1-043-ElChimborazo02
LatAm 15

UNTERWEGS IN DEN PERUANISCHEN ANDEN:
A
LP- (& SONSTIGES) TRAUM-BUS-’TRIPELN’ !
ODER: THE PERUVIAN ANDES -
TIL THE ROAD ... ÄH ... ENDS !

... von Celendin runter ans Ufer des Rio Maranon ... bergauf nach Leimebamba & Chachapoyas ... sowie über Chiclayo & Trujillo
nach Huaraz - nahe des Mount Huascarán (Peru):

Sonntag, 11. Mai bis Mittwoch, 14. Mai 1997

Heute ist MEIN GROSSER TAG! Obwohl ...
... ich sage mir: Das wird eine Busfahrt wie jede andere!
(aber ich weiß noch nicht, ob ich mir das wirklich glauben soll ...?).
Um Halb Neun Uhr wache ich auf - SO-FORT raus auf die Straße & ...
... die ist ziemlich VOLL!
Heute ist Sonntag & in Celendin ist Sonntag Markttag:
- hunderte aus dem Umland angereiste Indios (die an ihren cremefarbenen bis schnee-weißen Hüten zu erkennen sind: breite Krempe & ‘plateau-claque’-artiges, hohes Kopfteil) sind in den schmalen Gassen unterwegs,
- sie scheuchen Schweine vor sich her ... oder reiten sehr aufrecht auf ihren ‘Zwerg’-Pferden (hohe Sättel, bunte Satteltücher) ... oder schleppen tief gebeugt ihre Waren zum Marktplatz.

LA0995-CelendinAtmoSonntagsmarkt02

Nach längerer Suche entdecke ich ein Restaurant, das neben den Standard-Frühstücks-Varianten (Cafe, Leche o Chocolate) auch etwas Eßbares offeriert & verschaffe meinem Magen eine nicht zu umfangreiche, verdauungs-freundliche Grundlage (Ich habe HEUTE ... äh ... noch was vor!).
Anschließend schlendere ich durch das chaotische Markttreiben & schieße ein paar (wenige) Atmo-Bilder. Um Halb Elf Uhr zurück ins Hotel:
Duschen, Packen & Auschecken.
Kurz vor Elf Uhr treffe ich in ‘Mi Empresa De Autobuses’ ein & erkundige mich, gut gelaunt (noch!) nach meinem ‘Halb-Zwölf-Uhr’-Chachapoyas-Bus. Erstaunte Gesichter blicken mich an: ‘NO HAY un Autobus a Once Y Media!
Hay solamente un Autobus A Las Dos!’
Zwei Uhr ...?
SCHEISSE!
Ich beharre auf meinem Ticket, verweise auf die eindeutige Abfahrtzeit-Angabe & werde schließlich von einem Motorrad-Rickshaw-Driver kreuz & quer durch die Stadt kutschiert. Natürlich landen wir exakt vor dem (gestern noch von mir verschmähten) Minibus-Unternehmen (unmittelbar neben meiner Pension) ...
... wo man mich  beschwichtigt:
‘Si, Senor! No Problema - El Autobus sale a Las Doce!’
Naja - Zwölf Uhr hört sich schon besser an als Zwei Uhr ...
... obwohl: das heißt ja noch nichts!
Gemeinsam mit Ricky & einem Ami-Pärchen warte ich auf den vor einer Stunde Richtung Tankstelle (?) verschwundenen Minibus. Mit halbstündiger Verspätung (also fast pünktlich) erscheint der Bus letztlich doch. Wir nehmen unsere Plätze ein & die unvermeidlichen ‘Town-Sight-Seeing’-Pirouetten können beginnen ( ... in Search of Passengers!).
Kurze Rede, langer Sinn: Zwischenzeitlich wird zwar diskutiert, uns (zehn Leute!) auf zwei Taxis zu verteilen. Nach einer weiteren Stunde aber ist der Bus (urplötzlich!) bis ins Handschuhfach hinein mit Fahrgästen ÜBER-füllt & ...
... es geht los:
Aber ‘RAPIDO’!
Zunächst quält sich der mit einem sehr schwachen Motor ausgestattete Kleinbus die bekannten 15 Kilometer hinauf zum ‘Cerro de Celendin’ (von dort - wie schon gestern - wiederum ‘Breathtaking Views’ ins tiefe, tiefe Tal des Rio Maranon). In zwei Etappen führt die Schotterstraße die 2.500 Höhenmeter hinunter bis ans Ufer des Flusses:
Auf etwa halber Strecke (kleines ‘Plateau-In-Between’) befindet sich eine ärmlich aussehende Hüttensiedlung. An einer heruntergekommenen Lehmbehausung prangt (auf einem abblätternden Plakat) der mittlerweile überholte Wahlslogan:
‘Vargas-Llosa por Presidente 1990!’
Goin’ DOWN To The River ... steigen die Temperaturen spürbar an:
Das für die niedrigeren ‘Alturas Peruano’ charakteristische Insektenkonzert setzt unvermittelt ein - die Vegetation ‘im und am Berg’ besteht ausschließlich aus Kakteen (lediglich in der Nähe der Hütten wachsen vereinzelt Bananenbäume).
In der Sitzreihe unmittelbar hinter mir hustet ein kleines Mädchen erbärmlich & ohne Unterlaß ...
... & ersetzt damit das nicht vorhandene Radio (Die Ärmste!).
Kurz bevor wir das Flußufer erreichen, bemerke ich einen kleinen Jungen, der (an der offenen Seitentüre kauernd) eine Plastiktüte in Händen hält, in der eine VERRRY STRANGE aussehende, avocado-grüne Paste hin- & herschwappt ... !?
Ich wundere mich noch (laut & kopfschüttelnd), welch EKELERREGENDE SPEISEN die Einheimischen hier so zu sich nehmen ...
... da holt der bedauernswerte Zwerg weit aus UND:
KOTZT DIE NÄCHSTE, GRÜNE ‘BREITSEITE’ in seinen ‘Doggy-(Vomit-)Bag’!
Hm - bloß nicht ZU genau hinsehen ...
... ansonsten muß ich mir mein (Gott-sei-Dank!) KARGES Frühstück auch nochmal ‘durch den Kopf gehen lassen’ ... !
In Balsas (‘Brücken’-Stadt am Ufer des Maranon) legen wir den ersten Zwischenstop ein: Kauf von leicht-verdaulichem Reiseproviant (B & B - sprich: Brot & Bananen), Durchziehen zweier Zigaretten am Fluß. SCHON ...
... setzen wir unsere Fahrt fort & unser Bus folgt einer rutschigen Ufer-Sandpiste (grobe Richtung: Amazonas!). Aber bereits nach einer halben Fahrtstunde gibt’s den zweiten (diesmal unfreiwilligen!) Zwischenstop:
SHIT! - Plattfuß - vorne links!
Während sich die Busbesatzung (fluchend!) an den Reifenwechsel macht, schlendere ich (rauchend & ein paar Fotos schießend) durch den Nadelbaum-Hain.

