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Samstag (der ‘Raben-Schwarze’), 18. November:
... CIENFUEGOS
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Schon kurz nach Sonnenaufgang bin ich (relativ fit!) wach & ... ... AUF. In Ruhe: Duschen, Packen & Frühstücken! Um Halb Acht Uhr befinde ich mich (irreversibel: ‘Adios Jagua, Mi Corazon!’) in der Spur. Da ich heute Morgen wenig Lust verspüre, die gesamte Strecke bis zum Busbahnhof zu latschen, lade ich mich (gönnerhaft) zu einer, wie auch immer angetriebenen ‘Coche’ ein. Aber NATÜRLICH kreuzt so früh am Morgen (zu touri-nacht-schlafener Zeit) weder ein Taxi, noch eine Pferdekutsche meinen schleppenden Weg. Bis zum stadtseitigen Ende der Uferpromenade tragen mich meine Füße: dort angekommen pflanze ich mich (gut sichtbar) unter den ersten Arkadenbogen der kolonialen Häuserzeile & harre (konzentriert rauchend) ‘der da HOFFENTLICH kommenden Dinge’ !? Nach zwei (filterlosen & bis an die Fingerkuppen heruntergerauchten) Zigaretten kündet unzweideutiges Hufschlag-Stakkato von einer nahenden Pferdedroschke. Ich handle den steinalten ‘Ben Hur A La Cubano’ von seiner Eröffnungs-Forderung (ein US-Dollar! ... sprich: die kleinste, vermeintlich nicht mehr teilbare, quasi atomistische Währungseinheit in der hiesigen Tourismusbranche) auf zwar immer noch überteuerte, für eine Touri-Fuhre aber ohne Gesichtsverlust tolerable zehn kubanische Pesos herunter & ... ... ab geht die Pferde-Post! Die ‘Teenie-Co-Cochita’ auf dem ‘Bei-Bock’ vertreibt sich (& mir) die Zeit, indem sie mich systematisch & nicht eben zurückhaltend AUSQUETSCHT. Weiß der Teufel, warum (wirklich?) ... ... aber auch SIE scheint sich SEHR für mich zu interessieren !? Okay - nach nunmehr gut dreiwöchigem Kuba-Aufenthalt würde ich lügen, behauptete ich, daß mich dies wirklich noch überrascht! Als wir wenig später am Bahnhof eintraben, erwartet mich jedoch die wirkliche Überraschung des heutigen Vormittags: Die aller-letzte, finale Gewißheit bringende Bestätigung der grenzenlosen & beiderseitigen Aversion zwischen der übermächtigen Stadt Cienfuegos & mir (falls es einer solchen überhaupt noch bedurft hätte ...). Der Bahnhofsvorsteher erklärt mir, daß der heutige ‘10-Uhr-30-Früh-Zug’ (& zwar: ersatzlos) gestrichen wurde! Hm - vermutlich erklärt er mir auch den Grund für die Fahrplanänderung (jedenfalls bin ich gewillt, dies zu seinen Gunsten anzunehmen). MIR aber ... ... bleibt diese, in seinem un-GLAUB-lichen spanisch-kubanischen (Kauderwelsch-) Dialekt versteckte Begründung wohl auf EWIG vorenthalten. Die einzige (halbwegs gesicherte) Information, die ich noch in Erfahrung bringen kann, ist ... ... der NÄCHSTE Zug nach Havanna wird heute Nacht um Halb Zwölf Uhr vom Bahnhofsgelände rollen. SHIT !!! Um DIES zu erfahren, mußte ich mich nun heute Morgen um Sechs Uhr aus dem Bett quälen! Aber ‘El Jefe de la Estación’ hat ein geduldiges Lächeln & eine letzte Information für mich: Ich soll’s doch mal am Busbahnhof versuchen! Dort empfängt mich jedoch kein geduldiges Lächeln mehr ... ... Nein! Ich bin entschieden DIE LACHNUMMER der gesamten, einen großen Kreis um mich bildenden Bahnhofs-Belegschaft: denn nicht nur alle am heutigen Tag die Stadt verlassenden ‘Guauas’ sind voll - auch an den beiden Folgetagen ist alles ausgebucht & man bietet mir (zwischen unverhohlenen Prustern & Glucksern) FRÜHESTENS & EVENTUELL für den ‘Dienstag-Abend-Bus’ ein Ticket an ... ... was allerdings diverse Umdisponier-Aktivitäten & ‘Five Dollar Cash in Advance’ erfordern WÜRDE ... DOUBLE-SHIT !!! Erstmalig seit meiner Ankunft in Havanna (vor nunmehr drei Wochen) bin ich RICHTIG SAUER! Ich habe keinerlei Lust, den ganzen Tag in Fuckin’ Cienfuegos zu vertrödeln & fasse (unzurechnungsfähig wie ich bin!) einen gleichermaßen einsamen wie folgenschweren Entschluß: ALSO ... ... ich marschiere zu ‘Havanautos’ (schräg gegenüber vom ‘Hotel Jagua’ - sprich: NOCHMAL meine ‘mittlerweile ... äh ... lieb gewonnene’ Fünf-Kilometer-Rennstrecke die Meerespromenade entlang), lasse mich (gern!) vom zuständigen Niederlassungs-Leiter bequatschen & ... ... MIETE EIN AUTO! ICH !!! Hm - zwar ist so kurzfristig nur ein größeres Modell (für 80 Dollar Tagesmiete) verfügbar - mir aber ist mittlerweile alles egal: Ich will nur noch WEG aus dieser SCHEISS-STADT! Nach zwei hastig DURCH (meinen Kopf) GEZOGENEN Zigaretten (vor dem Vermietungsbüro), entscheide ich mich schließlich für den ‘Wochenend-Super-Sonder-Spar-Tarif’: drei komplette Miet-Tage für NUR 150 Dollar (natürlich zuzüglich Benzinkosten)! Im Handumdrehen habe ich mich mit der neuen Situation angefreundet & sehe durch die plötzliche Änderung meiner Planungen augenblicklich nur noch Vorteile für die Fortführung meiner mit öffentlichen Verkehrsmitteln sich so schwierig gestaltende Insel-Erkundung. Ich nehme mir vor ... ... während der drei folgenden Tage die ‘Schweinebucht’ (die geschichtsträchtige ‘Bahia de Cochinos’ nahe der Playa Giron), die Stadt Pinar del Rio (DAS Tabakzentrum im Nordwesten der Insel) sowie die einsameren, mit dem Bus nicht erreichbaren Strände an der Nordküste Kubas anzusteuern ... ... UND mir unter Zuhilfenahme der neugewonnenen (Auto-)Mobilität ein idyllisches Strand-Domizil in der Nähe Havannas für ‘meine letzten Kuba-Tage’ (vorm Heimflug) zu ‘er-FAHREN’. Und als Krönung dieser ‘Überdosis Selbstbetrug’, beglückwünsche ich mich zu meiner Spontan-Entscheidung & stelle fest, daß ich sowohl freudig als auch ausgesprochen zuversichtlich in die nähere Zukunft blicke! Hm - oder bilde es mir doch wenigstens ein (... Wollie!). Zunächst einmal verfranse ich mich TO-TAL bei dem Versuch, die südwestliche Ausfallstraße von Cienfuegos zur ‘Bay of Pigs’ zu finden. Nach einer einstündigen Irrfahrt durch Gewerbegebiete & Industriebrachen, befinde ich mich (eher zufällig: eine Straßenkarte suche ich im Handschuhfach meiner teuren Blechdroschke natürlich vergebens!) auf der richtigen Asphaltpiste ... & darf ENDLICH (!) (ein von Herzen kommendes) ‘Auf nimmer, nimmer Wiedersehen (!!) - Cienfuegos’ (!!!) in den Rückspiegel ZISCHEN! Die Fahrt führt mich zunächst über eine monotone, spiegelglatte Ebene: rechts & links der Straße breitet sich (soweit das Auge reicht ... & von den Scheiteln der raren, zu überrollenden Geländekuppen aus reicht das Auge SEHR weit!) übermannshoher & undurchdringlich anmutender Zuckerrohr-Busch aus - vor & hinter mir (auf dem euphemistisch ‘Carretera Principal’ genannten, zweispurigen & mit Schlaglöchern übersäten, schmutzig-grauen Asphaltband) quälen sich ‘an das vor-christliche Rom erinnernde’ schwere Ochsenkarren behäbig ihren jeweiligen ‘Fincas Residenciales’ entgegen - abgesehen von diesen bäuerlichen (& nicht erneuerbare Energien schonenden!) Nutzfahrzeugen, gehört die Straße über weite Strecken MIR (ganz allein!) ... ... ‘THANXX, GORBI’! Doch bald schon ändert sich das Landschaftsbild dramatisch. Übergangslos verlasse ich die kultivierte Agrarregion & befinde ich mich (urplötzlich) in einem, bis zu den beiden entfernten Horizonten reichenden, grün-bräunlich-glänzenden Sumpfgebiet: der ‘Cienaga Oriental de Zapata’ ... die vor noch gar nicht allzulanger Zeit Heimat für tausende, wild & frei lebende Krokodile war. Heute führen nur noch wenige, einzelgängerische Exemplare dieser Panzerechsen ein verstecktes Dasein in den Mangrovenwäldern des unzugänglichen, weiter westlich in die Karibische See hineinragenden Nationalparks ‘Peninsula de Zapata’ ... ... der übrigens eine knappe Handvoll Farmen beherbergt, in denen (zum Wohle & Gewinn der weltweiten Handtaschen-Industrie) exquisite ‘Ganzkörperlederhosenträger’ gezüchtet werden! Nach weiteren 40 (öden) Pistenkilometern durch ‘Tierra de Cana’ ...
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... steuere ich exakt auf das in der Mittagssonne grell-gleißende Karibische Meer zu. Die einsame Überland-Straße mündet letztlich in eine breite (jedoch nicht minder verkehrsarme) Küstenstraße ein ... & augenblicklich haucht mir eine, mich sanft umschmeichelnde ‘geschichts-schwangere (Mantel-) Brise’ entgegen: Unerwartet UN-spektakulär, breitet sich vor mir die Playa Giron aus ... ... der als ‘Schweinebucht’ in die Welt-Annalen eingegangene, und als Stachel noch heute im US-amerikanischen (Schweine-) Fleisch steckende Schauplatz des zweit-größten Triumphes der kubanischen Revolutionäre über den ‘Capitalismo Yanki’ ... ... der Ort der heroischen Niederschlagung einer vom CIA geplanten & mit US-amerikanischer Luftwaffenunterstützung (Dank der Skrupel des frisch ins neue Amt gewählten Präsidenten J.F.K. allerdings nur halbherzig gewährt) ausgeführten Exil-Kubaner-Invasion im April 1961 ... ... & ob der offensichtlichen, nicht nur militär-technologischen Unterlegenheit Kubas gegenüber seinen ‘zu allem bereiten Feinden im kapitalistischen Westen’ in logischer Konsequenz auch die Geburtsstätte des kurz darauf proklamierten ‘sozialistischen kubanischen Staates’ ... der sich aufgrund seiner exponierten Lage, unmittelbar vor der Haustüre der USA, großzügigster Unterstützung durch seine neuen, wahl-verwandten Brüder im Kreml sicher sein durfte! Tja - wie bereits einleitend erwähnt: unerwartet UN-spektakulär! Am revolutionären Sandstrand hat zwischenzeitlich eine gigantische Ferienanlage Platz gegriffen. Einzig das einige hundert Meter landeinwärts (bewußt abseits ...?) platzierte ‘Bay of Pigs Invasion Museum’ erinnert noch an die glorreiche Sternstunde dieses Küstenstrichs.
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Schon von weitem strahlt mir ein Schild entgegen, welches mir (‘Rot auf Weiß’: da fühlt man sich als Kölner doch sofort heimisch) den Zugang zum Museum verwehrt: ‘Sabado Cerrado’! So muß ich mich mit ein paar Fotos von, vor dem Museum ausgestelltem Kriegsgerät begnügen: ein (siegreiches!) kubanisches Kampfflugzeug sowie diverse Wrackteile von abgeschossenem (& erbeutetem!) Gefechtsmaterial der ‘ins Karibische Meer zurück geworfenen Invasionstruppen’. Ich gönne mir im Restaurant des Hotelkomplexes einen leichten Lunch-Snack. Das ‘lustige’ Dessert bildet eine, mir beim Verlassen der Anlage ins Auge geradezu springen MÜSSENDE riesige Plakatwand, auf der (in grellsten Leuchtsignal-Farben), die USA verhöhnende, revolutionär-kämpferische Comic-Sprüche ... KLOPFEN! ‘Muy Humoristico - Sincero, Senor Yanki’!
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Wieder mit ‘meinem Blechkameraden’ vereint ... ... folgen WIR der ‘Bahia de Cochinos’, vorbei an idyllisch in strandnahe Pinienhaine situierten ‘Cabana’-Parks (nur für Einheimische!) zum nächsten Sight-Seeing-Highlight: dem ‘Guama Heritage Village’ ... ... einem (inmitten dschungelartiges Sumpfgelände gepflanzten) authentischen Nachbaus eines alten Indianerdorfes. Die extrem touristische Anlage überschreitet allerdings ganz entschieden die Grenze zum Kitsch - gestattet (mir) keinerlei Vorstellung von den Lebensumständen der Insel-Urbevölkerung & ... ist (mir) daher nicht ein einziges Foto wert! ‘Golpe la Carretera, Jaquino’! Übrigens: Zwischenzeitlich ist der Tachometer meiner Luxuskarosse ausgefallen. Hm - und da sich am angeschlossenen Kilometerstands-Anzeiger in der Folge auch keine Veränderung mehr ablesen läßt, verliere ich (Kinn ... im ‘Schumi-Rausch’, ich!) die allerletzten Hemmungen. DENN ... ... laut Mietvertrag stehen mir 300 Frei-Kilometer für das lange Wochenende zu! Und wie ... wenn nicht ... weil ohne ... wollen denn die ...? Na - also ... JETZT KANN MICH NIEMAND & NICHTS MEHR AUFHALTEN! Äh ... denke ich mir ... so (obwohl: siehe später!). Die erste, kleinere Siedlung am nördlichen Rand der Sumpflandschaft trägt den vielversprechenden Namen AUSTRALIA ... ... & zwischen den, die Straße unpassierbar machenden, weil chaotisch (& auto-verachtend!) einherhüpfenden kuriosen Beutelwesen ... ... sowie unter den tieffliegenden, nicht nur bananenförmig aussehenden, sondern auch surrend ebensolche Flugkurven beschreibenden kuriosen Wurfgeschossen hindurch ... ... folge ich einer in Neon-Buchstaben geschriebenen, irgendwie kurios wirkenden ‘Fosters-Beer’-Leuchtreklame zum nächsten kuriosen ... NEIN: QUATSCH! Ohne einen Zwischenstop (‘Down Under’) einzulegen, brause ich weiter Richtung Norden! An einer unübersichtlichen Straßenkreuzung frage ich einen augenscheinlich gelangweilt herumstehenden, etwa 15-jährigen ‘Halbstarken’ nach der Straße Richtung Perico. Er erklärt mir (während sich seine Hand schon im Griff der hinteren Autotüre befindet), ‘da muß ich auch hin’ ... ... steigt (zunächst) wortlos zu & quatscht mich dann (nachdem wir wieder Fahrt aufgenommen haben) SYSTEMATISCH VOLL! Nachdem eine Viertelstunde später das Ortsausgangsschild von Perico langsam aus dem Sichtfeld meines Innenspiegels verschwindet (er aber keinerlei Anstalten macht aussteigen zu wollen) ... ... frage ich ihn, ‘wo er denn nun eigentlich hin will’? ‘Vedado - Habana’! ... ... ist seine knappe, für meine Begriffe etwas ZU unwirsch geratene Antwort. Hm - obwohl ICH (natürlich) nachvollziehen kann, daß es schon VERDAMMT nervig ist, wenn man von derart neugierigen ‘Sackgänger-Plaudertaschen’ (äh ... wie mir!) permanent gelöchert wird! Also: ... (nachträglich) ’Tschuldigung! Ab dieser, unsere Beziehung klärenden (& dieser, unserer Beziehung eine neue Qualität verleihenden) Schlüssel-Situation ... ... unternimmt er keinen Versuch mehr, sich zu verstellen (warum auch?): Er macht es sich auf dem Rücksitz bequem & tut so, als wäre ich sein Chauffeur! Er erteilt mir (mit einer unüberhörbaren Mischung aus Langeweile & Ungeduld) kurze Anweisungen, nein - Befehle: ‘Derecha’! - ‘Izquierda’! - ‘No, Nooo, STRÄTT’! ... ... wobei er sich (& mir) den MIR eigentlich zustehenden Zusatz ‘Idioto!’ gönnerhaft erspart. Ich überlege kurz, ob ich ihn SOFORT & JETZT rauswerfen soll ... ... gebe mich aber zunächst mit der aus unserem neuen, hierarchischen Verhältnis erwachsenen (& für mich ÄUSSERST angenehmen) positiven Begleiterscheinung zufrieden, daß sein ‘ständiges & mir ERHEBLICH auf die Tränensäcke drückendes GELABER’ unwiderruflich der Vergangenheit angehört. Seine (oder doch meine ...?) Galgenfrist beträgt noch eine knappe halbe Stunde! DANN ... ... in Cardenas (nach meiner Inseldurchquerung die erste Stadt an der nördlichen Karibik-Küste), erkläre ich ihm, daß unser gemeinsamer Samstagnachmittag-Ausflug für ihn GENAU HIER endet! Er schaut mich zwar ungläubig an, kapiert aber schließlich doch, daß ich es ernst meine. Obwohl: SO SCHNELL gibt sich ein ‘Muchacho Muy Fresco - en Viaje a La Capital’ (natürlich) NICHT geschlagen! Unter dem Vorwand, mitten im Stadtzentrum habe er keine Chance, einen ‘Lift’ nach Havanna zu erwischen ... ... WEIST ER MICH AN, ihn zur westlichen Stadt-Ausfahrt zu kutschieren! Naja - ich will nicht ‘den arroganten Touri-Arsch geben’ ... ... & tu’ ihm den (letzten?) Gefallen. ABER ... ... nach einer weiteren fünfzehnminütigen Irrgarten-Tour (mit unzähligen & extrem widersprüchlichen ‘Rechts!-Links!-Rechts!-Geradeaus!’-Schleifen) habe SELBST ICH (Idioten-Schaf, ich!) die Schnauze endgültig & gestrichen VOLL: Ich bitte ihn höflich, aber keinen Zweifel an meiner Entschlossenheit zulassend, HIER & JETZT auszusteigen! Und - oh Wunder: Er folgt tatsächlich meiner Bitte! Äh ... ... nicht jedoch, ohne seinen ‘Amigo Nuevo (y Viejo) Aleman’ um einen Freundschafts-Dollar für eine Cola anzuschnorren. Hm - ob SOLCH entwaffnender Dreistigkeit bleibt mir nur, ihn kopfschüttelnd & STUMM anzulächeln ... Nach einem eher flüchtigen (& doch hinreichenden) Blick in, auf & über das Hafengelände Cardenas’ (ödes & extrem verschmutztes Industrie-Müllhalden-Terrain: vor der Küste kann ich mit bloßem Auge eine Öl-Plattform ausmachen ... was die Attraktivität des sich mir bietenden Meerblickes jedoch auch nicht zu steigern vermag) schlendere ich Richtung Stadtzentrum: Mit jedem zurückgelegten Meter nimmt das Gedränge der einheimischen Spaziergänger stetig zu ... ... & erreicht bei meinem Eintreffen an der ‘Plaza Central’ schließlich den ‘Maximalwert absoluter Sättigung’ (also ... äh: Fußgänger-Volumen pro NICHT mehr verfügbares Luft-Fassungsvermögen). Anyway ... Eine kurzweilige Stunde ‘verlustige’ ich mich bei der, auf der ‘Plaza’ gerade TIERISCH ABGEHENDEN ‘Usual-Saturday-Afternoon-Listen-&-Dance-to-the-Street-Music-Party’: Eine zehnköpfige, brodelnde Salsa-Band (mit dominierendem Percussions- & Blech-Instrumentarium sowie authentisch intonierten, mehrstimmigen Vocal-Refrains) heizt einer gut 200 KubanerInnen umfassenden & unübersehbar amüsierwilligen Menschenmenge gewaltig ein. Die Stimmung ist vermeintlich bereits am Höhepunkt angekommen ... ... als der Leadsänger der Combo zu seiner offensichtlichen Glanznummer ansetzt: Einen letzten, von allen Umstehenden mitgegröhlten Salsa-Hit mit einer grandiosen Tanzdarbietung aus reichlich kompliziert-akrobatischen Schrittkombinationen sowie leicht schlüpfrigen (bis eindeutigen!) Körper-’Schlängel-Kreis-Zuck’-Bewegungen garniert ... ... & sein Publikum lautstark auffordert MIT-ZU-MA-CHEN! Die Menge TOBT ... & im nächsten Moment befinde ich mich inmitten eines professionell choreografierten Massen-Latino-Balletts, gegen das sich die Schluß-Sequenz aus ‘A Chorus Line’ wie die müde ‘Ententanz’-Polonaise eines durchschnittlichen mecklenburg-vorpommerischen Altenheims ausnimmt. Nein - ich übertreibe KEINESWEGS! Nachdem sich die Menschenmenge in alle vier Himmelsrichtungen (in denen sich vermutlich je mindestens ein ‘Salsa-Night-Hot-Spot’ befindet) zerstreut hat ... ... suche ich meinen an der Hauptstraße wartenden, treuen ‘Blechfreund’ (auf). Mittlerweile ist es Halb Fünf Uhr. Ich werfe (leicht aufgekratzt) den ersten Gang ins Automatikgetriebe & schwebe gut gelaunt (über karibischen Wolken) ins etwa 30 Kilometer entfernte Varadero ... Äh - warum eigentlich? Tja - DAS