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TREKKING - TEIL II: ANNAPURNA BASECAMP ! ODER: AUF DEN SPUREN MAURICE HERZOGS !
( ... ZWEITER HALB-REISEBERICHT !)
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TODAY’S THEE DAY - Mister Messner! Heute geht’s IN SOMMER-KLAMOTTEN & auf nur EINEM BEIN (mein rechtes Knie macht mir zu schaffen - zum Ausgleich schweigt der ’Aua’-Zeh an meinem linken Fuß seit zwei Tagen beharrlich: Vielleicht sollte ich doch mal nachschauen, ob er noch da ist ...?) zum 4.300 Meter hoch gelegenen Annapurna BaseCamp: DAS soll mir erst mal jemand nachmachen! Äh ... ... allerdings muß ich’s erst noch vormachen! Deurali (Nepal) - Panorama Guest House - Freitag der 7. Juni 1996 - 6 Uhr 30 (am noch frühen Morgen): Ich werfe einen Blick aus dem Fenster & bereue nicht (’Non, je ne grene grien ... pas!’), daß ich mich bis hierhin durchgekämpft habe! Zwar sehe ich (noch!) keine schneebedeckten Gipfel ... ... aber fleckig-weiße, das enge Modi-Khola-Tal begrenzende Felswände schießen (urgewaltig & leicht bedrohlich) vertikal Richtung lupenreines Himmels-Blau. Der Koreaner befindet sich mit seinem Führer bereits in der Down-Hill-Spur & ... angesichts dieser Ausblicke EILT’S MICH NUN AUCH! Karges Muesli-Chapati-Kaffee-Frühstück (ich will ’nicht mehr als nötig’ den Berg hochschleppen!) ...
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... Packen - Zahlen: kurz nach Sieben Uhr schwenke ich in den Trail ein. Zunächst beschreibt der Weg eine ’aussichtslose’, langgezogene Linkskurve um einen ölig glänzenden, durch unzählige kleine Rinnsale benetzten & besprühten schwarzen Berg - DANN aber öffnet sich der Blick für ein neues Tal (oder umgekehrt? Klingt IRGENDWIE nicht nach Deutsch!?) & ... ... Mount Machapuchre (in voller Größe & so nah wie NIE!) schaut mir mit seiner kaum merklich & doch eindeutig wedelnden Schwanzflosse mitten ins Gesicht. Von meinem nahen Standort aus betrachtet liegt er noch im Schatten. Naja - die in seinem Rücken aufgehende Sonne muß schon verdammt hoch klettern (auch wenn er NUR 6.997 Meter mißt), um über ihn hinweg ins Modi-Khola-Tal lugen zu können. Am oberen, sehr entfernten Ende des ’Big & New Valley’ zeigt sich zwischen zwei das Tal begrenzenden, nahen (& irreal groß wirkenden) Viertausendern einer der zahlreichen Annapurna-Gipfel. Seine ’ungefähren’ Koordinaten lassen mich vermuten, daß es sich um den 7.555 Meter hohen Annapurna III handeln müßte ... ... sicher bin ich mir allerdings nicht: mein ’Augen-Winkel-mal-Daumen-Kompass’ ist (mit einer Toleranz von plus/minus 180 Grad) doch ETWAS zu ungenau ... Der Himmel ist zwar wolkenlos & strahlend blau - da ich aber noch im Schatten wandern muß, ist es ARSCH-KALT. Der Trail steigt (unmittelbar am Fluß entlangführend) relativ moderat annapurna-anwärts. Die Stromschnellen des Modi Khola legen mit jedem gewonnenen Höhenmeter (verlorenen Flußmeter) hingegen deutlich an Rasanz zu: eine Vielzahl riesiger Felsmonolithe zwingt den Fluß permanent zum Richtungswechsel. Nach einer halben Stunde (easy walkin’) wird’s dem Pfad am zunehmend unbegehbaren Flußufer zu mulmig - er zieht sich zurück & ... ... einen steilen Felshang hinauf. Unsicher zwar, aber vorsichtig (passagenweise ’auf allen Vieren’!) betrete ich die Grauzone zwischen Bergwandern & Bergsteigen: Wer HIER kein vernünftiges Schuhwerk an seinen Hufen hat, ist ARM DRAN ... ... & hat schneller als er WOW! sagen kann ein BEIN AB! Naja - immerhin finde ich hier oben den idealen Standort für die (unvermeidlichen) ’Sonne-über-dem-Fishtail-aufgehend’-Fotos.
  
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Überhaupt ... ... komme ich extrem langsam voran, denn ich werde permanent GEZWUNGEN meine Kamera hervorzukramen: extrem farbenfroh gefiederte (um nicht zu sagen: entschieden modebewußte!) Himalaya-Vögel haben’s auf mich abgesehen & provozieren ein ums andere Mal vollformatige ’Tele-Star’-Portraits! Eine besonders schrill herausgeputzte Spezies trägt lange, weiße Kopf-Federn (wie ein Indianer!) & metallic-rot glänzende Schwanzfedern über einer durch alle denkbaren Brauntöne nahtlos changierenden Körperbehaarung. Ohne mir dessen bewußt zu sein, laufe ich Gefahr mein eigentliches, hochgestecktes Tagesziel aus den Augen zu verlieren bis ... ja - bis ein englisches ’Rowdy’-Pärchen seine geräuschvollen Kreise immer enger um mich zieht (& meine zutraulichen Freunde das Weite suchen). Ich lasse mich, die beiden mit dem grimmigsten meiner ad-hoc abrufbaren Blicke strafend, bewußt weit zurückfallen ... ... aber gute ’Ornithologees’ wollen mir (Gott-sei-Dank! Oder richtiger: ’Thanxx to the Kingdom!’) einfach nicht mehr gelingen ... & so lasse ich es schließlich einfach bleiben. Dem Tal berganwärts folgend kann ich immer mehr Snowy Rims ‘n’ Peaks des gigantischen (neben dem 8.091 Höhenmeter messenden Annapurna I noch über ein weiteres, gutes halbes Dutzend Siebentausender verfügenden) ’Annapurna-Sanctuary’ ausmachen. Mein rechter Zeigefinger zuckt wie wild durch die (Schnee-) Gegend ...
  
  
... & auch meine immer wieder laut vor mich hingesprochene Aufforderung zur Zurückhaltung (’Nä-Her Kom-Men Las-Sen!’) trägt nur unwesentlich zu grösserer fotografischer Disziplin bei. Um Halb Elf Uhr erreiche ich das Machapuchre BaseCamp ...
