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‘Tag der Arbeit’: Halb Sechs Uhr wach! Auf & ... sofort ans Fenster: Naja - das Wetter scheint zwar besser als gestern & weitgehend blauer Himmel strahlt mir entgegen ... ... im Westen (also: Richtung Chimborazo!) sieht es allerdings nach Bewölkung aus !? Trotzdem: Ich bin zuversichtlich & beeile mich, ‘in die Gänge zu kommen’! An der Rezeption treffe ich auf Dieter, der mir im schicken ‘Traveller-Profi-Outfit’ (vorherrschende Farbe seines abgestimmt wirkenden Kleidungsensembles ist ‘Tropenhelm’-Ocker!) entgegentritt & versichert, ‘... daß ich ein Glückskind bin, denn das Wetter sieht SUPER aus!’ Naja - NOCH kann ich es nicht glauben! Mittellanger Fußmarsch zur ‘San-Juan-Parada de Autobuses’ (vorbei an einem riesigen, in Stein gehauenen Indio-Häuptling sowie dem ‘Estadio Olimpico’). WIESO ... darf eigentlich jede ‘Fuzzy-Stadt’, die noch nie auch nur ‘Hallen-Halma-Kreismeisterschaften’ ausgerichtet hat, ihren ‘Bolzplatz’ nach dem altgriechischen Göttertempel benennen ...? An der Bushaltestelle angekommen, checke ich zunächst die ‘Survival-Goods-Infra-Structure’: ich klemme mir zwei trockene ‘Hörnchen’ als Puffer zwischen die lautstark aneinanderreibenden Magen-Innenwände - spendiere mir eine Schachtel ‘Lark’ (mitten in der Nacht sind mir die Zigaretten ausgegangen, was noch schlimmer ist als ‘ein Sechstausender in Wolken’: GIER!) - & hänge mich an den ‘Cafe-Negro-MUY-Fuerte’-Tropf. Apropos ‘Kaffee’: in ecuadorianischen Restaurants steht immer eine Instantkaffee-Dose unbeaufsichtigt auf dem Tisch & der Gast kann selbst bestimmen, WIE SCHWARZ er seinen Kaffee möchte. Hm - muß ich WIRKLICH noch erklären, warum ich nie zweimal im gleichen Café frühstücken kann ... ? Einschub: Während ich dies schreibe, ist es Freitag Morgen, Acht Uhr! Ich hocke in einem Restaurant nahe des zentralen Busbahnhofes in Riobamba. Die Bedienung hat mir gerade meine zweite Tasse heißes Wasser serviert - ich starre fassungslos in eine leere Dose Nescafé ... ... & überlege ernsthaft, ob ich mich im Waschraum rasieren & dann den Tisch wechseln soll!? Währenddessen wird im unvermeidlichen ‘Pantoffel-Kino’ ein faszinierender Hollywood-Schinken gezeigt, der mich meinen Tagebuch-Eintrag ständig unterbrechen läßt: ‘Sodom & Gomorrha’ ... ... mit Stewart Granger in der Hauptrolle, für die bombastische Musik zeichnet Miklos Rosza verantwortlich, Regie führte Robert Aldrich (der GANZ junge). ‘GRANDIOSO!’ ... ... trotz (und / oder ... gerade wegen?) der spanischen Synchronisation ... ‘Back to Real Reality’: Nach zehn Minuten rollt ein ‘San-Juan’-Bus heran, ich lasse meinen Nescafé stehen & springe auf den nur unwesentlich sein Tempo verlangsamenden Bus. Die etwa 20 Kilometer lange Fahrtstrecke führt stetig bergauf. Ich sitze auf der ‘richtigen’ Fensterseite des Busses & gebe mir alle erdenkliche Mühe, Löcher in die den Chimborazo verdeckende, geschlossene Wolkenbank zu starren. Die Wolken scheinen hinabzusinken, was aber lediglich eine optische Täuschung ist: wir steigen & steigen ... ... & steigen in die mit jedem zurückgelegten Meter zunehmend schwerer auf dem Land liegenden (tiefhängenden?) Wolken hinein. Riobamba befindet sich auf einer ‘Altura’ von 2.900 Metern über NN - mit Erreichen San Juans werden wir die ‘3400-Höhenmeter-Marke’ überschritten haben. Noch zweihundert Entfernungsmeter vor dem Ortseingangsschild San Juans ‘sehe ich die Hand vor Augen nicht’. Graue Wolken & eine dichte Nebelsuppe umgeben mich & ich bin ZIEMLICH GEFRUSTET !!! Aber DANN ... ... folgt der Bus einer letzten, langgezogen Straßenbiegung um einen hohen, zusätzlich jegliche Aussicht versperrenden Hügel herum ... ... & DANN: STRAHLT ER MICH AN !!!