frage ich mich anschließend auch! Denn Varadero entpuppt sich (NO Surprise!) WIRKLICH als ... ... die erwartete ‘Ätz-Pauschal-Touri-Vergnügungs-Meile’ ... auf einer 10 Kilometer lang in die Karibische See ragenden & schokoladenseitig mit dem perfekten Feinst-Sand-Strand ausgestatteten Landzunge ... & mit einer an eine endlos-schleifige Perlenschnur erinnernden ‘First-Class-All-Inclusive’-Hotel-Kette (unterschiedlichster Ketten). Ich drehe genau eine ‘Ekel’-Runde (fahre den Strand-Boulevard ‘eemol erop un erav’) & starte dann (ohne Stop!) in Fluchtrichtung Matanzas (etwa 50 Kilometer westlich von Varadero) durch: NIX WIE WEG (VON HIER) !!! Auf dem Weg nach Matanzas verschwindet die Abendsonne langsam: exakt in Fahrtrichtung am Horizont (& ... hinter der vierspurigen ‘Autopista’). Hm - EIGENTLICH eine schöne & friedliche Atmosphäre ... ... aber selbst in diesem idyllischen Motiv, vermeine ich (im nachhinein) schon das erste Saatkorn des sich im folgenden noch abspielenden Horrors entdeckt zu haben. Es ist schon dunkel, als ich Matanzas erreiche - jedoch nicht dunkel genug, um (die Stadt: vor mir) verheimlichen zu können, daß die Industrie-Metropole an der Nordküste der Agrarinsel einem ausgewiesenen Naturfreund wie mir (Jawohl!) nun aber auch wirklich NICHTS Anziehendes bieten kann. Daher beschließe ich, zum ‘Playa del Este’ weiterzufahren & mir dort ein Quartier für die Nacht zu suchen ... ... vorzugsweise eine gemütliche Strandhütte. Der (noch funktionstüchtige) Tankanzeiger meines japanischen Flitzers bedeutet mir, daß diesem, meinem Wunsch aus energieversorgungs-technischer Sicht nichts entgegensteht. Ich bin versucht, ein Loblied auf die Auto-Mobilität zu singen, die mir gestattet, selbst nach Einbruch der Dunkelheit noch PROBLEMLOS ... Aber KAUM, daß ich Matanzas hinter mir gelassen habe ... ... beginnen DIE PROBLEME (& zwar gehäuft): Ein steter Regenguß ergießt sich aus den bedrohlich geschwärzten Wolken (‘stet’ vornehmlich im Bezug auf die Intensität, mit der sich die Wassermassen vom Himmel herabstürzen - nämlich: stetig ZUNEHMEND!) ... & verpasst der von der Sonneneinstrahlung des Tages aufgeheizten Asphaltpiste einen gefährlich(zumindest aussehend)en Feuchtigkeitsfilm. Es ist stockdunkel (weder existiert eine Straßenbeleuchtung, noch ein auch nur er-AHN-barer Strassenbegrenzungsstreifen) & ich muß mich mit angestrengten Augen bemühen, den weiteren Strassenverlauf anhand der im strömenden Regen nur schwach erkennbaren Scheinwerfer anderer (rarer!) Verkehrsteilnehmer zu ‘lesen’. Und zu allem Übel (gerade so, als würden diese erschwerten Bedingungen meine Konzentration nicht schon hinreichend ÜBER-fordern) beginnt mein Mietwagen ... ... äh: diese ‘fehl-konstruierte Tüten-Reis-Schüssel’ ... ... auch noch zu BOCKEN: Ich habe Schwierigkeiten, die hier in der Küstenregion sich mir wieder zahlreicher in den Weg stellenden Hügel hinaufzukommen. Die SCHEISS-Kiste hat keine ‘Power’ & wird (trotz durchgetretenem Gaspedal!) im Berg immer langsamer. Ein paar Mal habe ich die Befürchtung, daß der Motor JETZT komplett abwürgt, nicht wieder anspringt & ich (mitten im Niemandsland) die Nacht im Auto verbringen darf. Eine ‘Zitterpartie der besonders zittrigen Art’ nimmt ihren nicht-enden-wollenden Anfang! Weit & breit ist kein Hotel zu sehen (naja - jedenfalls kein, von der Straße aus sichtbar beleuchtetes). Die unerwartet große Entfernung zur (laut Reiseführer, vermeintlich so nahen) ‘Playa del Este’ läßt meine Benzin-Reserven dramatisch schrumpfen. Irgendwann ertappe ICH (vom Beifahrersitz aus) MICH (auf dem Fahrersitz unruhig herumrutschend) bei dem folgenden, mantrahaft vor UNS (beide!) hin ge-OMTEN Gebet: ‘Liebe, gute, tapfere Samurai-Rikscha! Bitte, BITTE - halt durch ... bis Guanabo’! Und wirklich: ÜBERGLÜCKLICH (also: ich!) das Orts-Eingangsschild des kleinen Küstendorfes passierend ... ... rollt die Karre EXAKT vor einer Tankstelle (mit angeschlossener Autowerkstatt) in den Stand! Dann gibt die Zündung keinen Muckser mehr von sich ... ... nicht einmal mehr ein ‘Klick’ !? Aber - immerhin: ICH BIN NICHT ALLEIN! Ein Mechaniker turnt eine Viertelstunde im offenen Motorraum herum (mit zehn Händen fuchtelnd & wie eine von einem Wolkenbruch beim Zuckerrohr-Ernte-Einsatz überraschte ‘Campesino-Brigade’ fluchend) ... ... bis er schließlich (ich muß zugeben: ich hatte nicht mehr damit gerechnet!) doch noch den Übeltäter findet ... FALLS ich ihn richtig verstanden habe: ‘IRGENDEIN klemmendes Relais’ !? HAL-LE-LU-JAH !!! Ich tanke für 5 Dollar Benzin, gebe meinem Lebensretter 2 Dollar Trinkgeld (obwohl er mit zahnlosem Lächeln & der, auf mich jedoch keinen Eindruck machenden Erklärung, ‘No, Senor! Esta es Servicio!’ abzuwehren versucht), lasse mir die Anfahrt zum nahen ‘Hotel Megano’ (einer Empfehlung Danilos) beschreiben ... ... & mache mich, reichlich verunsichert - weil: der Schrottkarre eigentlich nicht mehr über den Weg trauend (!) ... äh ... auf den Weg! Obwohl: Mein persönlicher Favorit für die in Kürze wieder anstehenden ‘Wahlen des nettesten Automechanikers Kubas sowie angrenzender Karibik-Satelliten’ ... ... hat mich mit allen überlebens-notwendigen Infos versorgt & EIGENTLICH KANN nichts mehr schiefgehen! Die ‘Playa del Este’ ist ein weitläufiges, etwa 20 Küsten-Kilometer einschließendes (& über gepflegte Sandstrände verfügendes) Touristen-Terrain, das (zumal bei stock-finsterer Nacht) recht unübersichtlich ‘daherkommt’: Ein Badeort reiht sich an den nächsten. Jede einzelne Ferienanlage (& ... es soll hier eine ganze Reihe verschiedensten Ansprüchen genügender Hotels & Bungalowparks geben) hat ihre eigene Zufahrtstraße, die (wie erlebt: völlig sensationslos!) von der etwa 5 Kilometer landeinwärts parallel zum Meer verlaufenden ‘Autopista’ abbiegt. Als ich kurz darauf (trotz der exakten Wegbeschreibung des ‘Alten’, letztlich doch PLÖTZLICH) vor der richtigen, von zwei uniformierten Wachleuten gesicherten Toreinfahrt ankomme ... ... erwartet mich dort mal wieder ‘eine dieser Chica-Begegnungen der ganz besonderen Art’: Ich frage einen der ‘Guards’ nach der Hotelanlage ... ... da tritt aus seinem Wachhäuschen ein nettes, junges Mädchen heraus, das mir anbietet mich zum Hotel zu begleiten - ‘Okay ...?’ ‘Okay!’ Wir kurven durch die unbeleuchtete Parkanlage & landen zunächst vorm ‘Hotel Las Marinas’ - aber 70 Dollar für eine Übernachtung ist mir entschieden zu teuer. Sie erklärt mir, daß ein einfacher Bungalow in der Strand-Anlage ‘Megano’ nur 35 Dollar kostet - ‘Okay ...?’ ‘Okay!’ Sie lotst mich über stock-dunkle, labyrinthische Schotterwege unserem (unserem?) Ziel entgegen: Abbiegen signalisiert sie mir, indem sie meinen Oberarm sanft drückt & anschließend (wie zufällig) mit ihren Fingerspitzen meinen Arm bis zur Hand hinabfährt. In jeder Kurve rutscht sie derart (unabsichts-voll?) von ihrem Beifahrer-Sitz ein Stückchen näher an mich heran. AU-WEI-AAAH !? An der Rezeption angekommen, regelt sie die Anmelde-Formalitäten für mich (äh ... für uns?) & nimmt anschließend (mich freundlich anlächelnd) in der plüschigen Sitzgruppe der Lobby Platz ... ... während ein Angestellter des Hotels mich ins Schlepptau nimmt & mir das ‘Cabana’ sowie die Gemeinschaftseinrichtungen zeigt. UND ... ... obwohl sich alles zu meiner vollsten Zufriedenheit erweist (bei Tage soll von der Veranda vor meiner Hütte aus gar das Meer sichtbar sein!) ... ... fühle ich mich etwas unbehaglich: Bereits während des Rundgangs durch die Anlage überlege ich, wie ich dem an der Rezeption wartenden Mädchen möglichst schonend beibringen kann, daß ich zwar sehr dankbar für ihre Hilfe bin, ... darüberhinaus auch froh bin, ihre Bekanntschaft gemacht zu haben (ja, daß ich sie äußerst nett finde) ... naja - äh ... daß ich aber (trotz all dieser Vorbemerkungen!) ... hm ... die Nacht gerne ALLEINE verbringen möchte! Mit dieser (nahezu ausformulierten) Entschuldigungs-Stammel-Rede im Kopf, kehre ich kurze Zeit später zum Hotel-Empfang zurück ... ... aber SIE ist spurlos verschwunden !? Ich marschiere zum Auto, um meinen Rucksack zu holen - erwarte eigentlich, SIE dort wiederzusehen (vermutlich hat sie sich unter den mißbilligenden Blicken der gestrengen, auf revolutionäre Sitte & Anstand bedachten ‘Recepcionista Vieja’ schlicht unwohl gefühlt) ... ... aber SIE ist & bleibt Un-Auf-Find-Bar! JA - ich gebe zu ... ... ein wenig enttäuscht zu sein! Allerdings NUR aus dem einen (einzigen!) Grunde, weil ich mich nicht bei ihr bedanken & von ihr verabschieden kann! TROTZDEM (?) ... ... einigermaßen versöhnlicher Abschluß & (beinahe) Happy End eines ereignisreichen Tages, der mir einen mit gemischten Gefühlen prall gefüllten ‘Emotions-Sack’ (?) bescherte: Vornehmlich während der ‘dritten Tageshälfte’ habe ich mich ein ums andere Mal geärgert (& öffentlich angeklagt!), mein ‘erstes hehres Kuba-Prinzip’ gebrochen zu haben ... ... auch (?), weil damit (quasi: naturgesetzmäßig ??) die Hemmschwelle bezüglich meines ‘zweiten ehernen Kuba-Grundsatzes’ gesunken ist ??? ‘Hm - ich glaube nicht (Wollie!)’ ... Mit zwei eiskalten ‘Hatuey Especial’ hinreichend (äh: ... WO HIN reichend?) BEWAFFNET, ziehe ich mich in meinen Reihenbungalow zurück: Tagebuch (schreiben), Irving (lesen) sowie ... (an der) Matratze (horchen)! ‘Es Todo! Hoy ... ... No Tengo Ganas de Más’!
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Sonntag, 19. November:
... GUANABO (PLAYA DEL ESTE DE LA HABANA)
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Heute werde ich mich wirklich einmal kurz fassen: Ich will nicht mehr als unbedingt nötig in meinen offenen Wunden herumpuhlen - außerdem halte ich mich heute mit Aktivitäten zurück & habe daher schlicht wenig (bis ... NIX) zu sagen ... Tja - GRÖSSTER FRUST-TAG meines gesamten bisherigen KUBA-Trips! Nach meinen gestrig-abendigen (babendererdigen?) Erfahrungen steht mein Entschluß fest. Ich glaube mich sogar zu erinnern, daß ich diesen Entschluß in die gußeiserne Form eines Schwures gegossen & in meine verzweifelten Stoßgebete auf der regennassen, stockdunklen ‘Via Blanca’ (von Matanzas nach Havanna) eingeschlossen habe: NIE - NIE - ÜBERHAUPT NIEMALS NICHT MEHR ... ... LENKE ICH NOCHMAL EIN AUTO !!! Nach einem ausgiebigen & in Ruhe (zu der ich mich allerdings zwingen muß) genossenen Frühstück, bitte ich die mir spontan ihre Hilfe anbietende, nette Frau hinter dem Empfangstresen des ‘Megano’, für mich bei der ‘Havanautos’-Vertretung im Nachbar-Strandbad anzurufen. Nachdem sie eine halbe Stunde vergeblich versucht, unter der angegebenen (nur so genannten) ‘Hotline’ den zuständigen Ansprechpartner ausfindig zu machen, wird ihr schließlich ausgerichtet, daß der zuständige Niederlassungsleiter zwar gerade nicht im Hause ist, daß man aber einen Automechaniker beauftragt habe, meinen Mietwagen zu inspizieren. ‘En Veinta Minutos (mas o menos)’ ... ... wird er vor Ort sein & ich solle ihn am Parkplatz vor dem Hotel erwarten. ALSO ... baue ich mich (gut sichtbar!) neben meinem ungeliebten japanischen Leih-Vehikel auf ... & WARTE! Und SCHON drei Anrufe (& zwei Stunden) später, trifft der Mechaniker ein. Er spricht natürlich ausschließlich Spanisch & so bin ich gezwungen, ihm die Symptome der akuten Erkrankung meines Mietwagens anhand (& ‘anfuß’) einer pantomimischen Privatvorstellung zu vermitteln. Nach zwanzigminütiger Generalinspektion des Motorraumes, hält er mir schließlich (fröhlich lächelnd, weil sichtbar erleichtert, die Ursache des Autoschadens doch noch gefunden zu haben) ein Stahlkabel direkt unter die Nase: Es handelt sich um den Gaszug (oder wie das Ding auch immer heißen mag), der gestern Abend in der hügligen Küstenregion irgendwann gerissen sein muß & folglich mein Gaspedal zur absoluten (weil völlig losgelösten) Untätigkeit verdammte! Er erklärt mir, daß er einen neuen Gaszug aus der Werkstatt besorgen wird ... ... & dann ... SOFORT ... & an Ort & Stelle ... Ich falle ihm ins Wort & erkläre IHM, daß er nichts überstürzen muß - da ich den Wagen eh nicht mehr will & DEN MIETPREIS ZURÜCKVERLANGE! Es dauert einige Zeit, bis er begreift, worauf ich hinaus will. Dann (endlich) fahren wir gemeinsam zur nahen ‘Havanautos’-Vertretung, wo er mich (kopfschüttelnd) seinem Chef überläßt! Diesem versuche ich zwar, mittels eines halbstündigen, flammenden Überzeugungs-Plädoyers meinen Standpunkt klarzumachen (defekter Tachometer - Reparatur der elektrischen Anlage in Guanabo - gerissener Gaszug), der sich letztlich auf einen einfachen Nenner bringen läßt: ICH WILL MEIN GELD ZURÜCK! Aber NATÜRLICH habe ich nicht die Spur einer Chance. Der schmierige Geschäfts-Typ läßt sich auf nichts ein ... & mich eiskalt abblitzen! Das einzige Zugeständnis, zu dem er sich (sichtbar schweren Herzens) durchringt, ist eine Verlängerung der vereinbarten Mietzeit um acht Stunden (!?). Aber mein über Nacht gereifter Entschluß (Nie mehr Auto!) steht felsenfest! ‘Tja, Wollie - & es ist ja (nicht erst seit heute) bekannt, daß bekennendes Autohassertum VERDAMMT TEUER ist’! Hm - nicht erst seit ... ... aber HEUTE ganz besonders! Ich erhalte nicht einmal die Kosten für eine fast volle Tankfüllung rückerstattet, da (wie mir nun erstmalig mitgeteilt wird) für die Rückführung des Autos von Havanna nach Cienfuegos eine Zusatzgebühr in Höhe von 32 Dollar anfällt. Kurzentschlossen (doch wohl eher: Kurzschluß!) WEIGERE ich mich, die Rechnung zu zahlen ... ... woraufhin ER sich im Gegenzug WEIGERT, den Leihwagen anzunehmen! Auch bei dieser Konfrontation MUSS ich unweigerlich ‘den Kürzeren ziehen’, denn ‘Havanautos’ (in Cienfuegos) hat noch meine Kaution ... ... in Form eines ‘250-Dollar-Kreditkarten-Abzugs’. SHIT !!! Mehrfach noch unternimmt er den Versuch, mich zu überreden, ‘die Rappelkiste DOCH bis Ablauf der Mietvertragsdauer zu behalten’: ich aber bleibe EISERN! Äh ... gegen mich selbst! ... weil gleichermaßen sehenden Auges wie (trotzdem) selbstverachtend mich in den eigenen finanziellen Ruin treibend. Na UND ? Was SOLL’S !? Letztlich aber beginnt er doch, ‘mit spitzem Bleistift’ meine End-Abrechnung auszufertigen, was (er arbeitet SEHR korrekt!) noch eine weitere, gute halbe Stunde in Anspruch nimmt: Urplötzlich huscht ein strahlendes Lächeln über sein Gesicht. Im gleichen Moment verkündet er die freudige Botschaft (ja - er beglückwünscht mich geradezu!), daß die Entfernung zwischen Cienfuegos & Havanna NUR 256 Kilometer beträgt ... & daß somit (unter Berücksichtigung der mir eingeräumten 300 Frei-Kilometer) keine zusätzlichen Kosten anfallen! Ich bin den Tränen nahe ... ... & bedanke mich überschwenglich (bei dem ARSCH!). Kurz & (alles andere als) gut: Die gestern Morgen (im Verlaufe weniger Sekunden-Bruchteile) ausgebrütete ABSOLUT IDIOTISCHE SCHNAPSIDEE ... ... kostet mich insgesamt schlappe 230 Yankee-Dollar! Zwischenzeitlich habe ich meinen (für meine Reisevorstellungen doch recht kostspieligen) Bungalow im ‘Megano’ für eine weitere Nacht gebucht. Äh ... AUCH, weil ich will, daß der heutige Tag RICHTIG TEUER wird! Hm - auf daß ich ihn (den Tag) & den heute Morgen geleisteten heiligen Schwur nicht so schnell vergesse! Denn obwohl ich mich von dem ‘Rent-A-Car-Fuzzi’ verschaukelt fühle, WEISS ich wohl, wo der wirklich Verantwortliche für dieses Debakel zu suchen ist: ‘Das ist einzig & allein Deine eigene Selber-Schuld ... ... & es geschieht Dir ganz recht, HORST’! Trotz dieser Einsicht ... ... habe ich zu NICHTS Lust & für den Rest des Tages eine ausgesprochen miese Laune. Diese (meine miese Laune) wird noch zusätzlich befördert durch das ausgesprochen MIESE Wetter: Den kompletten ‘lieben langen Morgen’ schiebt sich eine graue Wolkenwand vor die nächste (?) - es regnet ohne Unterbrechung - & ein (keine ‘Gemütlichkeit’ aufkommen lassen wollender) stürmisch-böiger Wind peitscht über die Strandregion hinweg! Nachdem ich gegen Drei Uhr nachmittags ‘den Mietwagen-Klotz vom Bein habe’ (drei Kreuze!) & (endlich!) wieder frei & beweglich bin ... ... reißt (auch) der ‘eisern-graue Vorhang’ über mir auf - größere Passagen blauen Himmels zeigen sich (zwischen den nicht mehr ganz so deprimierend-grauen Wolkenbänken) - & auch die Sonne lugt zeitweise (jedoch nur für kürzere Phasen) ‘ums Wolkeneck’. Mir durch die Heilkräfte der Natur Genesung von meinen mentalen Blessuren erhoffend ... greife ich meine Badesachen (äh ... Strandtuch, Badehose & -Ente, eine handverlesene Kollektion unterschiedlichster Sandförmchen ... sowie - natürlich! - den unverzichtbaren ‘Nivea’-Ball) & schlendere zum nahen Strand, den ich bei strahlendem Sonnenschein & ebensolcher Laune zweifelsohne der Kategorie ‘einer der besseren in Kuba’ zurechnen müßte: - kilometer-langer (vom westlichen bis zum östlichen Horizont hin reichender) pulverschnee-feiner & ebenso weißer Sandstrand, - landeinwärts wird das konstant gut 50 Meter breite Sand-Band von einer dichten, zwischenraumlosen Aneinanderreihung beeindruckend-hoher (unter den heutigen Sturmböen allerdings erheblich leidender, weil bedenklich schwankender) Kokos-Palmen gesäumt. Ich lasse mich am Strand nieder & versuche, mich meiner eigentlich recht spannenden Reiselektüre zu überlassen ... ... verliere aber schnell die (eh nicht vorhandene & ... auch nicht aufkommen wollende) Lust, da der kaum nachlassende, orkan-artige Wind mich (als statik-gebenden Statisten mißbrauchend!) unter einer riesigen Sandverwehung begräbt. ‘Mister Sääänd-Määän ... ‘! Gefrustet packe ich die Badehose (wieder) ein, vergrabe mich tief in meinen ‘Friesenpelz’ ... ... & befördere die Karibik kurzerhand zur herbstlichen Nordsee: Eine Stunde Watt-(‘Sin Watt-) Wandern & schon ist mein Kopf wieder klar (bis gedankenleer)! Ja - ich muß zugeben, daß diese Atmosphäre (hat man sich erstmal vom eigentlich erwarteten, ‘gebuchten Karibik-Traum’ verabschiedet) ... WATT HAT! ‘Ächt eh - keah! Fass wie auff Boooaaakum, Bettino’!
