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LatAm 03

EL SALVADOR NACH DEM BÜRGERKRIEG ...
... &
DIE ALTEN MACHTHABER HABEN DAS NEUE SAGEN !
ODER: AUF DEN SPUREN DER ‘FMLN’ - IN DEN
BERGEN NORD-OST-EL-SALVADORS !

... von Guatemala-City (Guatemala) nach San Salvador ... sowie Trip nach San Miguel und Perquin (El Salvador):

Freitag, 07. März bis Montag, 10. März 1997

Letzter Morgen in Guatemala la Ciudad! Die Entscheidung, NICHT nach Tikal (im fernen Nordosten des Landes) zu reisen, ist definitiv richtig: ich will endlich aus diesen Touri-Hochburgen herauskommen.
Das Wetter ist immer noch BESCHISSEN! Während meines ‘Very Early Walk’ zu meinem ‘Stamm-Mexikaner’ (von wegen Kaffee ... ‘No, Gracias - Nada Mas!’) friere ich in meinem dünnen Sommer-Hemdchen erbärmlich.
Tagebuch-Eintrag - ‘Desayuno Como Usual’ in meinem ‘Stamm-Guatemalteken’ (von wegen feste Nahrung ... dazu die Prensa Libre) - ein paar allerletzte ‘City-Shots’ ...

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Packen (worin ich mittlerweile, nach drei Wochen ‘On the Centroamerican Road’ schon wieder große Routine habe) - dann langer Fußmarsch zum City-Busbahnhof (kurzer Break am auf halber Strecke gelegenen Parque Concordia: zwei Fotos ...

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... eine Flöppe & ... einmal tief Durchschnaufen!).
Von hier aus nehme ich den nächsten Bus zum Terminal de Autobuses Internacional.

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Meine letzten Quetzal (bis auf einen ‘Erinnerungs-Vogel’!) konvertiere ich in Zigaretten & Erdnüsse - schließlich brauche ich Reiseproviant für die etwa fünf Stunden dauernde Busfahrt ...
Pünktlich um Halb Zwölf Uhr mittags geht es los & ...
... ich habe WIRKLICH (wie versprochen!) den besten Platz im Bus: vorne rechts - unmittelbar neben der Eingangstüre - mit grenzenloser Beinfreiheit! Am Sitzplatz liegt es also nicht, wenn mir während der Fahrt der Durchblick fehlt.
Zunächst braust unser Bus über einen breiten, komfortablen Highway in Richtung Süden. Rückschauend ergeben sich spektakuläre Ausblicke ...
- auf die endlos wirkende Hochebene (1.500 Meter über N.N., falls ich das noch nicht erwähnte ...!?),
- & die sie vollkommen, bis an die ‘platten Füße’ der angrenzenden Berge hin ausfüllende ‘Me(ga/tro)pole’.
Allerdings habe ich mich nach den in Asien nur mäßig erfolgreichen Versuchen entschlossen, kein kostbares Filmmaterial durch Shots aus dem fahrenden Bus heraus zu vergeuden. Also: MERKEN ... !
Unmerklich verschwinden die Berge (schließlich) & bis zum entfernten Horizont erstreckt sich eine spiegelglatte Ebene, die (großflächig) landwirtschaftlich genutzt wird. Hier, in dieser Agrar-Region, ‘stechen’ (im wahrsten Sinne des Wortes) zwei Dinge besonders ins Auge:
- zum einen die weite Verbreitung von Hiebwaffen - jeder, selbst der jüngste männliche Landbewohner Guatemalas, hat immer & überall seine teils ziemlich martialisch aussehende Machete dabei (& je schöner das durchweg reich-verzierte, am Gürtel getragene Etui, desto höher ist die soziale Stellung des Trägers in der Dorfgemeinschaft)
- & zum anderen der monokulturelle Anbau der Ananasfrucht (Plantagen ‘bis das Auge bricht’), entlang der Straße reiht sich ein Obst-Verkaufsstand an den nächsten & alle bieten ausschließlich ‘Pinas’ feil).
Nachdem wir etwa 100 Kilometer zurückgelegt haben, begibt sich unser Bus auf eine extreme ‘Kraxel-Tour’. Nach weiteren zwanzig Kilometern (& dem Durchkurven von etwa einer Fantastillarde Serpentinen) erreichen wir den Bergkamm ...
... & spähen schließlich in ein tief unter uns sich befindendes Flußtal:
Das Valle Nuevo (so lautet auch der Name der guatemaltekischen Grenzstadt), das die Grenze zu El Salvador markiert.
‘Aduanes y Migracion’ ... nehmen (auf jeder Seite) mal gerade soviel Zeit in Anspruch, daß ich je eine Zigarette rauchen & 20 US-Dollar in Colon wechseln kann. Hm - wobei mir allerdings ein ‘petite Faux-Pas’ unterläuft:
Zunächst handle ich zwar den bedauernswerten (weil chancenlosen!) Schwarzmarkt-Banker KNALLHART auf den offiziellen Kurs hoch (ein ‘Dolare Americano’ bringt 8,70 Colon!) - anschließend gebe ich mich allerdings (kleiner Rechenfehler im zwar großen, aber scheint’s leeren Kopf!) mit NUR 170 Colon für meine 20 Bucks zufrieden ...
‘Tja - Svenja! DICH hätte das bestimmt gefreut, oder? SO GUT bin ich anscheinend doch nicht beim Kopfrechnen! Aber bei ‘Quersummen’ (& ‘Toastbrot-Schnellessen’, äh ... Würg!) schlägt mich so schnell niemand - stimmt’s Hans ... ?’
Mit Überschreiten der Grenze zu El Salvador herrscht eine brüllende Bullenhitze & zehn Minuten ohne Fahrtwind reichen aus, mein Hemd in einen übelriechenden, feuchten Lappen zu verwandeln. Hm - San Salvador liegt 600 Meter über NN & die durchschnittlichen Tages-Temperaturen dort schwanken zwischen 30 Grad Celsius (im Winter) und 34 Grad Celsius (im Sommer) ...
... die dicken Wollhemden kann ich wohl bis zum Erreichen des Chimborazo in Ecuador ganz, ganz tief unten in meinem ‘Mochila’ vergraben!
Auf salvadorianischer Seite steigt ein junger Mann zu, dessen beide Beine kurz unterhalb der Hüften in zwei kurzen Stümpfen enden. Er robbt sich (ohne fremde Hilfe ... die er wahrscheinlich auch nicht annehmen würde) mittels geschicktem & kraftvollem Oberarm-Einsatz über die steilen Stufen hinauf ins Businnere.
Mich überfällt spontanes Mitleid ...
... für das ich mich allerdings SOFORT schäme, nachdem ich bemerke wie selbstverständlich (freundlich & dabei respektvoll) der Busfahrer & seine beiden Begleiter mit dem ‘Krüppel’ umgehen (der seinerseits unablässig & fröhlich mit allen Anwesenden plaudert). Wahrscheinlich stellt er deshalb ein Stück ‘normalster Normalität in El Salvador nach dem Bürgerkrieg’ dar ...
... weil er’s ist (!) & keineswegs ein Einzelschicksal trägt.
Als wir die erste salvadorianische Ortschaft erreichen wird deutlich, daß es momentan in El Salvador nur ein Thema gibt - und zwar:
Die bevorstehenden Parlamentswahlen am 16. März!
Die seit den ersten ‘freien’ Wahlen im März 1994 regierende rechts-nationale, Großgrundbesitzer- & Armee-freundlich ‘ARENA’-Partei (die ‘Alianza Republica Nacional’) nutzt ihren Regierungsbonus, oder besser: die ihr zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel schamlos aus!
Ganz El Salvador erstrahlt in den ARENA-’Vereinsfarben’:
jeder Strommast, jede Mauer am Straßenrand, ja sogar ein (wahrscheinlich zufällig) am Straßenrand geparkter Bulldozer sind mit einem Blau-Weiß-Rot-quergestreiften Anstrich überzogen ...
... & der Gipfel allen denkbaren Frevels: Selbst die Torpfosten eines Fußballstadions sind nicht sicher vor dieser Spezialbehandlung!
Man versuche sich nur einmal vorzustellen:
Rau & Vesper beschließen, die Torpfosten im Dortmunder Westfalenstadion ‘Rot-Grün’ anzustreichen!?
Na - da würden ‘die Stahlkocher im Pott aber kochen’ ...
... & das Experiment ‘Rot-Grün’ wäre in Nordrhein-Westfalen auf Jahrzehnte hinaus nicht mehr wiederbelebbar!
Und außerdem: Sagt nicht der IOC-Präsident (& Vorsitzende des renommierten ‘Clubs Ü80’) Juan Antonio Samaranch ständig & bei jeder unpassenden Gelegenheit, ‘man müsse Sport & Politik trennen’?
Apropos ‘Samaranch’: Heute berichtete die ‘Prensa’, daß neben Athen, Rom & Stockholm auch Buenos Aires in der engeren Wahl für ‘Olympia 2004’ ist ...
... & ganz Lateinamerika jubelt!
Ganz im Gegensatz zu den unterlegenen ‘Türken-Ärschen’ (Hahaha!).
‘Hm, vielleicht hättet ihr DOCH (statt Istanbul) Diyarbakir als Austragungsort nominieren ... & die Bewerbungsunterlagen in Kurdisch abfassen sollen !?’
Übrigens: Als fünfter Konkurrent in der Endausscheidung wird eine Stadt mit Namen ‘Ciudad del Cabo’ sehr hoch gehandelt & ...
... es dauert einige Zeit bis auch ICH dahinterkomme, daß es sich hierbei um Kapstadt handeln muß (ich Dummerle, ich!).
Zurück zur Landespolitik: Das ‘gemeine Volk’ in Centroamerica geht davon aus, daß man die regierende Partei wiederzuwählen hat ( ... warum auch immer?). Diesen gottgegebenen & durch keinerlei Leistung errungenen Bonus versuchen einige Oppositionsparteien zu durchbrechen, indem sie gleichermaßen großflächig wie simpel plakatieren: ‘Vota Differente!’
Die ‘FMLN’, die ‘Frente Marti Liberacion Nacional’ (benannt nach Augustin Farabundo Marti: nicht der kubanische Nationalheld, sondern ein salvadorianischer Campesino, der 1932 einen Aufstand anführte, dessen letztliches Scheitern 30.000 Bauern das Leben kostete ... ebenso wie Marti, der nach seiner Festnahme vor einem Erschießungskommando der Armee landete) tritt zur bevorstehenden Wahl erstmalig als ‘geschlossene Partei’ an.
Bei den ersten Parlamentswahlen vor drei Jahren zerfiel die linke Bürgerkriegs-Allianz in ihre fünf Splitter-Gruppierungen. Naja - das altbekannte Muster: kaum ist der gemeinsame & einende Feind überwunden, treten die (vorübergehend hintan gestellten) Differenzen ‘in der Linken’ wieder virulent zutage ...
... & wer sind die Nutznießer?
Natürlich die ‘alten (rechten) Herren’ ...
... siehe Wahlsieg der ARENA-Partei im März 1994.
Ich überlege, ob ich den Wahlausgang hier in El Salvador abwarten soll: in den nächsten Tagen ist auf den Straßen bestimmt einiges los (so oder so) ...
Die kleineren Orte am Highway spiegeln (abgesehen von den ‘blau-weiß-roten’ Schmierereien) ein eher farblos-beschauliches Leben wieder:
freilaufende Kühe auf den Straßen (Ick jloob ick binn in Indijen ...?) - unglaublich HÄSSLICH aussehende Truthähne (oder sind wir etwa gerade an einer Spiegelwand vorbeigerauscht?) - schließlich der von seinen Ausmaßen an einen Flohzirkus erinnernde ‘Circus Emperador’ (mit Minizelt & augenbeleidigend knatschbunten Plastikstühlen ... aber einem ECHTEN Lama sowie ‘Acrobatas: Conocido y Celebre en Todo el Mundo!’).
Der Straßenbelag wird mit jedem zurückgelegten Kilometer besser. Schließlich klettert unser Bus über den letzten, uns von San Salvador trennenden Hügel. Die Vororte & Stadtteile, die wir zunächst durchfahren, machen einen äußerst gepflegten & sauberen Eindruck (was sich übrigens erst im engeren Stadt-Zentrum, der ‘Ciudad Viejo’ ändern wird).
Ich steige am ‘Terminal Puerto’ aus, dem Überland-Busbahnhof (drei Kilometer westlich des Stadtkerns). Von hier aus marschiere ich (immer Richtung Osten) durch das zunehmend menschen-wimmelnder sich gebärdende Straßen-Chaos. In meinem Reiseführer wird zwar von den Hotels der Altstadt abgeraten (‘For Safety-Reasons!’) ... ist aber ja nur für eine Nacht - also:
Anyway ...
Nach der zweiten ‘Grotten’-Besichtigung, checke ich spontan EIN (naja - etwas Günstigeres werde ich hier vermutlich eh nicht mehr finden):
Das Zimmer ist zwar klein & ziemlich teuer (knapp 9 US-$). Im Preis ist aber ‘Mucho Accompanamiento’ eingeschlossen (äh ... mit durchweg mehr als zwei Beinen!). Auspacken & Duschen.
Als ich einen kurzen Spaziergang durch die nähere Umgebung starte, hat sich die Sonne gerade verabschiedet (für heute!): erster Eindruck vom labyrinthischen, endlosen, engen & dunklen ’Mercado Central’ - sowie eher flüchtiger Blick auf die geschichtsträchtige ‘Catedral Metropolitana’ (an der ‘Plaza Barrios’), in der Bischof Oscar Romero (nach dem ‘erfolgreichen’ Attentat im Jahre 1980) seine finale Ruhestätte fand.