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In voller Größe, aus dem Nichts auftauchend & unerwartet nah! ‘Hi, Hotte!’ ‘Hi, Chimbo - Nice to Meet You!’ Meine Gefühle lassen sich nur (& immer noch unzureichend!) mit dem, in diesem Augenblick für mich so gar nichts floskelhaftes besitzenden Ausspruch ‘Liebe auf den ersten Blick’ beschreiben: - aus einem satten ‘Green-Surrounding’ surreal aufragend, ist der Bergriese bis nahe an seinen ‘sichtbaren Fuß’ hinunter in eisig-strahlendes, lückenloses & lupenreines Weiß gepackt, - am südseitigen, höchsten Gipfel sind (trotz der großen Entfernung) mit bloßem Auge meterdicke Schnee- & Eisplatten erkennbar, - & ein die letzten, trüben Tage vergessen machendes, den Berg wie ein riesiges Zelt umspannendes Himmels-Dunkelblau, kontrastiert die einer Offenbarung nahe kommende Gebirgs-’Erscheinung’ postkarten-malerisch. Ich befrage mehrere einheimische (‘Umher’-)Wanderer nach der besten Annäherungs-Route (ich habe mir angewöhnt, mich nicht mehr auf die Aussage nur eines der immer freundlichen, aber oft unwissenden Indios zu verlassen: was keine ‘Weißer-Mann’-Arroganz, sondern lediglich gesunde Faulheit ist ... denn ich habe keine Lust auf kraftraubende ‘Long-Cuts’) ... ... schlage mich schließlich aber (ungeduldig!) bereits kurz vor Erreichen der mir gewiesenen Weg-Abzweigung auf ein zwar verdammt feuchtes, gleichzeitig jedoch schier ‘endlos weites Feld’: Von hier aus schieße ich in kurzer Folge die ersten Fotos vom ‘offen wie ein Buch’ vor mir liegenden Chimborazo!
 

Ich traue dem Wetter nicht ... ... befürchte, daß sich jeden Moment eine dichte Wolkenbank final zwischen mich & ‘meinen neuen Freund’ schiebt & beeile mich daher, ein knappes Dutzend ‘Die-Nimmt-Mir-Keiner-Mehr’-Aufnahmen auf Zelluloid zu bannen. Übrigens erweist sich mein Mißtrauen bezüglich des Wetters bis in den frühen Nachmittag hinein als vollkommen unbegründet! GUT GELAUNT schlinge ich mir anschließend meine Wolljacke um die Hüften meines ‘Astralkörpers’ (die am Horizont aufgehende Morgensonne wärmt Land & Leute in ‘Strahles-Eile’) & folge dem schmalen Feldweg bis zu einer kleinen Siedlung. Hier schieße ich ein Foto (‘Chimborazo über Dorf-Idylle’) ...
