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‘DENN HOFFNUNG IST MANGEL AN INFORMATION‘: TIBET - & NÄCHSTES JAHR HONGKONG ...? ODER: TIBET ... IN A PACKAGE (-TOUR) !
( ... ERSTER HALB-REISEBERICHT !)
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... von Kathmandu (Nepal) zur Grenze & durch das tibetische Hochland - über Zhangmu, Xegar, Xigatse sowie Gyantse - nach Lhasa (Tibet)
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Samstag, 22. Juni bis Dienstag, 25. Juni 1996:
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Sssehr Früh Raus: um Viertel vor Fünf Uhr stapfe ich frisch geduscht & bepackt durch leichten Nieselregen (FUCK!) zur Ying-&-Yang-Reiseagentur - warte (sämtliche Himmelsrichtungen ab-suchend & ... ab-rauchend) - laufe auf & ab (& vor & zurück) - befrage die raren, frühen Passanten ... ... aber niemand weiß nicht über Nichts Bescheid ...!? Nach einer halben Stunde kreuzen zwei verschlafen bis gelangweilt dreinblickende junge Nepalesen auf ... ... die mir eher beiläufig mitteilen, daß der Bus vom ’Green-Hill-Tour-Office beside the Kathmandu-Guest-House’ abfahren wird. Hm - meine heutige Morgen-Laune mit glänzend zu bezeichnen wäre ’leicht übertrieben’! Am neuen Sammelplatz warten wir über eine Stunde auf Aoki (eine Japanerin), die letzte, noch vermißte Mitreisende ... die jedoch (heute Morgen noch) NICHT aufkreuzt! Übrigens bilden Aoki & ich eine ’eigene Reisegruppe’ - sprich: wir haben ein gemeinsames Visum, das uns verpflichtet als geschlossene Gruppe ein- & auszureisen! Ein Umstand der sich noch als sehr spannend erweisen wird ... ... aber ich will nicht vorgreifen. Ich ärgere mich EIN WENIG (hätte ich doch locker noch eine Stunde schlafen können!). Um Halb Sieben Uhr geht’s ENDLICH (mit nüchternem Magen) LOS! Knappe zwei Stunden braucht der Bus bis Dhulikhel - ein derart ödes, unspektakuläres Vorgebirgsdorf, daß ich meinen ursprünglich hier eingeplanten mehrtägigen Aufenthalt (nach dem Tibet-Trip) gedanklich erstmal abhake: Eigene Selber-Schuld! Obwohl ... ... die ansonsten als sensationell gepriesenen Himalaya-Ausblicke sind heute auch arg eingeschränkt! Frühstück in einem kleinen Restaurant unmittelbar neben der Landstraße & erste Kontaktaufnahme zu einzelnen Tour-Mitgliedern: unter anderen ... ... ein noch recht junges (äh ... etwa in meinem Alter!) US-amerikanisches Ehepaar auf der Durchreise - von Vietnam & Myanmar kommend, werden die beiden später noch einmal für einen Monat Myanmar bereisen, ... ein ’reiselustiger’ Spanier, der schon überall war & sich bereits während unseres ersten, kurzen Gesprächs als ausgesprochener Madagaskar-Fan zu erkennen gibt, ... sowie ein Landsmann (aus Berlin), der nach einigen Trekking-Touren in Nepal nun (langsam) die südostasiatische Reiserichtung einschlagen will: Myanmar, Thailand & Vietnam sind seine nächsten Reiseziele. Der erste Eindruck von meinen ReisegefährtInnen ist ein ERSCHRECKEND POSITIVER ... & meine schlimmsten ’Package-Tour’-Befürchtungen (oder doch meine heimlich gehegten ’Frust-Pur’-Hoffnungen ...?) erfüllen sich zumindest zunächst NICHT! Von Dhulikhel nach Kodari, der letzten nepalesischen Siedlung vor der nepalesisch-tibetischen Grenze, sind es 80 Kilometer, für die unser Bus knappe drei Stunden benötig. Zunächst folgen wir, teils hoch oben in den Steilfelsen des breiten Tales, passagenweise direkt am Flußufer entlang, dem weiß-schäumenden Bhote Kosi River (einem aus Tibet kommenden Quellfluß des mächtigen, sich Richtung Ost-Nepal wälzenden Sun Kosi River).
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Der Bhote Kosi ist offensichtlich ein von den auf Abenteuer spezialisierten ’White-Water-Rafting’-Veranstaltern gern (& stark!) frequentiertes Wildwasser: an einer im hohen Bogen den Fluß überspannenden Steinbrücke werden Dutzende grellbunte Schlauchboote sowie die zugehörigen Ausrüstungsgegenstände von (nicht minder farbenfroh für die jeweilige Agentur Werbung treibenden) Tour-’Vans’ abgeladen ... ... & von den bereits in ihren Schwimmwesten eingeklemmten Wassersportfreunden über einen schmalen Pfad zum Flußufer hinunterbalanciert. Kurz darauf überqueren auch wir den Fluß (allerdings über eine ultra-moderne Stahlbeton-Brücke). Von nun an steigt die (noch!) asphaltierte Strasse langsam, aber stetig über mehrere aufeinanderfolgende, jeweils an Höhe gewinnende Hügelketten in die südlichen Ausläufer der Himalayas & ... mit jedem erklommenen Höhenmeter wird spürbarer, daß wir uns der Grenze nähern! Punkt Zwölf Uhr erklimmt unser Bus Kodari (1.500 Meter über N.N.):
 
Wir füllen die nepalesischen Ex-Migration-Formulare aus, den Rest erledigt unser Reiseführer (hm - ein völlig neues Gefühl ... des Behütetseins!?). In einem einfachen Restaurant versammeln wir (’Rund-Um-Sorglosen, WIR!’ Obwohl: DAS wird sich schneller ändern als uns lieb ist) uns zum frühen Mittagessen - eine weitere Gelegenheit uns etwas näher zu beschnuppern. Naheliegenderweise geschieht dies zunächst immer über das uns alle verbindende Thema ’Reisen’ ... ... & ein weiteres Mal darf ich mich wortlos wundern, wievielen Leuten man doch unterwegs begegnet, die VERDAMMT LANGE REISEN unternehmen. Kurioserweise komme ich mit den ’normalen Kurzreisenden’ (bis maximal vier Wochen) überhaupt nicht in Kontakt !? Dann beginnt das ABENTEUER TIBET ... ... & WIE! Für die aus einer endlosschleifigen Serpentinen-Aneinanderreihung bestehende Karrussel-Fahrt (über einen die Grenze markierenden ’Friendship-Bridge’-Euphemismus) zur fünf Kilometer & 800 Höhenmeter entfernten tibetischen Grenzstadt Zhangmu (2.300 Meter über N.N.) steht uns ein uralter, aber bärenstarker LKW zur Verfügung: So aufrecht wie irgendmöglich auf der mit einer Plane abgedeckten Ladefläche balancierend, versuchen wir uns (jede/r für sich ... wo-auch-immer) festzuklammern. Die gnadenlos über nackten Fels & teils recht rutschige Gesteinsbrocken führende Piste verdient sich die Bezeichnung ’Rüttelstrecke’ im durchaus wörtlichen Sinn - eine halbe Stunde werden wir wüst durcheinandergewürfelt & ... ... lernen uns derart WIEDER ein Stück NÄHER kennen! Ewigkeiten später erreichen wir (zwei konkret, die anderen nur ’irgendwie erleichtert’: ich gehöre, wenn auch nur ’um Zäpfchen-Breite’ zu den anderen!) die laut überdimensionaler Schautafel ’chinesische Zollstation’. Naja - man soll ja nicht alles glauben, was man so liest! Gruppenweise (exakt so wie auf dem chinesischen Visum vermerkt) haben wir uns zunächst auf- & dann bei den Beamten ’vor-zu-stellen’: Tja, nach dem kurzfristigen Ausfall Aokis bleibt mir (zwar nicht zwei Öltanks - aber unstrittig EINE Gruppe!) nichts anderes übrig, als mich im breiten Halbkreis vor dem uniformierten ’Gelb-Arsch’ aufzubauen & ... ... den ’meinem Gegenüber ZUMINDEST Beulenpest an den Hals wünschenden Blick’ hinter einem gequält-freundlichen Lächeln zu verbergen. NATÜRLICH will er mich nicht reinlassen! Hm - er gibt zwar vor, ’meine Gruppe sei nicht vollständig’ ... aber: Mich täuschst Du nicht ... ... äh ... genausowenig wie Dich mein falscher Blick darüber hinwegtäuschen kann, daß hier jemand steht der Dich (in Deiner Funktion!) abgrundtief HASST! Zum äußersten kommt es jedoch NICHT. Denn im gleichen Moment, da unser Reiseleiter die geforderten 10 US-Dollar Cancellation-Fee ABGEDRÜCKT hat, ist die Gruppe plötzlich wieder vollständig & ’... ich darf dann doch ... ... also: ... Tibet betreten!’ Wobei die ’grenzernden Besatzer’ allerdings Wert auf die Feststellung legen, daß ich in CHINA (?) einreise!