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Seit dem verheerenden Erdbeben des Jahres 1986 wird die Kathedrale renoviert. Aber es scheint heute unsicherer denn je, ob & wenn ja, wann das Gotteshaus seine Pforten wieder für die Öffentlichkeit öffnen wird.
Naja - El Salvador ist ein armes Land & die Staatskasse ist leer ...
... behauptet jedenfalls die vom ‘großen Bruder im Norden’ so großzügig unterstützte ARENA-Regierung.
Ich beschließe meinen ersten San-Salvador-Abend in einer einfachen Bar: nackter, kalter Raum mit Linoleumplattenboden & simplem Camping-Mobiliar, aber einer (wenn auch ziemlich schlechten, so doch) ‘Live’-Band ...
... die authentische lateinamerikanische ‘Musica Romantica’ sowie ‘etwas eigenwillige’ (um es vorsichtig auszudrücken!) Interpretationen von Siebziger-Jahre-’Yanki’-Songs zum Besten gibt.
Fürs leibliche Wohl ist bestens gesorgt: ich gönne mir zwei große ‘Pilsener’ (die bekannteste salvadorianische Biersorte) & eine ‘Sopa de Pollo’ ...
... die sich als Hühnerbrühe in Espresso-Tasse erweist. Hm - mit einem fast rohen Hühner-Lungenflügel als Einlage (quasi: ‘Fortune-Cookie’), den ich mir jedoch NICHT einverleibe!
Das Publikum ist sehr gemischt ... & die individuellen Gründe für den Bar-Besuch scheinen mit dem jeweiligen Lebensalter zu korrelieren:
- zum einen viele junge ‘Bier-Kampftrinker’, die ihren Job SEHR ERNST nehmen (Gott-sei-Dank keine offen-getragenen Schußwaffen!),
- weiterhin eine Reihe sehr guter (eher ‘mittel-alter’) Tanzpaare (naja, wenigstens tanzen sie eindeutig besser als die Band ‘musiziert’).
Trotzdem: ‘Je ne renegriens ... !’ (oder so).
Allerdings provoziert die Riesenportion Hühnersuppe letztlich meinen (doch unterschwellig vorhandenen) Hunger ...
... & auf dem Rückweg ins Hotel, muß ich ‘schnell noch etwas erledigen’:
Nämlich ein ‘richtiges Pollo’! (... con ‘Papas y Ensalada’ sowie ‘Pan y Cerveza’).
Gegen Halb Neun Uhr betrete ich meinen ‘very basic Hotel-Room’ - stelle den Fan auf ‘Pronto’ - & gehe für den Rest des Abends meinen üblichen ... äh ... Bettaktivitäten nach:
Rauchen - Lesen - Spanisch ‘büffeln’ (okay, ich übertreibe! Aber - wie heißt es so schön: ‘Früher Vogel fängt ...’ Nein - ich glaube, das war was Anderes ...?).
Ich schlafe heute Abend mit einem ungewöhnlich guten Gefühl ein. Die Menschen in El Salvador scheinen mir ausgesprochen freundlich ...
... & der Grund hierfür scheint nicht das Wittern eines Geschäfts zu sein, denn (der zweite Grund für mein gutes Gefühl!): seit Überschreiten der Grenze bin ich weit & breit DER EINZIGE Touri!
Und SO kann’s bleiben ...
... für meine Spanisch-Fortschritte kann das nur von Vorteil sein!
Licht aus & ...
... ‘Roncar!’ (sprich: Schnarch!) ...