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Den Sonnenuntergang genieße ich auf der windgeschützten Mini-Terrasse meines ‘Cabanas’. Aber nicht NUR den Sonnenuntergang ... ... AUCH mein heute ganz BESONDERS oppulentes Nachtmahl: nämlich ‘Wasser & Brot’! Allerdings in der kubanischen Variante ‘Agua Mineral Sin Gas’ sowie jämmerlich (weil nach gar nichts) schmeckende, einheimische Mais-Kekse. DAS ist (natürlich!) eine, die GERECHTE zusätzliche Bestrafung für meine während der letzten 36 Stunden eindrucksvoll unter Beweis gestellte BLÖDHEIT: Hungrig (& barfuß!) ins Bett! Genau dort (wo?) ‘vollzieht’ sich dann der einzige Lichtblick des Tages: Entspannte & mehrstündige ‘Irving’-Lesung - bevor ich erstmalig am heutigen Abend (schon gegen Zehn Uhr) ‘wegknacke’. Erstmalig ... ... denn mitten in der Nacht (nach Zwei Uhr!) finde ich mich plötzlich aufrecht im Bett stehend wieder: Eine vielstimmige, schrill-lautstark auf meiner Terrasse tagende (nein: ‘nächtigende’ würde den Sachverhalt nicht treffen!) Nachtschwärmer-Versammlung hat mich aus dem Schlaf gerissen ... ... & will in der Folge keine Ruhe (mehr) geben! Trotz des ohrenbetäubenden Gebrülls bin ich nicht in der Lage, zweifelsfrei zu identifizieren, ob es sich NUR um ‘die eigentlich ganz netten Italiener von nebenan’ ... ... oder DOCH um ‘die beiden ätzenden Berliner Sex-Touristen’ handelt, die mich am frühen Abend schon immer so kumpelhaft (ihresgleichen erkennend?) zu Cola-Rum einladen wollten !? GRRRR ... !!! Frust-Rauchen & -Lesen ... ... bis ich irgendwann (final für heute) ohnmächtig werde ... ... & dieser SCHEISS-TAG dann doch noch ... ... (endlich!) ... RUM ist! ‘Prost’!
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Montag, 20. November:
... GUANABO (PLAYA DEL ESTE DE LA HABANA)
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Montag Morgen ... & alles sieht schon wieder GANZ ANDERS aus! Ein lupenrein blau strahlender Himmel wölbt sich über meinem ‘Cabana’. Die gestern noch mit Vehemenz über Land & Meer fegenden Sturmböen haben stark ... äh ... nachgelassen. Ich sitze (einen Bilderbuch-Meerblick genießend) bei einem reich- & vitamin-haltigen Frühstück im Terrassen-Restaurant der Bungalowanlage. Und aus den Lautsprecherboxen der Musikanlage des Speiseraums fordert mich John L. auf: ‘Stell Dir Vüür’! ... ... das ‘Opening’ für meine fünf letzten Kuba-Tage könnte besser nicht sein! Ich beschließe, mir (das letzte Mal hier in Kuba) zwei Stunden am Strand zu gönnen & darf heute meine gestrige, bloße Vermutung (‘... den ich bei strahlendem Sonnenschein ...’ ) als eindeutig verifiziert betrachten: Mein Strand ist wirklich ‘DER Sand gewordene Karibik-Traum’! Auch was die Kategorie ‘idyllisch’ betrifft ... ... denn hier, am ‘Playa Megano’, tummeln sich nur sehr vereinzelt Sonnenanbeter. Das pralle & ‘pauschale Beach-Life’ (mit Wasser-Ski, ‘Bananen’-&-auch-sonst-Wellenreiten, Para-Gliding sowie anderen ‘Sports-&-Fun’-Animationen) ... ... findet hingegen am ungefähr zwei Kilometer östlich gelegenen Strand von ‘Santa Maria del Mar’ statt. ICH ... ... suche mir ein ruhiges Plätzchen (die Auswahl ist riesengroß!), kämpfe einige Runden mit den trotz Flaute ansprechenden Wellen, wende mich dann ‘meinem Zirkuskind’ zu & SURPRISE! ... ... man läßt mich: Nur zwei (erträgliche) Anmachen! Zunächst versuchen sich zwei junge ‘Chicas’ in der landesüblichen Kontakt-Anbahnung (‘Un Cigarro, por Favor ?!’). Später labert mich ein junger ‘Cubano’ (dessen Vater in Offenburg lebt: ‘Muy Interessante’!) zu, der sein autodidaktisches Englisch ‘hart am Touri’ üben will & ... ... sein auserwählter Touri bin: NA? Richtig: ICH! Als ich (später) meine Strandsachen zusammenpacke, fragt er mich jedesmal (angefangen beim T-Shirt über Buch & Baseball-Cap bis zu meinem Handtuch), ob er das wohl haben kann? Ohne Handtuch (umso weniger muß ich packen!) geht’s gegen Mittag zurück in meinen Bungalow. Nach einer ausgiebigen Dusche sowie der ‘Verflüssigung’ eines Traveller-Schecks (was hier nebenkosten-günstiger als in der kubanischen Kapitale sein soll), gibt’s für mich in Megano nichts mehr zu tun. Daher schultere ich meinen Rucksack & quäle mich (bei brüllend-heißen Mittags-Temperaturen) zur Haltestelle der öffentlich-staatlichen Busse an der ‘Via Blanca’ ... ... ‘Destinación Final: La Habana’! Mein Reiseführer weiß zu berichten, daß mich der Bus mit der Nummer ’400’ (für 40 Centavos ... ‘Moneda Nacional’) nach Havanna bringen wird. Daß dies jedoch leichter hingeschrieben als ‘in eine fahrende Tat umgesetzt’ ist ... ... begreife ich erst später: Zunächst einmal wundere ich mich nur, warum jeder Neuankömmling an der Bushaltestelle alle Anwesenden einzeln befragt, wer denn wohl der zur Zeit Letzte (‘L’ Ultimo’) ist ... ? Als eine gute halbe Stunde später der erste ‘400-er’-Bus heranrollt ... ... weiß ich, WARUM! Denn es darf immer nur genau DIE Anzahl neuer Fahrgäste zusteigen, die vorher (zehn Meter vor dem Zusteig-Haltepunkt) den Bus verlassen hat. DARAUFHIN ... ... reihe auch ich mich in die Menschenschlange ein & ziehe (gedanklich) meine knapp zwei-stellige (!) Warte-Nummer. Wie auf ein verabredetes Zeichen hin, verschärft mein hinterhältiger Körper die auch so schon schwer erträgliche Wartesituation durch urplötzlich (& nicht ignorierbar!) sich meldende HEFTIGE Nacken- & Rücken-Schmerzen: Jedes Anheben meines Rucksackes wird vermittels eines durch Mark & Bein gehenden Messerstiches beantwortet! Da die ‘sogenannte Bushaltestelle’ lediglich der bloße geografische ... & schattenlose (!) Ort am Straßenrand ist, an dem der Bus (wenn wir Glück haben!) zum Stand kommt, sind wir der gnadenlos aus einem wolkenlosen Himmel herniederbrennenden ‘Mörder-Sonne’ schutzlos ausgesetzt. Nach einer behelfsmäßig (zugegeben: ziemlich unwissenschaftlich) durchgeführten Selbstversuch-Testreihe, erhärtet sich meine Vermutung, daß die Schmerzen ‘nicht gar so arg sind’, wenn ich meine Nackenpartie der direkten Sonneneinstrahlung entziehen KANN: Hm - meine sich aus der Umsetzung dieser Erkenntnis quasi zwangsläufig ergebende ‘Quasimodo’-Körperhaltung (inklusive virtuos-dynamischem Wechselspiel aus Spiel- & Standbein) muß auf die übrigen Wartenden, um es vorsichtig auszudrücken ... äh ... ZIEMLICH BEFREMDLICH gewirkt haben !? Obwohl: Mir ist’s gleich, was die ANDEREN denken ... ... wenn nur die mich traktierenden Dolchstöße der Legende angehören! Die im Abstand von jeweils einer halben Stunde folgenden (drei nächsten) ‘400-er’-Busse erlösen ... einmal VIER, ... einmal KEINEN EINZIGEN, ... & (bei der dritten Drehung der Lostrommel) EINEN potentiellen Fahrgast von seinen Qualen! Was (im letzten Fall) den kollektiv-hysterischen Aufschrei ‘UN SOLO’!? bei der verbleibenden & mittlerweile eingeschworenen Leidens-Gemeinschaft auslöst! Nach nahezu drei Wartestunden diskutiere ich erstmalig (noch kontrovers: mit mir selbst!), wie ich wohl reagieren WÜRDE, tauchte an diesem verwunschenen Niemands-Ort JETZT & NUN ein TAXI auf !? Äh - nicht ohne Stolz, darf ich vermelden, daß am Ende dieser Diskussion der (gemeinschaftlich getragene & ohne Gegenstimme gefaßte) Beschluß steht ... DURCHZUHALTEN !!! Immer noch Selbstbestrafung? Hm - nicht nur: Mittlerweile belege ich (schlicht & ergreifend) einen der vordersten Listenplätze ... ... & diesen will ich nach soviel erduldeten, passiven Mühen nur äußerst ungern freiwillig herschenken! Beim übernächsten Bus (nach knappen vier Warte-Stunden) klappt’s dann endlich: ICH bin einer von drei überglücklichen ‘Neu’-Reisenden ... ... & nur einen Wimpernschlag später brausen wir über die ausgezeichnete Küstenstraße (vorbei an den ‘Schon’-Vororten Alamar, Cojimar & Casablanca) unaufhaltsam der kubanischen Hauptstadt entgegen. UNAUFHALTSAM? Naja - wie man’s nimmt ... Denn natürlich wird die Fahrt durch unzählige (im Bus stehend jedoch leicht zu ertragende) Stops an wirklich JEDER Mülltonne entlang der ‘Via Blanca’ unterbrochen: Drei raus - Drei rein / Vier raus - Zwei rein / Drei raus - Fünf rein. Übrigens: Der für die Begrenzung des Passagierstroms zuständige Busbegleiter verfügt über eine derart unbegrenzte, natürliche Autorität, daß es jedem Nobel-Diskotheken-Türsteher (im kapitalistischen Ausland) vor Neid die Schamröte ins Gesicht treiben müßte ... ... käme er je in die Verlegenheit (nein: den Genuß!), sich die HIER ‘de paso’ gebotene Gala-Vorstellung anschauen zu müssen (zu dürfen). Was ich allerdings für eher unwahrscheinlich halte ... ... denn NATÜRLICH bin ich (mal wieder) der einzige Touri im Bus! Um Vier Uhr nachmittags entsteige ich (unmittelbar vor dem ‘Hotel Inglaterra’) dem Bus, registriere, anläßlich meiner zweiten Ankunft in der Millionen-Metropole, das Aufkommen eines fast schon ‘heimisch’ zu nennenden Gefühls & schlendere gut gelaunt zum ‘Hotel Isla de Cuba’! Nach einer halbstündigen Wartezeit in der Lobby (bei ‘Dos Cerveza y Un Bocadito Muy Grande con Chorizo y Queso’) ... ... hat man eins der billigeren Zimmer des billigen Hauses (nur 14 Dollar pro Übernachtung!) für den ‘Old Fellow From Fuckin Germany’ hergerichtet: ‘Lucky Me’! Der Raum befindet sich im hinteren Gebäudetrakt (exakt da, wo zur Zeit mit Hochdruck renoviert wird > siehe später!), verfügt NUR über einen klapprig-klappernden Ventilator (statt einer Klimaanlage), KEIN Radio (Hm - wie soll ich hier bloß ohne ‘Rrrradio Rrrrevolución’ Schlaf finden?) & NUR sporadisch fließendes Wasser (wenn, dann allerdings in den dafür vorgesehenen Behältnissen: immerhin!). Das Zimmer ist zwar bei weitem weniger komfortabel als das vor drei Wochen (an gleicher Stätte) bewohnte - was mir allerdings ganz recht ist: Schließlich will ich mich ‘mit diesem NUR vier-wöchigen Kuba-KURZ-Trip für höhere Aufgaben empfehlen’. Und anläßlich meiner für die nächsten Jahre geplanten ‘längeren Reisen in & durch den Trikont’ ... ... werde ich mich vermutlich öfter (als ich es mir jetzt vorstellen kann ... & zwar wehmütig!) an die De-Luxe-Ausstattung des ‘Hotels Isla de Cuba’ in Havanna zurückerinnern ... Jeans waschen (‘On the road’ ... eindeutig eine der härteren Übungen: ‘Wring-A-Wring’!) & zwischen den verschiedenen Tauchgängen ‘Irving’ lesen (sowie dem Trubel unterhalb meines Gemeinschaftsbalkons zuschauen & hin-lauschen): Nach der zurückliegenden, eher ruhigen Natur-Woche genieße ich es (erstmal? wieder!), prall-buntes karibisches Leben & ausgelassene, wenn auch laut daherkommende ‘kubanische Lebensfreude Pur’ um mich herum zu ATMEN. Gegen Sieben Uhr (die Sonne hat sich gerade verabschiedet) ... ... verabschiedet sich (auch) der Misanthrop in (von) mir: RAUS auf die Straße & Menschen RIECHEN! Am ‘Capitolio’ lege ich einen fotografischen Zwischenstop ein & versuche mich an ein paar extremen Langzeit-Belichtungen (unter dem Titel ‘A Night in Habana: by Dizzy Schmizzy’). Ich schlendere durch die Altstadt, lausche den auf den zahlreichen ‘Plazas’ ihre ‘Un-Dolare-Canciónes’ intonierenden Straßenmusikanten, nehme ‘einige Nasen’ der exotische Wohlgerüche produzierenden Garküchen ... & lasse (auch) im weiteren Verlauf des Abends keines der gängigen Havanna-Touri-Klischees aus. Also: Keins ... bis auf eines (siehe später). Ich lande schließlich (welch ein Zufall - oder besser: Ich treue Seele, ich!) in meiner Stamm-Open-Air-Bodega an der ‘Plaza de Armas’, trinke mit ‘Daiquiri Frappé’ den Abend ein (zwar ein wenig verspätet - aber: ‘Better Late than Never’!) & ... ... übergebe mich ... äh ... GANZ ... der karibischen Atmosphäre (‘The HEAVY Romantic Style’!). Eine nicht-uniformierte (!) kubanische Mariachi-Combo ... ... bestehend aus zwei Rhythmus-Guitarreros, einem Kontrabassisten (der neben seinem Hauptinstrument gleichzeitig mit einem ‘Bass-Drum-Pedal’ noch eine Kuhglocke ‘bon’-trätiert) sowie dem Lead-Sänger (diverse, ständig wechselnde Perkussions-Instrumente vornehmlich ‘hauend’) ... ... greift tief in die Trickkiste des klassischen Lied-Repertoires der ‘Musica-Por-Amigos-Y-Amigas-De-Amor’-Liebhaber: vornehmlich der mit unvergleichlichem Timbre in den tränen-zittrigen Stimmen vorgetragene, mehrstimmige Chorgesang, läßt (im kongenial-harmonischen Zusammenspiel mit meinem dritten ‘Daiquiri’) einen traurig-wohligen Melancholie-Kloß unaufhaltsam meine Speiseröhre hinaufwandern! WER WEISS ... ... wohin mich mein ‘Sentimental (Blind-) Dog’ an diesem Abend noch geleitet hätte, wenn nicht ... !? Aber (Gott-sei-Dank!): Die eruptions-verhindernde Rettung ist nicht weit! Diese (die Rettung) befindet sich an meinem unmittelbaren Nachbartisch! Nach Form, Farbe & Konsistenz zu urteilen ... äh ... handelt es sich um ein ‘Young Indonesian Couple in / on Honeymoon’ ... ... das (aufgrund welcher äußerer Merkmale auch immer, aber unübersehbar) vom Combo-Chef als lohnendste, weil zahlungskräftigste Zuhörerschaft ausgewählt & im folgenden unablässig von ihm (dem Combo-Chef) aufgefordert wird, seine speziellen musikalischen Wünsche zu äußern! Naja - & DIESE (mutmaßlichen ‘Hobby-Musik-Ethnologen’) lassen sich nicht lange bitten: Boney M. ... Abba ... Bee Gees ... Aber keiner der von den beiden mit gleichbleibendem Enthusiasmus geäußerten Wunschkonzert-Programmpunkte scheint Pepe (keine Ahnung, wie der mit jedem Musikwunsch verzweifelter dreinblickende, bedauernswerte Bandleader wirklich heißt) zu schmecken! Die Jungs sind offensichtlich (nein: Gott-sei-Dank!) überfordert ... ... & so BLEIBT ALLES BEIM ALTEN! Mit Ausnahme meines (oben erwähnten) ‘traurig-wohligen Melancholie-Klosses’ ... ... der sich nach dieser ungewollt komischen Comedy-Show irreversibel ‘Richtung Untere Chakren’ verflüchtigt hat. UFF !!! Während ich zum ‘Prado’ zurückmarschiere (dabei die ‘Avenida Obispo’, die Touristen-Flaniermeile in der Altstadt umkurvend & vermeidend), macht mir mein knurrender Magen klar, daß er sich HEUTE NICHT mit ausschließlich flüssiger Nahrung zufrieden geben WIRD! Also ... ... steuere ich das nächste Straßenrestaurant an, lasse mir am Grill eine Mega-Portion ‘Pollo Fritas’ auf den (für meinen Hunger viel zu kleinen!) Teller schaufeln & nehme am letzten freien Tisch Platz: Hm - wo sich dann umgehend eine ‘Chica-Begegnung der ausgesprochen peinlichen Art’ zuträgt! SIE bittet mich um eine Zigarette (so fängt’s immer an!). Während ich ihr Feuer gebe, lächele ich sie kurz an (das war vermutlich der Fehler!) & beantworte ihr gehauchtes ‘Gracias’! mit einem (für meine Begriffe) abschließenden ‘De Nada’! ... ... drehe meinen Kopf zur Seite & widme mich wieder meinem Abendessen! Aber FÜR SIE war’s DAS noch lange nicht! Unaufgefordert läßt sie sich an meinem Tisch nieder. Mein (auf ihre durchaus verständlich formulierten Fragen mehrfach vorgeschütztes) ‘No Entiendo’! ... ... deutet sie selbstbewußt als Aufforderung meinerseits, ‘sie möge doch näher an mich heranrücken’ (auf daß sie ihre Botschaften unmittelbar in meinen linken Gehörgang hauchen kann). Ich erwäge einen kurzen Moment lang, sie gleichermaßen schlicht wie direkt zu informieren: ‘No Quiero Acompanar’! Hm - verwerfe dies dann aber doch als zuuu eindeutig (zuuu plump!?) ... ... & stelle stattdessen grenzenlose Interesselosigkeit zur Schau. ‘IRGENDWANN wird sie ja wohl merken, daß ich nichts von ihr will - ODER ... ?’ Aber SIE gibt sich gänzlich unbeeindruckt & ruft (systematisch) die Informationen bei mir ab, die in der Phase der Kontaktaufnahme scheinbar IMMER abgefragt werden (müssen?): Wie ich heiße? Wie lange ich mich schon in Kuba aufhalte? Wie mir die kubanischen ‘Chicas’ gefallen? In welchem Hotel ich wohne? Ob ich in Deutschland verheiratet bin? (eine komische Frage! Und doch immer wieder gern gestellt!) ... und so weiter & kein Ende! Ich gebe auf jede ihrer Fragen ausgesprochen kurz angebunden Antwort ... ... & komme mir SEHR schnell ZIEMLICH BESCHEUERT vor! Dann (nach elend langen zehn Minuten hartnäckigster Interviewtätigkeit) bleibt auch ihr nicht (mehr) verborgen, ‘was hier läuft’ ... Oder besser: ... ‘daß zwischen UNS nichts läuft’! Sie steht (zögerlich zwar, aber) AUF, lächelt mich an & wünscht mir (ausgesprochen freundlich!) noch einen schönen Abend! Und läßt MICH ... ... beladen mit einem ‘nicht gerade leichten Päckchen Unwohlseins’ sowie einigermaßen ratlos (weil vergeblich über der Frage grübelnd, wie ich solche Situationen in Zukunft vermeiden kann: nach diesem Desaster tendiere ich doch zunehmend zur ‘zwar knallharten, aber ehrlichen Tour’) ... zurück. SCHEISSE !!! Allzulange hält’s mich am ‘Orte dieser, meiner persönlichen Niederlage’ nicht mehr! Ich schlinge die Reste meines Abendessens in mich hinein (Iiieehh! Das ist ja ekelhaft!) & begebe mich dann umgehend auf den Rückweg zum Hotel. Schräg gegenüber des ‘Capitolios’ (dem Sitz der ‘Akademie der Wissenschaften’) weist die hell-erleuchtete Fassade des ‘Cinema Payret’ auf ein zur Zeit in Kuba stattfindendes kulturelles Highlight hin - das alljährlich in Havanna veranstaltete ‘Festival Cinema Nuevo de Latinoamerica’! Riesige Neon-Leuchtbuchstaben künden den kubanischen Eröffnungsfilm des diesjährigen Festivals an: ‘GUANTANAMERA - un Film Cubano de Tomas Gutierrez Alea - en Colores’!
