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NICARAGUA - ABSTIEG AUS DER KÜHLEN BERGREGION ... ... HINUNTER IN DEN GLUTOFEN AM PAZIFIK ! ODER: NICARAGUA - ZWISCHEN KOLONIAL- ... ... & REVOLUTIONS-GESCHICHTE !
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Um exakt Sechs Uhr endet die Nacht für mich - und zwar endgültig (jedenfalls diese Nacht)! Der idiotische Nachtwächter (oder Hotelbesitzer ... oder ‘ich-weiß-nicht-was’) stellt seinen Ghetto-Blaster mitten in den Innenhof, legt eine (die!) ‘religiöse Erweckungs-Cassette’ ein, drückt die PLAY-Taste ... ... & geht erstmal für die Dauer einer Cassettenlänge unter die Dusche! Währenddessen muß ich mir (notgedrungen) die Cassette ‘reinziehen’: zunächst hält ein Laienprediger eine sehr bewegende, pathetische Ansprache (ich verstehe kein Wort: außer ‘Corazon’ ... übrigens jedes zweite Wort!) - dann dudeln die denkbar primitivsten Sakral-Pop-Schnulzen, die sogar Helge Schneider peinlich wären, in trommelfell-zerfetzender Lautstärke durch den Norden Nicaraguas (... vermutlich werden auch noch die angrenzenden, südlichen Honduras-Regionen ‘mit-grund-versorgt’). An den aus den umliegenden Zimmern vernehmlichen Geräuschen (Würg - Spuck - Kotz!) erkenne ich, daß auch die restlichen Bewohner & Gäste des Hotels ihr Tagewerk begonnen haben & ich bereite mich auf die zu erwartende, gemeinsame Morgenandacht (?) vor. Nachdem mich jedoch bis Sieben Uhr immer noch niemand in den Innenhof ‘geprügelt’ hat ... ... nutze ich einen Moment der Unachtsamkeit beim ‘Wachpersonal’ & entschlüpfe durch die Hintertür des Hotels auf die Straße. Am Parque Dario finde ich immerhin ein kleines & namenloses Lokal, welches um diese gottes-lästerliche Stunde schon geöffnet ist.
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Hm - vermutlich veranstaltet der Besitzer des Restaurants (wie jedes männliche Familienoberhaupt in Matagalpa) morgens die gleiche Weck-Zeremonie wie mein ‘Herberger’. Gutes Frühstück (sprich: übliches Frühstück! Man wird auf Reisen ja SO genügsam!). Ich überfliege die ‘Prensa’ ... ... bleibe aber schon an deren Schlagzeile hängen: Heute ist die obskurste Nacht des Jahres! Der Halleysche Komet (‘Cometa Hale-Bopp y Marte’) wird gegen Halb Acht Uhr am heutigen Abend für eine partielle Mond-Finsternis sorgen ... ... ich aber beschließe (spontan), diese zu ignorieren. Kurzer Plausch mit einer jungen Holländerin - die sich nach hektisch hervorgepreßter (& rein rhetorischer) Anfrage mit meinem Drum-Tabak eine Zigarette dreht, tiefste Züge inhaliert & dabei verzückt ihren Blick kreisen läßt. Seit Dezember ist sie in Nicaragua & unterrichtet (hier in Matagalpa) eine Tanz- & Schauspielklasse. In vier Wochen geht’s zurück zu den ‘Oranje Boven’ & ... sie ist (darob) traurig. Als ich anschließend (gestärkt) wieder auf die Straße trete ...

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... gerate ich gleichermaßen ungeplant wie ungewollt in die lokalen ‘Feierlichkeiten zu Ehren des Zuckerrohrs’: Von drei verschiedenen Punkten der Stadt aus ‘stern’-marschieren die Gläubigen (Priester vorneweg - es ist schließlich ein offenes Geheimnis, daß sich gerade im Klerus eine ‘hochprozentige Konzentration Schluckspechte’ verbirgt) mit lang- aufschießenden Zuckerrohrblättern in Händen zur Kathedrale. Ebendort Gebete & Gesänge, (christliche) ‘Hallelujahs’ & (weltliche) ‘Vivas’ sowie kräftiges & raumgreifendes Schwenken der ‘Cana’-Wedel. Sieht man von den ernsten Mienen einiger ‘Fundi-Katholen’ ab, so hat das ganze einen eher fröhlichen Volksfest-Charakter. ... Some Shots!