       LA0998-NaheBagasReifenpanneAmRioMaranonLA0999-NaheBagasDorfAmRioMaranon

Hier unten (auf NUR 800 Höhenmetern) herrschen unerträglich-HEISSE Außentemperaturen & im Handumdrehen (dabei bewege ich mich kaum!) bin ich schweiß-gebadet!
Naja - NOCH verströme ich HITZE-Schweiß ...
... aber DAS wird sich in Kürze ändern!
Denn die aufregendsten drei Stunden meines ‘noch so jungen (!)’ Lebens beginnen & ich übertreibe KEINESWEGS, wenn ich gestehe, daß ich in der Folge SOVIEL MUFFENSAUSEN haben werde, wie NOCH NIEMALS JE ZUVOR:
- erstens geht’s steilst an den vertikal ansteigenden Berghängen (nein: NACKTEN FELSWÄNDEN!) hoch!
- zweitens ist die Piste SO SCHMAL, daß sie gerade mal Platz für EIN (nicht allzu breites) Fahrzeug bietet ...
... wie hier allerdings ein ‘normal-großer’ Bus zurecht kommen soll, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben!
- UND drittens (‘and Most Thrilling!’) ist die Straße keine Straße, sondern eine endlose Aneinanderreihung notdürftig mit Sand zugeschütteter, durch Erdrutsche entstandener Löcher!
Vor JEDEM dieser (‘omnibus’-großen!) Erdlöcher stoppt der Busfahrer. Dann schaltet er in den ersten Gang zurück & ‘rutscht’ (im ‘Schneckentempo’: gleichzeitig bremsend und gasgebend, dabei kaum lenkend!) über die ‘potentiellen Totengräber’ hinweg.
ÜBRIGENS: HIERMIT ...
... erkläre ich unseren ‘Bus-ista’ (Gott-sei-Dank NICHT posthum!) zum ‘für alle Zeiten & mit riesigem Abstand BESTEN AUTOFAHRER unseres gesamten Sonnen-Systems (inklusive sämtlicher bekannter und unbekannter Kometen, Asteroide & sonstiger Vororte!).
Während der ersten drei ‘Horror’-Stunden befinde ich mich (im bis auf die letzte Urne besetzten Leichenwagen) auf der dem Berg abgewandten Seite ...
... & habe daher bei JEDEM der sich unablässig aneinanderreihenden ‘Himmelfahrts-Kommandos’ die ständig zunehmende Fallhöhe EXAKT im Blick. Zwischenzeitlich schließe ich (probehalber) immer mal wieder die angstschweiß-feuchten Augen ...
... DAS macht es aber nur NOCH SCHLIMMER!
Einige Male schliddert der linke Hinterreifen (nur noch Millimeter vom freien Fall entfernt) über mäßig-festen Grund ...
... & MEHR ALS nur EINMAL sehe ich Sand & Geröll (das sich Sekundenbruchteile zuvor noch unter den Reifen des Busses befand) surreal & wie in Zeitlupe den Steilhang hinunterschweben!
Ich bin mir TOTSICHER ... & die teils äußerst ängstlichen Ausrufe der ‘local Passengers’ (die diese Strecke vermutlich nicht erstmalig befahren) bestärken mich in diesem, meinem Glauben ...
... daß ‘mein lieber Freundeskreis Daheim einige Male kurz davor stand, sich in eine Erbengemeinschaft zu verwandeln:
‘Sorry, meine Lieben! War diesmal (noch) NIX!
Vielleicht ‘Un Otra Vez’ ...
SCHLOTTER!
Aber auch diese Medaille hat natürlich zwei Seiten ...
... auch wenn mein übersatter Adrenalin-Pegel mich zunächst zur ‘etwas einseitigen Betrachtung dieser alpigen Traumfahrt’ nötigt ...
(naja: Primär-Bedürfnisse halt zuerst!).
Die Aussicht in das tief unter uns sich malerisch präsentierende Flußtal ist einfach UN-BE-SCHREIB-LICH - was ich daher auch nur KURZ ( ... & mit Sicherheit unzureichend) versuche:
- Berghänge, die auf Entfernung gar nicht SO steil erscheinen (hm - wie derjenige, an dem wir uns gerade entlang- & hochhangeln),
- die Berghänge sind, vornehmlich in den tieferen Regionen, mit dichtem Grün überzogen (je höher wir steigen, umso grauer & schroffer zeigen sich jedoch die nackten Felsen),
- das Fluß-Tal ist ein ‘Synonym für überquellende, überbordende Fruchtbarkeit’ & in undurchdringlich wirkenden Dschungel eingebettet,
- der Rio Maranon besitzt zwar schon hier (zu Beginn seiner langen Reise zum Amazonas) eine enorme Breite, fließt aber augenscheinlich sehr flach & ist mit reißenden Stromschnellen gespickt (‘Absolutely Non-Shipable!’),
- die Berge sind (in vertikaler Richtung) von eindeutigen, überdeutlichen Spuren niedergegangenen Gerölls & Felsgesteins gezeichnet, was (auf Entfernung) wie böse Narben ausschaut,
- im Berg entspringen eine große Anzahl Frischwasserquellen, die im günstigsten Falle als kleiner Teich am Wegrand vor sich hin dümpeln, im ungünstigeren Fall (für den ‘Bergverkehr’ & ... MICH!) als Rinnsale & kleine Bäche den eh schon losen Fahrbahn-Grund über- & unterspülen.
Nachdem wir schließlich ‘im Berg gewendet haben’ (& ich in der Folge die aufschießenden Steilhänge unmittelbar vor meiner Nase habe) kann ich die grandiose Aussicht ‘ETWAS relaxter’ genießen ...
... nämlich dosiert & durch die ‘begrenzenden’ Fenster auf der gegenüberliegenden Busseite! Hm - außerdem wächst mit jedem weiteren Male, ‘da wir (mal wieder) dem Tod von der Schippe springen’, mein Vertrauen in unseren FAHRER-GOTT ...
... bis es (mein Vertrauen) sich schließlich ‘im Unendlichen mit meinem parallelen Wohlbefinden schneidet’!
Vier Stunden klettert der Bus unaufhörlich - unterbrochen nur von einem kurzen Stop an einem Wasserloch, aus dem die Busbesatzung (mit vereinten Kräften & alle verfügbaren Gefäße nutzend) den schier unstillbaren Durst des Buskühlers stillt ...
Tja - AUCH für den Bus ist es eine äusserst schweißtreibende Fahrt!
Dann kehren wir zum Diner-Stop ein: Ein einsamer ‘Comedor’ (weit & breit keine sonstige Hütte) steht unwirklich mitten im Berg.
Hm - wie DIE hier oben wohl leben ...?
Der ‘Cut-Through’, der uns auf die andere Seite des Berges geleiten soll, schwebt zwar noch weit über uns, befindet sich aber immerhin schon in Sichtweite. Ich nutze die allerletzten Sonnenstrahlen des Tages für EINEN Panorama-Shot & halte mich (TROTZ zunehmendem Hungergefühl) beim Essen weiterhin brav zurück.
Wer weiß schon, was NOCH auf uns (mich & meinen Magen) zukommt ...?
Ein kleines, etwa zweijähriges Mädchen, das von seinem ‘Padre’ (permanent) ‘zum Kotzen HORIZONTAL aus dem Busfenster herausgehalten wird’ ...
... ist mir ein abschreckendes Beispiel.
Übrigens: die Kleine spuckt die gleiche, avocadofarben-schleimige ...
OKAY - ich hör’ ja schon auf!
Während des Stops unterhalte ich mich mit einem jungen, ‘zivil’-gekleideten Polizisten aus Chachapoyas ...
... der (überraschenderweise!) ganz vernünftige Ansichten zu haben scheint.
Obwohl: ‘Weiß ICH was DER nach Feierabend in seiner privaten Folterkammer (im Keller unter der elterlichen Doppelgarage) so alles treibt ...?’
Um Halb Acht Uhr setzen wir unsere Busfahrt durch die mittlerweile stockfinstere Hochgebirgs-Nacht fort. Im schwachen Licht der letzten Sonnenstrahlen schien der Bergkamm gar nicht mehr SO weit entfernt - aber es soll noch gute zwei Stunden dauern, bis wir am Pass ankommen.
Die (nur mehr schemenhaft vorhandene) Aussicht hat ihren Schrecken & ihre Gefährlichkeit verloren. Über dem Rio Maranon bilden sich Dunst & Nebelschwaden, die dem Talblick ‘etwas Mystisches’ verleihen:
Die steilst abfallenden, tiefschwarzen Berghänge & skurrilen Felsformationen erscheinen durch die (sich zwischen diesen bildenden & majestätisch-langsam einher schwebenden), wie riesige, weiße Wattebäusche aussehenden Wolken zusätzlich bodenlos ... & endlos tief hinabzureichen.
Wäre es nicht stockdunkel im Bus, so würde ich jetzt (gerne) meinen ‘Dau-De-Dsching’ hervorholen & einige Verse sich mit der gewaltig mich umgebenden Anden-Natur vereinigen lassen. Ricky, der unmittelbar hinter mir hockt (& sich mir trotzdem nur als Schattengestalt zeigt) empfindet ähnlich wie ich ...
... & wir ‘SCHWÄRMEN uns’ (flüsternd zwar, aber) gegenseitig unsere Empfindungen & Gefühle ‘vor’.
Um Halb Zehn Uhr passieren wir schließlich die mehr als 4.000 Höhenmeter zählende Bergkuppe. Dies erschließt sich mir allerdings nicht optisch ...
... ich registriere lediglich, daß die Piste plötzlich bergabwärts führt, unser Fahrer seinen rechten Fuß vom Gaspedal nimmt & dieses (das Pedal!) bis zum Erreichen des nächsten Tales nicht mehr ‘betritt’.
Die ‘Schußfahrt durch tiefschwarze Natur’ wird sehr schnell eintönig. Meine überanstrengten Augen erfahren spürbare Erleichterung, als sie (tief unter uns) eine kleine Ansammlung schwacher Lichter schauen (dürfen):
Das MUSS Leimebamba sein ...
... laut Reiseführer drei Fahrtstunden südlich von Chachapoyas!
Seit wir den Bergkamm überschritten haben, zeigt sich mein Magen wieder ‘etwas mutiger’ - sprich: ich habe einen BÄRENHUNGER!
Ich beschließe, mir in Leimebamba ‘irgendetwas Eßbares’ zu besorgen. Denn unter Berücksichtigung unsrer gegenwärtigen Verspätung werden wir nicht vor Zwei Uhr am frühen Morgen in Chachapoyas eintreffen (& an ein Nachtmahl ist um diese Uhrzeit nicht mehr zu denken). Hm - ich kann mich glücklich schätzen, wenn ich um diese Uhrzeit noch eine ‘brotlose Unterkunft’ finde!
Um Elf Uhr biegt unser Bus in die ‘Plaza Central’ von Leimebamba ein: UND ...
... nachdem ich genau EIN Restaurant ausfindig gemacht habe, dessen Küche noch nicht ‘Cerrado’ ist, lasse ich mir (einem spontanen Impuls nachgebend) meinen Rucksack vom Dach des Busses herunterreichen & ...
... ‘erkläre die heutige Busfahrt für BEENDET!’
‘Pollo con Papas y Ensalada’ ...
Naja - nicht gerade DER KULINARISCHE HÖHEPUNKT meiner bisherigen Latein-Amerika-Reise: ABER ...
... ‘ausgehungert wie ich bin’, reicht der ‘Salvador de Mi Vida’ doch ZIEMLICH NAH an meine Vorstellung von Nektar heran!
Während ich (ermattet, aber glücklich) meine zweite Verdauungs-Zigarette vor mich hinpaffe, betritt ‘mein Busfahrer-Gott’ das Restaurant, macht es sich am letzten freien Holztisch gemütlich & bestellt eine Riesenportion ‘Pollo Con ...’
‘Hm - der Stop scheint wohl zu dauern!’ ...
... worauf ich (gesättigt & gestärkt wie ich bin) spontan (schon wieder!) beschließe, die Busfahrt DOCH bis Chachapoyas fortzusetzen: Also ...
... wuchte ich mich & meinen Rucksack zurück in den Bus.
Ich rauche gerade meine vorletzte Zigarette (im Restaurant gab es nur ‘Light’-Zigaretten: aber ... GERADE wenn man entbehrungsreich & ‘most basic’ reist, ist es wichtig, sich ein paar allerletzte Grundsätze zu erhalten!) ...
... als ich bemerke, daß die Bus-Crew SCHON WIEDER (heftig bis lautstark diskutierend) das linke Bus-Vorderrad abmontiert. Scheinbar handelte es sich wohl DOCH nicht nur um einen ‘Platten’.
Und richtig: Auf meine Nachfrage hin erhalte ich die Auskunft, ‘daß die Reparatur LÄNGER dauern kann ...’
DARAUFHIN fasse ich den UN-WI-DER-RUF-LICH LETZ-TEN Spontan-Entschluß des Tages, schultere meinen Rucksack, begebe mich in die stockdunklen Gassen Leimebambas & ...
... auf Zimmersuche!
Ein nettes ‘local Couple’ ist mir behilflich & trommelt die Wirtin des einzigen Hotels am Ort aus ihrem unbeleuchteten, drei Straßen flußabwärts (Leimebamba liegt am Rio Uctcubamba) sich befindenden Wohnhaus heraus:
Ich erhalte ein einfaches, aber sauberes Zimmer (für zehn ‘Soles Nuevo’ & ... ich unternehme KEINEN Versuch, den Zimmerpreis herunterzuhandeln).
Auspacken (oder genauer: meine Klamotten Lüften!). Ein KURZES Kapitel ‘Das grüne Haus’ (ich nähere mich dem Ende des Buches & befinde mich bereits im Epilog). Dann ‘zelebriere’ ich meine ALLER-LETZTE (für heute!) Zigarette, setze (noch schnell) eine ‘Cucaracha Mega Grande’ vor die Türe ...
... & schlafe (auf harter Matratze) problemlos & SEHR SCHNELL ein ...