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Augenblicklich ... ... erwacht in mir die LUST, diesen frustigen Abendausklang durch einen Kinobesuch vergessen zu machen. Aber EIN Blick auf die sich in Kilometern nicht messen lassende, menschliche Schlange vor dem Kinoeingang, belehrt mich, daß diese (meine am heutigen Abend einzige) Lust wohl unbefriedigt bleiben muß ... SCHADE !!! Im Kiosk vor meinem Hotel decke ich mich mit alkoholischen Kaltgetränken & Tabakwaren für die Nacht ein. Und somit steht einer atmosphärischen Karibik-Lese-Stunde auf ‘meinem’ Balkon (mit Blick auf den geschäftigen ‘Parque Central’) nichts mehr im Wege. Ich lasse den Abend ruhig ausklingen ... ... & obwohl mich (später!) der ziemlich nervige Geräuschpegel eine gute Weile am Einschlafen hindert (durch die Lamellen meiner Zimmertüre dringt jeder im Hotel produzierte Laut ungedämpft an meine müden Ohren - weiterhin ist die Klospülung defekt & ein ohrenbetäubender Wasserfall ergießt sich ständig in die ‘ES kaum fassende’ K-Punkt-Schüssel) ... ... ist mein letzter, ein zufriedenes Lächeln auf mein Gesicht zaubernder Gedanke an diesem Abend: It’s Nice to be Back ... ... in Good Ol’ Habana!
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Dienstag, 21. November:
... HAVANNA
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Sehr frühes Frühstück im ‘Hotel Inglaterra’ ... Hm - nachdem man mir im ‘Isla’ keine Chance läßt, ruhig & entspannt vom Schlaf- in den Wachzustand hinüber zu gleiten: Mein Zimmer befindet sich unmittelbar neben dem Aufenthaltsraum der Hotelangestellten, die Lamellentüre meines Zimmers scheint die vom Flur zu mir herein dringenden Geräusche noch zu verstärken & die unüberhörbar LEBENSLUSTIGE Angestellten-Crew verhält sich um Sechs Uhr in der Frühe nicht gerade ausgesprochen leise ... FUCK !!! Aber das gemütliche & ruhige Restaurant des ‘Inglaterra’ repräsentiert (heute Morgen noch stärker als bereits während meiner zurückliegenden Besuche empfunden) ‘Zivilisation inmitten tiefstem Dschungel’ ... ... oder müßte es nicht EIGENTLICH genau umgekehrt lauten? Anyway ... Lange Tagebuch-Session zu mehreren Kannen dampfendem Kaffee. Hinreichend, aber nicht übermäßig (& somit eher unternehmungs-förderlich) gesättigt, breche ich nach Neun Uhr zu einem langen Marsch auf: Die erklärten Ziele meines heutigen Wandertages sind ... ... der westliche Havanna-Stadtteil Vedado, ... sowie (EVENTUELL, jedoch nur grob anvisiert) Miramar, der noch ein gutes Stück weiter westlich sich befindende ‘Nobel-Villen-&-De-Luxe-Bade-Vorort’ der Insel-Kapitale (der zudem den Hauptsitz der kubanisch-staatlichen Autoverleih-Firma ‘Havanautos’ beheimatet - hm, keine Ahnung, was ich damit sagen will! ‘War da was’?). Zunächst folge ich der arkadengang-gesäumten & die direkte Ost-West-Traversale zwischen Ciudad Viejo & Vedado (‘Ciudad Nuevo’) markierende ‘Avenida Bolivar’, die nach einem guten Fuß-Kilometer zur ‘Avenida Salvador Allende’ wird. Übrigens: Ich muß gestehen, daß ich durch Straßenzüge mit solch klangvoll-revolutionären Namen doch (noch) mit einem etwas breiteren Lächeln schlendere ... ... als mir das beispielsweise wenig später entlang der ‘Avenida de los Presidentes’ gelingen will (aber DIE heißt ja jetzt schlicht ‘Calle G’ ... & recht geschieht ihr!). Hm - ich greife gedanklich (schon mal) vor: MEIN revolutionärer Tag kommt noch! Also ... ... DANN (am äußersten nördlichen Zipfel der ‘Plaza de la Revolución’) biege ich in die ehemalige ‘Avenida de los Presidentes’ ein ...
... der ich bis zur ‘Calle 23’ folge. Während dieser langen Stadtdurchquerung lasse ich mich ein ums andere Mal zu einem der (hoffentlich!) besseren Havanna-Atmo-Fotos inspirieren. Auf halber Strecke zur ‘Rampa’ bin ich mir (erstmalig im Verlauf des heutigen Morgens!) ABSOLUT SICHER, DEN ‘Million-Dollar-Shot’ abgegeben zu haben: Urplötzlich stellt sich mir (aus engen Häuserschluchten auf einen kleinen Platz ‘hinaustretend’) die beeindruckende, mich (der ich noch nie DA war, aber genau SO muß ER aussehen!) an den Olymp erinnernde, steile Marmortreppe hinauf zur antik-kolonialen ‘Alma Mater’ (der im Jahre 1728 gegründeten ‘Universidad de la Habana’) in den Weg ... ... & FLEHT mich geradezu an: ‘Erschieß mich’! Was ich denn auch (zwar nicht aus der Hüfte, aber nichtsdestotrotz umgehend) ... tue!
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Das Universitätsgelände nimmt den größten Teil eines flachen Stadthügels ein, befindet sich inmitten einer üppig-grünen, schattenspendenden Parklandschaft & bietet (auch) dem zufälligen Besucher eine zur Kontemplation einladende Atmosphäre. Auf einer Parkbank dieses friedvolle Ambiente genießend ... ... bereue ich (spontan), den zu Beginn meiner Kuba-Reise noch fest eingeplanten Spanisch-Sprachkurs hier nicht ‘genossen’ zu haben. Hm - wieso eigentlich ??? Naja - VIELLEICHT ... ... liegt der Ursprung der so einladend UN-hektischen Grundgestimmtheit der Uni ja auch NUR in der Tageszeit - denn mittags um Zwölf Uhr ist ‘der gemeine Kubaner’ (& unter den kubanischen StudentInnen macht die Kategorie der ‘gemeinen’ vermutlich AUCH den größeren Teil aus) ... ZIEMLICH TRÄGE! Ich passiere das ‘Hotel Habana Libre’ (das auch drei Wochen nach meiner ersten Inaugenscheinnahme noch nichts von seinem ‘Sechziger-Jahre-Zentralkomitee’-Charme eingebüßt hat) & steuere zielstrebig auf die ‘Open-Air-Coppelia’ an der Straßenecke ‘Avenida de los P’s / Calle 23’ zu ... ... der wohl berühmtesten Eisdiele Kubas. Ach - was red’ ich: der gesamten Welt! Siehe: der weltweit auf allen Cineasten-Festivals einen Spezialpreis nach dem anderen einheimsende kubanische Kinofilm ‘Fresa y Chocolate’ (deutsch: ‘Erdbeer & Schokolade’)! Das hier produzierte & verkaufte Speiseeis ist (zumal für kubanische Verhältnisse) wirklich ausgesprochen LECKER. Was man allerdings alles so anstellen muß, um in den Besitz einer/eines der begehrten Waffeln/Tüten/Becher zu gelangen, ist (selbst für ein Land, in dem Schlange-Stehen der ‘Volkssport Nummer Eins’ ist!) SCHON atemberaubend: Wie man es allerdings schafft, im ‘Inneren Bereich’ des weitläufigen Eisdielen-Geländes (ein riesiger Speisesaal sowie ein kreisförmig um das Gebäude gruppierter, sonnenbeschirmter & Biergarten-Atmo verströmender Freiluft-Gastbereich) einen Sitzplatz zu ergattern ... ... entzieht sich bis zum heutigen Tage meiner Kenntnis! Denn ständig werde ich von wildfremden (& EIGENTLICH unbeteiligten !?) anderen ‘Nur’-Gästen ange-’Sssst’ ... & durch unzweideutige (meine Konfusion aber trotzdem noch steigernde) Kopfbewegungen in eine andere Richtung & ans Ende der nächsten, noch längeren Menschenschlange verwiesen! Entnervt hake ich schließlich ‘den Inneren Eisdielen-Bereich’ als NUR FÜR EINGEWEIHTE (mit einem qualifizierten Abschluß im, ausschließlich an der Universität Havanna angebotenen Studienfach ‘Logistische Methoden & Techniken der Speziellen Beschaffungslehre ... unter besonderer Berücksichtigung der planwirtschaftlichen Speiseeis-Akquisition, -Produktion & -Distribution’) ... ... äh ... zugänglich ... äh ... ab! Ich versuche mein Glück an einer der Eisstationen (wiederum kreisförmig, diesmal um den ‘Inneren Bereich’ positioniert), wo man sich ‘ein Eis für auffe Faust’ holen kann. Dort stehen wenigstens nicht solche gigantischen Menschenmassen an! Tja - DENKSTE! Ich muß mich (100 Meter von der Eisbude entfernt) außerhalb des ‘Coppelia’-Geländes & unmittelbar am Straßenrand der ‘Calle 23’ einer etwa 200-köpfigen ‘Serpiente de Cubanos’ anschließen & abwarten, bis der am Kopf der Schlange bequem auf einem im Schatten (!) stehenden Stuhl sich gelangweilt räkelnde uniformierte Eisdielen-Angestellte auf ein verabredetes Trillerpfeifen-Signal eines seiner an den verschiedenen Eisbuden postierten Kollegen hin jeweils genau FÜNF Speiseeis-Fanatiker ‘auf die Reise schickt’ ... ... die dann, mit sichtlich stolz (es geschafft zu haben!) geschwellter Brust zum zwar immer noch 100 Meter entfernten, plötzlich aber so nahen ‘Eis-Himmel’ (schau-) laufen! WENN ... ... man es dann letztlich doch bis zur Eisbude geschafft hat, lauert schon das nächste unvermutete Problem - das die Schar der Speiseeis-Süchtigen gnadenlos in zwei Gruppen spaltet, die unterschiedlicher nicht sein könnten: ... zum einen der um die geografischen & klimatischen Bedingungen nahe der Eisdiele wissende ‘kubanische Profi-Weizen’ ... ... & zum anderen die sich auf fehlende Praxis, in frühester Jugend versäumte ‘Speiseeis-Initiationsriten’ oder schlicht schlechte Tagesform zwar berufenden, trotzdem aber bestenfalls nur ein mitleidiges Lächeln von der ersten Gruppe erntenden ‘nicht-kubanische Touri-Spreu’. Was natürlich keinerlei Werturteil darstellt! NEIN - DAS kommt jetzt (erst): ... die CLEVEREN haben Schüsseln, Eimer oder Kanister als Behältnisse sowie rohrzangen-große Löffel oder Schöpfkellen als Eßbesteck dabei ... ... während die WENIGER CLEVEREN ihre mangelhafte Ausrüstung durch erhöhte Geschicklichkeit wettmachen müssen - denn es ist gar nicht so einfach, mit zwei bis vier Eiswaffeln (gefüllt mit je EINER Eiskugel: mehrere Kugeln passen beim besten Willen nicht in die keinesfalls kleinen Waffeln!) in ein bis zwei Händen den Rückweg zur ‘Calle 23’ zu bewältigen. ZUMAL ... ... das blitzartig in der Mittagssonne schmilzende Sahneeis (trotz ‘chamäleon-gleichem Zungenschlag-Einsatzes’) nicht zu bändigen ist, vielmehr unaufhaltsam die Klamotten von oben bis unten ein-SAUT & ... (unten angekommen) zusätzlich den unmittelbaren ‘Geh’-Weg in eine glitschige, LEBENS-GEFÄHRLICHE Rutschbahn verwandelt! AUCH ICH ... ... mußte im Laufe des heutigen Nachmittags einem (leider nicht lautlos ... äh ... eher: prustend) staunenden Fachpublikum einige Welt-Uraufführungen völlig neuer Eis-(kunst)-Lauf-Kürfiguren präsentieren, um mich NICHT ‘VOLL AUFFE FRESSE zu legen’! Aber - wie bereits erwähnt: Das Eis schmeckt wirklich SUUUPER & ist aller Mühen (vorher, nachher & auch mittendrin) wert! Den Spottpreis für dieses (in jeder Beziehung) uneingeschränkte Vergnügen, traue ich mich hier kaum niederzuschreiben: eine Riesenkugel kostet umgerechnet zwei Pfennige (zahlbar in ‘Moneda Nacional’). Wohltuend ERFRISCHT ... ... folge ich der ‘Calle 23’ durch (aus meinen ersten Havanna-Tagen noch vertrautes, allerdings) SEHR touristisches Terrain hinunter zum die Meeresbucht von Havanna einfassenden ‘Malecon’. Der letzte Betonklotz vor Erreichen des Strand-Boulevards beherbergt das zentrale Hauptstadtbüro der Staats-Fluglinie ‘Cubana de Aviación’: HIER - ‘Reconfirmación’ meines mich in drei Tagen von der Karibik-Insel in den deutschen Winter (nach ‘Köllln am Rhein’) entführenden Rückfluges! Nach erfolgreicher Erledigung meines für heute einzigen organisatorischen Tages-Programmpunktes, wende ich mich wieder meinen ‘Sight-Seeing’-Pflichten zu & unternehme einen (eher ziellosen) Foto-Streifzug durch die nordwestlich der ‘Rampa’ sich ausbreitenden Neustadt-Viertel: ... entdecke das ‘Centro Culturale de Bertolt Brecht’ (am Rande eines kleinen, schattigen Parks),
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... bestaune die Einblicke in das (am unteren, meerseitigen Ende des Hügels erbaute) ‘Estadio José Marti’ (sowie die gigantomanischen Ausmaße eines im komsomolsk-realistischen Architekturstil errichteten Hospitals), ... & treibe (der von Vedado zum ‘Malecon’ hin sanft absteigenden ‘Avenida de los Presidentes’ folgend ... & das frisch renovierte Nobelhotel ‘Presidente’ ...
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... links liegen lassend) schließlich auf das riesige, IRGENDWIE surreal wirkende Reiter-Standbild des Calixto Garcia zu. RICHTIG! ... ... der verdiente General des ersten Unabhängigkeitskrieges der Kubaner gegen die verhaßten spanischen Kolonialherren am Ende des 19. Jahrhunderts. Ich grüble einige Zeit vor mich hin, bis mir klar wird, WARUM das Denkmal (hier, an diesem Ort) so deplaziert wirkt: denn es ist nicht der Ort, sondern schlicht die Ausrichtung der Statue! Hm - ‘Generalissimo Calixto Garcia’ blickt & galoppiert EXAKT in Richtung ‘offenes Karibisches Meer’ ... ... oder etwa noch weiter? ... gar nach Florida? ... & wenn ja, was WILL er da? ... Desertieren? (der Feigling!) ... oder für amerikanische Unterstützung des kubanischen Befreiungskampfes werben? Hm - Fragen über Fragen !? Und das NUR ... ... weil die (von Salsa, Rum & ‘Chicas’ verwirrten?) kubanischen Bauarbeiter bei der Aufstellung des Reiter-Standbildes ihren Montageplan schlicht verkehrt herum hielten! TS-Ts-ts ...