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... was eigentlich ein anachronistischer QUATSCH ist: laut Volksabstimmung & Gerichtsurteil darf den Heiligen Berg eh niemand besteigen - wozu also ein Basislager ...? ’Na - zum Beispiel ... damit DU auf 3.700 Metern über N.N. einen Kaffee & eine Gemüsesuppe als zweites Frühstück zu Dir nehmen kannst!’ ’Stimmt!’ Kurzer Plausch mit dem eigentlich doch ganz netten English Couple. Da ich die bis zum Annapurna Base-Camp noch fehlenden 600 Höhenmeter als erster in Angriff nehme, frage ich die beiden noch SPASSESHALBER, ob ich ihnen in der ABC-Lodge ein Zimmer reservieren soll? ’Yes, Sure ... ... One Double please!’ Hm - die Fortsetzung dieses überhaupt nicht spaßigen Etappenwitzes folgt später! Der folgende, anderthalbstündige Anstieg zum ABC (der übrigens weniger anstrengend als befürchtet ist) bietet zwar karge, nichtsdestotrotz aber beeindruckende NATUR PUR: - die Vegetation besteht aus den allergenügsamsten Flechten, Moosen & sonstigen ’Nur’-Bodenbedeckern, - an teilweise recht spektakulären, immer vollkommen zufällig scheinenden Standorten sitzen, liegen, stehen gigantische Granit-Findlinge (& mehr als einmal liegt mir die Frage auf der Zunge: ’WER hat DIE wohl WIE HIERHIN gebracht?’), - die zwischen spektakulären Gesteinspassagen sich erstreckenden sanfteren Hügel-Landschaften (Hochebenen wäre übertrieben, eher harmonisch sich einpassende Senken) sind durchgängig mit einem blau-violetten Bergblumen-Teppich bedeckt, - zehn Wanderminuten später präsentiert sich das Terrain schon wieder von einer ganz anderen, winterlichen Seite: alter, meterdicker (& schmutziger) Harsch-Schnee sowie Gletscherzungen & flache Eisfelder reichen bis an den Trail heran (teilweise eiswasser-unterspült, mit gut sichtbaren ein- & ausgehenden Kanälen), - die in dieser phantastischen Hochgebirgs-Szenerie fast unscheinbaren & doch uneingeschränkten Höhepunkte aber sind die zahllosen, rechts & links meines Pfades zunächst langsam, nach wenigen zig-Metern jedoch bereits dramatisch bis auf 4.000 Meter (natürlich auf mein momentanes Höhenniveau bezogen!) ansteigenden, schneebedeckten Annapurna-Gipfel ... ... deren höchster, der Annapurna I, seit seiner Erstbesteigung im Jahre 1950 (durch den Franzosen Maurice Herzog) einen einzigartigen Status in der Königsklasse der 14 weltweit existenten ’Achttausender’ besitzt: Er war drei Jahre vor der erfolgreichen ’Hillary-Tensing-Everest’-Expedition nicht nur der höchste aller bis zu diesem Zeitpunkt bestiegenen Berge ... sondern auch der erste je von einem Menschen erklommene ’8000-Meter-Gipfel’! Während ich zunehmend ins Staunen & Schwärmen gerate, hüllt sich das gesamte Bergmassiv (kaum wahrnehmbar zunächst, aber stetig fortschreitend) in dichte Wolken & ... der ’amtliche Annapurna-Scenic-Panorama-Round-Shot’ soll & wird mir heute noch nicht gelingen! Aber - ich greife vor ... Gegen Ein Uhr erreiche ich das noch aus 100 Metern Entfernung völlig unschein- & leicht übersehbar sich grau-braun-schmutziggrün (tarnfarbig) in die Landschaft einpassende Annapurna-Basislager:
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Nachdem die diesjährige Trekking-Saison letzte Woche zu Ende gegangen ist, hält nur mehr eine Lodge die eisige Stellung - was (wie sich noch schmerzhaft herausstellen wird) denn doch ETWAS WENIG ist! Um den großen Tisch im Gastraum ist eine vielköpfige, kunterbunte Schar teils mir bereits bekannter Trekking-FreundInnen versammelt: ... das ’andere Dutch Couple’ (Teilnehmer der israelischen Geburtstags-Party in Chomrong), ... die vier ’Norwegian Girls’, die den gestrigen Wolkenbruch gut überstanden haben & (fröhlich wie immer) wieder ziemlich trocken aussehen, ... die ungeduldige ’Aussie-Tommie-Connection’, die mir in Bamboo (Ort meiner tiefsten, bislang Gott-sei-Dank einzigen Himalaya-Depression) so schnöde enteilte ... sowie ein gutes Dutzend weiterer, mir noch unbekannter Berg-LiebhaberInnen (unter anderem vier junge Mexikanerinnen: es verwundert mich immer noch ... immer wieder ... wieviele ’Frauengruppen’ HIER, im Hochgebirge unterwegs sind! ’Äh: WIESO?’). Eine verschworene (bis verschwörerische) Expeditions-Stimmung erfüllt den gemütlichen Raum - ich ordere einen Kaffee & lasse mich auf einen KWATSCH mit den Holländern ein ... ... was sich allerdings schnell als schwerwiegender Fehler herausstellt (’Nein - nicht grundsätzlich, Hilde!’): Denn während wir uns angeregt unterhalten, schnappen mir die eine halbe Stunde nach mir eintreffenden Engländer das letzte, freie Zimmer der Lodge vor der Nase weg! ’Tja, Carmen - ich bin einfach zu nett! Du lachst zwar - aber es stimmt!’ Hm - oder sollte ich doch ehrlicher sagen: Ich bin einfach ZU BLÖD! Was soll’s ... ... zu spät! Der junge Manager der Blockhütte verspricht, ’... was für mich zu arrangieren’. Ich gönne mir zunächst den nepalesischen Standard-Lunch - beteilige mich anschließend an den Kleingruppen-Talkrunden - schreibe eine Runde Tagebuch - & setze mich irgendwann (den ob des miesen Wetters überfüllten ’Wartesaal’ fliehend) ’nach draußen’ ab ... ... wo ich den vergeblichen Versuch unternehme, mit Hilfe meines letzten Joints die geschlossene Wolkendecke zu CRACKEN: Aber DIE präsentiert sich (im Gegenteil!) von Minute zu Minute kompakter! Zwar wird mir am späten Nachmittag eine harte Isomatten-Schlafstatt (auf einer Holzbank im Speiseraum der Lodge) als Nachtlager angeboten - ich aber habe mich zu diesem Zeitpunkt bereits entschlossen, mich aus atmosphärischen Gründen ins ruhigere (weil ’weniger überfüllte’) Guest-House des Machapuchre BaseCamps ABZUSEILEN & ... ... lehne daher dankend ab. Die beiden ’Bamboo-Engländer’ folgen übrigens später meinem Beispiel: der erstere wegen ’High Altitude Sickness’ (was zumindest als witzige Scheinkorrelation zum bestehenden Vorurteil ’... blasshäutige, rothaarige & sommersprossige Briten seien besonders anfällig für den Höhenkoller!’ durchgeht) - sein Freund ’aus Freundschaft zum ersteren’. Eine knappe Stunde nimmt mein Dämmer-Abstieg zum MBC in Anspruch - eine keineswegs vergeudete Stunde, bietet er doch bei sich permanent aus dem Tal erneuernder Bewölkung eine ganze Reihe vollkommen neu wirkender (& doch auf die bekannten ’Statisten’ zurückgreifender) Foto-Motive:
  
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So scheint der in einem engbegrenzten ’Wolkenfenster’ überraschend auftauchende Mount Machapuchre aber auch rein gar nichts mit dem Berg (zufällig gleichen Namens ...?) gemein zu haben, der sich mir heute Morgen bei strahlendem Sonnenschein darbot. ’Non, je ne ...!’ Zunächst einmal klingt der Abend in der Machapuchre Lodge erwartet ruhig aus: Reiselektüre - ein frühes, einfaches Abendmahl - dann programmiere ich meinen Wecker auf Sechs Uhr Früh & begebe mich in die Federn - nebenbei bemerkt: in Gesellschaft von vier schlanken ... ... äh ... Batterien, die sich bei den empfindlich kühlen Temperaturen verdammt schnell entladen (& nun meiner Körperwärme bedürfen). Zugegeben: vier Mexikanerinnen oder vier Norwegerinnen hätte ich auch nicht von der Bettkante ... ’Aber vier Batterien sind immerhin besser als gar nichts - ODER?’ Um Elf Uhr nachts werden wir (fünf!) abrupt aus unseren süßen Träumen gerissen: Unmittelbar vor/an meiner Zimmertüre erklingt zunächst ein konstantes, ’irgendwie zielstrebig sich anhörendes’ (& mich zunehmend beunruhigendes) SCHABEN - ’irgendwann’ setzen zusätzlich tiefe (tiefe Zufriedenheit, ob des unmittelbar bevorstehenden, erfolgreichen Abschlußes der Grab-Arbeiten signalisierende ...?) ’Sägezahn’-GRUNZ-LAUTE ein - die letztlich (nicht unerwartet & doch urplötzlich) in einen tösenden RIESEN-RADAU münden ... ... der sich wie ’der blutige Kampf (auf Leben & Tod)’ zwischen den drei, das Gasthaus bewachenden Huskies & einem ’verdammt wilden & gefährlichen ETWAS (Arthur!) ...’ anhört! Meine ’MUFFE’ geht ... ach - was red’ ich: NOCH SCHNELLER! Auch ... ... weil sich meine Zimmertüre nicht abschließen läßt & nur von einem Holzspan in Bleistiftstärke im Türhaken gehalten wird! Schließlich schleiche ich (auf Zehenspitzen) durchs Zimmer, schiebe (mir der Sinnlosigkeit meines Tuns durchaus bewußt) das zweite, schwere Etagenbett vor die Türe, liege (gebannt LAUSCHEND) wach - & kann ... obwohl sich kein einziger Laut mehr vernehmen läßt (nicht einmal das nach Sandpapier klingende ’Wunden-Lecken eines in seinem eigenen Blut jämmerlich verendenden Husky-Beschützers!’) natürlich nicht mehr einschlafen, bis ... ... naja (SEHR viel später) ... |
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... Um Halb Sechs Uhr werde ich wach & spüre das drängend-dringende Verlangen, mich der im Laufe des gestrigen Tages (sowie der letzten Nacht) sich in meiner nun zum Bersten gefüllten Harn- ... kurz: ICH MUSS PISSEN! Vorsichtig schiebe ich den Türhaken zur Seite (die Geräuschkulisse anläßlich des nächtlichen Kampfes vor/um meine Zimmertüre noch im Hinterkopf) & ... ... schaue in die treuen Augen des anhänglichen, jungen Huskies, der mir schon gestern nachmittag (während meines Abstieges vom ABC) nicht vom Bein weichen wollte: ’Ein Freund, ein guter Freund ... !’ Wir begrüßen uns stürmisch, schlecken uns (der eine mehr, ich weniger) gegenseitig ab, ich untersuche ihn auf ’etwaige, klaffende (durch Bärentatzen verursachte?) Wunden’ ... ... aber soweit ich sehen kann, scheint er HEILE. DANN erst stelle ich fest, daß es (heute aber nun mal wirklich) ARSCH-KALT ist! Ich schultere den auf das Nötigste abgespeckten Rucksack, mache mich unter einem wolkenlos-dunkelblauen ’Postkarten’-Himmel auf in Richtung Annapurna Basislager & verschieße während der beiden folgenden Stunden zwei komplette ’36-Aufnahmen-Dia-Filme’:
 
  
Hauptdarsteller sind ... einerseits (natürlich!) die Annapurna-Haupt- & Nebengipfel sowie der vergleichsweise eigenbrötlerisch wirkende Machapuchre, ... andererseits aber versuche ich mich auch gezielt an der authentischen Ablichtung der durch Licht & Schatten (sowie surreale Farbkontraste & -kombinationen) entstehenden, stimmungsvollen Hochgebirgs- & Landschafts-Panoramen ... ... äh - ja ... VERSUCHE ich mich! Naja: ’A VER!’