... Heute ist SCHON WIEDER ein Reisetag! Es ist Samstag, am Wochenende sind die Botschaften geschlossen & so treibt’s mich erstmal in den Osten des Landes:
‘Auf den Spuren der Guerilla!’ ...
... die dort ihre bevorzugten Operationsgebiete & bei der dortigen Bevölkerung den größten Rückhalt hatte.
Anfang nächster Woche werde ich dann nach San Salvador zurückreisen (zwecks Visa & Sightseeing) - allerdings auch notgedrungen ...
... da ich plane über den nordwestlichen Grenzübergang (in der Nähe des ‘Nebelwaldes von Montecristo’) nach Honduras einzureisen.
Trotzdem kurzer Schnupper-Walk über die ‘Plazas de la Libertad ... y Barrios’:
viel Atmo ... allerdings nur wenige Fotos (u.a. von einem ‘Laienprediger’, der auf der ‘Plaza’ seiner nur spärlich vorhandenen ‘Jüngerschaft’ DIE BOTSCHAFT verkündet).

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Ausgiebiges, aber kurzes Frühstück (Schling!):
Ich will früh los!
Ich suche & finde (schließlich doch noch) eine Bank, die am frühen Samstag Morgen geöffnet hat & beobachte (etwas beunruhigt) den Schalterraum ...
... nicht aus Angst vor einem Banküberfall:
Aber der Sicherheitsdienst gestattet mir nicht, meinen Foto-Rucksack mit ins Gebäude zu nehmen & sie (die schwerbewaffneten Aufpasser) plazieren ihn (den Rucksack mit Papieren, Schecks & Bargeld) auf einen Tisch unmittelbar neben der Eingangstüre (Schwitz!) ...
Nach einer halben Stunde (ich wechsle 100 Cash-$ in salvadorianische Colon: Ich muß meinen Bargeldbestand etwas reduzieren!) ist es vollbracht ...
... & ich spute zurück zum Hotel:
Packen - Aus-Checken - langer Fußmarsch zum ‘Terminal Oriente’ (‘oriente’ bedeutet natürlich östlich!).
Der Busbahnhof ist ‘Very Busy’. Ich gönne mir erstmal eine Cola in einem kleinen Cafeteria-Stand & beobachte die Szenerie. Ich bin mir NOCH nicht sicher, wo’s hingehen soll:
- entweder nach San Miguel (im Osten des Landes: gutes Basislager für einen Tagestrip nach Perquin, der ehemaligen ‘FMLN’-Hochburg in den nordöstlichen Bergen!),
- oder doch ein bis zwei Fahrtstunden weiter & in einen der kleinen Pazifikorte (La Union, El Tamarindo oder El Cuco: die Verlockung ist schon SEHR groß, schließlich hatte ich bislang noch keinen einzigen Tropfen Meerwasser auf meinem gebräunten Körper ...).
Eine Tagestour vom Pazifik nach Perquin bedeutet allerdings vier bis fünf Stunden An- & Abfahrt (jeweils!) ... & somit bliebe nicht allzuviel Zeit, mich in der Stadt umzuschauen (außerdem: ‘Beachen’ steht auf meinem Honduras-Programm).
Also! ...
... löse ich schließlich DOCH ein Ticket nach San Miguel (‘sin Mar’).
Während der 140-Kilometer-Busfahrt unterhalte ich mich mit meinem Sitznachbarn (einem jungen Salvadorianer, der seinen in San Miguel lebenden Vater besuchen will). Er spricht ziemlich gut Englisch & auf meine Frage, wie er die Sprache gelernt hat, erhalte ich die mich einigermaßen überraschende Antwort:
‘Just Listening to Music!’
Wir reden vornehmlich über Reisen (er war vor drei Monaten in Frankreich & der Schweiz: hm, er scheint nicht unbedingt zu den ‘Ärmsten der Armen des Landes’ zu gehören) - zwischendurch weist er mich regelmäßig (mit großer Geste) auf besonders beeindruckende landschaftliche Schönheiten hin.
Nach etwa der Hälfte der Strecke (vornehmlich ebenes Flachland mit einigen, wenigen spektakuären Bergen am fernen Horizont: gute, teils vierspurige, glatt-asphaltierte Landstraße) erreichen wir das tiefe Tal des Rio Lempa.
Über den Fluß führen zwei jeweils einspurige, behelfsmäßig aussehende ‘Pontoon’-Brücken. In deren Sichtweite zeigen sich die Überreste einer alten Steinbrücke:
Am nördlichen wie auch am südlichen Flußufer befinden sich jeweils zwei Brückenpfeiler - die über die Pfeiler führenden Fahrbahnen enden abrupt in etwa fünfzig Metern Höhe.
Die Brücke wurde während des Bürgerkrieges gesprengt (ob von der Armee oder den FMLN-Guerillas, daran kann sich heute niemand mehr erinnern!). Nördlich der Brücke wurde der Fluß zu einem großen Trinkwasser-Reservoir (dem ‘Embalse Gefron Grande’) aufgestaut, dessen Oberfläche zur Hälfte unter Seerosen & sonstigen Wasserpflanzen verschwindet.
Dann geht’s SEHR schnell:
Die Straße wird zum Highway, unser Busfahrer ‘drückt mächtig auf die Tube’ & schon bald erscheint der ‘Volcano San Miguel’ in unserem Blickfeld. Der in Nahua (der nur noch in wenigen Bergdörfern gesprochenen, regionalen Indio-Sprache) ‘Chaparrastique’ genannte Vulkan ist 2.130 Meter hoch, noch aktiv & ...
... schwenkt als weit sichtbares ‘Lebenszeichen’ eine gelbe (Schwefel-) Rauchfahne durch den heute azurblauen Bilderbuch-Himmel.
Wir umfahren den Vulkan in einem großen Bogen und erreichen gegen Halb Ein Uhr die brütend heiße, wie ausgedörrt wirkende (übrigens: auch die Menschen!) Stadt ein. In San Miguel herrschen nochmal 5 bis 10 Grad höhere Temperaturen als im schon unerträglich heißen San Salvador ...
... & die Zimmersuche erfordert mithin erhöhte Aufmerksamkeit:
Die Frage nach ‘Agua Caliente’ erübrigt sich & ist durch ‘Quiero Una Habitacion Con Fan?’ zu ersetzen ?!
Ich checke drei Hotels im Stadtzentrum (San Miguel ist mit etwa 200.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt El Salvadors) & entscheide mich für das mittlere Zimmer- & Preisniveau: Ein großes & sauberes Zimmer ‘Con Ducha Privado y Fan’ für 40 Colon (also knapp viereinhalb Dollar: doppelt so gut, dabei aber nur halb so teuer wie meine San-Salvador-’Gruft’!).
Auspacken & anschließend Duschen (währenddessen VIEL ZU KLEINE Cola in VIEL ZU LANGEN Zügen - was heißt ‘Zügen’? In einem! ... RÜLPS !!!).
So - DER Tag wäre damit auch wieder rum (& erzählt) ...
Nein: KUWATSCH!
Kurzer Einschub:
Während ich diesen Eintrag verfasse (am Folge-Morgen & beim Frühstück), dröhnt aus den Lautsprechern des Garten-Restaurants genau DIE ART MUSIK, die exakt zu den brennend-heißen Außentemperaturen & der trägen, (blei-) schwerfälligen Atmosphäre paßt. Schnulzige Mariachi-Bands bilden einen kongenialen musikalischen Background für triefend-schmalzige, männliche Gesangsstimmen:
MUSICA ROMANTICA ...
... wie mir der Kellner sichtlich stolz erklärt.
Darauf gibt’s (eigentlich) nur eine Antwort:
‘Una Cerveza, por Favor!’
Apropos ‘Cerveza’: Während ich meinen Flüssigkeitsbedarf bislang mit Kaffee deckte, haut sich die um mich herum versammelte männliche Bevölkerung San Miguels knallhart eine Cerveza nach der anderen ‘in den Kopf’, wobei die leeren Flaschen bis zur finalen Bezahlung IMMER auf dem jeweiligen Tisch zu verbleiben haben.
Hm - entweder sind die Kellner Analphabeten oder sie leiden durchweg an ‘fortgeschrittenem Alsheimer’ ...
... oder aber der (teils bedenklich!) ‘geneigte Biertrinker’ hat schlicht den aktuellen Stand seines Konsums gerne vor Augen ... !
Ende Einschub!
Ich unternehme einen kleinen Orientierungsspaziergang durch die (schattigeren Partien der) Stadt: ‘Plaza Mayor’ & ‘Catedral’ - die Hauptattraktionen.
Naja - wie halt in jeder mittelamerikanischen Stadt.
Von der ‘Plaza Mayor’ nehme ich einen Bus nach ‘Altos de la Cueva’:
dem zwei Kilometer nördlich von San Miguel errichteten ‘Turi-Centro’ (einer Mixtur aus Natur-Schwimmbad & Erholungspark, ergänzt um Cabanas & ein schattiges Open-Air-Cafe). DIES ...
... ist der ideale Ort, die heute Morgen versäumte Tagebuch-Session nachzuholen (was ich denn auch in den beiden nächsten Stunden - bei Kaffee & Cola - mache).
Zwischendurch feixe ich mit einem ‘anhänglich-aufdringlichen salvadorianischen Bengel’ herum & übe mich mit dessen Vater in ‘Conversacion Espanol MUY Simple’.
Vorsorglich habe ich zwar ‘meine Badehose eingepackt’ ...
... beschränke mich aber heute (letztlich denn doch) auf meinen ‘Writers-Job’.
Ich bin ja schließlich nicht zum Vergnügen hier!
MEINE große Badestunde kommt noch! Schließlich komme ich aus Deutschland ...
... & ... äh - heute ist? Na ...?
Richtig: Samstag!
Während des langen Fußmarschs zurück in die Stadt gelingen mir ein paar schöne Atmo-Shots: von einfachen Häusern - dem über allem thronenden akkuraten Kegel des Stadt-Vulkans - & der untergehenden Sonne.

