder-Leistung ‘hell-klingenden Lohn’ in seine ausgestreckte, rechte Hand.
Naja - von FAST ALLEN Touris ...
Äh ... im Restaurant mußte ich schon (‘No Sencilio!’) für den anderthalb ‘Soles’ teuren Kaffee meine allerletzten siebzig Centavos hinblättern & nun ...
... muß ich (entschuldigend mit den Achseln zuckend) schon wieder gestehen:
‘Perdone - No Sencilio!’
Diese peinliche Situation (obwohl: ‘Wieso kann denn auch NIRGENDWO in Latein-Amerika NIE KEINER NICHT auf Scheine rausgeben ...?’) macht mir erschreckend klar, daß ich den Latinos immer ähnlicher werde:
- gewaltbereit wie der übelste Schläger,
- Mate de Coca verkoksen wie ein Junkie,
- & jetzt diese BILLIGE, abgestandene Nummer mit dem nicht vorrätigen Kleingeld!
TZ-Tz-tz ...
Mit halbstündiger Verspätung (für peruanische Verhältnisse also: extrem pünktlich UND darüber hinaus schon den ganzen Morgen: ‘Sin Problemas de la Maquina!’) ‘rumpelt’ der Zug aus dem Bahnhof. Zwar darf ich zunächst noch SEHR stimmungs-volle ‘Berg-Land-Fluß’-Panoramen genießen ...
... aber schon nach einer Fahrtstunde setzt die Dämmerung ein & ... pünktlich um Sechs Uhr umhüllt uns die raben-schwarze, peruanische Nacht.
Da im Abteil nur ein schwaches ‘Funzel’-Licht glimmt, kann ich nicht lesen. Und zur Unterhaltung mit meinen ‘Ätz-Gut’-gelaunten Sitznachbarn fehlt mir (unmittelbar nach ‘Atmospheric Machu Picchu’) die rechte Lust:
Naja ...
- ein redseliger, rothaariger (wie originell!) Brite im ‘Cerveza-Leona’-T-Shirt mit der Nummer 17 (?),
- eine ‘ziemlich affektiert’ daherredende, typische ‘Ami-Tante’ (jüngeren Alters),
- sowie ein ebenfalls junges Pärchen schwer bestimmbarer Herkunft (sie sprechen zwar akzentfreies ‘Amerikanisch’, ihr ‘Espanol’ klingt aber genauso authentisch ...
... dem äußeren Eindruck nach handelt es sich wohl doch um ‘Somehow-Latinos’).
Ich döse vor mich hin & ...
... tue ALLES, damit ich das Ende der Zugfahrt herbeisehnen MUSS (ich langweile mich - ärgere mich über die unbequeme Holz-Sitzbank - HASSE ‘aussichtlose’ Nacht-Zugfahrten - & so weiter). ENDLICH ...
... um Neun Uhr, läuft unser Zug in die (wiederum ‘extrem menschen-wuselige’) ‘Station San Pedro’ ein.
NATÜRLICH ... zeigt sich weit & breit kein Bus oder Taxi meiner ‘Caring Tour-Company’. Ich verspüre WENIG Lust, die halbe Nacht am Bahnhof zu vertrödeln & folge daher dem Beispiel einiger anderer ‘Gringos’, die sich (scheinbar bedenkenlos, aber gruppenweise!) in die überfüllten Straßen stürzen.
UND ICH ...?
Naja - ‘Cuzco-Phobia’ ...
... vermutlich stehen EXAKT DIESE WORTE (in gut-leserlichem ‘Quechua’) mitten auf meiner platten, leicht transpirierenden Stirn!
Ich marschiere die ‘Avenida Marquez Mancas’ nordwärts & auf halber Strecke zum Zentrum fallen mir zwei junge Typen auf, die übertrieben langsam vor mir her schlendern, sich abwechselnd zu mir umdrehen & miteinander tuscheln.
UND ICH ...?
‘All My Senses are OPENED WIDELY!’
Plötzlich drehen die beiden sich gleichzeitig & sehr abrupt um, grinsen mich an & kreuzen hautnah (rechts & links) an mir vorbei. Der von mir aus gesehen ‘linke’ (‘Bazillus!’) rückt mir am nächsten ‘auf die sensible Pelle’ & ...
... erwischt mit seiner agressiven, stumpfen Brust VOLL meinen blitzschnell angewinkelten, linken Defensiv-Arm: ‘HOPPALA!’
Hm - & ENDLICH erschließt sich mir Wortstamm & WAHRHAFTIGE Bedeutung des ‘Letra Espanól: Armas!’ ...
... aber DIESE, meine (natürlich REIN DEFENSIVE!) Abwehrreaktion, scheint ihm überhaupt nichts auszumachen: kein Laut kommt über seine Lippen - die beiden blicken sich noch einmal kurz zu mir um - & verschwinden dann (lächelnd!) in der Menschenmenge ...
VERDAMMT: ICH MUSS HIER WEG !!!
Langsam, aber sicher werde ich ENDGÜLTIG zum irren Paranoiker!
( ... was heißt hier ‘werde’ ?).
Bevor ich mich ins Hotel zurückziehe ...
... ‘erschleiche’ ich mir (noch schnell) ein gutes & billiges Diner in einem schicken Nobel-Restaurant: ‘Pre-Season’ & die immense Konkurrenz, zwingen ‘auch die besseren Gourmet-Tempel Cuzcos’, sich in die tiefsten Niederungen hinab zu begeben UND mit ‘tiefste Niederungen’ meine ich natürlich ganz entschieden MICH!
Den verschwitzten & ungeduschten Rucksack-Reisenden in seinen stinkenden Trekking-Klamotten! SCHEISS-EJAAAHL ...
... & kaufe ich (noch schnell) Zitronen-Limonade ZU (eine halbe Flasche hoch-prozentiger ‘PISCO’ wartet noch im Hotelzimmer auf mich).
Dort (im Hotel) angekommen ... mixe ich mir einen GIGANTISCHEN ‘Pisco-Sour-Frust’-Nachttrunk (‘etwa’ jeweils gleiche Anteile der ... äh ... drei verschiedenen Ingredienzen).
Bereits nach EINEM, SEHR LANGEN Kapitel ‘Rayuela’ (bei ‘Suff & Qualm’) bin ich rechtschaffen müde & SCHIESSE ...
... VOR Halb Elf Uhr (Na Und? Heute Abend erreiche ich DEN PUNKT halt früher als sonst: ‘PROST!’) ...
... final (für heute) DAS LICHT AUS ...

