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LatAm 04

WAHLKAMPF, BERG-IDYLL & KARIBIK-STRAND !
ODER: VOM SALVADORIANISCHEN NEBELWALD AN
DIE
HONDURANISCHE KARIBIK-KÜSTE !

... San Salvador & Trip zum Cerro Verde ... sowie von San Salvador (El Salvador) nach San Pedro Del Sula (Honduras):

Mittwoch, 12. März bis Samstag, 15. März 1997

‘... Another Lazy Day in San Salvador!’
Trotzdem: Früh wach! Rauchen & (noch im Bett liegend nippe ich) erstmal einen ‘Guten-Morgen’-Tic-Tack-Orange.
Um Acht Uhr begebe ich mich zur Rezeption (‘that’s the Time, when centroamerican Offices open!’) & lasse mir einen ‘heißen Draht’ zur Botschaft von Honduras legen. Beim dritten Versuch kommt dann auch wirklich eine Verbindung zustande & ich erhalte die (erwartet!) positive Auskunft, daß ICH, also ‘der gemeine Deutsche’ natürlich kein Visum für die Einreise nach Honduras brauche.
Frohgelaunt teste ich ein neues Frühstückslokal ...
... erhalte allerdings weiterhin das immergleiche Standard-Frühstück. Ich lasse mir Zeit & studiere ausgiebigst die salvadorianische Tageszeitung ‘El Diario de Hoy’:
Das alles beherrschende Thema ist natürlich die am Sonntag stattfindende Parlamentswahl ...
... & den heutigen Schwerpunkt der Berichterstattung bilden die schier unlösbar scheinenden, logistischen Probleme im Zusammenhang mit der Anlieferung von Wahlzetteln in ausreichender Anzahl (!) an die verschiedenen Wahllokale ...?
Ich marschiere zum ‘Downtown’-gelegenen Tourist Office an der ‘Calle Ruben Dario’, wo man mir jedoch nur die Auskunft geben kann, daß man mir keinerlei Auskünfte geben kann! Hm - außer der Info, daß es im Nobelviertel ‘Colonia San Benito’ (am ‘Boulevard del Hipodromo’) eine Zweigstelle geben soll:
‘... & DIE wissen ALLES über El Salvador!’
Da dieses Viertel eh auf meinem heutigen, knappst bemessenen Besichtigungsprogramm steht (ob des nahen ‘Monumento de la Revolucion’ ... äh, unheimlich ‘fitting’, dieses Denkmal im ‘Schicki-Micki-Viertel’ zu errichten!), behalte ich die mich quälenden Orga- & Reise-Info-Fragen bis auf weiteres in meinem ‘Arbeitsspeicher’.
Zunächst jedoch steht die Botschaft Nicaraguas an. ‘A Pie’ lege ich die beiden Blocks bis zum ‘Parque Bolivar’ zurück. Hier befindet sich das beeindruckendste Denkmal San Salvadors:
für SIMON BOLIVAR, den Freiheitskämpfer & Begründer des ‘Pan-Amerikanismus’ (falls es DEN überhaupt JE gegeben hat ... so schnell, wie sich die Einzelstaaten nach Gründung einer Union immer wieder zerstritten & getrennt haben!?), der erstmalig die Region von Bolivien bis Costa Rica ‘Spanier-frei’ kämpfte (bzw. kämpfen ließ).
Er sitzt hoch zu Roß, seine ‘Gorra de Commandante’ in der ausgestreckten rechten Hand haltend. Ein steinalter Salvadorianer sieht mir interessiert beim Fotografieren zu ...
... & auf seinem Gesicht zeigt sich ein breites, stolzes Lächeln, als ich anerkennend zu ihm sage: ‘Simon Bolivar - un Personalidad MUY Grande!’

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Nachdem ich die ‘Plaza de las Americas’ erreicht habe, nehme ich den vom Vortag noch bekannten Weg zur nicaraguanischen Botschaft & keine zehn Minuten später bin ich um ein ‘30-Tage-Visum’ reicher ... sowie um 25 Dolares ärmer.
Zurück zur ‘Plaza’. Hier biege ich in den ‘Interamerican Highway’ ein, der hier (in der Stadt) allerdings ‘Alameda irgendwas ...’ heißt. Nachdem ich etwa einen Kilometer marschiert bin, habe ich ein Einsehen mit mir (denn: die Sonne strebt unaufhaltsam ihrem Zenith entgegen), besteige einen Bus & lasse mich zur Abzweigung ‘Avenida la Revolución’ kutschieren, wo sich die ‘imaginäre Eingangspforte zur Colonia San Benito’ befindet.
Zunächst durchschreite ich jedoch eine wirkliche Pforte - eine Straßenüberführung in Flugzeug-Form (ein Werbegag der nationalen Fluglinie TACA). Unmittelbar dahinter schließt sich ein Ausstellungsgelände an, das Exponate zum Thema ‘Hollywood Vehicles’ beherbergt. Die neuesten Neuerwerbungen wurden gerade erst angeliefert & thronen noch auf einem großen Sattelschlepper: eine Art ‘Bat-Mobil’ sowie ein (einer Rakete nachempfundenes) futuristisches Motorrad (hm ...).
Fälschlicherweise verwechsle ich die Fahrzeuge zunächst mit der neuesten Kollektion salvadorianischer Polizei-Vehikel ...
... denn in unmittelbarer Nähe zum Ausstellungsgelände befindet sich eine martialisch wirkende, stacheldraht-bewehrte Polizeikaserne. Entsprechend groß ist die Stärke des ‘Bodenpersonals’, das (zwar orientierungslos, aber jeder einzelne immense Bedeutung verkörpernd) durch diesen Stadtteil wuselt.
Naja - vermutlich ist es kein Zufall, daß eine derart hohe Konzentration von ‘Ordnungshütern pro Quadratfuß’ ausgerechnet in dieser Nobelgegend anzutreffen ist (... hier wäre wohl einiges zu holen!?).
‘Hillward Walk’ ... zur atmosphärischen, begrünten ‘Plaza Italia’.

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Mit dem unvermeidlichen Gefühl eines Eindringlings ...
... pflanze ich mich (denoch) ‘auf zwei Zigaretten’ in den kleinen, gepflegten Park. Um mich herum reiht sich Protz-Villa an Protz-Villa. Deren schloßpark-ähnliche Vorgärten werden von uniformierten Locals gesprengt (hm - leider nur mit Wasser!):
Beverly Hills a la Salvadoreno! ... natürlich jeweils mit Traum-Blick auf den nahen ‘Hollywood-Hill-Surrogat’-Stadt-Vulkan.
‘ÄÄÄTZ !!! ...
... ich will zurück in die stinkende & verdreckte Aaalt-Staaadt !!!’
Zunächst aber muß ich noch das natürlich in keinster Weise ausgeschilderte Tourist-Office heimsuchen (naja, wer interessiert sich in einer derart ‘Artificial Reality’ schon für ‘das wirkliche El Salvador’ ... ?).
Gott-sei-Dank treffe ich auf eine sehr nette Office-Angestellte, die sich viel Zeit nimmt & mir (‘In Broken English’) einiges erzählen kann ...
... leider jedoch nur Negatives. Obwohl - die BAD NEWS hören sich aus ihrem Mund ‘irgendwie gar nicht SOO schlimm’ an:
- leider existiert (noch) keine Fährverbindung von El Salvador durch den ‘Golf von Fonseca’ nach Nicaragua (erstens) ...
- und (zweitens) der berühmte ‘Nebelwald von Montecristo’ im salvadorianisch-honduranischen Grenzgebiet ist wegen (noch) fehlender Infrastruktur für Individualtouristen praktisch un-bereisbar.
SCHADE!
Mehrfach entschuldigt sie sich dafür, daß nach Beendigung des Bürgerkrieges der Tourismus immer noch im Aufbau begriffen wäre & daher: Leider ...
Ich beruhige sie, verspreche ihr in fünf Jahren wiederzukommen & dann ihr Heimatland noch einmal zu bereisen!
Ich ziehe eine große ‘Ekel’-Schleife (über den ‘Boulevard del Hipodromo’ &) um ‘San Benito’ herum & ...
... urplötzlich stehe ich vor dem in dieser Umgebung VÖLLIG SURREAL wirkenden, modernistischen ‘Monumento de la Revolucion’:
Auf einer riesigen Betonplatte (etwa 8 Meter breit & 20 Meter hoch), deren konkaver Guß ungefähr einen Viertelkreis beschreibt ist ‘ein SEHR revolutionär anmutender Revolutionär’ abgebildet. Aber das ‘rechte (oder doch wohl eher: linke!) revolutionäre Gefühl’ will bei mir ... an diesem Ort ... einfach nicht aufkommen!?