  
  
Gegen Acht Uhr schleppen sich die beiden ’Tommies’ berganwärts, während die vier Mexikanerinnen eine langgezogene Seilschaft in der entgegengesetzten Richtung bilden: nette, wechselseitige Kurzkommentierung unsrer durch die grandiose Bergwelt hörbar MASSGEBLICH beeinflußten, morgendlichen Gefühlswelt (’Jaja - die ach-so-netten Mexikanerinnen!’) ... ... dann begebe ich mich gemächlichen - nein: zufriedenen Schrittes (’ICH habe definitiv ALLES erreicht!’) auf den Rückweg in mein Basislager. Ausnehmend gut gelaunt federe ich über den Trail (der nie zuvor eine Verunglimpfung als ’Trampelpfad’ weniger verdiente!) ... ... bis ich auf dem letzten, zu überquerenden Eisfeld eine eher zufällige Entdeckung mache: Atemlos bestaune ich fest & tief in den betonharten Untergrund eingestampfte, handtellergroße & kreisrunde Tatzen-Abdrücke (mit je fünf, im 72-Grad-Abstand sich abzeichnenden Zehen- & Ballenspuren) ... ALSO DOCH! Zurück im MBC läuft mir ein ... nein: ein nepalesischer Bergführer über den Weg, den ich während des Frühstücks auf der mittlerweile sonnenbeschienenen Lodge-Terrasse frage, ’... ob es denn HIER OBEN auch BÄREN gibt?’ Ohne Zögern bejaht er & erzählt, daß ihm schon EINIGE ’prächtige Prachtexemplare des ständig auf Futtersuche befindlichen Himalaya-Schwarzbären in die Quere gekommen seien ...’ - allerdings ’etwas abseits des Trails’ ... ALSO DOCH! Apropos: Mein treuer Husky, der mir auch während meines morgendlichen Aufstiegs zum Annapurna Basislager nicht von der Seite wich, ist mir letztlich doch noch untreu geworden & hat sich (grußlos!) der an uns vorbeimarschierenden, mexikanischen Weibschaft ... äh ... Seilschaft angeschlossen. ’Hm - ich kann ihn ja SO GUT verstehen!’ Um Neun Uhr trete ich den langen Rückmarsch ins heimische Pokhara an. Bei angenehmen äußeren Bedingungen verfalle ich schnell in ein eigentlich gar nicht beabsichtigtes, extrem hohes Trekking-Tempo - obschon es hierfür natürlich gute Gründe gibt: zum einen bin ich exakt die gleiche Strecke schon einmal gelaufen, außerdem habe ich kaum noch unbelichtetes Filmmaterial - also ...
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... I’M WALKIN’! Nach nur eineinviertel Stunden (was einer glatten Halbierung der Up-Hill-Time gleichkommt) erreiche ich Deurali, fünfundvierzig Minuten später Himalia & schließlich nach einer weiteren Stunde Dobang, wo ich (es ist gerade mal High Noon) meine Mittagspause verbringe. EIGENTLICH ... ... hatte ich mir ja Bamboo als Tagesziel ausgeschaut (wäre somit in der Lage, ’Pokhara locker in drei Tagen zu machen’ & meine zeitlich begrenzte Trekkingerlaubnis exakt auszunutzen): Nun aber ist Bamboo plötzlich SO NAH! Hm - mir graut bei dem Gedanken, ’am Orte meiner tiefsten Depression noch einmal einen langen Nachmittag verbringen zu müssen ...!?’ Daher fasse ich den spontanen Entschluß, ’zu laufen, SO WEIT DIE FÜSSE TRAGEN!’ Oder besser: Solange das Wetter es zuläßt! Bei ... äh ... Macaroni mit Tomaten & Käse (’Quelle Surprise!’) schließe ich die Bekanntschaft eines jungen australischen Traveller-Pärchens. Die beiden sind nach einem Jahr unterbrechungslosem Reisen durch sämtliche Kontinente nun auf dem Weg nach Hongkong, um ’ein paar Dollar zu machen’ (& anschließend ihren Trip fortzusetzen). Lockere Atmosphäre, die durch einen Joint (den wir dreimal kreisen lassen) noch lockerer wird: ’Ävver ... isch FÖHL NIX!’ Naja - NOCH nicht! Später ... allein mit mir & dem Trail ... spüre ich die Wirkung allerdings schon: Leichtfüßig (’wie eine Gazelle!’) beschleunige ich noch ’meine eh schon hohe Trekking-Speed’. Ich vollführe ungeahnte Trippel-Schritt-Kombinationen (’just like thee good old Ali-Shuffle!’) über die touri-gerecht in den schlammigen Untergrund gepflanzten Natursteine. Selbst in schwierigeren Passagen mache ich mir keinerlei Gedanken, trabe einfach durch & ... ... bin doch gleichzeitig ausgesprochen HOCH KONZENTRIERT. Ich habe schlicht das bestimmte Gefühl, überhaupt nicht fehltreten zu KÖNNEN! Und ... SO IST ES AUCH! Das Wetter ist & bleibt gut, meine Beine zeigen keinerlei Anzeichen von Müdigkeit, meine Waden werden nicht hart: äh ... ALLES SUPER! In Bamboo lege ich nicht mal einen Zigaretten-Stop ein, sondern nehme sofort den langen, beschwerlichen Anstieg zum Police-Check-Point in Angriff (die erste, wirklich anstrengende Trekking-Passage des Tages). Nach Nennung meines Tages-Start-Punktes erhalte ich jedoch vom diensthabenden Beamten ’die Andeutung eines kaum wahrnehmbaren, aber eindeutig anerkennenden (& für ALLES entschädigenden) Nickens’: Dankbar (& ... ’ein bißchen stolz’) fühle ich mich fast wie ein ’Gleicher unter Gleichen’! Der einfache, leicht abschüssige Trail führt anschließend, durch den bereits vor vier Tagen als so stimmungsvoll empfundenen ’Märchenwald’ (eigentlich fehlt nur das ’Lebkuchen-Häuschen’ ...) nach Sinuwa. Netter Plausch mit einem Australier, der (obschon offensichtlich bereits im Rentenalter) in Kniebundhosen & schwer auf seinen Spazierstock gestützt langsam zwar, aber doch wild entschlossen dem ABC entgegenstrebt! Hm - es ist schon interessant, welch ’skurrilen Typen’ man HIER OBEN so begegnet ... Als ich das letzte Gasthaus vor Chomrong erreiche, bedeutet mir der gut lesbare Sonnenstand, daß es ungefähr Halb Fünf Uhr ist ... & mir stellt sich die Frage: Mute ich mir den langen Abstieg ins Flußtal & (vor allem) die sich anschließende, gnadenlose Steil-Treppe hinauf zum Chomrong Guest-House NOCH