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Den finalen Sonnenuntergang genieße ich in einem gemütlichen Open-Air-Restaurant mit Biergarten-Ambiente (sprich: rustikalem Holzmobiliar):
‘Pollo Frito y Dos Cervezas MUY Grande’.
Im Laufe des Abends gibt’s am Nebentisch jedoch noch lautstarken Stunk:
- Biergläser fliegen (& zerdeppern) auf den (dem) gefliesten Keramikplatten-Boden,
- im nächsten Moment greift einer der Streithähne (der ‘graduell’ Nüchternere!) einem Mitstreiter blitzschnell an dessen Gürtel & ...
... entwendet diesem ‘irgend etwas Blinkendes’!
Ob es eine Pistole war oder doch NUR ein Messer, kann ich in der Kürze der Zeit nicht erkennen ...
... auf jeden Fall scheint diese Präventivmaßnahme mehr als begründet, denn ALLE leiden (mehr als augenscheinlich!) unter einem erheblichen Überschuß an ‘brachial-grobmotorischer’ Energie & der Fight ist noch lange nicht vorüber (wenn er auch in der Folgezeit NUR NOCH mit verbalen Mitteln ausgetragen wird).
Wie singt ‘F.J.D.’ so treffend:
Zahlen - Raus - & Weiterzieh’n - irgendwohin flieh’n! ...
... und zwar in mein Hotel. Ich versuche, in meinem Zimmer Muße fürs Lesen zu finden, aber es ist (trotz Fan!) einfach ZUUU HEISS! Daher ...
... beschließe ich (später), meinen Brutkasten nochmal zu verlassen:
Während des Spaziergangs durch die stockfinsteren Straßen stolpere ich fast über einen Penner, der auf dem Bürgersteig kauert & dessen Mundpartie aussieht, als hätte er sie gerade großflächig mit Zahnpasta eingecremt ...
... obwohl ich natürlich weiß, daß es KEINE Zahncreme ist (obwohl: hm, so genau will ich eigentlich gar nicht wissen, an welcher Krankheit der Mann leidet ...).
‘Burger King’ & ‘Pollo Campero’ (die lateinamerikanische ‘Ketten’-Variante von ‘KFC’) sind die noch einzig geöffneten Restaurants. Sämtliche ‘LP-Recommendations’ sind entweder schon versperrt oder existieren nicht mehr:
Also hocke ich mich nochmal in den schon getesteten & mittlerweile wieder (un-) gefährlich ruhigen Biergarten ...
... auf ‘Dos Cervezas Moreno’ (sprich: blond!) & einige Kapitel ‘Carlos Fuentes’.
Kurz vor Zehn Uhr (That’s the Time, when they Close the Hotel-Entrance) begebe ich mich für heute final zurück in mein Hotelzimmer. Lange ‘Leccion Espanol’ & (eher kurze) ‘Fuentes’-Lesung.
Ich habe NATÜRLICH Einschlaf-Probleme (auch wegen einiger, ins Zimmer mit hineingeschlüpfter Moskitos): Stundenweiser ‘Etappen-Schlaf’ auf einer sehr harten Matratze - einige ‘In-Between-Cigarettes’ - sowie das brennende Verlangen nach einem nichtvorhandenen Kaltgetränk !?
Hm - schließlich ...
... geht auch DIESE Horror-Nacht irgendwie (keine Ahnung, wie!) vorüber:
‘I HAVE to get Used to this UNBEARABLE HEAT! ...
Somehow!’ ...