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Nach zwei Pflicht-Shots beschleunige ich meinen Gang, verlasse den ‘Nobel-Hill’ & folge der ‘Calle la Reforma’ Richtung Zentrum. Zunächst aber muß ich die san-salvadorianische ‘Zona Rosa’ durchkreuzen ...
... meine Beine sind schwer & so lege ich in einem Szene-Straßencafe einen Relax-Stop ein. Die Tasse Kaffee kostet hier zwar un-GLAUB-liche acht Colones (etwa dreimal so teuer wie Downtown) - dafür wird aber auch einiges geboten:
Am Nebentisch sitzt ‘ein alter Knacker’ mit seiner etwa halb so alten (& ... äh ... doch schon DEUTLICH sich in den Fuffzigern befindenden) Frau! Er kann kaum von oben in seinen Krabben-Cocktail schauen (der riesige Kristallglas-Pokal ist einer Blumenvase für extrem langstielige Rosen nicht unähnlich) & stochert mit weit über den Kopf hinausgestreckten, angewinkelten Armen lustlos in diesem herum.
Vermutlich ist er das Oberhaupt einer DER ‘14 salvadorianischen Familien’ & hat sich in seinem ganzen Leben noch nicht einmal die Hände schmutzig gemacht (naja - jedenfalls nicht auf DIE Art, wie es die Campesinos tagtäglich tun müssen).
Meinen haßerfüllten (!) Blick hat er wahrscheinlich übersehen - vermutlich sind seine Augen (vom lebenslangen & ermüdenden Zählen der Dollarnoten) eh schon vor Jahren dem ‘greulich-schwarzen Star’ (inklusive ‘Stripes’) zum Opfer gefallen.
NIX WIE WEG ... !
Auf zum ‘Interamerican Highway’ & mit dem nächsten Bus zurück in die Ciudad Viejo. Am ‘Parque Cuscatlan’, dessen Grünflächen jetzt (am Ende der Trockenzeit) doch schon merklich ins Bräunliche changieren, steige ich aus & marschiere die Reststrecke ‘per Pedes’:
... das wirkliche San Salvador gierig in mich aufsaugend (& damit meinen Körper vom passiv-inhalierten ‘Hedonism-Trash’ reinigend).
Nach dem Einkauf von ‘Tic-Tack-Verdünner’ (Jugo de Naranja Fria) ziehe ich mich für den Rest des Nachmittags in mein kühles Hotel-Refugium zurück ...
... eine leicht gerötete Stirn & erste Anzeichen von Blasen an den Füßen gebieten mir Zurückhaltung: Ich will’s nicht übertreiben ... schließlich liegen noch gute (gute?) 10.000 lateinamerikanische Straßen-Kilometer vor mir!
Lesen - Trinken - Rauchen - Dösen - Honduras-Infos studieren - Relaxen - & ...
... dann das Gleiche NOCHMAL (nur in umgekehrter Reihenfolge).
Um Sechs Uhr zieht’s mich (magnetisch!) nach draußen:
Während meines nachmittäglichen ‘Nach-Hause’-Wegs habe ich bemerkt, daß die ‘Plaza Barrios’ für eine Veranstaltung hergerichtet wurde - für WELCHE, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ersichtlich. NUN ABER ...
... reicht EIN Blick auf den ‘Roten Platz’ & alle Unklarheiten sind beseitigt.
Die ‘FMLN’ läutet die letzte Runde ihres Wahlkampfes ein & bittet zum ‘Marmita Colorado’ (sprich ... äh ... zum ‘Kessel Buntes’):

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Der große Platz vor der Kathedrale ist in ein rotes Fahnen-Meer getaucht. Im Minutentakt erreichen vollbeladene Pick-Ups den Ort des Geschehens & immer mehr ‘Frente’-Anhänger suchen sich (lautstark Sprechchöre skandierend) ihren Platz in der dramatisch anwachsenden Menschenmasse. Vornehmlich die auf Partei-Outfit (rote Leibchen & Stirnbänder) getrimmten KnirpsInnen bieten einen fotogenen Blickfang.
Als die Veranstaltung schließlich beginnt, füllen schätzungsweise gut 10.000 Menschen den Platz. Alle Blicke richten sich (wenn nicht kurzzeitig durch Imbiss- und / oder Getränke-Stände abgelenkt) auf das RednerInnen-Podium sowie eine große (unmittelbar neben diesem hergerichtete) Bühne für das ‘musikalische Rahmenprogramm’.
Endlose, enthusiastische (mich an Kuba erinnernde) ‘Revolutions’-Reden & -gebärden! Die durchs Programm führende junge Frau heizt zwischen den Reden ein ums andere Mal die eh schon gute Stimmung immer wieder neu an. Appellen zum Mit- & Nach-Sprechen wird bereitwillig & lautstark Folge geleistet:
‘VIVA EL SALVADOR!
VIVA LA Efffe - Emmme - Ellle - Ennne!
VIVA HECTOR SILVA!’ ...
... das ist übrigens der ‘FMLN’-Kandidat fürs begehrte Amt des Bürgermeisters von San Salvador (& ER spricht natürlich auch!).
Zwischendurch gibt’s Liedermacher für die Großen (kämpferische ‘Mit-Sing’-Texte zur Klampfe) und Clowns für die Kleinen. Übrigens sehe ich heute erstmalig seit Betreten salvadorianischen Bodens auch ein paar (wenn auch wenige) ‘Extranjeros’.
Wo DIE wohl so plötzlich herkommen?
Aus der Zona Rosa ...
... direkt hinein in die ‘Revolución’ ... ?!
Die Stimmung steigt (immer noch) & vereinzelt werden ‘ARENA’-Fahnen abgefackelt - vielmehr: man versucht’s! Aber DIESE SCHEISS-DINGER ‘kokeln’ nur ...
Auf den Gesichtern der frustierten Regierungsgegner ist deutlich abzulesen:
‘Nicht mal DAS kriegt unsere Regierung in den Griff!
Bei der Komplexität der anstehenden, wirklichen Probleme unseres Landes sollte doch die Produktion leicht entflamm- & gut brennbarer Flaggen eher eine der leichteren Übungen sein, oder ...?’
Schließlich beginnen sich die Musiker ‘warm’ zu spielen, während sich die super-scharf aussehende (& ... sie WEISS das!), vermeintliche Lead-Sängerin mindestens fünfmal (LASZIV!) ihr (natürlich ...) ROTES Stirnband neu um die schulterlangen, schwarz-glänzenden Haare bindet & anschließend mit grazil-feingliedrigen Fingern ihr ‘mikroskopisch-kleines Schwarzes’ glatt streicht.
‘HECHEL!’ ... äh, ja ...
... WAS wollte ich sagen?
Nachdem auch der letzten Rednerin irgendwann die revolutionären Argumente ausgehen, wird es Zeit für den großen Auftritt der Band!
Mit leuchtenden Augen & erwartungsvoll aufgestellten Ohren lasse ich mich ...
... aber: SHIT!
Diese (die Band) erweist sich leider nicht als ‘brodelnd-heiße Salsa-Truppe’, sondern nur als langweilige (& darüberhinaus musikalisch - SORRY! - erbärmlich-schlechte) Agit-Prop-Band! Äh ...
... & die vermeintliche Star-Sängerin SIEHT nur noch hübsch AUS, alldieweil sie (ihr musikalischer Beitrag: kaum hörbar) AN DER GURKE RUMRUBBELT!
Nach dem zweiten Stück stoßen (zu allem Überfluß) auch noch zwei grotten-schlechte Trompeter zur Band & ...
... ich beschließe SPONTAN, daß jetzt, genau JETZT:
Der richtige Zeitpunkt für den Rückzug in mein Hotel gekommen ist ...
... wo ich mir FINAL den restlichen ‘Tic-Tack’ in meinen ‘Trick’ kippe!
UND DANN IST’S A RUAH! ...

