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Buch   LatAm 11     II

KOLUMBIEN -AUF DEN SPUREN ALTER KULTUREN !
ODER: DURCH DIE KORDELLIEREN KOLUMBIENS !

... von (Santa Fé de) Bogotá nach San Agústin ... in & um
ebenda ... sowie weiter nach Popayan (Kolumbien):

Karte-Story-LA-11

Sonntag, 20. April bis Mittwoch, 23. April 1997

Wie schon an den beiden letzten Tagen versucht mir mein Körper vorzugaukeln, daß er sich gut fühlt ...
... ABER NICHT MIT MIR!
Lange, heiße Dusche (ja, heiß: denn in Bogota ist es morgens verdammt frisch!).
Dann ‘das übliche Frühstück im üblichen Café’. Naja - eigentlich wollte ich heute mal ein neues Lokal testen, aber sonntags hat fast alles geschlossen:
also wieder die ECHT SUPER-GUTEN ‘Huevos’ (mit Zwiebeln & Tomaten - in einer kleinen Pfanne gebraten & serviert) - dazu ‘Pan y Dos Cafe Negro’.
Während des Frühstücks schreibe ich Tagebuch.
Als ich bezahlen will, gibt’s mal wieder eine dieser ungefragten Demonstrationen des alltäglich-lateinamerikanischen ‘Machismo’, die mich jedesmal neu umhauen ...
... HIER UNTEN aber von allen (inklusive der betroffenen Frauen) als ‘normalste Normalität’ akzeptiert werden:
Dreimal suche ich Augenkontakt zur (ansonsten äußerst netten & zuvorkommenden) Kellnerin, hebe die Hand & rufe ihr ein deutlich-artikuliertes ‘La Cuenta, Por Favor!’ zu. Aber SIE schaut jedesmal durch mich hindurch, ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen ...
... gerade so als wäre ich entweder ‘der kompletteste Idiot’, der je das Wort an sie richtete oder einfach ‘die größte, nicht-existente Antimaterie’, die je einen Fuß in dieses, in IHR Reich setzte !?
Ein am Nebentisch frühstückender junger Kolumbianer bemerkt (sichtlich amüsiert) meine kläglichen & vergeblichen Bemühungen. Letztlich entschließt er sich (nachdem er augenscheinlich beschlossen hat, seine ‘Belustigung über diesen durchgeknallten Gringo’ für einen kurzen Moment zugunsten wichtigerer, quasi: nationaler Aufgaben hintan zu stellen) mir eine Lektion in ‘sensibler und die geschlechts-spezifischen Erwartungshaltungen antizipierender Gesprächsanbahnung kolumbianischer (Kurzpaß?)-Provenienz’ zu erteilen!
Seine Eier nicht aus den Augen lassend (Oh, doch! Ich WEISS, was ich hier niederschreibe!), läßt er durch die einen winzigen Spalt geöffneten Zahnreihen einen ‘fahren’ ... also: einen kaum hörbaren Pfiff. Woraufhin sich die Kellnerin augenblicklich ihm zuwendet & SEINE Anweisungen MEIN ‘Verlangen’ betreffend nicht nur entgegennimmt, sondern ebenso augenblicklich ‘an mir vollzieht’.
Äh - muß ich wirklich noch erwähnen, daß ich sprachlos bin ...?
Allerdings bleibt mir eine Gegenmaßnahme (eine wahrlich TÖDLICHE WAFFE!), mich für diese erteilte Schmach zu rächen & ...
... HEUTE beschließe ich spontan, DIESE (mich auf Notwehr berufend) auch einzusetzen:
Natürlich sucht der junge Kolumbianer in der Folge den Kontakt mit meinen Augen, um mein freundliches & dankbares (besser noch: hilfloses!) Lächeln & damit seinen verdienten Lohn entgegenzunehmen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit & nicht der Rede wert!
ICH aber ...
... VERWEIGERE (um Wiederherstellung meiner ‘unversehrten, europäischen Souveränität’ bemüht) den mir in dieser Farce zugeschriebenen Part & blicke durch ihn hindurch, ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen ...
... gerade so, als sei er ‘der kompletteste Idiot’, der je den Blick auf mich richtete & (gleichzeitig!) ‘die größte, nicht-existente Antimaterie’, die je einen Fuß in MEIN REICH setzte!
Dieses, mein NICHT-Handeln ...
... verfehlt seine Wirkung nicht & das quasi-naturgesetzmäßige, weil unvermeidliche Schicksal nimmt seinen katastrophalen Lauf:
Aus meinen Augenwinkeln heraus erkenne ich, daß ER (der junge Kolumbianer) nicht nur vollkommen in sich zusammensackt, sondern ‘im Fallen’ zunächst die Wachsdecke seines Tisches mit allen auf ihr plazierten Utensilien herunterreißt & ...
... durch die Verbrühungen der sich über ihn ergießenden Rührei-Pfannen-Hitze (die nur den Temperaturen im Inneren eines aktiven Vulkans vergleichbar ist) zu solch unkontrolliert-epilleptischen, unglücklichen & gleichzeitig übermenschliche Kräfte freisetzenden Zuckungen veranlaßt wird, daß er die weit über zehn Meter lange & tonnenschwere Bedienungs-Theke des Cafés aus ihren edelstahl-verstärkten Verankerungen herausreißt (& zwar kinderleicht!) ...
... zum Umstürzen bringt & DIESE (die Theke & ... hier endlich schließt sich der zugegeben eckige Kreis) die ‘ansonsten äußerst nette & zuvorkommende’, nun aber verzweifelt-klagende Angst- & Schmerzens-Schreie ausstoßende Kellnerin mit lautem Getöse unter sich BEGRÄBT!
Sekundenbruchteile später:
TOTEN-STILLE!
Äh, ja ... & CUT!
Check-Out-Time im Hotel ist Drei Uhr nachmittags: bis zur Abfahrt meines Nachtbusses um Neun Uhr am heutigen Abend werde ich also noch hinreichend Zeit ‘totschlagen’ müssen. Daher beschließe ich zunächst (also: vorher) noch ‘etwas Sinnvolles an der frischen (Höhen-) Luft’ zu unternehmen.
Auf der großen, noch vor zwei Tagen so leer & kalt wirkenden ‘Plaza Bolivar’ findet ein Volksfest statt: Heute dreht sich in Bogota alles um die Inline-Skater (oder doch umgekehrt?).
Während des frühen Vormittags führte eine Sternfahrt über für Autofahrer gesperrte Straßen (DAS ... find’ ich ja gut!) zur zentralen Plaza, wo diese komischen Rummelplatz-Röhren warten, in denen die Balance-Akrobaten ihre teils schon beeindruckenden Figuren & Sprünge vollführen.

LA0697-BogotaKathedraleAnDerPlazaBolivar

An der Westseite des Platzes (gegenüber der Kathedrale) wurde eine riesige Bühne errichtet. Die sich rechts & links auftürmenden Lautsprecher-Wände reichen ‘ohrenscheinlich’ über Ecuador hinaus bis weit in den Norden Perus hinein (also: akkustisch!). Das marmorne Abbild Simon Bolivars wirkt jedoch in der Mitte des Platzes (& im Zentrum des dichtesten Menschengewimmels) reichlich deplaziert ...
... sowie EIN WENIG STATISCH!
‘Hätte man den nicht irgendwie einbeziehen können?
Etwa, indem man je ein Rollbrett unter die Steinsockel-Ecken ‘haut’ & ihn (den ‘begnadeten Anführer’) derart zum Anführer & Zeremonienmeister einer ‘Roll’-Polonaise ... äh ... befördert?’
Naja - kurz gesagt: aus meinen geplanten ‘seriösen’ Aufnahmen von Plaza, Kathedrale, ‘Capitolio Nacionál’ (dem Sitz des kolumbianischen Kongresses), ‘Alcaldia’ (der Bürgermeisterei) sowie dem Bolivar-Denkmal wird heute nix!
Stattdessen bleibt mir nur, die genannten Sehenswürdigkeiten als Hintergrund für einige Atmo-Fotos einzubeziehen:
- so einen farbenfrohen, ‘mucho-macho-like’ Sombrero-Dealer ...
- oder die ersten einer ganzen Reihe auf den Gebäuden der Altstadt befindlicher ‘Human Sculptures’, über deren zugrunde liegenden Werkstoff ich mich mit mir nicht einigen kann (sie erinnern stark an die ‘Lese-Dummys’ in der Kölner Stadtbibliothek am Neumarkt).

