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‘DENN HOFFNUNG IST MANGEL AN INFORMATION‘: TIBET - & NÄCHSTES JAHR HONGKONG ...? ODER: TIBET ... IN A PACKAGE (-TOUR) !
( ... ZWEITER HALB-REISEBERICHT !)
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... von Kathmandu (Nepal) zur Grenze & durch das tibetische Hochland - über Zhangmu, Xegar, Xigatse sowie Gyantse - nach Lhasa (Tibet)
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‘Früh wach ... & früh auf der Schüssel ... & die dann VOLL!‘ SO ... ... (oder so ähnlich) HÄTTE die komplette, erschöpfende Beschreibung meines heutigen Tages lauten können - aber: Ich reise in einer Gruppe ... Im besten Hotel unserer gesamten Tibet-Tour mit einem beeindruckenden, umfang- & abwechslungsreichen Frühstücks-Bufett besteht mein ‘Schnell-Brechen‘ aus zwei Tassen Kaffee & vier Strong-Zigaretten! Etwas neidisch beobachte ich meine konzentriert & genüßlich vor sich hin spachtelnden Reise-KollegInnen ... ... was soll’s: ICH LEIDE DURCHFALL! Unser Zeitplan sieht vor, daß wir um Punkt Halb Zehn Uhr unsere letzte Tibet-Busetappe (mit dem finalen Zielort Lhasa) angehen werden. Also begebe ich mich fünf Minuten vor Halb Zehn Uhr sicherheitshalber ein letztes Mal in das mir seit gestern Abend SEHR vertraute, gekachelte (alles andere als STILLE) Örtchen ... ... ‘& hole das (hoffentlich) Letzte aus mir raus!‘ Kurz darauf lasse ich mich erschöpft & willenlos in meinen Bussitz fallen. Nobu nutzt diese, meine augenscheinliche Schwächeperiode, mir noch schnell eine grell-gelbe, eishockey-puck-große ‘Diarrhea-Pill‘ zu verabreichen: Jaja - der Japaner & seine grenzenlose Tierliebe! Zum Frühstück roher Fisch, tagsüber jagen sie (natürlich zum Wohle der Menschheit) die letzten Wale unseres Planeten & abends vergiften sie wehrlose, mitteleuropäische Touri-Kamele mit ihren neuesten pharmazeutischen Errungenschaften! WAT‘N QUATSCH! Erstens ... ist es noch früher Morgen, zweitens ... bin ich undankbar & drittens ... ungerecht - denn Nobu beeilt sich, seine Roßkur mit den Worten zu kommentieren: ‘A VERRRY SPECIAL PILL from a Drugstore in Delhi - but: Don’t Panic, it’s No Ayurvedic Medicine! The indian guy told me: ‘Indian Medicine No Good!’ This is a Western Drug ... ... & Supposed To Be VERRRY GOOD!‘ Dem Geschmack nach zu urteilen hat er (der ‘Indianer‘) recht ... BRRR ... ! Über eine zunächst jämmerlich schlechte Piste geht’s heute (zum Abschluß unserer ‘Über-Land‘-Tour) nochmal so richtig in die Höhenregionen der Provinz Tsang. Wir folgen dem Nyang Chu (in umgekehrter Flußrichtung) & seinem sich zunehmend spektakulär präsentierenden Tal ... ... das schließlich in eine enge Schlucht übergeht, die von vertikal ansteigenden, schroffen Felswänden gebildet wird. Nach einer knappen Bus-Stunde zeigen sich im Süden die ersten schneebedeckten Berggipfel.
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Aber unsere Dirt Road verfolgt ein anderes Ziel - wendet sich vom Flußtal ab (welches exakt auf das etwa 150 extrem gebirgige Kilometer entfernte Himalaya-Königreich Bhutan zielt) & kämpft sich langsam aber stetig, Serpentinenschleife um Spitzkurve, die am östlichen Rand der Schlucht bräunlich-grau den Himmel verstellenden, gewaltigen Berge hinauf. Urplötzlich zeigen sich im kargen, schroffen Felsen vollkommen surreal wirkende Tunneleingänge sowie schwerstes Baugerät & (tibetische ...?) Arbeitsbrigaden. Mehrere große Baustellen folgen in immer kürzer werdenden Abständen aufeinander. Sping informiert uns kurz & emotionslos: ‘Nicht nur Fotografieren - nein, sogar ein simpler Bus-Stop ist HIER strengstens untersagt!‘ Da wir mutmaßen, daß unser Busfahrer chinesischer Herkunft ist (obwohl wir bis zum Ende des Trips hierüber keine Gewißheit erlangen), bringt niemand von uns Sping in die Verlegenheit, diese Informationen kommentieren zu müssen ... ... & so bleibt jedem einzelnen von uns Spielraum für individuelle (& schweigsame) Spekulationen: Naja - wer weiß schon, was die Chinesen HIER (tausende Kilometer entfernt von Peking) gerade wieder ausbrüten ...? Ein neues ‘was-auch-immer‘-Kraftwerk wäre wohl noch eins der harmloseren, denkbaren Projekte! Obwohl: die Standorte der vom Dalai Lama & den ‘Free-Tibet‘-Unterstützern angeprangerten Atommüll-Endlager sollen sich weiter nordwestlich (auf der Hochebene der Provinz Tsang) befinden & ... ... die Abschußbasen der nuklearen Kurz- & Mittelstreckenraketen konzentrieren sich um die Stadt Nagchu (etwa 300 Kilometer nördlich von Lhasa). Aber: Diese Erkenntnisse können durch die Realität (sprich: die wie ein Krebsgeschwür fortschreitenden chinesischen Militärplanungen) ja längst schon wieder überholt sein!? FAKT IST: Die chinesischen Besatzer haben in Tibet keine einzige Straße gebaut (richtiger: bauen lassen!), die nicht militär-strategischen Zwecken dient! Und das ‘Dach der Welt‘ stellt sich mittlerweile als gigantische militärische Festung dar, die es den Chinesen erlaubt, weite Teile sowohl der ehemaligen Sowjetunion als auch Indiens zu ‘kontrollieren‘ (um den passenderen Ausdruck ‘bedrohen‘ aus Gründen der Scheinobjektivität zu vermeiden). Was mich jedoch neben der ‘Frage nach dem Zweck dieser Baustelle?‘ umtreibt, ist das Schicksal der in dieser trostlosen Umgebung eingesetzten Arbeitsbrigaden: Daß die (tibetischen) Arbeiter freiwillig hier sind, halte ich nur für unwahrscheinlich. Daß sie für ihre Arbeit einen angemessenen Lohn erhalten, halte ich hingegen für schlichtweg ausgeschlossen! ZU VIELE detaillierte Berichte (meist Betroffener!) liegen über die unmenschlichen Zustände in chinesischen Gefängnissen & Umerziehungslagern im Allgemeinen, & auf tibetischem Territorium im Speziellen vor. Zudem scheint neben der konsequent vorangetriebenen ‘Ansiedlung chinesischer Patrioten‘ (in Tibet) die ‘völlige Ausrottung der tibetischen Bevölkerung‘ integrierter Bestandteil einer, von Beijing aus ‘mit eisigem Lächeln gesteuerten Sinisierungspolitik‘ zu sein ... ... & wenn die verhaßten (weil so verdammt unbeugsamen) Tibeter bis zu ihrem letzten Atemzug in den militärischen Größenwahn-Projekten der Chinesen schuften, dann wird es Beijing wahrscheinlich nicht nur recht sein ... nein: sie werden sich (wenn auch hinter vorgehaltener Hand: so dicht ist die Chinesische Mauer denn nun doch nicht mehr!) mit unverhohlenem Stolz gegenseitig gratulieren, zwei tibetische Fliegen mit einer chinesische Fliegenklatsche erschlagen zu haben! UFF! Und ... FUCK! ... & Schnitt! Die Straße beschreibt einen letzten, steil anwärts führenden, weitgeschwungenen Bogen (von den Baustellen ist nichts mehr zu sehen!) & wir befinden uns auf dem Karo-La (Pass).