 
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Anschließend schlendere ich zum Bus-Terminal & checke die Verbindungen nach Jinotega: Der nächste Bus läßt (wie immer!) nicht lange auf sich warten & ich begebe mich auf einen schönen Sonntagsausflug Richtung Norden (& hügelanwärts!). Trotz des massiven morgendlichen Weck-Appells bin ich ziemlich gut gelaunt & genieße die Fahrt durch dichte & grüne Waldlandschaft. Viele Nicaraguaner sind ‘hoch zu Ross’ unterwegs. Naja - hoch zu Ross ist leicht übertrieben, denn die Pferde erreichen gerade mal Pony-Größe. Deren schnell ausgeführter Galopp sieht eher nach einem ballettmäßigen Trippelgang aus. Fasziniert beobachte ich einen jungen Caballero, der (stolz & sehr aufrecht auf seinem Vierbeiner sitzend) eine gute halbe Stunde vor unsrem Bus herreitet ... ... wobei der Bus keineswegs nur Rücksicht nimmt, sondern schlicht keine Chance zum Überholen hat (da er in den berganwärts führenden Passagen einfach langsamer ist als der ‘olle Gaul’). Nach 15 Fahrtkilometern erreichen wir den Abzweig zum Hotel Selva Negra - einem unter deutscher Leitung befindlichen Ethno- & Edel-Etablissement. Im rustikalen Hütten-Baustil (der zur wörtlichen Übersetzung Schwarzwald für Selva Negra paßt) hätte das Hotel wohl heimische Gefühle in mir heraufbeschworen ... ... äh - ja ... wenn ich den Abzweig genommen hätte. Übrigens: als Hotel-Hinweisschild fungiert ein am Straßenrand end-gelagerter Panzer (‘Una Bomba’ - wofür dieses Wort hier alles so herhalten muß?), dessen Schuß-Rohr genau in Hotel-Richtung zeigt. Hm - wahnsinnig originell & geschmackvoll, diese Deutschen! Neben dieser eher abstoßend (auf mich!) wirkenden Selva Negra-Einrichtung soll es hier oben sehr schöne Wanderwege & ‘Abundant Wildlife’ geben: vornehmlich Affen (na, wenn die mal nicht deutsch-sprachig sind?) - für den morgigen Tag vermerke ich in meinem Trainingskalender (gedanklich!) eine weitere ‘Anden-Vorbereitungs-Trekking’-Einheit. Unser Bus klettert derweil weiter die Berge hinauf: Ich habe zwar keinerlei ‘Altura’-Infos über Matagalpa oder Jinotega ... ... weiß allerdings, daß die Berge in dieser Region bis zu 2000 Meter hoch aufschiessen (die letzte Nacht in Matagalpa konnte ich LEICHT ohne Ventilator aushalten: äh ... ‘Hitze’ ist nicht das Problem!). Gewitterwolken verdunkeln den Himmel ... & während der letzten zehn Kilometer (bis Jinotega) rast unser Bus über eine seifig-glatte, leicht abschüssige Straße mitten durch einen gewal(ttä)tigen Wolkenbruch hindurch. Erst als Jinotega (die ‘Stadt in den Nebeln’) & der nördliche Lago de Apanas in unser Blickfeld reichen, tröpfelt der Regenschauer langsam aus. Am Bus-Terminal versuche ich mich (sicherheitshalber) nach der Abfahrtzeit des letzten Matagalpa-Busses zu erkundigen, erhalte aber lediglich die erschöpfende Auskunft: ‘Mucho Tiempo, Senor!’ Na also: Alles klar ... Kurzer ‘Smoking’-Stop (der übrigens nach nunmehr fünf Wochen auf Reisen ziemlich zerknit... : ‘Muuuttiii!) in einem trostlosen, namenlosen Park sowie vergebliche Bemühungen, ein / das authentische(s) ‘Caballero-Caballo’-Duo attraktiv vor einem atmosphärischen Kolonialgebäude abzulichten. Schließlich (leicht gefrustet) ... ... schlendere ich über enge Kopfsteinpflaster-Gäßchen durch die Stadt zur Kathedrale, die eins der beeindruckendsten Beispiele spanischer Kolonial-Architektur in Lateinamerika sein soll. Vom kleinen Vorplatz aus betrachtet wirkt sie zwar eher unscheinbar, doch ihre Innenansicht ist wirklich überwältigend: Die Wände erstrahlen in tadellosem, (frisch &) weiß-getünchtem Anstrich - an & neben den freistehenden, tragenden Säulen des Mittelschiffes sind die Marmor- & Holz-Statuen der Kirchenpatrone zu bewundern (wobei sich ‘bewundern’ vornehmlich auf die äußerst realistische & geschmackvoll-farbenfrohe Darstellung der ‘Angebeteten’ bezieht). Entscheidend für die positive Gesamtwirkung des Gotteshauses ist jedoch die wohl-durchdachte Nutzung des Tageslichtes (die Anpassung & Ausrichtung des Kirchen-Grundrisses am Sonnenlauf sowie die Positionierung & Dimensionierung der Kirchenfenster), die zu einer hellen & FAST fröhlichen Atmosphäre beiträgt (zugegeben: ein ungewöhnliches Adjektiv in Verbindung mit ‘Kirche’!). Ich unternehme den Versuch einer ‘fotografischen Langzeit-Belichtung’ des Hauptaltars - aber ... ... als ob sie es geahnt hätten: Dutzende Gläubige preschen rechts & links an mir vorbei und bauen sich (einem Krippen-Arrangement nicht unähnlich) um den Altar auf. Besondere Beliebtheit genießt die Statue eines ‘Heiligen auf Pferd’, der als wehrlose Staffage für diverse ‘Kinder-Reiter-Portraits’ herhalten muß! Sankt Martin ...? Oder doch (nur) Dr. Rainer Klimke, der selbst im hohen Alter immer (noch) dann zur Stelle ist, wenn ‘Olympia die Jugend der Welt ruft’ ...? Die sehr grüne, baumbestandene & buschüberwucherte Plaza vor der Kathedrale huldigt der jüngeren, leidvollen Geschichte Nicaraguas: Vis-a-Vis der Kathedrale mahnt (den Platz dominierend) ein Monument an (& für) Carlos Fonseca, den in Matagalpa geborenen Begründer der sandinistischen ‘FSLN’-Partei. Das Monument ist jedoch nicht (wie üblich) eine ihn lediglich abbildende Statue, sondern besteht aus einer halbkreisrunden Betonmauer, die einen Sinnspruch des Gehuldigten trägt. An der Südseite der Plaza folgt die nächste Mahnung: Hier befand sich ein im gesamten Land berüchtigtes Gefängnis (& Folterzentrum) der Somoza-Ära. Das frisch renovierte Gebäude dient nun als Jugendzentrum. An die Greueltaten der brutalen Diktatur erinnern nur noch zwei großflächige, bunt-’naive’ Wandmalereien (rechts & links der Eingangspforte), die ‘revolutionäre Szenen des Somoza-Widerstandes’ nachstellen.

Übrigens: die dargestellten Rebellen sind auffallend jugendlichen Alters ... ... & somit mag die Nutzung dieses makaberen Baus als Standort für ein Jugendzentrum vielleicht doch eine folgerichtige zu sein !? Oszillierender Streifzug durch die Seitengassen der kleinen ‘Stadt in den Nebeln (& Bergen)’. Währenddessen fange ich die relaxte Lazy-Sunday-Afternoon-Atmosphäre durch einige ‘Snapshots OFF the Beaten Touri-Tracks’ ein. Nachdem ‘alle Schüsse geschossen sind’ ...