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In mehreren Gruppen zwar, trotzdem aber ’geschlossen’, begeben wir uns in die riesige (im doppelten Wortsinn), ausladende Empfangshalle einer deutliche Bezüge zum ’Architekturstil des sozialistischen Realismus’ aufweisenden Beton-Betten-Burg. Die Polstermöbel-Sitzgruppen im (das heimelige Flair der ’ehemaligen Ex-DDR’ augenblicklich aus Ruinen wieder auferstehen lassenden) Foyer sind unter einer schieren Unmenge von Handtüchern & Bettwäsche begraben. Man darf sich (Selbstbedienung!) mit dem Nötigsten ausstatten ... ... so man denn ein Zimmer hat!? Bis dahin vergeht allerdings noch eine quälend-lange Warte-Stunde, die unseren Guide in lautstarken Diskussionen mit dem in jeder Beziehung widerwilligen chinesischen Hotelpersonal sieht. Schließlich bilde ich mit Marco (dem polyglotten Spanier) eine Zimmergemeinschaft & ebenso (nämlich gemeinschaftlich) inspizieren wir unser zwar exklusiv-ausgestattetes, unüberriechbar aber ’den Mief der (bundesdeutschen?) Fünfziger-Jahre’ ausatmendes Doppelzimmer: - plüschige, gefährlich tiefe & weiche (vor-kulturrevolutionäre?) Polstersessel, aus denen man sich ohne fremde Hilfe vermutlich nie mehr befreien kann (gibt man der folgenschweren Verlockung nach ’... sich in sie sinken zu lassen’), - eine wurmstichige Unterhaltungselektronik-Holzkonsole aus der ’Rosemarie-Nitribitt-Epoche’ (ICH war früher SELBST mal ein Nierentisch ...!) mit Fernseher, der allerdings nur einen (natürlich chinesisch-sprachigen) TV-Kanal bietet, - eine sich offensichtlich nicht an den durchschnittlichen asiatischen Körpermassen orientierende (weil erstaunlich große!), massive & blitzblanke Badewanne, die ihren hervorragenden Erhaltungszustand allem Anschein nach dem Umstand verdankt, daß sie (wie eine ohne jegliche Erwartung durchgeführte & diese auch konsequent bestätigende Probedrehung des Wasserhahns gleichermaßen eindrucksvoll wie folgenlos beweist) bereits seit mehreren Dekaden nicht mehr mit Feuchtigkeit in Berührung gekommen ist, - das definitive Komfort-’Sahnehäubchen’ (der letztendlich ausschlaggebende Faktor für die Hotel-Kategorisierung ’westlicher Standard’ ...?) aber bildet ein für jeden Hotelgast bereitliegendes, in Folie verschweißtes Health-Care-Set (mit Zahnbürste, -pasta, Seife & Kamm). Als wir später wieder in die Empfangshalle zurückkehren, SINNIERT unser nepalesischer Tour-Verantwortlicher gerade verdächtig laut & mitleid-erheischend über der Frage, ’... ob die Straße Richtung Kathmandu wohl trotz der starken Regengüsse passierbar bleibt?’ Wir erfahren, daß unsere Tour laut chinesischen Fremdenverkehrsbestimmungen von einem tibetischen (chinesischen ...?) Reiseleiter betreut werden muß, in dessen Obhut er uns zu übergeben hat, bevor er sich wieder in die nepalesische Kapitale zurückbegeben darf. Er wird immer unruhiger, führt mehrere Telefongespräche (sowie einige ’Geheimkonferenzen’ mit seinem Fahrerkollegen) & ... ... verabschiedet sich schließlich gegen Fünf Uhr mit der (auffallend oft wiederholten!) Versicherung: ALLES KLAR! Der ‘tibetische Guide’ wird in Kürze mit Fahrer & Bus im Hotel eintreffen! DANN ÜBERSCHLAGEN SICH DIE EREIGNISSE! Und ... ... WÄRE man ein wenig unvoreingenommener als ich, so KÖNNTE man durchaus mutmaßen: Die nicht-vorhandene Reiseleitung versteht es, aus einem zusammengewürfelten Haufen egoistischer Individualreisender in Guiness-Buch-verdächtiger Rekordzeit ein aufeinander eingeschworenes, mit einer Stimme sprechendes, vor blindem Vertrauen untereinander strotzendes ’Dreckiges Dutzend’ zu formen (naja - fast: noch sind wir zehn, aber schon bald werden wir elf Banden-Mitglieder umfassen!). Oder schlichter ausgedrückt: Sie (die nicht-vorhandene Reiseleitung) verbringt eine ’Gruppendynamik fördernde Leistung der Sonderklasse’ ... die sich westlich-kapitalistische Management-Trainer mit Höchstgagen entgelten lassen, ohne auch nur im entferntesten an das durch unsere (wie gesagt: nicht einmal VORHANDENE!) Reiseleitung erzielte Resultat heranzureichen! ALSO ... ... ein kein einziges englisches Wort sprechender tibetischer Fahrer erscheint, sammelt unsere Pässe (sowie die Gruppen-Visa) ein & verschwindet zur Polizeistation von Zhangmu: Wir brauchen ein Travel-Permit! Nach einer Stunde kommt er in Begleitung eines (zwar unbeteiligten, aber wenigstens englisch-sprechenden) anderen tibetischen Fahrers zurück, der in lockerer Folge nacheinander mehrere (verschiedene & immer unglaubwürdiger sich anhörende) Geschichten ’aus der untersten Yeti-Legenden-Schublade’ hervorzaubert: ... zunächst heißt es, wir können morgen nicht abreisen, da die Polizei gerade eben (grundlos) ihr Büro geschlossen hat & wir nicht im Besitz einer gültigen Reise-Erlaubnis sind, ... eine halbe Stunde später gibt’s eine neue Begründung für die (allerdings unverändert fortbestehende) Unmöglichkeit am morgigen Sonntag abzureisen. Plötzlich soll unser verantwortlicher tibetischer Reiseleiter zwei Tagesfahrten östlich von Zhangmu (mit Landcruiser & zweitem Fahrer) im Schlamm steckengeblieben sein, ... wir könnten daher frühestens am Montag-Nachmittag unsere Tour starten. Dies aber auch NUR, falls das Ersatzteil für den defekten Bus (die dritte Variante!) bis spätestens morgen Abend ... Hektische Diskussionen greifen in unserer noch recht heterogenen Reisegruppe um sich. Übrigens: die restlichen, noch nicht erwähnten Beteiligten sind ein kanadisches Paar (auf ’sinologischer Studienreise’), David (ein Australier & angehender Buddhist) sowie Nobu & Oki (zwei männliche Japaner, die unterschiedlichere Temperamente nicht haben könnten). UND ... ... irgendwann stößt die vermißte (äh: ’von wem eigentlich?’) Japanerin Aoki noch dazu. Sie hat heute morgen verschlafen (nicht das letztemal für die nächsten Tage), mit ihrem nepalesischen Freund kurzerhand ein Taxi zur Grenze genommen & ... ... ist nun überglücklich, uns gefunden zu haben! Damit sie endorphin-mäßig nicht völlig ABHEBT, konfrontiere ich sie auf meine bekannt zurückhaltend-schonende Art erstmal mit den neuesten Horror-News. Um es kurz zu machen: Wir verständigen uns darauf, morgen Früh sowohl die nepalesische als auch die tibetische Reise-Agentur telefonisch zu informieren, daß wir (falls es nicht noch am gleichen Tag Richtung Lhasa weitergeht) morgen Abend auf eigene Faust nach Kathmandu zurückkehren & den gesamten Tour-Preis zurückfordern werden! Allerdings: nimmt es einige Zeit in Anspruch, bis wir zu diesem basisdemokratischen Konsens kommen. Naja - der ’Group-Spirit-Finding-Process’ befindet sich halt noch in der ’Steig’-Phase. Er wird aber noch im Laufe dieses Abends durch einen gewaltigen Aufwind in luftige Höhen getrieben ... äh: worden sein (siehe später!). Um Acht Uhr brechen wir (alle ... außer den Kanadiern) in die Stadt auf: Das Hotel-Restaurant ist (chinesen-)sau-teuer & Marco hat in seinem guten Reiseführer (dem lesbaren: denn einen, der reden kann, haben wir ja noch nicht!) eine ’Special Recommendation in Town’ gefunden. Es regnet in Strömen & ... eine nicht nur auf den ersten Blick verdammt deprimierende Straße (die einzige in dieser Stadt!) windet sich in