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5.010 Meter über dem Meeresspiegel, aber: keinerlei Beschwerden (für niemand). Langsam rückt die Auszeichnung ‘Yak-Ehrenhalber‘ in greifbare Nähe! Apropos ‘ehrenhalber‘: Hier & während der folgenden, langen Abfahrt darf ich wiederum vielköpfige Herden dieser massigen & doch so elegant einher trabenden Hochland-Kreaturen bewundern ... Die folgende Abfahrt ist lang - der Abgrund rechts der Piste dramatisch - die Piste selbst in einem erbärmlichen Zustand (& das ist noch geschmeichelt!) ... ... & unser Bus EINDEUTIG viel zu schnell unterwegs! Marco interveniert (wobei er nur ausspricht was wir alle denken), bittet Sping, den kein Englisch verstehenden (hm - behauptet ER!) chinesischen Fahrer zu etwas mäßigerem Tempo anzuhalten, was Sping, wenn auch widerwillig (vermutlich denkt er an seinen Zeitplan!) tut & ... ... zu unserer aller Erstaunen hält sich ‘die rasende Chinesen-Sau‘ an die Anweisung (‘Sach ma, Kalu - hat DER nicht schon gebremst, BEVOR Sping auch nur einen chinesischen Ton gekrächzt hat, ... eh !?‘). Der etwa 600 Höhenmeter über uns zurücklassende ‘Way: Down-Down-Down‘ endet abrupt, wenn auch knapp vor (immerhin!) dem Yamdruk Tso, einem der vier heiligen Seen Tibets, dessen (von zahlreichen Pilgern in Angriff genommene) Umwanderung sieben Tage in Anspruch nehmen soll. In der kleinen Ortschaft Nangartse verbringen wir unsere Mittagspause: Gelegenheit zu einem kurzen Spaziergang durch das Dorf (interessante Fotos von Schule & Kindern sowie altem tibetischen Haus mit neuem chinesischen Banner).
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Leider befindet sich das, acht Kilometer entfernt am Südufer des riesigen Sees in Abgeschiedenheit ‘trügerisch idyllende Samding-Kloster‘ außer Sichtweite. Während ich später meine Nudelsuppe SCHLÜRFE (Aoki hat sich immer noch nicht daran gewöhnt, daß ich die CHINESISCHEN Ess-Stäbchen konsequent BOYKOTTIERE), führe ich eine zwar wortlose, aber doch nichts ungesagt lassende Unterhaltung mit dem unbeschreiblich trägen (Wach-?) Hund des Restaurantbesitzers: DER (nein - der ‘niemals nicht kläffende Hund‘) die treuesten & sanftesten Augen aller Anwesenden besitzt ... ... Oki (der ‘Sprachgewaltige‘) knapp eingeschlossen! Apropos ‘sprachgewaltig‘: Anläßlich der nachmittäglichen Busfahrt führe ich (in mehreren, wohldosierten Etappen) eine heuchlerische Unterhaltung mit Kalu, deren einziger Zweck darin besteht, IN IHN (sowohl hinterlistig als auch geschickt: wie ich finde!) DAS SAMENKORN seines mächtig an die Oberfläche drängenden, unterbewußten Wunsches, ‘... die Halbfinalspiele der EURO SOCCER CHIPS (heute Nacht!) unbedingt anschauen zu wollen‘ PFLANZE. Zum Erfolg dieser, meiner nicht ganz uneigennützig durchgeführten Manipulation (Shame on Me!): siehe unten! Wir fahren fast zwei Stunden (!) an dem heiligen, tibetischen See entlang (der größere Vorkommen Türkis & Achat bergen soll & daher zuweilen auch Turquoise Lake genannt wird). Bevor sich die Uferstraße am äußersten nördlichen Ende des Sees wieder in eine Bergpiste verwandelt, gestattet Sping uns großzügig einen längeren Foto-Stop: Aufnahmen von ... ... (& mit) ‘Tso‘, der (zumindest aus der Nähe betrachtet) jedoch kaum erkennbar grünlich schimmert, ... den (fast) sämtliche Farben des Regenbogens für ihre Still-Leben verwendenden, uns & den See einrahmenden Hügel & Berge (falls ich es noch nicht erwähnte: der Yamdruk befindet sich bereits auf einem Höhenniveau von knapp 4.500 Metern!) unter nicht minder spektakulären (allerdings eher Bandbreite & Differenzierungsfähigkeiten eines Schwarzweißfilmes testenden) Wolken-Konstellationen, ... sowie meinen japanisch-australischen Reise-KollegInnen Aoki, Nobu & David (durch den Kamerasucher betrachtet besitzt letzterer - sich schwer auf seinen knorrigen Wanderstab stützend - schon einen ‘surprisingly Monk-Like-Look‘!).
  
Anschließend geht’s in langgezogenen, weitgeschwungenen Serpentinenschleifen hinauf zum 4.794 Meter hohen Kamba-La, der zwei zwar unterschiedliche, sich aber in nichts nachstehende Panorama-Ausblicke bietet: - zum einen auf den weit unter uns (im Süden) sich extrem verästelt ausbreitenden & nun (von hier oben) auch wirklich leicht türkis-schimmernden See (naja, wenn’s mir der Reiseführer vorsagt, dann fällt’s sogar mir auf!), - & in der exakt entgegengesetzten, nördlichen Richtung auf die nicht minder tief unter uns sich erstreckende Ebene des mächtigen Yarlung Tsangpo (des Bhramaputra), dessen Flußlauf wir bis Lhasa folgen werden ... von wo er sich (dann allerdings ohne uns!) seinen zuweilen recht eigenwilligen Weg nach & durch Bangladesh (30.000 Obdachlose nach der letzten Überschwemmungskatastrophe im Jahre 1988!) bis hin zum Indischen Ozean suchen wird.
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Der atemraubende Abstieg ins Bhramaputra Valley entpuppt sich schnell als die steilste, längste & landschaftlich spektakulärste Pisten-Passage der gesamten Tibet-Tour. Im nachhinein betrachtet, verblaßt sogar der nepalesische Anstieg vom Kali Gandaki River hinauf auf die Kathmandu Valley genannte Hochebene im Vergleich zu dieser ‘himalayischen Berg-Straßenbau-Höchstleistung‘. Die (nur mit Bremspedal & Lenkrad ausgeführte) ‘Abseil-Aktion‘ nimmt eine ganze Stunde in Anspruch & verlangt von unserer ... naja: für die Dauer dieser Extremanforderung ‘eigentlich ganz netten, chinesischen Pisten-Sau‘ volle Konzentration! Im Tal angekommen, werden wir jedoch mit der vermutlich ‘komfortabelsten Straße der gesamten Autonomen Region Tibets‘ belohnt: eine zwar nur zweispurige, aber enorm breite, vollkommen eben asphaltierte, ja sogar Mittel- & Begrenzungsstreifen besitzende Autobahn westlichen Standards. Bis Lhasa sind es noch etwa 100 Kilometer. Bei diesen Straßenbedingungen aber bedeutet das nicht die üblichen drei bis vier, sondern höchstens anderthalb Fahrtstunden & wirklich ... ... gegen Halb Sechs Uhr zeigen sich die ersten, westlichen Vororte der tibetischen Hauptstadt - & zwar von einer derart üblen städtebaulichen Kehrseite, daß ich spontan denke: Das KANN ja wohl nicht Lhasa sein! Zunächst führt die Straße durch ‘sozialistischen Plattenbau plattester Machart‘. Mit abnehmender Entfernung zum Stadtzentrum wird dieser durch hypermoderne Stahl- & Glasbauten abgelöst (staatliche, sprich: chinesische Hotels & Banken sowie sonstige ‘Protz-&-Kotz-Bauten‘).