       LA0703-BogotaAtmoPlazaSimonBolivarLA0700-BogotaDenkmalSimonBolivar

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Als schließlich eine ohrenbetäubend laute & grotten-schlechte ‘Take-That’-Imitation (obwohl: minus mal minus ergibt doch plus, oder?) die Plaza ‘unter Geräusch-Müll setzt’, ziehe ich mich zurück ...
... & beackere fortan fotografisch das Altstadtviertel La Candelaria (wo mir ein paar - hoffentlich stimmungsvolle - Shots der zwar alten, aber offensichtlich frisch-renovierten, spanisch-kolonialen Bürgerhäuser gelingen):
- sehr bunte (& doch farblich immer sehr unterschiedliche) Fassadenanstriche,
- viele Erker sowie kunstvolle, schmiede-eiserne Gitter vor Fenstern & Türen,
- hübsche Holzbalkone & ... dazu reichlich Blumen & Klettergewächse (an den Häuserwänden & in den Toreingängen).
Das gesamte ‘Vorzeige-&-Renommier’-Viertel erweckt den Eindruck, als bereite man sich auf die End-Ausscheidung zum diesjährigen Wettbewerb ‘Unsere Stadt soll schöner werden’ vor (hier entdecke ich auch einige weitere ‘Human Sculptures’, die meinen Blick immer wieder Richtung - grauer! - Himmel lenken).

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Kurz bevor ich mein persönliches (Hotel) ‘El Dorado’ erreiche ...
... gerate ich urplötzlich & unbeabsichtigt mitten in ein Filmteam hinein:
Etwa zwanzig Personen (Erwachsene!) sind damit beschäftigt, ein kleines, auf einen Tisch plaziertes Aquarium, in dem zwei Goldfische träge umherschwimmen, auszuleuchten ... & schließlich abzulichten. Allerdings muß der Regisseur im letzten & entscheidenden Moment immer wieder ans Glas klopfen ...
... ‘damit sich diese SCHEISS-VIECHER auch so bewegen, wie er es gern hätte!’
‘Na - hoffentlich war Deine Regisseurs-Hand nicht im Bild, Hitchie!?’
Die Session ist UNHEIMLICH AUFREGEND ...
... & nachdem die maximal zehn-sekündige Sequenz nach kaum mehr als zwei (für das gesamte Team schweißtreibenden!) Stunden endlich im Kasten ist (‘CUT!’) ...
... wird abgebaut & das Filmteam (Küßchen links! Küßchen rechts!) zieht weiter.
Vermutlich zu den nächsten, schon ungeduldig wartenden & ‘sich ungeduldig zierenden Fischen’ ...
Von einem nahen Hügel schieße ich (‘The Real H.-Cock!’) die letzten Bogota-Panorama-Shots & ziehe mich dann ins Hotel zurück ...
... nicht nur, aber AUCH weil es (mal wieder) zu regnen beginnt:
Dösen - Rauchen - Kraft für die bevorstehende ‘Hard Days Night’ sparen - später Packen - & in meinen Körper horchen.
Naja ... !? Sicherheitshalber stecke ich die Antibiotika, die mir mein ‘Doctore en Panama’ gegen eventuelle Zahnschmerzen verschrieben hat, in die jederzeit bequem erreichbare Vordertasche meines Fotorucksacks.
Gegen Drei Uhr deponiere ich meinen gepackten, großen Rucksack an der Hotelrezeption, trete raus auf die Straße ... & in den strömenden Regen.

LA0683-BogotaAtmoCarretera7+WetSeason

Ich nehme den kürzesten Weg zum nächsten Café, beende den gestrigen Tagebuch-Eintrag & schreibe einen ‘Danke-für-den-Brief’-Brief an Mechtild!
Um Fünf Uhr letzter, kurzer Spaziergang durchs Zentrum. Mittlerweile hat der Regen ausgesetzt. Ich schieße die definitiv letzten Santa-Fe-de-Bogota-Shots:
ALLZUVIEL hat mir die Stadt nicht geben können ...
... wobei ich das allerdings NICHT IHR (alleine!) ankreide.

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Einkauf von Reiseproviant: Brot & Äpfel. Dann löse ich meinen Rucksack im ‘El Dorado’ aus, tüte den Brief an Mechtild ein & bringe diesen zur ‘nearby GPO’:
Ich bin immer froh, wenn ich etwas einwerfen kann!
Apropos: zwischenzeitlich habe ich (& zwar nicht NUR prophylaktisch) eine Schmerz-tablette (in mich) eingeworfen.
THEN IT’S TIME ...!
Ich besteige ein ‘Colectivo - Destinación: Terminál’ & rausche durchs mittlerweile nächtliche Bogota, das EIGENTLICH gar nicht so gefährlich aussieht !?
Hm - DAS sage ICH! ...
... mich in einem Bus befindend & die ‘Ciudad Muy Peligroso’ draußen an mir vorbeiziehen lassend! Was habe ich schon von Bogota mitgekriegt?
Naja - vielleicht war’s gar nicht so schlecht, daß ich (‘for physical and mental reasons’) nicht SOOO DOLLE drauf war.
Anyway: ‘Thanxx, Svenja - for Depressing Me!’
Um Sieben Uhr erreicht der Minibus den ‘Central Bus-Terminal Bogota’:
Checken der Situation (‘Wo fährt der Bus - gell, Heike?’). Dann begebe ich mich in den ersten Stock des Terminalgebäudes, wo sich zahlreiche (meist vollkommen verwaiste) Cafés befinden. Der einen freien Blick auf die ‘Bus-Counter Down Below’ gewährende Galerie-Wandelgang ...
... hat was von einschlägig-bekannten (wie?) ‘Kontakthöfen’ & (so) lasse ich mich von einer mich äußerst nett (verführerisch?) anlächelnden, kolumbianischen Kellnerin in ihr ‘Etablissement’ lotsen.
Sie schaut allerdings zunehmend frustiert, als ich die Bezeichnung ihres Lokals wörtlich nehme & ‘tagebüchend’ die folgenden anderthalb Stunden bei zwei ‘Tinto’ verbringe (kleiner Kaffee! - ‘you remember?’).
Kurz vor Neun Uhr (ich bin JETZT schon hundemüde!) begebe ich mich zum ‘Boarding Bus’, verabschiede mich von meinem Rucksack, der im geräumigen Gepäckfach des Busses verstaut wird (wo er langausgestreckt & flach liegend augenblicklich in tiefen Schlaf verfällt: NEID!) ...
... & inspiziere meinen ‘Asiento Numero Nueve’:
Naja - allzu komfortabel ist der Bus nicht! Aber bei einem lächerlichen Fahrpreis von gerade mal 20 US-Dollar habe ich schließlich auch keinen Anspruch auf ‘Clase Pullman o Climatizado’, sondern lediglich auf einen ‘Muy-Simple-Corriente’-Bus.
Anyway ...
... daß ich in der da kommenden Nacht kein Auge zumachen werde, ist mir (nach mittlerweile 9 Wochen öffentliche Verkehrsmittel in Lateinamerika bar jeglicher Rest-Illusions-Rudimente) EH klar!
Mein nur etwa 1,40 Meter lichte Körpergröße messender (also lateinamerikanisch-normal-großer) Vordermann HAUT mir seine Rückenlehne auf meine nur leicht angewinkelten Knie ... & ich mich so gut es geht hin!
Neben mir sitzt ein etwa zehnjähriger, sehr schüchtern wirkender Knirps, der scheinbar GROSSES VERSTÄNDNIS (schweigende Zustimmung!) dafür aufbringt, daß ich meine Beine ‘ziemlich diagonal’ vor unserer gemeinsamen Sitzbank auszustrecken versuche.
‘Äh ... Horst - kann es eventuell sein, daß Du seine Schüchternheit & Zurückhaltung gnadenlos egoistisch ausgenutzt hast?’ Hm - eine klare & eindeutige (wenn auch ein wenig tendenziöse, wie mir scheinen will) Frage, auf die es nur EINE knappe Antwort gibt: ‘JA!’
Zunächst verfolge ich noch die Geschehnisse, die sich außerhalb des Busses abspielen: gute anderthalb Stunden durchkreuzen wir die südlichen Stadtteile & schließlich die endlos sich erstreckenden Vororte der sich hier zunehmend als ‘Moloch’ präsentierenden ‘Gigapole Bogota’ - das akkurate, vor uns sich abwickelnde Asphaltband, wirkt zwischen zerfallenden Gebäuden, Wellblechhütten, Bauschutt & Müll wie das sichere (‘irgendwie’ surreale!) Personen-Transportgleis einer Jahrmarkt-Geisterbahn - die sich in den dunklen Seitenstraßen zeigenden dunklen Gestalten (egal, ob weiblich oder ‘macho’ ...) scheinen ausnahmslos dunklen Geschäften nachzugehen.
CINE NEOREALISMO GRANDE! ...
... aus der fahrenden Theaterloge heraus betrachtet.
Nachdem wir die zunehmend schummrigeren Lichter der Stadt endgültig hinter uns gelassen haben, scheinen wir durch einen schwarzen Tunnel zu rasen. Die Konturen des grandios-bergigen Umlandes sind bestenfalls zu erahnen. Ich döse ‘in mich hinein’ & vertraue darauf, daß der Fahrer unsres Geisterbusses weiß, was er tut.
Naja - was bleibt mir auch sonst übrig?
Nach drei Fahrtstunden führt die Straße in endlosen, engen & steilen Serpentinen von der Hochebene hinunter in ein tiefes Tal. Die beängstigenden Geräusche der quietschenden Reifen unsres ‘NOCH fahrbaren Untersatzes’ fatalistisch ignorierend, bin ich letztlich nur noch froh, mir nicht ansehen zu müssen, WELCHE Kapriolen der Bergpfad in WELCHER Umgebung schlägt ...
Ich erinnere einen ‘GEO’-Bericht über todesmutige ‘Engel der Landstraße’, die in exakt dieser Bergregion auf nahezu antriebs-, bremsen- & steuerlosen Rollbrettern einen waghalsigen Slalom (so ‘ne Art Highway-Surfing!) zwischen den alles zermalmenden Reifen der endlosen LKW-Kolonnen vollführen, um liegengebliebenen Transport-Fahrzeugen Pannenhilfe zu geben.
Wir kreuzen den reißenden Rio Magdalena, der in einer der Sierras tief im Süden Kolumbiens entspringt & das Land (in nördlicher Richtung dahinfließend) in eine westliche & eine östliche Hälfte teilt ...
... bis er bei Barranquilla ins karibische Meer mündet. Die nächsten beiden Stunden folgen wir dessen Verlauf - auf einer nahezu schnurgeraden & ebenen (wenn auch recht engen!) Asphalt-Piste.
Unser Busfahrer nutzt den exzellenten Straßenzustand, um den Motor seiner ‘Rappelkiste’ einem (hoffentlich nicht werkstoff-zerstörenden!) Belastungstest im extrem hoch-tourigen Drehbereich zu unterziehen:
‘MADRE MIA!’
Gegen Drei Uhr Früh legen wir einen halbstündigen Stop in Neiva (knapp 250 Kilometer südwestlich von Bogota) ein: Kaffee - Zigaretten (an der Zahl) - sowie (‘Most Essential!’) ausgiebig die Beine vertreten.
Unser Busfahrer lächelt zufrieden (ER hat sein ‘Nachtwerk’ vollbracht!), packt mit beamtenmäßiger Ordnungsliebe seinen schicken, schwarzen Leder-Aktenkoffer & macht seinem Nachfolger Platz: ‘Emerson Fittipaldi’ betritt die Szene ...
... & nach einer halben Fahrtstunde weiß JEDER Insasse des Busses (selbst der den Stop in Neiva verschlafende), daß sich IRGENDETWAS verändert haben MUSS!
Tja - jenau so isset!
Der Highway besitzt in der Folge nur noch ‘Feldweg’-Qualität (was noch eine wohlmeinende Klassifizierung ist) & unser ‘Pilot’ trägt diesem Mißstand auf die für einen kolumbianischen Busfahrer einzig denkbare Art & Weise Rechnung:
Indem er nämlich schlicht die Fahrtgeschwindigkeit ERHÖHT!
Aufgeregte, nicht grundlos nur mit HALB-geöffnetem Mund artikulierte Zurufe erschallen (‘irgendwie gedämpft!’) aus dem rückwärtigen Bereich des Busses.
‘Kotzbeutel in Dutzendstärke’ werden von sichtbar um Fassung ringenden Mit-Passagieren mit gleichgültigen, stieren Gesichtsmasken nach hinten durchgereicht.
Währenddessen ...
... lächelt unser Fahrer zufrieden vor sich hin!
An SCHLAFEN (oder auch nur ‘Augen-Schließen’) ist nicht mehr zu denken. Aber auf diese Weise wird die Busfahrt wenigstens nicht langweilig!
Übrigens: Eigentlich befinde ich mich nicht nur ‘in einer anderen Welt’, sondern auch schon längst ‘in einer anderen Zeit’ ...
... nämlich: im nächsten Tag!
ALSO ..
.