... Heute steht die ganztägige ‘Valle-Sagrado’-Tour auf meinem Programm:
Aber ... meine Straße ist ‘mit Bretter(bude)n vernagelt’!
HIER kommt kein noch so schmaler Bus durch!
Warten - beim Tourveranstalter nachfragen - (wieder) warten ...
... um es kurz zu machen: Mit knapp einstündiger Verspätung erscheint (endlich!) ein vollbesetzter Minibus. Für mich & Carlos (unseren ‘Guia’) bleiben nur die ausklappbaren Sperrsitze. Nachdem ich (zunächst ... zwar) ‘ein wenig’ wegen des unzumutbaren Sitzplatzes ‘herum-mosere’ ...
... bin ich letztlich doch recht zufrieden: bietet der unbequeme Schemel doch (wenigstens) nicht ausschöpfbare Beinfreiheit-Reserven.
Eine halbe Stunde irrt unser Busfahrer noch (scheinbar völlig orientierungslos) durch das ‘corpus-christi’-bedingte Verkehrs-Chaos. Dann findet er (zufällig ...?) die Landstraße nach Pisac & ...
... gegen Halb Elf Uhr kann es (denn doch noch) losgehen.
PUH!
Carlos macht einen netten Eindruck, hat sich gut vorbereitet & weist uns während der Busfahrt immer wieder auf ‘Wissenswertes entlang der Straße’ hin:
So erfahre ich ...
- daß ‘in grauer Vorzeit’ ein riesiger See den Talkessel von Cuzco füllte (dies ist übrigens noch heute zu erkennen: während der ersten 100 Höhenmeter ist die Flora der Berghänge ‘totally different’ - nämlich: maritim!),
- daß die Vegetation im Umkreis von Cuzco zu mehr als 90 Prozent aus Eukalyptus besteht, der in den ‘Dreissigern’ von australischen Einwanderern eingeführt wurde & heute ein unverzichtbarer Grillkohle-Zusatz für die peruanische Spezialität ‘Pollo a la Brasa’ ist.
DESHALB also ... schmecken peruanische Brathähnchen so komisch! Obwohl: Fisch (meine erste Vermutung) und Eukalyptus kann auch nur jemand verwechseln, der über einen solch ‘ausgesprochen sensiblen Gaumen’ verfügt wie ich!
Carlos ist sehr bemüht, läßt zu jeder seiner Ausführungen erläuternde Schaubilder kreisen & ...
... es tut mir schon JETZT leid, daß ich ihn im Laufe des Tages (während ‘Meiner individuellen Foto-Safari’) so ignorieren (werden) MUSS ...
Unser erstes Tages-Etappenziel ist die Stadt Pisac. Zwar NUR 35 Kilometer nördlich von Cuzco gelegen, in der extremen Topographie dieser Region bedeutet dies aber gleichzeitig: zunächst 500 Höhenmeter rauf & dann (wieder) 1.000 Höhenmeter runter! Besuch des berühmten, örtlichen Donnerstag-Marktes:
- buntes & geschäftiges Treiben (‘Artesanias’ für die zahlreichen Touristen: Wollweb-, Holzschnitz- & Metallschmiede-Arbeiten),
- der Platz ist übersät von ‘Berufs’-Indios’, die sich in ihren farbenfrohen Trachten jeder Kamera (fordernd, aber immer lächelnd!) in den Weg stellen & sich (gegen Zahlung von ‘Soles Nuevo’ ... versteht sich!) von bereitwilligen ‘Gringos’ bereitwillig ablichten lassen.
ICH (Ratte, ich!) bin jedoch KEINESWEGS ‘bereitwillig’ ...
... zögere vielmehr meine ‘Shots: Mercado y Iglesia’ (unglücklicherweise!) so lange heraus ... hm - korrigiere die Schärfentiefe, ... optimiere die Kamera-Perspektive (indem ich meinen Standort drei Zentimeter weiter nach links verlege), ... wähle einen weitaus besseren Bildausschnitt (durch Anpassung der Zoom-Brennweite von 140 auf 135 Millimeter) ...
... äh ... bis mir ... also: ZUFÄLLIG ... ein paar unachtsame Indios ins Bild laufen & es (das Bild!) dadurch ruinieren:
FUCK !!!