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Unser Lhasa-Domizil, das Hotel Banakshol, befindet sich zwei Kilometer hinter dem auf einer Anhöhe erbauten & das Stadtzentrum gewaltig markierenden Potala Palace - zwar direkt an der von West nach Ost verlaufenden Hauptverkehrsader Dekyi Shar Lam, unübersehbar aber (HALLELUJAH!) bereits im östlichen, ... im alten, ... im tibetischen Teil der Stadt (im Gegensatz zur scheiß-westlichen, ... scheiß-neuen, ... scheiß-chinesischen Stadthälfte). Das ‘Banakshol‘ ist ein altes, verwinkeltes, dreistöckiges Gebäude mit sehr viel Atmosphäre. Die Zimmer sind einfach eingerichtet, aber doch hinreichend komfortabel & besitzen je einen kleinen Balkon, der auf einen ruhigen, begrünten Innenhof weist. Im zweiten Stock hält ein kleines Restaurant seine Küche nahezu rund-um-die-Uhr geöffnet: Was mehr kann man begehren? ‘Äh ... Du weißt schon!‘ Ach so ja: Einchecken & Partnerwahl - der immer wieder aufs neue spannendste Moment bei einer Gruppenreise! ICH ... ... werde immer egoistischer & hole mir, ohne Umschweife & keinen Widerspruch duldend, Kalu in ‘mein Haus-Boot‘ (äh ... um Oki, den Japaner - naja ...). David tut mir allerdings ein bißchen leid: Er hat den Bruchteil eines Moments gepennt & darf sich nun DREI VOLLE (TOLLE!) TAGE, nämlich für die gesamte Dauer unseres Lhasa-Aufenthaltes, von Oki VOLL-LABERN LASSEN. Obwohl: ‘David! ... ... betrachte ES einfach als (zugegeben harte) Geduldsübung, die Dir MIT SICHERHEIT helfen wird, deine lamaistisch-buddhistisch-tolerante Persönlichkeits-Struktur ein gewaltiges Stück zu vervollkommnen!‘ Auspacken - Duschen - kurzer Schnupper-Spaziergang um den Block - Relaxen! Um Halb Neun Uhr macht sich meine Reisegruppe (bis auf die Kanadier, deren Namen ich bis zum Ende der Tour nicht erfahre) auf den Weg ins nahe & Highly Recommended ‘Tashi-II’-Restaurant. Und WER begrüßt uns bei Betreten des Lokals von einem etwas abseitigen Ecktisch aus? Richtig: die ‘trockenen Kanadier‘! Einfaches, aber sehr gutes tibetisches Essen: Gemüsesuppe & ‘Bobi‘ (Reis, Kochgemüse & scharfe Saucen) sowie ... äh, ja ... Bier(e) ... an der Zahl. Um Halb Elf Uhr setze ich mich als einer der ersten ins Hotel ab. Erwartungsgemäß erfolglos checke ich kurz (quasi mechanisch) die beiden chinesischen Fernsehkanäle auf ‘European Soccer‘ & widme mich dann meiner Bettlektüre ... ... bis plötzlich Kalu, Nobu & Marco mit der Nachricht, ‘... China I überträgt ab Elf Uhr LIVE!‘, ins Zimmer platzen. Die drei waren auf Betreiben Kalus (hm - ich wußte gar nicht, daß DER sich so für Fußball interessiert!) in zwei Nobelherbergen & haben in der zweiten von, in der Fernseh-Lobby vor sich hin fiebernden Engländern den entscheidenden Tip erhalten! Und tatsächlich: Um 11 Uhr (London-Ortszeit 3 Uhr nachmittags) beginnt das Spiel Frankreich gegen die Tschechiche Republik. Marco & Nobu schaffen immerhin die komplette erste Halbzeit. Dann verschwinden sie hundemüde (!) in ihr Zimmer ... ‘... diese Warm-Duscher, DIESE!‘ Um Halb Drei Uhr am frühen tibetischen Morgen betreten ‘die deutschen & die englischen Alete-Kicker‘ den (sprichwörtlichen) englischen Rasen! Trotz zwischenzeitlicher Konditionsmängel (& des auf Dauer etwas nervigen chinesischen Kommentators: ich kann mich mit meinem Vorschlag, ‘den Ton runter zu drehen‘ gegen den völlig enthusiasmierten Kalu nicht durchsetzen), halten wir bis zum bitteren Ende (FÜR ENGLAND! In Glasgow & Edinburgh wird heute vermutlich bis zum Morgengrauen ausgelassen durchgesoffen: ‘We Support TWO Teams ... and EVERY Team that plays England!‘) um Halb Sechs Uhr durch! Eine Kommentierung des Spiels erspare ich mir (zumal ich mir nicht sicher bin, ob ich wirklich ALLES mitgekriegt habe). Noch drei Stunden bis zum Frühstück! Morgen (oder besser: äh ... gleich!) steht der Potala Palace auf unserem Besichtigungsprogramm & da will ich fit sein: NA DENN - ‘Gute Nacht’ (& schneller schlafen)! ... |
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... Irgendwie fühle ich mich heute Morgen (GÄHN!) ungewohnt & unerklärlich müde - trotzdem: AUF! Gutes Frühstück im leicht turbulenten (wir sind nicht die einzige westliche Reisegruppe, die im ‘Banakshol‘ abgestiegen ist: überraschenderweise befinden sich auch ein paar Tschechen unter den Gästen, denen ich mit der Nachricht, ‘... die Tschechei hat bei der Fußball-Europameisterschaft gegen Frankreich gewonnen!‘, ein unübersehbares frühmorgendliches Hochgefühl verschaffen kann!), nichtsdestotrotz atmosphärischen, hoteleigenen ‘Restaurant Kailash‘. In unabgesprochener Komplizenschaft mit Nobu ... bin ich mal wieder DER LETZTE! Naja - da ist nicht viel abzusprechen ... ... unsere gemeinsame Sucht, die überlebensnotwendige ‘Après-Petit-Dejeuner‘-Zigarette schweißt uns (& unsere Lungen) halt zusammen. Um Halb Zehn Uhr setzt sich unser Bus in Bewegung, denn zwei Kilometer (bis zum Potala Palace) sind natürlich eine Non-Walkable-Distance! Am Palast angekommen, fallen mir zunächst sieben oder acht Militär-LKW auf, die auf dem Vorplatz geparkt sind: abgesehen von einigen ‘Einzeltätern in Fucking-Chinese Uniforms‘ ist jedoch von extremer Militärpräsenz (noch!) nichts zu spüren. Am westlichen Seiteneingang, hinter dem ein mehrfach geschwungener, steiler Rundweg den 130 Meter hohen Marpo Ri (den ‘Roten Hügel‘) zum ehemaligen Winterpalast des Dalai Lama (& ex-Sitz der tibetischen Regierung) hinaufführt, werden wir von mehreren Legionen Souvenir-&-Devotionalien-VerkäuferInnen belagert: Überraschenderweise werden allerdings weder Postkarten mit dem Konterfei des Dalai Lama noch ‘Free-Tibet‘-T-Shirts feilgeboten ... ... stattdessen martialisch wirkende Stichwaffen sowie die üblichen Thangkas (Seidenmalereien), Gebetsmühlen & Kathaks (seidene Gebets-Schals). Besonders unsere amerikanische ‘Group-Mom‘ Lois (ihren durchaus stolz vorgetragenen O-Ton ‘Somebody HAS to take responsibility!‘ begleitet sie immer mit einem leichten Aufstampfen eines Fußes: ... aber wirklich sehr, sehr nett!) wird von den ihr Handwerk beherrschenden Verkaufs-Profis mühelos als das lohnendste Opfer ausgemacht & ... MUSS VIEL LEIDEN: Sie ist einfach zuuu nett! Sping, unser von Tag zu Tag sich lockerer gebender Gruppenleiter, besorgt die Eintrittskarten. Während wir den Palast-Hügel hinaufschlendern (jeder seinem eigenen Tempo & seinen eigenen Gedanken überlassen) bittet uns Sping ... (leicht konspirativ & mit deutlich gedämpfter Stimme), ‘... kritische & chinesen-feindliche Äußerungen im Potala möglichst zu unterlassen, da sämtliche Räume mit Wanzen & Videokameras bestückt seien!‘ Später erfahre ich (Nur ein Joke ...?), daß die chinesischen ‘Lauscher‘ ihren Job zwar gewissenhaft erledigen, (leider ...!?) aber kein einziges Wort Englisch verstehen. Hm - wenn’s denn nicht stimmt, dann ist es wenigstens gut erfunden ... Apropos ‘Überwachung‘: Auf Schritt & Tritt werden wir von einem älteren (Touri?-) Pärchen verfolgt, das sich bei jeder Erläuterung Spings mittels massivem Ellbogeneinsatz ziemlich rücksichtslos in die Mitte unserer Gruppe drängelt & ... ... deren markante, zentralasiatische Gesichtszüge nicht nur ‘verdächtig ins Chinesische spielen‘, sondern (selbst bei freundlichst-intendiertem Augenkontakt unsererseits) keinerlei wie-auch-immer-geartete Gefühlsregung verraten ...!?! Die wenigen, im Palast arbeitenden Mönche blicken & grüßen demgegenüber umso freundlicher (obwohl es auch unter ihnen einen erheblichen Anteil ‘chinesischer Under-Kutten-Spione‘ geben soll).