... Gegen Sechs Uhr setzt (zaghaft) die Morgendämmerung ein & erstmals sehe ich die Landschaft, durch die wir seit Stunden ‘mit einem Affenzahn’ dahinjagen:
sehr hügelig - am nahen Horizont ‘gebirgig-zackig’ - sehr grün - & (anscheinend) auf ‘ähnlich hohem Niveau’ wie bei unserer Abfahrt in Bogota (2.600 Meter üNN).
Wolken- & Nebelbänke schieben sich sehr flach (& im Schneckentempo) über den ‘Altiplano’: San Agustin, mein anvisiertes Tages-Etappenziel, befindet sich nur mehr 1.700 Meter über dem Meeresspiegel.
Um Sieben Uhr erreichen wir eine tiefverschlammte Kleinstadt. Nahezu alle Passagiere steigen aus. Auch ich (mich bereits am Ziel wähnend) schultere meinen Fotorucksack ...
... muß mich aber vom Busbegleiter belehren lassen, daß ‘dies noch nicht San Agustin ist - sondern Pitalito’!
Auch gut!
Ich stretche, über das Bahnhofsgelände schlendernd, meine steifen Knochen & rauche eine Zigarette - guter Laune, ob des bevorstehenden ‘Endes der Busfahrt’.
WAS? Gute Laune? DAS läßt sich ändern!
Als ich wieder in den Bus einsteige ...
... muß ich feststellen, daß meine kurze Abwesenheit von einem ‘dreisten Langfinger-Arsch’ dazu genutzt wurde, meine als Platzhalter auf dem Sitz zurückgelassene ‘Goretex’-Jacke zu klauen.
VERDAMMTE SCHEISSE!
Monatelang schleppe ich das sauschwere Ding (Okay! Ich übertreibe ein wenig, aber trotzdem ...) sinnlos durch glühendheiße & knochentrockene Gegenden & jetzt ...?
Wo’s ernst (also: naß!) wird:
IST SIE WEG!
Die ‘Lonely-Planet’-Warnungen (auf Rucksack & Klamotten zu achten) habe ich bislang nicht so ernst genommen - aber wer rechnet denn auch ...?
Ach - was soll’s!
Ich habe keine Lust mich zu ärgern (verdammt nochmal!) & beschließe, mich darüber zu freuen, daß ich ‘nun halt weniger zu schleppen habe’.
PUNKT!
Wir nähern uns mal wieder ‘Feindesland’ (die ländlichen Regionen Kolumbiens sind ‘Guerilla-Country’) ...
... & während der folgenden, einstündigen Busfahrt muß ich zwei intensive ‘Security-Checks’ (durch knabenhaft-junge kolumbianische Armeesoldaten - mit allerdings martialisch aussehender Militärausrüstung) über mich ergehen lassen:
ICH (wie auch alle übrigen männlichen Passagiere) muß mich mit gespreizten Beinen & weit ausgestreckten Armen an den Bus lehnen, worauf eine ziemlich rüde Leibes-Visitation erfolgt. Mein miesepetrig-verzogenes Gesicht scheint dem ‘Kohorten’-Anführer nicht zu gefallen (was übrigens auf Gegenseitigkeit beruht) & er weist zwei seiner Untergebenen an, meinen Fotorucksack genauestens zu durchsuchen. Erst im allerletzten Moment gelingt es mir sie davon abzuhalten, die Kamerarückwände zu öffnen ...
... & sich die makellos schwarz belichteten Filme anzuschauen.
Schließlich muß ich (als einziger!) meinen Reisepass vorzeigen. Aber auch das scheint ‘El Commandante’ (Sorry, Che!) noch nicht zufriedenzustellen. Er bombadiert mich (ohne zwischendrin Luft zu holen) mit mehreren ‘salvigen Fragen-Breitseiten’ ...
... währenddessen unablässig mit seinem rechten Zeigefinger (der vermutlich schon einer ganzen Reihe Guerilleros das rebellische Leben ausgelöscht hat) auf meinen Ausweis ‘tippend’.
Ich beantworte jede seiner Fragen wahrheitsgemäß mit ‘No Entiendo!’, überlege (zugegeben: nur für einen kurzen Moment), ob ich ihn davon in Kenntnis setzen soll, daß ‘Senor Maus: El Aleman’ mein Schwager ist & ER sich gefälligst vor mir in Acht nehmen soll! Äh ...
... halte diese Idee letztlich aber denn doch nicht für SO GUT (& mich lieber zurück!). IRGENDWANN (eigentlich grundlos!) ...
... läßt er doch noch von mir ab & wir können endlich unsere Fahrt fortsetzen.
Pünktlich im Acht Uhr morgens laufen wir in San Agustin ein. Unmittelbar nach Verlassen des Busses werde ich (ich bin der einzige Touri!) von schätzungsweise 850 ‘Hotel-Touts’ bestürmt, die mit blumigsten Worten ihre Unterkünfte anpreisen. Ich nehme zwei Visitenkarten entgegen, sage (um meine Ruhe zu haben): ‘Luego!’ ...
... & begebe mich in ein nahes Café: Erstmal Frühstück (mit ‘Mucho Cafe Negro’) sowie Studium meines Reiseführers (zum Thema ‘Hotels in San Agustin’).
Gestärkt & erstaunlich fit marschiere ich anschließend zur ‘LP’-Empfehlung ‘Hotel Mi Terruno’: das Haus ist sehr idyllisch am Stadtrand gelegen (große Holzveranda mit Waldblick) - das mittelalte Besitzerehepaar ist freundlich & zuvorkommend - der Raum ist zwar kahl, aber groß (mit drei Betten, einem kleinen Fenster & ‘Bano Privado’). EIGENTLICH ...
... müßte ich sofort einziehen, beschließe aber, mir wenigstens noch EINE Alternative anzuschauen (es ist ja noch früh - ‘Hahaha!’):
‘On the western Outskirts of Town’ soll ein sehr atmosphärisches Hotel (versteckt ‘im tropisch-paradiesischen Grün’) residieren. Ich begebe mich auf die Suche & ...
... einen langen, extrem schweißtreibenden Fußmarsch (mit meinem gesamten Gepäck auf den Schultern!). Kurz vor Erreichen der Herberge, mittlerweile aber außer Sichtweite des Ortes, mache ich mir klar, daß die Unterkunft gar nicht SO TOLL sein kann, daß sie damit ihre ‘Far-Off’-Lage wettmachen würde. Daher drehe ich kurzentschlossen um & checke im ‘Mi Terruno’ ein (‘Tja - DAS hättest Du auch einfacher haben können!’).
Auspacken - ‘Refreshing Shower’ ...
... ich fühle mich ziemlich fit & kehre ins Ortszentrum zurück, wo ich (im vermeintlichen - aber nicht wirklichen! - ‘Tourist-Office’) eine gute Lagekarte & Informationsmaterial zu den Hauptattraktionen der Region erhalte:
Dem berühmten ‘Parque Archaeologico’ (etwa 3 Kilometer vor den Toren der Stadt) sowie einigen kleineren, im Umkreis von etwa 20 Kilometern sich befindenden Überbleibseln einer rätselhaften Indiokultur des 6. bis 14. Jahrhunderts (an die heute nur noch, allerdings erstaunlich gut erhaltene, naturalistische Steinskulpturen erinnern).
Das Studium dieser Unterlagen in einem ‘bequemen’ Café läßt mich ein wenig zur Ruhe kommen: ein Fehler!
Denn UMGEHEND signalisiert mir mein dominanter Körper, daß er müde ist!
Naja - was kann mein ‘(sch)wacher Geist’ DEM schon entgegensetzen ...?
Ich verschiebe alle weiteren Aktivitäten auf den Nachmittag, kaufe Brot & eine ‘Zwei-Liter-Bomba’ Orangensaft (für den ‘Hunger & Durst Danach’) & mach’s mir in meinem ‘Refugium’ gemütlich:
problem- & traumlos begebe ich mich ‘in eine andere Welt’.
Um Drei Uhr nachmittags komme ich (SEHR langsam) wieder zu mir ...
... gönne mir eine weitere halbe Stunde um wachzuwerden & breche schließlich (fit wie ein ausgelatschter Turnschuh!) zu einem Abendspaziergang auf:
San Agustin ist vor dem Hintergrund meiner City-Erfahrungen der beiden letzten Wochen schon ein extrem ruhiges & unhektisches Städtchen ...
... & doch fühle ich mich erst RICHTIG wohl, als ich auch die letzten Häuser hinter mir gelassen habe & in die vollkommen unberührte Wald-&-Wiesen-Natur um den nahen Rio Magdalena eintauche.
Übrigens: den (vermutlich sehr touristischen) ‘Parque Archaeologico’ habe ich für den morgigen Tag eingeplant ...
Noch bevor ich die bewohnten Gebiete verlassen habe, geht die steil hügelanwärts steigende, asphaltierte Straße in einen einfachen Lehmweg über. Dieser wird (den eindeutigen, tiefen Spuren nach zu urteilen) intensivst von ‘beschlagenen Vierbeinern’ beackert.
Die Behausungen werden spärlicher & einfacher - Reiter kreuzen (nach vollbrachtem Tagewerk), stolz & aufrecht auf ihren kleinen, trippelnden Pferden sitzend, meinen Weg - die meist alten Campesinos hocken (den Abend herbeischauend) vor ihren Hütten & grüßen (durchweg freundlich) den ‘Fremdling’ (zurück).
Ich fühle mich deutlich besser als in Bogotá: meine Nierenschmerzen sind verflogen! Ich bereue, daß ich gestern zwei ‘Antibio’-Pillen eingeworfen habe & daher den Grund für meine plötzliche Genesung nicht eindeutig bestimmen kann ...
... tippe aber GANZ ENTSCHIEDEN auf einen ‘zumindest positiven Einfluß des Landklimas’.
Ja - es tut VERDAMMT GUT, die frische & sichtbar saubere Luft der nördlichen Anden-Ausläufer zu atmen!
Der Ausblick vom Hügel zurück auf das kleine, idyllische Berg-Städtchen San Agustin (mit seinen roten Ziegeldächern ... in den sattgrünen Hügeln ... & unter wenigstens teilweise blauem Himmel) versetzt meinem ‘Corazon’ einen Stich!
SO!
ENDLICH ...
... kann ich dieses ‘Schlüsselwort der lateinamerikanischen Trivial-Lyrik & Populärmusik’, das in JEDEM ‘Canto por Amigas y Amigos de Amor’ wenigstens EINMAL (meist aber sehr viel öfter!) vorkommt & sich auf (FAST) alles reimt ...
... äh ... auch einmal verwenden !!!
Nach etwa zwei Kilometern zweigt ein kleiner Feldweg vom ‘Camino Principal’ ab & windet sich alle denkbaren Richtungswechsel vollführend (Izquierda - Derecha - Arriba - Abajo) auf den Rio Magdalena zu.
Zunächst aber erreiche ich ‘El Tablon’:
Fünf (unter einem Strohdach vor den Witterungseinflüssen geschützte) etwa einen Meter hohe Stein-Statuen dieses so mysteriösen prä-kolumbianischen Bergvolkes der ‘San-Agustin-Region’ ...
... das (so die vorherrschende Meinung der Archäologen) wahrscheinlich den kriegerischen & auf Expansion bedachten Incas zum Opfer fiel, deren Reich sich (während der ‘Hochzeit’ im 14. & 15. Jahrhundert) bis hinauf ins nördliche Kolumbien erstreckte.
Die Statuen befinden sich auf einem großen & freien Rasenplatz (‘in the hill’), der allerdings eingezäunt ist & kein Eingangstor aufweist. Ein freundlicher Einheimischer will mir behilflich sein, eilt herbei & drückt die brandneuen Stacheldraht-Strippen etwa zehn Zentimeter auseinander. Ich aber lehne dankend ab ...
... verspüre ich doch keinerlei Lust, mich DORT & NUN ‘aufzuschlitzen’ (zumal ich morgen noch hunderte dieser Statuen im ‘Parque Archaeologico’ aus nächster Nähe bewundern darf)! Ich bleibe lieber auf Distanz ...
... & schieße eine (vermutlich: nichtssagende!) Panorama-Aufnahme.
Ich marschiere weiter Richtung Fluß. Der bislang zwar steinige, aber wenigstens trockene ‘Sendero’ entwickelt sich nun zu einer wirklichen ‘Pferderennbahn’ (einer ‘Arena’, was wörtlich aus dem Spanischen übersetzt ‘Sand’ heißt: ‘Muy Interessante!’) - und nach nur 100 Wander-Metern weisen meine Schlappen ungefähr das doppelte Gewicht auf (äh ... im Vergleich zu ‘Antes’).
Noch einmal führt der Pfad etwa zwei Kilometer steilst den Hügel hinauf. Dann (& nur um Haaresbreite vor Erreichen meines ‘persönlichen Break-Even-Points’: aus zunehmender Erschöpfung & konstantem bis leicht abnehmendem Interesse für mein Besichtigungsziel) ...
... geht’s nur noch bergab.
Die Dämmerung setzt schon ein (& erleichtert meine Kletterpartie keineswegs), als ich einen dramatischen Felsvorsprung erreiche: ‘La Chaquira’ lautet der Name einer aus einem riesigen Naturfelsmonolithen herausgemeißelten Götterstatue ...