mehreren Schleifen an den selbst in der Dunkelheit alles andere als prunkvoll aussehenden Häuserzeilen vorbei den Berg hinauf. Das erste inspizierte Restaurant ist eine deutlich unterhalb von BASIC anzusiedelnde Kaschemme, die von vier großen Billardtischen & einer an ’Star Wars’ erinnernden musikalischen Untermalung dominiert wird (über das Aussehen des auf einem Billardtisch gelagerten ... äh ... ’Fleisches’ schweige ich lieber!). Das zweite Etablissement dient den an der Grenze stationierten chinesischen Soldaten augenscheinlich als Puff. Schließlich aber entdecken wir doch noch (kaum mehr erwartet) ein gemütliches, kleines Restaurant: Wir werden von der uns mit offenen Armen & einem breiten Lächeln empfangenden Besitzerin in ein atmosphärisches Separeé geführt & scharen uns um einen riesigen runden Tisch ... dessen drehbare Einsatzplatte zu Beginn des Abends ein gern genutztes Ablenkungs-Requisit zum Überspielen der Unsicherheit (bezüglich unsrer Restaurantwahl: Hm - verdammt viele Uniformierte - hier!) sowie der mit den Händen greifbaren, miesen Stimmung (ob des verkorksten Tour-Openings) abgibt. Übrigens: Marcos Reiseführer-Empfehlung existiert nicht (mehr?) ... Die Japaner bestellen (sich souverän den gleichen Ursprung japanischer & chinesischer Schriftzeichen zunutze machend) aus der nur in Chinesisch existierenden Speisekarte für die gesamte Gruppe: gewöhnungsbedürftig gewürzten Tofu sowie Huhn, verschiedene Gemüsegerichte & Reis. Nachdem wir den lokalen Bierpreis in Erfahrung gebracht haben (‘nen Vierteldollar für ‘ne große Flasche!) fällt auch der letzte Rest von Skepsis von uns ab & ... ... einem Gelage (’NIE war es so wertvoll & berechtigt wie heute!’) steht nichts mehr im Wege. Die anfangs noch jede/n einzeln beschäftigende depressive Stimmung schlägt schnell in eine fatalistische um ... & der Abend entwickelt sich zu einer äußerst lustigen & ALLE mitreißenden Veranstaltung, in deren Verlauf wir uns den Grundstein für das sich in den nächsten Tagen noch verstärkende Gruppengefühl federleicht (& doch schwer) ERTRINKEN! Während des späten Rückmarsches zum Hotel (Gott-sei-Dank: Downhill!) schwanken zwar einige von uns BEDENKLICH ... ... nach diesem Tag aber stört das niemanden mehr! Aus ebendiesem Grunde (denn ich bin einer der ’heftigsten Schwanker’!) bleibt mein ’Thoreau’ im weiteren, kurzen Verlauf des Abends unangerührt: Mit in letzter Zeit selten erlebter Klarheit (trotzdem!) stelle ich nur Wimpernschläge später wortlos zwar, aber eindeutig fest, daß dieser erste Tibet-Tag (für mich) genau JETZT ... ... BEENDET ist! |
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... Um Halb Neun Uhr komme ich langsam zu Bewußtsein. Marco flitzt bereits geschäftig durchs Zimmer, ich lasse mir Zeit ... bin ich doch der festen Überzeugung, daß der heutige Tag eh ein ereignisloser Lazy Sunday wird - also: Why ( ... the trouble with) Hurry? Nach Neun Uhr betrete ich den Frühstücksraum & mache mich übers chinesische Frühstücksbuffet her: kaltes, öliges & sehr scharf gewürztes Gemüse - geröstete Erdnüsse - Steamed Bread (von der Form her Brötchen nicht unähnlich, Farbe & Konsistenz nach zu urteilen im Rohzustand, geschmacklich bewegen sich die Gummi-Dinger ’irgendwo zwischen Gelatine & Styropor’, sprich: eher ... äh ... neutral!). Aber der sehr gute Kaffee macht die Abwesenheit fester Nahrung vergessen. Naja - daß die Zeit der oppulenten Trekker-Mahlzeiten erstmal vorbei sein würde, war mir eh klar! Die Chancen, aus dem heutigen Tag DOCH NOCH einen Reisetag zu machen, werden in großer Runde, aber eher pessimistisch diskutiert ... ... da platzt Steve (die männliche Hälfte des amerikanischen Traveller-Pärchens) mit der Bomben-Nachricht in unsere Runde, ’... die Kanadier säßen mit einem jungen Tibeter (der behauptet unser ’New Guide’ zu sein!?) im Hotel-Foyer. Er brauche (zwecks Beschaffung der Reiseerlaubnis) sofort unsre Pässe. Ein Bus wäre auch vorhanden & mittags ginge es LOS!’ Niemand kann sich erklären (geschweige denn: den anderen) wie es zu dieser dramatischen Veränderung unserer Situation gekommen ist: Lois (die weibliche ’American Half’ & ... gestern Abend mit überwältigender Mehrheit zur ’Group-Mom’ gewählt) wollte unmittelbar NACH dem Frühstück mit den beiden Agenturen telefonieren! Hm - also ein tibetisches Wunder ...!? Anyway ... WARUM auch immer alles verstehen wollen? Uns soll’s Recht sein! Ich beeile mich, die plötzlich wieder so kostbare Zeit zu nutzen & starte zu einem schnellen Foto-Rundgang durchs sonntagvormittägliche, nach dem gestrigen Regen einer anspruchsvollen Moto-Cross-Strecke zum Verwechseln ähnelnde Zhangmu: - unübersehbar ärmlichste Wohn- (&-auch-sonstige Lebens-) Verhältnisse, - meine freundlichen Blicke werden durchweg von ausdrucks- bis trostlosen (tibetischen) Gesichtsmasken nicht-beantwortet, - zumindest jeder zweite Passant raunt mir (kaum die Lippen bewegend) die immer-gleich-stereotype Frage ’Change Money ...?’ zu, - ich beobachte ein paar junge Tibeter beim Freiluft-Billard (ganz schön aufwendig, den schweren Tisch in den Regenpausen immer vor die Hütte zu schleppen!), - & ... mittendrin die ’uniformierten, chinesischen Gockel’, die dreist & vor Selbstbewußtsein (LEIDER nicht!) platzend IHR Terrain abschreiten. GULAG-DEPRO-UMERZIEHUNGSLAGER-FRUST-ATMOSPHÄRE! Ich schieße nur wenige Fotos. Aber selbst diese raren Schnappschüsse verursachen mir (jeder einzelne) körperlich spürbare Schmerzen. Was weniger Angst vor der allgegenwärtigen ’Gelben Gefahr’ (die ALLES zum militärstrategisch-sensiblen Hoch-Sicherheits-Objekt erklärt & Fotografieren generell verbietet) - als ... ... mal wieder (immer noch!) Ausdruck meiner Paparazzo-Bedenken ist. Noch ahne ich nicht, wie oft ich innerhalb der nächsten Woche von Tibetern geradezu ermuntert werde, deren desolate Lebensumstände fotografisch festzuhalten: Öffentlichkeit als letzte, wenn auch nur vage Schutzmaßnahme gegen chinesische Repression!
 
Fast fühle ich Erleichterung ... ... als ich zum Hotel zurückkehre. Packen & ... AB in den Bus, der (wider Erwarten) einen sehr guten Eindruck macht: Ein moderner japanischer IVECO-Kleinbus mit (wie sich noch zeigen wird: dringend erforderlichem!) ’Raketen-Antrieb’ & groß-zügiger Beinfreiheit. Um Halb Zwölf Uhr nehmen wir die erste Tibet-Etappe in Angriff. Zunächst besteht die Fahrt aus einem schier endlosen GEKRAXEL mitten durch die schroffen Felshänge eines Tales, durch dessen Grund sich ein kurvenreiches (immer weiter entfernt UNTER UNS befindliches) Wildwasser schlängelt. Bis zur deutlich erkennbaren Baumgrenze sind die steilen Hügel dicht bewaldet - der größte Teil der Bäume macht jedoch einen jämmerlich kränkelnden Eindruck. Ob das offensichtliche Waldsterben seinen Grund in der Luftverschmutzung oder einem rätselhaften Schädlingsbefall hat, kann ich nicht in Erfahrung bringen. Tensing, unser junger tibetischer Reisebegleiter tippt auf die Autos ... ... & findet in MIR einen zwar gänzlich unwissenden, aber willfährig-überzeugten Unterstützer: ’Natürlich!’ Nach zwei Stunden (30 Kilometer sowie einige Hundert überwundene Höhenmeter) fahren wir in die kleine Siedlung Nyalam ...