LA1185-PisacBunteMarktszene

Mein schlechtes Gewissen (wieso eigentlich?) treibt mich allerdings bereits nach der dritten, derart erschlichenen Portrait-Aufnahme in ein nahes Open-Air-Café, wo ich (‘Mate de Coca’ trinkend) die Weiterfahrt unseres Busses abwarte.
Durch steile Serpentinen führt eine Nebenstraße vom ‘Urubamba-Valley’ schwindel-erregend-hoch HINAUF in einen Berg, dem die Inkas durch geschickte Terrassierung & zusätzliche geologisch-architektonische (Bau-) Maßnahmen die Form eines riesigen Kondors gegeben haben!
Carlos erklärt, weist mit dem ausgestreckten Arm auf die wichtigsten anatomischen Merkmale des ‘verehrten Vogels’, verschaubildlicht ... & wirklich:
Mit ein wenig Phantasie & gutem Willen sind deutlich die in langen, spitzen Krallen endenden Füße, die halb-geöffneten Schwingen (etwas weniger deutlich) sowie der ‘gekrönte’ Kopf auszumachen. Dieser (der Kondor-Kopf ... oder ‘etwas’ weniger prosaisch ausgedrückt: eine auf dem Gipfel des Berges errichtete Inka-Siedlung) ist unser erklärtes, nächstes Ziel!
Der Bus erklimmt die Bergstraße bis zu deren abruptem Ende (einem kleinen Parkplatz: ‘Artesanias Muy Bueno!’). Von dort folgen wir gute zwei Kilometer einem in einen steilen Hang hinein gearbeiteten ‘Inca-Trail’ (‘Hm - BLOSS nicht nach LINKS blicken!’). 100 Höhenmeter unterhalb der Hauptsiedlung kauert eine sehr fotogene, kleine Gruppe roter Lehm-Ruinen, die in der Form eines Rund-Dorfes angeordnet sind: KLICK!