LA0724-NaheSanAgustinNatursteinSkulptur

... & etwa 200 Meter unter dieser, erkenne ich den zwar recht schmal, aber reißend dahinfließenden Rio Magdalena (der durch einen gewaltigen Canyon unaufhaltsam dem mehr als 1.000 Kilometer entfernten karibischen Meer entgegenstrebt).
Mittlerweile hat sich die Sonne (für heute) verabschiedet - sprich:
Fotografieren erfordert (neben Göttin-Vertrauen!) eine SEHR ruhige Hand.
Hm - ich muß mit der Belichtungszeit für meine ‘Canyon-Under-A-Nice-Full-Moon’-Aufnahmen auf eine fünfzehntel Sekunde ‘hoch’ ...
Nachdem ich das letzte Foto des Tages (sinnlos!) ‘verschossen’ habe ...

LA0727-NaheSanAgustinLaChaquira+Vollmond

... kann ich mich auf das Wesentliche einlassen: kein Mensch weit & breit - vereinzelte Vogelstimmen (der stoisch-notorische ‘Kleine-Sekunden’-Piepmatz hört sich an wie ein hart an sich arbeitender Musikschüler) - durchgängig präsentes Insektenkonzert - Dämmerlicht & atmosphärische Wolkenkonstellationen!
Ich fühle mich VERDAMMT GUT ...
... & weiß augenblicklich wieder, weshalb ich reise:
Nicht wegen der Städte & auch nicht wegen der interessanten Menschen - sondern wegen eben DIESER ‘Golden Moments’ in freier, unberührter & überwältigender Natur!
Ich habe zu keiner Zeit das Gefühl, mich hier in Gefahr zu befinden - auch nicht, als ich während des Rückweges durch schwieriges, weil stockdunkles Gelände einer Reihe von Locals begegne, die wie immer & überall ihr wichtigstes Handwerkszeug (die Machete) mitführen: ALLE grüßen mich freundlich ...
... & ich beschließe, daß die ‘Violencia’ nur ein Problem der großen Städte ist!
PUNKT!
Bislang war der Tag recht billig (monetär betrachtet) & so fällt es mir nicht schwer, mich von mir zu einem ‘richtigen Abendessen’ einladen zu lassen ...
... erstmalig seit ‘ich-weiß-nicht-mehr-wann’!
Das ‘La Cabana’ ist ein kleines, gemütlich aussehendes Open-Air-Restaurant mit Bambus-Einzäunung - das sich nach kurzem Studium der ‘Lista de Precios’ jedoch als ziemlich teurer Schuppen entpuppt. Aber - was soll’s ...
Heute spielt Geld keine Rolle (‘ich bin ja eingeladen!’):
Gutes ‘Pollo con Papas y Ensalada’ sowie Bier, Kaffee, Tagebuch & dazu aus den Lautsprechern (ausnahmsweise!) ‘Musica Romantica’.
Gegen Halb Neun Uhr bin ich zurück in meinem himmlisch ruhigen & kühlen Zimmer. Nur vereinzelt (& von sehr fern) hört man Hundegebell sowie die ‘asthmatischen Wieher-Geräusche’ eines Maulesels. Ich öffne die rustikal-einfachen Holzläden des Fensters gaaanz weit ...
Obwohl ich zwischenzeitlich einmal kurz überlege, ob’s hier wohl Schlangen gibt?
Anyway ...
Ein langes Kapitel ‘Spanisch für Lateinamerika’: die altklugen Belehrungen des noch sehr jungen Autors über ‘richtiges Verhalten in Südamerika’ nerven zwar auf Dauer, die Zusammenstellung der Themen erscheint mir aber praxisnah & lernförderlich. Schließlich schreibe ich noch eine Postkarte an Walter (‘die Träne, die nicht auf Reisen geht ...’).
Um Elf Uhr bestätige ich mir ein letztes Mal für heute, daß es mir EIGENTLICH richtig gut geht & lösche ‘La Luz’ ...
... & zwar ‘im Liegen’!
Was meiner Pension einen weiteren, klaren Zusatzpunkt für ‘Benutzerfreundlichkeit bei der Anbringung des Lichtschalters’ einbringt ...

... Ausschlafen - gegen Halb Neun Uhr wach - gegen Neun Uhr (nach Dusche & den beiden ersten ‘Guten-Morgen’-Zigaretten) FIT!
Mein Frühstück nehme ich in einem einfachen Restaurant (das Wohnzimmer des Hauses wird morgens & abends zum Speiseraum umgerüstet): Sehr liebe & bemühte, ältere Wirtin, die sich tausendmal bei mir dafür entschuldigt, daß es keine ‘Salsa de Tomate’ gibt. Obwohl sie vermutlich denkt, ‘... diese Touri-Banausen! Wer sonst schon kommt auf die Idee, ‘Huevos, Arroz y Platanos’ in KETCHUP zu ertränken?’
Ich schreibe (ein knappes Sechzehntel des RIESIGEN Wohnzimmertisches belegend) Tagebuch & beobachte zwischendurch die Szenerie:
Zwei junge ‘Zwerg’-Hunde bewachen lautstark den Eingang des Restaurants ...
... obschon die größte Sorge eigentlich ihrer eigenen Sicherheit gelten sollte. Denn JEDER (Kolumbianer!), der das Haus betritt, verpaßt einem der Hundchen(chen) einen rüden Fußtritt (worauf dieser dann kurzzeitig das Feld räumt & ins Innere des Hauses flüchtet).
Erst später bemerke ich, daß einem der Minihunde das linke Hinterbein fehlt. Mitleiderregend & doch relativ geschickt (er scheint dieses Handicap schon länger zu ‘leben’) humpelt der kleine Kerl durch die Gegend. Aber NIEMAND (außer einem!) bedauert ihn & ALLE (außer einem!) finden seine Darbietung ‘tierisch komisch ...’
ICH bestelle einen weiteren ‘Tinto’ ...
... woraufhin die Wirtin schon wieder ihre ‘Entschuldigungs-Nummer’ geben muß:
Äh ... Kaffee ist alle! ... für heute ... ‘Pero - Manana ...!?’
Ich packe meine Sachen zusammen (keine Spur sauer: ‘La Vieja’ ist einfach nur nett!) & versuche das örtliche Postamt ausfindig zu machen. Nachdem ich mehrere Passanten dazu gezwungen habe, lächelnd ihre Unwissenheit zu kaschieren (mittlerweile habe ich gelernt einzuschätzen, wann jemand weiß & wann jemand nicht zugeben will / kann, daß er nicht weiß & ... daher ‘vorgeben MUSS, zu wissen!’), lande ich schließlich in einem ‘Salon de Belleza - Unisex’:
Die freundliche Friseuse macht den Postjob ‘halt nebenbei mit’ ...
... & SO (Walter!) geht die Postkarte (an Dich!) von einem recht ungewöhnlichen Ausgangsort auf ihre vermutlich ungewöhnliche Reise ‘... durch die schönsten Friseur-Salons Kolumbiens direkt nach Europa!’
‘Walter - frag’ doch einfach beim nächsten ‘Haarschnitt’ mal nach, ob Post für Dich angekommen ist ... !?’
Anschließend ‘begehe’ ich den ‘Main-Sight-Seeing-Point’ meines heutigen Tages-Programmes - den ‘Parque Archaeologico’ (& zwar im wahrsten Sinne des Wortes).
Laut Angabe des ‘Tourist-Office in Town’ befindet sich der Park drei Kilometer westlich vom Stadtzentrum. ‘In Real’ aber ...
... sind es mindestens sechs Kilometer (& die drei letzten Kilometer führen zudem stetig berganwärts).
Aber ich will nicht klagen!
Der Spaziergang bietet beeindruckende Ausblicke auf das durchwanderte Seitental des Rio Magdalena & die in sanfte, grüne Hügel gebettete Stadt San Agustin mit dem charakteristischen, schwarz-weiß-fassadigen & ziegelspitzdach-gekrönten Kirchturm.

LA0761-NaheSanAgustinAtmoStrasseZumParqueArquaeologico

Als ich mich jedoch mit gezückter Kamera einem besonders viel-versprechenden Aussichtspunkt nähern will, springen (urplötzlich & ohne jede Vorwarnung) eine kolumbianische (?) Riesendogge & ein deutscher (!) Schäferhund mit gefletschten Zähnen auf mich zu!
Nur vermittels höchstem ‘gewaltbereit’-körperlichem Kung-Fu-Einsatz (DAS hab’ ich mir im kolumbianischen Local-TV abgeschaut!) & einer Portion Glück (!) gelingt es mir unverletzt zu entkommen ...
Glücklich am Parque eintreffend ...