HEUTE zu ...? Hm - gab es JE eine ÜBERFLÜSSIGERE Frage! Obwohl ... ... nach mittlerweile gut zehn Stunden auf den Beinen, veranlaßt mich die brutale & ’really never-ending Stairway’ (vorbei an einigen grimmig & angriffslustig mich fixierenden Büffeln & Ochsen) SCHON zu einer ungewöhnlich hohen Anzahl reiner Pust-, Hechel- & (moderater, weil kurzatmiger) Fluch-Stops: BUT FINALLY ... Um Halb Sechs Uhr erreiche ich die Aussichts-Terrasse des Chomrong Guest-House, lasse mich bleischwer auf eine Holzbank sinken & ... fühle mich wie auf der ’softesten Soft-Bench’ des gesamten indischen Subkontinents (inklusive angrenzender ‘Nirvanen’ ...): Bei Apfelkuchen & Limonentee gönne ich mir erstmal eine halbe Stunde konzentriertes Ausschnaufen! Heute ist noch kein einziger Regentropfen niedergegangen (!?) - die zwischenzeitlich geschlossene Wolkendecke (’irgendwie beruhigt’ ... sehe ich bereits den täglichen Monsunschauer niedergehen) reißt gegen Abend hin wieder auf: Annapurna South & der ’Fishtail’ scheinen (eitel meine bereitwillig geschenkte Aufmerksamkeit auf sich ziehend) immer näher an Chomrong heranzurücken! Sonst rückt (zur schieren Verzweiflung meiner Wirtin) allerdings niemand heran ... ... das während meines letzten Aufenthalts (’Happy Birthday - Son of Israel!’) noch so angenehm mit Leben erfüllte gastliche Gasthaus hat heute nur einen einzigen Gast, der sich das schönste Zimmer der atmosphärischen Herberge aussuchen darf (mit drei Panoramafenstern & vier Betten!) & ... ... auf die ständigen Nachfragen der Herbergerin, ’... wieviele Trekker denn heute wohl noch den Berg herunterkommen & ... ob ich (wie versprochen!) jedem ihre Unterkunft empfohlen hätte?’ ... zwar mit Mitgefühl, keineswegs jedoch mit einem schlechten Gewissen reagiert (reagieren muß) - denn: DAS (also: ’zweiteres’) habe ich WIRKLICH getan! Die nächste halbe Stunde verbringe ich unter der herrrlisch-heißen Dusche. Eine Stunde später sitze ich im schwachen Schein eines riesigen Kerzenleuchters (& gewandet in mein letztes, noch ’einigermaßen frisch duftendes Kleidungs-Set’) beim Abendessen: ausgesprochen gute Gemüse-Lasagne (ein wirklicher kulinarischer Hochgenuss, nach all den immergleichen Macaroni-Gerichten der letzten Tage) sowie nepalesischer (oder doch neapolitanischer?) Reis-Pudding. Während ICH (mit mir & der Welt im REINEN) zufrieden vor mich hin mampfe, scheint die hiesige Insektenwelt gerade eine zumindest mittelschwere Sinnkrise durchzumachen: Gleich ’im Schock’ stürzen sich die mich umschwirrenden Motten, Mücken & art-verwandten ’geflügelten Kamikazes’ in die einzige (offene!) Licht- & Feuerquelle des Raumes (den Kerzenleuchter) & ... ... nach einer Stunde erstrahlt der große Eßtisch unter einer mattglänzenden, glatten, zentimeterdicken, garantiert schadstoffarmen, da auf biologisch-natürlichen Produkten basierenden (allerdings noch leicht klebrigen) ... äh ... quasi ’nagelneuen Horn-Lackierung’ - was ... ... meinem Appetit übrigens keinerlei Abbruch tut. Um Halb Neun Uhr führen mich meine letzten schleppenden Schritte dieses Tages quer über den stockdunklen Hof zur Toilette, wo ich die gesamte Nacht ... Nein! ... & schließlich in meine ’basic but beautiful Guest-House-Suite’.
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Im gleichen Moment, da ich (nach meiner obligaten Bettlektüre) die Lese-Kerze lösche ... ... SPRINGT mir ein hell-erleuchteter, prall-gefüllter Sternenhimmel (einigermaßen unerwartet!) MITTEN INS AUGE: Mich in die ’linke, stabile Seitenlage’ drehend, betrachte ich IHN, der in Form einer Negativ-Darstellung die Umrisse des (ansonsten ’invisible’) Annapurna South exakt & messerscharf nachzeichnet, mit vermutlich ähnlich hell-erleuchteten Augen noch lange - bis ich IRGENDWANN, ziemlich erschöpft (though: in a REAL GREAT MOOD!) ... ... wegdämmere ... |
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... EIGENTLICH hatte ich ja vor, nach dem gestrigen Gewaltmarsch (und/weil in Erwartung steinharter Waden) heute einen Ruhetag einzulegen. Daher schlafe ich ganz bewußt mehr als AUS. Nach zehn Stunden gesundem & kraftspendendem Himalaya-Schlaf erhebe ich mich gaaanz laangsaam: Hm - keine (ungewöhnlichen) Beschwerden! Morgentoilette im Hof, währenddessen den Annapurna South (ebenso wie ich mit freiem Oberkörper!) fest im Blick ...
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... ausgedehntes Frühstück - unterdessen ist die wirklich nette & bemühte Zimmerwirtin noch der Meinung, daß IHR DERZEIT EINZIGER GAST einen weiteren Tag bleibt ... ... sie schaut schon etwas enttäuscht, als ich ihr diese Illusion rauben muß. Als mein Wecker Zehn Uhr anzeigt SCHARRE ich bereits hörbar MIT DEN HUFEN: Stillstand ist Rückschritt! Äh - ja ...! Meine ständig revolvierenden Planungen sehen Ghandrung als heutiges Tages-Etappenziel vor. Morgen könnte ich dann (gemütlich) zum ’Pokhara-Bus’ nach Birethanti schlendern - was zwei lockere 4-Stunden-Halb-Tagesmärsche ergäbe! Naja - wir werden sehen ... Um Halb Elf Uhr nehme ich die Bewältigung des letzten Drittels der gestern Nachmittag begonnenen Steiltreppe Richtung Bergkamm in Angriff. Immer wieder MUSS ich ’einen Blick zurück werfen’: auf den in luftig-leichte, lockere Wölkchen gebetteten Mount Machapuchre! MEINEN Berg ... ... der mir mit seinem ’fischigen Stinke-Schwanz’ ein wohlmeinendes ’NAMASTÉ!’ hinterher zu winken scheint (Gott-sei-Dank können Berge zwar rufen, aber nicht hören!): ALLERLETZTES Foto!