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... & werde dadurch augenblicklich zum offenbestaunten Alien der jungen bis blutjungen Dorfbevölkerung. Nach einem ‘Comedor’ frage ich vergeblich (die Begriffe ‘Restaurante’ oder ‘Café’ getraue ich mich gar nicht erst auszusprechen). Im Ort gibt’s lediglich einen kleinen Tante-Emma-Laden ... ... aber trockene Brötchen hatte ich heute Morgen schon (& so rede ich mir ein, daß mein frühes Frühstück ausreichend war). Indios schlendern ‘meinen Camino’ hügelan- & -abwärts - sie treiben dabei unterschiedlichste Vierbeiner-Herden (Schafe, Kühe, Rinder, Maulesel ... jedoch keine Lamas!) vor sich her - die sie bei ihrem Tun unterstützenden ‘besten Freunde des Menschen’ sind recht zahm & kümmern sich nicht um den Touri. Ich schieße an jeder Wegbiegung (noch) ein weiteres Berg-Foto, lege diverse ‘Luft- & Nikotin-Hol’-Pausen ein & rücke (unmerklich) dem Chimborazo immer näher auf den (zwar gänzlich haarlosen, aber unübersehbar eisigen!) Pelz. Der Pfad steigt mal stärker, mal schwächer ... immer aber AN. In bunte Landestrachten gekleidete, meist barfüßige Indios gehen ihrem Tagewerk nach: Feldarbeit oder Hüten des weidenden Viehs sowie ... ... (natürlich ausschließlich die Männer!) ‘Palavern’. Nach etwa fünf Kilometern durchquere ich eine im Entstehen begriffene (noch ‘Geister’-) Siedlung: einfache, jedoch stabile Steinhäuser - etwa die Hälfte der Unterkünfte ist noch im Bau befindlich. Immer & überall werde ich freundlich lächelnd gegrüßt. Außer mir ist natürlich weit & breit kein anderer Touri zu sehen. Naja - schließlich werden in Riobamba zahlreiche Minibus-Touren zum ‘Chimborazo Refugio’ (in 5.000 Metern Höhe) angeboten. ‘SO ... ... Why the Fuck WALK!?’ Hinter der Siedlung beginnt die Wildnis:
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steilst ansteigende Hügel - ein rauschender Wildbach - meine Piste entwickelt sich zur Rodelbahn (an beiden Seiten geht’s etwa einen Meter vertikal zu den umliegenden Weiden hoch), deren von stark-profiligen LKW-Reifen tief zerfurchter Lehmboden in der Vormittags-Sonne glitzert. Die befragten Bau- & Landarbeiter (sowie einige Goldwäscher am Fluß) überbieten sich gegenseitig in ihren Einschätzungen der Entfernung zum ‘Refugio’: zunächst fünfzehn, dann zwanzig ... ... letztlich werden gar dreißig Kilometer geboten (Äh, nein! Ich marschiere SCHON in die ‘richtige’ Richtung!). Aber mir ist das vollkommen gleich: Ich gehe ja eh nur so weit wie ich Lust habe! Nach weiteren zwei Kilometern passiere ich die ‘Chimborazo Zementfabrik’. Der Anstieg des Weges wird immer steiler & nach einer weiteren Stunde Bergwandern richte ich mein erstes (& gleichzeitig letztes) Basislager ein: Rauchen - Sonnenbaden - Relaxen - mit den Kühen auf der nahen Weide ‘um die Wette muhen’ ...
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... & mich ebenso lautstark über vereinzelt vorbeirasende Autofahrer-Idioten (die eine Menge rotbraunen Staub aufwirbeln: ‘Los Cerdos Ecológico’!) ärgern. Die harmlosen Einzelwolken vereinen sich zusehends zu ersten, größeren Wolken-Ballungen. NOCH ist die Sicht auf den ‘König der Berge’ davon allerdings unbeeinflußt. Schließlich schieße ich den letzten, den ‘most-close Shot of Chimbo’ & ... trete dann den langen Rückweg an. Nach der erfolgreich absolvierten ersten Hälfte des Rückmarsches bin ich verdammt kaputt. Schätzungsweise fünfzehn Kilometer stecken mittlerweile in meinen Beinen & ich kann förmlich fühlen, wie sich meine Unterschenkel verhärten. ‘Wenn JETZT ein Auto hielte oder ein Bus vorbeikäme ... ... hm - ich weiß nicht, ob ich dann nicht vielleicht doch?’ Die Pausen werden länger & finden in immer kürzeren Abständen statt. Aber ich halte durch & schaffe es schließlich ... äh ... den ‘Public Bus’ von San Juan nach Riobamba um Haaresbreite zu verpassen: SHIT! Aber zwei nette ‘Indias’, die an der Bushaltestelle warten, beruhigen mich: Der nächste Bus fährt schon in einer halben Stunde!