LA1191-NahePisacSeitental+Ruinen

Ein letzter, steiler Anstieg ...
... & ich befinde mich (natürlich hänge ich meiner Gruppe WEIT hinterher) inmitten einer verwirrend-chaotischen Ansammlung, gut-erhaltener Inka-Zeugnisse:
etwa ein Dutzend Steinhäuser (lediglich die Dächer fehlen), Torbögen, ein rund-gemauerter Wachturm & (etwas abseitig) einige freigelegte Grabstätten.
Mindestens FÜNF (!) Touri-Gruppen bevölkern GLEICHZEITIG die Anlage & (ähnlich, wie schon in Machu Picchu) besteht die Hauptschwierigkeit für den stark (‘im Berg’) geneigten Fotografen in der ‘Wahl eines touri-freien Bildausschnitts’. Ich erklimme eine kleine Anhöhe oberhalb der Ruinen & schieße gerade mal ZWEI (!) Fotos ...

   LA1193-NahePisacValleSagrado+RuinenLA1196-NahePisacRuinen+TrailUphill

... da mahnt Carlos auch schon zum Aufbruch:
’Vamos Amigos! TODAY we got a LOT More to Do!’
Nämlich ...
... erstmal ausgiebigst ‘Brotzeiten’! Wir folgen der Straße (& die dem Rio) dreißig Kilometer in westlicher Richtung bis nach Urubamba (‘La Ciudad’) & kehren in einem feudalen ‘Restaurante Con Atmosfera Hazienda Tipico’ ein:
- warmes Lunch-Buffet (‘All-You-Can-Eat’) für 12 ‘Soles Nuevo’,
- ziemlich arrogante ‘Kellner-Schnösel’ in rot-schwarzer ‘Ekel-Livree’ (tja - & es gibt DOCH noch Gerechtigkeit: absolut BESCHEUERT aussehende Uniformen als gerechte Strafe für schlechtes Benehmen!),
- ein ‘trachtiger Arp-ista’, der im Duo mit einem jungen Perkussionisten für die authentische Tischmusik sorgt.
Übrigens: Die Bass-Saiten der peruanischen Harfe sind TO-TAL verstimmt ...
... was aber niemanden zu stören scheint (äh: außer einem - obwohl: ‘Not Really!’).
In DIESEM Ambiente vergeht mir schlagartig alles! AUCH mein Hunger (obwohl man sich HIER locker für eine Woche im voraus ‘den Magen verrenken könnte’).
ICH ... ziehe mich mit einem ‘Cafe Negro’ in den gepflegten, sonnenüberfluteten Garten zurück - währenddessen füllen meine Tour-BegleiterInnen ihre Mägen:
systematisch (bis hin zur Selbstverstümmelung) & mit einem Ernst, der den Schluß nahelegt, daß dieses Restaurant-Buffet das WIRKLICHE & EINZIGE Highlight des Tages darstellt !?
Nach Beendigung der etwa anderthalb-stündigen Mittagspause rangiert unser Fahrer seinen Bus gekonnt durch die weit geöffnete Schwing-Glastür mitten in den Speisesaal des Restaurants, plaziert die bewegungsunfähigen Tourmitglieder (also: ALLE ... außer einem!) unter kräftiger Mitwirkung der gesamten, schwitzenden (& HOHE Trinkgelder einsteckenden) Kellnerschaft auf ihre Sitze im Inneren des unter der neuen Last hörbar aufstöhnenden Busses & ...
... wir dürfen ENDLICH unserem nächsten Etappenziel im ‘heiligen Tal’ entgegen BRAUSEN: Den Inka-Ruinen nahe Ollantaytambo!
Die Landschaft ist mir (vom Vortage her) noch gut im Gedächtnis: sowohl die Bahngeleise der Zugstrecke nach Machu Picchu als auch der ‘komfortabel-ausgebaute Highway’ verlaufen (unmittelbar unterhalb einiger eindrucksvoller, schneebedeckter Gipfel) parallel zum Rio Urubamba.
Nach einer halben Fahrtstunde parkt unser Fahrer seinen Bus am Eingangstor zu den Ruinen. Souvenir-Verkäufer einerseits sowie ‘Gringos’ (& ... einheimische Touristen) andererseits halten sich ‘auf zahlenmäßig hohem Niveau’ in etwa die Waage:
NICHTS WIE REIN in die ‘ruinöse Anlage’ ...
... die sich (Gott-sei-Dank!) als sehr weitläufig erweist!
Nach einer kurzen Einführung Carlos’ in die Geschichte Ollantaytambos, setze ich mich in die ‘etwas weniger ÜBER-füllten’ Passagen ab, schieße ein paar Fotos & bemühe mich, ‘mein individuell-authentisches Inka-Feeling’ zu entwickeln.