... Heute bin ich nicht nur extrem früh wach (Sechs Uhr!), sondern auch unmittelbar nach der Morgendusche (& ohne Frühstück) bereits ‘in der Spur’.
Die faulen San-Salvador-Tage sind endgültig vorüber:
Ich MUSS etwas unternehmen!
Also - mit dem City-Bus zum ‘Terminal Occidente’ (richtig: links! ... äh: Westen!) ...
... & erstmal Frühstücken (aber: very, very Basic).
An Eßbarem stehen zwei mittelamerikanische ‘Gourmet-Klassiker’ zur Auswahl:
- gebackene Kochbananen (‘Nein - ich KANN sie nicht mehr sehen!’ rief der Blinde entsetzt),
- oder ‘Tamales’, eine undefinierbare Maisbrei-Pampe (in Maisblätter eingewickelt & leichtst gedünstet).
Ich entscheide mich spontan für letztere Variante ...
... die ‘Tamales’ erweisen sich allerdings als DERART geschmacklos-ungenießbar (die üblichen Spicy Sauces stehen zu dieser frühen Stunde noch nicht zur Verfügung), daß ich von der schon extrem kleinen Portion etwa Fünf-Viertel stehen lasse.
Aber die Hauptsache ist ja EH das HEISSE, schwarz-gefärbte (hm, womit auch immer) Wasser ... !?
Vor dem Terminal erstehe ich ‘Some Dry Food’ als Wegzehrung. Dann frage ich mich zu MEINEM Bus durch:
Mein Tagestrip führt mich heute zunächst nach ‘El Congo’ (naja - die Salvadorianer scheinen bei der Aktualisierung der politischen Weltkarte noch sehr mit ihrer eigenen, jüngeren Vergangenheit beschäftigt ...), einem etwa 50 Kilometer nordwestlich von San Salvador befindlichen kleinen Ort ...
... der seine Bedeutung vornehmlich aus der hier vom ‘Interamerican Highway’ abzweigenden Straße zum ‘Lago de Coatepeque’ & dem ÜBER diesem thronenden Nationalpark ‘Cerro Verde’ bezieht. Letzterer (ein auf mehr als 2.000 Metern üNN ‘schwebender’ Nebelwald) stellt das finale Ziel meines heutigen Day-Trips dar.
Um Neun Uhr erreichen wir El Congo. Der Anschluß-Bus No. 248 zum ‘grünen Hügel’ soll einmal täglich (gegen Zehn Uhr ... ‘Mas O Menos’) hier vorbeikommen.
Ausreichend Zeit also für ein zweites Frühstück (Cola als Kaffee-Surrogat) sowie ein paar Landschafts- & Atmo-Shots.
Schließlich trifft der Bus (unerwartet pünktlich) ein & ... ich ergattere sogar einen Sitzplatz. ‘Zusteigen’ ist immer problematisch (wie sich heute noch schmerzhaft zeigen wird), da die hiesigen Busse den ‘Heimathafen’ bekanntermaßen erst verlassen, wenn sie bis unters Dach mit Passagieren vollgestopft sind!
Nach zwei Kilometern ist aber erstmal ... äh ... ‘Pause’: der Auspuff des Busses ist heruntergefallen - der Busfahrer holt Hilfe von einem nahen Bus-Friedhof - die Mechaniker liegen eine gute halbe Stunde (vermutlich schwitzend) unter dem Bus - UND auch ICH halte mich im Schatten auf (& vertreibe mir die Zeit mit Rauchen & einigen Atmo-Shots).

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Schließlich wird unser Bus wider (mein) Erwarten DOCH nicht ‘zur letzten Ruhe gebettet’. Es geht weiter ... & von nun an muß das Getriebe unsres ‘Oldtimers’ Schwerstarbeit verrichten. Auf einer Distanz von 14 Kilometern überwinden wir in der nächsten Stunde mehr als 1.500 (!) Höhenmeter ...
... & zwar vornehmlich im ersten Gang. Was mir die Möglichkeit eröffnet, die spektakulären Views besonders eindringlich auf mich wirken zu lassen:
Zunächst zeigt sich der ehemalige Vulkankrater des ‘Lago de Coatepeque’ (jetzt Naherholungsgebiet & Wassersportparadies für die Einwohner der nahen Kapitale). Ähnlich dem Lago de Atitlan in Guatemala läßt sich dessen Vulkan-Vergangenheit anhand der steil, teilweise senkrecht ansteigenden Felswände am Seerand (für Ufer ist kaum Platz) noch gut nachvollziehen. Jedoch wirkt hier, in El Salvador, alles grüner ...
... auch die Farben scheinen satter (unterschiedlichste, immer aber leuchtend farbig blühende Bäume stehen in den wenigen, nicht ganz so steilen Ufer-Passagen).
Nachdem wir den Lago in weitem Halbkreis ... äh ... halb-umkreist haben (stetig ‘Altura’ gewinnend), zeigt sich erstmalig der gewaltige ‘Cerro Verde’, dessen Spitze allerdings in einer dichten Wolkenbank verschwindet.
Im ersten Moment scheint es mir unvorstellbar, daß eine Straße auf diesen schwindelerregend hohen Gipfel hinaufführen soll. Der Busfahrer hingegen scheint unbeeindruckt & kurvt die ersten, weitausholenden Serpentinen berganwärts.
Wir entfernen uns (entfernungs- & höhenmäßig) immer weiter vom stetig kleiner wirkenden See & nutzen auch den sanft ansteigenden Osthang des ‘Santa-Ana’-Vulkans, um uns (Höhenmeter um Höhenmeter!) unserem hochgesteckten Ziele entgegen zu quälen.
Ein ums andere Mal bremst der Busfahrer scharf, nimmt hier oben lebende Locals ein Stück des Weges mit & entläßt sie dann wieder auf die im dichten Nadelwald verschwindenden Trampelpfade.
Ein urig aussehender ‘Companero MUY Viejo’ hat sein gesamtes Federvieh dabei:
Also ...
... eindeutig ein Huhn ... sowie (weniger deutlich bestimmbar) drei kleinere ‘huhn-ähnliche Flattermänner exotischer Provenienz’.
Der ‘Alte’ hat das Geflügel an den Füßen einfach mit einem groben Strick zusammengebunden, den er wiederum mit seinem Gürtel verknotet hat ...
... & so flattert EIN ‘Lebewesen mit vier Köpfen & acht Flügeln’ gleichzeitig (aber erfolglos) den vier unterschiedlichen Himmelsrichtungen entgegen!
Wenig später tauchen wir in eine geschlossene Wolkendecke ein - wobei dies (von ‘unten’ kommend) dramatischer wirkt, als wenn man sich zu Fuß durch die Nebelschwaden bewegt. Der Bus fährt auf einen großen, leeren Parkplatz & ich bin frei, alles zu besichtigen:
Nur hab’ ich KEINEN BLASSEN SCHIMMER, WAS !?
- im Tourist-Office (in der Kapitale) gab’s weder eine Karte noch Info-Broschüren,
- der Ranger hat außer einem freundlichen Lächeln auch nichts für mich (übrig?),
- und eine Schautafel (Wege & Points-of-Interest beschreibend & lokalisierend) suche ich natürlich vergebens (hm ...).
Ich mache einen zwar orientierungslosen, aber trotzdem interessanten ‘Stroll Around’ durch urwüchsiges Dschungelgelände (vorbei an respekt-einflößenden, knorrigen Baumriesen sowie atmosphärischen, rustikal ‘be-brückten’ Wildwassern) ...