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Zurück in die Realität ... ... holen mich zwei junge ‘Cubanos’, die mich (‘zu Hufen des Caballero-Denkmals’) ansprechen & sich SEHR VIEL ZEIT lassen - bis sie die sie (kaum sichtbar zwar, aber zweifelsohne doch zumindest inwendig) quälenden Fragen an mich stellen: ‘Cigarros? Ron? Recuerdos?’ ... knapp bevor ihnen die nächste, eindeutige Offerte über die Lippen kommt, bedanke ich mich für das interessante Gespräch & ... ... mache mich vom staubigen Acker. Apropos ‘staubiger Acker’: Ein kurzer Blick in selbige Richtung (& auf meine stark geröteten, leicht blasigen Füße) reicht aus, den exklusiven ‘Havanna-Strand-&-Bade(vor-)ort’ Miramar (weitere fünf Marsch-Kilometer: eine Strecke!) gleichermaßen spontan wie bedenkenlos vom Besichtigungs-Programm zu streichen. Naja - wenigstens für heute! Stattdessen EIERE ich die ‘Avenida de los Presidentes’ hinauf (bis zur ‘Calle 23’), wo ich mich ... äh ... ein weiteres & letztes Mal (für heute!) ‘um Eis anstelle’: Hm - ich will es zwar nicht beschwören müssen, aber ich glaube mich zu erinnern, in irgendeiner Gesundheits-Fachzeitschrift gelesen zu haben, daß ‘Wanderblasen’ am besten mit großräumig & fingerdick aufgetragenem Speiseeis zu kurieren ... ... äh ... GLAUBE ich mich zu erinnern. Ich zermartere mir mein Hirn - aber mir will beim besten Willen nicht mehr einfallen, welche Geschmacksrichtung dem Bericht zufolge die größten Heilerfolge erzielt !? Was aber auch nicht weiter wichtig ist: Denn nachdem ich eine verdammt lange halbe Stunde die Engelsgeduld der mit mir wartenden Kubaner bewundert habe (denn es bewegt sich AB-SO-LUT NIX!) & währenddessen SPÜRE, daß ich diese Geduld entschieden NICHT besitze ... ... werfe ich entnervt das Handtuch (übrigens: exakt auf dem gleichen Fleck stehend, wo ich vor 30 Minuten meine ‘Warte-Karriere’ begann) & schlendere stattdessen zur Cafeteria ‘meines ollen St. Johns-Hotels’. Vermeintlich ‘um der alten Zeiten willen’ ... ... in Wirklichkeit aber wegen dramatisch sich zusammenrottender, tiefschwarzer Unwetter-Wolken. Um Pferdeschwanzbreite schaffe ich es (gerade noch rechtzeitig) in das wohlvertraute ‘Bistro italienischer Provinienz’, bevor ein heftiger & stürmischer Platzregen einsetzt! Zufrieden belege ich einen Vier-Personen-Tisch (äh ... bis auf den letzten Quadrat-Millimeter). Ich stelle mich auf eine längere Anwesenheit an diesem Ort ein & mach’s mir daher gemütlich: Eine ‘Pizza con Chorizo y Jamón’ ... sowie mehrere Biere ... unterstützen ‘John Irving’ & die letzte Ausgabe der ‘Granma’ bei deren erfolgreichen Bemühungen, mir die Zeit zu vertreiben. Knappe zwei Stunden läßt es sich SO (leicht!) aushalten. Als ich (noch ein gutes Stück vor Einbruch der Dämmerung) den Heimweg entlang des ‘Malecon’ Richtung Altstadt antrete, haben sich die Wolken zwar (zwischenzeitlich) leer geregnet - die heftigen Sturmböen schleudern jedoch mit unverminderter Naturgewalt einen Gischtschauer nach dem anderen über die flache Quaimauer. Für die unausweichlich sich ergebenden & ‘zu durchlaufenden Duschgänge’ ... ... werde ich jedoch durch einen grandiosen, mit spitzen Buntstiften farb-kontrastreich an den, sich über der Karibischen See wölbenden Spätnachmittags-Himmel gezeichneten ‘Bilderbuch-Regenbogen’ mehr als entschädigt! WOW !!! Vor dem ‘Isla’ erstehe ich ein paar Havanna-Ansichtskarten, um (noch so eben ‘auf den letzten Drücker’) den Daheimgebliebenen, die ich bei meiner ersten ‘Gruß-Orgie’ vergessen habe, doch noch einen wenigstens optisch interessanten Eindruck von meiner Reise zukommen zu lassen. Dann stolpere ich FIX & FERTIG hinauf in mein Hotelzimmer. Eine Cola im Liegen (es muß ja nicht immer Alkohol sein, gell?) - dann die Beine LAAANG ausfahren - schließlich ausgiebige & bewegungslose (!) Reiselektüre: ‘Heute bringen mich keine zehn Pferde mehr aus meinem gemütlichen Refugium heraus’! Und so geschah es (dann auch) ... Als ich mich jedoch später zur einzigen Aktivität durchringe, die ich mir heute noch abringen MUSS (mein Körpergeruch ist selbst für meine chronisch verstopfte Nase ENTSCHIEDEN ZU STRENG) ... ... tröpfelt mir aus dem Duschkopf meines ‘Bano Privado’ nur ein ‘schlappes & NOCH übler (als ich!) riechendes Stinkewasser-Rinnsal’ entgegen. Der benachrichtigte Hotel-Hausmeister hat eine gute & eine schlechte Nachricht für mich: ... die schlechte Nachricht ist, daß meine Dusche WIRKLICH defekt ist! (& er kann mir nicht sagen, wie lange die Reparatur dauern wird: ‘Una Hora - Mas o Menos - Tal Vez !?’), ... die gute (?) Nachricht ist, daß die Wasserversorgung in sämtlichen übrigen Hotelzimmern reibungslos funktioniert! Hm - ob dieser beruhigenden Information (also: der zweiten!) atme ich hörbar auf & freue mich (un-hörbar) für die anderen Hotelgäste! Obwohl: die absolute Sensation des Abends aber ist, daß TAT-SÄCH-LICH nach exakt einer Stunde meine Dusche wieder einen ‘vorbildlichen (morgend-/abendlichen?) Mittelstrahl’ produziert ... ... & ich mich (wider Erwarten: ‘Shame on me’!) noch am gleichen Abend der menschlichen Rasse wieder zugehörig fühlen darf! DANACH ... kann eigentlich nichts mehr kommen: STIMMT! Ruhiger Abend im Hotel mit Spanisch-Lektionen & ‘Zirkuskind’. Und schon gegen Elf Uhr dringen ... ... (vermutlich!?) nur noch Schnarchgeräusche aus meinem Hotel-Zimmer!
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Mittwoch, 22. November:
... HAVANNA
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One (more) of THOSE Heavy Nights at the ‘Isla’ in Old-Town Havanna! Ich habe während der Nacht eine halbe Stange Kekse geopfert (jene mit der Geschmacksrichtung ‘Styropor’: also kein wirkliches Opfer!), um die in Kohorten-Stärke neue Kampf-Formationen & -Strategien trainierenden ‘Cucarachas’ in einer Ecke meines Zimmers festzunageln! Aber: der Reihe nach! Heute Morgen teste ich erstmalig das ‘Isla’-eigene Restaurant (schließlich sollte man alles mal ausprobieren). Der erste Eindruck ist vielversprechend - ausschließlich KubanerInnen bevölkern den schummrig beleuchteten, großen Speisesaal. Eine Speisekarte existiert nicht, was als erster Hinweis auf ein ‘etwas eingeschränktes Frühstücks-Angebot’ nicht nur gelten darf ... ... sondern kurz darauf auch vom einsilbigen Kellner bestätigt wird: ‘Hoy - hay Pan (no Mantequilla - no Mermelada) ... Frituras de Pescado ... Café o Té’! Mir fällt die Wahl leicht: Ich bestelle einmal TODO (außer Tee) & gebe weiterhin den Zuversichtlichen. Nach einer halben Stunde erscheint jedoch der Kellner an meinem Tisch & informiert mich: ‘Hoy - No hay Frituras de Pescado’! Na - SUUUPER!, denke ich, würge das trockene Brot mit Hilfe zweier Tassen lauwarmem ‘Blümchen’-Kaffee herunter & zahle ... ... SECHS US-Dollar! Und obwohl ich meinen Ärger mit der Feststellung, ‘Kaffee ist in Kuba halt teuer (zumindest in den Hotelrestaurants)’, zu beschwichtigen versuche ... ... steht gleichzeitig (& unumstößlich) fest, daß das ‘Hotel-Isla’-Restaurant hiermit für mich gestorben ist! Hm - heute steht ein langer, kräfte-zehrender Museums-Tag auf meinem Programm & mir ist klar, daß ich vorher (wohl oder übel) nochmal ‘irgendwo RICHTIG frühstücken MUSS’. Zunächst aber teste ich (schließlich sollte man alles mal ... obwohl: es gibt auch Erfahrungen, auf die man/ich, im nachhinein betrachtet, durchaus hätte verzichten können - ‘HUUUNGER’!) eine neue Route durch ‘Habana Vieja’: Neue Eindrücke & Ausblicke sowie eine Menge Fotos! Sobald man auch nur einen Millimeter rechts oder links von den bekannten ‘Touri-Rennstrecken’ abweicht, betritt man (unweigerlich) ‘das andere Havanna’ - die verfallenden & extrem verkommen wirkenden, vornehmlich aus Müll & Bauschutt zu bestehen scheinenden Wohn-Quartiere der ärmeren kubanischen Bevölkerungsschicht. Zwar wird überall hektisch gebaut (oder akribisch restauriert) ... ... die ‘neu entstehenden Altbauten’ werden jedoch kaum den Wohnkomfort der ortsansässigen Bevölkerung verbessern, sondern wohl eher deren Wegzug in billigere Vorstadt-Wohnsilos bedingen. Seit gut einem Jahr wird ein groß angelegtes Altstadt-Sanierungs-Konzept konsequent (& rücksichtslos) umgesetzt, an dessen Ende (in zehn oder zwanzig Jahren ... ?) Havanna ein schmuckes Freilichtmuseum für die hoffentlich massenweise Dollar ins Land bringenden Touristen sein wird: ‘Auf-Er-Stan-Den aus Ru-I-Nen ... !’ Naja - NOCH behaupten die verantwortlichen Stadtplaner, daß die (durch an ausländische Firmen vergebene Einzelprojekte) nach Kuba fließenden Devisen-Überschüsse in die Sanierung bezahlbar bleibender Altstadtwohnungen reinvestiert werden ... ... schaut man sich jedoch in ‘Fast Changing Cuba’ um, so sind Zweifel am Wahrheitsgehalt (oder zumindest an der Gültigkeit) solcher Aussagen durchaus angebracht. Die ‘Plaza Vieja’ (in unmittelbarer Nähe des historischen Hafens) wird zur Zeit gerade vollständig entkernt: Ein erbärmlich schwitzender Bauarbeiter-Trupp ‘stemmt’ (ohren-betäubenden Lärm produzierend & gesundheits-schädigende Staubentwicklung in Kauf nehmend) massive & meterdicke Betonplatten aus dem, einem löchrigen Käse nicht unähnlichen Asphalt & legt so ‘das alte Plaza-Tiefbau-Unterkonstrukt’ frei, das sich bei näherem Hinsehen als ehemalige Tiefgarage entpuppt.
Vermutlich stammt diese noch aus ‘seligen Batista-Zeiten’ & ... wer weiß, welche gepanzerte Mafia-Limousine hier schon (aufgrund einer langen ‘durchzockten, durchsoffenen & durchhurten Nacht’ ihres Besitzers) überwintern mußte / durfte ...? An den allseitigen Rändern der riesigen Baugrube erstrahlen die meisten der Kolonialbauten & (Geld-)Adels-Paläste schon in alter Pracht & Herrlichkeit. Scheinbar sieht das Sanierungskonzept die Strategie ‘von außen nach innen - den Dingen auf & unter den Grund gehend’ vor. Naja - NOCH jedenfalls habe ich Schwierigkeiten, mir die vollständig & abgeschlossen restaurierte ‘Plaza’ (mit einem aus schneeweißem - natürlich italienischem! - Marmor gehauenen Brunnen im Zentrum) vorzustellen ... Ich schlendere weiter Richtung Hafen & passiere den kompakt-monumentalen Bau des Klosters ‘San Francisco’, dessen geschäftstüchtiger Abt die Zeichen der Zeit offensichtlich auch schon erkannt hat & mich (allerdings vergeblich) per schriftlichem Anschlag hereinbittet: ‘Visita del Convento Dos Dolares Americano’! Das Innere des Hafenbeckens macht einen desolaten Eindruck & läßt das Blut eines sehr vereinzelten (sich unendlich einsam fühlenden) ‘Greenpeace’-Unterstützers gefrieren: Ein lückenloser, dicker Ölfilm verwehrt den Blick auf das darunter zwar befindliche (oder?), aber nicht sichtbare Meerwasser ... ... geschweige denn auf (schon mit erheblich größerer Skepsis, aber immer noch vermutete) LEBENDE Meeresbewohner! Aufgelockert wird der homogene ‘Ölzeug’-Mantel lediglich durch träge (irgendwie ‘gedämpft’) einherschaukelnde Einweg-Pfandflaschen der Handelsmarken ‘Hatuey ... y Cola’. Doch die auf der Quaimauer hockenden Kubaner scheinen sich an dieses deprimierende Umwelt-Szenario gewöhnt zu haben & verbreiten gefühlskalt gute Laune. Hm - mit Ausnahme einiger, weniger ‘Sensibelchen’, die den (von allem Übel erlösenden) ‘Kopfüber-Suizid-Sprung ins schmierige Nass’ nur verhindern können ... ... indem sie sich an, im schmutzigen Ölteppich verschwindenden Schnüren (wie?) festhalten! Oder welche Erklärung ließe sich sonst für diese, ihre so sinnlos erscheinende Übung anführen - Fragezeichen! Ich flüchte in mein Stamm-Café an der ‘Plaza de Armas’ & HAUE MIR ... ... (halb besinnungslos ... äh ... vor Hunger!) einen respektablen ‘Bocadito Con Queso’ sowie zwei Espressi REIN! KNAPP mit dem Leben davongekommen (& trotzdem noch / schon wieder ... äh ... aufnahmefähig), fallen mir während des anschließenden Spaziergangs zur barocken Kathedrale die ‘etwas eigenwilligen’ Sortimente der ihre literarischen Waren am Straßenrand feilbietenden Buchhändler auf: Unmittelbar neben Che Guevaras ‘Bolivianische Tagebücher’ hat der mich unbedarft anlächelnde ‘Amigo de Libros’ (Nein! Dies mit ‘Freiheits-Liebhaber’ zu übersetzen, wäre vermutlich so falsch, wie etwas nur falsch sein kann!) eine DICKE SCHWARTE mit dem Titel ‘Mi Combate’ plaziert. Die verwendete, verdächtig altdeutsche (!) Schrift-Type läßt mich einen näheren Blick auf den Einband werfen & ... ... (ich traue meinen Augen kaum) das Buch zweifelsfrei als Adolf Hitlers ‘Mein Kampf’ identifizieren (in einer spanischen Übersetzung: vermutlich eine durch das Staatspräsidenten-Duo General Alfredo Stroessner & Hugo Bánzer Suárez in Auftrag gegebene paraguayisch-bolivianische Neuauflage). Mein demonstrativ zur Schau gestelltes Kopfschütteln beim Verlassen dieses ‘idyllischen Ortes des zwar stillen, aber nichtsdestotrotz nackten Grauens’ ... wird NATÜRLICH von niemandem registriert (geschweige denn richtig interpretiert)! Wie bereits oben erwähnt: ‘sich unendlich einsam fühlenden ... !’ Schaudernd wende ich mich ab & wieder angenehmeren Dingen zu. Apropos ‘Saufen’: Ablenkungs-Foto von der schmucken Fassade der ‘Bodequita del Medio’, der (zwar nur einer von vielen, aber berühmtesten) Stammkneipe Ernest Hemingways in Havanna. Nach einem kurzen, heftigen Disput mit meiner angeschlagenen Psyche, obsiegt (einigermaßen unerwartet!) mein Verstand ... ... & WIR beschließen, daß es UNS (noch) nicht so mies geht, daß WIR (nun ... schon ... hier) einkehren MÜSSTEN !? Die ‘Plaza de la Catedral’ befindet sich bereits um diese, noch relativ frühe Tageszeit fest in der Hand der zahllosen Souvenir-Verkäufer: KEIN MENSCH (die Einheimischen eh nicht, aber auch kaum einer der Touristen) schenkt der eindrucksvollen, im Jahre 1704 ‘von Jesuiten errichteten’ (wie es immer so schön & realitäts-verfälschend heißt!) Kathedrale Beachtung ...
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... die umso gewaltiger & beherrschender wirkt, als der Vorplatz nicht allzu weitläufig ist (hm: Komisches Deutsch, Das!). ‘Real BIG HUZZLE’! ... während ich mich an ein paar Detailfotos des Gotteshauses versuche. Besonders von einem ganz speziellen Motiv kann mein Teleobjektiv nicht lassen: Der sich von einem tiefblauen, wolkenlosen Morgenhimmel scharfkonturig absetzende, filigran-barocke (& mich nach Santa Barbara / California / USA ‘beamende’) rechte Glockenturm der bischöflichen Heimstatt, entfacht in mir den Ehrgeiz, ein authentisches Remake des Plakatfotos zu Alfred Hitchcocks berühmtem Hollywood-Streifen ‘Vertigo’ zu schießen!
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Hm - ob mir dies allerdings gelungen ist: ‘A VER ...!?’ Schließlich wird’s Zeit fürs ‘Museo de la Revolución’, für das es wirklich kaum einen geeigneteren Standort gibt ... als den ehemaligen Präsidentenpalast des verhaßten ex-Diktators & US-Zöglings Fulgencio Batista! Das stadtschloß-ähnliche Gebäude mit einer gigantischen, vergoldeten (& im engeren Altstadt-Zentrum eine problemlose Orientierung gestattenden) Rundkuppel ‘on-Top’ wurde, ähnlich wie der größte Teil der Räumlichkeiten (sowie der Innenausstattung) im ‘prä-revolutionären Zustand eines PRACHT-VOLLEN EKEL-PROTZES’ belassen ... ... dessen konterkarierende Wirkung mir (nachdem ich mir die Ausstellung angesehen habe) beim nochmaligen Betrachten des Gebäudes (sowie - speziell - des geschichts-trächtigen, über die komplette Hauptportalseite sich erstreckenden Balkons) einen weder wohligen noch enden-wollenden Grusel-Schauer den Rücken hinauf & herunter jagt! Selten zuvor spürte ich ‘den Hauch ... des Mantels ... der Geschichte’ deutlicher als beim Anblick dieses Balkons. Und ich kann Batista vor meinem geistigen Auge förmlich sehen ... ... wie er in der Silvesternacht von 1958 auf 1959 seine Abdankung bekanntgibt (mit dem ihm eigenen Pathos & fast so, ‘als bliebe ihm eine Wahl’), ... wie er ‘sein Säcklein schnürt’, in dem er (unter anderem) auch mal so eben 40 Millionen Dollar ins US-amerikanische Exil transportiert, ... & wie er mit dieser, seiner kurzen Ansprache die diktator-freundlichen Party-Gäste in eine ‘Massenflucht-Hysterie der ganz besonderen Art’ treibt.