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Der ehemals so lebendige Kloster- & Regierungs-Standort verströmt heute leider nur noch eine deprimierend-sterile Museums-Atmosphäre. Und obwohl der gesamte Palastkomplex vor einigen Jahren unter den Schutz der UNESCO gestellt (& von dieser zum ‘schützenswerten Weltkulturgut‘ erhoben) wurde, scheint wenig Anlaß zur Hoffnung auf Besserung - denn (mal ehrlich!): Letztlich scheren sich die ‘Scheiß-Chinesen‘ doch einen Dreck um die Meinung der übrigen Mitglieder dieser, unserer Weltgemeinde! Anyway ... Der mehrere Hundert Zimmer beherbergende Palast ist in den, der Öffentlichkeit zugänglichen Räumen mit einer beeindruckenden Vielzahl & -falt, allerdings vornehmlich toter ‘Zeugen des tibetischen Buddhismus‘ angefüllt: - die Privatgemächer (inklusive des jeweiligen Throns) sowie Statuen der Dalai Lamas, beginnend mit dem fünften, dem Erbauer des Palastes (um das Jahr 1650) bis hin zum vierzehnten, dem nun im indischen Exil lebenden ‘Present One‘, - zahllose Buddha-Statuen (in ebensovielen Kapellen) in den bekannten ‘Past-, Present & Future‘-Varianten sowie selbst im durchweg schummrigen Dämmerlicht noch als farbenfroh zu identifizierende, filigran gearbeitete (teils aus mehreren Tausend Einzelsteinen oder Perlen bestehende) Mandalas, - zwischendrin präsentiert sich immer wieder der stets grimmig (& daher unverwechselbar) dreinblickende ‘Protector‘, eine Art ‘tibetischer Hanuman‘, der allerdings (nimmt man’s genau) seinen Job in den zurückliegenden 37 Jahren NICHT EBEN OPTIMAL verrichtet haben kann, - sowie eine umfangreiche Bibliothek, die sich über mehrere Räume erstreckt (die dem Aussehen nach ‘Lose-Blatt-Sammlungen‘ ähnelnden Bücher sind größtenteils aus dem Chinesischen & Sanskrit ins religiöse ‘Intellektuellen‘-Tibetisch übersetzte, von Potala-Mönchen in mühevoller Handarbeit erstellte, einzigartige Unikate). Während einer kurzen Besichtigungspause im ‘Tea-Shop ...
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... on the Roof-Top‘ (David ist ob dieses Sakrilegs ziemlich aufgebracht!) ergibt sich die Gelegenheit zu einem ‘privaten‘ Gespräch mit Sping: Bis vor drei Jahren war er hier in Lhasa als Lehrer beschäftigt (mit dem Hauptfach ‘Tibetische Sprache‘), mußte dann den Beruf wechseln, hat vor etwa einem Jahr begonnen autodidaktisch Englisch zu lernen & ist nun (seinen klar verständlichen Worten nach) ob der Verständlichkeit seiner englischen Aussprache besorgt. Ich weiß nicht, ob er nur nach Komplimenten fischt: Egal - auf jeden Fall gelingt es mir spielend (mir ... dem ‘begnadet-eloquenten Anglistiker‘) ihn zu beruhigen! Später weist mich Sping mit vielsagend-rollenden Augen auf eine Kalligraphie hin. Eine riesige weiße Leinwand, die eine komplette Wand der nicht eben kleinen Empfangshalle im Dachgeschoß verdeckt & eng mit großen, schwarzen, chinesischen Lettern bedruckt ist: Wie ich der englisch-sprachigen Übersetzung am Eingang des Saales entnehmen darf, handelt es sich um eine Grußbotschaft des ‘Tibet-Freundes Jiang Zemin‘ (des ‘neuen großen chinesischen Vorsitzenden‘) ... ... der dem tibetischen Volk mit pathetischen Worthülsen zur erst kürzlich (nach umfangreichen chinesischen ‘Renovierungsarbeiten‘) erfolgten Wiedereröffnung des Potala Palace gratuliert ... & sich nicht entblödet, in einem zweiten Absatz die einvernehmlichen Beziehungen sowie die traditionell enge Freundschaft zwischen Peking & Lhasa überschwenglich zu feiern! SARKASMUS IN REINKULTUR! Ich spüre förmlich, wie mir die Zornesröte (mal wieder!) ins Gesicht schießt! Unser Rundgang ist einerseits zwar beeindruckend, durch die äußeren Umstände unter denen er stattfindet allerdings gleichzeitig auch bedrückend (bis VERDAMMT WUT-schürend). Nur zu gut kann ich mich an die Fernsehbilder von der Erstürmung tibetischer Klöster durch brutal um sich prügelnde & schießende chinesische Soldateska erinnern, das Niederknüppeln fliehender Mönche, die bis zuletzt verzweifelt versuchen ihre Heiligtümer zu schützen (& sei es nur eine vergilbte Fotografie des Dalai Lama) ... ... in diesem authentischen Ambiente erwarte ich eigentlich jeden Moment eine ‘überfall(nicht-nur)-artige Säuberungs-(Renovierungs-?)Aktion‘ durch einen Elite-Stoßtrupp der ‘glorreichen chinesischen Volksbefreiungsarmee‘. Ich setze mich schließlich von der Gruppe ab. Ich habe das Gefühl, daß ich DAS HIER lieber alleine durchstehen will ... & schieße (mir Zeit lassend) im Palast-Hof sowie beim anschließenden, langen Abstieg vom Marpo Ri eine Reihe Fotos:
 
Auf dem Palast-Vorplatz marschieren zwei Hundertschaften ‘Gelbärsche in Uniform‘ mit gänsehaut-erzeugendem Synchrongebrüll auf & ab. Leider sind Geräusche fotografisch nicht zu konservieren. Anderenfalls hätte ich jetzt ein paar BRUTAL-GUTE HORROR-AUFNAHMEN!
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Apropos Geräusche: Auf Kalus Frage hin, was der ohrenbetäubende Krach (‘... klang irgendwie nach Böllern oder MP-Geratter?‘) in der letzten Nacht zu bedeuten hatte, antwortet Sping ... ... äh ... wie aus der Pistole geschossen: ‘THE CHINESE - PRACTISING!‘ Vom Potala aus ist das ganze Ausmaß der ‘chinesischen Langzeit-Strategie zur Vernichtung Lhasas‘ zu überblicken - eine immer weiter Richtung Old Lhasa (ostwärts) sich voranfressende ‘Krebsgeschwulst mit Namen Chinatown‘: Marmor, Stahl & Glas fürs Repräsentative - maoistisch-realistischer Plattenbau & öder Beton für die einfachen chinesischen Umsiedler! Übrigens - bereits heute leben mehr Chinesen als Tibeter in Lhasa ... ... & die Tendenz ist dramatisch steigend! Mich in einer ungesunden Stimmungs-Mischung (bedrückt & agressiv-wütend) befindend, trete ich den Rückweg zum Hotel an. Der riesige, kalte (& freies Schußfeld bietende ...?) Potala-Vorplatz läßt vor meinem geistigen Auge Bilder eines anderen ‘friedvoll-himmlischen, chinesischen Platzes‘ erstehen ... die auch das an der Westseite des Platzes geschmacklos-protzig residierende chinesische Nobel-Etablissement ‘J+J-Disco‘ nicht zu vertreiben vermag.