... Ich werde vom SEHR angenehmen Geräusch eines ‘rauschenden Wildbachs (des Rio Uctcubamba) geweckt ...
... eins der während dieser Reise bislang selten-POSITIVEN ‘Awakenings’.
Erst heute Morgen (bei Tageslicht betrachtet) outet sich mein Hotel als kleines, rustikales Naturstein-Landhaus mit atmosphärischem ‘Wildwuchs’-Innenhof & einem rund-um-laufenden Holzbalkon im ersten Obergeschoß, wo sich sowohl mein Zimmer, als auch ‘El Bano’ (ein einfaches ‘Open-&-Fresh-Air’-Waschbecken) befindet.
Dieses steht bereits unter dem wärmenden Einfluß der allerersten ‘Früh-Morgen’-Sonnenstrahlen & mein steif gefrorener Körper taut (trotz EISIG-kalter Partial-Dusche!) wohltuend schnell auf.
Der Rio Uctcubamba fließt in einer Entfernung von weniger als zehn Metern direkt am Haus vorbei. Unmittelbar hinter ihm ragt ein schroffer Berg in den azurblauen, wolkenlosen Himmel, wo er eine messerscharfe, gezackte Horizontal-Linie zieht:
ANDEN-IDYLL - At Its VERY BEST !!!
Es ist kurz vor Sieben Uhr. Ich beende meine ‘Katzenwäsche’, packe meine gestern Nacht nur halbherzig verstreuten Sachen zusammen ...
... da tritt Ricky aus seinem Zimmer:
‘Hello - & How are YOU Today?’
Wir beschließen, ein Restaurant zu suchen & gemeinsam zu frühstücken. An der ‘Plaza Central’ (mit schöner, kleiner ‘Iglesia’) ...

LA1003-LeimebambaIglesiaAnDerPlaza

... werden wir fündig. Ich kaufe erstmal eine Schachtel Zigaretten & beseitige KONZENTRIERT RAUCHEND meine (unübersehbaren) Entzugserscheinungen.
DANN ...
... mit ‘hinreichend RUHIG-gerauchter, rechter Hand’ bin ich fähig, die Tasse mit dampfendem ‘Café MUY Fuerte’ an meine Lippen zu führen:
ausgiebiger  Erfahrungsaustausch mit Ricky über Indien (das er vor fünf Jahren intensiv bereist hat) sowie Lateinamerika.
Unter anderem ‘nette Horror-Story’ über Lima (Kurzfassung):
Ricky lernt eine junge Frau kennen, die ihm ‘die schönen Seiten der Stadt’ zeigen will. Schließlich werden sie (zufällig?) an einer kleinen Plaza von zwei Polizisten kontrolliert. Rickys Papiere sind zwar okay, seine ‘Begleiterin’ aber hat keinen Ausweis dabei. Trotz seiner Beteuerungen, er habe die Frau erst vor einer Stunde kennengelernt, soll er ‘seine Freundin’ auf die Wache begleiten ...
... aber kaum, daß er auf der Rückbank des Polizeiautos Platz genommen hat, hält der neben ihm einsteigende Polizist ein kleines Plastik-Säckchen (mit eindeutig WEISS-pulvrigem Inhalt) triumphierend in die Höhe & informiert Ricky, daß dieser ein großes Problem hat: ‘And there is only One Way to Solve this Problem!’
Naja - um Bargeld, Reiseschecks & seine Fotoausrüstung ‘erleichtert’ ...
... darf Ricky kurz darauf (an der nächsten Straßenkreuzung) aussteigen.
Hm ...
Mittlerweile habe ich in Erfahrung bringen müssen, daß täglich genau EIN (!) Bus zwischen Leimebamba & Chachapoyas verkehrt ...
... & zwar (genau!) um Drei Uhr morgens!
DIE SPINNEN - die Peruanos!
Ich erkundige mich bei einigen, an der ‘Plaza’ gelangweilt herumhängenden Einheimischen nach alternativen Personen-Transport-Möglichkeiten:
‘Un Carro? ...
... O Un Pick-Up?’
Aber ich pralle auf eine ‘Mauer des freundlichen, aber eiskalten Lächelns’!
JEDER verweist mich auf den ‘Frühbus’ oder ... auf ein Taxi!
‘CLARO!’ ...
... DAS ist der örtlichen, verschworenen Taxivereinigung natürlich am liebsten. SO oft ergibt sich (in dieser Abgeschiedenheit) wohl nicht eine solche Gelegenheit & da heißt es natürlich: Zugreifen!
Für umgerechnet NUR 50 Dollar kann ich ein ‘Taxi Privado’ anheuern, das mich vor jedem gewünschten Hotel in Chachapoyas absetzt UND ...
... der Taxifahrer trägt (ohne Aufpreis!) sogar noch meinen Rucksack aufs Zimmer!
Hm - angesichts solcher Aussichten fühle ich mich hier, in Leimebamba zwar nicht mehr GANZ SO WOHL - aber ich versuche mir nichts anmerken zu lassen!
Nach meiner dritten Tasse Kaffee mache ich das Büro des ortsansässigen Polizeichefs ausfindig: Dieser nötigt mich zunächst einmal, meine Personalien im ‘Gästebuch der Stadt’ zu verewigen. Anschließend erklärt er mir, daß ich mit dem Taxi nach Puente (genauer hab’ ich es nicht verstanden?) fahren kann ...
... ‘Treinte Minutos de Aqui’ ...
... & DORT - ja, dort gibt es ‘mucho, mucho Carros: TODO EL DIA!’
Ich bin zwar weit davon entfernt, ihm zu glauben (vermutlich Nachwirkungen der eben erst genossenen ‘Ricky-Story: Policia En Peru’) - andererseits verspüre ich aber auch wenig Lust ‘Another Day in (another Andes-Town-) Paradise’ zu vergeuden ...
Also handle ich (KNALLHART!) einen Taxifahrer auf nur sieben Dollar für die halbstündige Fahrt herunter & verabschiede mich von Ricky (der bis morgen Früh ausharren will) ... & Leimebamba.
RRRAPPPELLL-KISSTEEE !!!
Naja - weniger der schlechten Straße, als des uralten, klapprigen (& ‘farb-lack-losen’) Ford-Escort-Taxis wegen:
Die Straße führt am schnell sich verbreiternden Rio Uctcubamba entlang durch ‘Jungle-Like Forest’. Der junge Fahrer ist mit seinem Job sichtlich überfordert. Als ich ihm eine Zigarette anbiete, fährt er UNS um Haaresbreite in den Fluß (& ich muß ihm resolut ins Lenkrad greifen). Hm ...
... DER am Steuer des gestrigen Hochgebirgs-Busses & dieser Tagebuch-Eintrag bliebe ungeschrieben ...
‘Puente’ ... (korrekte Ortsbezeichnung: Yerbabuena - obwohl die kleine Siedlung auf den Hinweisschildern der Minibusse mit Tingo Puente angegeben wird) ... ist eine Ansammlung von etwa zwei Dutzend Steinhäusern rechts & links der Straße von Leimebamba nach Chachapoyas ...
... & wirkt (AUCH auf den zweiten Blick!) verdammt trostlos.
Eine Passantin bestätigt mir zwar, daß dies der Ort ist, wo sich die Busse & Pick-Ups um die wenigen Fahrgäste nach Chachapoyas ‘streiten’. Ich aber halte (nach eben diesem zweiten Blick) ihre Aussage für ‘zumindest leicht übertrieben’, pflanze mich (& meinen Rucksack) auf eine Steinbank am Straßenrand & richte mich schon mal gedanklich auf eine längere Wartezeit ein.