LA1199-OllantaytamboZeremonialHütteLA1203-OllantaytamboLlamaTerrassen

LA1205-OllantaytamboSteintreppe+TerrassenLA1204-OllantaytamboTempelanlageImBerg

Hm - was sich allerdings, trotz angestrengter Versuche meinerseits, als NAHEZU UNMÖGLICH erweist (‘ZU VIEL Wasser auf meine Misanthropen-Mühle!’).
Übrigens: Auch diese Zeremonial-Anlage wurde ‘einem höheren Plan folgend’ errichtet. Die Inkas, bekanntlich mit einem großen Interesse an Astronomie ausgestattet, haben im Urubamba-Tal ein komplettes Sternen-System durch landschafts-architektonische Eingriffe spiegelbildlich in die umliegenden Berge reproduziert (daher auch der Name ‘Valle Sagrado’) ...
... & die ‘Ollantaytambo-Anlage’ ist die in Stein gehauene Nachbildung des ‘Llama’-Sternzeichens. ‘Äh ... die Identifizierung der bekannten, südamerikanischen Kamel-Form erfordert jedoch SEHR VIEL PHANTASIE, Carlos!’
Die spanischen Eroberer erklärten den religiös-rituell-astronomischen Komplex kurzerhand zu einer ‘martialischen Inka-Festung’:
eine bewußte Geschichts-Fälschung ...
... konnten die Spanier doch NUR auf diese Weise eine der wenigen ‘Kriegs-Schlappen’ erklären, die ihnen (peinlich!) von den wenigen Inka-Priestern & Tempel-Wächtern an diesem ‘heiligen Ort’ beigebracht wurde.
Aber: HALT! Das dauert alles VIEL ZU LANGE ...
‘VAMOS!’ ...
... Carlos mahnt unnachgiebig zum Aufbruch!
Für unsere letzte Besichtigungs-Station, die Stadt Chinchero (eine knappe Bus-Stunde südöstlich von Ollantaytambo) rechne ich mir foto-technisch nicht mehr allzuviel aus ... & wirklich:
zeitgleich mit unserem Eintreffen am zentralen Bushaltepunkt leitet die Sonne (um Fünf Uhr!) ihr ‘tägliches Untergangs-Schauspiel’ ein ...
... diese ‘dramatische Dramatikerin’, DIESE!
Der Ort ist in einen steilen Hügel hineingebaut: Wir springen (am Fuße der jäh ansteigenden Kopfsteinpflaster-Gassen ankommend) aus dem noch rollenden Kleinbus & hasten (Carlos folgend) die engen Sträßchen hinauf. Mit jedem bewältigten Höhenmeter nimmt die ‘Bevölkerungsdichte’ zu. Als wir schließlich in den Marktplatz einschwenken, sind wir AUGENBLICKLICH Teil eines riesigen, lauten & bunten Volksfestes & ...
... im nächsten Moment haben sich die Mitglieder unserer Gruppe ‘aus den Augen verloren’. AUCH in Chinchero wird (wie ‘All Over Latin-America’) die ‘Corpus-Christi-Feria’, das europäisch-katholische Fronleichnamsfest, begangen.
Allerdings feiern die Peruanos ‘ETWAS ausgelassener’ ...
... als ich es vom durchschnittlich-deutschen ‘Prozessor’ gewohnt bin!
Ich streune ziellos durch die wabernde Menschenmenge, die (neben ‘wabern’) vornehmlich ißt, trinkt & tanzt, schieße zwei Aufnahmen von farbenprächtig & phantasievoll kostümierten Tanzgruppen, die sich auf einer großen Bühne vor der Kathedrale fotogen präsentieren (‘Hm - wenn nur nicht DAS LICHT so SCHWACH wäre: SHIT!’) ...