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... bis ich auf ein Hinweisschild treffe:
HOTEL MONTANA!
Dieses Luxus-Resort (der Übernachtungspreis beträgt im Einzelzimmer 50 Dolares Americano ... was für salvadorianische Verhältnisse schon ein absoluter Spitzenpreis ist!) thront unmittelbar ÜBER dem ‘Volcano Izalco’. Ursprünglich ...
... sollte es seinen Gästen spektakuläre Blicke auf den feuerspeienden Kegelkrater bieten. Unglücklicherweise stellte der ‘Izalco’ allerdings kurz vor Fertigstellung des Hotels im Jahre 1957 jegliche eruptivische Aktivität ein.
Tja - wie sagte schon Loisl Trenker:
‘DER BERG ... äh ... LACHT!’
Die Bauherren verloren daraufhin jegliches Interesse an dem halbfertigen Gebäude, welches zur Ruine verfiel & letztlich erst vor wenigen Jahren vollendet wurde.
Ich begebe mich zur breiten ‘Viewpoint’-Hotelterrasse & kann von hier aus tatsächlich IN den (allerdings schlafenden) Krater schauen:
Der ‘Izalco’ ist 1.870 Meter hoch & das Hotel befindet sich (in den Südhang des ‘Cerro Verde’ gebaut) exakt 150 Meter über dessen Gipfelschlund ...
Total- & Detail- sowie Weitwinkel- & Tele-Shots ...
... (& was es sonst noch alles so gibt). Übrigens: Ich habe (mal wieder) Glück! Denn NOCH ist der Vulkan ‘Clearly Visible’ ...

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... aber schon eine halbe Stunde später wird er in einer dichten, grau-milchigen Wolken-Nebel-Suppe verschwunden sein.
Nach der Foto-Session betrete ich das vollkommen verwaiste Hotel-Cafe & arbeite (exakt zwei Becher Kaffee ‘lang’) meinen gestrigen Tagebuch-Eintrag nach.
Ich bezahle anschließend (wie schon beim Ranger am Park-Eingang) mit meinem ‘100-Colones-Zauber-Geldschein’, mit dem man ALLES kaufen kann, der Dich aber NIE verläßt ...!
Hm - ist schon irre: Hier, in Centroamerica, kann NIEMALS NIEMAND KEIN Wechselgeld rausgeben - selbst auf kleinste Scheine nicht!
100 Colones sind umgerechnet knapp 11 Dollar ...
... & sowohl der Parkwächter, wie auch die versammelte ‘Cafeteria-Mann-/Frauschaft’ starrt den Schein erst ungläubig, dann ehrfurchtsvoll & schließlich sehnsüchtig an - bevor man mich bittet, die (jeweils) ‘7-Colones’-Rechnung doch bitte zu vergessen.
Übrigens: Ich habe WIRKLICH kein Kleingeld dabei!
Obwohl - eine Überlegung wär’s SCHON wert, ob man daraus nicht eventuell ...
NATÜRLICH nur in diesen Luxusgegenden ...
... VERSTEHT SICH!
Es ist kurz nach Ein Uhr mittags, als ich die bislang beste Entscheidung meines Lateinamerika-Trips treffe: Der letzte Bus vom ‘Cerro Verde’ hinunter nach Santa Ana & San Salvador verläßt die Ranger-Station um Fünf Uhr. Ausreichend Zeit also, um ein gutes Stück den Berg hinunter zu trekken.
Ich muß mich langsam wieder in Form bringen & ...
... ‘Down - Down - Down’ ist für den Anfang ein gutes Training.
Schon nach wenigen hundert Metern bin ich vollkommen allein mit mir & der Natur. Im Halbstunden-Rhythmus begegnet mir ein ‘Einzel’-Auto - ansonsten gebe ich mich dem lauten, kakophonischen Konzert der Insekten sowie den starken Düften des Nadelwaldes hin (zunächst vornehmlich Tannen, später Lärchen & Zypressen).
SUUUPER! - ich hatte ES fast vergessen:
‘THAT’S WHY I’M TRAVELLING!’
Heimatliche Gefühle & ...
... schon nach kurzer Zeit befinde ich mich (wieder ...!?) in Nepal auf MEINEM ‘Annapurna-Trek’: Beeindruckende ‘Views’ auf den tief unter mir in der Mittagssonne glänzenden ‘Lago de Coatepeque’. Die Fernsicht ist allerdings durch das diesige Wetter arg beeinträchtigt & die Panorama-Shots werden daher meinen subjektiven Eindruck von See & Atmosphäre wohl kaum wiedergeben können (A Ver ... !?).
Über mir ragt der scharfkantige Gipfel des ‘Volcano Santa Ana’ auf, der noch einige hundert Höhenmeter mehr zu bieten hat als der ‘Cerro Verde’. Rechts & links der Straße erstreckt sich das endlos-grüne Dickicht des immer-feuchten & an Artenvielfalt kaum mehr zu steigernden Nebelwaldes (die einzigen NICHT-grünen Farbtupfer sind die blau-weiß-roten Farben der überall ‘hin-geschmierten’ Wahl-Slogans der ARENA-Regierungspartei: Würg!).

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I’M WALKIN’ ...
... & es macht (mir) wirklich einen Riesenspaß!
Nach acht ‘Schleifen’-Kilometern nehmen die Abstände zwischen den vereinzelt am Wegrand errichteten Stroh- & Holz-Hütten ab:
- freundlich (bis überschwenglich!) grüßende Kinder mit (IMMER!) großen Augen schauen mir neugierig hinterher,
- ‘Macheten’-bewehrte Campesinos schwitzen bei der Feldarbeit in ihren kleinen Plantagen,
- ein Bauer (die Bierflasche COOL in der linken Hand) spannt zwei Ochsen mit riesigen, gefährlich aussehenden Hörnern vor einen großen, schweren Holzkarren,
- schließlich durchquere ich (schon auf Lake-Level mich befindend) eine kleine Siedlung, die eine (zwar unscheinbare, aber doch immerhin) Kirche besitzt ...
... mit der Inschrift ‘Jesus Is Everywhere!’ über dem Eingangsportal.
Ein Bus No. 248 rattert den Hügel hinauf & ich beschließe, ihn auf seinem Rückweg (in etwa einer Stunde) anzuhalten. Aber soweit kommt’s nicht ...
... denn nach (ziemlich genau!) 15 Kilometern Fußmarsch hält ein Pick-Up mit quietschenden Reifen neben mir - & der freundliche Beifahrer bietet mir den Logenplatz auf der Ladefläche an: Ich will nicht unhöflich sein - also ...
I PICK (MYSELF) UP! ...
... & schon geht’s los!
Die Straße führt noch weitere zehn Kilometer um den ‘Lago’ herum, bevor wir El Congo erreichen & ...
... ‘El Viaje en Aire Fresco’ ist wirklich ein tolles Erlebnis: NACKT (äh, ich meine natürlich: mit offenen, wehenden Haaren) IM (Fahrt-) WIND!
Der Fahrer legt ein zügiges Tempo vor & zwischenzeitlich muß ich mich schon heftig an der Ladeklappe festklammern, um nicht während der Fahrt verlorenzugehen.
In El Congo angekommen, bedanke ich mich überschwenglich beim ‘Pick-Up-Driver’ für das eindrucksvolle Erlebnis (‘Muchisisimas Gracias!’) - steige die Böschung zum ‘Highway-San-Salvador-Santa-Ana’ hinab ...
... & reihe mich in die (vorhandene) Warteschlange an der (nicht vorhandenen) imaginären Bushaltestelle ein. Bereits fünf Minuten später befinde ich mich zwar in einem Bus mit ‘Destinación El Capitale, aber:
Der Bus ist proppenvoll! Und ich muß mich während der folgenden Stunde nicht nur mit einem äußerst unbequemen Stehplatz begnügen ...
... sondern (zusätzlich) den Kopf seitlich anwinkeln - denn nicht nur die Beinfreiheit im, auch die lichte Höhe des Busses ist am durchschnittlichen ‘All-American Junior-Highschool-Kid’ ausgerichtet.
Als körperliches Wrack entsteige ich dem Bus, kaufe in der ‘Tienda Enfrente del Hotel’ eine Halbliterflasche ‘Fare-thee-Well-to-El-Salvador’-TIC-TACK & ...
... dann MACH’ ICH MICH LANG (in jeder Beziehung):
laange Duschen - laange Relaxen - laange Züge (‘Cigaros y Tic-Tack-Naranja’).
Um Acht Uhr (!) am frühen Abend ...
... sind fast alle Restaurants der Metropole bereits geschlossen & mir bleibt nur die Auswahl zwischen ‘Pizza Hut’ und ‘Pollo Campero’.
Naja - DANN doch lieber die ‘Centro-American Fast-Chicken-Chain’:
schlechtes & teures, aber immerhin sättigendes Essen & ...
... äh ... SEHR nette Kellnerin (die mir zum Abschied neben einem Lächeln auch ein paar Pfefferminz-Bonbons schenkt).
Im Innenhof des Hotels haben sich ein paar Mitbewohner halbkreisförmig um den Gemeinschafts-Fernseher niedergelassen (die Hängematte ist leider belegt!) & ...
... sie schauen sich ein Fußballspiel an:
El Salvador vs. Guatemala!
Gott-sei-Dank (!) ... spielen die Salvadorianer heute NICHT gegen Honduras. Darf ich den Zeitungsberichten über Campesino-Zusammenstöße an der gemeinsamen Grenze glauben, dann wäre die Kriegsgefahr bei dieser Paarung zur Zeit VERDAMMT HOCH (& in Mittelamerika hat ‘Krieg als Fortsetzung des Fußballs mit anderen Mitteln’ ja durchaus Tradition ...).
Ich schaue mir die zweite Halbzeit der (schwachen) Partie an, kann aber (trotz mehrfacher Nachfrage) nicht aus den anderen Schaulustigen herausbringen, ob es sich NUR um ein Freundschaftsspiel, oder doch um ein WM-Qualifikationsspiel handelt. Ein Local BEHAUPTET zwar, die ‘WM-Quali’ wäre schon gelaufen (& Mexiko das einzige mittelamerikanische Team, das zur WM nach Frankreich fährt) ...
... so RICHTIG kann ich das aber nicht glauben: Denn DANN müßte ich die hiesigen Zeitungsberichte schon ÄUSSERST ‘miß-gelesen’ haben (aber vielleicht handelt es sich bei ‘Ciudad del Cabo’ ja auch nicht um Kapstadt, sondern um die Hauptstadt Afghanistans ... ?).
Das Spiel endet ‘Zero - Zero’ ... & ‘der gemein-engagierte Salvadorianer’ ist (zu Recht) maßlos enttäuscht. Übrigens: Wollie! Kannst Du bitte Fritz ausrichten, er soll Karl-Heinz sagen, daß DER seine Schwägerin informieren soll:
NEIN! KEIN Spieler aus El Salvador oder Guatemala in die ‘Domstadt am Rhein’!
Das lohnt sich nämlich nicht ...
... & wäre wahrscheinlich ein noch größeres Debakel als die damalige Verpflichtung des ‘einzigen Argentiniers ohne Ballgefühl’.
Äh - ja: genug geschwafelt ...
Nach dem ‘Match de Futbol’ ziehe ich mich in mein Hotelzimmer zurück:
ein kurzes ‘Fuentes’-Kapitel - ein letzter befreiender Zug (?) - & DANN ...
... findet ein SEHR SCHÖNER Tag in (kaum) berührter salvadorianischer Natur sein (bewußtes) Ende ...