LA1004-YerbabuenaDorfAmRioUctabamba

Eine halbe Stunde später erhalte ich Gesellschaft: zwei jüngere ‘Locals’ behaupten, ‘den Bus nach Pedro Ruiz’ (?) nehmen zu wollen & vermitteln mir durch ihre Anwesenheit wenigstens DAS GEFÜHL, daß sich heute ... eventuell ... doch noch etwas tun könnte!
Kurzer Plausch zu den Ethno-Pop-Klängen aus deren mitgeführtem ‘Little Ando-Blaster’. Es dauert noch eine weitere halbe Stunde, bis schließlich DOCH ein Kleinbus die Straße entlangrumpelt ...
... UND hält ...
... UND der Fahrer mir sein Fahrtziel Chachapoyas bestätigt (dreifaches Glück!).
Aus den an der Straße aufgereihten Häusern werden mittels eines mir auf ewig verschlossen bleibenden, geheimen ‘Verkehrsleitsystems’ solange potentielle Passagiere herausgelockt (& mittels längeren Palavern von deren unabdingbarer Anwesenheit in unserem Kleinbus überzeugt) ...
... bis auch der allerletzte Not-Klappsitz besetzt ist & es losgehen kann!
Wie gehabt:
- dichter, sattgrüner Dschungel,
- der breite Rio Uctcubamba,
- sowie eine dessen Verlauf (& jeder Flußbiegung) EXAKT & in unmittelbarer Nähe folgende, erbärmlich-schlechte Schotterstraße.
Um Halb Zwei Uhr erreichen wir Tingo: Lunch-Stop!
Ich schieße ein paar Landschaftsfotos ...

LA1005-TingoNaheKuelapBrückeAmRioUctabamba

... & darf einen ersten Blick auf den Berg werfen, über dessen Gipfel-Plateau sich die Prä-Inka-Festungs-Ruine von Kuelap erstrecken soll. Allerdings ...
... vermag ich ‘von unten’ nichts Spektakuläres zu erkennen.
Ein alter, abgerissen (& wie ‘der anerkannte Dorf-Trottel’) wirkender Peruano verfolgt mich derweil auf Schritt & Tritt ...
... & SABBERT MICH VOLL (sowohl im doppelten, wie auch im wahrsten Sinne des Wortes): FUCK! ‘Wieso stürzen sich eigentlich sämtliche Penner Lateinamerikas immer alle auf MICH ...?’
Ich muß mich VERDAMMT zusammenreißen, damit mein Lunch (zwei trockene Brötchen) nicht noch einmal die mittlerweile hochstehende Mittagssonne erblickt ...
Die zweite Halbetappe (von Tingo nach ‘Chacha’) führt, weg vom Flußufer, an einem zwar nur schwach ansteigenden, offensichtlich aber hohen Berg entlang auf ein etwa 2.000 Meter über NN befindliches Plateau.

LA1007-NaheChachapoyasAtmoGraffitiHaus

Dem Motor unseres Kleinbusses behagt diese Steigung überhaupt nicht. Ihm (dem Motor) ist HEISS & wir müssen eine Reihe ‘Kühlwasser-Fassen’-Stops einlegen ...
... die letztlich in immer kürzeren Abständen aufeinanderfolgen. Mit allerletzter Kraft (LANGE hätt’s der Bus nicht mehr gemacht!?), schafft er es schließlich aber doch noch bis zum Terminal in Chachapoyas:
HALLELUJAH - & PRAISE THE BUS!
Schon der erste Eindruck bestätigt meine Erwartungen von einem ‘großen Bergdorf’:
ausnahmslos ALLE Straßen verlaufen (vom Stadtkern weg in rotbraune Lehmtrassen übergehend) hügelan- oder -abwärts - lediglich die ‘Plaza Central’ scheint mit Hilfe einer überdimensionalen Wasserwaage in das Zentrum der Stadt horizontal-exakt eingepaßt worden zu sein.
Nach einem kurzen Hotel-Check (SO viel Auswahl hat ‘Chacha’ nicht zu bieten), entscheide ich mich für einen ‘Hauch von Komfort’:
Großes, sauberes Zimmer mit Ausblick in einen kleinen, pflanzen-begrünten Innenhof (sowie ‘Agua Caliente’ im ‘Bano Privado’: ich freue mich darauf, einmal wieder LUSTVOLL Duschen zu dürfen). Satte sieben (!) Dollar kostet mich dieser ‘leichte Anflug von Hedonismus’ ...
... aber das ist mir HEUTE gleich!
Nachdem ich den Brief an Svenja auf den langen, postalischen Weg gebracht habe, GEHT ALLES SCHIEF ...
... & DER GROSSE FRUST LOS!
Mein ‘Fortkommen’ treibt mich um & ich checke die (& zwar: alle!) von ‘Chacha’ FORT führenden Verkehrsverbindungen: Da ich mich entschlossen habe, den Amazonas (das ist ein anderer, späterer Trip!) zugunsten der ‘Mountain- & Inca-Sight-Views’ im Süden Perus zu opfern, will ich auf dem schnellsten Wege nach Huaraz (am Fuße der Cordillera Blanca) weiterreisen!
Da der Flieger ja aus prinzipiellen Erwägungen ausscheidet (‘Gell, Wollie?’) ...
... bleibt nur die beschwerliche & zeitaufwendige Reise mit dem Überland-Bus. Was mich allerdings (mal wieder / immer noch) ‘auf die Palme bringt’, sind DIESE IDIOTISCHEN FAHRZEITEN:
Der Bus nach Chiclayo verläßt Chachapoyas um Vier Uhr nachmittags & erreicht sein Ziel zwischen Drei und Vier Uhr am nächsten, frühen Morgen!
‘Was um-alles-in-der-Welt soll ICH um DIESE Uhrzeit in Chiclayo anfangen ...?’
ICH WEISS: Lamentieren bringt nichts ...
... & mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als mich ‘Con Un Otre Acto de Fuerza Potente’ aus dieser abgelegenen Region zu befreien.
OKAY - ich erlebe ‘un-GLAUB-liche Busfahrten in un-MÖG-lichen Blechkisten über un-DENK-bare Berg-Pisten’ ...
... aber foto- & erlebnismäßig fällt dabei nicht allzuviel für mich ab!
Und währenddessen wird die Zeit immer knapper & im Süden Perus (ganz zu schweigen von Bolivien) erwartet mich doch noch SO VIEL SEHENSWERTES!
SHIT!
Ich verschiebe die Entscheidung darüber, wie’s von hier aus (mit mir!) weitergehen soll, auf morgen ...
... nach meinem Trekking-Trip hinauf zum Kuelap-Kloster MUSS etwas passieren!
‘Walk Around in a Real BAD Mood!’ ...
... ich schreibe meine miese Laune NATÜRLICH der (unschuldigen!) Stadt zu.
Konsequenterweise daher:
KEINE Fotos - die gerechte Strafe!
Nach Einbruch der Dunkelheit kehre ich im ‘Restaurante Kuelap’ ein:
- zu lauter Fernseher (ätzende Gameshow),
- (trotzdem) langer Tagebuch-Eintrag,
- dazu (unerwartet riesiges!) ‘Lomo Saltado’ sowie (bekannt großes!) ‘Cerveza’ ...
... heute in der ‘Frustrado’-Variante.
Um Halb Neun Uhr schlurfe ich zurück in mein Hotel, nehme eine ausgiebige & heiße Dusche & lese anschließend (in zwei wärmende Wolldecken gehüllt) das letzte & aufschlußreiche Kapitel ‘Vargas-Llosa: Das grüne Haus’:
‘Tja, Mechtild - TROTZ Deiner Warnungen hat mir der Roman AUSNEHMEND GUT gefallen!’ ...
... & ich beschließe, mir nach meiner Rückkehr nach Deutschland umgehend Ursulas ‘V.-L.’-Empfehlung ‘Tante Julia und der Kunstschreiber’ zu besorgen.
Um Mitternacht stelle ich meinen Wecker auf Sechs Uhr ein, verfolge (sowohl ‘semi-physisch’ wie halbherzig, vor allem aber: erfolglos!) einen Einzel-Mosquito dreimal durch mein Zimmer ...
... & schlafe dann (‘Huuuaaah!’) ...