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Nachdem ich den höchsten Punkt des Bergrückens erreicht habe, weisen mir zwei träge vor einem Hauseingang hockende Nepalesen den richtigen Weg nach Ghandrung: ’Nein! Nicht über New Bridge!’ Ich soll dem Gebirgskamm oberhalb des Khumnu Khola flußaufwärts folgen. Frohgemut bedanke ich mich & gehe (frisch) ans Werk - immer ein Auge auf das Flußtal gerichtet: Denn ’irgendwo da unten’ muß der Pfad schließlich ’irgendwann’ den Khumnu überqueren! Als nach einer halben Stunde der sich dramatisch verjüngende Pfad steil berganwärts klettert (& im Flußtal trotz bemühtester Inaugenscheinnahme weit & breit kein brückenähnliches Etwas auszumachen ist), beginne ich an meinen freundlichen Helfern zu zweifeln: Das KANN keine Abkürzung nach Ghandrung sein - zumal mir meine Zimmerwirtin zum Abschied ein ’Easy walkin’ ... always down, down, down!’ mit auf den Weg gab!? Schweren Herzens (& mit einer gehörigen Portion Wut auf die ’mutmaßlichen, regionalen Kartoffel-Anbau-Könige’ - diese Wut ist übrigens ungerechtfertigt, wie ich abends erfahren werde) kehre ich schließlich um & nehme den bekannten, steilen Abstieg hinunter nach New Bridge ... ... wo ich zur Strafe (für die Vergeudung meiner ach-so-kostbaren Zeit) nur einen kurzen ’Fanta-Fassen’-Stop einlege. Ich checke zunächst das Wetter (recht aufgelockert, viel Sonne & nur vereinzelte Wolken: ’Ming Pläät Jäeusch!’), dann meine ’Geh-Hilfen’ (noch keine Blasen an den Füßen, die Waden fühlen sich locker an, den Knien ist allerdings die Anstrengung des gestrigen Tages förmlich anzuhören: ’Knirsch!’) & schließlich den Zeitplan: Es ist Ein Uhr mittags! Bis zur nächsten Siedlung Sauli Bazaar (mehrere Gasthäuser) sind es etwa vier Stunden & von dort nach Birethanti (nahe dem Pokhara-Bus-Stop) weitere anderthalb Stunden! NATÜRLICH bereue ich mittlerweile meinen späten Aufbruch - denn NATÜRLICH will ich den Rückweg (vom Annapuna Basislager nach Pokhara) in nur ZWEI Tagen schaffen ... ... äh ... wie ’die Großen’! Zunächst aber nehme ich Sauli Bazaar ins Visier. Der Pfad führt abwechslungsreich durch spektakuläres Gelände: (abwechselnd) ’hoch-oder-tief’ am reißenden Modi Khola entlang sowie (abwechselnd) durch kühle, schattige & stark duftende Waldpassagen oder den Blick weitende, sonnenüberflutete Reisterrassen. Eindeutig KEINE Abwechslung bietet die durchweg schlechte Streckenmarkierung (im unübersichtlichen Terrain), die ’auch als Grund dafür herhalten muß, warum ich nur so schleppend vorankomme’ ... ... aber nach einer Stunde MUSS ich mir (kleinlaut) eingestehen: Der gestrige Tag ist DOCH NICHT SPURLOS an mir vorübergegangen! Meine Schritte sind schwer & in den steilen Anstiegen noch kürzer, als es der kraftsparende ’nepalese Porter-Walking-Style’ vorschreibt - meine Beine marschieren (kopflos!) nur noch mechanisch - & (’Wenn ihr mich schon fragt, meine REWE-Mädels!’) ... ... GROSSEN SPASS macht’s nimmer. Nach einer weiteren ätzend bis quälend langen Wander-Stunde MUSS ich mir eine längere Rast gönnen. Unvorsichtigerweise begebe ich mich jedoch in Sichtweite einer auf ihrem Reisfeld arbeitenden Bauernfamilie. Der ’auf wehrlose Touris (wie mich!) abgerichteten Tochter des Hauses’ (die ich auf etwa zehn Jahre schätzen würde) wird von ihrer Mutter umgehend & unmißverständlich klargemacht, worin ihr Job besteht & ... ... SIE MACHT IHN GUT! Zunächst rück’ ich (freiwillig & noch freundlich) zwei Zigaretten raus - nicht für sie: Nein! ... für ihren Vater! Ich wäge mich in Sicherheit & lasse mich kraftlos ins Gras sinken, sie aber scheint es darauf abgesehen zu haben, ’mich in nämliches beißen zu sehen’ & spult ihr komplettes Programm ab: ’Money!’ - ’School-Pen!’ - ’T-Shirt!’ - ’Sweets!’ Sie will wissen, was ich in meinem Rucksack mit mir herumtrage - nervt unausgesetzt (trotz letztendlichem, unübersehbarem Ignorieren meinerseits) durch immer neue Varianten der Kontaktanbahnung zur ’zu melkenden Touri-Kuh’ - ihre allem Anschein nach mit dem Verlauf der Aktion unzufriedene Mutter unterstützt ihr (sehr folgsames!) Töchterlein durch aus großer Entfernung & offen zugerufene Verbesserungsvorschläge & neue Anweisungen ... ... letztlich bleibt mir nur die FLUCHT! Die allerdings auch ihr Gutes hat: Beweist sie mir doch, daß ich IMMER NOCH über kaum mehr für möglich gehaltene Kraftreserven verfüge! Um Halb Fünf Uhr laufe ich ... definitiv ’auf dem Zahnfleisch’ ... ins sehr touristisch wirkende Sauli Bazaar ein, das sich an den flachen & weitläufigen Ufergestaden des nun ruhig dahinfließenden Modi Khola erstreckt.