... Am Morgen ist es (Hallelujah!) etwas kühler:
Zwar ist die Luft weiterhin ziemlich aufgeheizt (& alles andere als frisch), im Vergleich zu gestern Abend ist es jedoch fast angenehm.
Ganz im Gegensatz zum geräuschvollen Treiben, das schon um Halb Sieben Uhr unmittelbar vor meinem Hotelzimmer stattfindet & keinen Gedanken an Schlaf mehr zuläßt:
- die komplette Einwohnerschaft San Miguels hat sich in meinem Hof zum ausgelassenen & ‘laut’-starken Frühstück versammelt (Geschirr-Geklapper-klapper-lapper-apper ...),
- mehrere Autos werden gewaschen (SO wie sich DAS anhört, scheint in El Salvador der Hochdruck-Gebläsereiniger zum standardmäßigen Auto-Waschzeug dazu zu gehören & natürlich wird jeder Handgriff von den Männern mit einem derart ohrenbetäubenden Gebrüll kommentiert, daß Fred Fußbroich als ‘Marcel Marceau El Salvadors’ bezeichnet werden müßte ... äh: wäre er hier!),
- die gestrige, GROSSE (& witzige!) Samstagabend-Show wird mit verteilten Rollen nochmal im Detail nachgespielt (die Hälfte der Dialoge geht allerdings im kollektiven Lach-Anfall der Zuhörer unter ...).
Aber EIGENTLICH ist das alles gar nicht so schlimm (‘Hans!’):
Denn ich bin eh seit Sechs Uhr wach - geh’ (erstmal) pissen - besorge mir (anschließend) im Office eine Fanta ...
... & DANN sieht alles ziemlich rosig aus!
Eiskalt Duuuschen - Rauchen - raus aus dem Hotelzimmer (dessen Temperatur trotz des seit gestern Abend pausenlos ackernden Ventilators immer noch wenigstens 10 Grad über der herrschenden Außen-Temperatur liegt) ...
... & rüber in MEINEN Biergarten:
‘Desayuno y Escribir el Diario’! ... in angenehmer, allerdings sich rasend schnell aufheizender Atmosphäre (diesmal allerdings nur temperaturmäßig!).
Um Halb Zehn Uhr habe ich meine ‘Hausarbeit’ erledigt & schlendere zum Bus-Terminal, der (heute, am Sonntag!) gleichzeitig Standort des Marktes ist: das hier herrschende Durcheinander mit chaotisch zu beschreiben, wäre maßlos untertrieben.
Eher zufällig entdecke ich schließlich den richtigen Local-Bus ...
... & nach einer halben Wartestunde kann die Fahrt nach Perquin, dem ehemaligen Hauptquartier der ‘FMLN’-Guerilla (in unwegsamem Gebirgsgelände auf 1.200 Metern ‘Altura’ gelegen), beginnen!
Schon kurz nach Verlassen San Miguels  zeigen sich in nordöstlicher Richtung die ersten, zunächst Hügel-, später Bergzüge. Wir verbleiben allerdings südlich der Berge vorerst noch auf San-Miguel-Niveau (etwa 100 Meter über NN) & nehmen lediglich einige ‘fürs Fortkommen im welligen Gelände unvermeidliche, sanfte Ups & Downs’.
Ich sitze auf der Sonnenseite des Busses (heute mal nicht nur im übertragenen Sinn, sondern ‘in-real’) & kann mich fortan entscheiden zwischen:
- ‘Fenster Auf!’ (hm, ‘Animally Driving-Winds’, die nur mit fest geschlossenen Augen zu ertragen sind - dann sieht man allerdings nix von der grandiosen Landschaft!),
- oder ‘Fenster Zu!’ (Gluthitze östliches El Salvador: zwar mit der Möglichkeit die Landschaft zu genießen, jedoch gleichzeitig der an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit über kurz oder lang das Bewußtsein zu verlieren!).
Spontan entscheide ich mich für die erste Variante ...
... & damit (doch) fürs Überleben!
Schon nach einer halben Fahrtstunde gönnt man (?) uns eine nicht eingeplante, einstündige Verschnaufpause:
Riesen-Stau auf der Landstraße ...
... nichts geht mehr ...
... & keiner weiß warum!?
Neugierig wie ich bin, verlasse ich (unter dem Vorwand, eine Zigarette rauchen zu wollen) den Bus & nähere mich dem ‘Eye of the Hurricane’.
Meine Diagnose läßt keinen Zweifel zu:
Verkehrsunfall!
Zwar wurde niemand verletzt, aber ein Bus & ein Pick-Up stehen ineinander verkeilt mitten auf der engen Landstraße. Schnell hat sich eine große & lautstark diskutierende Menschenmenge versammelt. Die halbherzigen Versuche, den Pick-Up unter dem rechten Kotflügel des Busses herauszuziehen scheitern ...
... auch, weil die Besitzerin des Pick-Ups immer wieder einschreitet & ihre Angst vor irreparablen Schäden an ihrem Fahrzeug (herzzerreißend!) aus sich heraus schluchzt.
Die Zuschauermenge teilt sich daraufhin in zwei Aktiven-Gruppen, die (in der Folge & jede für sich) eine der beiden naheliegenden (?) ‘salvadorianischen Sofort-Maßnahmen am Unfallort’ wahrnimmt:
Zwischen Bus & einer halbhohen Steinmauer am Straßenrand besteht gerade noch soviel Platz, daß ein GUTER Fahrer seinen PKW am Unfallort vorbeilenken könnte. Die erste Hälfte des Menschenauflaufs verlegt sich aufs Dirigieren & Kommentieren der (durchweg unfähigen!) PKW-Fahrer ...
... beides sehr lautstark & sehr fröhlich (Volksfest-Charakter!).
Die andere Hälfte diskutiert die Gründe, warum sich die beiden Fahrzeuge nicht entwirren lassen KÖNNEN & daher bis in alle Ewigkeiten die Straße blockieren werden MÜSSEN. Sie tun dies übrigens mit strahlenden, glänzenden & unzweideutig erregten Mienen - so a la:
ENDLICH passiert mal was!
Obwohl: EIGENTLICH ...
... passiert überhaupt nichts!