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Aber - zurück ins Jahr 1995! Die revolutionären Museumsmacher setzen sich die akribische Dokumentation der beiden, für die Erlangung eines souveränen Staates wichtigsten historischen Perioden Kubas zur Aufgabe: ... zum einen den ersten Unabhängigkeitskrieg gegen die spanische Kolonialmacht (auf den sich Fidel Castro Zeit seines bisherigen Lebens immer wieder als ‘die Geburtsstunde des heutigen, modernen Kubas’ beruft & in dessen unmittelbarer Nachfolge er sich & seinen revolutionären Kampf sieht), ... sowie ebendiesen zweiten, von Fidel Castro geführten Unabhängigkeitskrieg gegen Präsident Batista & dessen US-amerikanische Unterstützer (an dessen Ende Batista gehen mußte & das kubanische Volk den ‘Maximo Lider’ feiern durfte). Nach einem wohltuend knapp gehaltenen, kurzen Abriss der spanischen Kolonialgeschichte, bildet der erfolgreiche ... äh ... ‘Abriss’ (!?) dieser knappe vier Jahrhunderte umfassenden Ära (durch die Lichtgestalt Jose Marti & seine Gefolgsleute) den ersten großen Ausstellungs-Block: In Gemälden, frühen Fotografien & handschriftlichen Skizzen (die den Verlauf einer jeden der zahllosen Schlachten darstellen) sowie vermittels einer großen Anzahl überraschend gut erhaltener Ausrüstungsgegenstände (& ... ‘Dingen des täglichen Revolutionärsbedarfs’: Kleidung, Waffen, Münzen, Eß- & Trinkgefäße, aber auch Brillen & ‘in den Kampfpausen die Moral stärkende, weil erbauende’ Musik-Instrumente) ... wird das Wirken & Streben eines jeden Revolutionärs-Generalissimos (en Detail) vor den Museumsbesuchern ausgebreitet. Übrigens: Unter den Freiheitskämpfern ‘der ersten (kubanischen Unabhängigkeits-) Stunde’ befand sich KEINE EINZIGE Frau - DIES wird sich unter Fidel ändern! Wie bereits erwähnt: Fidel Castro sieht sich (voller Stolz) in der Tradition dieser Männer ... ... & so darf es nicht überraschen, daß dieser Epoche (für meinen Geschmack allerdings etwas ZU) breiter Raum zugestanden wird. Naja ... Es folgt (auch ... äh ... räumlich) die Zeit der ‘US-amerikanischen Okkupation des Inselstaates’ - die geradezu LOGISCHE Konsequenz aus der US-amerikanischen Unterstützung des Befreiungskampfes der Kubaner gegen die spanischen Besatzer. Hier, im ‘Museo de la Revolución’ ... ... wird diese geschichtliche Phase nicht nur zur Darstellung des (ideologie-losen) Kampfes regionaler ‘Campesino’-Führer gegen ausbeuterische Großgrundbesitzer herangezogen. Großes Gewicht legt man (auch) auf die schon in dieser frühen Phase große Übereinstimmung kubanischer Kommunisten (der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts) mit dem neuen sowjetischen Denken & dessen internationalistischem Politikansatz. So wird die Arbeit des 1903 in Havanna geborenen & als ‘kubanischer Vorzeige-Kommunist der ersten Stunde’ geltenden Julio Antonio Mella in einem eigenen, großen Museumssaal hinreichend gewürdigt. Auffallend starkes Gewicht wird auf seine Schulung in den Partei- & Kaderschmieden Moskaus sowie sein frühzeitiges Engagement im KOMINTERN gelegt (?) ... ... gerade so, als müsse man der Welt beweisen, daß die Hinwendung Castros zum Sowjet-Kommunismus eben NICHT sicherheits-strategischen Überlegungen nach der, von den USA unterstützten ‘Invasion in der Schweinebucht’ folgte, sondern schon 40 Jahre früher angelegt war & von Castro nur folgerichtig (& bei erster Gelegenheit!) proklamiert wurde. Nach der in jüngster Zeit in Angriff genommenen Loslösung Kubas vom kommunistischen Gedankengut sowjetischer Prägung (& der Suche nach einem dritten Weg), bleibt abzuwarten, ob diese Abteilung des ‘Revolutionsmuseums’ in Bälde überarbeitet wird ... ... & ob einer verfälscht dargestellten geschichtlichen Epoche Authentizität & Wahrheitsgehalt zurückgegeben wird, indem man sie (einfach) noch ein zweites Mal fälscht !? Ab etwa 1950 kulminieren die Spannungen durch ein immer stärkeres Auseinanderklaffen der Lebensumstände von ‘Arm & Reich’ im (vor der US-amerikanischen Haustüre liegenden) ‘Freizeit- & Vergnügungspark Kuba’: Ein großer (& hinführender!) Museumssaal widmet sich mit drastischen Bildern dem Elend & der Unterdrückung des kubanischen Volkes. Ganz bewußt neben diese Dokumentation des deprimierenden, perspektivlosen Lebens der recht- & besitzlosen ‘Campesino’-Familien werden effektvolle Momentaufnahmen der gleichzeitig in den kubanischen ‘Yanquee’-Hochburgen Havanna & Varadero HERRSCHENDEN kapitalistischen Auswüchse gezeigt: glamouröse Casinos, Hotels & Privat-Villen - die rauschenden Feste der Mafia-Bosse (& ihrer prominenten Freunde aus Politik & Film: natürlich darf auch Frankie ‘Mister Blue Eyes’ S. nicht fehlen) - sowie die Auswirkungen der den Marionetten-Staat immer unbarmherziger in den Würgegriff nehmenden Unterdrückungswaffen Korruption, Rauschgift & Prostitution. Und in eben diesem, die Zwangsläufigkeit der folgenden Ereignisse quasi naturgesetzmäßig begründenden Museumsraum, findet sich auch das erste Foto von Fidel Alejandro Castro: der Anfang der fünfziger Jahre als Studentenführer (an der Universität Havanna) erstmals in Erscheinung tritt. Nach dieser ‘auf das Wesentliche einstimmenden’ Überleitung ... folgt der zweite (& eigentliche!) thematische Schwerpunkt der musealen Revolutions-Ausstellung: beginnend mit ... ... dem gescheiterten Sturm auf die ‘Moncada’-Kaserne in Santiago de Cuba (am 26. Juli 1953), ... dem Gerichtsprozeß sowie der (nicht überraschenden) Verurteilung Fidels zu 13 Jahren Zuchthaus, ... Fidels Aufenthalt im berüchtigten Staatsgefängnis auf der ‘Isla de los Pinos’ (der heutigen ‘Insel der Jugend’) bis zu seiner (schon EHER überraschenden!) Begnadigung am 8.Mai 1955, dem Tag der Wiederwahl Batistas, ... der Zeit des politischen Exils in Mexiko, wo es zum ersten Zusammentreffen mit dem argentinischen Arzt Ernesto Che Guevara kommt (äh ... der übrigens zu jenem Zeitpunkt AUCH noch ein ‘kleines revolutionäres Licht’ war, Wollie!), ... schließlich die chaotische Überfahrt der Rebellen auf der (in jeder Hinsicht!) VÖLLIG überforderten, weil winzigen Motorjacht ‘Granma’ & ... ... die nach anfänglichen Schwierigkeiten (um MASSLOS zu untertreiben!) ersten militärischen Erfolge der zahlenmäßig turmhoch unterlegenen ‘Guerilleros’ in den unwegsamen Bergen der südkubanischen ‘Sierra Maestres’. ALL DIESE Stationen des Aufstands gegen das Batista-Regime ... ... sind reich bebildert (laut wundere ich mich, daß es so viele Fotos aus dieser frühen Phase des Rebellenkampfes gibt !? FAST könnte man glauben, Fidels erste Amtshandlung war die Anstellung eines überaus fähigen PR-Managers), ... werden durch zahlreiche Skizzen & Modelle veranschaulicht - gleichermaßen interessant wie beeindruckend ist die detail-verliebte Miniatur-Nachbildung der Szenerie beim Sturm auf die ‘Moncada’-Kaserne (inklusive der einzelnen ‘Lego’-Rebellenautos sowie einer breiten Erläuterung der jeweiligen, intendierten Operationsziele der verschiedenen Stoß-Trupps ... äh ... die ALLESAMT nicht erreicht werden konnten!), ... & sind um ‘Informationen aus erster Hand’ ergänzt (zahllose Zeitungsartikel, Redemanuskripte sowie Tagebucheinträge verschiedenster Rebellen-Chronisten). Wird schon dieser Zeitraum recht ausführlich vor dem Museumsbesucher ausgebreitet, so erfährt die Darstellung der folgenden drei Guerilla-Kriegsjahre in Sachen ‘Detailgenauigkeit’ noch eine kaum mehr für möglich gehaltene Steigerung: MINUTIÖS ... ... wird das Für & Wider der von den jeweiligen Oberbefehlshabern für die besondere geologisch-klimatisch-militärische Konstellation akribisch geplanten Gefechts-Strategie für eine jede, der ungezählten ‘Entscheidungs’-Schlachten diskutiert, ... wird die Stärke (nach Mannschaftsgraden) sowie die Organisationsstruktur der an den Kämpfen beteiligten Rebellen-Verbände genauestens aufgelistet & verschaubildlicht. Hm - SPÄTESTENS ... aus den sehr professionell wirkenden Befehlsstruktur-Organigrammen, darf der unbedarfte Beobachter den Schluß ziehen, daß es sich bei Castros Volksbefreiungs-Armee eben NICHT um einen versprengten Haufen verkrachter Existenzen & sonstiger ‘Desperados’ ... sondern um ‘die zivilisatorischen Errungenschaften & gesicherten Erkenntnisse effizientester Kriegsführung durchaus nutzende’ (wenn auch an ihre Guerilla-Taktik anpassende), straff organisierte, REGULÄRE (& somit ‘ganz normal wahnsinnige’) militärische Truppen handelte, ... werden die zivilen Leistungen zum Wohle der, in immer größerer Zahl zu den Rebellen ‘überlaufenden’, besitzlosen kubanischen Landbevölkerung beschrieben & dokumentiert: GESUNDHEITSVORSORGE & BILDUNG !!! Jene beiden ‘wichtigsten zivilen Aufgaben der Revolution’ ... denen sich niemand mit größerem Eifer widmet, als der Arzt & Intellektuelle Ernesto Guevara - was auch dazu beiträgt, daß sich Ché (zwar in gebührendem Abstand zu ‘Commandante y Jefe Fidel Castro’, aber immerhin) als zweiter ‘Commandante’ in der Rebellenarmee etablieren kann ... & (auch) eine zunehmend wichtige Rolle im Verhältnis der Guerilla zu den zunehmend interessierten ausländischen Medien übernimmt. Übrigens - in den Fotografien dieser frühen Rebellenzeit, wird man von Chés Ausstrahlung (besonders von seinem alles durchdringenden & zu allem entschlossenen Blick) unweigerlich in den Bann gezogen: Man kann sein einzigartiges Charisma fast (mit Händen) be-GREIFEN !!! Fidel Castro wurde (& wird) geachtet & als ‘Vater der Revolution’ uneingeschränkt respektiert. Ché Guevara aber wird (spätestens seit seinem gewaltsamen Tod in Bolivien) bis auf den heutigen Tag überall in Kuba als ‘Symbolfigur & Märtyrer für den Freiheitskampf ALLER Unterdrückten dieser Welt’ VEREHRT & GELIEBT !!! Mit dem Betreten des nächsten Museumsraumes gehört Fulgencio Batista der Vergangenheit an! WIR zelebrieren den großen Sieg der Rebellen über den Marionetten-Präsidenten des US-Kapitalismus: Großformatige Fotografien zeigen die ausgelassenen Jubelfeiern beim Einzug Fidel Castros in Santiago de Cuba sowie Ché Guevaras & Camillo Cienfuegos’ (als den Kommandierenden der ‘Rebellenstreitkräfte Nord’) in Havanna. Ein harter Schnitt leitet übergangslos von den ausgelassenen Siegesfeiern in den Straßen der grossen kubanischen Städte über zu den ersten Revolutionsgerichts-Verfahren: zur Abrechnung mit den (nicht ins Ausland geflohenen & daher meist nur mittel- oder unterrangigen) ‘Schärgen des Batista-Terrors’ ... ... & zahllose Bilddokumente beweisen, daß sich Ché auch für DIESES, eher ‘schmutzige Revolutionsgeschäft’ nicht zu schade war. Den Übergang zu eher zivilen Betätigungsfeldern der ex-Guerilleros ... markiert der von Fidel Castro proklamierte ‘20-Punkte-Plan’ zum Aufbau des ‘Neuen Kuba’ in volkseigener Verantwortung (was schon eine starke Färbung hin zum, von Ché so gern benutzten Terminus des ‘neuen Menschen’ besitzt). Apropos ‘Färbung’: Diese letzten, den finalen Sieg der Revolution euphorisch feiernden Museums-Räume, vermitteln durch Einrichtung & Ausstattung eine eher kämpferische Grundstimmung (jedenfalls im direkten Vergleich zu den vorherigen Räumlichkeiten). Fahnen, Vorhänge, ja selbst die Stoffbezüge der wenigen Sitzmöbel weisen nur mehr EINE als die klar dominierende Farbe aus: SOWJET-ROT! ... ... oder bilde ich mir das nur ein? Den Abschluß der Ausstellung bildet schließlich eine sehr knapp gehaltene Bild- & Textdokumente-Schau zum post-revolutionären Thema ‘Aufbau des ... & Leben im ... sozialistischen Staat Kuba’. Hm - ETWAS ausführlicher wird lediglich noch auf die erfolgreiche Niederschlagung der ‘Exil-Cubano-Invasion in der Schweinebucht’ eingegangen ... Tja - & DANN ... ... DANN bin ich auch schon ‘durch’! Resümierend bleibt festzuhalten, daß die Ausstellung insgesamt sehr interessant, spannend & kurzweilig ist - ‘kurzweilig’ natürlich nicht im Sinne von unterhaltsam, sondern (trotz des riesigen Umfangs) zu keiner Zeit langatmig! Ich verlasse den ehemaligen Präsidentenpalast durch die, dem Hauptportal gegenüberliegende guß-eiserne Pforte & schlendere durch den begrünten Innenhof zum nahen ‘Monumento Granma’: Die 18 Meter lange, mittlerweile ziemlich betagte Motoryacht ist (gut restauriert & blitzblank gewienert) in einem speziell für sie errichteten Glaspalast ‘aufgebahrt’. Fotografieren ist hier (warum auch immer?) strengstens verboten - was mir im Falle der ‘Alten Dame’ entschieden MEHR leid tut ... ... als beim Anblick des, um den Glaspavillon herum ‘locker’ angeordneten & ebenfalls mit Fotografier-Verbot belegten diversen Kriegsgerätes (unter anderem ein kubanischer Panzer, ein sowjetischer Raketenwerfer, von der heimischen Flugabwehr abgeschossenes ‘Juguete-de-Guerra Yanki’ ... sowie Fidel & Raoul Castros Original-Jeeps aus ‘Dias de Rebelde Pasado’). Nur wenige Augenblicke später ... ... holt mich, der ich von den bewegenden Bildern der letzten drei Stunden noch leicht benommen ( ... & in Gedanken!) bin, auf dem Museumsvorplatz das an Aufdringlichkeit nicht mehr zu überbietende, penetrante ‘Ssst - Ssst - Ssst’ einer völlig unattraktiven (äh ... was zwar in dieser Situation EIGENTLICH nichts zur Sache tut - obwohl: ‘zu allem Überfluß auch noch völlig UNATTRAKTIVEN!’) ‘Chica’ wieder ins Kuba der Gegenwart ... 1995? ... oder doch vor 1959? ... & wenn ja, macht das einen Unterschied? ... ... ZURÜCK! Und zwar (wie ich augenblicklich in mir verspüre) ... ... VERDAMMT UNSANFT! Nostalgie? Wehmut? Sentimentalismen? Eigentlich nicht: eher (schlicht & ergreifend) ... WUT! Ich flüchte mich in die Bar des ‘Hotel Inglaterra’, wo ich hoffe, in Ruhe ( ... & in einsamer Zwiesprache mit einem schweigsamen Bier) meinen Gedanken noch ein wenig nachhängen zu dürfen. Naja - vielleicht hat mich ja doch der Bazillus eines kapitalen ‘Infectus Nostalgicae Revolutionaris’ erwischt ...? Ich weiß es nicht ... Was ich jedoch SICHER WEISS, ist ... ... daß mich der Museums-Besuch & der exponierte Museums-Standort ziemlich aufgewühlt & mitgenommen ... & mir jegliche Lust auf etwaige ‘Action’ (JED-weder Art) gründlich vermiest haben! Schon um 6 Uhr ziehe ich mich in meine Hotel-Klause zurück ... & vertiefe mich (entschieden ‘Gute-Laune’-förderlich, das!) in meine ‘Irving’-Reiselektüre. Nach Einbruch der Dunkelheit beschließe ich spontan, mir den für den heutigen Abend fest eingeplanten Kinobesuch zu verkneifen: zu sehr schreckt mich die Aussicht, durch sinnloses Warten in ellenlangen Besucher-Schlangen vor letztlich doch ausverkauften Festival-Kinos in einem erneuten Stimmungs-Tief zu versinken! Heute Abend verspüre ich (im - zugegeben! - KRASSEN Widerspruch zu meiner misanthropischen Veranlagung ...?) keinerlei Lust auf Menschen. Nun ja - wenigstens nicht auf DIE der ‘hedonistisch-unasketischen Nicht-Revolutionärs-Variante’! Im Schutz der Dunkelheit (nach 9 Uhr am angenehm-temperierten Abend) begebe ich mich ... (doch noch) auf eine kurze & späte Wanderung durch die nicht ganz so neon-gleißenden Seitenstraßen der kubanischen Hauptstadt: Ich schlürfe in einer schummrig beleuchteten Open-Air-Bar einen Cuba Libre (‘Salute, Ché!’), verleibe mir statt eines Abendessens ein beid-fäustiges Speiseeis ein (Geschmacksrichtung: ‘Cigarro y Ron’), trage (mit Fassung) die zuletzt beschrifteten & definitiv letzten Postkarten zum ‘Correos’ am Hauptbahnhof (‘... por mi Amigas y Amigos ... en mi Patria ... con Saludos Revolucionario’!) & ... ... kann hier den weit geöffneten, mich in Kuba willkommen heißenden & zupackenden Armen eines jungen Santiagueros nicht rechtzeitig ausweichen. Nach zunächst nettem Gespräch (über DIES & DAS), VERLANGT er unvermittelt nach meiner Heimatadresse: Er will mir schreiben! Meine an mich selbst gerichtete Frage nach dem ‘... aber WAS?’, vermag ich trotz Berücksichtigung aller zu seinen Gunsten sprechender Argumente nicht überzeugend zu beantworten. Daher MUSS ich seine Bitte mit einem freundlichen ‘No, Gracias!’ bescheiden & ... kurz darauf trennen sich unsere Wege (erstmal!). Meine letzte ... äh ... recht ‘UN-revolutionäre’ Handlung (für heute), soll der Kauf von Bier & Zigaretten im ‘Quiosco Enfrente de mi Isla Privado’ sein ... ... so war es jedenfalls von mir geplant! Aber ER erwartet mich vor meinem Hotel & stellt mir (bevor ich ihn ‘izquierda’ liegen lassen kann) seinen Freund vor, der ‘vor der Wende’ ein paar Jahre in Leipzig gearbeitet hat: Höflich wie ich (allen Unken-Rufen zum Trotz ... nun mal) BIN, übe ich mich & ihn ein paar Minuten in ‘deutschem Klein-Plausch’. Als ich schließlich unmißverständliche, erste Anstalten mache, mich in mein Hotel zu verabschieden ... ... wird sein Freund (der ‘Nicht-Leipziger’) auffallend HEKTISCH & tuschelt seinem netten, weil unaufdringlich-dezenten ‘Sprachohr’ ein ums andere Mal (& für mich unüberhörbar) zu: ‘Chica ... Chica ... Chica’! Noch bevor der sich angenehm zierende ‘Hilfs-Luden’ die entscheidende Frage an mich richten kann, antworte ich (dem ‘Anderen’): ‘No Chica! Gracias y ... Adios’! Hm - ich hätte GROSSE Lust (gehabt), ihn anzuraunzen: beispielsweise ... ‘Du gottverdammtes, mieses, kleines ZUHÄLTER-ARSCHLOCH! Wer um alles in der Welt bist Du eigentlich, daß Du glaubst, Dich so schamlos erdreisten zu dürfen, wildfremden Menschen Frauen (Deine Schwester ...? Deine Tochter ...?) wie ein Stück Vieh anzubieten !?’ Hm - wie gesagt: ‘... hätte gehabt’! Aber DEM steht (heute: uneingeschränkt LEIDER!) mal wieder mein ach-so-begrenzter spanischer Wortschatz im Wege! Tja - & DIES war somit meine verpaßte Chance einer WIRKLICH revolutionären Handlung ... Jedenfalls in ‘CUBA - EL MACHISSIMO’ !!! In meinem Hotelzimmer angekommen, spüle ich meinen ‘Aphasie’-Frust mit einem ‘Cerveza Quiosco’ herunter, lenke mich mit zwei langen Kapiteln ‘Zirkuskind’ ab (ich nähere mich mit rasantem Tempo der literarischen Zielgeraden) & begebe mich dann (dies durchaus vorausahnend) auf eine nachbereitende Traumreise durchs ‘Museo de la Revolución’. Schließlich (‘Ein Traum ist ein Traum ist ein ...’) das finale ... ‘Adios Ché - Buenas Noches Fidel! Hasta La Revolución Próximo: El Combate Continuar’ !!! (... oder so ähnlich).