... beobachte ich (zuletzt & ... mich mit frischer Ananas sowie Cola stärkend) den fußball-verrückten Teil der hiesigen Dorfjugend, der sich auf dem Bolzplatz neben dem Bus-Terminal für die ‘Copa Mundial 1998 en Francia’ zu qualifizieren versucht. Um Drei Uhr nehme ich den letzten Bus zurück nach Matagalpa, wo wir (da die Straße nun vornehmlich bergabwärts führt) schon nach einer Stunde ‘einlaufen’: ein gebratener Maiskolben (Hilfe, ich mutiere langsam aber sicher zum Biber!) - ein VERY DELICIOUS Rum-Sahne-Eis - sowie Einkauf meiner üblichen Abend-&-Nacht-Ration O-Saft & Bier. Relaxen - Lesen (GEO-Bericht-Nicaragua & T.C. Boyle) - Tagebuch-Schreiben - Rauchen - ... ... & Saufen: NOCH habe ich einen schier unerschöpflich scheinenden Vorrat des nicaraguanischen Feuerwassers ‘Flor de Cana’ (ich feiere mein eigenes ‘Cana’-Fest!). DANN ... wird’s (richtig!) hart! Um Sieben Uhr stellt der ‘Hotel-Idiot’ den dröhnenden Fernseher aus, holt seinen Little Ghetto-Blaster ins Foyer & ... ... von nun an gibt’s Latin-American Bible-Hour & Fuckin’-Sacri-Songs (Non-Stop & unerträglich laut - bis Zehn Uhr abends!): - bereits am ganzen Körper zitternd, grüble ich darüber nach, wie ich mich wehren kann (denke an Peter Handke ... jedoch nur um bedauernd festzustellen, daß ich meinen Bleistiftspitzer in der Eifel vergessen habe: SHIT!). - mein zwischenzeitlich bewußt falsches & lautes Mit-, Gegen- & Nieder-Singen der ‘Christian Shanties’ zieht natürlich keinerlei Reaktion nach sich (die im Stillen, für mich, geschätzte Wahrscheinlichkeit, wegen Blasphemie ‘Eins Auf Die Fresse’ zu kriegen, scheint allerdings auch gleich Null - denn: mein Tun interessiert die / den ÜBERHAUPT NICHT!). - schließlich drehe ich den Duschkopf bis über den Anschlag hinaus auf ... ... & deren Geräusch übertönt WIRKLICH den ‘Katholen-Müll’ (allerdings nur um kaum erwähnenswerte ein oder zwei Dezibel). Einigermaßen überraschend ... ... klopft es kurze Zeit später (denn doch!) an meine Türe! Ich habe (wieso eigentlich?) ein schlechtes Gewissen, zucke (ein wenig ... & doch spürbar) zusammen, bin aber auf alles vorbereitet: STREIT ...? HAUE ...? BLUUUT ...? DAS KANNST DU HABEN! Aber - weit gefehlt: Der Hotelboy hat irgendwo Kleingeld aufgetrieben & ist nun in der Lage, den ‘100-Cordoba-Schein’ zu wechseln, mit dem ich nachmittags vergeblich versuchte meine Zimmerrechnung zu begleichen. Kein Wort über die ‘gehörgang-zerstörende Musik’ im Hotel-Foyer! Oder das nervende (übrigens: auch mich!) Prassel-Dröhnen meiner Brause! ‘Alles Klar? In Ordnung!’ ‘La Vida es Muy Buena!’ ... Hm - ich VERSTEHE das nicht ...!? Da fahre ich in den ruhigen, naturverbundenen & kühlen Norden Nicaraguas (um mich zu entspannen & das einfache Leben zu genießen) ... ... vermeide ganz bewußt (zunächst) die hektisch-lauten Metropolen sowie die ‘Glutöfen’ an der Pazifik-Küste ... ... & DANN DAS! Ich beschließe, schon morgen nach Leon weiterzureisen: Was soll ich im Schwarzwald ...? ... schließlich ist mein ausgemachtes Reiseziel Lateinamerika! Nach der um Zehn Uhr (plötzlich) ‘hereinbrechenden Fast-Stille’ im Hotel, lese ich ein letztes, langes Kapitel World’s End & ... ... schlafe gegen Mitternacht ein (mich bemühend, ‘schneller’ zu schlafen - weil): Morgen Früh um Sechs Uhr (EN PUNTO!) ist schließlich diese Nacht ENDGÜLTIG & EIN FÜR ALLEMAL vorbei! Hm - dafür sorgt ER schon! (Pazifismus ist eigentlich SCHEISSE!) ...