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Meiner (unmaßgeblichen & unausgesprochenen) Meinung nach, wäre das Problem ja ganz einfach zu lösen: Beide Fahrzeuge müßten gleichzeitig & langsam zurücksetzen!
Aber ich werde den Teufel tun & hier (in El Salvador) den ‘Besser-Wessie’ geben ...
Obwohl: ‘welt’-geografisch betrachtet ...
... käme mir ja eher die Rolle des ‘Schlechter-Ossies’ zu!
Egal!
Fakt ist: NIX tut sich NICHT!
Jedenfalls für die Busse & deren Insassen - bis ...
... ja - bis die Bullen kommen:
im alten ‘Manhattan-Süd’-US-Polizeiwagen - die Besatzung vier Mann stark - alle wahnsinnig cool - ihren Auftritt zelebrierend (& sichtlich genießend).
Kurze Lagebesprechung & Situationsanalyse!
Dann übernimmt EIN (in Zahlen: 1!) Polizist den Job, den PKW-Verkehr am Unfallort vorbeizudirigieren. Die anderen (drei!) Polizisten ziehen sich ins Polizeiauto zurück & das wars dann erstmal (trotzdem: fühlbare, knisternd-atemlose Spannung bei den umstehenden Passanten) ...
DANN (nach einer weiteren Viertelstunde) kommt doch noch ein Polizist ...
... & zwar (selbständig!) AUF DIE IDEE:
Vielleicht könnte man ja mal die Straße ... äh ... eventuell, vom Hindernis ... also: die die Straße blockierenden Autos ... ???
Schließlich geht alles blitzschnell: Beide Fahrzeuge setzen vorsichtig ein bis zwei Meter zurück (‘Hm, Besser-Wessie!’) - es rumpelt einmal kurz (& kaum hörbar) - und schon sind die Fahrzeuge entwirrt ...
... & der beteiligte Busfahrer jagt (den Vorwärtsgang einwerfend) mit seinem Bus ohne zum Stillstand gekommen zu sein davon!
Die eben noch gemütlich plauschenden Schaulustigen springen hektisch in ihre Fahrzeuge. In weniger als zwei Minuten hat sich der endlose Verkehrsstau in Wohlgefallen aufgelöst & auch wir setzen unsere Fahrt Richtung Berge fort.
Ich bin natürlich (kaum nötig, es zu erwähnen) der einzige Touri im Bus & werde von den Kleinstkindern ohne Scheu & offen angestarrt (ich Exot, ich!).
Beim Spiel ‘Wer kann länger?’ (in dem ich mir mittlerweile GROSSE Fertigkeiten antrainiert habe) öffnen sich ihre angespannten Gesichtszüge aber meist sehr schnell & ich erhalte durchweg ein freudiges Lächeln & glänzende Augen ...
... als verdiente Siegprämie.
Die ‘mittelalte salvadorianische Generation’ wirkt dagegen eher zurückhaltend & verschlossen (‘con Caras Piedra’) ...
... während die älteren Leute eine un-GLAUB-liche Gelassenheit & Souveränität ausstrahlen: Sie scheinen alles erlebt & alles gesehen zu haben & müssen niemandem mehr etwas beweisen!
Hm - eine ältere Frau, die während der Fahrt nach Perquin zwei Busreihen vor mir sitzt, vermittelt mir EXAKT DIESEN Eindruck ...
... & wenn ich durch meine kaum geöffneten Augen blinzle, vermeine ich (für Bruchteile von Sekunden) ihre voll ausgeprägte, farbige Aura sehen zu können!
Die raren Ortschaften (in denen seit Ende des Bürgerkrieges Neuansiedlungen durchgeführt werden) besitzen am Ortseingang jeweils eine riesige Schautafel, auf der die geografischen & (neuesten) sozio-demografischen Daten präsentiert werden.
Mit jedem in Richtung Perquin zurückgelegten Kilometer wird deutlicher, daß die Guerilla in diesem Teil des Landes einen großen Einfluß ausübte & deren politischer Arm (die FMLN) hier immer noch Oberwasser gegenüber der Regierungspartei ARENA besitzt: Laternenmasten, Häuserwände & herumliegende Felsbrocken sind mit einem dunkelroten ‘FMLN’-Farbanstrich versehen!
UND falls die ‘ARENA-Anstreicher’ den ‘Roten’ doch einmal zuvorgekommen sind, dann wird nicht einfach ‘drüber-gepinselt’ - NEIN! ...
... sondern (farbsparend!) in das rote Segment des ‘blau-weiß-roten’ ARENA-Emblems kurzerhand ‘FMLN’ hineingeschrieben!
Tja - soviel zum Thema: ‘Die ROTEN können nicht mit Geld umgehen!’
Ich frage mich, ob es Zufall ist, daß gerade JETZT (kurz vor den anstehenden Parlamentswahlen) die einzelnen Ministerien ihre in den letzten drei Jahren erbrachten Leistungen mittels riesiger Plakatwände hemmungslos lobpreisen ...?
... & ob diese (augenscheinliche!) ARENA-Wahlwerbung mit Parteigeldern oder aus Finanztöpfen der Ministerien (& damit Steuergeldern) finanziert wird ... ?
Okay - El Salvador ist eine noch SEHR JUNGE Demokratie!
Die ARENA-Partei (bzw. die Leute, die ‘hinter ihr stehen / stecken’: nämlich das Kapital & die Armee) scheinen allerdings schon SEHR GEÜBT im ‘Ausüben & Mißbrauchen von Macht’ (äh ... ‘westlicher Prägung’).
Zunehmend werden wir von Pick-Ups & LKWs überholt, die berganwärts fahren & über ihre jeweilige Ladekapazität hinaus mit FMLN-Anhängern vollgepackt sind, die rote Fahnen schwenken sowie (eindeutig stolz!) rote T-Shirts & Stirnbänder tragen.
Wie es scheint, findet dort oben (in Perquin?) heute noch eine größere FMLN-Wahlkundgebung statt.
Ein vermutlich sehr einsamer ‘Partida-Democrazia’-Sympathisant setzt kurz vorm Ortseingangsschild Perquin ein eher mitleiderregendes Zeichen: Trotz des blutroten FMLN-Surroundings hat er den (Über-?)Mut ...
... eine blau-weiße ‘PD’-Fahne an den höchsten Bananenbaum seines Gartens zu hängen! ‘Der traut sich was!’
Naja - Gott-sei-Dank ist der Bürgerkrieg vorbei ...
... ansonsten müßte man um die körperliche Unversehrtheit dieses Einzel-Idioten ernsthaft besorgt sein!
Die Stadt Perquin selbst ist dann eher enttäuschend:
- ein kleiner, verschlafen bis langweilig wirkender Ort,
- das Revolutionsmuseum suche ich vergebens (hier sollen die Überreste eines von der Guerilla abgeschossenen Armee-Hubschraubers ausgestellt sein, in dem der für ein im Nachbardorf begangenes Massaker verantwortliche General saß),
- nichts, aber auch rein GAR NICHTS deutet auf die heroische Guerilla-Geschichte des Ortes hin!
Stattdessen:
- drei Locals, die auf den Bus nach San Miguel warten,
- ein einsamer Food-Stall-Besitzer, dem ich (aus Mitleid) ein paar Kekse & ein Eis abkaufe,
- sowie das übliche (& wie üblich: unorganisiert) durchs Dorf streunende Sortiment ‘Federvieh & Zottelkläffer’ ...
THAT’S IT ... !?
Durch den Verkehrsunfall hat unser Bus mehr als eine Stunde Verspätung & mir bleibt nur eine knappe Stunde, bis der letzte Bus des Tages nach San Miguel zurückfährt. In dem Moment jedoch, da ich diesen besteige ...
... kommen die ersten FMLN-Anhänger (hupend, fahnen-schwenkend & Sprechchöre skandierend) in Perquin an. Und während der Rückfahrt sehe ich noch eine Menge ‘rote Fahrzeuge’ den Hügel anwärts klettern:
SHIT!
Dieses Mal bin ich nicht zu spät, sondern zu früh gekommen ...
... & werde trotzdem gnadenlos vom Leben bestraft, indem ich den (falschen?) Perquin-Eindruck eines ‘verschlafenen, langweiligen Nestes’ mit zurück in die Ebene nehmen muß ...
Die Busfahrt (‘downhill’) ist dann eher beschaulich. Die ‘Spannung ist raus’ & ich erfreue mich an der Beobachtung unspektakulärer Alltäglichkeiten in dieser spektakulären (& revolutionären) Bergregion:
- einem am Rand einer kleinen Ortschaft stehenden, wehrlosen Baum, der zum Bersten mit den Mitgliedern einer Geier-Großfamilie angefüllt ist (daß DER unter DEM Gewicht nicht zusammenbricht ...?),
- einer Schar junger, rosa-braun-gesprenkelter Ferkel, die (Rüsselansatz voran!) einen monumentalen Berg aus aufgeschichteten Kokosnuss-Hälften durchwühlen,
- an den erstmalig seit Oaxaca wieder gesichteten (‘Mescal’-) Agaven, deren ananasfrucht-förmige Stämme (& Saftspender) allerdings deutlich kleiner sind als die ihrer mexikanischen Brüder & Schwestern.
Pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit erreichen wir San Miguel:
‘Eine Busfahrt die macht durstig & die macht auch Appe-tiiet ...!’
Aber ich diszipliniere mich, gönne mir NUR EIN Bier, ein Eis sowie eine frische ‘Takeaway’-Ananas (vom Markt).