... Kurz vor Sechs Uhr (& vor meinem Wecker) werde ich wach.
Schon um Viertel nach Sechs Uhr stehe ich (unternehmungs- & auch sonst -hungrig) an der Straßenecke, die mir als ‘Starting-Off-Point’ der ‘Kuelap’-Busse angegeben wurde: ‘Tingo, Tingo!’ ... hallt es mir entgegen.
Na also - ENDLICH klappt mal wieder etwas (denk’ ich noch so ...).
Ich frage, wann der Bus abfährt ...
...& ernte ein lächelnd hervorgebrachtes: ‘A Las Ocho!’
Hm - ich lache den Minibusfahrer (ein wenig) aus ...
... & versuche mein Glück bei einem seiner Kollegen. Fünf Minuten später WEISS ich DEFINITIV (Vollerhebung!), daß vor Acht Uhr KEIN EINZIGER BUS nach Tingo aufbrechen wird. Ich rechne still vor mich hin:
Ankunft in Tingo um Halb Zehn Uhr - hier (wenigstens) ‘basic Breakfast’ - um Zehn Uhr kann ich mit der Besteigung des 1.200 Meter hohen ‘Hügelchens’ beginnen - nach etwa fünf Stunden (also gegen Drei Uhr nachmittags) werde ich Kuelap erreichen - wenn ich NUR EINE STUNDE für die Besichtigung der Festungsanlage veranschlage, dann bin ich FRÜHESTENS um Halb Acht Uhr wieder unten (in Tingo) & ... um diese Uhrzeit fährt kein Bus mehr zurück (Richtung Chachapoyas)!
SHIT!
Schweren Herzens beschließe ich, (auch) die ‘Kuelap-Exkursion’ ERSATZLOS ZU STREICHEN ...
... & schon heute Nachmittag den ach-so-touri-unfreundlichen Nordosten Perus zu verlassen: Think - I’m REALLY Running Out of Time!
Es ist Halb Sieben Uhr. Die Suche nach einem Frühstücks-Restaurant erweist sich als schwierig bis aussichtslos. Daher (‘Hans!’) ...
... geh’ ich nach ein paar sehr frühen City-Atmo-Shots (‘Plaza Central’ sowie die engen Gassen der Stadt) ...
... ‘wieder IM Bett’!
Da mich eine HARTE Nacht-Busfahrt erwartet (SO GUT kenne ich Südamerika mittlerweile - immerhin!), gönne ich mir noch zwei Stunden Vorschlafen ...
Um Zehn Uhr schlendere ich zum Büro der ‘CIVA’-Busgesellschaft & erstehe ein Ticket für den ‘Halb-Vier-Uhr-Nachmittags’-Bus nach Chiclayo:
Dauer der Fahrt 12 Stunden (‘mas o menos’ ...!?). In Chiclayo werde ich dann ‘irgendwie die Zeit totschlagen (müssen)’, bis der erste Frühbus Richtung Trujillo die Stadt verläßt. Und DORT (in Trujillo -, nach nochmals dreistündiger Busfahrt) ...
... werde ich mir das beste, gewaltigste & teuerste Frühstück einverleiben, das dieser Trip bislang gesehen hat. Äh - falls ich nicht vorher (Kopf vornüber!) in Spiegeleier & Früchtemüsli hineinsinke & einschlafe ...
Ich unternehme einen kurzen Spaziergang durch die nördlichen Ausläufer der Stadt (auf einen nahen Hügel) & versuche (von) dort, die schönen ‘Weitblicke’ auf Stadt & Leute fotografisch festzuhalten ...

LA1010-ChachapoyasPanoramaShot

... bis mich zwei nervige Knirpse mit ihrem ‘sprechenden Game-Boy’ vertreiben.
‘Horst - was ich Dich schon seit langem mal fragen will: Warum wirst Du eigentlich immer SO schnell SO sauer ... ?’
Äh - ja ...
Entspanntes & ‘bewußt energie-sparendes’ Schlendern zurück zum Stadtzentrum. Hier kaufe ich eine Ausgabe der ‘La Republica’ & verbringe die beiden nächsten Stunden in einem Restaurant mit Blick auf die ‘Plaza de Armas’.
Zeitungslektüre: Sehr kritischer Bericht über die unverfrorenen & in letzter Zeit sich dramatisch häufenden Aktionen Fujimoris (& seiner Gefolgsleute), Peru von einem NUR autokratisch geführten in einen totalitären Staat zu verwandeln ...
... wie Aufhebung der verfassungsmäßig garantierten Gewaltenteilung durch Hetz-Kampagnen gegen unliebsame Richter & Besetzung der freiwerdenden Juristen-Stellen mit Fujimori-Anhängern ... oder Einflußnahme der Regierungspartei auf die regierungs-kritischen Medien.
Hm - ich bin EHRLICH VERWUNDERT, WIE KRITISCH dieser Bericht ist ...
... & wenn DAS ALLES SO STIMMT, dann gibt’s die ‘Republica’ wohl nicht mehr allzu lange (zumindest NICHT in dieser Form!).
Dunkle Wolken ziehen auf ...
... & ich mich in mein Hotelzimmer zurück.
In einem nahen Restaurant (On the Way ‘Virgen-De-Fatima’-Prozession) ...