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Also: Relaxin’ in the Green Grass - meine steifen Knochen ausstrecken - & mich von der hochstehenden Sonne verwöhnen lassen. Mir geht’s doch VERDAMMT GUT (!) ... ... sieht man einmal von den unbedeutenden Nebensächlichkeiten ab, daß ich dem Verdursten nahe bin & einen Bärenhunger habe. Der Bus trifft pünktlich ein & die Rückfahrt nach Riobamba ist dann eher unspektakulär (naja, in Erinnerung der morgendlichen Highlights ist das nicht weiter verwunderlich!). Bei der Einfahrt in die Stadt ‘zieht sich unser Bus einen Plattfuß zu’. Ich steige aus & reiche dem alten Busfahrer (die heute Morgen nach der Hinfahrt bereits geforderten & gezahlten) 2.000 Sucre ... ... worauf dieser mich verdutzt (bis mitleidig!) anschaut & mir dann einen ‘1.000-Sucre-Schein’ zurückgibt: Schließlich kostet die Busfahrt nur 1000 Sucre! (was mich denn doch ehrlich überrascht ... also: daß ‘El Viejo’ so ehrlich ist!). Die allerletzten Kraftreserven mobilisierend, steuere ich das nächste Restaurant an & gönne mir dort ein oppulentes Mittagsmahl: ‘Churrasco Ecuadoriano’ ... ... sprich - Grillfleisch (?), Reis, Fritten, verschiedene Salate, ein Spiegelei & eine halbe Avocado. Nach Beendigung der Mahlzeit versiegele ich meinen extrem geweiteten Magen mit einem starken, heißen & selbstgemixten Nescafé. Der kurze Marsch zurück ins Hotel fällt mir dann (aus naheliegenden Gründen, die aber auch GAR NICHTS mit den morgendlichen Anstrengungen zu tun haben!) recht schwer & ... ... ebenso (nämlich: schwer) lasse ich mich ebendort (nämlich: im Hotel) auf mein Bett fallen: ‘PUH!’ Für eine volle halbe Stunde bin ich zu Bewegungen vollkommen unfähig - schließlich ‘robbe’ ich (doch noch) unter die Dusche - den Rest des (hellen) Tages verbringe ich in der Horizontalen: & zwar lesend ... ‘Vargas-Llosa’ & Reiseführer: Peru. Späte ‘Caldo Gallina’ (Hühnersuppen-Eintopf) - ein (nie zu spätes!) GROSSES Bier - kurzer Nachtspaziergang durch die recht lebhaften Straßen Riobambas: Um Zehn Uhr bin ich zurück im Hotel. Getreu der Devise, ‘in Ecuador herrscht Regenzeit & jeder sonnige Tag ist ein Geschenk!’ ... ... bin ich mit dem heutigen Tag SEHR ZUFRIEDEN! Ich nehme mir noch ein letztes, langes Kapitel des ‘Grünen Hauses’ von Vargas-Llosa vor (das übrigens vornehmlich in Piura, im äußersten Nordwesten Perus spielt & ... wenn alles so läuft, wie ich es heute vorgeplant habe, dann werde ich am kommenden Montag in Piura ‘einreiten’: Hm - echt spannend, das!) ... ... aber: allzuweit komme ich heute nicht mehr! Gegen Elf Uhr geben meine ‘harten Waden’ (& zwar: OHNE Umweg über mein ‘weiches Hirn’) an meine ‘schweren Augenlider’ den Befehl: ZUUU - ZUUU - FAL - LEN ! Ja - & DIE (also: die Augen) tun das denn auch ... ... & zwar schon SEHR kurze Zeit später!
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