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Die Versuchung bis Birethanti durchzumarschieren ist mittlerweile nicht mehr allzu groß: Kurzentschlossen kehre ich in einer atmosphärischen Herberge ein (very Basic & Close to the River!). Fix & fertig & ... zuwendungsbedürftig, wie ich bin, spendiere ich mir ein Bier (das erste seit mehr als einer Woche!) - unterfüttere dieses mit Tomatensuppe, einer Mixed Pizza sowie Käse-Chapatis & beende mein frühes Abendessen mit einem wohligen ’AAAH!’ (& einem - allerdings leisen - RÜLPS!). Zwar war die als Snack geplante, sich (eigendynamisch) jedoch ’eindeutig zum Völlerei-Gelage (am Gestade) ausufernde Mahlzeit eindeutig nicht der Kulinarität letzter Schluß’ - trotzdem aber bin ich hinterher (über die rein anstrengungsmäßige Komponente hinaus) auch WOHLTUEND geschwächt ... ... lasse mich eine gute Stunde von der wohltätigen Abendsonne verwöhnen, höre dem Fluß bei seinem wohlklingenden Rauschen zu & beobachte wohlwollend die vielköpfige, um mich (den Exoten!) herumwuselnde, alles andere als wohlerzogene Kinderschar meiner wohlgeformten ... ’AUF-HÖÖ-REN!’ Ich ziehe mich vorsichtshalber aus dem Verkehr & in meine kleine Dachkammer zurück, wo ich ’meinen Rausch lesend ausdöse’. Der Holzverschlag ist die mit Abstand einfachste Unterkunft meines Trips (Bett, Stuhl, steile Dachschräge & ein winziger Ausguck auf einen eng begrenzten Abschnitt Himmelsblau), allerdings nicht unatmosphärisch & zu meiner einsetzenden Abschieds-Stimmung (ob des unmittelbar bevorstehenden Endes meiner zweiten, meiner letzten ...? Berg-Tour) passend. Als ich nach Acht Uhr über die steile Holzleiter in den Gastraum hinuntersteige, um mir ein Handtuch sowie ein paar Kerzen zu erfragen, nutzt meine Wirtin die Gelegenheit ’... schon mal vorsichtig vorzufühlen, ob ich JETZT GLEICH oder doch erst SPÄTER mein Diner zu mir nehmen möchte?’ Hm - ich kann’s ja verstehen: Die Tea-House-Unterkünfte in den Bergen sind halt derart billig, daß frau nur an Speisen & Getränken etwas verdienen kann. Sie scheint allerdings nicht verstehen zu können (nicht verstehen zu wollen?) ... ... als ich ihr klarzumachen versuche, daß ich mein Diner (vor ungefähr genau zwei Stunden!) bereits hatte. Naja - morgen Früh mach’ ich’s wieder gut: VERSPROCHEN! Ich haue mich in meine Koje, schlafe sofort ein & werde nur noch einmal (kurz, aber heftig) wach ... ... als die diversen Mitglieder des Familienbetriebs im Schein einer Ölfunzel (die den gesamten Dachboden, der mittels pergament-dünner Trennwände nur behelfsmäßig unterteilt ist, TAGHELL erleuchtet) ihre Schlafstätten aufsuchen. Ziemlich kaputt (’Wovon eigentlich ...?’ ’Angeber!’) falle ich jedoch BEREITS WENIGE STUNDEN SPÄTER wieder in abgrundtiefe Bewußtlosigkeit ... |
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... Um Sechs Uhr bin ich hellwach (naja!), begebe mich auf den langen Weg zur Duschkabine am Fluß & ... kann nicht umhin, die ersten sich aus der geschlossenen Wolkendecke lösenden Regentropfen zur Kenntnis zu nehmen: FUCK! Nach zwei regenlosen Tagen (was allerdings - zugegeben - für die Jahreszeit schon ungewöhnlich ist! Anyway ...) wird doch wohl jetzt nicht so kurz vor dem Ziel mein schöner, pro Stunde mindestens dreimal akribisch überarbeiteter Zeitplan doch noch ... schon wieder ...? Tja - über solch weltbewegende Themen vor mich hin sinnierend, HAUE ich (wie gesagt: hellwach!) mir MEINE RÜBE gleich zweimal (einfach ’... weil es so lustig ist!’) VOLL an einen zwar hochhängenden, aber am Eingang eines ’Pygmäen’-Waschraums angebrachten, scharfkantigen DACHBALKEN. Nach sofortigem Abtasten der fühlbar undichten Schädel-Stelle ziert die (knapp unter der Achselhöhle endenden) Fingernägel meiner linken Hand eine ’irgendwie verunglückt’ wirkende, blut-rote Lackierung ... DOUBLE-FUCK! Nach der Morgendusche (übrigens: mit einer ekelhaft-rötlichen Brühe, die wohl auf ... äh ... rostige Wasserleitungen zurückzuführen ist) wanke ich zum Frühstück mit Familienanschluß: Während die Herbergsmutter mehrfach (& Entschuldigungen murmelnd) meine wie nach einem ’mit der Guillotine ausgeführten Kopf-Aderlaß’ aussehende Wunde betastet, grinst mich die sich bei ihrer morgendlichen Nahrungsaufnahme auf Tea & Cigarettes beschränkende Oma einnehmend & zahnlos an. Einen ähnlich sympathischen Anblick bieten die beiden kleinen Mädchen (das Nesthäkchen überbringt mir alle zehn Minuten mit großer Geste ein kleines Stück von ihrem Breakfast-Cookie & begrüßt mich jedesmal neu, ihre Händchen authentisch ’hochkant-gefaltet’ mit einem zwar kaum artikulierten, aber ihr komplettes Gesicht zum Strahlen bringenden ’Namasté’: bei ihr klingt’s wie ’mse’!) ... ... ganz im Gegensatz zum etwas älteren, schätzungsweise sechsjährigen ’Sohn des Hauses’, der sich zwar ebenfalls beim Strange Lookin’ Stranger einzuschleimen versucht, mich mit seinem riesigen Wasserkopf aber einfach ZU SEHR an Charlie Brown erinnert, um (bei mir) als SÜSS durchgehen zu können. Apropos ’einschleimen’: Warum hängt eigentlich allen nepalesischen Kindern die SCHLEIMIGE ROTZFAHNE immer bis mindestens zur Unterlippe, meist sogar bis kurz unters Knie herunter ...?! Ich muß einsehen, daß es sinnlos ist, das Ende des Regens abwarten zu wollen & beschließe daher (gegen Halb Neun Uhr), daß es nur noch TRÖPFELT. Ich greife mein Bündel & folge dem flußabwärts verlaufenden, komfortabel breiten, aber gefährlich glitschigen Trail durch stark duftenden Laubwald. Anläßlich zweier ’interessanter River-X-ings’ kann ich mich letztmalig für