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... Naja - & um Sechs Uhr ist dann ‘Wecken’! Der ‘Hotel-Wichser’ (eindeutig ein Somoza- & Juan-Pablo-II-Fan ... soviel steht fest!) dröhnt das Hotel zu & ... ... geht Duschen (wie gehabt). Anläßlich des sich anschließenden Gemeinschafts-Frühstücks singe ich die nun schon hinreichend bekannten ‘God-is-Real-Hallelujah!’-Songs so gekonnt mit, daß mir spontan ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht für Nicaragua angeboten wird. Auch wird mir der Posten eines Junior-Hotelmanagers in Aussicht gestellt ... ... äh - zunächst zuständig für die ‘Reinigung der Kopfkissen-Überzüge & die Beseitigung des Über-Nacht-angefallenen Leerguts’, aber: Mit guten Aufstiegsmöglichkeiten! Ich mache mir meine Entscheidung nicht leicht, ziehe dann aber doch den Bus-Bahnhof vor & ... AB. Als ich gegen Halb Sieben Uhr dem Hotel unwiderruflich den Rücken kehre ... ... entschlüpft mir ein spontanes (dieses Mal aber EHRLICH EMPFUNDENES!) & dreifaches HALLELUJAH! Der Esteli-Bus zur Straßen-Abzweigung Richtung Leon wartet schon - ist aber noch fast leer (... & von einem Busfahrer ist weit & breit nichts zu sehen). Also bestelle ich im Terminal-Kiosk einen Kaffee & zünde mir eine Zigarette an. Gerade beginnt ein ziemlich wirrer Indio mich vollzuquatschen (das einzige, was ich verstehe, ist ‘Moneda’ & ‘Peso’! Hm, komisch: obwohl ihre eigene Währung der ‘Cordoba’ ist, reden die Einheimischen immer von ‘Pesos’! Post-Kolonialismus?), da schickt sich mein Bus an, loszufahren. Ich winke, schaffe noch zwei Schlucke des brühend-heißen Kaffees & springe in den Bus. Bis San Isidro ist alles von der samstäglichen Fahrt her bekannt - auch die ‘Zwiebelstadt’ Sebaco: diesmal drückt mir ein Verkäufer (ungelogen) zwei Zwiebelbündel durchs offene Busfenster mitten ins verdutzte Gesicht. Normalerweise verreise ich ja nie ohne Zwiebeln, heute aber habe ich (unerklärlicherweise!?) keine rechte Kauflust ... Am Abzweig nordwestlich von San Isidro (auf offener Strecke) wartet schon der Leon-Bus ... ... auf MICH? Nach etwa fünf gefahrenen Kilometern sind die den hinteren Bereich des Busses blockierenden, vier sperrigen Holzregale auf dem Busdach festgezurrt (die Umladeaktion findet natürlich während der Fahrt statt) & ich erhalte einen Sitzplatz. Die Landschaft wird mit jedem, Richtung Pazifik zurückgelegten Kilometer karger & ebener. Die dramatisch ansteigenden Außentemperaturen sind als Flirren über dem Asphaltstreifen sichtbar - im Bus hingegen ist es erträglich, da alle Fenster weit geöffnet sind & der Fahrtwind ein wenig Abkühlung bringt. Am Horizont zeichnet sich schließlich der eine streng-geometrische Kegelform besitzende Vulkan Momotombo ab, der (obwohl NUR 1.280 Meter hoch) einen beeindruckenden Anblick bietet (naja, das ihn umgebende Terrain liegt nur wenige Meter über Meeresniveau). Ich versuche einen wackligen Shot aus dem fahrenden Bus heraus, aber: Ob DAS was wird? Der Bus wird voll & voller. Wir halten an jeder ‘Coca-Cola’-Werbung (also etwa alle zehn Meter!) & zusätzlich zur optischen Wahrnehmung der Hitze, kann man sie nun auch hören: eine brüllende Insekten-Kakophonie! Überraschend früh (schon nach zwei Fahrtstunden) erreiche ich mein Tagesziel: Den Busbahnhof der zweitgrößten Stadt Nicaraguas (Leon), der sich zwei Kilometer östlich des Stadtzentrums befindet. Ich freue mich auf einen ‘Decent Room with A Fan’, bin bereit meine Reisebörse heute einmal etwas weiter zu öffnen & steuere daher das in meinem Reiseführer als ‘Classy Place’ beschriebene Hotel Europa an. IRGENDWIE verirre ich mich jedoch & stelle plötzlich fest, daß ich schon weit über das Stadtzentrum hinaus bin ... ... obwohl ich die in meinem Stadtplan deutlich eingezeichneten Eisenbahnschienen noch gar nicht gekreuzt habe!? Erst am nächsten Tag erfahre ich (übrigens), warum mir dieses Mißgeschick passieren mußte (siehe unten!). Also: wieder zurück ...
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... und quer durch den labyrinthisch-chaotischen Mercado San Juan - but finally: Als ich schließlich vor dem Hotel stehe, ist mein Hemd schweiß-nass. ‘Zunächst mal Frühstücken!’ ... ... denk’ ich mir so (!), aber das Hotel-Restaurant ist schon geschlossen. Naja - wenigstens kredenzt man mir einen (sehr guten!) Kaffee im atmosphärischen Hotel-Patio: Durchschnaufen (& -ziehen einer Zigarette) zwischen exotischen Pflanzen! Anschließend checke ich ein (zwar einfaches, aber geräumiges) Zimmer mit Gemeinschaftsbad & Fan ... ... & nach erfolgreichem Abschluß der Preisverhandlungen ... äh ... EIN. Auspacken - Duschen - dann zieht es mich mag(net)isch in die Stadt. Ich hole mir in drei verschiedenen Banken je einen (immer gleich aussehenden) Korb: ‘Traveller-Cheques? Solamente en Managua! Aqui - Dolares!’ Naja - das ist schon alles sehr merkwürdig ... ... aber was bleibt mir übrig? Ich tausche 100 Cash-Dollar in Cordoba & betrachte (‘ein wenig’ ängstlich) meine Dollarreserven, die sich langsam aber sicher dem grünen Ende entgegen neigen. Ich folge der Avenida Central zum (Surprise!) zentralen Platz der Stadt, der in Leon Parque Jerez heißt & ein nicht sehr einladend wirkendes, großes, gepflastertes Quadrat westlich der riesigen Kathedrale ist. Die Kathedrale soll übrigens die größte Lateinamerikas sein. Es hält sich beharrlich das Gerücht, daß die damaligen Stadtväter Angst vor den spanischen Kolonialherren hatten & (um deren Vorwurf der Prunksucht zuvorzukommen) Baupläne für eine weit kleinere ‘Kirche’ nach Madrid sandten. Naja - endlich mußte dieser Schwindel ja denn doch auffliegen, aber zu diesem Zeitpunkt hatte Leon schon seinen Prachtbau. Und (wie ich aus eigener Anschauung bestätigen kann) ... ... er steht noch heute: Die normative Kraft des Faktischen! Die exakte Mitte des ehemaligen Exerzierplatzes markiert ein Brunnen, aus dem die hohe Jerez-Säule (mit dessen Büste On-Top) aufsteigt. Diese wird von vier Löwen-Statuen ‘bewacht’. Auch vor dem Hauptportal der Kathedrale gebärden sich ein paar Marmor-Attrappen des ‘Königs der Steppe’ (allerdings nur mäßig wild). Tja - Leon hat seinen Namen nicht von ungefähr ... ... äh ... wie WIR, ‘der spanischen Sprache Mächtigen’ wissen! Die Stadt wirkt zwar sehr geschichtsträchtig & wie aus einer anderen, längst vergangenen Zeit - jetzt, um die Mittagszeit & in der glühenden Mittagssonne wirkt sie aber vor allen anderen Dingen ... ... TOT! Alles Leben hat sich in die kühlen, schattigen Innenhöfe der alten Stadthäuser geflüchtet & niemand (außer den üblichen, verdächtigen ‘Touri-Idioten’) setzt sich um diese Tageszeit freiwillig der ‘Mörder-Sonne’ aus. Mir diesen Umstand klarmachen & meine Konsequenzen daraus ziehen ... ... ist zwar nicht gerade eins, findet aber (für meine Verhältnisse) doch recht schnell statt: An der Nordseite des Parque Jerez versteckt sich hinter einem Arkadengang das Café Sesteo (aber nicht gut genug für mich ... also: ‘versteckt’). Das Café wirkt einladend. Ich plaziere mich unmittelbar unter den riesigen Ventilator, bestelle ein Bier & beende nach zwei Stunden (zeitgleich mit dem zweiten Bier) einen langen Tagebuch-Eintrag. Auf die Speisekarte werfe ich (kaum aus Interesse, mehr aus Langeweile) nur einen kurzen Blick: seit genau einer Woche habe ich (außer Frühstück) meinem Magen nichts ‘Warmes’ mehr zugeführt & ... ... ich vermisse es in keinster Weise! Ich beschließe, mich bis zum Anbruch der Dämmerung (& der dann hoffentlich einsetzenden Abkühlung) in mein schattiges, ‘Fan’-gekühltes Hotelzimmer zurück zu ziehen: faule & relaxte ‘Lesung’ (schließlich verpasse ich nichts, oder?)! T.C. Boyles ‘Worlds End’ gefällt mir von der ersten Seite an sehr gut - fast so gut wie seine ‘Wassermusik’. Auf jeden Fall ist das Buch weit interessanter (& der Plot um Klassen besser) als ‘Grün ist die Hoffnung’ ... ... über das ich mich im letzten Jahr (in Indien) maßlos geärgert habe. ‘Danke für diesen Tip, Frau Löffler!’ Um Fünf Uhr mache ich mich (ausgeruht & unternehmungslustig) ‘auf ins Städtchen’. Zunächst suche ich das Terrain ums ‘Europa’ nach Eisenbahnschienen ab: Der Hauptbahnhof ist unauffindbar & vielleicht kann ich ja so ...? Hm - laut LonelyPlanet müßte der Bahnhof eigentlich unmittelbar hier ...? Aber alleine krieg ich’s nicht geregelt! Daher befrage ich zwei gewichtig & wissend einherschreitende Passanten, die mir (unabhängig voneinander) wortgewaltig das Leben erklären ... ... um mich dann ins ‘Nichts’ zu schicken (zu entlassen). Schließlich bleibt mir nur die vorübergehend-bedingungslose Kapitulation & ich verschiebe die ‘eigentlich nicht SO dringende Such-Aktion’ auf den morgigen Vormittag! Das Erscheinungsbild des Parque Jerez hat sich in den letzten Stunden dramatisch verändert: er ist mittlerweile zum wirklichen Zentrum des Stadt-Lebens geworden & ‘wimmelt nur so vor Menschen’. Mann / Frau sitzt auf Bänken, Blumenkästen oder der gekachelten Brunnenumrandung ... & schwatzt den Abend herbei.
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Am Rande des Platzes sorgt die ‘mobile Food-Infrastruktur’ für die Befriedigung der drängendsten Primärbedürfnisse: Getränke- & Obstverkäufer (alle Zutaten frisch & im Beisein der Laufkundschaft gemixt bzw. zubereitet) - die ihre Wägelchen vor sich herschiebenden & ohne Unterlaß kleine Glöckchen betätigenden Eisverkäufer (mit den Varianten ‘Helado’ & ‘Sorbete’) - die Palette exotischer Kalt- & Warm-Speisen der Garküchenbetreiber umfaßt ... Bananen-Chips, Hot-Dogs, Tacos, Fleischspieße, Kekse, Kuchen, Zuckerwatte sowie eine Vielzahl, für mich nicht benennbarer, da vollkommen fremdartiger Snack-Gerichte. Die Auswahl ist wirklich gigantisch. Es handelt sich allerdings nicht um das ganz normale ‘usual-Street-Food’-Angebot, denn ... ... wie ich kurze Zeit später erfahre & erleben darf: Today’s A Very Special Monday! Leon feiert heute das Fest des ‘San Benito de Palermo!’ Ich labe meinen (durch Anschauung wachsenden!) Appetit mit einem Paar Tacos sowie Sorbet-Eis als Nachtisch ... & folge dann der Calle Central Ruben Dario in westlicher Richtung. Je weiter ich mich vom Stadtzentrum entferne, umso dichter wird die Menschenmenge. In jedem Hauseingang, an jedem Innenhof-Durchgang sowie an ausgewählten Standorten unmittelbar am Straßenrand präsentieren sich ‘wie Bühnenbilder eines Krippen-Laienspielkreises aussehende Kinder-Arrangements’: ... als Engel verkleidete (von wem wohl?) sechs- bis achtjährige Knirpse in weißen Spitzenkleidchen & Rüschenleibchen - über dem eigenen Kopfhaar ‘extra-gelocktes, blondes Zweithaar’ mit darin eingeflochtenen Gold- & Silber-Surrogaten schau-tragend, ... traurig dreinblickende ‘Heilige-Drei-Königs’-Jünglinge in der ‘Al-Jolson’-Variante (hm - ob das wohl je wieder runtergeht?), ... unsicher bis gehemmt schauende Knaben vor, ihre Körpergröße weit überragenden Kreuzen - mit derart über dem Kopf verdrehten Armen, daß der Eindruck entsteht, sie seien wirklich an den senkrechten Balken des Kreuzes ‘genagelt’. Mir bleibt keine Zeit, mich über die augenscheinlich ‘vollkommen durchgeknallten Erziehungs-Berechtigten dieser bemitleidenswerten Zwerge’ aufzuregen ... ... denn an der nächsten Straßenbiegung zeigt sich schon die Vorhut der im langsamen Wiege-Rhythmus dahinschreitenden Prozession: Die Teilnehmer (meist ‘-Innen’ jeglichen Alters) sind in lange, weiße Gewänder aus offensichtlich grobem Stoff gehüllt. Sie tragen Kerzen (mit Windschutz!) vor sich her ... & intonieren Sakrales. Ein megaphon-bewehrter Geistlicher gibt den ‘Vor-Singer’ & fordert ‘seine Schäfchen’ ein ums andere Mal (& zunehmend dringlich) zur akkustischen Unterstützung auf. Ich baue mich & mein Kamerastativ an einer erhöhten Stelle gegenüber der Straßenbiegung auf ... & harre ‘der da kommenden Highlights’: Zunächst erscheint eine spot-beleuchtete (mich - Typisch Kölner! - an einen Karnevalswagen erinnernde), von acht augenscheinlich kräftigen Männern getragene, bedenklich schlingernde (& kaum vorwärtskommende), altar-ähnliche ‘San-Benito-(Imitat?)-Reliquie’. Auf diese folgt ‘ein gemeiner Christus am Kreuz’, der sich jedoch nur mäßig fotogen präsentiert (da unbeleuchtet ... & auf, ohne Blitzlicht verschossenem Filmmaterial wahrscheinlich nicht einmal als Schattenriss erkennbar). Die Passagen vor, hinter & zwischen diesen beiden Haupt-Attraktionen sind mit den schon beschriebenen ‘Menschenmassen in Weiß’ angefüllt. Begleitet (im doppelten Wortsinn) wird die Prozession von (im doppelten Wortsinn) ‘getragenem Blech’. Der in der Dunkelheit der Nacht an einen Halloween-Spuk erinnernde Umzug benötigt eine komplette Stunde, um in voller Gänze meinen Standort zu passieren. Einige finale ‘Hallelujahs!’ ... ... dann löst sich die mich umgebende ‘Gaffer-Menge’ auch schon (bemerkenswert schnell!) auf. Eine ältere Frau hat die ‘Aufregung’ nicht recht verkraftet, erleidet einen Schwächeanfall & kann den Ort des Geschehens nur mit der beidseitigen ‘Unterstützung’ (wieder mal im doppelten Wortsinn) zweier Helfer verlassen. Ich lasse mich (gefügig mich dem Menschenstrom anvertrauend) zurück zum Parque Jerez treiben & summe währenddessen ‘einen mir nicht aus dem Ohr weichen wollenden Wurm’ (von Hanns-Dieter Hüsch) vor mich hin ... ... dessen Stimmung & bewegende Ausführung mir einen Kloß im Hals verursacht: Hm - an den Titel des Liedes / Gedichtes kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, aber der Refrain schwirrt als Endlos-Schleife durch meinen Kopf ...
‘... Und dann die Gebiete, südlich von Rom, und dann die Gebiete, westlich des Rheins, ein Mönch und ein Kaiser, ein Dorf und ein Dom, Gründung auf Gründung, Palermo und Mainz ...’
Im Café El Sesteo spendiere ich mir ein letztes ‘Gute-Nacht’-Bier (dazu Lonely-Planet) ... & einen feucht-sentimentalen Blick auf die scheinwerfer-bestrahlte, atmosphärische Kathedrale (in feucht-schwüler Abendluft) ...
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bis ... ... ja - bis mich ein aufdringlicher Bettler von diesem friedvollen Ort vertreibt! Er läßt sich neben meinem Stuhl auf dem Boden nieder, fordert gnadenlos meine Aufmerksamkeit ein & quatscht mich nicht nur ohne Luft zu holen voll, sondern tatscht auch unablässig an mir rum: ‘No - ... äh ... Gracias ... y Adios!’ Zurück ins Hotel - ausgiebige Dusche (in der heißen, nicaraguanischen Pazifik-Ebene lerne ich die Wonnen eines ‘kalten Wassergußes von oben’ NEU schätzen ... ‘Recuerdos al India!’) - dann Lesen. Bevor auch ICH mich San Benito de Palermo anvertraue & ‘zur ewigen (ewigen?) Ruhe bette’ ... lasse ich noch das kurze Stoßgebet gen Himmel fahren, ‘die Moskitos mögen mich nicht zu sehr ... äh, ja ... mögen’ (denn die türseitige Wand meines Zimmers weist unterhalb der Zimmerdecke einen etwa zwanzig Zentimeter hohen, klaffenden Spalt auf). Dieser, mein für heute letzter (das Einschlafen aber nicht sonderlich beeinträchtigender: SCHEISS-EJAAHL ...!) Gedanke, bezieht sich auf die bekannte Tatsache, daß Nicaragua ein echtes Malaria-Problem hat ... ... oder besser: darstellt! Aber ich beruhige mich mit der nicht ganz so bekannten (& doch!) Tatsache: Wer ANGST hat, DEM passiert auch was! ...