LA1013-ChachapoyasVirgenDeFatima

... vertreibe ich mir schließlich die letzten anderthalb Stunden vor Abfahrt meines Chiclayo-Nachtbusses Tagebuch schreibend: gute ‘Sopa de Rez’ sowie großes, reise- (weil müdigkeits-) förderliches ‘Pilsener’.
Apropos ‘Pilsener’: Da ich dies schreibe (am Folgetag in Trujillo), trinke ich ein ‘Cusquena Negro’ - & das, obwohl Trujillo die Heimat der peruanischen Biermarke ‘Pilsener’ ist ...
Hm - vermutlich ist dieses, mein Tun ähnlich verwerflich, als würde ich in einer Kölner Kneipe ein ‘Hannen Alt’ trinken! Und vermutlich verlassen DESHALB auch nach & nach alle Gäste (mit angewidertem Gesichtsausdruck) das bambus-bewehrte Open-Air-Restaurant - bis ich ...
... ja - bis ich alleine bin mit MIR & den beiden riesigen, schwarzen ‘Kindersärgen’, aus denen mir ‘Musica Romantica Autentico’ entgegenbrüllt (& ein ‘Corazon’ das vorige jagt!).
Um Drei Uhr treffe ich im ‘CIVA’-Büro ein: ‘Boarding’.
Als sich der Bus (zögerlich) in Bewegung setzt, befinden sich gerade mal zehn Fahrgäste im Inneren. Also dreht der Busfahrer Runde um Runde durch die Stadt & grüßt mit hocherhobener, linker Hand jeden Passanten ...
... DIESE RATTE! Ich mutmaße, daß (wer unvorsichtigerweise die Hand zum ‘Gegen-Gruß’ hebt) den spontanen & irreversiblen, weil: durch peruanisches Strassen-Verkehrs-Straf-Recht abgesicherten Zuschlag für einen kostenpflichtigen ‘Zwangs’-Ausflug nach Chiclayo ...
Just in dem Moment, da wir uns auf die 600-Kilometer-Strecke begeben, entsendet uns der zuständige Inka-Wetter-Gott seinen persönlichen ‘Have-A-Good-Trip’-Gruß:
Der Himmel öffnet seine Schleusen sperrangelweit, es beginnt ‘aus Kübeln zu schütten’ & in kürzester Zeit verwandelt sich die ehedem trockene Schotterstraße in eine lehmige Schlammpiste.
UND ich verstehe VOLLENDS ... als sich am Ortsausgang Chachapoyas eine ‘Iglesia’ zeigt, über deren Eingangsportal der wunderschöne (Reise-?) Slogan:
‘BUENA MUERTE!’ ... prangt.
Na - wenn DAS kein gutes Omen ist ...!?
Übrigens: mein Kalender weist den heutigen Tag als den 13. (!) Mai aus!
Durch die für ‘unseren Riesen-Bus’ viel zu engen Kurven, schlittern wir sehr langsam (Serpentine um Serpentine) von 2.000 Höhenmetern hinunter ins Tal des Rio Uctcubamba. Im Vergleich zu seinem gestrigen Erscheinungsbild (morgens ... in Leimebamba) ist der Fluß kaum wiederzuerkennen:
Wild und breit schießt er durch eine tiefe, gewaltige Schlucht. Aber auch das ist nur eins seiner vielen Gesichter! Der Seitenfluß des Maranon (& somit ebenfalls den Amazonas speisend) wird im Laufe des Abends noch eine weitere, erstaunliche Verwandlung vollziehen ...
... nämlich die in einen langsam & breit dahin-mäandernden, von tropischem ‘Überfluß in Grün’ eingerahmten Strom (aber: ich greife vor!).
Die Landschaft ist ähnlich spektakulär, die endlos sich aneinanderreihenden Berge sind vergleichbar steil ... wie während ‘meiner persönlichen Höllenfahrt’ am vorigen Sonntag vom Maranon HOCH in die Zentral-Anden. Allerdings befindet sich die heutige Piste in einem wesentlich besseren Zustand ...
... & nachdem der Wolkenbruch schließ- & endlich aussetzt, kann ich die beeindruckende ‘Talfahrt’ in relativ entspannter (oder doch nur fatalistischer ...?) Atmosphäre genießen.
Nach einer guten Fahrtstunde befinden wir uns (nach dem ‘Verlust’ von 1.200 Höhenmetern) auf Flußniveau & erstmalig scheint unser Busfahrer ‘dieses längliche Pedal rechts neben dem (bislang AUSSCHLIESSLICH bearbeiteten) Bremspedal’ zu entdecken ...
... & WIE ?!
Auf gut-asphaltierter (allerdings recht schmaler) Straße rasen wir durch das enge, dramatische Flußtal. Zwar ist aus dieser Perspektive ‘alles etwas LEICHTER zu ertragen’ - obwohl: ein Sturz aus NUR fünf Metern Höhe in den ‘White-Water-River’ würde sicherlich auch nicht spurlos an uns vorübergehen ...
In einer hoch über dem Rio sich ausladend windenden Kehre erspähe ich eine verwirrende (im doppelten Wortsinn) Anhäufung von etwa dreißig Holzkreuzen unterschiedlichsten Aussehens (& auf wenigen Quadratmetern sich drängend):
Vermutlich ‘der finale MACHT’S-GUT!-Gruß an eine komplette Human-Bus-Load’, die (an einem ‘Dreizehnten’?) ... äh - hier ... ‘den Bach runter ging’ !?
Spontan geht mir die Frage durch den Kopf, WER denn wohl HIER für MICH ein Kreuz ‘pflanzen’ würde, FALLS ... ?
Wir passieren ein kleines Wehr (das augenscheinlich der alternativen Stromgewinnung dient) & fahren in die nahe Siedlung ‘Cruz de Chalpen’ (so ‘ne Art Truck-Stop) ein. Auch wir legen eine kurze Rast ein & neue Fahrgäste steigen zu. Die am Ortsausgang der Verkehrsopfer gemahnende, sehr bunte Kapelle ‘Virgen del Rosario’ veranlaßt unseren Fahrer zwar sich zu bekreuzigen (im Innenspiegel kann ich dies deutlich erkennen!) ...
... dies allerdings OHNE den Fuß auch nur EINEN Millimeter vom durchgetretenen Gaspedal anzuheben.
Der Regen setzt wieder mit Vehemenz ein! Über teils äußerst suspekte, alte Brücken (‘Progreso’, ‘Tingorbamba’ ... später merke ich mir deren Namen nicht mehr) wechseln wir ein ums andere Mal das Flußufer. Je nach Eignung des (immer!) Steil-Ufers zur Fortführung der Straße ‘wird einfach die Spur gewechselt’:
Mehrfach gleicht die Trasse im freigesprengten Fels einem Tunnel & unser Bus muß (genauso oft) ‘gehörig den Kopf einziehen, um nicht anzuecken’!
Die rechts & links des Uctcubamba aufragenden Felswände spiegeln die gesamte Hellbraun-Farbpalette von ocker bis beige wieder. Sie sind extrem steil & schwindelerregend hoch. Hm - kaum vorstellbar (& doch wahr), daß der NOCH SO ‘JUNGE’ Fluß in der Lage ist, einen dermaßen tiefen Canyon zu graben!
Wir vertrauen uns ‘dem feuchten Pfadfinder’ an & folgen dem Fluß (sowie dem vermutlich einzigen Durchschlupf) durch die östlichste Anden-Kordilliere. Die Vegetation zeigt sich derweil zunehmend von ihrer ‘Most Jungle-Like Side’:
- dichter, sattgrüner Wald,
- vornehmlich Bambus & Bananenbäume,
- die sichtbar auf der Natur lastende Feuchtigkeit des Regens trägt zusätzlich zur Atmosphäre einer ‘wildwuchernden, unersättlichen & ALLES-verschlingenden Fruchtbarkeit Pur’ bei ...
... & zwischenzeitlich befinde ich mich im Zweifel, ob ich auch wirklich im richtigen Bus sitze & Richtung Westen fahre? Oder ob wir bereits in die ‘Selva’ des Amazonas-Beckens eingetaucht sind ??
Wir durchfahren ein typisches Dschungeldorf mit dem vielversprechenden (naja - doch wohl eher deprimierenden!) Namen ‘Nuevo Horizonte’:
- Volleyballerinnen im Regen,
- ‘the Most Ugly Turkeys, the World has EVER Seen!’,
- geduldig unter den auskragenden Dächern ihrer Stroh-Hütten das Ende des Regens (in zwei Monaten? ‘A Ver!’) abwartende Indios,
- scheinbar zufriedene (?) Menschen unter, extremste Anforderungen an Physis & Psyche stellenden Lebensbedingungen.
Bei Einbruch der Dämmerung erreichen wir den regionalen Verkehrs-Knotenpunkt, die Stadt ‘Pedro Ruiz’. Hier gabelt sich die Straße ... Richtung Osten (Yurimaguas als ‘Starting-Off-Point’ des Bootstrip zum Amazonas: ‘Hach!’) ... sowie Westen (‘Mi Destinación’!).
Letzter Stop bei Tageslicht: der Bus wird bis unters Dach mit ‘frischen’ Passagieren vollgestopft ... & auch ich stopfe ...
... nämlich meine Taschen mit Reiseproviant voll (Brot, Bananen & ‘Bebidas’).
Vom weiteren Verlauf der Busfahrt erhalte ich dann nur noch sehr wenige & schwache Eindrücke. (Pünktlich zur Tagesschau ...) Diner-Stop in einem kleinen Ort namens ‘Bagua Grande’: dampfend-heißer Kaffee & ...
... ‘Chiclets’ - also: Kaugummi, den ich (aus Mitleid!) einem noch SEHR JUNGEN ‘Bauchladen-Träger’ abkaufe.
IRGENDWANN (nach Zehn Uhr) ...
... verliert der Rio Uctcubamba dann seine Selbständigkeit. Wir überqueren eine große, mehrbögige Stahlbrücke & folgen einem breiten Strom (nun allerdings entgegengesetzt zur Fließrichtung):
Laut recht widersprüchlichen Infos in meinem ‘LonelyPlanet’ (hm - nicht das ERSTE Mal, daß ich meinem Reiseführer mißtraue!), müßte es sich um den Rio Maranon handeln, dessen Bekanntschaft ich ja bereits am Sonntag machen durfte ...
... allerdings weiter südlich & noch BEDEUTEND ‘JÜNGER’.
Der Strom fließt nun durch eine breite & flache Ebene dahin: Die Straße ist relativ gut ausgebaut, Teilpassagen tragen eine Asphaltdecke & unser Busfahrer legt ein waghalsiges Tempo vor. Offensichtlich beabsichtigt er, ‘etwas Zeit gutzumachen’ ...
... denn von der Pazifik-Küste trennen uns noch ein HOHER Auf- & ein SEHR LANGER Abstieg (durch & über die westliche Anden-Kordilliere).
Diese beiden, letzten Teil-Etappen (vor Erreichen der schmalen Küstenebene), vermag ich dann aber WIRKLICH nur noch (& zwar aufgrund der unterschiedlich schrägen Horizontal-Lagen des Busses) zu ERAHNEN.
Um Vier Uhr am sehr frühen Mittwochmorgen fährt unser Bus in den ‘CIVA-Terminal Chiclayo’ ein. Ich schultere meinen Rucksack ...
... erhalte von einem Angestellten der Busgesellschaft die (ziemlich unbefriedigende) Info, daß der erste Früh-Bus nach Trujillo um Halb Sechs Uhr die Stadt verläßt,
... schreite ZIEL-(aber NICHT ORIENTIERUNGS-)LOS durch die schwere Eisen-Pforte des Bahnhofs hinaus auf die stockdunklen Strassen Chiclayos ...
Hm ...
... und DENKE NOCH ...
Obwohl: DAS ist (genau genommen: LÄNGST) schon der nächste Tag ...