LA1209-ChincheroCorpusChristiTänzer

... haue mir einen saftigen ‘Papas-y-Carne’-Spieß direkt vom Straßen-Grill in den gähnend-leeren Magen (‘ICH darf das! Schließlich habe ICH heute Mittag am Buffet verweigert!’) & ...
... lasse mich dann LANGSAM wieder hügel-abwärts & Richtung (hoffentlich noch wartendem !?) Bus treiben:
Für die ‘Ruinas’ ist das Tageslicht mittlerweile EH zu schwach!
Ich kaufe einem ‘Nino Peruano’ (weniger Hunger, als vielmehr Mitleid) eine Tüte Popcorn ab. Zehn Minuten später ist unsere Reisegruppe wieder komplett. Und nach einer letzten halben Fahrtstunde (durch die ‘Dark Peruvian Night’) SPUCKT uns der Bus an Cuzcos ‘Plaza de Armas’ ... äh ... AUS.
Ich bedanke & verabschiede mich vom ‘netten Don Carlos’, trolle mich (zunächst) in ‘Mi Hostal Caceres’ & ... SPÄTER durch die Straßen Cuzcos:
Wo DIE HÖLLE LOS ist - ‘Corpus Christi!’
Die Prozession am frühen Nachmittag habe ich zwar verpaßt, JETZT aber (am Abend) findet der vergnüglichere Teil statt & in der ‘Avenida Plateros’ (MEINER Straße!) ist die kilometerlange Futterkrippe untergebracht ...
... ‘Der Längste Desch vun Peru’:
die Ess- & Trinkzelte (alle rappelvoll!) sind durchnumeriert & am ‘plaza-de-armas’-fernen Ende der Straße erreichen die Zeltnummern Zahlen von ‘ÜBER 200’.
Ich bin HUNGRIG & beschließe, mich heute mal ‘von der Straße’ zu ernähren.
‘Keine Angst, Ulla! Weder Heuschrecken, noch Maden ... äh ... geschweige denn Regen(wald-)würmer!’ Obwohl ...
... naja - an die ‘Cuy’-Schweinsköpfe (mit Vampir-Ohren & Kugel-Äuglein) habe ich mich ja mittlerweile zumindest visuell gewöhnt:
‘ABER DIESE GEBRATENEN VIECHER DA, die so dekorativ auf die zum Bersten gefüllten Fleischtöpfe plaziert wurden, wirken schon MUY COMICO!’
Hm - sieht original aus wie Ratte: Ein tiefbraun bis schwarz gebratener (oder besser: verbrannter bis verkohlter) ganzer Körper mit Füßen, Kringelschwanz & Kopf, aus dessen Mund (oben & unten) je ein scharfer, schnee-weißer Doppel-Schneide-Zahn hervorragt ...
... wie ich später erfahre, handelt es sich um die in Peru so beliebten (‘zum Fressen gern’ gehabten & ...), als Delikatesse speziell gezüchteten Meerschweinchen!
‘Nee, Ulla - ehrlich ... ?!’
Ich halte mich lieber an die auf Bambus-Splinte aufgespießten Fleischstücke aus ...  äh ... ‘Carne’ (‘was das wohl mal WAR, als ES noch putzmunter über die Anden-Hochebene lief, hüpfte, kroch ... schwamm?). Am unteren Spießende befindet sich übrigens eine große Bratkartoffel (AUCH zum Schutz der Hand ... vor dem vermutlich Fingerkuppen-Krebs verursachenden, triefend-gallert-artigen Grill-Fett).
Nachdem ich mir den dritten dieser GIGA-Apparate ‘in meinen Corpus’ ... äh ... inkorporiert habe ...
... BIN ICH SATT!
Währenddessen ... brodelt die ‘Plaza de Armas’:
- mehrere Salsa-Combos (VIEL ‘Blech’ sowie vereinzelte ‘Rhythmusknechte’) spielen an unterschiedlichen & wechselnden (die Bands sind MOBIL!) Ecken der ‘Plaza’ zum Tanz auf,
- die Grünflächen des Parks sind mit Abfällen & leeren Bierflaschen übersät,
- das altersmäßig SEHR breit gefächerte Publikum flaniert (wenn es nicht zu den Klängen der Kapellen tanzt) untergehakt um die ‘Plaza’ herum.
Vor der Kathedrale, deren großer Vorplatz ebenfalls mit Biertischen ‘gepflastert’ ist, spricht mich Mario (ein bekennend-gebürtiger Cuzqueno) in deutscher Sprache an. Nach dem ‘Abfragen der Facts’ (meiner ‘Legitimation, hier zu sein’), erzählt er mir, daß er mit einer deutschen Frau verheiratet ist, die als Reiseleiterin arbeitet & momentan mit ihrer Reisegruppe eine Exkursion durch den ‘Manu Nationalpark’ unternimmt.