  
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Hm - ganz im Gegenteil: Auch BÖSE Menschen haben Lieder! Die mit hunderten (sich stereotyp die Super-Coolness anrauchenden) ‘This-Land-Is-My-Land‘-Uniformierten verunreinigte Dekyi Shar Lam läßt mich das Gefühl des ‘Gassen-Laufens‘ hautnah erleben. Kurzzeitig erwäge ich, durch den zukünftigen Verzicht auf nikotinhaltige Genußmittel ein ‘bis Peking sichtbares Protest- & Solidaritäts- (& Nicht-Rauch-) Zeichen‘ zu setzen! Da aber ... ... öffnen sich (exakt mit meinem Eintreffen im Hotel) die Schleusen des Himmels & gleichzeitig kehren (Wenn es denn einen GIBT ...?) Hoffnung & Zuversicht zu mir zurück: - die Hoffnung, daß dies nun der GANZ GROSSE, der reinigende (sprich: die tibetische ‘Stadt‘ vom chinesischen ‘Schmutz‘!) Regenschauer sein MÖGE & ... - die Zuversicht, daß mich die Erfüllung dieser Hoffnung davon entbindet, mir über kurzzeitig Erwogenes (siehe oben!) ernsthaft Gedanken machen zu müssen. ERSTMAL ... äh ... EINE RAUCHEN! Vom nachmittäglichen Gruppen-Programm lasse ich mich befreien. Stattdessen lege ich (unterstützt von einer Flasche ‘Frust‘-Bier) eine lange Tagebuchsitzung ein: Da meine Reisegruppe (gleichermaßen unerwartet wie ERSCHRECKEND) okay ist, brauche ich unbedingt eine Auszeit zum Bei-Schreiben! Um Halb Sieben Uhr stoppt urplötzlich der den gesamten Nachmittag herniederprasselnde Dauerregen. Bereits zehn Minuten später wölbt sich ein wolkenlos-azurblauer ‘Vorzeige‘-Himmel über Lhasa & ... ... auch alle weiteren Anzeichen lassen einen lauen (lauschigen? ‘A Ver!‘) tibetischen Sommerabend erwarten: Nichts wie RAUS (auf die Straße) ... ! Ich durchstreife die wenigen (noch nicht zerstörten), alt-tibetischen Straßenzüge südlich des Banakshol Hotels - die Stadtviertel zwischen ... der den östlichen Rand des Stadtkerns markierenden Universität, ... dem Jokhang-Temple (& der ebendiesen einschließenden Barkhor Area) ... sowie der (selbst am frühen Abend noch) menschenwuselig-geschäftigen Dekyi Shar Lam als nördlicher Begrenzung: ENDLICH tibetische Atmosphäre wie erhofft! Obwohl ... ... sagt nicht Heiner Müller (& zwar zu Recht, wie mir jeder neue Tag in Tibet deutlicher vor Augen führt): Hoffnung ist Mangel an Information ... !? Ich lasse die Atmosphäre auf mich wirken, streune lange, ziellos & kein einziges Foto schießend durch die engen Gassen Old-Lhasas (I’m definitely running out of Films!“), merke mir aber einige besonders interessante Motive für den morgigen, abendlich-finalen Spaziergang durch ‘Real Lhasa‘ vor. Um Halb Neun Uhr kehre ich ins Hotel zurück, verspüre keine Lust auf Abendessen in der Gruppe (um die anderen nicht zu kränken, schütze ich Euro-‘96-verursachte Müdigkeit vor) & verbringe den Abend stattdessen Solo. Naja - fast ... ... mit Bier & Keksen aus einem ‘Fucking-Chinese-Shop Across the Street‘. Meine Gedanken hängen noch lange den Eindrücken dieses Tages nach: Ich spüre, daß ich immer noch ziemlich aufgewühlt bin & ... es bedarf eines verdammt LAAANGEN Kapitels ‘Walden‘ (nein: das Bier verstärkt eher noch meine Wut!) mich einigermaßen ruhig zu stellen. Als Kalu gegen Elf Uhr das Zimmer betritt, bin ich zwar noch wach, spiele aber ‘Toter Horst‘ (man muß ja nicht immer REDEN!) ... ... bis ich IRGENDWANN dann wirklich ... |
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... Als ich gegen Acht Uhr aufwache schnorchelt Kalu, der passionierte Frühaufsteher (in seinen Schlafsack eingerollt & unter zwei dicke Wolldecken gepackt) noch vor sich hin: Nachdem ich meine ‘Guten-Morgen-Horst!-Vielleicht-sind-die-Chinesen-ja-über-Nacht-zu-duften-Typen-geworden!‘-Zigarette auf der Kloschüssel hockend (Wenn ich WILL, kann ich auch rücksichtvoll sein!) in mich hineingegiert habe, informiert mich Kalu knapp, ‘daß es wohl nun ihn erwischt hat!‘ Ich besorge ihm eine Kanne Tee, plaziere seine (gutsortierte) Reiseapotheke in Griffweite neben seine Pritsche, verspreche später nochmal nach ihm zu sehen & versichere ihn meines grenzenlosen Mitgefühls ... ... übrigens nicht NUR wegen seiner aktuellen Hinfälligkeit. Falls ich es noch nicht erwähnte: Kalu ist die Abkürzung für Karl-Ludwig! Hm - es wundert mich immer wieder, was so manche Eltern ihren Kindern anzutun in der Lage sind (& dann auch noch dreist vorgeben, sie zu lieben) ...!? Während des Frühstücks (das ‘Fruitmuesli with Curd‘ im Hotel-Restaurant ist wirklich einsame Spitze!) stürmt plötzlich Aoki an meinen Tisch & begrüßt mich mit den Worten, ‘... sie habe mich bereits gestern Abend gesucht & vermißt!‘ Spontan schießt mir durch den Kopf: Nanu? Bin ICH jetzt zum ‘Nepali-Boyfriend-Surrogat-Surrogat’ avanciert? (also: ‘avanciert‘ von Avancen!). Aber - mitnichten: Sie verzehrt sich NUR nach ‘unserem‘ chinesischen Visum! Einen (!) Tag vor dem Rückflug nach Kathmandu hat sie sich entschlossen, ihr Visum (mal eben) um vier Wochen verlängern zu lassen: Sie will mit Nobu zum Mount Kailash weiterreisen (dem allerheiligsten Berg der tibetischen Buddhisten im Westen des Landes). Als Sping von Aokis wirren Spontan-Plänen hört, schlägt er (vermutlich besser als jeder sonstige Anwesende wissend, wie langsam & unberechenbar chinesische Bürokraten-Mühlen mahlen) nur die Hände über seiner sich augenblicklich in tiefe Sorgenfalten legenden Stirn zusammen. Da WIR (Aoki & ich) EINE Reisegruppe mit EINEM Gruppenvisum bilden, muß unser Gemeinschafts-Visum beim örtlichen Public Security Bureau (der chinesischen ‘Ge-Sta-Po‘) in zwei Einzel-Visa DOWN-GEBREAKT werden. Andernfalls müßte ich halt in Lhasa vier Wochen (bis zu Aokis Rückkehr) abwarten ... ... denn Gruppen müssen IMMER geschlossen ein- und ausreisen! Und dies ist keine bloße Drohung: am Schwarzen Brett der Holy Lodge in Kathmandu war die Warnung eines australischen Touristen angeschlagen, der genau diesen ‘Zwangsurlaub‘ in Tibet verbringen durfte! Widerwillig überlasse ich Aoki das Original-Gruppenvisum, verabschiede mich von diesem schon mal gedanklich (naja - wer weiß schon, ob ich Aoki & mithin das Visum jemals wiedersehe: SO durchgeknallt wie DIE drauf ist!?) ... ... & begebe mich um Zehn Uhr mit einem flauen Gefühl in der Magengegend, weil ohne Legitimationspapiere (was im chinesen-verseuchten Lhasa nicht ganz ungefährlich sein soll!) auf MEINE vormittägliche Sight-Seeing-Tour. Ach ja - ich hab’ mal wieder keine Lust auf Touri-Herde: Auf MEINEM Minigruppen-Programm (nun bin ich ja wirklich meine eigene Gruppe!) steht der Norbulingka-Palast, die ehemalige Sommerresidenz des Dalai Lama, die sich etwa drei Kilometer südwestlich des Potala in einer weitläufigen, kühl-schattigen Parkanlage ausbreitet. Unterwegs erschieße ich die ‘Goldenen Yaks‘:
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eines der neuen, weil chinesischen Lhasa-Wahrzeichen (ich spüre, daß die Nennung des Adjektivs ‘wahr‘ in einem Atemzug mit ‘chinesisch‘ einige meiner Nackenhaare sich kräuseln läßt!) ... ... & frage mich, ob es sich bei dem verwendeten, echten Gold um von den Chinesen eingeschmolzenes Edelmetall aus zerstörten, tibetischen Klöstern handelt? Ich folge der breiten, schmucklosen Chi Ching Lam (durch ein dünnbesiedeltes Klein-Industrie-Gebiet) bis zum Eingangsportal des Norbulingka: einer filigranste Steinmetzarbeiten aufweisenden Pagoden-Pforte, die durch zwei knall-bunte Fabelwesen (offensichtlich unzureichend!) BEWACHT wird.