LA0732-SanAgustinParqueArcheologico

... steuere ich zunächst das in eine gepflegte Grünanlage ‘gepflanzte’ Informationsbüro an, wo mir ein Parkangestellter anhand eines topographischen Modells der Region die ‘Points of Interest’ zeigt & erklärt.
Zunächst schlendere ich (mir viel Zeit gebend) durch den ‘Bosque de las Estatuas’:
einen, vor ein paar Jahren ‘von Menschenhand angelegten’ Rundweg durch tropischen Regenwald, in dessen Verlauf (etwa alle fünfzig Meter) eine der im näheren Umkreis ausgebuddelten Steinskulpturen präsentiert wird ...
... jeweils von einer grünlich-gestrichenen Blechhaube (zum Schutz gegen die zersetzenden Einflüsse des - sauren? - Regens) ‘behütet’.
Die Skulpturen (vermutlich Grab-Beigaben) sind ihren Vorbildern aus den Themen-Bereichen ‘Mensch & Tier’ durchweg sehr naturalistisch nachempfunden. Ihre lichte Höhe variiert zwischen 50 Zentimetern & 2 Metern.

LA0738-SanAgustinPräInkaSteinSkulpturLA0740-SanAgustinPräInkaSteinSkulptur LA0743-SanAgustinPräInkaSteinSkulpturLA0744-SanAgustinPräInkaSteinSkulptur

Mir persönlich gefällt ein großer, spitzhaken-schnabliger Vogel am besten, der dem Moral-Apostel & Tugendwächter aus der ‘Muppets-Show’ wie aus dem markanten Profil geschnitten scheint ...
Hm - was würde Mr. Henson wohl auf die Frage antworten, ‘ob er schon einmal in Südwest-Kolumbien war?’
Obwohl - vielleicht ist’s ja auch umgekehrt?
Schließlich soll die Muppets-Show ja schon STEIN-ALT sein ...
Es fällt mir mal wieder schwer, mich (beim Fotografieren) zu disziplinieren: die Lichtverhältnisse im ‘undichten’ Dschungel sind sehr kontrastreich (Fuck!).
Nach etwa einer Stunde ‘bin ich durch’ & nehme den zweiten, bedeutend längeren Rundgang in Angriff.
An ihren Original-Standorten haben die Archäologen drei ‘Mesita’-Gruppen (Grabstätten des geheimnis-umwitterten San-Agustin-Indio-Stammes) für die Besucher aufbereitet:
unbearbeitete, große & flache Steinplatten, die als Grabwände um die Verstorbenen herumjustiert & anschließend mit einer großen Deckenplatte aus Naturstein verschlossen wurden (dies alles etwa zwei Meter unterhalb der Erdoberfläche & mit Erdreich zugeschüttet).
Die Grabkammern sind ziemlich unfotogene Motive (& ich schieße lediglich EIN Doku-Foto).

LA0760-SanAgustinGräberImParqueArchaeologico

Da sind die um die ‘Mesitas’ herum gruppierten & bis zu 6 (!) Meter hohen Steinskulpturen schon interessanter:
im Gegensatz zu den Dschungel-Skulpturen sind sie freistehend, befinden sich in einem ansprechenden landschaftlichen Umfeld und werden durch gute & gleichmäßige Lichtverhältnisse begünstigt.

LA0746-SanAgustinGrabstätte+Baum

Nachdem ich die ‘Mesitas A + C’ erwandert & besichtigt habe (jeweils etwa ein Kilometer Fußmarsch durch eine abwechslungsreiche Park- & Dschungel-Flora), führt eine steile Naturtreppe hinunter zum Rio Lavapatas:
einem kleinen Flüßchen, dessen Quellbereich mittels filigran bearbeiteter Steine zu einem kleinen Teich angestaut ist & in der Folge über mehrere Terrassen aus wiederum exakt ineinandergepaßte Steinskulpturen (in Kaskadenform) seinem natürlichen Flußbett entgegenplätschert.
Über das gesamte Terrain spannt sich eine moderne Glasdach-Konstruktion & (unter dieser) umkreist ein auf Stelzen gesetzter Holzsteg die Anlage.

LA0748-SanAgustinFuenteCeremonial

Die Archäologen vermuten, daß die Indios mit / an der ‘Fuente Ceremonial del Lavapatas’ einem göttlichen Wasserkult huldigten.
Der vom Parkeingang entfernteste (& für heute letzte) Besichtigungspunkt ist der ‘Alto de Lavapatas’: ein vom Flußbett zunächst schwach, später immer steiler ansteigender zeremonieller Hügel, an dessen höchstem Punkt sich ein breites Plateau befindet.
Zwar sind auch HIER OBEN einige (wenige) Steinskulpturen zu besichtigen ...
... die Hauptattraktion, die letztlich auch den beschwerlichen Aufstieg belohnt, ist jedoch ganz entschieden der spektakuläre ‘Rund-Um-Panorama-Ausblick’ auf & in die umliegenden Hügel & Täler.
Ein paar ‘Landschafts-Portraits’ ... sowie (erstmalig seit längerem wieder!) einige ‘Selbstauslöser-Stativ-Eigen-Selber-Portraits’ ...

LA0755-SanAgustinAltoDeLavapatas02

... DANN beginnt es zu ‘tröpfeln’. Ich besetze eine etwas abseitige (wie für mich errichtete!), strohdach-gedeckte Hütte & beobachte rauchend die weiteren meteorologischen Entwicklungen.
Der Regen wird eindeutig stärker. Ich beginne den noch fälligen Antwortbrief an Ulla & vergesse die Zeit, bis ...
... ja, bis ein Touri-Pärchen mit seinem kolumbianischen ‘Guide’ MEIN Plateau heimsucht (ALLE ziemlich lautstark ALLES kommentierend). Augenblicklich ...
... ist’s mit dem himmlischen Frieden vorbei!
SCHADE!
Eine Stunde später erreiche ich wieder den Park-Eingang, erstehe im Kiosk eine Riesenflasche Zitronenlimonade, leere diese an Ort & Stelle ... äh ... zur Hälfte (äh ... damit ich nicht so schwer zu schleppen habe!) ... & lasse mich dann die sechs Kilometer bis San Agustin (Down-Down-Down) rollen.
Beim Verlassen der Parkanlage FALLEN mir sechs UNHEIMLICH COOL wirkende & schwer-bewaffnete Soldaten (& zwar: eindeutig NEGATIV!) AUF ...
... die später (exakt in dem Moment, da ich den Ortseingang von San Agustin erreiche) lässig einem Bus entsteigen. Sie schlendern weitauseinandergezogen, vermutlich eine geheimnisvolle Angriffs-Formation bildend, durch ‘ihren’ Ort & vermitteln (was offensichtlich Absicht ist) ganz bewußt die non-verbale Botschaft:
In DIESER Stadt haben Terroristen keine Chance!
Hm - mir ist es völlig gleich, wer gegen wen für was & warum:
Ich HASSE Uniform- & Waffenträger jeglicher Art ...
... & vor allem HASSE ich die immer gleiche Lust, die diese IDIOTEN augenscheinlich dabei empfinden, wenn sie sich so martialisch präsentieren können!
Übrigens: auf den Gesichtern einiger mir entgegenkommender Zivilisten meine ich ablesen zu können, daß ich mit dieser, meiner Meinung nicht alleine dastehe!
Ein ‘schnelles Brot vom Panadero Enfrente’. Anschließend haste ich (ohne Umweg) in mein ‘waffenfreies Wald-Idyll-Zimmer’, drehe zweimal den Schlüssel im Schloß & lasse ein vernehmliches ‘UFF!’ hören (‘uffhören!’).
Ich gönne mir einen ‘basic Afternoon-Snack’ & verdöse (auf meinem bequemen Bett dicke Tabakqualm-Wolken produzierend) die folgende Stunde ...
... ‘irgendwie’ lustlos!
Später ‘some Late-Afternoon-Shots in Town’:
- einige Atmo-Shots unter dem Titel ‘Die Straßen von San Agustin’ (hm, vornehmlich Kopfsteinpflaster),
- leider KEINE (!) Reiter,
- die Kathedrale sowie die ‘Plaza Central’
- & das (unvermeidliche) ‘Simon-Bolivar’-Denkmal.