Er lädt mich zu einem Bier ein & wir unterhalten uns ...
... auch über ‘das Naheliegende’: Hm - es gelingt mir NICHT, ihn davon zu überzeugen, daß der ‘Kölner Karneval’ (den er kennt & nach eigener Aussage, liebt!) nichts, aber auch REIN GAR NICHTS ist ...
... im Vergleich zu DEM, was HIER ‘ABGEHT’!
Schließlich will ich mich revanchieren & Mario ein Bier spendieren - aber:
Keine Chance! Mit Hinweis auf die peruanische Gastfreundschaft VERBIETET er mir ganz entschieden & keinerlei Widerspruch duldend dieses, mein Wollen ...
... & drückt mir stattdessen ein in Sekunden-Bruchteilen beschafftes (‘Keine Ahnung, wo er das so schnell her bekommen hat?’), frisches Bier in die Hand!
‘Muchas Gracias, Mario ...
... (por Conversación y Cerveza)!’
Später wende ich mich wieder (‘Sóló!’) dem mich umgebenden, ausgelassenen Treiben zu: Die Musikgruppen beweisen grenzenlose Flexibilität & Mobilität. Sie scharen, einem Wettstreit nicht unähnlich, möglichst viele TänzerInnen hinter sich & führen dieses, ihr derart geködertes Publikum, im Schlepptau durch die nächtlichen Straßen Cuzcos. Fasziniert schaue (& höre) ich den Musikern zu ...
... die ihr ‘Lauf’-Tempo mit den immer schneller werdenden Salsa-Rhythmen (& gestochen-scharf die Abendluft durchschneidenden Bläserlinien) synchronisieren ...
... & (derart) ECHTE ‘Ganzkörpermusik’ aufführen!
Die TänzerInnen wollen dem nicht nachstehen, geben ALLES, um (physisch) mithalten zu können & ...
... sind DER ABSOLUTE BRINGER dieses entspannten Abends (ihr ‘akrobatischer Tänzel-Schritt’ erinnert mich frappant an die Leichtathletik-Disziplin ‘Dreisprung’):
Kurze, schnell aufeinanderfolgende Trippel-Kombinationen werden immer wieder durch längere, regelrechte Sprünge kontrastiert, während derer die Ausführenden einen Moment lang reglos in der Luft zu stehen SCHEINEN.
Dieser (gleichermaßen chaotisch wie homogen wirkende) ‘Massentanz’ besitzt seine stillen ‘Highlights’ in einigen älteren Indio-Frauen ...
... die (augenscheinlich enthusiasmiert, jedoch voll konzentriert) ihre komplizierten Schrittfolgen in klobigen, stiefel-ähnlichen ‘Tretern’ ausführen & gleichzeitig mit mindestens einer Hand ihre hohen, ach-so-aero-UN-dynamischen Anden-Zylinder vor dem ‘Laufwind’ (& drohendem Verlust) schützen:
EINFACH IRRE!
Und ich bemerke (einigermaßen überrascht), daß sich erstmalig seit vier Tagen wieder ein breites Lächeln auf mein Gesicht legt ...
Ich ziehe noch einige große Schleifen durch das vergnügliche City-Spektakel, in dem ‘Gringos’ (wie ich) keine Rolle spielen! Und selbst wenn das folgende wie erfunden klingen sollte: Das letzte Bild, das ich von der Straße ‘mit in mein Hostal’ nehme ...
... ist das einer un-GLAUB-lich dicken ‘Indio-Frau in voller Tracht’ (& mit schief-sitzendem Zylinder), die ein volles Bierglas zwischen Arm & enormem Oberkörper festgequetscht hält & mit zufriedenem Lächeln vor sich hin schnarcht ...
‘Nein, Hans - DU stellst immer Fragen! Ich habe doch schließlich keine Profi-Studio-Blitzanlage dabei ... !’
Gegen Mitternacht fällt die Türe zu meinem Zimmer (hinter mir) ins Schloß:
(Rest-) ‘PISCO’ zu ‘Cortazar’!
Morgen ist Ausschlafen erlaubt, daher ... bette ich mich erst (SEHR!) viel später, mit einem ‘eigentlich ganz guten Gefühl’ zur Nacht-Ruhe ...
(äh ... in GODDAM’ FUCKIN’ CUZCO).
Obwohl: FREUNDE ...
... werden wir wohl (trotzdem!) nicht mehr ...

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