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Die Eintrittskarte ist mit geforderten 17,50 Yuan (etwa 3 Dollar!) für tibetische Verhältnisse unverschämt teuer. Im Preis eingeschlossen ist allerdings eine Broschüre (!) ... ... die zwar weder Informationen zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten, noch einen verständlichen Lageplan des großflächigen Areals, dafür aber einige hübsche & nichtssagende Hochglanzbildchen bietet (immerhin!). Völlig orientierungslos STRANDE ich zunächst vor dem Eingangstor des alten Opernhauses & ...
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...während ich mich (auf einen runden Steintisch gestützt) gerade bemühe die kryptische Verwirrkarte zu entschlüsseln, bemerke ich einen ‘augenwinkel‘-scheinlichen chinesischen Kameraträger ... ... der sich urplötzlich (eindeutig ÜBERFALL-unartig) lautlos nähert & MICH als europäisch-exotischen Vordergrund für drei, schnell aufeinanderfolgende Opera-Building-Shots MISSBRAUCHT !!! Die ‘dreiste Chisesen-Sau‘ kauert einen knappen Meter von mir entfernt am Boden & versucht sich erfolglos an einem in meine Richtung entsandten freundlich-aufmunternden Lächeln (das bin ich immerhin noch knapp bereit zu seinen Gunsten anzunehmen). Für mich KAUM überraschend, mißlingt ihm diese (für einen Chinesen - zugegeben! - schwierige) Übung jedoch zum NUR DÜMMLICHEN GRINSEN! Ich bin RICHTIG SAUER - vergesse für einen Moment meine so mühsam mir angeeignete, asiatische Freundlichkeit, mache ihn ziemlich unflätig an & erkläre ihm anschließend in zwei knappen Sätzen die ‘Grundzüge europäischer, nein: weltgemeinschaftsweit-geltender Fotografen-Pietät‘: - daß er mich zumindest vorher hätte fragen MÜSSEN & ... - daß er nach meiner (mit Sicherheit!) abschlägigen Antwort diese hätte akzeptieren & sich VERPISSEN MÜSSEN! Aber für ‘den gemeinen Gelb-Arsch‘ sind selbst zwei dermaßen (bewußt!) simpel gehaltene, eine jeder Kreatur einleuchtende Logik verwendende & darüberhinaus grenzüberschreitend-völkerverbindend-freundlich formulierte Halbsätze nicht nachvollziehbar: Sein IDIOTEN-GRINSEN wird nur NOCH DÜMMLICHER ... ... & urplötzlich wird mir klar, daß der trivial-medizinische Begriff ‘mongoloid‘ das (ohnehin durch seine Nähe zum südlichen Nachbarn bereits über die Maßen gebeutelte) Volk der Mongolen völlig zu Unrecht & auf das Schlimmste verunglimpft! Würde doch der Ausdruck ‘chinesoid‘ die augenfälligen Symptome des Down-Syndroms weit prägnanter & authentischer veranschaulichen! Kurz darauf versucht eine mit IHM umherstreunende ‘China-Paparazza-Tussi‘ mich aus einiger Entfernung (mit schwerem Telegeschütz) auf Rollfilm zu bannen: NICHT MIT MIR! ... ... gerade noch rechtzeitig kann ich den Mittelfinger meiner linken Hand zum unmißverständlichen ‘Fuck-the-Yellow-Pestilence!‘-Gruß hochreißen! Hm - von nun an habe ich zwar Ruhe ... mein durch diesen neuerlichen ‘China-Shit‘-Tropfen zum Überlaufen gebrachtes WÄF (Wut-&-Ärger-Faß) hinterläßt allerdings vor der Oper einen unappetitlichen (mir SCHON etwas peinlichen), weithin sichtbaren großen, dunklen & feuchten HASS-FLECK! Einem Schotterweg durch die Grünanlage folgend, stehe ich plötzlich (Scheiß-Lageplan!!) mitten im park-eigenen Zoo, vor dem in Kalus Lonely-Planet ob seiner Depression verbreitenden Atmosphäre eindringlichst gewarnt wird: SUPER! Im Moment GENAU DAS RICHTIGE für mich ...! Ausgiebig betrachte ich ‘die zu schwerem Kerker verurteilten Bewohner des faunalen Umerziehungslagers‘: - die in den hiesigen Regionen unter ‘Exoten‘ firmierenden Hühner & Gänse (ja - sogar europäisches Damwild HAT’S HIER!), - die über aalglatte, nackte & unwirtliche Felsen umherirrenden, augenscheinlich um Deckung & Schatten bemühten Äffchen sowie - die an ‘Autismus im Endstadium‘ krankenden (& nur mehr durch Euthanasie zu ‘heilenden‘) Bären in ihren viel zu kleinen Drahtverschlägen. Völlig mitleidlos fixiere ich den gar nicht ‘munteren‘, tibetischen Kragenbären - bevor ich ihn agressiv abraunze, ‘... ob er denn allen Ernstes angenommen hätte, diese kulturlosen Kultur-Revoluzzer würden ihn besser behandeln als seine zweibeinigen Landsleute?‘ Worauf der um mein ihm zustehendes Mitgefühl betrogene, nun sichtlich verunsichert & ein wenig traurig dreinblickende Ursus Thibetanus mir den Rücken zuwendet ... ... & mit seitlich verrenktem Kopf (sowie schlaff im rechten Mundwinkel hängender, rosafarbener Zunge) ‘irgendwie merkwürdig zu vibrieren beginnt‘. Kurz gesagt: Ich befinde mich in einer ausgesprochen blendenden Stimmung! Vom nahegelegenen, dreistöckigen Chensek Potrang (dem Sommerpalast des 13. Dalai Lama) schieße ich genau zwei Fotos. Den laut Reiseführer optisch wenig anspruchsvollen Palast des 8. Dalai Lama (den Kelsang Potrang) schenke ich mir gar schußlos. Stattdessen suche ich die Eingangspforte des von einer hohen Steinmauer bewehrten Takten Migyü Potrang auf ...
 
... der 1955 vom 14. (dem ‘Present‘) Dalai Lama eingeweihten ‘Neuen Sommer-Residenz‘, die sich jedoch als in jeder Beziehung extrem verschlossen erweist: LUNCH-BREAK! ... ... erklärt man mir keineswegs ein-, nein: exakt zweisilbig. Und erst mein dritter, hartnäckiger Versuch der Nachfrage, ‘wie lange die Mittagspause denn wohl UNGEFÄHR dauern könnte ...?‘ wird für würdig befunden, mit einem gelangweilt ausgespuckten ‘Two Hours - Maybe More!‘ beantwortet zu werden. Worauf ich mich bei dem chinesischen (‘KZ‘-) Wärter überfreundlich bedanke, mich selbst autogen beschwöre (Du bist vollkommen RUHIG!) & ... ... mir die entgangenen Motive einfach vor meine, keine Mittagspause kennende, ‘geistige Kameralinse‘ RUFE: - das Wohnzimmer mit den für die damalige Zeit geradezu revolutionären, weil europäischen Einrichtungs-Gegenständen ... dem ‘Philips‘-Radio (Jawohl, Hilde!) & einem eleganten, französischen Chaiselongue, - sowie die vor dem Palast ausgestellten, drei englischen Oldtimer. Letztere mußten übrigens in den dreißiger Jahren (in Einzelteile zerlegt & auf Yaks verpackt) mühsam hierher transportiert werden & waren zu dieser Zeit natürlich die ersten & einzigen Automobile im Feudalstaat des Dalai Lamas. Ebenso natürlich gab es zu jener Zeit natürlich noch keine einzige Straße in Tibet: ‘Hach - herrliche, alte Zeit!‘ ... mir bleibt nur (mal wieder!), die Ungnade meiner ach-so-späten Geburt zu beklagen! Apropos ‘Zeit‘: Da ich vorhabe an der Afternoon-Group-Activity teilzunehmen, wird’s nach diesem gedanklichen Rundgang Zeit dem Park den Rücken zu kehren. Ich schieße ein letztes Foto vom malerischen Norbulingka-Eingangsportal, vor dem ein tibetisches Kleinkind unschuldig & unwissend seine Spiele spielt (fast so, wie es alle Kinder dieser Welt tun!), ducke & drücke mich vorbei am Holiday Inn Lhasa (pervers ... eigentlich!) durch ‘Chinatown‘ ... & zurück nach Old-Lhasa. Im Hotelkiosk erstehe ich ein großes ‘Take-Away-(the-Frust!)‘-Bier, lasse mich dann erschöpft auf mein Hotel-Bett fallen & ... ... SPÜLE DEN VORMITTAG IN LANGEN ZÜGEN HERUNTER! Bereits eine halbe Stunde später mahnt der im Innenhof des Hotels aufheulende Motor des Gruppenbusses die geplante Besichtigung des Sera-Klosters an, das sich uns fünf Kilometer nördlich von Lhasa-Zentrum wie der sprichwörtliche ‘Hort des Friedens‘ präsentiert.