... Heute steht mir ein langer Reisetag bevor:
Ich bin entsprechend (reise-) fiebrig & ...
... (schon) um Halb Sieben Uhr hellwach.
Duschen - Packen - Marsch zur Plaza Barrios. Von dort mit dem City-Bus zum ‘Terminal Oriente’. Es heißt Abschied nehmen von El Salvador ...
... meine heutige ‘Destinación’ ist:
Honduras - As Far As Possible!
Bis gestern Abend hatte ich zwar noch vor, die ‘Copan Ruinas’ zu besichtigen (die berühmte Maya-Stätte im Westen von Honduras) ... den Gedanken aber über Nacht aufgegeben, da es sich bei Copan (ähnlich wie Tikal in Guatemala) um eine vermutlich total überlaufene Touristen-Attraktion handelt, die jeder Honduras-Pauschalreisende im Programmplan seines Veranstalters wiederfindet.
Ich werde ein paar Tage für Nicaragua einsparen & Honduras als ‘My Private Mallorca’ mißbrauchen, sprich:
Nur als Zwischenstation zum ‘Viertel-Trip-Beachen’. NOCH ...
... kann ich nicht wissen, wie unrecht ich Honduras damit tue, aber:
STOP! & der Reihe nach ...
Gutes & billiges ‘Desayuno’ am Busbahnhof (Huevos, Pan y dos Cafes). Dann suche ich (mir) einen Bus mit Fahrziel El Poy, dem salvadorianischen ‘Border-Town’ an der Grenze zu Honduras. Um Viertel vor Acht Uhr verlassen wir den Terminal.
Für die 150 Kilometer weite Fahrtstrecke werden zweieinhalb Stunden veranschlagt. Also sollte mir ausreichend Zeit verbleiben, um (anschließend) noch ein gutes Stück ins zentrale Hochland von Honduras ‘vorzudringen’.
Hm - denk’ ich so ... !
Aber was nützt die schönste Planung, wenn mein ‘Kharma’ nicht mitspielt (‘Gell, Carmen!?’): Schon nach einer halben Stunde ist die Fahrt beendet!
Der Bus wird durch einen Defekt lahmgelegt, der weder ein Weiterfahren gestattet, noch reparabel ist ... IRGENDWAS an der Vorderachse (Hm - ‘nichts genaues weiß keiner!’). Alle Passagiere müssen erst aussteigen ...
... & dann einsteigen - nämlich:
In endlose Verhandlungen mit dem ‘raffgierigen Block- ... äh ... Bus-Wart’, der bei der Fahrpreisrückerstattung die bis zum Unfallort zurückgelegte Fahrstrecke auf fahrgast-individuelle & recht eigenwillige Weise pekuniär berücksichtigt (tumultartige Szenen spielen sich ab ...).
Fast eine Stunde muß ich im ‘Niemandsland’ warten (meinen Frust mit Hilfe autogener Formeln unterdrückend), bis ...
... bis endlich ein weiterer ‘El-Poy-Bus’ auftaucht. Im (größten?) Unglück habe ich letztlich allerdings noch Glück, denn ich erwische den letzten (‘einigermaßen’ bequemen!) Sitzplatz.
Zunächst kreuzt der Bus durch eine sehr ärmlich wirkende Flachlandregion. Auffallend ist die ungewöhnlich häufige (& variantenreiche!) Verwendung des Baumaterials ‘Dachziegel’:
- alle, noch so baufällig aussehenden Hütten besitzen ein ziemlich neu aussehendes Ziegeldach & ...
- selbst die halbhohen Lehmmauern (die als Grenzmarkierungen zwischen den Grundstücken fungieren) ziert je eine ‘Dachziegel-Krone’.
Die staubigen Straßenabschnitte vor den Hütten werden vom üblichen Selbstversorger-Kleinvieh bevölkert: je eine Kuh, zwei Schweine, ein paar Hühner & mindestens ein häßlicher, fetter Truthahn.
Die Region ist als ‘Armenhaus des armen Landes’ bekannt ... & ihre politische Bedeutungslosigkeit wird dadurch unterstrichen, daß es die ARENA-Partei nicht für nötig hält, HIER Wahlwerbung zu betreiben: Die Strom- & Lichtmasten erstrahlen in ungewohnt-jungfräulichem ‘Grau’. Einzig ‘FMLN’- & ‘PD’-Plakate sind (jedoch nur SEHR vereinzelt) auszumachen.
Hm - wobei der Spitzenkandidat der ‘FMLN’ outfit-mäßig auch als ‘Vorarbeiter auf der Shiloh-Ranch’ durchgehen würde ...
Apropos ‘durchgehen’: Unser für den ‘Fahrgast-Fang’ (ohne Lasso) zuständiger Busbegleiter könnte ein Zwillingsbruder Wolf Biermanns’ sein ...
... & die frappierende Ähnlichkeit tritt besonders deutlich zutage, wenn er sein kräftiges & sarkastisches Lachen ertönen läßt!
Urplötzlich türmen sich mächtige Berge vor unserem Bus & ein (für ihn! ... nein: den Bus!) mühsames, langwieriges Klettern beginnt. Auch vor dem Hintergrund der morgendlichen Erfahrungen bin ich (allerdings grundlos) um das Durchhaltevermögen des Busses besorgt. Umso überraschter bin ich, als ich an der Ortseinfahrt nach La Palma (zehn Kilometer vor der Grenze) lesen muß, daß wir uns auf NUR (gerade mal) 1.200 Höhenmeter ‘hochgearbeitet’ haben ...
Kurz vor Beginn der ‘Kraxelpartie’ steigt ein älterer Fahrgast zu, der mein Blut augenblicklich gefrieren läßt: knapp über dem Brustbein baumelt ein (ungelogen!) tennisball-großer Kropf an seiner Gurgel. Und als ob dies alleine nicht schon schlimm genug wäre, starrt er mich mit einem reglos-blinden Auge an & preßt ohne Unterlaß unartikulierte Baby-Laute zwischen seinen nie geschlossenen Lippen hervor.
Schuldbewußt (?) ...
... gebe ich ihm ein paar Colones - vermag ihm dabei aber nicht ‘ins Auge’ zu blicken. Unser Busbegleiter hingegen treibt seine offenen Späße mit ihm (nehme ich zunächst fälschlicherweise an):
Er teilt ihm in verschwörerisch anmutender Zeichensprache etwas mit, worauf beide lauthals loslachen & der Busbegleiter (Zustimmung erheischend) in die Runde der umsitzenden Fahrgastgesichter blickt. Dieser ‘wortlose Dialog’ wiederholt sich während der beiden folgenden Stunden etwa fünfzigmal & ich beginne auf unsren ‘Bus-(Block-)Wart’ sauer zu werden ...
... muß (nein: darf!) dann aber feststellen, daß er (der ‘Pseudo-Wolf’) sich rührend um ‘seinen (neuen?) Freund’ kümmert:
- er besorgt ihm einen Sitzplatz (macht zu diesem Zweck einem anderen, leicht ungehaltenen Fahrgast seine uneingeschränkte Verfügungsgewalt über Bus & Inventar klar),
- versorgt ihn mit einer Tortilla,
- ist ihm beim Verlassen des Busses behilflich,
- ja ... er kümmert sich sogar noch darum, daß er von der Haltestelle aus ‘den rechten Weg’ findet & einschlägt.
ICH ...
... stehe solchen ‘Naturereignissen’ IMMER hilflos (bis ... erstmal: abwehrend!) gegenüber. Hm - was mir NOCH bewußter wird, wenn ich sehe, wie unbefangen & ‘normal’ die Menschen in den hiesigen Breitengraden mit ihren ‘Handicapped & Disabled’ umgehen!
Ab La Palma, einer mitten in malerischem Berg-Panorama auf einer Anhöhe gelegenen & SEHR atmosphärischen Kleinstadt, führt die Straße (sich nur unmerklich bergab schlängelnd) über einfachen Schotterbelag zur Grenze. Schon von weitem ist ein breiter Fluß auszumachen & ich denke (bei mir):
CLARO - el ‘Rio de la Frontera’!
Aber ...
... weit gefehlt! Das ‘warme Gewässer’ (die salvadorianische Grenzstation heißt ‘Agua Caliente’) verläuft PARALLEL zur grenzüberschreitenden Landstraße ...