... ‘und denke noch’:
Vielleicht finde ich ja ein ‘Early-Café’ das SCHON (oder ein ‘Late-Café’ das NOCH) geöffnet hat !? Und WIRKLICH:
Mir zeigt sich ein neon-beleuchtetes Etablissement, hinter dessen hell-erleuchtetem Frontfenster sich deutlich eine Handvoll Gäste abzeichnen. Ich nehme bereits Kurs auf dieses ...
... da SEHE ich (im ‘extremen äußeren Sichtfeld meiner äußersten Augenwinkel’), daß vor einer ‘Trujillo-Empresa de Viaje’ ein Bus parkt & HÖRE, daß der Fahrer mit seinem Gaspedal ‘spielt’.
Ich kann es gar nicht GLAUBEN ...
... schlurfe zögerlich auf das Fahrzeug zu - aber da hallt es mir schon entgegen:
‘Trujillo! Trujillo!’
Ich frage den ‘Schlepper’, wann der Bus abfährt, erhalte (durch mich hindurch: er hat schon das nächste Opfer im Blickfeld) ein knapp hervorgestoßenes ...
... ‘Ahora Mismo!’ ...
... & sitze bereits zehn Minuten später in einem komfortablen, auf Trujillo zu brausenden Bus!
SO EIN SCHWEIN! Ich meine natürlich mich ...
... also: gehabt ... äh - Glück!
Ich bin hundemüde & döse während der gesamten Fahrt entlang der Pazifik-Küste vor mich hin: schwach sind Wüste, Sand & Dünen auszumachen (nur ‘schwach’, weil es einerseits noch dunkel ist, ich mir andererseits aber auch keine allzugroße Mühe gebe, irgendetwas zu erkennen).
Gegen Halb Acht Uhr fahren wir in Perus zweitgrößte Stadt (natürlich nach Lima!) ein. Der Bus dreht die üblichen Schleifen, hält einige Male (ein paar Fahrgäste steigen aus) ...
... ich aber warte die Ankunft am zentralen Bus-Terminal ab ...
Hm - schläfrig wie ich bin (war), ist mir allerdings entgangen, daß mein Bus die ‘Final Destination: Lima’ hat.
SHIT!
Erst als wir uns bereits auf dem südlichen Ausfall-Highway Trujillos befinden, bemerke ich meine unentschuldbare Schlafmützigkeit & brülle (um mein Gesicht zu wahren) den Busbegleiter ‘ein wenig’ an!
NAJA - IST DOCH WAHR!
Schließlich hat der mir ein ‘Trujillo-Boleto’ verkauft & hätte auf mich aufpassen müssen (oder sehe ich das etwa falsch ...?).
ENDLICH ... verlangsamt der Bus sein Tempo, ich raffe mein Gepäck zusammen & springe vom (noch) rollenden Bus (ab) ...
... & in die (schon jetzt) gnadenlos brennende Morgensonne (hinein).
Verdammt LANGER & alles andere als lustiger Marsch zurück zum Stadtzentrum:
‘Eigene Selber-Schuld, Du Träne! Nein - Du darfst Dir KEIN Taxi gönnen!’
Ich weiß zwar nicht, wie ich’s letztlich schaffe ...
... aber irgendwann ... erstmal rein ins ‘Café Romano’ an der ‘Avenida Pizarro’ (nahe der ‘Plaza de Armas’): Und erstmal FRÜHSTÜCKEN!
Der Laden ist zwar ziemlich feudal eingerichtet, die ‘Set-Breakfasts’ sind aber überraschend gut & preiswert. Nach der vierten Tasse Kaffee beginnt (sehr langsam) die Müdigkeit aus meinen Augen zu verschwinden & die stärkenden ‘Huevos Estrella Con Jamon’ geben mir zumindest soviel Kraft zurück, daß ich mich auf Zimmersuche begeben kann.
Mein erster Gang führt mich auf die gegenüberliegende Straßenseite & ins ‘Hotel Americano’: supertolles, altes Kolonialgebäude mit großem & über vier Stockwerke reichendem Patio (mit innen-schwebenden Holzbalkonen) ...

LA1019-TrujilloPatioDesHotelAmericano

Das Zimmer mit ‘Bano Privado’ (sowie ‘Stummem Diener’!) ist okay ...
... obwohl die Matratze des Bettes etwas SEHR ‘trampolin’-mäßig nachfedert.
Preis für das Zimmer: Sieben Dolares!
‘Hm - ist EH nur für eine Nacht!’ Also: Einchecken im ‘Americano’!
VOR Bettruhe ...
... kommt (natürlich!) Beschaffung: Bus-Ticket nach Huaraz!
Laut Auskunft des mittelalten Angestellten an der Hotelrezeption, fährt einzig die ‘Empresa Linea 14’ diese Strecke ... & zwar NATÜRLICH (hatte ich ERNSTHAFT etwas anderes erwartet?) NUR NACHTS!
Ich schleppe mich durch die verkehrs- & menschen-reichen Straßen der Millionen-Stadt zur beschriebenen Busgesellschaft & ... die Auskunft stimmt:
Der Bus startet um Acht Uhr abends in Trujillo. Ankunft (in der ‘Andinisten-Hochburg der Cordillera Blanca’) ist zehn Stunden später (‘mas o menos’ ...).
‘NA, SUPER!’, denke ich, ‘dann darf ich mal wieder um Sechs Uhr morgens (!) die aufgehende Sonne mit einem ausgiebigen Trekker-Frühstück begrüßen!’
Ich grüble hin & her - aber:
WAS BLEIBT MIR ÜBRIG?
Schließlich kaufe ich ein Ticket ... & zwar schon für den heutigen Nachtbus.
Was soll ich zwei Tage in Trujillo? Ich will in die Berge & meine verbleibende Rest-Reisezeit nicht in den immergleich aussehenden lateinamerikanischen Städten vergeuden - Ausrufezeichen!
Mein ‘Boleto’ (sicher!) in der Tasche, unternehme ich einen kurzen Foto-Walk durchs Zentrum Trujillos:
- ein monumentales Denkmal für die ‘Heroen der peruanischen Unabhängigkeit’,