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Aber das dachte man auch von der Ganden Monastery (vierzig Kilometer östlich von Lhasa) bis ... ... ja: bis im Frühjahr diesen Jahres chinesische Uniformierte das Kloster mit dem Beijing-Auftrag, ‘alle Dalai-Lama-Bilder zu entfernen!‘ stürmte. Als sich eine Handvoll Mönche erdreisteten, Widerstand zu leisten, wurden zwei von ihnen kaltblütig ermordet. Seither ist Ganden für Besucher geschlossen (offizielle Begründung der chinesischen Behörden: wegen ‘Renovierungsarbeiten!‘). Unmittelbar vor dem Hauptgebäude der Sera Monastery sind einige Mönche mit Schreinerarbeiten beschäftigt, während einer ihrer Kollegen (auf dem Dach des Gebäudes stehend) seine Brüder ‘zur Debating Hour GONGT‘, die täglich um Halb Vier Uhr beginnt. Wir unternehmen zunächst einen kurzen Rundgang durch den Haupt-Tempel ... & zum größten Heiligtum des Klosters: Der in einer unscheinbaren Nebenkapelle ausgestellten Statue des ‘pferdeköpfigen Buddhas‘, an der (durch die dunkle & enge Lhakhang) ein permanenter, nicht-abreißender Strom von Gläubigen vorbeizieht. Dann ... ... spazieren auch wir in den schattigen Hofgarten & wohnen der (zwar strengen Regeln unterliegenden, dennoch aber überraschend lebhaft - ja: fröhlich vonstatten gehenden) ‘Diskussions-Zeremonie‘ bei: In Gruppen von jeweils acht bis zehn Kombattanten sitzen alle im Kreis um einen stehenden Mönch, der die Fragen stellt & jeder seiner Fragen durch lautes Händeklatschen in Richtung des Angesprochenen Nachdruck verleiht. David erklärt mir, daß die Diskussions-Themen meist vollkommen belangloser Natur sind (beispielsweise ‘Welche Farbe hat diese Wand da ...?‘ oder ‘Was macht Dich so sicher zu glauben, daß die Wand weiß ist?‘), daß logisches Denken & stringente Beweisführung geübt werden ... & teilweise geht’s ganz schön hart zur Sache.
 
Ein paar Jung-Mönche lassen sich durch unsere Kameras schon mal ablenken. Immer wieder werden wir freundlich (auf Englisch) willkommen geheißen. Niemals & zu keiner Zeit aber habe ich das Gefühl, daß wir stören oder unerwünscht sind ... ... was jedoch natürlich nur zum geringeren Teil daran liegt, daß wir offensichtlich sofort als das erkannt werden, was wir sind (nämlich unheimlich DUFTE): NEIN! Der noch offensichtlichere, wirkliche Grund ist ‘die bewußte & bewußt gepflegte Öffentlichkeit als bester Schutz gegen jederzeit mögliche staatsmächtig-chinesische Repression!‘ MIR ... ... will es hier & jetzt & in dieser Atmosphäre jedenfalls unvorstellbar erscheinen, daß es Menschen (Menschen ...?) gibt, denen diese friedfertigen & freundlichen Mönche ‘ein Dorn im Schlitzauge‘ sind! Vom begehbaren Flachdach des Haupt-Tempels ...
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... ergeben sich spektakuläre Ausblicke auf Lhasa sowie die Rückansicht des Potala Palace. In fast lockerer Stimmung schießen HIER OBEN alle ihr ‘Erinnerungs-&-Mensch-waren-wir-‘ne-tolle-Gruppe‘-Foto - alle? Alle ... ... bis auf einen! Der einigermaßen wiederhergestellte Karl-Ludwig (nein: der war’s nicht!) wundert sich LAUT, daß seine sämtlichen Tour-KollegInnen scheinbar blendender Laune (sprich: froh) sind (sprich: morgen Tibet verlassen zu können!?): STIMMT ... er hat Recht! Wir SIND FROH Tibet zu verlassen! Und das wird ihm auch von jedem/jeder einzelnen mit fast identischer ‘Chinese-Depression‘-Begründung bestätigt! Übrigens: Kalu ist das einzige anwesende Team-Mitglied (Nobu & Aoki fechten zur Zeit einen erbitterten Strauß mit der chinesischen Administration in Lhasa aus), das noch eine weitere, eine Individual-Woche in Tibet verbringen will! Nach unsrer Rückkehr ins Hotel unternehme ich mit David einen letzten, gemeinsamen Spaziergang durch Lhasas Altstadt:
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Wir mischen uns unter die Prostrators (& sonstigen Gläubigen) auf dem Vorplatz des beeindruckenden, zentralen Jokhang Temple (tibetisch: Tsuglagkhang), schnuppern die mit Händen greifbare, gleichermaßen andächtige wie (eigentlich grundlos) frohgemute Atmosphäre & umkreisen schließlich Lhasas ‘most important Place of Worship‘ auf dem mit Verkaufs-Läden & -Ständen übervoll-bepackten Barkhor Circuit einmal ... ... im Uhrzeigersinn! ‘Wie sich das für einen Buddhisten gehört! Gell, David ...?‘ Naja - anders herum wäre aufgrund der die Richtung wabernd vorgebenden Fußgängermassen auch gar nicht möglich (‘Gell, Horst ...?‘). ‘By the (Crossy) Way‘-Atmo-Fotos: von ... ... gleichermaßen sichtlich wie eindeutig ekelhaft gut gelaunten, arrogant & (ich wiederhole mich) IMMER RAUCHEND durch die Menge pflügenden Uniformierten (‘Schlagt sie Flecken-Blau - die Chinesen-Sau!‘ Äh ... Sorry: Ich befürchte, da ist gerade IRGENDWAS mit mir durchgegangen!), ... einer erschreckend umfangreichen ‘Kollektion chinesischer Knaben- bis Baby-Militäruniformen‘, die vor einem ‘Yellow-Shop‘ als definitiver & definitiv Übelkeit erregender ‘Antipode der tibetischen Gebetsfahne‘ im ständig an Stärke zunehmenden Abendwind flattert (apropos: hier in Tibet habe ich erstmalig verstanden, warum die ‘Lügenpresse‘ in englisch-sprachigen Ländern ‘Yellow Press‘ genannt wird!), ... sowie einer mit Freunden heftig diskutierenden Tibeterin, die während der hitzig geführten Debatte ihre Hand-Gebetsmühle unablässig kreiseln läßt (eine mich faszinierende, feinmotorische Koordinations-Übung der absoluten Spitzenklasse!).