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... Ich wache früh & ziemlich zerstochen auf - aber noch fühle ich keinen (Malaria-) Schub ... & wenn’s so wäre, wär’s mir (im Moment) auch egal! Gegen Sieben Uhr raus aus den Federn - die müden Knochen ein wenig stretchen - Duschen & MT. Das Frühstück im Hotel ist mir zu teuer ... ... außerdem (der wahre Grund für meine Verweigerung) ist der Gastraum eine Non-Smoking-Area: Ich muß ein Zeichen setzen (!) - setze mich mich in den Garten & begnüge mich mit einer Kanne SAUGUTEM, RICHTIGEM KAFFEE. Anschließend begebe ich mich auf die Suche nach dem Hauptbahnhof Leon - erhalte aber von zwei Passanten (unabhängig voneinander) die mich letztlich überzeugende Auskunft, daß der Eisenbahnverkehr in Nicaragua (übrigens: schon vor längerer Zeit) eingestellt wurde ... ... & Managua nur mit dem Bus zu erreichen ist: SHIT! Ich (& meine langen Beine) hatten sich schon SOOO auf den Zug gefreut! Schon gestern hatte ich ein großes Gebäude mit überhängendem, weitausladendem Dach für den Hauptbahnhof gehalten. Was mich allerdings verunsicherte, war dessen Lage & Einbindung in den Mercado San Juan (zumal das Erdgeschoß & die umlaufenden Rampen mit Verkaufsständen zugepflastert waren). Also: das Gebäude ist der (allerdings stillgelegte) Bahnhof ... ... & im Stadtbereich wurden sämtliche Eisenbahngleise demontiert (was übrigens im nachhinein auch meine gestrigen, leichten Orientierungsschwierigkeiten anläßlich meiner Ankunft in der ‘Löwenstadt’ erklärt!). Morgen beginnt die ‘Semana Santa’ (Ostern: das höchste kirchliche Fest ... AUCH & besonders ‘All Over Centro-America’). Gegen Mittag wird das öffentliche Leben inklusive Bankwesen (hörbar!) zusammenbrechen - alle Nicaraguaner fahren ‘irgendwo hin, wo es schön ist’ (daher reise ich morgen nach Managua weiter: in der Hoffnung, die bekannten & normalerweise zu erwartenden Probleme bei der Zimmersuche in der Hauptstadt derart umgehen zu können) - & erst ab kommenden Montag (also nach fünf ‘toten Tagen’) wird das Leben in Nicaragua wieder seinen gewohnten Lauf nehmen. Äh ... lange Rede - kurzer Sinn: Ich gehe zur Bank & wechsle weitere 50 Cash-Dolares (um über die Ostertage zu kommen). Einkauf von Postkarten & Briefmarken (beides ist in Nicaragua SAU-TEUER: einmal ‘Home-Greetings’ kostet inklusive Porto mehr als 2 US-$). Dann folge ich der Calle Central Ruben Dario (in westlicher Richtung) bis zur alten, weil: indianisch-präkolumbianischen Hauptstadt der Küstenregion: Nach Subtiava, das sich etwa zwei Kilometer westlich vom ‘neuen’ Stadtzentrum befinden soll (meinem subjektiven Eindruck nach waren es mindestens vier Kilometer!) & den Terminal für die Busse nach Poneloya beherbergt. Übrigens: Poneloya liegt am Pazifik & ... ... richtig - heute ist STRAND angesagt! Zwei ‘Personen-Transporter’ warten in der Einfahrt zu einem abseitig-versteckt liegenden, kleinen Marktplatz auf Passagiere. Das ältere (natürlich: MEIN!) Gefährt ist ein ‘Very Basic & Most Grubby Pick-Up’. Ich quetsche mich zwischen die anderen Fahrgäste (auf eine der rund-um-verlaufenden Holzbänke) ... ... noch etwa eine halbe Stunde warten wir den optimalen Startzeitpunkt ab (remember: Kein Bus in Centro-America fährt je los, bevor nicht ...) - dann rumpelt der LKW im Schrittempo vom Parkplatz auf die Straße. Die Stoffplane über der Ladefläche versperrt jeglichen Ausblick. Ich sehe absolut nichts von der durchfahrenen Küsten-Landschaft & darf mich in der Folge zwischen einem gepunkteten Leinen-Sommerkleid oder einem ‘50-Kilo-Sack Reis’ (AUCH ganz nett anzusehen ...) als persönlichem Blickfang entscheiden. Kurz bevor wir auf die Küstenstraße einbiegen, lichten sich die Reihen: Die Stops werden häufiger - die Fahrgäste verlassen ‘schockweise’ den LKW. Hm - manche TUN auch nur so, als würden sie aussteigen! Ich beobachte einen Mann, der sich (zügig bis zielstrebig!) über die Ladefläche zur hinteren Klappe begibt & ... ... sich dort (die Qualität des Straßenbelags aus nächster Nähe & in Hockstellung begutachtend) von den unverarbeiteten Resten seines Frühstücks befreit! Tomaten & Bohnen waren mit Sicherheit dabei, mehr kann ich nicht erkennen (ich tippe auf ‘Gallo Pinto Con Huevos a la Ranchero’ ...). Einfache Hotels & ‘Bambus’-Restaurants säumen in endloser Reihe den endlos wirkenden Küstenstreifen zwischen Straße & Pazifik. Ich habe KEINE Ahnung, wo (genau) ich mich befinde, steige irgendwann einfach aus & schlage den direkten Weg zum Meer ein. Die Sonne steht im Zenith - aber ich habe vorgesorgt: Jeans-Hemd & -Hose sowie Basecap! SO geschützt sollte ich unverwundbar sein ... (Woll - Christopher L.? Es kann nur einen geben!). Ich schlendere den verwaisten Strand entlang ...