LA0762-SanAgustinKopfsteinpflaster+VillaLA0766-SanAgustinCatedralImParqueCentralLA0765-SanAgustinDenkmalSimonBolivar

(Noch) später entdecke ich eher zufällig die ‘Iglesia Creta’ (es dämmert bereits & an Fotografieren ist nicht mehr zu denken), die mir ausnehmend gut gefällt:
- zwei hohe, streng geometrisch wirkende Kirchentürme,
- dahinter, im Abstand von etwa fünf Metern (& mit den Türmen nicht verbunden), ein zwar großes, aber sehr flaches Kirchenschiff,
- die gesamte Konstruktion wird von griechischen Säulen getragen (am Rande & im Inneren des Schiffes),
- die Innenausstattung ist zwar spartanisch, aber sehr atmosphärisch.
Mir kommt sofort in den Sinn, daß dies ein optimaler Veranstaltungsort für musikalische & sonstige kulturelle Darbietungen wäre.
Zwei ‘Full-Moon-Above-the-City’-Shots (übrigens: exakt heute ist die Mondrundung exakt komplett!). Anschließend zwei ‘Cerveza Grande’ sowie eine Tomatensuppe (im ‘La Cabana’). Früh schon (gegen Acht Uhr) ziehe ich mich in ‘Mi Terruno’ zurück.
Morgen will ich den ‘Very-Early-Bus’ nach Popayan nehmen (um Sechs Uhr!).
Ich beschränke mich daher auf das Repetieren einiger Spanisch-Vokabeln ...
... & erwarte schon um Halb Zehn Uhr (den Hunden & dem asthmatischen Esel noch eine Weile lauschend) das, kurz darauf auch wirklich / pünktlich eintreffende, ‘kolumbianische Sandmännchen’ ...

... Als ‘mein lahmer Wecker’ um Fünf Uhr seinen Job verrichtet, rauche ich schon die zweite Zigarette des Tages.
Packen - dann werfe ich meinen Wirt aus dem Bett (die Vordertüre ist versperrt!) - um kurz vor Halb Sechs Uhr stehe ich an der Straßenkreuzung, die mir als Haltestelle des ‘Popayan’-Busses angegeben wurde. Daß dies der richtige Standort ist / sein muß, wird mir von einem ‘fliegenden Tinto-Verkäufer’ (& seiner verschlafen aussehenden, etwa zehn-köpfigen Kundschaft) bestätigt:
‘SI - El Autobus por Popayan sale AQUI: A LAS SEIZE!’

LA0770-SanAgustinTaxi+BusTerminal

Also: bis Sechs Uhr ‘ist noch lang hinne’ ...
... Kaffee & Zigaretten!
Langsam zeigt sich am entfernten Ende der Straße die aufgehende Sonne. Um Punkt Sechs Uhr zieht etwa die Hälfte der Wartenden ab ...
... schweigend & wie auf ein verabredetes Zeichen hin. Auch die ‘Taxistas’, die auf ‘fette Fahrgast-Beute’ aus Pitalito gehofft hatten, lassen ihre ‘Coches’ an & brausen davon. Auf meine hartnäckige Nachfrage hin, erfahre ich schließlich ...
... daß der ‘6-Uhr-Bus’ heute nicht kommt!
Zwar kann mir niemand erklären, warum er nicht kommt - aber:
‘No Problema!’
Der nächste Bus wird um Sieben Uhr in San Agustin erwartet ...
... & alle lächeln (naja - alle bis auf einen!).
Also: NOCH zwei Kaffee ...

LA0771-SanAgustinBusTerminal+Ciclisto

... sowie ‘Verzehr’ der zweiten Hälfte meiner Schachtel ‘Cigaros’! Plausch mit einem sich zu meinem persönlichen Berater (& Beschützer?) ernennenden ‘Caballero’ (ohne Pferd!), der zwar eigentlich ganz nett ist, auf Dauer aber doch NERVT! Kurzer Tagebuch-Eintrag ...
... um meine Ruhe zu haben.
Pünktlich um Sieben Uhr biegt der ‘Popayan’-Bus um die Straßenecke. Ich achte darauf, daß mein hinter der Bus-Heckklappe im Gepäckfach verschwindender Rucksack nicht schon vor der Abfahrt wieder ausgeladen wird (‘Pitalito-Syndrom’?). Zehn Minuten später geht’s los!
Die ersten fünf Kilometer (bis zur eindrucksvoll sich über den reißenden Rio Magdalena spannenden Brücke) befahren wir eine gute, asphaltierte Straße (mit Highway-Niveau). Ab dort allerdings zeigt sich bis zum Ende der heutigen Tagestour kein noch so kleines Stückchen Asphalt mehr ...
Mit Erreichen des anderen Flußufers quält sich unser Bus über dramatische Schotter-Serpentinen einen Berg nach dem anderen hinauf: auf der linken Busseite steigen steile Felshänge senkrecht himmelanwärts, während sich rechts das gleiche Bild ergibt (äh ... würde man sich auf den Kopf stellen!). Immerhin ist die ‘Rüttel-Strecke’ breit genug, um zwei Bussen Platz zu bieten (wenn auch knapp!).
Nach einer halben Fahrtstunde ist der Fluß (tief unter uns) nur noch zu erahnen - das Klettern aber geht weiter. Eine weitere Stunde später machen wir in San Jose de Isnos (der letzten regulären Ortschaft für die nächsten sechs Fahrtstunden) eine kurze Rast: einige Fahrgäste steigen zu - während ich (rauchend) die Gepäckfach-Klappe des Busses nicht aus den Augen lasse.
Anhand der Kilometersteine am Straßenrand kann ich verfolgen, wie quälend-langsam die Fahrt über Naturstein & notdürftig gewalztes Geröll vorangeht:
Die Wegstrecke von San Agustin bis Popayan beträgt 130 Kilometer & ...
... für die ersten 30 Kilometer (immer berganwärts) benötigen wir zwei Stunden!
Na - das kann ja noch HEITER werden!
In einem einsam in der Berglandschaft herumstehenden ‘Restaurant’ (ein kleiner Bauernhof mit zwei großen Tischen im Wohnzimmer & einer offenen Feuerstelle unmittelbar daneben) legen wir unseren Frühstücks-Stop ein:
ALLE ... schaufeln sich riesige Portionen Reis, Bohnen & Fleisch (genauer: Knorpel) sowie ‘Mega’-Suppen-Terrinen (mit den exakt gleichen Ingredienzen) in ihre Mägen. ICH ABER ... denke an die ‘Rüttel-Strecke’ & bleibe bei ‘Cafe Negro’ (ergänzt nur um zwei Brötchen: natürlich ‘trocken’).
Vor dem Restaurant versuche ich einen kurzen Plausch mit einem steinalten Mitpassagier: Hm - kolumbianisches Spanisch ist eh schon schwer zu verstehen ...
... kommt es allerdings aus einem ZAHNLOSEN MUND, dann wird’s ganz schwierig!
Und so brauche ich VERDAMMT LANGE, bis ich seine Frage, ‘ob ich die Goldminen der Gegend schon besucht habe?’, guten Gewissens verneinen kann ...
Ein paar Fotos von Landschaft, Bauernhof, Bus & Reisekollegen ...