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Donnerstag, 23. November:
... HAVANNA
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Als ich am Morgen (mal wieder!) durch ohrenbetäubenden Krach aus meinen Träumen gerissen werde ... ... gestehe ich mir ein, daß mich das ‘Isla de Cuba’ denn doch so langsam zu nerven beginnt. Und die gestrige ‘Frühstücks-Abzocke’ trägt (vermutlich: unbewußt) auch zu dem Entschluß bei, der kurz darauf unumstößlich gefaßt ist: Meine letzte Kuba-Nacht will ich dort verbringen, wo ich vor knapp vier Wochen meine ersten kubanischen Gehversuche unternommen habe - im ‘Hotel St. Johns’ (im Stadtteil Vedado), das mir seit Guillermo Cabrera Infante’s Roman von den ‘Drei Traurigen Tigern’ (ob seiner traditionsreichen, prä-revolutionären Geschichte) erheblich an Attraktivität gewonnen zu haben scheint. Außerdem ... ... kann ich mich dann (dort!) noch einmal so richtig über’s US-Touri-TV ärgern! Zunächst schlendere ich durch den ‘Parque Central’ zum ‘Hotel Inglaterra’: den karibischen Winter mit jedem (Atem- UND Nikotin-) Zug genießend ... ... ab übermorgen werde ich (vergeblich!) versuchen, mich an dessen ‘rheinischem Bruder’ zu erwärmen! Ausgiebiges Frühstück & langes Gespräch mit einem französischen Fotografen aus Guadeloupe (Nein - mein ‘Fuck-Chirac’-T-Shirt ist immer noch sicher im Rucksack verstaut!) ... ... der im Auftrag einer Reiseagentur Fotos in & von La Habana schießen soll. Die Agentur zahlt ihm für zehn Tage sämtliche Spesen (Nicht schlecht!) ... & ER? Er beklagt sich über die ach-so-kleinen Zimmer im ‘Hotel Inglaterra’! Aber ... ... nachdem ich ihm eine EXTREM GESCHÖNTE Version meiner momentanen Wohnverhältnisse zu Gehör gebracht habe, entwickelt sich (doch noch) eine nette Unterhaltung. Er ist vorgestern angekommen, hat sich bislang nur in Havanna aufgehalten (‘Erst die Arbeit ...’) & voraussichtlich schon morgen alle gewünschten Motive beisammen. Ich versuche ihm einige ‘andere sehenswerte Ciudads Cubana’ näherzubringen (schließlich steht ihm noch eine kostenlose Urlaubswoche bevor) & er ist dankbar für jeden Tip - obschon Santiago de C. & Trinidad bereits vor unserem Gespräch in seinem privaten Veranstaltungsprogramm vermerkt waren. Übereinstimmend sind wir der Meinung, daß Kuba (im Umbruch) ‘Muy Interessante’ ist. Übereinstimmend & abschließend ... ... denn sein Assistent (‘Ten Days ALL Inclusive’! ... un-GLAUB-lich!) betritt den Frühstücksraum, steuert nach einem kurzen Rund-um-Blick unseren Tisch an & ich darf mich in der Folge (ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen: die beiden besprechen ihr Tagesprogramm) meinem Tagebuch widmen ... ... was auch bitter nötig ist: Ein verdammt langer Eintrag harrt meiner Verfassung (siehe Vortag!). Kurzer ‘Adios-Habana-Vieja’-Spaziergang durch die Altstadt ...
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Anschließend zurück ins Hotel. Packen & der lange Fußmarsch mit Rucksack nach Vedado: Den ‘Prado’ (am ‘Parque Central’ vorbei) entlang - hinter dem Nationaltheater in die ‘Avenida San Rafael’ - vorbei an einem namenlosen kleinen Park (mit malerischer Reiterstatue des General Batoncourt: gefeierter Held des ersten kubanischen Befreiungskrieges) mitten hinein ins Touri-, Hotel- & Vergnügungsviertel an der ‘Rampa’. Im ‘Hotel St. Johns’ erhalte ich ohne größere Schwierigkeiten das erwartet gute Zimmer (That’s why I’m Here!) - obwohl: Die junge Frau an der Rezeption hält vor Aushändigung des Zimmerschlüssels an mich eine kurze Rücksprache mit ihrer Chefin. Aber ich bin guter Laune & gewillt, zu ihren Gunsten anzunehmen, daß sie dies bei JEDEM neuen Hotelgast macht - ODER !? Letztmalig (wenigstens in Kuba) packe ich meinen Rucksack aus & gönne mir (Another Reason ... why I’m Here!) anschließend eine Körper & Geist herrlich erfrischende Dusche in einem blitzsauberen Kachelbad ... UND mit (ich trau’s mich kaum hier niederzuschreiben) WARMEM Wasser! Tja - in den Wochen seit meiner Ankunft sind die Temperaturen hier in Kuba deutlich (& vor allem: spürbar) zurückgegangen. Abends muß ich (mir verwundert die Augen reibend!) mich zwar von einem öffentlichen Freiluft-Thermometer belehren lassen, daß es immer noch 26 Celsius-Grade ‘hat’. Dieser objektive (?) Wert, sagt aber EINDEUTIG nichts aus über die aufgrund der stetigen & steifen Meerbrise nicht nur subjektiv als kühl empfundenen Abendstunden: BRRR ... !!! Für den Nachmittag habe ich einen letzten, längeren Gewaltmarsch eingeplant: Ein weiteres Mal schreibe ich den Nobel-Vorort Miramar als finale Endstation auf meine nichtvorhandene Wanderfahne! Äh ... dies aber ist lediglich das ‘Ziel-Ziel’! Mein EIGENTLICHES, weil ‘Weg-Ziel’, ist eine relaxte Foto-Safari entlang der südwestlich das Stadtzentrum hinter sich lassenden ‘Calle 23’ ... ... & die erhoffte Entdeckung einiger außergewöhnlicher (NUR den kubanischen Alltag repräsentierender) Bild-Motive! Hm - VIEL leichter gesagt als getan (& erst in Deutschland werde ich wissen, WIEVIEL leichter ...). Zumal schon nach einer knappen Stunde für mich (den scheinbar einzigen Fußgänger-Touri in Kuba) das ungeplante Ende meines geplanten Vorhabens naht: Am ‘Autostrada’-Tunnel verschwindet die Straße unter dem Almendares-Fluß, welcher in die (eine weit geschwungene Stadt-Meeresbucht bildende & exakt in nördlicher Himmelsrichtung sich befindende) ‘Boca de Charrera’ mündet ... ... & für ‘Nicht-Blechbüchsen’, wie ich es eine bin (Gott-sei-Dank!), endet abrupt jegliches Fortkommen. Denn am östlichen Ufer des Almendares breitet sich ein riesiges nautisches (‘Auto’-) Touristenzentrum aus ... ... das (auch) vor historischen Bauten den gebotenen Respekt vermissen läßt & den östlichen Teil der alten Festungsanlage Havannas kurzerhand in (‘Auto’-) Geiselhaft genommen hat. Mir bleibt keine Wahl: Da die wenigen öffentlichen Bus-Trucks (für Personen-Beförderung notdürftig umgerüstete Sattelschlepper) ab ihrem jeweiligen Einsatzort allesamt HOFFNUNGSLOS ÜBERFÜLLT sind ... erweist sich der ‘Almendares’ für mich als unüberwindbarer Limes! Und ich darf des ‘feuchten Limes’ westlicher Uferpromenade bis zur Boca de Charrera folgen ... SHIT !!! Aber ... ... mittlerweile habe ich eine vielversprechende Anzahl Stadt-, Land-, Fluß-Motive abgelichtet. Ich bin mit meiner bisherigen Fotoausbeute nicht unzufrieden & lasse mich von einem strahlend azurblauen Himmel (über einer tosend anrollenden, karibischen Meeresbrandung) zu einem (noch) entspannteren Wandertempo verleiten: Ein ums andere Mal hocke ich mich auf die halbhohe Quaimauer, lasse Beine & Seele baumeln ...
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... rauche gegen die mich benetzenden Gischtkronen der Brandungswogen an & beobachte die zahlreichen ‘Muchachos Cubano’ bei ihren, in meiner Gegenwart durchweg erfolglosen Versuchen, den unsichtbaren Meeresbewohnern mit ihren Angeln (oder simplen ‘Haken-Lassos’) ‘auf den schuppigen Pelz zu rücken’. SO ... ... weitgehend aktions-, keineswegs aber sinn-los, verstreicht der Nachmittag: HACH - das Leben KANN doch schön sein, ODER? Mit abnehmendem Sonnenstand nimmt die passive Aktivität der Meereswellen zu (wie - jetzt?) ... ... & hart am karibik-seitigen Promenadenstreifen des ‘Malecon’ entlangmarschierend (& das ‘volle Frrriesen-Feeling fühlend’), werde ich durch die sich & die Quaimauer überschlagende Brandung (immer ... mal wieder) zu einem weltrekord-verdächtigen ‘Sotomayor’-Flop ... ... aber: Ich will nicht prahlen! Am Pauschal-Touri-Hotel ‘Habana Riviera’ muß ich mich (so unauffällig wie irgend möglich) vorbeistehlen ... obwohl: die augenblicklich über mich hereinbrechende (schon wieder? nein: anders!) ‘Chica-Anmache’ vermag mich mittlerweile kaum mehr ernsthaft zu stören! Drei ‘Nummern’ später ... äh: Nein: KWATSCH! ... äh ... stehe ich vor der ‘Maine’-Gedenkstätte.
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Das Denkmal erinnert an die Opfer des 1898 auf das US-Schlachtschiff ‘Maine’ verübten Sprengstoffanschlags ... ... eines historischen Ereignisses, das bis zum heutigen Tage Rätsel aufgibt: Für die kubanische Staatsführung um Fidel Castro steht fest (natürlich auch weil es ihr vorzüglich ‘in den politischen Kram paßt’ ... aber dies alleine beweist ja noch nicht die Unmöglichkeit dieser Version!), daß der CIA zumindest im Hintergrund die entscheidenden Drähte (& Zündschnüre) gezogen hat. Schließlich diente der Vorfall (nicht WIRKLICH überraschend) den USA als Vorwand, Spanien den Krieg zu erklären ... die Kubaner (alsbald) zu ‘befreien’ & ... die Insel zu ANNEKTIEREN! Hm ... & wer jetzt behauptet (& damit diese Geschichtsdarstellung zu entkräften vermeint), daß die ‘freiheitlich-demokratischen United States of America’ NIEMALS NICHT auch nur EINEN ihrer Staatsbürger (wenn auch nur ‘in Uniform’) zum Zwecke der Erweiterung ihrer politischen Einflußsphäre mutwillig OPFERN würde ... Also - kurz gesagt: ICH ... ... halte diesen Plot für MEHR als nur wahrscheinlich! Und DAS sage ich auch den beiden nervigen ‘Cubano-Kids’ ... die sich (am Sockel des Denkmals auf ihr ausgeschautes Opfer wartend) an meine Fersen heften & nicht mehr von meiner Seite weichen, allerdings nur mäßiges Interesse für meine eloquent vorgetragene Verschwörungstheorie zeigen (stattdessen: ‘Dolares! Dolares, Senor’!). Rettung erfahre ich schließlich durch einen ‘den richtigen Ton’ (nämlich: aggressiv-hysterisches Falsett!) treffenden, jungen kubanischen Studenten (übrigens: der Wirtschaftswissenschaften) ... ... mit dem ich, entspannt den ‘Malecon’ hinunter (zur ‘Rampa’) schlendernd, ein langes & anregendes Gespräch über Deutschland & Kuba führe: Hm - wie schon so oft hier in Kuba erlebt, fragt auch er mich irgendwann unverblümt, ‘ob die Türken in Deutschland immer noch von den Skins umgebracht würden’? Naja - wenigstens scheint man (noch) zwischen ‘den Deutschen im Allgemeinen’ & ‘deutschen Glatzen im Speziellen’ zu unterscheiden! Obwohl: Es gibt ja auch ‘Glatzen mit Haaren’! Pünktlich zum Einbruch der Dämmerung, breche auch ich ... & zwar ERSCHÖPFT (in meinem Hotelzimmer) ZUSAMMEN: Ich hab’ mir ein Bier verdient (behaupte ich mal so!) & beginne DAZU (meine heißgelaufenen Füße auf dem Bett entqualmend ... & auch sonst viel Rauch produzierend) die letzten ‘Zirkuskind’- (Schluß-) Kapitel. Den Abschluß meines öffentlichen Tages, bildet ‘eine schnelle Pizza - irgendwo in der Nähe meines Hotels’. Ich will mich nicht länger als nötig zwischen mich umflirrenden & zum Anbeißen nicht nur auffordernden (sondern auch ... äh ... seienden) Schwalben an den Bordsteinkanten der ‘Calle 23’ entlanghangeln MÜSSEN (‘... und führe uns nicht in Versuchung!’). Diesen, meinen guten Vorsatz, setze ich, trotz einiger gleichermaßen unvermeidlicher wie vielversprechender Seitenblicke, auch BRAV in die Tat um ... ... ich Stein, ICH! Da die gebotenen kulturellen Beiträge im ‘T-TV’ frappant einem Blick (wenn nicht gar Griff) ins durchschnittliche US-WC gleichen (auf dem sich vorher - am Morgen nach einer bierselig-langen Nacht - jemand erfolgreich entleert ... naja, lassen wir das!) ... bewege ich mich weiter ZÜGIG auf das Ende des ‘Irving’-Romans zu. Schon um Elf Uhr klopft ‘The Carribean Mister Sandman’ an das hölzerne Fußende meines Bettgestells & ... ich folge ihm: Daran können weder ... ... ‘Ron-Cocteles’ in der Dachterrassen-Nachtbar meines ‘St. Johns’, noch ... ... die dortigen (oder ‘wo-auch-immer sich nach mir verzehrenden’) extrem leicht-gewichtigen kubanischen Mädchen, geschweige denn ... ... der Spätfilm im ‘US-Touri-Shit-TV’ etwas ändern. JAWOLL !!! ‘Y ... Buenas Noches, Orstillo’!
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Freitag, 24. November ( ... & ABFLUG!):
... HAVANNA
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Ein langer Tag ... & eine noch längere Nacht (im Flieger!) liegen vor mir. Daher ist ‘die vornehmste Reise-Pflicht vorm Sprung über den Großen Teich’: AUSSCHLAFEN! Mein Frühstück nehme ich im bekannten, den Charme besserer (wenn auch eindeutig vergangener) Tage versprühenden Restaurant des ‘Hotels St. Johns’ ... ... & auch hier scheint sich (für mich) ein Kreis zu schließen, mein Kuba-Trip sich zu einer ‘rund-um-runden Sache’ zu entwickeln (Nein - ich spreche NICHT von meinem, durch das oppulente Frühstück bös’ deformierten Bauch!): ‘... (just) Now ... after Four Weeks ... & Here ... where It All Began’! Seit dem ersten morgendlichen Augenlider-Zucken spüre ich, daß ich mich bereits auf der Heimreise befinde & meine Gedanken um das ‘Danach in Köln’ kreisen. Nicht WIRKLICH überraschend, hält sich meine Lust, während der letzten drei mir noch verbleibenden ‘Horas En Cuba’ nochmal ‘größere kubanische Bäume auszureißen’ ... ... in recht engen Grenzen. Ich unternehme einen Streifzug durch die umliegenden, zahlreich vorhandenen Touri-Geschäfte & informiere mich über das aktuelle Sortiment ‘revolutionärer T-Shirts’ (Mitbringsel für ‘meine Lieben Daheim’?) sowie authentisch-kubanischer ‘Kunststoff-Schätzchen’: Aber einzig eine ‘Beni-Moré’-Musik-Cassette (Empfehlung von Edelmira aus Camagüey) ist in der Lage mein Interesse nicht nur zu wecken ... ... sondern mich auch zu veranlassen, meine Reisekasse (ein letztes Mal?) zu öffnen. Ich schlendere die ‘Calle 23’ (scheinbar ... ziellos?) entlang, schieße die ALLER-letzten Habana-Vedado-Fotos ...