LA0284-ElSalvadorElPoyAtmoGrenze

... & HÄTTE mich ein netter salvadorianischer Grenzer nicht auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, dann HÄTTE ich wie selbstverständlich den Fluß überquert:
Und WÜRDE mich vermutlich (IMMER NOCH - weil völlig orientierungslos!) in El Salvador herumtreiben.
Ich wechsle meine ‘Rest-Colones’ in ‘Lempira’ (die honduranische Landeswährung) - Ex-Migración El Salvador (Nada Problema!) - Immigración Honduras (5 US-Dollar kostet die ‘Eintrittskarte’). Für meinen Rucksack interessiert sich auch hier (wie schon während des gesamten, bisherigen Trips ‘niemals’) ... äh ... ‘niemand nicht’.
Und somit hat sich nicht einmal zehn Minuten nach meinem Eintreffen an der Grenze das mittlerweile vierte mittelamerikanische Land in meinem Reisepass verewigt!
Die erste honduranische Ortschaft (die diese Bezeichnung verdient) ist ‘Nueva Ocotepeque’. Nach Aussage der umstehenden Einheimischen ist die Taxifahrt dorthin auch nicht teurer als ein Ticket für den Pendelbus (der erst in einer Stunde fährt) - kurz entschlossen werde ich (daher?) meinem Grundsatz ‘Keine Macht den Taxis!’ untreu & ...
... lasse mich (für umgerechnet eine Mark!) acht Kilometer über einen schnurgeraden, gut asphaltierten Highway ‘taxieren’.
Um Ein Uhr mittags erreiche ich Nueva Ocotepeque, die erste Stadt im Südwesten von Honduras mit einem ‘Long-Distance-Bus-Terminal’ ...
... & GERADE NOCH SO erwische ich einen schon mit laufendem Motor wartenden Bus (zugegeben: in Mittelamerika heißt das NIX!) mit Fahrtziel Santa Rosa de Copan, meinem heutigen Mindest-Tagesziel:
SUUUPER-Timing!
Die Busfahrt nach Santa Rosa de Copan entpuppt sich als die landschaftlich schönste Teilstrecke meines gesamten bisherigen ‘Central-America-Trips’:
- sattes Grün bedeckt die bis zu 2500 Meter hohen Berge,
- die sich zwischen den grünen Hügeln tief in die Topografie hineingrabenden Täler haben durchweg ‘Canyon’-Dimensionen,
- die Ortschaften wirken vor diesem ‘Alpen’-Panorama (auch ...) wie von einem schweizerischen Städteplaner entworfen (sie sind überschaubar, klar strukturiert & auf den ersten, entfernten Blick sehr sauber & gepflegt ... eigentlich fehlt nur die eine oder andere Zwiebelturm-Kirche!).
Die Landstraße ist seit Überschreiten der Grenze in einem hervorragenden Zustand (‘Bin ich vielleicht DOCH unbemerkt in der Schweiz gelandet?’) & ...
... schon nach zwei Fahrtstunden hat unser Bus die 100 Kilometer bis Santa Rosa ‘gefressen’.
In der ortsansässigen Zweigstelle der ‘Banco Occidente’ cashe ich einen Traveller-Scheck - meine wenigen ‘Border-Lempiras’ gehen (trotz niedriger Bus-Fahrpreise) rasend schnell dem Ende zu ...
... & außerdem steht das Wochenende vor der Türe. Anschließend erkundige ich mich nach den weiteren Busverbindungen & ...
... habe (schon wieder) Glück:
Um Viertel nach Fünf Uhr verläßt der letzte Bus nach San Pedro del Sula (der zweitgrößten Stadt Honduras’, nur fünfzig Kilometer südlich der Karibik-Küste) den hiesigen Bus-Terminal!

LA0287-SantaRosaDeCapanBusTerminal

Nach einer kurzen Bedenkzeit - bei dunklem ‘Salva Vida’ (sprich: Lebensretter! Hm - permanent muß ich mich an neue Biersorten gewöhnen ...) sowie zwei honduranischen ‘Lungen-Torpedos’ - beschließe ich, daß ich noch fit bin & EIGENTLICH heute noch nichts geleistet habe. Also: Ab in den Bus & ...
... LOS GEHT’S!
Eine knappe Stunde darf ich die (durch Abend- & Sonnenuntergangs-Stimmung ‘an Spektakularität noch ZUNEHMENDE’) Landschaft Zentral-Honduras’ bewundern ...
... & mich fragen, ‘ob ich auch wirklich keinen Fehler mache, wenn ich hier einfach so durchrausche?’
DANN breitet die stockfinstere Nacht ihren dunklen Schleier über das Land & ein extrem ‘sandiger’ Schleier legt sich augenblicklich über meine ... äh ... Augen.
Ich döse vor mich hin - lausche in den wacheren Phasen dem Bus-Radio - & die Zeit vergeht wie im Fluge: übrigens AUCH weil der Busfahrer das Gaspedal (mächtige, in der Dunkelheit gut sichtbare Funken produzierend) TIEF in den Asphalt gräbt.
Die voraussichtliche Fahrtdauer wurde im Office in Santa Rosa mit dreieinhalb Stunden angegeben. Aber bereits VOR Acht Uhr geht unser Bus (mit quietschenden Reifen die letzten ‘Avenida-y-Calle’-Kurven nehmend) im zentralen Bus-Terminal von San Pedro del Sula vor Anker.
Ich schultere meinen Rucksack, ignoriere die mich anhupenden Taxifahrer & marschiere zum nahen ‘Hotel San Pedro’.
Hm - ich kann mich nicht so recht / so schnell entscheiden ...
... würge im ‘Bio-Restaurant’ des Hotels erstmal einen Hamburger mit Fritten in mich hinein (‘Shame on Me!’), spüle mit einer eklig-süßen Pepsi nach & dann ...
... fühle ich mich in der körperlichen Verfassung, das Problem ‘Unterkunft für die Nacht’ AN-ZU-GEHEN:
Zwei Alternativ-Hotels (‘nearby’) erweisen sich als TO-TAL überteuert. Der ‘Verrry Basic Room (with Fan & Shared Bath)’ im ‘Hotel San Pedro’ ist (dagegen) bei einem Zimmerpreis von umgerechnet 5 US-Dollar ein ausgesprochenes ‘Schnäppchen’ ...
... & so bleibe ich (mal wieder!) in der ‘Special-Backpacker-Recommendation’-Kategorie meines Reiseführers hängen.
NUR KURZ ... überlege ich, ‘ob ich heute nochmal das Haus verlassen soll?’ Meine Rest-Energie reicht gerade noch für eine ‘Long & Heavenly Refreshing Shower’ sowie ein Kapitel ‘Christoph, ungeborn’ vor dem laufenden Fan.
DANN (bereits) ...
... fallen mir IRGENDWIE (nein, nicht wirklich unerwartet!) DOCH ZIEMLICH ABRUPT (schon um Halb Elf Uhr) ‘DIE ÄUGLEIN ZU’ ...