 
... ein, wie ich Marcos ’Lonely-Planet: Tibet’ entnehmen muß. Naja - weder mein West-Asien-, noch mein Südost-Asien-Reiseführer verlieren auch nur ein Wort über China & ... ... die Beschilderung vor Ort übersteigt EINDEUTIG meine sinologischen Sprachkenntnisse. Späte Mittagspause: Ein dickflüssiger Gemüse-Nudel-Eintopf wird aufgetischt. Dazu gibt’s schiere Unmengen grünen, tibetischen Tee, der sich zwar als hervorragender Durstlöscher herausstellt (& Trinken ist in den nun erreichten Regionen über 3.700 Höhenmeter extrem wichtig!), aber in jegliche Assoziation an eine fernöstliche Tee-Zeremonie augenblicklich atomisierenden, kitschig-geblümten ’Rudis-Reste-Rampe’-Plastik-Kanistern gereicht wird. Apropos ’Authentizität’: Aiko, meine japanische (& vermeintlich ’bessere ...?’) Gruppenhälfte fragt mich, warum ich nicht die ’Sticks’ benutze? Tja - wieso eigentlich? Erst die Plastik-Teespender beanstanden & dann ...? Ich antworte, ’daß ich üblicherweise SCHON mit Stäbchen esse, im Moment aber einen Riesen-Hunger habe!’ Worauf SIE mich zwar ’ein bißchen dümmlich’ anblickt (zur speziellen gruppen-dynamischen Dynamik zwischen Aiko & der Restgruppe - siehe später!) ... ... aber alle anderen lachen! ’Tja, meine lieben Rewe-Mädels - wie ihr seht, versuche ich mich in dem Job zu etablieren, den ich am besten beherrsche (was ihr ja aus eigener, leidiger Erfahrung bestätigen könnt): FAXEN-MACHER & PAUSEN-CLOWN!’ Unmittelbar nach Wiederaufnahme unsrer Busfahrt wird die Sicht zunehmend weiter. Die Hügel rechts & links der Schotterpiste steigen sanft, aber endlos an. Gleichzeitig präsentiert sich die Vegetation von ihrer kargsten, spärlichsten Seite: Constantly Climbing! ... ... wird am südlichen, allerdings sehr entfernten Horizont schließlich eine lückenlos schneebedeckte Gebirgskette sichtbar. Erst als uns Tensing darauf hinweist, daß ’der letzte von rechts (genau: der mit der fast vertikalen, obersten Gipfelpassage!’) der höchste Berg der Welt ist (nepalesisch: ’Sagarmatha’ - tibetisch: ’Chomolongma’), ergreift (zumindest in Ansätzen erkennbares) kollektiv-ehrfürchtiges Staunen Besitz von der touristischen Busladung. Naja - auf DIE Entfernung & bei DER schlechten, dunstig-trüben Fernsicht (zudem ragt der ’Everest-Peak’ nur für einen kurzen Moment aus einer dichten Wolkenbank heraus), KANN Tensing eigentlich nicht mehr von uns erwarten. Mir ist das Motiv übrigens nicht mal ein Foto wert - obschon mir diese Entscheidung nicht leicht fällt: Aber ich DARF mein knappes (täglich kostbarer werdendes), unbelichtetes Bildmaterial nicht vergeuden ... Übrigens: In China gilt genau wie in Indien eine einheitliche Zeitzone! Und da die Chinesen ja der Meinung sind (& ’meine’ Regierung unterstützt die ’Gelbärsche’ in dieser, ihrer Meinung), daß Tibet ein legitimer Teil Chinas ist ... Naja - nachdem ich in Zhangmu also meinen Wecker auf Beijing-Time umgestellt habe (plus widernatürliche zweieinviertel Stunden!) ist es nun abends bis weit nach Neun Uhr (!) tag-hell. Gegen Fünf Uhr ... äh ... Beijing-Time erreichen wir den 5.050 Höhenmeter messenden Lylung La-Pass (was eigentlich eine deutsch-tibetische Tautologie ist: bedeutet ’La’ doch Gebirgspaß).
  
 
Mich aufgrund meiner ABC-Trekking-Tour unverwundbar fühlend, unterschätze ich allerdings das (nicht nur einen ’neuen persönlichen Rekord’ darstellende, sondern auch sonst) gefährliche Höhen-Level: Ich hüpfe (völlig unbedarft) aus dem Bus, schieße von dort & dann noch schnell von da drüben ein Foto, beuge mich zwischen den Aufnahmen zwecks Objektiv-Wechsel immer wieder tief über meinen Foto-Rucksack ... Um es kurz zu machen: Als ich wieder in den Bus klettere, fühle ich mich augenblicklich so, als hätte ich gerade in schneller Folge fünf bis zum Rand mit Cognac gefüllte ’Schwenker’ geleert! Mein Zustand bessert sich erst, nachdem ich erfahre, daß es keinem aus unserer Reisegruppe gut ... & Oki (dem stets schweigsamen & ... auch jetzt zunächst schweigend leidenden Japaner) noch SEHR VIEL SCHLECHTER geht. Über eine spiegelglatte Hochebene führt der die Provinz Tsang von West nach Ost durchschneidende ’Friendship Highway’ weiter nach Old Tingri. Der kleine Ort wirkt (wie auf mehr als 4.300 Metern üNN nicht anders zu erwarten) ziemlich öde ...
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... vermutlich wird dieser subjektive Eindruck jedoch durch das uns am Ortsrand begrüßende ’Camp’ (das verdammt nach Gefängnis oder Umerziehungslager aussieht) über Gebühr verstärkt. Die Landschaft jedenfalls ist grandios, auch wenn sich die Himalayas (im Süden) hinter Wolken verstecken & ... ... die Einwohner sind von einer spontanen & ansteckenden Herzlichkeit: Sie umringen sofort unseren Bus & heißen uns freundlich ’Willkommen’. Es ist bereits Sieben Uhr & Tensing schlägt vor, hier (in Old Tingri) Quartier zu machen. Aber nach nur einem Blick in seinen ’Hotel’-Vorschlag (eine unmittelbar an die Landstraße gebaute, wie ein Viehstall ausgestattete ’Ein-Raum-Hütte’) entscheiden wir basisdemokratisch, bis Xegar, unserem laut Veranstaltungsprogramm planmäßigen Übernachtungs-Stop weiterzufahren ...
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... was zwar weitere anderthalb Stunden im Bus bedeutet, aber: Kein Problem! In Tibet ist es abends ja soo lange hell! Fast hätten wir unseren Zielort wirklich auch noch bei Tageslicht erreicht. Wir (also: zumindest die Mitglieder der Reisegruppe) haben allerdings die Rechnung ohne einen Polizei-Kontroll-Punkt kurz vor Xegar gemacht! DREI ’Fucking-Chinese-Border-Child-Soldiers’ (keine zwanzig Jahre alt, bis an die Zähne bewaffnet & zusätzlich mit eingefrorenen Gesichtszügen ausgerüstet) stürmen unseren Bus & durchwühlen jedes einzelne Gepäckstück nach der sprichwörtlichen ’Nadel im Heuhaufen’: ... zunächst werden die gut 200 Urlaubsfotos unserer kandischen Reisekollegin einzeln (!) begutachtet (noch lächle ich: eindeutig belustigt), ... kurz darauf zerrt einer der Kontrolleure ein Buch aus Okis Rucksack hervor & blättert dieses seelenruhig (Seite für Seite!) durch. Ich spüre, wie mein Zorn wächst & überlege (ernsthaft!), ob ich den ’Kinder-Polizisten’ um eine kurze Inhaltsangabe des Buches bitten soll, ... & schließlich werden sie FÜNDIG (Dalai-Lama-sei-Dank: denn DAS hat uns vermutlich letztlich davor bewahrt, die gesamte Nacht am Check-Point verbringen zu müssen!). Äh ... apropos: David (unser angehender ’Aussie-Monk’) hat drei Postkarten mit dem Portrait ’Seiner Heiligkeit’ (ganz unten - aber nicht ’unten genug’) in seinem Rucksack vergraben & ... das ist natürlich STRENGSTENS VERBOTEN. Er muß den Polizisten folgen & sich in der Wache seine ihm zustehende, redlich verdiente Belehrung abholen. Ich rufe David noch (scherzhaft!) hinterher ’... daß wir NICHT OHNE IHN weiterfahren!’ Die Beobachtung der Strafpredigt durch das Busfenster (vornehmlich für den ebenfalls EINKASSIERTEN, zwar völlig unschuldigen, aber verantwortlichen Tensing) läßt mir jedoch für den Rest des heutigen Tages jegliche Lust am Scherzen vergehen: Deutlich erkennbar wird Davids Verstoß von den NUR wild gestikulierenden (agressiv zeigefinger-schwingenden) & herumbrüllenden Chinesen keineswegs als Bagatelle abgetan! Nach einer halben Stunde dürfen die beiden gehen & wir setzen unsere Fahrt fort. Die Stimmung im Bus ist fühlbar gedrückt. Tensing hockt wie ein Häufchen Elend auf dem Beifahrersitz & sagt keinen Ton mehr. Meine Laune (eine ungesunde Mischung aus Wut & Ohnmacht) ist mittlerweile auf dem absoluten Tiefpunkt angekommen & verbessert sich auch (nachdem wir gegen Zehn Uhr Xegar endlich erreicht haben) an diesem Abend nicht mehr ... Zunächst wird ’der todkranke Oki’ (mit dem ich heute das Zimmer teilen MUSS) mit Medikamenten aus Tensings umfangreicher Reiseapotheke vollgestopft: Der deprimierende Schweiger, der seit dem ersten Tag bei Kalu (dem Berliner) & mir seinen Spitznamen ’Quasselstrippe’ weg hat, entschlummert augenblicklich (ebendorthin) ... & ich habe meine Ruhe! Kleiner Abend-Snack sowie ein Frust-Bier im Hotel-Restaurant. Wir sind allesamt ziemlich müde: High Altitude & Police Check ... haben bei jedem einzelnen von uns ihre Spuren hinterlassen. Schließlich bietet ein spätes Wortgefecht mit dem ’nach übelster Chinesen-Mafia riechenden Hotelmanager’ (nein, nicht nur ich: wir alle!) zumindest noch die Chance, WENIGSTENS EIN BISSCHEN ÜBERDRUCK loszuwerden - dann ist Schlafenszeit ... |
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... Nach einer mit kaum einer Stunde Schlaf gesegneten Nacht, WANKE ich (total zerschlagen!) gegen Acht Uhr ins Restaurant. Aber in kürzester Zeit bin ich hellwach. Der gestrige Streit mit dem Manager des Hotels (’Wie der schon aussieht!’) ist noch lange nicht ausgestanden: Angefangen hatte alles mit einem Aschenbecher, den Aiko beim Abendessen unabsichtlich ZERDEPPERTE & mit 5 Yuan bezahlen sollte. Durch die Erlebnisse des Tages zusammengeschweißt & mit einem auf bereits relativ hohem Niveau (zugegeben!) befindlichen ’Fighting-Spirit’ ausgestattet, weigerten wir uns (kollektiv!), für dieses Mißgeschick auch nur einen einzigen Fen hinzublättern ... worauf der Manager zunächst los-zeterte, dann mit der Polizei drohte & schließlich ablehnte, unsere Restaurant-Rechnungen herauszurücken! Kurzerhand deponierte jeder (einzelne) den Betrag fürs Essen auf dem Tisch. Wir wünschten IHM (einzeln &) übertrieben-freundlich eine ’Good Night’ & ... ... ließen ihn einfach stehen! Ach ja - kurz bevor wir aufbrachen, mußte ICH ’den arroganten Hotel-Schnösel im schwarzen Lederjacken-Imitat’ allerdings UNBEDINGT noch fragen, welcher Nationalität er eigentlich ist: Chinese oder Tibeter ...? Hm - er tat zwar so, als hätte er die Frage nicht verstanden, aus seinen Augen aber schlug mir unübersehbar DER BLANKE HASS entgegen! Und JETZT ... ... behauptet ’die dreiste Chinesen-Sau’ (Typ: Gefängnis-Wärter!), Kalu habe gestern Abend seine Rechnung nicht bezahlt (er droht erneut mit der Polizei). Hm - eigentlich sind wir ja für einen Konfrontationskurs. Andererseits aber wollen wir abreisen & nicht den ganzen Tag in diesem Nest verbringen. Also ... ... zahlt Kalu & wir erklimmen den Bus. Als letzter steigt Tensing zu. Seine sichtlich genervte, sauertöpfische Miene verheißt nichts Gutes & wirklich - er hat etwas bekanntzugeben: ’Auf Zimmer 213 ist ein Wasserglas zu Bruch gegangen!’ Der Schaden beträgt (zufällig: GENAU!) 5 Yuan. Zunächst regt sich keiner - obwohl jeder weiß, wen es trifft! ’Mann - was DIE alles so zertrümmert!?’ Schließlich zahlt Aiko ... ... & wir können endlich fahren! Die Piste verläuft dramatisch durch sehr gebirgiges Gelände. Xegar liegt 4.050 Meter über N.N. & während der gesamten Tagesetappe bewegen wir uns (abgesehen vom Etappenziel) nie unter 4.000 Metern Höhe. Matschiger Fahrweg - permanent- leichter Nieselregen - die Fernsicht ist nicht allzu gut - nach anderthalb Bus-Stunden nähern wir uns dem visuellen Höhepunkt des Vormittags: Am Ufer eines kleinen, ruhig dahingurgelnden Bächleins weidet eine etwa zwanzigköpfige Gruppe Yaks ...
  
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... many Yaks (oder doch ’Maniacs’, wie es Aiko so schön betont?) & während der nächsten halben Stunde jagt ein Foto das nächste. Ein wenig verwundert mich, WIE NAH uns die Kolosse an sich heranlassen & wie geduldig sie ’diese kuriosen Zweibeiner mit offensichtlicher Sehschwäche’ ertragen. Eine Stunde später erklimmt unser Bus den Lhakpa La & ...
 
... ich stelle mit 5.220 Höhenmetern meinen anläßlich dieses Asien-Trips nicht mehr überbotenen, endgültigen High-Altitude-Record auf. Von den gestrigen Höhenproblemen sind alle noch etwas angeschlagen. Wir verhalten uns entsprechend vorsichtig (Move Slowly! Breathe Deep! ... Smoke Much!) & ich verspüre keinerlei Beschwerden! Nobu (unser ’japanese Sound-Creator from Tokyo’) hat sogar noch genügend Luft, uns auf der Passhöhe das neueste Stück seiner umfangreichen Instrumenten-Kollektion vorzuführen: ein ’Kangling’ (die tibetische Variante der Trompete), das traditionell aus einem menschlichen Oberschenkelknochen (!) gefertigt wird & SO ÄHNLICH wie das australische Didgeridoo klingt.
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In langgezogenen Serpentinenschwüngen führt die Piste vom Pass hinunter in ein breites Tal, weist hier angekommen (übrigens: erstmalig seit der tibetischen Grenze) einen glatten Asphaltbelag auf & erreicht wenig später Lhatse: Lunch-Stop ... but not for Me! Ich unternehme einen kurzen Stadterkundungs-Spaziergang entlang des ’Friendship Highway’ & überzeuge mich mit eigenen Augen von der zutreffenden Vorankündigung Tensings, daß Lhatse lediglich ein keinerlei Sehenswürdigkeiten bietender ’Truck-Stop on the Way to Zhangmu’ ist: Eine Menge Restaurants & Shops säumen die einzige Straße. Die Ruinen des alten Forts befinden sich hingegen außer Sicht- & Reichweite vor den Toren der Stadt. In der brüllenden Mittagshitze schieße ich ein paar Fotos von ’Dzos’ (wie die Yak-Rind-Kreuzungen in Tibet genannt werden) vor tibetischen Lehmbauten & ...
  
... hocke mich dann Tagebuch schreibend an den Straßenrand. ’Hilfe! Ich komme nicht mehr hinterher: zuviel Ablenkung durch Gruppenaktivitäten!’ Eine Stunde später biegen wir wieder auf die Landstraße (deren Asphaltbelag in dem Moment abrupt endet, da wir die Stadtgrenze hinter uns lassen!), jedoch nur um kurz darauf die ’Freundschaftsstraße’ in südlicher Richtung zu verlassen: Auf dem nachmittäglichen Besichtigungs-Programm steht die etwa 25 Kilometer abseits, sich inmitten karger Berglandschaft befindende Sakya Monastery, das atmosphärische Stamm-Kloster der Sakyapas ... ... einer im 11.Jahrhundert von der einflußreichen ’Kön’-Familie gegründeten Sekte, deren einzigartige tibetische Besonderheit in der Vererblichkeit des ’Khenpo’ (des Klostervorsitzes) besteht - im Gegensatz zur ansonsten landesweit üblichen Besetzung der Kloster- und/oder Sektenführung mit der Reinkarnation eines ’Unübertroffenen’ (wörtliche Übersetzung des Titels ’Lama’!). Oder anders ausgedrückt: Die Sakyapa-Oberen ’gönnten’ sich Frauen, produzierten (sehr konkret!) ihre ’leiblichen’ Reinkarnationen & ersparten sich derart kurzerhand die ach-so-komplizierte Identifizierung nicht-fleischlicher Wiedergeburten! Das festungs-ähnliche Südkloster steht spektakulär & äußerst fotogen unmittelbar vor einem gewaltigen Gebirgszug. Ich schieße ein paar Atmo-Fotos aus dem Innenhof heraus ...