  
Tiefschwarze Bewölkung zieht auf & wir suchen unter den Sonnen- / Regenschirmen eines Dachgarten-Cafés Schutz vor einem (auch lautstark) sich ankündigenden Monsun-Wolkenbruch. Die weitläufige Terrasse des Cafés ist ein ausgezeichneter Standort für ... äh ... ‘Spanner-Tele-Shots‘ auf das sich unter uns, auf dem Vorplatz zum Jokhang-Tempel abspielende, farbenfrohe Leben. Allerdings nur solange, bis der auf den Platz niederprasselnde Platz-Regen auch den allerletzten Passanten vom Platz (& ins Trockene) vertrieben hat. Bis Acht Uhr harren David & ich (über ‘Buddha & Tibet‘ redend) im Café aus. Da der Regen nicht schwächer wird, gönnen wir uns schließlich eine Fahrrad-Rikscha zurück zum Banakshol, in dessen Restaurant wir uns mit den anderen zum letzten, gemeinsamen Abendmahl verabredet haben: Wie üblich wird viel gescherzt - trotzdem aber habe ich den Eindruck, daß jede/r einzelne ihre/seine Auszeiten zur Reflektion des in der letzten Woche Erlebten nimmt (keineswegs nur ‘eitel Sonnenschein‘ - immer aber ‘pralles Leben‘!) & ... ... nehmen kann! Auch deswegen: FINAL THANXX TO MY GROUP! ‘Du (Gruppe, Du!) hättest von-wem-auch-immer (O-Ton Carmen Kharma: If it’s meant to be, it will Happen!) nicht besser zusammengestellt werden können!‘ Da unser Tour-Bus um Halb Sieben Uhr Morgen Früh Richtung Gonggar International Airport aufbrechen wird (der sich knappe 100 Kilometer südlich von Lhasa mitten in ‘Nowhere Land‘ befindet: vermutlich, weil die GELBÄRSCHE glauben den Flughafen an diesem vermeintlich buddha-verlassenen Ort einfacher kontrollieren zu können), ziehen wir uns (unabgesprochen) alle bereits recht früh in unsere Zimmer zurück! Wo MICH ... ... augenblicklich (wieder einmal) ein mittlerweile allerdings schon recht vertrautes Gefühl beschleicht: Meine Asien-Reise scheint wohl LANGSAM, nun ABER wirklich (!) SICHER zu Ende zu gehen! Heute keine einzige Zeile ‘Thoreau‘ ... ... Shut the Lights and Fall Asleep (immediately)! ... |
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... Um Viertel vor Sechs Uhr rappelt mein Wecker - Packen (bekannt schnell) - kurz vor Halb Sieben Uhr klopft Sping sicherheitshalber nochmal an alle Zimmertüren (was sich allerdings als völlig unnötig herausstellt): Punkt Halb Sieben Uhr startet unser Bus in vollkommener Dunkelheit (& bei strömendem Regen) Richtung Flughafen. Sping präsentiert sich uns heute übrigens in einem ‘echt-verboten‘-aussehenden Armee-Wintermantel aus der Kollektion ‘Damals-in-Stalingrad‘. Was soll’s ... ... das muß er selbst wissen! Nach einer halben Stunde haben wir die (an akuter Gelbsucht leidende) tibetische Kapitale hinter uns gelassen. Doch es dauert noch weitere anderthalb Bus-Stunden (immer am Kyi Chu, einem Quellfluß des Bhramaputhra entlang), bis wir den unerwartet futuristisch-anmutenden Gonggar International Airport erreichen (‘Acht - Sieben - Sechs - Fünnef - ...‘). Zunächst lassen wir das namenlose Canadian Couple ziehen (das zwecks weiterer sinologischer Sprachstudien Richtung China düst: ‘Ich löge, ... behäuptete ich, ... daß ich sie benüdete!‘). Anschließend verabschiedet sich der geschrumpfte Rest unserer Tour-Gruppe ausgesprochen herzlich von Sping. Nach einem allerletzten ‘So Long, Sping ... & Maybe? Who Knows? Next Year?‘, schleusen uns bemühte chinesische Flughafenangestellte im Eiltempo durch den Abfertigungsbereich. Und bereits um Neun Uhr (eigentlich überraschend früh) finden wir uns im Warteraum vor unserem Gate wieder. Natürlich besteht weder die Möglichkeit zu Frühstücken, noch ‘die (versehentlich) übrigbehaltenen Fuckin’-Chinese-Yuan in eine nicht-blutbefleckte Währung umzutauschen‘. Was bleibt mir übrig? Denn ... ... ich will nicht, daß davon was übrig bleibt! ALSO: zwei Becher schwarzes Wasser (hm - nicht SO der ‘Eye-Opener‘), ein zwar staubiges, dafür aber völlig geschmacks-neutrales Stück Sandkuchen (vermutlich frisch im Chang Tang-Hochplateau abgebaut), die restlichen Yuan konvertiere ich in eklig-geschmolzene Schokoriegel! Pünktlich um Viertel nach Zehn Uhr (Beijing-Time) hebt das Flugzeug der China Southwest Airlines ab: eine erstaunlich große Maschine ... ... bedenkt man, daß wöchentlich zwei Direktflüge von Lhasa nach Kathmandu durchgeführt werden. Im Flieger reicht die Zeit gerade mal zum ‘Überfliegen‘ einer chinesischen Tageszeitung, die sich auf der Titelseite lang & breit über die Fußball-Europameisterschaften in England ausläßt. Allerdings berichtet die Staats-Presse aus einem reicht eigenwilligen, schlitzäugigen Blickwinkel: ‘There were some Ugly Scenes of Brutal Police Action against Soccer-Fans after the Semifinal between England and Germany!‘ DAS MUSS MAN SICH MAL REINTUN !!! Die Vorkommnisse auf dem ‘Tiennamen’-Platz waren dann wohl ein von der ‘chinesischen Volksbefreiungsarmee’ organisiertes Friedens-Picknick ...? Und die ‘Chinese Military Action’ (gegen die gewaltlos protestierenden Studenten) nicht ‘ugly’, sondern ‘peace-keeping Beautiful’ ...? ODER WAS ...? Das chinesische Bord-Frühstück (das von mir trotz quälendem Hunger mit einem eisernen Boykott belegt wird!) ist für die Flugdauer von nur einer Stunde erstaunlich umfangreich. Drei Himalaya-Shots (White Peaks Arising Mystically from Out of White Clouds!) ...
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... dann ist auch mein letzter ‘Tibet-Film‘ voll. Um zehn Minuten nach Neun Uhr (Ortszeit) erreichen wir Kathmandu: HALLELUJAH! Wir sind der ‘Beijing-Twilight-Time-Zone‘ final entflo(h/g)en! David hat am Tribhuvan-Flughafen ein kleines Problem: Er kann das benötigte, neue Nepal-Visum in jeder, aber auch jeder erdenklichen Währung bezahlen ... nur nicht (logisch!) mit seinen nepalesischen Rupees. Hm - ich sollte mich nicht unbedingt darauf verlassen, daß ich hier ... in einer Woche (zu Beginn meines dann anstehenden AEROFLOT-Abenteuers) meine nepalesischen Rest-Rupees in US-Dollar umtauschen kann. Und ... ... beschließe daher (spontan) schon vorher ALLES auszugeben ... ... äh: zum Beispiel für ... ja - genau (ihr, meine ‘Lieben Daheim!‘): ... GESCHENKE! Mit Marco, Steve & Lois teile ich mir ein Gemeinschafts-Taxi nach Thamel: Marco wohnt ‘direkt umme (heilige) Ecke‘, Steve & Lois wollen ins ebenfalls nahe Kathmandu View Guest House (wo auch Carmen logierte), mich zieht’s wieder in die heimatliche Holy Lodge. Duschen - Anlegen der letzten, mir verbliebenen Garnitur Frisch-Wäsche - für den Rest des Nachmittags bin ich mit der unverzüglich in Angriff genommenen Planung meines ‘German Comeback‘ beschäftigt & ... ... erstelle eine erschreckend LANGE Liste (mit dem Titel: ‘Things To Do RIGHT AWAY!‘). Gute Falafels beim Abendessen mit Marco im Nargilas Restaurant (unmittelbar unterm wohlvertrauten Tom-&-Jerries) - der (also: Marco) sich (obwohl selten in Europa!) als erstaunlich gut informiert erweist über Fußball im Allgemeinen & spanische Vereins-Interna im Speziellen ... ... sowie Madagaskar im Besonderen & madegassische Frauen ... äh - ja. Um Halb Elf Uhr kehre ich (gemeinsam mit einem stetig wachsenden ‘Time-to-Say-Goodbye-to-Asia!‘-Gefühl) in mein Hotelzimmer zurück, lese ein langes Kapitel H.D.Thoreau & schlafe schließlich mit (mich immer noch spürbar aufwühlenden) Erinnerungen an das in Tibet Erlebte ... ... sowie der Gewißheit ein, daß AB MORGEN an dieser Stelle statt ‘somehow interesting (?) Diary-Notes‘ nur mehr eine (insgesamt sechsteilige) Langweiler-Farce mit dem Titel: ‘Warten auf AEROFLOT!‘ ...
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... zu erdulden sein wird (wenn überhaupt). Na dann: ‘GOOD NIGHT ... ... & Fare-thee-Well!‘ |
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