... Natürlich früh wach: ‘Basic Morning Toilet’!
Ich freue mich auf die Karibik ... & die ‘Dusche danach’!
Ich schlendere zum ‘besten Haus am Platz’:
Das feudal-koloniale ‘Hotel Sula’ nimmt die gesamte Nordseite der ‘Plaza Central’ ein. Die ‘24-Stunden’-Cafeteria soll ein vorzügliches Frühstück bieten & ...
... ich habe das Gefühl, mir ‘mal wieder etwas Gutes gönnen’ zu müssen.
Das Foyer des Hotels macht zwar einen abschreckenden, modernistischen Eindruck, aber die atmosphärische ‘Open-Air’-Cafeteria zieht sich bis nahe an den Hotel-Pool heran: DORT ist mein Platz! ...
... ich will mich schon mal an Wasser (& Meeresrauschen?) gewöhnen.
Das Frühstück ‘American-Style’ ist ‘definitely good & filling’ (mit 5 US-Dollar für hiesige Verhältnisse aber auch nicht gerade billig ... was soll’s?).
Die nette, junge Kellnerin bewundert ausgiebigst & vernehmlich meine ‘schöne Handschrift’ (Un Bueno Letra ...), was mir hier in Centro-America nicht zum erstenmal wiederfährt. Wegen der frühen Exkursions-Starts der letzten Tage, habe ich mein Tagebuch ziemlich vernachlässigt & ich lege eine lange ‘Bei-Schreib-Session’ ein (& zwar GENAU vier Tassen Kaffee lang!).
Während des Rückwegs zum Hotel schieße ich genau EIN San Pedro del Sula-Foto:
Die Kathedrale steht allerdings SO UNGÜNSTIG (an der völlig zugewachsenen ‘Plaza Central’ ... bzw. umgekehrt), daß ich lange nach dem optimalen Betrachtungs-Standort suche ..
... & trotzdem habe ich die Befürchtung, ihn (den Standort) nicht gefunden zu haben! ‘Tja, Hans - SPÄTESTENS HIER habe ich dein 24-mm-Weitwinkel-Objektiv schmerzlich vermißt!’
Packen - Aus-Checken - kurzer Walk zum ‘Totally Crowded City-Bus-Terminal’ ...
... erwiesenermaßen ein gutes Zeichen: ich werde vermutlich nicht allzulange auf die Abfahrt meines Busses warten müssen.
Der Trip zum Karibik-Strand vollzieht sich in zwei Etappen:
Zunächst ... lasse ich mich in einen Bus nach El Progreso zerren (‘El Preso’: wie die ‘Bus-Schreier’ der Einfachheit halber & zeitsparend abkürzen). Und DIESER Ort liegt mitten im Zentrum von ‘Chiquita-Country’ ...
JA, GENAU! HIER kommen sie her ... !
Im Umkreis von 50 Kilometern gehört hier jeder Quadratzentimeter der US-amerikanischen ‘Standard Fruit Company’, die vom nahen Frachthafen in Puerto Cortes aus rund um die Uhr ‘das gelbe Gold’ in die USA verschifft. Das ist übrigens auch der Grund, warum Puerto Cortes DER mittelamerikanische Ort für eine billige Schiffspassage nach Florida ist.
Während der dreißig Kilometer langen Busfahrt durchkreuzen wir eine einzige, riesige Bananen-Plantage. Die kostbaren Fruchtstauden baumeln (sonnengeschützt in adrette, weiße Plastikfolien eingesackt) an den exakt im immer gleichen Abstand gepflanzten Stämmen.
Hm - sieht ‘irgendwie Deutsch’ aus ...
Um Elf Uhr erreichen wir El Progreso: Bus-Wechsel!
Schon eine Viertelstunde später rollt MEIN Bus ein, der mich nach Tela (meinem ‘Beach-Village at the Carribean Sea’) bringen wird.
Übrigens: Ich bin immer noch weit & breit der einzige Touri! Obwohl ...
... gestern Abend habe ich in San Pedro del Sula (immerhin) EIN ‘Backpacker-Couple’ gesichtet. Naja - spätestens in Tela wird sich das ändern (hm, wer sich wissentlich, um nicht zu sagen: VORSÄTZLICH in Gefahr begibt, der darf sich anschließend nicht beklagen).
Der Bus ist vollkommen überfüllt. Ich habe zwar einen Sitzplatz, aber auch meine üblichen ‘Long-Legs-Lags’:
Während der Fahrt muß ich meine Handflächen zwischen Knie & Rückenlehne des Vordersitzes klemmen, damit ich mir (bei den Schlaglöchern in der Straße) keinen Trümmerbruch der Kniescheiben zuziehe ...
... schließlich sind die Knöchel der Finger fürs Kraxeln in den Anden nicht so wichtig (& es gibt halt Situationen, in denen man Prioritäten setzen muß!).
Knappe zwei Stunden dauert die Busfahrt. Immer wieder tauchen rechts & links der schnurgeraden Straße neue Berge auf.
‘Hm - IRGENDWANN muß das doch mal aufhören ...
... schließlich geht’s zum Meer!’
Daß ich denn doch nicht den falschen Bus erwischt habe, wird mir (kurz darauf) durch Kokospalmen (‘bis das Auge bricht’) angekündigt - wie erwartet:
Denn Tela ist berühmt für seine Fischsuppen in Kokosmilch!
Zehn Kilometer vor Erreichen Telas steigt ein offensichtlich noch sehr junger, sympathischer Mann zu: Er trägt einen altmodischen ‘Großvater’-Hut, ist blind & hält eine Blockflöte in seinen Händen.
Nach ein paar mir unverständlichen, einleitenden Worten an sein Publikum ...
... singt er mit herzzerreissender Stimme (& inbrünstiger Intonation) ein einfaches Volkslied, wobei er (zwischendurch) einzelne Melodiefetzen auf seiner Blockflöte wiederholt.
Nicht etwa, daß sich die Darbietung auf besonders hohem künstlerischen Niveau befände. Aber die Kombination aus der Art seiner Präsentation & seinem äußeren Erscheinungsbild erfüllt mich augenblicklich mit UNENDLICHEM MITLEID ...
... & ich brauche einige Zeit, um meine Tränen niederzukämpfen.
Nach Beendigung seines Vortrags erhält er von jedem Businsassen mindestens einen Geldschein. Offensichtlich hat er nicht nur mich gerührt. Anschließlich setzt er sich auf einen freien Sitzplatz: Immer wieder lehnt er seine Stirn auf die Abschlußleiste des Vordersitzes (was nach Weinen, mindestens aber Depression aussieht) ...
... worauf er ebenso regelmäßig seinen Kopf abrupt wieder hebt & (so scheint es) sein Leben aufs Neue (wieder) in die eigenen Hände nimmt.
Ich kann nicht anders: Immer wieder muß ich zu ihm hinüberblicken ...
... obwohl ich mich wie ein ‘feiger Spanner’ fühle (kann ich doch sicher sein, daß er meine Aufdringlichkeit nicht bemerkt) - und mit jedem ‘Augen-Blick’ nimmt meine Rührung zu!
‘Carmen - warum geht’s mir so gut? Und dieser sympathischen, gebeutelten Kreatur so schlecht? Kharma? Was hat ER verbrochen & was habe ICH geleistet, daß wir so unterschiedlich schwere Kreuze tragen (müssen) ...?’
Ich versuche, mir vorzustellen wie er lebt:
alleine - ohne Schlafplatz - durch die Nacht (die endlose) irrend - sich mit seinen Freunden (den umherstreunenden Hunden) unterhaltend & ihnen auf der Blockflöte traurige Melodien vorspielend.
‘Würg - Kloß - Kämpf!’
Später ... am Bus-Terminal in Tela, wird er von einem jungen Mädchen erwartet (immerhin!), an die Hand genommen & dahin geführt, wo sein ‘wahres Leben’ (wie auch immer dies aussieht?) stattfindet ...
Es ist Ein Uhr Mittags, als sich Tela (endlich!) zeigt ...
... & der Rest des Tages ist schnell erzählt:
Nach kurzem (es ist AFFEN-HEISS!) Check dreier Hotels entscheide ich mich für das alte, zwar runtergekommene, aber sehr atmosphärische ‘Boarding House Sarah’.