LA0232-SanMiguelAtmoPlazaLibertad

Duschen - Ananas entbeinen & einverleiben - Lesen!
Nach Acht Uhr statte ich meinem Biergarten noch einen kurzen (naja, zumindest ‘kurz’ intendierten) Besuch ab ...
... aber mein dortiger Aufenthalt erstreckt sich (ungeplant) bis weit in die salvadorianische Nacht hinein!
Denn nach ‘Pollo Frito’ & zwei großen Pilsener spricht der etwa 30-jährige Besitzer der Kneipe seinen neuen Stammkunden an:
Er & ‘seine Boys’ würden gerne einmal eine meiner KOMISCH aussehenden Zigaretten probieren. Tja - im Moment dreh’ ich gerade mal wieder ...
(Nein, Ulla! ‘Komisch’ bezieht sich nicht auf die Form meiner ‘Rolls’, sondern auf die Tatsache, daß selbstgedrehte Zigaretten in El Salvador kaum bekannt sind & daher IMMER komisch ... äh ... sind).
Aus diesem ‘Opener’ entwickelt sich ein laaanges Gespräch ...
... das wir übrigens in Englisch führen. Er hat ein paar Jahre in New York gelebt & spricht weit besser Englisch ... hm ... als ich Spanisch (äh, ... ja!):
Wir reden über Europa & Centroamerica - natürlich auch über Reisen - er erzählt mir von seinen italienisch-jüdischen Vorfahren & seiner nachvollziehbaren Aversion gegen Deutschland (nicht jedoch gegen die deutsche Bevölkerung, wie er mehrfach betont).
Wir streiten über Umweltschutz, wobei er die Position seiner Regierung verinnerlicht hat & wiederholt (sprich: in zehn Jahren werden alle Umweltprobleme technisch gelöst sein) ...
... ich dagegen auf der einfachen Formel beharre:
‘Müllvermeidung ist besser & auch billiger als die Entwicklung & der Einsatz auch-noch-so ausgefeilter Umwelttechnologien.’
Auslöser dieser Diskussion war übrigens meine Feststellung, daß ich nicht verstehen kann, warum in Mittelamerika jeder Bus-Passagier seinen Müll einfach zum Fenster hinauswirft !?
Beim Thema ‘soziale Gerechtigkeit’ wiegelt er ab & behauptet, daß es bei weitem nicht mehr so kraß wäre wie noch vor zwanzig Jahren, als sich der gesamte Besitz an Grund & Boden in El Salvador auf nur 14 Familien verteilte ...
... heute würden es schon mehr als 200 Familien sein, die das Land unter sich aufteilen!
‘Na also - es tut sich doch was! DENN ...
... unter Berücksichtigung der Prognosen über das Bevölkerungswachstum UND bei Annahme eines linear sich weiterentwickelnden medizinischen Fortschritts SOWIE einer den letzten zwanzig Jahren vergleichbaren Umverteilungspolitik (& -Geschwindigkeit!) des Staates ‘Von Oben Nch Unten’ WIRD ...
... also BEREITS IM JAHRE 16.408 (A.D.) !!! ...
... eine gleichmäßige Eigentums-Verteilung auf ALLE Einwohner El Salvadors erreicht werden können!
Hm - was ich natürlich NICHT EXAKT mit DIESEM WORTLAUT einwende ...
Naja ...
... wie immer, wenn man alleine unterwegs ist:
Eigentlich ist (fast) JEDES Gespräch ganz nett ...
‘Back (Alone) in my Hotel-Room’ ... teste ich dann ‘die ULTIMATIVE El-Salvador-Dröhnung’ - DEN ‘Local Flash’ für die besonderen Gelegenheiten (& die gibt’s in El Salvador zu genüge ... glaubt man den Umsatzzahlen des größten inländischen Schnaps-Fabrikanten): TIK-TACK!
Laut gut unterrichteten, wenn auch meist im verborgenen (also anonym) agierenden Profi-Trinkern, geschmacksmäßig eine eigenwillige Mischung aus Vodka & Rum ...
... ‘in Real’ handelt es sich um ein in San Salvador aus Zuckerrohr-Destillat verschnittenes ‘typisch mittelamerikanisches FEUERWASSER’ !!!
Ich trinke das Gebräu (im Mischungsverhältnis 1:1) NUR als Cola-Longdrink ...
... & spüre trotzdem AUGENBLICKLICH ‘was an der Waffel’.
Die Einheimischen hingegen nehmen den ‘Bretterknaller’ ... entweder PUR ... oder aber ‘leicht mit Kokosnuß-Wasser benetzt’!
‘INCREIBLE!’ ...
Naja - auf alle Fälle habe ich HEUTE keinerlei Einschlafprobleme ...
... & breche mein gerade begonnenes Kapitel ‘Christoph Ungeborn’ ...
... schließlich ziemlich ...
... AB-RU ...

... Wie immer früh wach & raus!
Die über Nacht ausgetrocknete Kehle befeuchte ich mit einer Cola (an der Hotel-Rezeption im Stehen) & schlendere dann zum ‘Breakfast-as-Usual’.
Kurzer Plausch mit meinem ‘neuen Freund’ (dem jungen Restaurant-Besitzer) - anschließend drehe ich eine ‘Now-it’s-Time-to-say-Goodbye’-Foto-Runde durch San Miguel. Dann zurück ins Hotel:
Packen - Aus-Checken - um Zehn Uhr stehe ich am Busbahnhof - & bereits zehn Minuten später befinde ich mich in einem ‘Autobus Leche’ ...
... der auch für am Straßenrand deponierte Milchkannen hält (also: wenigstens im übertragenen Sinn!).
Dieser ist etwa halb so teuer wie der Direktbus nach San Salvador, legt aber erheblich mehr Zwischenstops ein.
Aber - was soll’s: Ich habe Zeit & genieße die abwechslungsreiche Vulkan-, Gebirgs- & Tal-Landschaft ...
... am Samstag habe ich (vor lauter ‘Quatschen’ - ich Plaudertasche, ich!) kaum etwas von der ‘sich entlang der Strecke erstreckenden Umgebung’ mitbekommen.
Am Stausee des Rio Lempa schieße ich (doch) die Samstag noch verweigerten Shots aus dem fahrenden Autobus (A Ver ...). Ansonsten ereignen sich während der zweistündigen Busfahrt keinerlei besondere Vorkommnisse (wie: ... äh, Autounfälle oder ähnliches).
Um Halb Ein Uhr lassen wir die letzten Vororte San Salvadors hinter uns und fahren in den ‘Terminal Oriente’ ein. Nahtlos erwische ich einen Stadtbus zum ‘Terminal Occidente’ (am gegenüberliegenden Ende der Stadt), in dessen Nähe ich mir ein Hotel suchen will. Ich halte dies (noch) für eine gute Idee ...
... weil ein strategisch günstiges Basiscamp (da ich vorhabe mindestens einen Tagesausflug in den Westen El Salvadors zu unternehmen).
BISHER ... ist heute alles (schon fast erschreckend!) glatt gelaufen. Ich vertraue auf das Anhalten meiner Glückssträhne & begebe mich auf die Suche nach den drei im ‘Lonely Planet Highly Recommended Hotels’ dieses Stadtteils:
- das ‘Occidente’ versteckt sich vor mir (bzw. scheint zwischenzeitlich implodiert!),
- die beiden anderen Hotels (‘Pasadena’ & ‘Roma’ ... Hört sich gut an, oder?) sind die mit Abstand heruntergekommendsten ‘Grotten’, die ich während des gesamten bisherigen Trips zu Gesicht bekommen habe.
Aber damit nicht genug:
Die Umgebung ist (ob des nahen Bus-Terminals) äußerst laut ...
... & die Abstellkammern sind zudem VERDAMMT TEUER!
Die Sonne knallt erbarmungslos (& senkrecht) auf mich hernieder:
Mir ist HEISS!
Ich schwitze wie ein Schwein & ... denke (vermutlich) ähnlich!
I NEED A BREAK! ...
... vorher treffe ich keine Entscheidung!
Ich hocke mich (völlig fertig & einer Ohnmacht nahe) in einen einfachen ‘Comedor’, bestelle ‘Menu 2’ (‘whatever that is!?’) & stürze einen ganzen Liter eiskalten Orangensaft in mich (& durch meine entferntesten Kapillargefäße) hinein.
Anschließend ... fühle ich mich zwar körperlich geschwächt, geistig aber wenigstens wieder soweit hergestellt, daß ich im Brustton der Überzeugung laut vor mich hin sage / sagen kann:
‘NO, NO, NO! I WON’T Stay in this goddam’ fuckin’ Area!’
Also ...
... ich springe (soweit das angesichts meiner körperlichen Verfassung überhaupt möglich ist) in den nächsten Bus Richtung Zentrum & steige an der ‘Plaza Barrios’ aus:

LA0251-SanSalvadorParqueCuscutlan

Von dort aus nehme ich den bekannten Weg:
zwei Blocks Richtung Osten - dann links rein - & DA LIEGT ES ...
... MEIN Hotel ‘Nuevo Panamericano’.
Surprise: Am Freitag mußte ich noch den höheren Wochenend-Preis zahlen. Heute dagegen kostet das gleiche Zimmer nur noch 60 Colon! Also - zu GUTER Letzt (letztlich doch!) ein nicht mehr erwartetes Happy-End ...
Nach den letzten beiden, extrem schlafarmen Nächten in der Gluthitze El-Salvador-Orientes, fordert mein Körper (nun!) rücksichtslos sein Recht:
Hundemüde gönne ich mir zwei Stunden ‘Surface-Sleep’.
Um Fünf Uhr am Nachmittag komme ich (relativ frisch zwar, aber doch nur langsam) wieder zu Bewußtsein. Ich lege ‘duftige Frischwäsche’ an & ...
... starte zu einem laaangen ‘Late-Afternoon-/Early-Evening-Walk’ in die nord-westlichen Stadtteile San Salvadors.
Übrigens: Die Hauptstadt El Salvadors ist (trotz ihrer NUR 600.000 Einwohner) flächenmäßig enorm groß. Neben der Altstadt existieren vier bis fünf weitere ‘far-off-Colonias’, in denen nachts das gleichnamige Leben pulsiert!
Ich folge der breiten ‘Calle Ruben Dario’ Richtung Westen ...
... vorbei an den am frühen Abend sehr lebhaften ‘Plazas de la Libertad y Barrios’ & durch den undurchschaubar-labyrinthischen, in die Seitenstraßen wie ein Krebsgeschwür hineinwuchernden ‘Mercado-en-Aire’, in dem nun wirklich ALLES feilgeboten wird (vielleicht mit Ausnahme ‘atombetriebener U-Boote mit einer Größe von mehr als 5.000 Bruttoregistertonnen’ ...).
Am ‘Parque Bolivar’ biege ich Richtung Norden ab - schieße an der ‘Basilica del Sagrado Corazon’ zwei atmosphärische Sonnenuntergangs-Fotos (mit Kirche & Verkehrschaos ... also durchaus ‘realen Normalitäten All-Over-Centroamerica’) - folge der ‘Calle Arce’ zentrumauswärts - & erlebe hier (völlig unerwartet!) an der ‘Universidad Tecnologica’ DAS ABSOLUTE TAGES-HIGHLIGHT:
Hunderte nett (bis VERDAMMT GUT!) aussehende weibliche StudentInnen bevölkern die Straße vor dem Campus & ...
... lassen meine (augenblicklich ‘sabber-feuchten’) Mundwinkel sich deutlich (& nochmals AU-GEN-BLICK-LICH!) Richtung oberem Ohrenende bewegen.
Äh ... ja!
In der Folge ...
... präsentiert sich die Straße lebloser - die Häuser wirken einfach bis ärmlich:
Ich durchkreuze das Niemandsland zwischen ‘el Ciudad Viejo’ und der luxuriösen ‘Colonia Centro America’. Die Hüttensiedlungen rechts & links der breiten Durchgangsstraße werden zu Slums (‘Schneller bitte, Fahrer & kurbeln Sie das Fenster hoch!’). Die Abwasser-Kanalisation tritt offen & deutlich ans sich verabschiedende Tageslicht ...
... & kündet auch (& vor allem) olfaktorisch von ihrer viel-zu-nahen Existenz.
Während der folgenden beiden Kilometer ändert sich an diesem deprimierenden Eindruck nichts. Dann tauchen die ersten Villen in gepflegten, bewachten (durch bewaffnete Uniformierte!) & aufwendig technisch-gesicherten (durch Stacheldraht & Alarmanlagen!) Siedlungen auf.
Während ich die ‘Calle Gabriela Mistral’ entlang schreite, hält sich mein ‘WÜRG’-Gefühl NOCH in Grenzen. Als diese dann aber in den ‘Boulevard de los Heroes’ mündet, kommentiert mein Magen dies geräuschvoll & unmißverständlich:
Zwar hat sich mittlerweile stockfinstere Nacht über San Salvador gelegt (der Mond ist heute eine ‘laubsägeblatt’-dünne Sichel, die kaum mehr wahrzunehmen ist). Der Boulevard allerdings ist vermittels riesiger Neon-Leuchtreklamen in unwirklich-gleißendes ‘LasVegas’-Kunstlicht getaucht.
Verzweifelt suche ich nach einer Perspektive, die neben den weltweit operierenden ‘Gringo-Companies’ (Coca-Cola, McDonalds & BurgerKing, um nur die Bekanntesten zu nennen ...) auch ein typisch salvadorianisches Motiv ins Bild setzen würde ...
... aber ich finde NICHTS (nicht mal einen ‘blau-weiß-rot-quergestreiften ARENA-Geldautomaten’!).
Und ... so könnten die in der Folge geschossenen Nacht-Stativ-Leuchtreklame-Aufnahmen auch in jeder x-beliebigen Stadt der sogenannten ‘Ersten Welt’ entstanden sein ...

LA0235-SanSalvadorBoulevardDeLosHeroes

In südwestlicher Richtung dem Boulevard folgend, befinde ich mich plötzlich (& ohne jegliche Absicht meinerseits) in der gigantomanischen ‘Metrocentro Shopping Mall’:
mehrere Springbrunnen - eine hohe, blitzsaubere Glaskuppel - in alle erdenklichen Richtungen führende Rolltreppen - DIES ALLES auf acht Ebenen sich ergießend & über die Grundfläche einer (mindestens!) deutschen Kleinstadt sich erstreckend.
Das Publikum ist mehrheitlich elegant gekleidet. Man spricht Englisch! ...
... & in diesem Ghetto sehe ich erstmalig seit Erreichen El Salvadors auch wieder ‘ein paar Weiße’. Das Erreichen des südlichen Center-Ausgangs nimmt eine (un-)gute Viertelstunde in Anspruch ...
... NIX WIE WEG!
Nach Verlassen dieser ‘Virtual Reality’ fühle ich mich augenblicklich wieder besser: Allerdings nervt (nun) das ständige Taxi-Gehupe!
Mittlerweile ist es stockfinstere Nacht, der (bekannte) laaange Streifen ‘Nowhere Land’ trennt mich vom Stadt-Zentrum & es scheint so, daß die hiesige Taxifahrer-Gilde einfach nicht glauben kann, ... daß ICH ...
... mitten in der Nacht ...
... unbewaffnet (& OHNE Militär-Eskorte) ...
... alleine ... UND ZU FUSS ...
Im Moment ist mir SO ZIEMLICH ALLES egal!
Ich begebe mich zielstrebig (& mit kräftigem Vorwärtsdrall) auf den ‘Heimweg’ & ...
... alles bestens (‘Nada Problema’):
Eine halbe Stunde später laufe ich (unter dem anerkennenden Applaus einer - zugegeben: fiktiven - ‘Local Crowd’) an der ‘Plaza Barrios’ ein ...
... (und zwar) nicht nur LEBEND, auch UNVERLETZT!
Diesen gelungenen Tagesabschluß muß ich unbedingt noch kulinarisch feiern:
‘Un Cuarto Pollo Frito, por Favor!’
Anschließend kaufe ich einer steinalten Straßenverkäuferin (zu überhöhten Preisen, aber: was soll’s? ‘Support your Local Dealer!’) zwei Schachteln ‘Delta’ ab - DIE salvadorianische Filter-Zigarette (zu 1 US-$ die Packung).
Erster Test des ‘neuen Krauts’ (durch den ‘alten Kraut’) auf der ‘Plaza Barrios’.
Währenddessen ...
... enthusiasmiert ein Laienprediger vor dem Nationalpalast seine etwa fünfzig-köpfige Zuhörerschaft:
Letztlich stehen ALLE (alle ... bis auf einen!) mit in den Nachthimmel gereckten Händen um den ‘Überbringer der wahren & einzigen Wahrheit’ herum & stoßen (in den unterschiedlichsten Tonhöhen) unkontrollierte ‘Hallelujahs!’ aus ...
... obwohl: auch ICH in meinen Armen ein leichtes Zucken ... (im letzten Moment aber kann ich mich ‘doch noch gerade so beherrschen ...’).
Im Hotelzimmer ausgiebiger ‘Fuentes’-Konsum ...
... allerdings immer wieder unterbrochen vom ähnlich ausgiebigen Konsum paffiger ‘Deltas’ & knalligem ‘Tic-Tack’.
Letzterer übrigens (gefühlt!) wie durch einen dünnen, oboen-mundstück-ähnlichen Strohhalm ... äh ... genossen.
(KEINE AHNUNG, was ich damit sagen will!).
Um eine für meine Reise-Gewohnheiten SEHR SPÄTE Uhrzeit (nämlich WEIT NACH Mitternacht) puste ich dann:
TIC-TACK! ...
... das Licht aus ...

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