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... & lande schließlich (scheinbar ... ziellos? VON WEGEN!) vor meiner / vor DER ‘Coppelia’: Meine beiden letzten kubanischen Pesos in der schweiß-nassen rechten Hand ... ... stelle ich mich (auf ein letztes Speiseeis) in der ewig-gleich-langen Schlange vor dem Verkaufsschalter für die ‘Laufkundschaft’ an. Wartend ... ... beobachte ich eine alte, gebrechlich & verarmt aussehende, ganz in Schwarz gekleidete ‘Abuela Cubana’, die (etwas abseits im Schatten einer Palme hockend) mit ernster Miene gewissenhaft ihren riesigen Eisbecher leerlöffelt. Ich stelle mir vor, daß sie heute (wie an jedem vierten Freitag im Monat) ihren ganz persönlichen Hedonisten-Tag feiert & die restlichen, von der kargen staatlichen Hilfe übrig behaltenen Pesos in die (nach dem Tod ihres Gatten) EINZIGE, ihr verbliebene ‘große Leidenschaft’ investiert ... ... & muß an die Erzählungen meiner ‘Ma’ denken: die sich während der ersten Ehe-Jahre (jeweils am Wochen-Zahltag) den Luxus genau EINES (persönlichen!) Riegels Vollmilchschokolade gönnte (während mein ‘Pa’ fünf Zigaretten ...)! (Spürbarer) ... STICH - MITTEN IN MEIN HERZ! Auch das Wetter macht’s mir absichtlich SCHWER ... ... denn es zeigt sich von seiner strahlend-sonnigsten ‘Schokoladen’-Seite! Hm - nützt ALLES NIX: Ich muß zurück ins Hotel! Duschen - Packen - dann runter ins Hotel-Foyer. Bis zur ‘Check-Out-Time: A las Dos de la Tarde’ ... bleibt mir noch eine gute Stunde & so beende ich (auf meinem kompletten Reisegepäck gluckend) meine ‘Zirkuskind’-Reiselektüre: Wie immer (bei John Irving!) kommt mir nach der letzten Seite des Romans ein großes & seufzendes ‘Schade’! in den Sinn. Zugleich aber spüre ich auch ein wachsendes Gefühl der Vorfreude auf meinen fürs kommende Jahr geplanten, ersten GROSSEN Trip ... ... durch ASIEN !!! Wie gesagt: EIGENTLICH bin ich schon nicht mehr in Kuba ... ... sondern ... äh ... ganz woanders! Die vom Hotel vermittelten Flughafen-Taxis halte ich, bei einem fixen Fahrpreis von 15 US-Dollar, für stark überteuert (was sich kurz darauf bestätigt!). Ich suche mir daher ein billigeres ‘Taxi Privado’, lehne mich nach den erfolgreich abgeschlossenen Vertragsverhandlungen zufrieden in meinen Beifahrersitz zurück & ... ... lasse mich (gleichermaßen entspannt wie ... passiv !?) zum ‘Far-Off Airport’ kutschieren. Tja - DAS dachte ich mir SO ... ... aber schnell wird mir klar, daß ich noch GANZ SCHÖN HART werde mitarbeiten müssen, bevor ich meinen Fuß (oder besser: meine beiden Füße!) ins Abfertigungs-Gebäude des Flughafens setzen darf: Der Taxifahrer (& offensichtliche ‘Hobby-Lauda’) fährt ‘wia a gesengte Sau’ ... ... hupt sämtliche Fußgänger & Fahrradlenker SICHTLICH GUT GELAUNT von seiner Piste - hält sich (auf meine ironische Nachfrage hin) für einen ausgezeichneten Autofahrer & ... ... HÄTTE im nächsten Moment die Kollision mit einem anderen Autofahrer nicht vermeiden können, HÄTTE ich ihm nicht ins Lenkrad gegriffen! Zugegeben ... ... mein ‘Rapidly Racing Road-Runner-Risk’ wäre an der Karambolage schuldlos gewesen - aber trotzdem: DAS HÄTTE mir - zwei Stunden vorm Abflug - gerade noch gefehlt! ‘Schon mal was von kontrollierter Offensive gehört ... ... Du Kolbenfresser eines Otto-R.-Motors, DU !?’ Gute zehn Kilometer vor Erreichen des ‘Aeropuerto José Marti’ hat laut Aussage meines ‘Taxista’ die (ziemlich konspirative) Übergabe des ausgehandelten Fahrpreises zu erfolgen: ‘Denn am Flughafen patroullieren eine Menge Polizisten & DIES ist ein privates Taxi ...’ Hm - ich erinnere mich an die beeindruckende Galavorstellung des ‘Fahrrad-Bullen’ (meiner ERSTEN Begegnung mit der geballten, kubanischen Staatsmacht) vor exakt vier Wochen ... ... & NICKE (wissend)! Kurze Zeit später ... betrete ich die Abflughalle, suche (erfolgreich!) meinen Abfertigungs-Schalter & darf mich in Geduld üben: ‘Check-In is ABOUT to Start in One Hour!’ Aber - alle Anwesenden geben sich alle erdenkliche Mühe, mir die Wartezeit so kurzweilig wie möglich zu gestalten. Ich erlebe (notgedrungen, da in aller Öffentlichkeit aufgeführt!) ‘unbeschreiblich-herzergreifende Abschieds-Szenen’ ... aus einem zur Zeit im Flughafengebäude ‘ABGEDREHTEN Endlos-Episoden-Schmalz-Kino-Streifens’ ... ... mit dem vorläufigen Arbeitstitel: ‘WIE - um alles in der Welt - werde ich meine CHICA - möglichst schnell, ohne allzuviel Aufsehen zu erregen & ohne irgendeine Verpflichtung für die Zukunft einzugehen ... ... LOS !?’ Ein Franzose (der in der Warteschlange unmittelbar hinter mir ungeduldig zwischen Spiel- & Standbein wechselt) hat’s besonders schwer ... ... dieser bemitleidens-UN-werte ARSCH! - ER ist der Typ Mann, den in Europa keine halbwegs attraktive Frau ‘auch nur mit dem Hintern anschauen würde’, - SIE (entschieden weit MEHR, als nur halbwegs attraktiv) würde offensichtlich liebend gerne ‘ihren Schatz (Mi Amor!)’ nach Paris begleiten, presst ein ums andere Mal die Jahreszahl ‘1996’ zwischen ihren kaum geöffneten Lippen hervor & ... ... erhofft (natürlich vergeblich!) ein Versprechen seinerseits (zumindest den Schimmer einer Hoffnung), im nächsten Jahr wieder zu kommen. Ihr stereotypes Flehen wird nur unterbrochen durch Tränen-Sturzbäche, leidenschaftliche (zum x-ten Mal ALLES versprechende!) Küsse & verzweifelte (sieht sie die Sinnlosigkeit ihres Tuns bereits ein?) ‘Kleinstkind-Klammergriffe’. ER hingegen erklärt ihr (mit ‘unendlichem Bedauern in seiner brüchigen Stimme’): - daß das kommende Jahr 1996 das alles entscheidende für seine berufliche Karriere sein wird, - daß er im nächsten Jahr UNENDLICH HART & VIEL arbeiten muß, - daß er (so leid es ihm selbst auch tut!) daher vermutlich kaum Zeit für Urlaub haben wird ... ... daß er ihr aber (VERSPROCHEN!) ... SOBALD er in Paris gelandet ist ... äh ... spätestens nach Erledigung der dringendsten Post (also in ein paar Tagen ... Wochen / Monaten / Jahren?) SOFORT schreiben wird: GANZ GROSSES EHRENLEGIONÄRS-(KRANKHEITS-)EHRENWORT !!! Während dieses, JEDE ‘noch-so-Star-gespickte Hollywood-Schnulzette’ UN-WEI-GER-LICH um JEDE Chance einer Oscar-Nominierung bringenden (hm - oder gerade nicht?) Dialogs ... ... muß ICH mich darauf konzentrieren, mein mit aller Macht ‘nach oben’ steigendes Frühstück ... äh ... mit aller Gegenmacht in Richtung seines angestammten, finalen Bestimmungsortes (pansenwärts!) zurückzudrücken! Hm - SOLCHE, für einen nervösen Magen das reinste Gift bedeutenden Szenen ... ... setzen sogar die elementarsten Gravitationsgesetze außer Kraft: WÜRG !!! Übrigens: Eine knappe Stunde später darf ich den ‘Froggie’ (vermutlich ‘Chirac’-Anhänger & bekennender ‘Atomwaffen-Test-Gegner-Gegner’?) im Transitbereich in einer, seine begnadete Verwandlungsfähigkeit demonstrierenden, gänzlich anderen Glanzrolle bewundern: Er hat die Trennung von ‘seiner großen Liebe’ ERSTAUNLICH (NICHT zu verwechseln mit ‘überraschend’) schnell & gut VERDAUT! Er macht einen gelösten, unverkrampften, ja heiteren (erleichterten ...?) Eindruck - feixt mit einer jungen Souvenir-Verkäuferin herum & ... ... dem unvoreingenommenen Betrachter MUSS sich der Eindruck aufdrängen, daß dieser nette & kontaktfreudige Zeitgenosse gerade einen rund-um tollen Urlaub in Kuba verbracht hat ... ... was ER (auf Nachfrage) vermutlich auch mit dem Brustton der Überzeugung bestätigen würde! NIX WIE WEG & ... ... AB IN DEN FLIEGER! Bereits am Beginn der Startpiste auf das finale ‘Okay’ des zuständigen Fluglotsen wartend, werden die Startvorbereitungen plötzlich abgebrochen & ... ... unsere ‘Iljushin’ rollt langsam auf ihre Parkposition neben dem Terminal zurück. Die kubanische Chef-Stewardess informiert die Passagiere (äh ... ihrer Stimme ein betont unaufgeregtes Timbre verleihend bemüht), ‘daß die Maschine einen Triebwerks-Schaden hat (!?)’. Scheinbar handelt es sich jedoch um einen kleineren Defekt ... ... denn sie weist uns (im gleichen Atemzug) an, ‘auf unseren Sitzplätzen zu verbleiben, während die Reparatur durchgeführt wird’! Für meinen Sitznachbarn jedoch ist dieser coole (& vermeintlich ... meint er? ... fahrlässige?) Umgang mit dem Thema Sicherheit TOO MUCH: Er springt hektisch von seinem Sitzplatz auf, zeigt deutliche, erste Anzeichen eines cholerischen Anfalls & zitiert die überaus nette & umsichtige Chef-Stewardess lautstark pöbelnd zum Rapport! Als SIE (bereits aus Distanz beruhigend auf ihn einredend) erscheint, weist er sie mit barschem Befehlston an, ‘SO-FORT & PER-SÖN-LICH beim Captain (& NICHT etwa beim Co-Piloten) genaueste Erkundungen über die bestehenden technischen Probleme einzuholen ... & diese dann IHM (SO-FORT & PER-SÖN-LICH) RÜCK-HALT-LOS MIT-ZU-TEI-LEN !!!’ Er MÜSSE das wissen, weil ‘er fliegt doch nicht mit einem klapprigen, lahmen russischen Schrott-Vogel ... wenn ihm der Verantwortliche VORHER nicht hundertprozentig versichern kann, daß auch wirklich ALLES okay ist & NICHTS schiefgehen KANN ...’ ... & so weiter ... & kein Ende! ICH spüre, wie sich augenblicklich alle Muskeln meines Körpers entspannen, fühle mein Wohlbefinden sich in ungeahnte Höhen aufschwingen, lehne mich mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht (sowie dem Walkman-Kopfhörer auf meinen ‘Löffeln’) in den weichen Polstersitz zurück ... ... & harre zuversichtlich der Dinge, die da (ja sowieso, gell?) kommen! Nach anderthalb Stunden intensiven, weil voll konzentrierten Wartens, wagt ‘der Herr über (& hoffentlich Bewahrer von ...) gut 100 Touri-Seelen’ einen zweiten Startversuch: Er lenkt seine ‘rund-erneuerte Mühle’ auf die Rollbahn, läßt die Triebwerke aufheulen (ich versuche noch, dem Angsthasen zu meiner Linken mit der Frage ‘Ist dieses stottrige Geräusch, da vorne rechts, eigentlich normal?’, ein wenig vom offensichtlich auf ihm lastenden psychischen Druck zu nehmen) UND ... ... dieses Mal KLAPPT’S! Allerdings ... ... wird unser Flieger während der folgenden, ersten beiden Stunden unseres Nachtfluges KRÄFTIG durchgerüttelt ... & in extrem turbulentem Flugraum von karibischen Herbststürmen (naja: das kennt man ja!) auf eventuelle Schwachstellen ‘abgeklopft’. EIGENTLICH ... ... steht einem entspannten Heimflug in die ‘zentral-europäische (oder doch sibirisch-kontinentale?) Eiszeit’ nichts im Wege. Ich beginne GUT GELAUNT mit meiner neuen ‘(Nach-)Reise(zeit)’-Lektüre (Umberto Ecos ‘Der Name der Rose’) ... ... da machen (unüberhörbar!) SIE auf sich aufmerksam: SIE - eine Handvoll adrett gekleideter Sachsen, die (zwei Reihen vor meinem SCHEISS-Sitzplatz) sich & mir ausgiebig & überlaut ihre Weltsicht im Allgemeinen sowie ihre individuellen Kuba-Erlebnisse im Speziellen ZUBRÜLLEN! Zunächst wird die kollektive, doppelmoralistische Empörungs-Nummer über die ‘fast schon UNANGENEHM-aufdringlichen & bereitwilligen Chicas in Varadero’ zum Besten gegeben. ‘Obwohl - die haben ja den Rhythmus im Blut & wissen WIRKLICH, was Lebensfreude ist (hm: für WEN?) ... ... & (Ha!-Ha!-Ha!) stellen auch gar nicht mal SO hohe Ansprüche (tja: würden sie sich sonst mit EUCH abgeben?) ...’ Etwa SO (ungefähr) ... lautet das noch am wenigsten schlüpfrige, der während der folgenden Stunde ‘pausenlos AUSGESCHIEDENEN Herrenwitz-Stammtisch-Klischees meiner (meiner?) neuen Brüder aus der ehemaligen SBZ’ an! (Noch Einzel-) UFF ... !!! Es folgen ... ... die (vermutlich maßlos aufgebauschten) Tatsachen-Berichte der (vermeintlichen) Kegelbrüder über ihre Spekulationsgeschäfte (& natürlich: -Gewinne!) mit Häusern & Grundstücken während der ‘Nachkriegs- & Goldgräber-Zeit in der ehemaligen ex-DDR’: JEDER ... toppt die Schilderungen seines Vorredners mit einer NOCH phantastischeren Geschichte & beweist derart, daß ER an ‘Cleverheit & Toughness’ von niemandem zu schlagen ist ... Naja - bis (dann) der nächste Märchenerzähler ansetzt & ... DOPPEL-UFF-UFF ... !!! Mit einer logischen Konsequenz, die ich den ‘sächsisch-näselnden Schnaps-Nasen’ (denn NATÜRLICH fließt während ihres Aneinandervorbeiredens der zollfreie ‘Havana-Club’-Rum in Strömen) gar nicht zugetraut hätte ... ... werden schließlich die beiden, oben kurz umrissenen Gesprächsgegenstände KONGENIAL in einen, bis zur finalen Einkehr alkohol-beförderter Nachtruhe im Flieger HEFTIGST diskutierten, neuen ... ‘DEN Themenschwerpunkt an sich’ ... zusammengeführt. In ein (selbst das Niveau des grotten-schlechtesten VHS-Kurses nie & zu keiner Zeit auch nur annäherungsweise zu erreichen drohendes, aber dreist wie ein auf höchstem wissenschaftlichen Level abgehaltenes Colloqium daherkommendes) ... ... von stümperhaft dilletierenden Möchtegern-Neureichen zelebriertes ‘Schicki-Micki-Privatissimé’ zum (den gemeinen sächsischen Neo-Kapitalisten mit ... äh ... sagen wir mal: Herrn Schalck-Golodkowski versöhnendes, weil vereinendes) Thema: Nämlich - Immobiliengeschäfte, Investitionschancen & Renditeerwartungen für post-sozialistische, deutsche Bundesbürger im post-sozialistischen kubanischen Ausland! Hm - wobei jeder seine (konspirativ bis geheimbündlerisch hinausposaunten) ‘Super-Sonder-Spezial-Insider-Tips’ anhand mitgeführter Hochglanz-Broschüren deutscher Immobilien- & Investment-Beraterfirmen untermauert. Apropos ‘Mauer’ (äh ... damit kein falscher Eindruck entsteht): Ich werfe DEN IDIOTEN AUS DEN NEUEN BUNDESLÄNDERN überhaupt nicht vor, daß sie aus den neuen Bundesländern stammen (oder gar, daß sie mich nicht im Unklaren über ihre Herkunft lassen). NEIN (& ganz im Gegenteil!) ... ... was ich ihnen vorwerfe, ist, daß sie SO schnell gelernt haben, sich exakt SO (daneben) zu benehmen, wie DAS DURCHSCHNITTLICHE & BEKANNTE ARSCHLOCH AUS DEN ALTEN BUNDESLÄNDERN !!! Naja - hört man (was allerdings SCHON schwer fällt) einmal über diesen UN-SÄG-LICH-EN Dialekt hinweg ... TRIPEL-UFF-UFF-UFF !!! Der Lautstärke-Regler meines Walkman ist am oberen Anschlag angekommen ... & trotzdem geht mir (leider!) nicht eins ihrer überflüssigen Worte verloren: ‘Warum muß eigentlich immer ICH in der Nähe dieser Sackgänger-Spezies sitzen - FRAGEZEICHEN?’ Naja - vermutlich läßt sich auf den anderen Plätzen des (für mich & DIE einfach viel zu kleinen!) Passagierraumes der Flug auch nicht vorbehaltlos genießen. Schließlich befinde ich mich hier an einem ‘fliegenden Ort’ (& das sagt eigentlich schon alles), ‘wo nach gelungener (geglückter?) Landung enthusiastischst Beifall geklatscht wird !?’ Ich vertreibe mir die Zeit so gut es geht (siehe oben) mit Lesen. Irgendwann (sehr viel später!) vernehme ich um mich herum nur noch gleichförmige Schnarch- & sonstige Schlafgeräusche: Atlantische Nacht ... ... oder doch ‘Nacht über Atlantis’? Ich (keine Spur schläfrig) lasse die zurückliegenden vier Wochen Revue passieren & bemerke, wie zwiegespalten meine Gefühle sind: Trotz durchweg netter Kontakte mit (wenn auch relativ wenigen) KubanerInnen, trotz einer Vielzahl interessanter Reise-Erlebnisse & trotz einer überraschend abwechslungsreichen & spektakulären Insellandschaft ... ... überwiegen bei dieser ersten ‘Reise-Inventur’ die mich deprimierenden Einblicke in eine sich zwar rasant, meiner Auffassung nach aber in die falsche Richtung entwickelnden kubanischen Gesellschaft (& ... ich gelange zu dieser negativen Beurteilung, gerade WEGEN meiner Sympathie für das kubanische Volk sowie die Revolutionäre um Fidel Castro & Ché Guevara). Mag sein, daß DIES einzig & allein Ausdruck MEINER Probleme ist: - meiner übersteigerten (ich gehe ‘hart auf die Vierzig’ zu & sollte es mittlerweile besser wissen!) Weltverbesserer-Sentimentalität & Revolutions-Nostalgie zuzuschreiben ist ... - meinem (wider besseres Sehen) Verschließen der Augen vor den real existierenden Alltags-Schwierigkeiten eines seit mehr als 35 Jahren auf die von seinen Führern versprochenen ‘Früchte der Revolution’ wartenden kubanischen Volkes zur Last zu legen ist ... einer Bevölkerung, die eben doch nicht (nur) aus ‘besseren, weil NEUEN Menschen’ besteht & daher auch nicht endlos leidensfähig & verzichtbereit ist (‘Erst kommt das Fressen & dann die Moral!’) ... - & schließlich meiner völlig anachronistischen Wunschvorstellung angekreidet werden muß, daß ‘eine Insel eine Insel ist ... eine Insel ist ... eine Insel ... sein möge (dürfe) !? ... was in unserer heutigen, zunehmend globalisierten & vernetzten Kapitalisten-Welt (Ob Fidel auch schon eine eigene Web-Site hat? Und wenn ja, von welchem Multi mag die wohl gesponsort werden? Coca-Cola? McDonalds?) ... ... äh ... natürlich vollkommen illusorisch ist! ‘Etcétera ... and so on ... & so weiter ... ! Hm - MIR ist’s gleich: Dies alles WISSEND & (gleichzeitig!) IGNORIEREND ... ... ist für mich ‘eine Übung der leichteren Art’ & nichts als EIN kunstvoll-eleganter, EINE harmonische Vollkreis-Bewegung beschreibender Gedanken-Looping, der mich (widersprüchlich zwar & doch: auf direktem Wege) zurückführt nach Havanna & ins ‘Museo de la Revolución’: URPLÖTZLICH ... ... finde ich mich in dem Museums-Raum wieder, der Chés & Camillos triumphalen Einzug in La Habana sowie Fidels nicht minder euphorisch aufgenommene ‘Ansprache an das geknechtete & nun befreite kubanische Volk’ in Santiago de Cuba (beides zu Beginn des glorreichen, mit so vielen Hoffnungen & Träumen verbundenen Jahres 1959) dokumentiert & zelebriert. 35 Jahre später (& 5.000 Kilometer östlich von Kuba ... hoch über den Wolken), kommt mir der Ausspruch Fidel Castros in den Sinn, den dieser nach dem ‘Moncada’-Desaster als letzten Satz seiner Verteidigungsrede (unmittelbar vor Verkündung ... & unbeeindruckt von ... der erwarteten Zuchthausstrafe) an seine damaligen Richter RICHTETE: ‘Verurteilt mich - die Geschichte wird mich freisprechen’! ‘Hm - SCHON’! ... ... denke ich (hier oben & nach vier Wochen ‘Cuba Nuevo’) - gleichzeitig aber bauen sich im Nacht-Dunkel des Fliegers vor meinem geistigen Auge die Umrisse eines greisen, bei seinen öffentlichen Auftritten zunehmend einsamer (bis verwirrt?) wirkenden, grauhaarigen & -bärtigen Ex-Revolutionärs auf ... ... & ich frage mich (ihn?): Aber für WIE LANGE (noch) ??? Hm - ‘ADIOS Y ... ... HASTA LUEGO, CUBA! ALGÚN DIA - TAL VEZ !?’
- FINITO -
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