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... & genieße die nicht als Lärm empfundenen Naturgeräusche Meeresrauschen & Möwengeschrei (zugegeben: was Geräusche betrifft, so war ich in letzter Zeit ETWAS empfindlich - ich Weichei!). Die zahlreichen Pelikane verhöhnen mich ... ... & fliegen immer dann, wenn ich keine Kamera in der Hand halte, in unmittelbarer Strandnähe die waghalsigsten Kunstfiguren: Steilkehren, Loopings, einmal glaube ich gar einen ‘doppelten Rittberger’ zu erkennen ... Sobald ich jedoch die Kamera aus meinem Rucksack herauskrame & mich in ‘Anselm-Adams’-Grundstellung begeben will ... ... drehen sie (die Pelikane) zufrieden ab & entfernen sich mit einem breiten ‘Monica-Seles-Giggeln auf den Löffeln’ Richtung Open Sea. Nach dem vierten (Fehl-)Versuch laß’ ich es schließlich einfach sein ... Zwei Zigaretten gönnt MANN mir in der frischen Meeresbrise! Dann ... nerven mich zunehmend die um mich herumflitzenden, benzin-betriebenen Strand-Vehikel (Motorräder, Buggies, ein Leopard-Panzer sowie mehrere Transrapid-Züge ... komplett mit Speisewagen & Kartentelefon) & ich rette mich in den nächsten Essens- & Getränke-Stützpunkt. ‘Soll ich mir heute mal AUSNAHMSWEISE ... ?’ Da ich auf das Frühstück verzichtet habe, lade ich mich großzügig zu einem ‘Comida Corrida’ ein: Das heutige Tagesgericht besteht aus Reis, Bohnen, Salat & ‘irgendeinem’ undefinierbaren Fleisch. Ich frage es (das Fleisch), mich um einen möglichst britisch klingenden Akzent bemühend, ‘... wie lange es denn wohl schon UNGEFÄHR in Nicaragua weilt & wie ihm das Land gefällt?’ Aber es (das Fleisch) bleibt stumm: Entweder es ist SAFE ... ... oder aber verdammt clever! Anschließend ‘Una Cerveza Grande Fria’ (als anti-bakterielle Spülung) sowie Tagebuch-Eintrag (als Gesprächs-Ersatz). Ein lokaler Radiosender hat unübersehbar vor, seinen Hörern einen authentisch-akkustischen Eindruck vom Strandleben in Poneloya zu übermitteln. Der verantwortliche Toningenieur checkt (trommelfell-zerstörend & membran-zerreißend) die gerade aufgetürmten Lautsprecher-Wolkenkratzer neben einer riesigen Bühne, die exakt auf mein Strand-Restaurant zielt! AUWEIA - DAS gibt ÄRGER! Zehn Minuten später geht die Live-Show ‘On The Air’: Zunächst Konserven-Musik (von Salsa bis Rave) & verschiedene Ansagen verschiedener ModeratorInnen. Dann betreten vier junge Frauen (in ‘Nano’-Röckchen & engen, tiefe Einblicke gewährenden Blusen) die Bühne & ... ... tanzen - oder genauer: Sie wackeln mit ihren (zugegeben sehr ansehnlichen) Ärschen! Nach dieser ‘Anheiz-Phase’ werden (einerseits frei-, darüberhinaus bereit-, in jedem Fall -willige) Männer aus dem Publikum auf die Bühne gelotst, wo sie sich in den Disziplinen ‘Paar-Tanzen’ (mit den Hupf-Dolls), ‘Oberkörper entblößen’ (Solo) & schließlich ‘Armdrücken’ (im direkten Vergleich mit ihren männlichen Konkurrenten) beweisen müssen. Der jeweilige Gruppensieger wird mit einem T-Shirt der Radiostation (Boah! Klasse, eh!) prämiert & mittels Applaus schnellstens wieder von der Bühne herunter komplimentiert. Denn ohne Pause folgt die ‘Vorführung der nächsten (geschädigten) Männergruppe’ ... ALSO: WENN das (vom Publikum aus gesehen) rechts außen tanzende Mädchen nicht so scharf aussehen ... UND nicht über diese wildkatzenartigen Bewegungsabläufe verfügen würde (?) ... ... ja - DANN wäre ich schon viel früher geflüchtet! SO ... halte ich (Spanner, ich!) es immerhin eine knappe Stunde aus, bevor ich mich ein letztes Mal zum (denn doch eher ‘ruhigen’) Strand trolle! Ein paar ‘nicht SO überzeugende Pelikan-(Flug-&-Stürz-)Fotos’ - schließlich gibt’s für mich HIER nichts mehr zu tun (Ich hatte nicht WIRKLICH vor, mich ins kühle Nass zu stürzen!). Daher kehre ich final zur Landstraße zurück & trotte in Richtung Leon los ... ... mit Betonung auf ‘in Richtung’: denn einen zwanzig Kilometer weiten Fußmarsch durch die glühende Mittagshitze will ich mir nun doch nicht zumuten (Ich bin schließlich nicht lebensmüde!). Etwa fünf Kilometer trekke ich durch schattenloses Weideland & schieße Fotos: ... von kleinen Gehöften (Mini-Fincas), ... unübersehbar Nationalstolz ausdrückenden Hinweisschildern am Straßenrand, ... sowie einer VERY STRANGE aussehenden, knatschgelben (& pampelmusen-artigen) Baumfrucht.


Das Sezieren eines der Exemplare offenbart unter der gelben Schale eine flaumig-weiße Fruchtschicht, in deren Zentrum sich allerdings eine eklig aussehende schwarze ‘Pampe’ mit vielen farblosen Kernen zeigt (vielleicht handelt es sich doch eher um eine ‘Pampe’-Muse). Hm - die Frucht hat was von einem Granatapfel, der sich nach einem halben Jahr im abgeschalteten Kühlschrank NUN als interessantes ‘Science Project’ präsentiert. Anyway ... Kurz darauf rumpelt der ‘Leon-Bus’ den Highway entlang. Ich winke ihn zum Stillstand & befinde mich eine halbe Stunde später ‘Back in Subtiava’: ein Foto der dortigen, gleichnamigen ‘Iglesia’ ... ... übrigens: die älteste Kirche Leons, deren Erbauung zwischen 1524 (Gründung der Stadt durch Hernandez de Cordoba) & 1600 geschätzt wird. Zurück in ‘meinem Hotel Europa’ widme ich meine ungeteilte Aufmerksamkeit (fix & fertig & ausgedörrt) zunächst einer frischen Gallone O-Saft. EIGENTLICH lebe ich ja ziemlich gesund hier in Nicaragua, ... äh - also: mit vielen Vitaminen ... & so! Den Rest des späten Nachmittags & frühen Abends verbringe ich flach liegend & interessiert lesend: Wenn das so weitergeht, dann habe ich das ‘T.C.B.’-Buch aus, bevor noch ‘der olle J.C. am Kreuz hängt’! Um Halb Neun Uhr kurzer City-By-Night-Bummel. Ich trinke ein Bier im El Sesteo, verfasse zwei Postkarten & plausche eine kurzweilig-lange Weile mit drei netten, mittelalten Nicaraguanern (die am Nebentisch sitzen & sich ‘ordentlich mit Bier abfüllen’!). Im Hotel noch ein spätes, langes Kapitel ‘Worlds End’. Dann beginne ich mit meinen umfangreichen Vorbereitungen für die bevorstehende Nacht ... (sprich: den mittlerweile vermutlich eh ‘zu-spät-kommenden’ Schutzmaßnahmen!) ... & schlafe ein. JAWOLL: Einfach so - ZACK!
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