LA1017-TrujilloMonumentoDeLaIndependencia

- diverse atmosphärische Kolonialbauten (mit schwarzen, spanischen Holzbalkonen) an der ‘Plaza de Armas’,
- sowie die Kathedrale ...
... die jedoch von diesem Architekten-’Stümper’ (damals: im Jahre 1647!) eindeutig FALSCH plaziert wurde, da sie sich (mir: heute Morgen!) im gleißenden Gegenlicht präsentiert ...
Ich lasse mich auf einer Parkbank der ‘Plaza de Armas’ nieder & rauche eine ‘Relax’-Zigarette. Da fällt mir eine ... äh ... SUPER-SCHARF aussehende junge Peruana auf: knallenge Jeans, noch engere Bluse & modische Marken-Turnschuhe!
Sie nimmt auf einer (entfernten zwar, aber: mir zugewandten!) Parkbank Platz. Kurz darauf ist sie jedoch spurlos verschwunden. Aber NUR ...
... um im nächsten Moment an meiner Seite zu sitzen.
Sie fragt mich aus: Ob ich Spanisch spreche? Wo ich herkomme? Ob ich alleine unterwegs bin? Halt der übliche ‘Kontakter-Small-Talk’.
Schließlich greift sie nach meinem Reiseführer, berührt dabei (sanft & wie unabsichtlich) meine Hand & versenkt sich in ihre (scheint’s!) ÄUSSERST INTERESSANTE Lektüre ...
... allerdings blickt sie mir beim Umblättern EINER JEDEN EINZELNEN SEITE lang & tief in meine Augen. Weshalb auch immer ...?
‘Stell Dich nicht dümmer an als Du bist, Du DOLLAR-GRINGO!’
Naja - wie dem auch sei ...
... Fakt ist: Ich Bin Hundemüde!
Und GENAU DAS gebe ich meiner Bank-Nachbarin auch kurz darauf zu verstehen:
ADIOS Y CIAO!
In einer Snack-Bar genehmige ich mir einen ‘Vormittags-Schlaf’-Trunk (ein großes & schnell in mich hineingestürztes ‘Cerveza Pilsener’) ...
... dann ziehe ich mich ins Hotel zurück & horche drei Stunden an der erbärmlich wippenden Matratze. Um Halb Fünf Uhr erlange ich das Bewußtsein wieder:
Erfrischend kalte Dusche ... & Packen.
Als ich dem Hotelportier den Zimmer-Schlüssel aushändige, schaut der mich an, als käme ich von einem anderen Stern - vermutlich soll der Blick ausdrücken:
‘No Es un Hostal de Horas, Senor!’
Ich marschiere durch die unter einer Dunstglocke liegende Stadt (der ‘Garua’, ein ‘Küstennebel’, sucht von April bis Dezember die Pazifik-Region Zentralperus heim) zum Busbahnhof. Mir bleibt noch eine Menge Zeit, bis zur Abfahrt meines Nachtbusses & ich pflanze mich in ein nahes Open-Air-Restaurant (siehe gestern!). Hier erfülle ich vor, während & nach einem ‘Lomo Con Cerveza’ meine heutigen Tagebuch-Pflichten.
Um Halb Acht Uhr wechsle ich hinüber auf die andere Straßenseite & nehme im komfortablen Bus der ‘Linea Catorce’ meinen sehr bequemen ‘Asiento: Numero Treinta-y-Dos’ ein. Übrigens - eine Empfehlung des Ticket-Verkäufers:
‘Der Sitzplatz mit der größten Beinfreiheit’ & ...
... es stimmt!
Kurzer, heftiger Disput um den ‘Super-Sitzplatz’ mit meinem Nachbarn (der behauptet, der Fensterplatz stünde ihm zu) ... aber für DIESEN TOLLEN PLATZ hat er entschieden ZU penetranten Mundgeruch!
Während der ersten Fahrtkilometer versucht der ‘Alte’ (noch), mir ein Gespräch aufzudrängen. Aber sein permanentes, übertrieben-cooles ‘Greeengooouu’ & die unangenehmen ‘Dämpfe aus seinem Schlund’ ...
... machen eine Unterhaltung für mich unerträglich: Es riecht (ohne Übertreibung & trotzdem ‘Sorry!’) nach vor zwei Wochen verstorbenen & seither vor sich hinfaulenden ‘Fliegenden Hunden’.
Ich ziehe mich (freiwillig! Was das genaue Gegenteil ist von ... & somit ist ‘seine Taktik’ mal wieder voll aufgegangen ...) auf eine freie Sitzbank im Heck des Busses zurück & versuche, der vor dem Fenster an mir vorbeifliegenden Küstenlandschaft zu folgen - vergeblich:
zu schnell - zu dunkel - & (vor allem) ... (ich) zu müde!
Erster Stop in Chimbote, einer mittelgroßen Hafenstadt mit unüberriechbarer Fischerei-Industrie: für 200 Entfernungskilometer benötigt unser ‘Raketen’-Bus zwei Stunden (die Küstenstraße besitzt mitteleuropäische Autobahn-Qualität).
Zwei ‘Halt-Durch-Horst!-Du-Schaffst-Es!’-Zigaretten - ein Becher Kaffee - sowie Einkauf von Reiseproviant (eklig-süßer ‘Brasselkuchen’ & ‘mehrere Mega-Mützen Muße’-Schlafs).
Dann nehme ich wieder meine Sitz-Statt ein & verdöse die langweilige, ereignislose Nachtfahrt - ‘ereignislos’ ...
... abgesehen vom Höllentempo, das unser Fahrer seinem Bus abverlangt sowie seinem ‘zackigen Ausscheren’ zu Beginn eines jeden Überholmanövers (das mich ein ums andere Mal eine ZUMINDEST HALBE ‘Eskimorolle’ befürchten läßt).
Um Mitternacht ‘LATE-Diner-Stop’ in einem Nest namens Chasquitambo (wie ich einem Veranstaltungsplakat vom Februar diesen Jahres entnehmen kann):
Je fünf Bretterbuden rechts & links des Highways (von denen immerhin noch zwei um diese nachtschlafene Zeit geöffnet sind). Ein heißer Kaffee & zwei Zigaretten (To ME, it’s Food!). EIGENTLICH fühle ich mich noch RELATIV FIT ...
... nach mittlerweile immerhin 400 Kilometern ‘augenlosen Rasens durch die stock-finstere Nacht’.
Ich entdecke & erforsche einen wunderbar klaren Sternenhimmel, der in dieser Region neben den größeren Sternen auch eine Unmenge winziger, zu milchigen Nebelstraßen verschmelzender Sternchen offenbart (was das Auffinden der bekannteren Sternbilder allerdings erschwert).
WO (verdammt nochmal) ist denn bloß ‘Der Große Lupo’ abgeblieben?
Übrigens: Unser Busfahrer nimmt einen riesigen Umweg in Kauf! Wir folgen dem ‘Pacific-Coast-Highway’ bis Barranca (NUR 200 Kilometer nördlich der peruanischen Hauptstadt Lima). Erst HIER biegen wir in Anden-Richtung (nach Osten) ab & nähern uns schließlich (dem Rio Santa folgend, der zwischen westlicher ‘Cordillera Negra’ & östlicher ‘Cordillera Blanca’ nach Norden fließt) von Süden kommend unserem Nacht-Etappenziel Huaraz.
Der Grund für diesen ‘Long-Cut’ ist einleuchtend: die gesamte Strecke ist asphaltiert & die Dauer der Fahrt (auf dieser um etwa 200 Kilometer längeren Strecke!) ist erheblich kürzer als der direkte Weg (ab Casma auf einer miesen Schotterstraße über den 4.225 Meter hohen Pass ‘Callan Punta’) durch die ‘Cordillera Negra’ ...
Aber AUCH die Asphaltstraße führt natürlich NICHT durch ‘anden-leeres’, spiegelebenes Niemandsland & die Kraxelei über die westliche Anden-Kordilliere nimmt ihren Anfang: Da unser Bus allerdings über eine ‘Maquina Muy Fuerte’ verfügt, FLIEGEN wir geradezu die Berge hinauf. Währenddessen wechselt mein Blick ständig (& fasziniert) zwischen dem sehr nahen Sternenhimmel & den (nur) erahnbaren, ‘schwarzen Bergriesen’.
Nach 70 Berg-Kilometern erreichen wir den Pass nahe ‘Conococha’ (höchster Punkt der Nachtbusfahrt mit 4.100 Metern über NN). Unerwartet stoppt unser Fahrer sein ‘wie geölt (?) kilometer fressendes Kraftpaket’ ...
... ich befürchte schon, daß im nächsten Augenblick die Aufforderung an den ‘Gringo’ ergeht, ‘ein Gruppen-&-Pass-Foto zu schießen’ - aber: Weit gefehlt!
Der Motor des Busses ist ‘trocken gefahren’: ‘No Hay Aceite!’
UN NU ... ?
Busfahrer & Teile der Besatzung postieren sich (mit weit ausgestreckten ‘Daumen im Wind’) am Straßenrand & betteln (die Fahrer der vorbei rauschenden LKW durch die Windschutzscheiben fixierend) ‘um eine mildtätige Öl-Gabe’ ... !?
ICH ...
... beschließe, daß ich mich nicht UM JEDEN SCHEISS kümmern muß (wie wahr!), vergrabe mich TIEF in meiner warmen Wolljacke (hier oben, um diese Uhrzeit, ist es ARSCH-KALT!) & harre der Dinge, die da kommen (oder auch nicht ...).
Mein unterstes Unterbewußtsein registriert zwar noch, daß der Bus IRGENDWANN seine Fahrt fortsetzt - von den restlichen drei Fahrtstunden bis Huaraz kriege ich dann aber AUCH REIN GAR NICHTS mehr mit:
ICH SCHLAFE! - Tief ... & fest ...
Schließlich ...
... werde ich IRGENDWANN wach, bemerke, daß es schon hell ist & wir gerade in eine Stadt einfahren! Mein Sitznachbar brummelt etwas Unverständliches ...
... von ‘Greeengooouu’ & ‘Fin de Viaje’ (maximal zwei Zahnstümpfe ragen aus seinem dunkel-blauen Zahnfleisch heraus: vielleicht besteht ja eine direkte Korrelation zwischen diesem ‘dunkel-blauen Umstand’ & seinem penetranten Mundgeruch?).
Der Bus verlangsamt seine Fahrt, ich schaue mich schläfrig um & erfrage (während die ersten Passagiere bereits den Bus verlassen) den Namen ‘der mich freundlich & aufmunternd anlächelnden Stadt’:
‘HUARAZ!’ ...

LA1021-HuarazBusbahnhof+MtHuascaran

... brüllt mir mein schon im Straßengraben gelandeter Rucksack zu!
Äh: Nix wie RAUS!
ICH BIN ...
... ANGEKOMMEN!

[home] [asia 96] [lat-am 97] [africa 98] [contact]