LA0773-NahePopayanBusRestaurant+Caballeros

... dann geht’s auch schon weiter: DIE BERGE HINAUF!
Die Wolken scheinen sich an die Berghänge zu ducken. Die karge Vegetation behält zwar eine deutlich-grüne Grund-(Farb)-Gestimmtheit, wird aber zunehmend von silbrig glänzenden Pflanzen dominiert, die wie Pilze aussehen & am nackten Felsen kleben ...?
‘Walter - was mag DAS wohl für ‘ne Spezies sein?
Natürlich - Du mußt sowas wissen!’
Der Busfahrer hat erhebliche Schwierigkeiten den Schlaglöchern auszuweichen (es sind einfach zu viele ... & zu eng beieinander). Ich halte meinen Kopf möglichst weit von der Fensterscheibe entfernt, da die Erschütterungen des Busses ein ums andere Mal für ungewollte & gefährliche Luftsprünge sorgen. Wie nicht anders zu erwarten, werden beim Busbegleiter eine Menge ‘Kotzbeutel’ angefordert.
‘Ja, Mensch - hätte ich DAS gewußt, dann hätte ich doch kein Geld fürs Frühstück ausgegeben!’ ... lese ich in den grünlichen Gesichtern der sich hemmungslos übergebenden Passagiere ...
... die diese Strecke vermutlich zweimal pro Woche befahren:
VÖLLIG DURCHGEKNALLT!
Schließlich hat das Klettern (doch noch) ein Ende: Der Bus nimmt nur noch kleinere ‘Ups & Downs’ - wir haben den ‘Altiplano’ der kolumbianischen ‘Sierra Occidente’ (der nördlichsten Anden-Ausläufer) erreicht. Während der folgenden Fahrtstunde bewegen wir uns konstant auf etwa 3.000 Metern üNN. Weiterhin schließt jedoch eine Serpentinenschleife an die nächste an.
Gegen Elf Uhr (vier Stunden nach Fahrtbeginn ... & immer noch sind es gut 60 Kilometer bis Popayan) informiert mich ein großes Hinweisschild, daß wir soeben in den ‘Parque Nacional Purace’ eingefahren sind: dessen sehenswertes Zentrum bildet der 4.780 Meter hohe Vulkan Purace ...
... von dem ICH, HEUTE (aufgrund dichter Wolkenbänke) allerdings ‘nicht mal ein mickriges Zipfelchen’ erspähe. Und: Von nun an geht’s nur noch ...
... BERG-ABWÄRTS!
Schnell ändert sich das Erscheinungsbild der Landschaft. Im Gegensatz zur unbewohnten & kargen Ostseite der Sierra, zeigen sich auf der Westseite (selbst in diesen extremen Höhenlagen) endlose & sattgrüne Weideflächen. Die zugehörigen ‘Graser’ (Rinder & Kühe) tummeln sich jedoch in nur sehr bescheidener Anzahl.
Vereinzelte, sehr ärmlich & extrem heruntergekommen aussehende Steinhütten sind das einzige Indiz, für die Fehlerhaftigkeit der sich eigentlich aufdrängenden Vermutung, daß wir gerade die Höhenlagen der Schweiz durchkreuzen:
- idyllische ‘Postkarten’-Wasserfälle ergießen sich in die tiefen Täler,
- ‘unentwegt’ zweigen kleinere Geröllpisten von unsrer Hauptstraße ab & verschwinden in tiefen Tälern (oder hinter schwindelerregend hoch aufragenden Bergkämmen),
- die intensivst betriebene Holzwirtschaft ist das Hauptstandbein der ortsansässigen Campesinos & überall stapeln sich entrindete Holzstämme zu stark duftenden, ‘potentiellen IKEA-Rohstofflägern’.
Eins dieser kunstvoll aufgeschichteten Holz-Arrangements scheint sich vor noch nicht allzulanger Zeit eigenmächtig in Bewegung gesetzt zu haben: In einem Waldstück unmittelbar oberhalb unsrer Straße bestaune ich ein wirres (‘mikado-like!’) Durcheinander aus ‘nackten’ Stämmen sowie standhaft sich (noch!) wehrenden, lebenden Bäumen ...
... was übrigens gar nicht so ungefährlich aussieht!
Während der letzten 30 Kilometer folgt unsere Straße einem reißenden Gebirgsfluß:
einer unendlichen Aneinanderreihung von Katarakten, deren Gefälle derart stark abschüssig ist, daß nach jeder noch so kurzen, horizontal verlaufenden Teilstrecke unserer Straße der Fluß augenblicklich in einem weit unter uns befindlichen Tal (kaum mehr sichtbar!) dahinschießt.
Um die Mittagszeit erreichen wir Coconuco, die erste größere Siedlung nach Überwinden der Sierra (schöne Kirche sowie ... äh ... im Schlamm zu versinken scheinende Straßen).
Hm - zwar IM BUS (Shame on Me!) ... aber mich am weit geöffneten Fenster hinauslehnend, rauche ich hektisch eine Zigarette:
Raucher-Stops sind nicht mehr drin!
Der Bus rollt gerade so schön ...
Wenige Kilometer vor der Stadtgrenze Popayans ‘hat sich offensichtlich irgendetwas sehr Essentielles verändert ... !?’ Aber WAS?
Ich brauche einige Zeit bis mir klar wird, daß unser Bus (gleichermaßen plötzlich wie ‘eigentlich nicht mehr erwartet’ ... wieder) über glatten Asphalt dahingleitet.
Hm - irgendwie ein komisches Gefühl!
Am ‘Terminal de Autobuses Popayan’ (nach sechs Fahrtstunden für nur 130 Kilometer!) ...

LA0775-PopayanBienvenidoLama

... heißt’s erstmal durchschnaufen: zwei ‘Luckies’ paffen - zwei ‘Empanadas’ (mit Gemüse & Hackfleisch gefüllte Teigtaschen) gegen ‘den kleinen Hunger’ - dann bin ich wieder fähig mein Gepäck zu schultern & den (kürzesten!) Weg zum etwa zwei Kilometer entfernten Stadtzentrum Popayans anzugehen.
Die Straßen der Stadt werden von lückenlosen Reihen schneeweißer, alter, meist ein-, maximal zweistöckiger Kolonialgebäude gesäumt. Die sich übrigens allesamt in einem ausgezeichneten Zustand befinden ...
... trotz (oder doch wohl eher: wegen) des verheerenden Erdbebens, das im Jahr 1983 mehr als die Hälfte aller Häuser im historischen Stadtkern zerstörte!
Wenn die lückenlosen Häuserreihen denn doch einmal einen Zwischenraum freigeben, dann ist der Grund IMMER eine der zahlreichen, den Stadtkern auflockernden alten, spanischen Kirchen.
Aber noch steht mir nicht der Sinn nach ‘Sight-Seeing’ (obwohl der erste Eindruck von Stadt & Atmo ein äußerst positiver ist):
Nein - ich habe Wichtigeres zu tun!
Ich suche ein Zimmer!
Popayan, als eine der schönsten Kolonialstädte des Landes berühmt (& mit seiner ‘Interamerican Highway’-Anbindung auf halber Strecke zwischen Bogota & Quito sehr verkehrsgünstig gelegen), bietet den zahlreichen Touristen zwar ein umfangreiches Angebot an komfortablen Unterkünften ...
... ist aber weitaus teurer als das ‘very-far-off’ gelegene San Agustin.
Mein ‘Lonely-Planet’ ist mal wieder total veraltet & erweist sich (einmal mehr!) als nutzloser Ballast, den ich (sinnlos!) durch Südamerika ‘spazieren trage’.
Ich schaue mir vier Hospedajes der Kategorie ‘Grubby, but Bloody Cheap’ an & entscheide mich schließlich für eine winzige Einzelzelle (ohne Fenster & Klo) im alten ‘Hotel Panama’. Der geforderte Zimmerpreis von 5 US-Dollar ist zwar eigentlich eine Unverschämtheit ...
... für Popayan-Verhältnisse aber ein ausgesprochenes ‘Schnäppchen’.
Das Zimmer muß noch hergerichtet werden (??) ... & so  breite ich mich im hoteleigenen Restaurant aus. Die schlichte Speisekarte weist lediglich die drei ‘Platos Colombiano Classico: Desayuno, Almuerzo y Comida’ (sprich: Frühstück, Mittag- & Abendessen) aus & so fällt mir die Entscheidung nicht sonderlich schwer:
- Gemüsesuppe mit Yuccas & Kartoffeln sowie einer Erdfrucht, deren Konsistenz mich an ‘verunglückte Gelatine’ erinnert,
- Reis mit Bohnen, einer halben Kartoffel sowie einem nicht nur sehr seltsam AUSSEHENDEN Stück ‘Fleisch’ (in einer ‘mehrbereichs-öligen’ Tomatensoße),
- hinterher unterziehe ich mich mittels eines (zugegeben: sehr guten!) ‘Tinto’ einer vermutlich dringendst angeratenen ernährungs-hygienische Spülung.
Der SPASS kostet NUR zwei Dollar ...
... & somit bin ich zu einer (für kolumbianische Verhältnisse!) äußerst BILLIGEN ‘warmen Mahlzeit’ gekommen ... - äh, ja !?
Anschließend verstreue ich mein Gepäck großflächig im hergerichteten (& doch unverändert aussehenden?) Zimmer & unternehme einen ersten ‘Atmo-Schnupper’-Spaziergang ums Carrée:
Nein - ‘Sight-Seeing’ steht erst morgen auf dem Programm ...

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Nach einer Stunde lasse ich mich (erschöpft) auf einer Parkbank im schattigen ‘Parque Caldas’ nieder & schenke meine geteilte Aufmerksamkeit (abwechselnd) dem Studium von Ecuador-Travel-Infos sowie ... hm ... den in erstaunlicher Vielzahl durch den Park schlendernden, SEHR attraktiven, weiblichen & ‘blutjungen Grazien’ (ein wirklich ECHT NETTER Anblick!).
Nach Einbruch der Dunkelheit setze ich dieses (also ... äh ... Studium von Ecuador-Infos) in der ‘LP-Recommendation: Casa de Sebastian’ fort. Nachdem ich allerdings den Preis für das schlechtgezapfte & schale Bier erfahre (nämlich zwei Dollar!) ...
... verliert der bei Betreten des Lokals so atmosphärisch anmutende Patio umgehend & dramatisch jegliche Ausstrahlung & Anziehung (auf mich)!
Ich ‘gebe den Brief an Ulrikchen auf’ - erstehe im Supermarkt meinen ‘usual latin-american Survival-Pack’ (O-Saft in Unmengen & trockenes Brot) & ...
... ziehe mich in meine klaustrophobische Einzelzelle zurück.
Dort überlege ich eine kurze Weile, ‘ob ich denn nun endlich mal mit meiner neuen Reiselektüre (Mario Vargas-Llosas ‘Das grüne Haus’) beginnen soll !?’
Äh ...
... schlafe dann allerdings darüber ein (also: ‘überm Überlegen!’).
Naja - der heutige Tag begann für mich bereits um Halb Fünf Uhr.
Also: SIE HABEN ES (sich) VERDIENT!

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