LA0292-TelaMeinHotelBoardingHouse

Die Besitzerin (wie die wohl heißen mag?) führt mich in ein einfaches, aber sehr geräumiges Eckzimmer mit ‘Fan, Shared Bath & Seaview’, das lächerliche zweieinhalb Dollar kostet. Hm - abends erfahre ich, WARUM das Zimmer so billig ist ...
Auspacken & Einrichten (ich plane mindestens drei Übernachtungen). Dann lasse ich mich auf der ‘Meerblick’-Terrasse eines Strand-Restaurants nieder:
Ich atme die salzige Meerbrise tief ein - selber durch - & relaxe bei ‘Dos Cervezas Muy Fria y Muy Grande’.
Später ...
... ordere ich eine ‘Sopa’, wobei mir allerdings ein kleiner ‘Faux-Pas’ unterläuft:
Ich übersetze ‘Caracol’ (ebenso spontan wie falsch) mit Kokosnuss & komme so in den Genuß einer ziemlich widerlichen Schneckensuppe! Äh ...
... die ich jedoch NUR PARTIELL zu mir nehme (also: vornehmlich die flüssigen Bestandteile!).
Anschließend ...
... erster Strand-Spaziergang & ...

LA0293-TelaKaribischesStrandIdyllLA0301-TelaStrand+Baywatch

... nächstes Strand-Restaurant:
Wo ich den Sonnenuntergang herbeitrinke & mich der für heute letzten ‘Nachsitzer’-Tagebuch-Session unterziehe.
Einkauf von Käse, Brot & O-Saft im ‘Mercado Enfrente’. Lange, erfrischende Dusche im Hotel & (dann) AB IN DIE DISCO (sprich: mein Zimmer!):
Aus mindestens drei Strand-Discos (gleichzeitig) ertönt bis in den frühen Morgen hinein die VOLLE ‘Washing-Machine-Sound’-DRÖHNUNG! ...
... teils Disco & Techno, teils ‘Musica Romantica’, eher weniger Salsa (dieser zwar merklich leiser als der übrige Musik-Schrott, aber immer noch IRRE LAUT!).
Lesen: Reiseführer & Carlos Fuentes - zwischendurch ‘Diner-Snacks’.
Um Zehn Uhr fallen mir erstmalig die Augen zu ...
... & das bei voller Raumbeleuchtung! Als ich um Halb Ein Uhr wieder erwache, hat die ‘akkustische Umweltverschmutzung’ durch die nahen Discos eher noch an Lautstärke zugenommen.
Rauchen - Lesen - Schwitzen ...
Zweiter Etappen-Schlaf bis Drei Uhr am (selbst für mich ... zu!) frühen Morgen.
Wiederum Schwitzen - Lesen - Rauchen ...
... sowie diverse Flüche ‘an & über DIESE IDIOTEN da draußen’ (äh ... mein Bett HÜPFT!). Schließlich (& gleichermaßen unerwartet wie unbegründet) ...
... FINALE Bewußtlosigkeit ...


Nachtrag (aus aktuellem Anlaß!) zum Thema
‘Safety in Centro-America’:

Im Laufe des heutigen Nachmittags wird mir unmißverständlich klargemacht, daß ich mich vorsehen muß: denn ...
... Tela ist KEIN UNGEFÄHRLICHES Pflaster!

Teil 1:
Während ich den Strand entlang schlendere, gerate ich an einen ‘offensichtlich Verrückten’. Erst macht er auf Kumpel (Yeah, Man - Cool!), versucht den Arm um meine Schulter zu legen & fragt mich pausenlos, was ich in meinem Rucksack mit mir herumtrage. Er brabbelt meist Unverständliches - wahrscheinlich auch für Leute, die besser Spanisch verstehen als ich. Das einzige Wort, das relativ deutlich (& oft) über seine Lippen kommt, ist ‘Marihuana’.
Ich gehe zunehmend auf (physische) Distanz & mache ihm (für meine Verhältnisse: unzweideutig!) klar, daß er mich nicht anfassen soll ...
... & auch nicht meinen Rucksack, nach dem er ständig ‘grabscht’.
Als er schließlich denn doch merkt, daß ich nicht so mitspiele, wie er es gerne hätte (das dauert allerdings einige Zeit: Alkohol und / oder Drogen!?), werden seine Reaktionen unkalkulierbarer ...
... & aggressiver: Er brüllt auf mich ein (immer noch unverständlich), schubst & rempelt mich (an) & beugt sich ständig zu seiner von mir abgewendeten, linken Körperseite herüber, wo er (unter seinem T-Shirt) ‘auf Gürtel-Höhe herumfummelt’.
Ich bin verunsichert & denke:
WAS, wenn er DORT ein Messer (oder Schlimmeres) versteckt hat?
Tja - wäre er unbewaffnet, würde ich leicht mit ihm fertig ...
... aber was, wenn nicht ... ?
Ich ziehe mich freundlich, aber bestimmt zurück - versuche, sein Interesse an mir zu ‘dämpfen’ - & entziehe mich seiner räumlichen Nähe (durch ‘möglichst natürlich eingesprungene & harmonisch aussehende 45-Grad-Richtungswechsel’).
Meine (vermutlich zwar TOTAL SCHEISSE AUSSEHENDE) Strategie hat (immerhin) schließlich Erfolg:
Er läßt mich in Ruhe & ...
... wendet sich zwei neuen (unseren Weg kreuzenden) Opfern zu!
UFFF!
Und Ende erster Teil ‘Safety in ...’.

Hm - eine halbe Stunde später ‘In Town’ ...

Teil 2:
Ich beobachte vier oder fünf große, häßliche Geier ...

LA0289-TelaGeierAufDerPalme

... krame meine Kamera aus dem Rucksack & beschäftige mich mit Ansel Adams’ Zonensystem.
Da kommen mir zwei laut kreischende, offensichtlich gut gelaunte Kids auf einem Fahrrad entgegen. Sie bemerken mich (& meine Kamera!) ...
... & der auf dem Sozius sitzende ‘Halbstarke’ ruft mir etwas zu (gleichermaßen einnehmend wie unschuldig lächelnd).
Ich bin ebenfalls freundlich & (relativ) unbedarft ...
... bis er (im Vorbeirauschen) eher fun-mäßig nach meiner Kamera greift, die ich allerdings fest in meinen Händen halte. Im Weiterfahren lehnt sich der Typ weit zurück & grabscht (diesmal unzweifelhaft absichtsvoll) nach dem Kamera-Riemen, den er schließlich auch zu fassen kriegt. Aber ...
... mittlerweile bin ich hellwach & er hat NICHT DEN HAUCH EINER CHANCE gegen mich & meine ‘Schraubstock-Pranken’ (äh ... will er nicht das Risiko eingehen, ‘sich der Länge nach auffe Fresse zu legen!’).

Tja - zugegeben:
Nur zwei harmlose & unbedeutende (da glücklich ausgegangene) Vorfälle!
Aber ich sage mir fortan (trotzdem):
HORST - SEI WACHSAM!

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