heute profilieren ... ... dann (es ist kurz vor Halb Zehn Uhr) befinde ich mich auch schon in den bereits bekannten Kopfsteinpflastergassen Birethantis. Ebenso fassungslos wie bereits anläßlich meiner ersten Visite (vor zwei Wochen) registriere ich, ’mit welcher Bullenruhe die Seele des Polizeikontrollpunktes seinen Job verrichtet’: Offensichtlich gelangweilt, ebenso offensichtlich aber auch wild entschlossen, an diesem geliebt-verhaßten Zustand nichts zu verändern, schiebt er seine große Kladde vor mich hin ... ... & fordert mich auf, die von ihm benötigten Infos (knapp zehn Worte!) selbst einzutragen! Worauf ich ihm mit vor meinem Körper verschränkten Armen, einem zuckersüßen ’You’re Welcome!’, ansonsten aber (zwar freundlich-lächelnder, jedoch wort- & regloser!) Zurückhaltung klarmache ... ... DASS ICH IHM GERNE DEN VORTRITT LASSE! ’Hm - Wollie! Du kennst ja nun auch das aberwitzige Schreibtempo Deines neuen Wohnungsvermieters! Ich weiß, das klingt jetzt unvorstellbar ... aber: Gegen die durchschnittlich-schreibbegabte Amtsperson in Nepal würde Herr Kuhn locker (& zwar mit einem komfortablen Zeitvorsprung) JEDEN Schnellschreib-Wettbewerb gewinnen!’ Also - ich rauche genüsslich drei bis achtzehn Zigaretten ... & dann ist auch dieses letzte bürokratische Hindernis SCHON genommen. Ein letztes Mal überquere ich den Modi Khola, schlendere an dessen Bett entlang nach Nagayot & springe in einen abfahrbereit wartenden Bus. Schade! ... ... keine Chance mich mit den Taxi-Schleppern anzulegen: Ich SPÜRE förmlich, wie die Auto-Abgase meinem ’Fighting-Spirit’ Flügel (& Fäuste) verleihen! Um Elf Uhr treffen wir in Pokhara ein. Die letzten drei Kilometer bis zur Guru Lodge bringe ich auch noch ’On A Shoestring’ hinter mich ... ... übrigens aufrecht & federnden Schrittes: Schließlich war ich DA ... & hab’s zurück (beinahe) in nur zwei Tagen gemacht! Nach der gewohnt überschwenglichen Begrüßung durch ’meine Lodge-Boys’ (’Hello Brother - good to See You! How was Trekking? Did you make it?’) & einem möglichst emotionslos verpackten kurzen Rapport (Tenor: Nix Besonderes!) ... ... vakuum-verpacke ich zunächst meine nach ’vor sich hinfaulenden Fliegenden Hunden’ stinkenden Trekking-Klamotten kontaminierungs-gerecht in einem Plastiksack, verbringe anschließend EIN PAAR STUNDEN unter Dusche, lege meine letzte, frische Bekleidungs-Kombination an (Morgen ist ‘Große Wäsche’ angesagt!) & schlendere schließlich eine Runde durch die ’Touri-Stadt am See’:
  
  
Hm - ein wenig enttäuscht bin ich SCHON, daß ich nicht von allen Seiten bestürmt & ausgefragt werde. Schließlich muß man mir doch ansehen, daß ICH (der ’Mann aus den Bergen’) nicht mehr der gleiche bin wie vor einer Woche ... ODER? Am frühen Abend statte ich dem tibetischen Rice Bowl Restaurant meinen ’Wiederholungstäter’-Besuch ab & ... studiere zu einer (wie gehabt sehr guten!) Chicken Thukpa ausgiebig die ’Kathmandu Post’. Unter anderem auch erste Infos zu den vor zwei Tagen in London eröffneten ’Euro-Soccer-Chips 96’: ... über Englands ’gesamt-nationale Enttäuschung’ wegen des (nur) Remis gegen die kleine Schweiz, ... sowie die in der Commonwealth-Presse kollektive Empörung auslösende Einschätzung des brasilianischen Sportministers Edson Arantes do Nascimento (Na? Richtig: Pele!): ’England holt nie & nimmer den Titel!’ Bereits um Halb Neun Uhr begebe ich mich mit dem Vorsatz, ’... mal so richtig auszuschlafen!’, zurück in meine ruhige & angenehm-kühle Klause. Tja - denkste! Nach einer quälenden Stunde gebe ich das Unterfangen erschöpft & in Schweiß gebadet auf: Pokhara ist BRÜTEND-HEISS & mein Zimmer um nochmal mindestens zehn Celsius-Grad heißer (da/und ventilator-los!). Hm - zwar bin ich mir des Risikos wohl bewußt, letztlich aber öffne ich doch (nach vorherigem Löschen aller Lichtquellen) das große, die herrlichste Frischluft versprechende Fenster & ... ... innerhalb weniger Sekunden bin ich Mittelpunkt & Landeplatz eines spontan gegründeten, neuen & aus hyperaktiven Bürgern bestehenden Moskito-Staates! ICH MUSS HIER RAUS! - MICH BETRINKEN! - IRGENDWO! Aber WO ... ? Alle Restaurants sind schon geschlossen, der Old Blues Pub schließt gerade (um Zehn Uhr!) & die Nachtschwärmer-Disco The Joker (meine letzte Hoffnung) macht bei einem Eintrittspreis von 200 Rupees in einer halben Stunde dicht. Also bleibt nur der Lebensmittel-Einzelhandel (hm - ich komm’ einfach nicht los von dieser Branche ...). Eine stark ausgebeulte (’irgendwie skandinavisch-klirrend-klingende’) doppelte Plastiktüte möglichst unauffällig durch die nächtlichen Straßen Pokharas spazieren tragend, begebe ich mich eine halbe Stunde später zurück ins ’Zentrum meines geflügelten Insektenstaates’ ... wo mir meine Untertanen gleichermaßen freudig wie umgehend wieder ihre volle Aufmerksamkeit schenken. Äh ... ... zwar würde es mir keinerlei Probleme bereiten, die Geschehnisse der viel zu bewußt erlebten, folgenden Nacht jetzt in epischer Breite (quasi: in ’Real-Time’) auszuwalzen - allein: ich will mich auf die Feststellung beschränken, daß ich NICHT ALLZUVIELE MÜTZEN SCHLAFS abbekomme. In weiser Voraussicht habe ich mir im Laufe des Nachmittags allerdings schon ein neues Quartier (für morgen) gesucht ... aber - davon mal ganz abgesehen: ’WIE OFT muß ich eigentlich noch sagen, daß NIEMAND JE behauptet hat, DIES HIER soll SPASS machen!?’ ’EBEN!’ (& doch: immer noch besser als ’Steine klopfen’ ... oder jeden Morgen ’in die Kölner Domstrasse tigern’ - woll!). |
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