  
... verzichte aber auf die Besichtigung des Haupt-Tempels: In den nächsten Tagen stehen noch eine Menge Monasteries auf unserem Besichtigungsprogramm ... & schließlich muß ich meiner Reisegruppe ja auch manchmal klarmachen, daß ICH ein Individualreisender bin - GELL? Im Schatten der rot-weiß-getünchten Mauern des Festungswalls strecke ich stattdessen für eine erholsame Stunde meine Beine lang aus & unterhalte mich mit zwei an meiner Kameraausrüstung interessierten, noch sehr jungen buddhistischen Mönchen (oder genauer: ’Trapas’ - was dem abendländisch-christlichen Status eines Novizen nahekommt!). Um Vier Uhr tauchen endlich auch die ’Always Lazy Japanese’ (Aoki & Nobu) wieder auf ... ... da wir aber WEIT hinter Tensings Zeitplan zurückliegen, nimmt der Bus im weiteren Verlauf der Fahrt die Buckelpiste in rasantem Tempo. Über eine breite & nur leicht wellige, von einem wunderschön-weichen Abendlicht gezeichnete Ebene rasen wir (ohne jeden weiteren Foto-Stop: ’Scheiß Sakya!’) DIREKT auf unser Tages-Etappenziel zu: Gegen Sieben Uhr erreichen wir Xigatse: 3.900 Meter hoch gelegen, die zweitgrößte Stadt Tibets & Sitz des Panchen Lama bis zu dessen Tod im Jahre 1989. Der traditionelle Rivale des Dalai Lama war übrigens zunächst der gehätschelte Protegé der chinesischen Besatzer ... ... bis er (ab 1953) zunehmend china-kritische Äußerungen verlauten ließ, 1964 schließlich verhaftet wurde & für insgesamt 14 Jahre hinter ’chinesischen Gardinen’ verschwand. Einchecken im Hotel Xigatse. Kaum im Zimmer angekommen, vernehme ich die aufgeregte Stimme der sich um ihre neuen Gäste lautstark sorgenden Herbergswirtin. Sie rennt die langen Korridore entlang & informiert jede/n einzelne/n (durch die geschlossene Zimmertüre): ’Hot Shower is Ready!’ EIGENTLICH habe ich ja gar keine Lust auf eine heiße Dusche. Aber ich will nicht unhöflich sein ... ... & so darf ich (in der Duschkabine neben Marco: wir sind die einzigen, allerdings fröhlichen Idioten, die auf das Special Offer reingefallen sind!) eine ’jämmerlich- frostig-blaue halbe Stunde’ neben einem beständig eiskaltes Wasser ausspuckenden Brausekopf verleben. Irgendwann tröpfelt dann wirklich lauwarmes Wasser auf mich hernieder & meiner Reinkarnation (in einen wenn schon nicht besseren, so doch zumindest ... äh ... reineren Menschen) steht nichts mehr im Wege. In dezimierter Stärke (’HAS & Influenza’ greifen mit epidemischem Tempo um sich: Ich bleibe NOCH verschont!) begibt sich um Neun Uhr ein Gruppen-Spähtrupp auf die wiederum, wie bereits in Zhangmu erfolglose Suche nach ... ’Mensch Marco, Deinen Lonely-Planet kannst Du Dir ja wohl wirklich bald mal in Deine schmierigen - sorry: frisch-shampoonierten Haare ...!’ ... stattdessen kehren wir in einem sehr atmosphärischen & spannenden Lokal (mit einer freundlichen, leider kein Englisch sprechenden Kellnerin) ein. Abenteuerliche ’Charade’-Bestellungen - letztlich aber doch uneingeschränkt erfolgreich (keins der Gerichte bellt ... mehr!?): Curry Potatoes, Garlic Spinach & Steamed Bread sowie ’Fucking-Chinese-Beer’ & ... alles ’Bloody Cheap!’ Als wir gegen Halb Zwölf Uhr Richtung Hotel aufbrechen, BLEIBT Aiko, die zumindest leicht, wenn nicht total durchgeknallte Japanerin, deren Verhalten & Nase (vor allem morgens ... äh ... wenn sie sich bückt) stark an übermässigen Kokain-Konsum erinnert, ZURÜCK. Aus wie immer gut unterrichteten Kreisen (die Japan-Connection!) wird KOLPORTIERT, daß sie ihren nepalesischen Freund vermißt & ... (logisch!) sich daher heute Nacht ein wenig auf dem ’tibetischen Jung-Männer- & sonstige Gesellen-Markt’ umschauen will! Die Reaktionen innerhalb der Gruppe (ob dieser Eröffnung) könnten nicht unterschiedlicher sein: - David: ’She’s Crazy! Hasn’t she heard about AIDS?’ - Marco (ganz ’feuriger Spanier’ & sichtlich in seiner Don-Juan-Macho-Ehre gekränkt): ’Why Does She Do This?’ (... äh ... ’to Me!’ Der Sätzer). ’I ALSO Can Do This Job! ... FOR FREE!’ - MEIN, allerdings nicht ausgesprochener (& überhaupt nicht witziger) Kommentar: ’Wo bin ich hier eigentlich gelandet?’ Tja - EBEN! ICH ... ... VERBRINGE DIE NACHT (die zweite & letzte - wie ich spontan beschließe!) mit dem ’Dauer-Brabbler OKI’: Nicht genug, daß ER ungefragt keinen Ton von sich gibt. Nein - WENN er denn mal spricht, dann trifft keine ’noch so gering-amplitudige Schallwelle’ auf mein bemühtes Ohr (obwohl sich seine Lippen deutlich sichtbar bewegen!?). Ich schwöre mir ... ... HIER & JETZT (!), mich morgen etwas egoistischer zu verhalten. Schließlich bin ich hier weder als Therapeut, noch als Kindermädchen angestellt: DER TYP DEPRIMIERT MICH !!! ... |
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... Nach drei ziemlich anstrengenden Reisetagen (mit täglich jeweils acht bis zehn Stunden im Bus!) ist heute ein etwas ruhigerer Tag angesagt: am späten Nachmittag steht eine maximal zweistündige Busfahrt (zum nächsten, etwa 90 Kilometer entfernten Etappenziel Gyantse) auf dem Programm - für den Vormittag ist die gemeinsame Besichtigung des Tashilumpo-Klosters eingeplant! Abfahrt (denn der knappe Kilometer bis zum Kloster MUSS natürlich mit dem Tour-Bus zurückgelegt werden) ist Punkt Halb Zehn Uhr! DAS ALLEINE ... ... (also: die ’Busfahrt an sich!’) wäre schon ein hinreichender Grund, sich von dieser Gruppenaktivität abzumelden. Darüberhinaus aber will ich mal wieder in Ruhe (meinem eigenen Biorhythmus folgend) wach werden - obwohl: der WAHRE GRUND ist natürlich ein völlig anderer! Denn ... indem ich die anderen erstmal ziehen lasse, darf ich eine halbe Stunde ’himmlische Einsamkeit in unserem Hotel-Doppelzimmer’ genießen - alleine ... ... & ohne dabei die lautlose, aber PHYSISCH SPÜRBARE Präsenz der (lebenden?) japanischen Romanvorlage zu Ingmar Bergmans berühmtem Skandal-Film erdulden zu müssen! Als ich um Viertel nach Neun Uhr den Frühstücksraum betrete, brechen meine Reise-KollegInnen gerade auf & ich darf mich über das ’Most Basic Breakfast I Ever Had on this Tour’ hermachen: Kaffee (immerhin!) - das wohlbekannte & heiß-gehaßte Dampf-Brot (auf Styropor-Basis) - kaltes Kohlgemüse - sowie super-scharfe Chili-Schoten. ’Mensch Hans, Du oller Balte ... ... DAGEGEN war Vilnius kulinarisches Schlaraffenland!’ Nach dem Frühstück trete ich (zunächst testweise) vor das Hotel, wo mich angenehme Sommer-Temperaturen & ein strahlend-blauer Himmel erwarten: OPTIMALES Foto-Wetter! Gut gelaunt plündere ich den nächsten Lebensmittelladen um seine sämtlichen ‘Strong’-Zigarettenvorräte & folge dann der breiten Hauptstraße (Richtung Tashilumpo) bis zu einer großen Kreuzung. Übrigens: von den vier Straßenspuren sind die beiden äußeren durch ein massives Geländer zur Auto-Fahrbahn hin abgetrennt, weil für den Fahrradverkehr reserviert. Tja - da schlägt mein altes Autohasser-Herz doch gleich ein paar ’BPM’ schneller ... Der nördliche Abzweig geleitet mich zu den Überresten der Xigatse Dzong, der ehedem als uneinnehmbar geltenden, die Stadt (auf einem schroffen Felsen thronend) überblickenden Festung, die während des tibetischen Volksaufstands im Jahre 1959 vom chinesischen Militär dem Erdboden (oder genauer: dem Felsboden) gleichgemacht wurde. Ich versuche mich an ein paar Ablichtungen der kreuz & quer über den steilen Felsen verlaufenden Fundamente des ehemaligen Burgwalls, bin von der Sinnhaftigkeit meines Tuns jedoch nur wenig überzeugt:
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Die Mauerreste heben sich optisch kaum vom sie umgebenden Felsgestein ab & verbleiben (durch den Sucher betrachtet) nearly invisible. An dieser etwas abseits der Touri-Rennstrecke befindlichen (weil kaum mehr) Sehens-Würdigkeit werde ich ein ums andere Mal von tibetischen Passanten ziemlich offen & offen neugierig ANGESTARRT ... ... was mir die Möglichkeit zu einigen Trainingseinheiten in der Disziplin ’WER KANN LÄNGER?’ bietet. Das vorläufige Endergebnis wird von unabhängigen Beobachtern mit ’ungefähr Remis’ angegeben (& darauf bin ich SEHR stolz!) Nach einer Handvoll ’Snappy-Shots’ ...
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- vom überraschend farbigen Treiben auf dem Freiluft-Bazaar (vor allem die gigantischen & gigantisch-gestapelten ’Schrankkoffer-Berge im Disneyland-Outfit’ faszinieren mein ’an bunten Bildchen interessiertes Hobby-Fotografen-Auge’), - von riesigen Gebetsmühlen (die vom endlosen Strom der Gläubigen pausenlos in Bewegung gehalten werden) vor einem ansonsten unscheinbaren, kleinen Stadt-Tempelchen, - sowie vom ’Dernier Cri’ der diesjährigen, örtlichen Damen-Hut-’Couture’ (einem schneeweißen & feingeflochtenen Strohhut, der formlich dem gemeinen Tropenhelm sehr nahe steht) ... ... kehre ich zur Hauptstraße zurück & folge dieser (nun in westlicher Richtung) bis zur sich bereits aus großer Entfernung optisch wie auch (& vor allem) atmosphärisch beeindruckend ankündigenden Tashilumpo Gompa. Der große Platz vor dem Haupteingangs-Portal zum Kloster ist Schauplatz & Zielort reger religiös-zeremonieller Aktivitäten. Aus allen Himmelsrichtungen ROBBEN die Pilger auf das Kloster zu: ... zwei ’Tänzel-Schritte’ (exakt eine Körperlänge) vorwärts bewegen, ... sich dann kopfüber auf den Boden niederwerfen (to prostrate!), ... im sich nahtlos anschliessenden Aufstehen ein kurzes Gebet sprechen, ... schließlich die Hände über dem Kopf (aufrecht!) falten & ... das Ganze geht wieder von vorne los.
 
Diese Gebetszeremonie & Form der (streng-rituellen) Fortbewegung ist Teil oft wochenlanger Pilger-Touren der Gläubigen & wird im Tibetischen ’Chaktsal’ (äh ... falls das irgendwen ...). ICH bekämpfe & überwinde schließlich meine Hemmungen: Nein - nicht, daß ich mich selbst dem ’Prostrating’ hingeben würde - aber ... ... nach langem Zögern getraue ich mich, einen älteren Pilger zu fotografieren, der diese Prozedur (eine kleine Handgebetsmühle mitführend) bis an MEINE Grenzen körperlich-seelischer Belastbarkeit ausführt. Der gigantische Kloster-Komplex besitzt die Dimensionen einer Stadt & besteht aus: vier großen Tempeln, der den Komplex einfassenden, weithin sichtbaren Thangka Wall (’Thangkas’ sind die religiöse Motive darstellenden Seidenmalereien der Tibeter) sowie unzähligen, einfachsten Lehm-Behausungen der im Kloster arbeitenden & lebenden Mönche.
 
Die Anlage zieht sich terrassenförmig einen sanft ansteigenden Berghang hinauf & bietet (von der Hauptstraße aus betrachtet) einen zwar monumentalen, gleichzeitig aber auch farbenfroh-leicht wirkenden Anblick. Mich behutsam durch die engen Gassen der Wohnviertel voran-fotografierend, erklimme ich schließlich den östlichen Tempel (Neben-Tempel wäre angesichts seiner Ausmaße eine schamlose Untertreibung!) & ... richte mich (auf einer niedrigen Steintreppe hockend) in der friedvollen Atmosphäre des Innenhofes ein: (fast) gedankenlose KONTEMPLATION ... ... ab und an (nur) das eine oder andere Detail-Foto der reichverzierten Tempel-Eingangsfassade sowie von in der Morgensonne gold-glänzenden Tier-Statuen & Ornamenten an der Tempel-Dachfassade.
 
Später gesellt sich Nobu an meine Seite (er hat sich von der ’irgendwo im Kloster herumgeführten Gruppe’ abgesetzt, weil auch keinen Bock mehr auf Herden-Auftrieb!). Wir genießen, unabgesprochen über weite (Zeit-)Strecken schweigend (& doch gemeinsam) die ’Touching Mood’ ... ... bevor wir uns (sehr viel später) auf den Rückweg zum Hotel machen. Auf halber Strecke zerstört die ’Chinese-Tibet-Reality’ brutal (& obwohl vorhersehbar, trotzdem überraschend!) mein kurzzeitig sich im schwerelosen Gleichgewicht befindliches Innenleben: Etwas abseits der Hauptstraße lehnt ein junger Mann mit reg- & ausdrucksloser Gesichtsmaske, ein seinen gesamten Körper verdeckend-großes, eng mit chinesischen Lettern beschriftetes Schild um den Hals, an einem Baum! WORIN sein ’Verbrechen’ bestand / besteht, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Auf jeden Fall ist er verurteilt, DORT ZU STEHEN & ÖFFENTLICH ZU BEREUEN! Ich bin fassungslos - natürlich nicht in der Lage, die makabre Szenerie abzulichten & wende mich ziemlich rasch, jeden Augenkontakt vermeidend, von dem Ärmsten ab ... ... im Gegensatz zur (mich) erschreckend großen Anzahl Chinesen (und / oder Tibeter?), die den jungen Mann gleichzeitig interessiert & geschäftsmäßig-gleichgültig mustern: Hm - EGAL, was der Bedauernswerte verbrochen hat (falls er sich überhaupt irgendetwas hat zu Schulden kommen lassen?) ... ... diese mir nur aus alten Wochenschauberichten über die Auswüchse der chinesischen Kulturrevolution bekannte Bestrafung kommt mir schlimmer & unmenschlicher vor als PRÜGEL! Naja - die Chinesen stehen nicht zu Unrecht im Ruf über äußerst subtile Foltertechniken zu verfügen ... Pünktlich um Ein Uhr begeben wir uns mit neuem, kleinerem Bus (& neuem, netterem Reiseleiter: namens Sping) auf den Weg nach Gyantse. Zwischen Xigatse & Gyantse besteht kaum ein nennenswerter Höhenunterschied (3.900 bzw. 3.950 Meter über N.N.) & der Friendship Highway nimmt daher (nicht wirklich überraschend) die unspektakuläre Direktverbindung über eine eintönige, langweilige Hochebene. Übrigens ... diese chinesischen Euphemismen (immer!) ... ’Straße der Freundschaft’ oder ’Platz des himmlischen Friedens’! Sarkastisch & grenzenlos arrogant - dabei emotionslos & emotionslos-gewalttätig: Die Chinesen erscheinen mir zunehmend als legitime Nachfolger ’einer anderen, nur zu bekannten Herrenrasse-Elite’. Ich spüre, daß ich (hier in Tibet) von Tag zu Tag ZORNIGER werde! Hat ja auch keiner behauptet, daß Reisen Spaß ...! ’Ist ja schon GUUT - ich kann’s nicht mehr hören: DU NERVST!’ Nur sehr vereinzelte Siedlungen, sanft ansteigende Geröll-Berge rechts & links der Geröll-Piste, das deprimierend-schlechte Wetter (Nieselregen & nur kurze bis gar keine Fernsicht) trägt auch nicht gerade dazu bei, die Fahrt interessanter erscheinen zu lassen: Gegen Halb Vier Uhr erreichen wir Gyantse & ... ... steigen nicht nur im ’besten Haus der Stadt’, sondern im mit Abstand feudalsten Hotel des gesamten Trips (durch den ehemaligen Feudalstaat Tibet) ab ... & zwar inklusive Lhasa (ich greife mal wieder vor!). Das komfortable Gyantse Hotel bietet nicht nur funktionierende Heißwasser-Duschen & ’Star-TV’ in jedem der äußerst geräumigen Doppelzimmer, sondern als spezielle Touristen-Attraktion: Yak-Riding (für fünf Yuan pro Stunde!). Aber ... ... das alles interessiert mich im Moment herzlich wenig: ICH HABE WICHTIGERES ZU TUN! Nachdem ich ’den japanischen Feten-Tod’ (& zwar mit einem Zimmerschlüssel in der Hand!) unschlüssig durchs Hotel-Foyer schlendern sehe ... REISSE ich Sping den letzten, verfügbaren Schlüssel aus der Hand, RENNE schnurstracks zur angegebenen Raumnummer, BREITE mich im Zimmer aus & HARRE der Dinge, die da kommen mögen (HEREIN - wenn’s KEIN Oki ist!). Tja ... & so komme ich (zugegeben: nicht nur Kharma) zu meinem neuen Zimmergenossen David (’the future Boddhisattva from Australia’)! I’M SO HAPPY - I MADE IT! Viel Zeit bleibt mir nicht, mich über meinen Coup zu freuen. Bereits nach zehn Minuten heißt es ’Sammeln’: die Besichtigung des Pelkor-Chöde-Klosters sowie der Kumbum Chörten stehen auf dem nachmittäglichen Gruppenprogramm! ’Chörten’ ist übrigens der tibetische Terminus für ’Stupa’ (sprich: Reliquien-Tempel) & ’Kumbum’ (wörtlich übersetzt: 100.000 Bilder) weist auf die große Anzahl der im Tempel ausgestellten Statuen & Abbilder hin. Im noch frischen, direkten Vergleich zu Tashilumpo muß das Kloster als eher klein bezeichnet werden. Trotzdem aber gestattet es einen interessanten, knappen Einblick in Leben & Lebensraum der hier beheimateten Mönche:
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- das gesamte Erdgeschoß wird von einem großen, durch massige Säulen unterteilten, extrem karg ausgestatteten kombinierten Bet-&-Wohnraum eingenommen (jeder Mönch hat seine ’Winterkutte’ über seine hölzerne Sitzbank gehängt & die individuellen Platzhalter spiegeln derart neben der Sitz- auch die exakte Rangordnung der Mönche innerhalb der Kloster-Hierarchie wieder), - offen über den Saal verteilt sind ein gutes Dutzend Arbeitsplätze, an denen vornehmlich klostereigenes Brot sowie (überall in riesigen Mengen herumstehende) Yak-Butter-Kerzen (Chömay) hergestellt werden ... ... obschon heutzutage in den tibetischen Klöstern zunehmend auf indische & nepalesische Exportbutter zurückgegriffen werden muß, da Yak-Butter (aufgrund einer bewußt-ruinös-ausgestalteten chinesischen Landwirtschaftspolitik für Tibet) zu teuer geworden ist, - die Nischen dieses Gemeinschaftsraumes füllen (ebenso wie die identischen Grundflächen im ersten und zweiten Obergeschoß) vergleichsweise verschwenderisch mit Opfergaben geschmückte ’Lhakhangs’ (Kapellen), deren Zentrum die Darstellung entweder ... eines der drei (an ihrer Handhaltung unterscheidbaren) ’Buddhas of the Past, Presence & Future’ oder ... eines anderen Boddhisattvas (wörtlich: erleuchteter Held) bildet. Vom Dach des zweiten Obergeschoßes hat man (trotz des miesen Wetters!) einen weiten Rund-Um-Blick auf das Kloster, die unmittelbar neben diesem aufragende Kumbum-Stupa, die Stadt Gyantse sowie ... ... die Überreste des legendären FORTS: Dieses wurde im Jahre 1903 von den Truppen des britischen Asien-Eroberers Francis Younghusband (hm - eigentlich ein schöner Name, oder?) völlig zerstört - was letztlich & unmittelbar zur erstmaligen Unterwerfung der tibetischen Feudalherren unter eine fremde Regierungsmacht führte ... & den jahrzehntelangen erbitterten Kampf der drei Weltmächte Rußland, China & Großbritannien um ’die verbotene Stadt Lhasa’ zugunsten der Briten entschied. Tja - bis sich diese mit der Zustimmung zur staatlichen Unabhängigkeit Indiens aus Asien verabschiedeten & das unter Mao wiedererstarkte China umgehend & brutal das in Tibet entstandene Machtvakuum auf die hinlänglich bekannte Weise füllte. Nur einen Steinwurf neben dem Kloster reckt die Kumbum Chörten ihr goldenes Dach in den grauen Himmel:
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der vierstöckige, symmetrisch-konstruierte Lehm-Unterbau (mit einer gewaltigen Goldkuppel On-Top) erinnert stark an den Swayambhunath Tempel nahe Kathmandu - keineswegs zufällig, wurde die Stupa doch im 15. Jahrhundert von einem ’Newari’-Architekten konstruiert! Ich steige zu den beiden ersten (den Touristen zugänglichen) Stockwerken hinauf, besichtige dort die (jeweils) in die vier Himmelsrichtungen zeigenden dunklen Lhakhangs & bestaune deren aus einer Vielzahl (aber entschieden nicht 100.000!) Statuen unterschiedlichster Buddha-Reinkarnationen bestehendes Inventar: Diese ... äh ... sind wirklich sehr schön anzusehen - obwohl ich natürlich keinen blassen Schimmer von Gar Nichts habe! ’Sorry - DAVID ... ??? Would you please explain, what the Hell this fuckin’ Statue Overthere ... !?’ Naja - ich hab’ halt andere Dinge, die meine VOLLE Aufmerksamkeit erfordern! Nachdem ich wieder sicher auf dem Vorplatz angekommen bin, stehe ich LANGE GRÜBELND vor der Chörten & überlege, OB & wenn ja, WIE ich sie fotografieren soll - denn erstens: I Start to Run Out of Films! ... ... & zweitens: Das Wetter (hier in Gyantse) ist ECHT MIES! Zurück ins Hotel - auf dem bequemen Bett die Beine ausstrecken - & langes, sehr interessantes Gespräch mit David. Obwohl er erst 21 Jahre alt ist (er sieht zwar nicht unbedingt älter aus, wirkt aber reifer!) hat er bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Seine heftige Drogen- & Alkohol-Jugend akzeptiert er jedoch im nachhinein als notwendige Station, die er durchleben mußte, um buddhistischer Mönch werden zu können ... ... laut Weissagung seines buddhistischen Lehrers in Australien übrigens innerhalb der nächsten sechs Jahre (& zwar ’... Somewhere In India!’). David weiß eine Menge über Lamaismus (den tibetischen Buddhismus). Er ist sowohl willens als auch in der Lage, dieses Wissen auf eine wohltuend unmissionarische Weise interessierten Laien (wie mir!) zu vermitteln & plaudert (unter anderem) über: - Samsara ... den nur durch die Erreichung des Nirvana zu unterbrechenden, ewigen Zirkel aus Geburt, Tod & Wiedergeburt, - Kharma ... die unterschiedlich-wertigen Ebenen, in denen sich eine Wiedergeburt manifestieren kann sowie die Möglichkeiten, eine nächsthöhere oder nächst-niedrigere Daseins-Ebene zu erreichen, - die ’vier Heiligen Wahrheiten’ ... die ein gläubiger Buddhist sein gesamtes Leben lang (& natürlich auch die folgenden!) zu leben versucht. David erzählt weder abgehoben noch sektiererisch-verbissen. Er macht einen zufriedenen Eindruck (scheint sich auf seinen zukünftigen Lebensweg, sein Kharma zu freuen), wirkt sehr souverän & ... obwohl er immer wieder betont, daß er keineswegs bereits hundertprozentig überzeugt von der Richtigkeit des eingeschlagenen Weges ist ... ... beneide ich ihn (ein wenig?) um seine Zuversicht & das richtungsweisende Licht, das er ’am Ende des dunklen Tunnels’ zu sehen scheint. Die Unterhaltung macht großen Spaß & dreht sich keineswegs nur um Buddhismus: David hat auch H.D.Thoreaus ’Walden’ gelesen, war von dem Buch ähnlich beeindruckt wie ich es nun bin & gemeinsam amüsieren wir uns über die pointierte Art Thoreaus seine alltäglich-philosophischen Weisheiten zu veranschaulichen (beispielsweise die Story von einem Bauern, der Thoreau zunächst belehrt, daß vegetarische Ernährung allein deshalb schon nicht gesund sein kann, weil dem Menschen der ’Kraftspender’ vorenthalten wird ... & dann wieder schlapp hinter seinem, den schweren Pflug ziehenden ’Vegetarier-Ochsen’ her trottet!). Wie nun schon einige Male während meiner Asien-Reise erlebt, stellt sich überraschend schnell ein Gefühl der großen Vertrautheit ein ... & unser Gespräch wird erst durch Marco & Nobu unterbrochen, die plötzlich im Zimmer stehen & fragen, ob wir Lust haben ’irgendwo einen Happen zu essen ...?’ ’SURE!’ Mittlerweile ist es nach Neun Uhr (am Abend) & wir sind alle hungrig. Hm - obwohl sich in meinem ’MDT’ ein leichtes Zwicken bemerkbar macht ... Gutes & preiswertes Essen im Zhuangyuan Restaurant (im nahen Zentrum der kleinen Stadt) ... wenn auch die einsehbare Küche nicht unbedingt den Hygiene-Vorschriften westlicher Gesundheitsämter genügen dürfte: Sweet ‘n’ Sour Cauliflower! (schöne Alliteration!) sowie grüner Tee. Im Laufe des (äh ... kurzen!) Abends gesellt sich ein deutscher Rucksack-Tourist an unseren Tisch, der ohne Visum (sprich: illegal), allerdings von Szechuan kommend, in die ’Autonome Region Tibet’ eingereist ist ... was nicht ganz so schwer sein soll, wie die illegale Überschreitung der streng bewachten nepalesisch-tibetischen Grenze. Trotzdem: Die Gefahr, an einem der zahlreichen chinesischen Road-Blocks enttarnt zu werden, ist für den passionierten Tramper immer präsent & ... ... wenn er nach einer eventuellen Entdeckung NUR ausgewiesen wird, dann hat er verdammtes Glück gehabt! Leider kann ich dem Erfahrungsaustausch nicht bis zum Ende beiwohnen: Plötzlich ’ist mir, als hätte ich noch ETWAS UNAUFSCHIEBBARES zu erledigen ...!?’ Ich schiebe Marco 30 Yuan für die Bezahlung meines Abendessens über den Tisch, gleite ’geparden-flink’ & doch vorsichtig, weil jede unnötige Erschütterung meines Magen-Darm-Traktes vermeiden müssend (an mehreren, mich wild ankläffenden Hunde-Bestien vorbei) durch die dunklen Straßen Gyantses & ... ... erreiche gerade noch rechtzeitig den Toilettenraum neben meinem Hotelzimmers: Earthquake-like BIG (& Bloody Brown) Cannonball-SPLASH ... !!! Ich werfe (anschließend - obwohl: Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel!) meine allerletzte Perenterol-Forte-Pille ein, checke im (quälend langsamen) Verlauf der folgenden beiden Stunden noch etwa siebenundachtzigmal, ’... ob ich im Toilettenraum das Licht gelöscht habe & ... äh ... auch sonst alles okay ist’ (Buddha-sei-Dank verfügt unser De-Luxe-Room über eine ’flux’-freundliche, funktionierende Klospülung!) & versuche mich mit ein wenig ’Thoreau’-Bettlektüre abzulenken. Die Vergeblichkeit meiner Bemühungen recht schnell einsehen müssend, setze ich letztlich meine gesamten Hoffnungen auf ein kurzes Stoßgebet an die für Durchfall bei deutschen Individualreisenden zuständige lamaistisch-buddhistische Gottheit (Who THE SHIT Ever that is!): SIE, die ‘erleuchtete Heldin’, möge doch BITTE dafür sorgen, daß ich morgen ‘die verbotene Stadt LHASA’ trocken erreichen darf! Dann ... ... bleibt mir nur noch zweierlei zu tun: Arschbacken zusammenkneifen & auf einen (wenn auch unwahrscheinlichen, aber gerade deshalb ja) wundersamen, mir volle Genesung bescherenden Schlaf HOFFEN! Naja ... |
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