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TREKKING - TEIL I: DER ‘JOMSOM-TRAIL‘ ! ODER: DAS TAL RUFT ! ODER: VON MUSTANG UND MULI !
( ... ZWEITER HALB-REISEBERICHT !)
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Ich wache um Sieben Uhr auf - mit einem SCHÄDEL, der exakt ... aber ‘gerade mal so‘ ins Zimmer paßt UND ... ... das Zimmer ist nicht klein! Zweieinhalb Liter Bier plus Mustang-Coffee waren einfach zuuu viel für mich ( ... zumal bei meinem derzeitigen Trainingsstand). Nach der dritten ‘Shikhar im Bett‘ entschließe ich mich, wenn auch widerwillig zum Griff in die Reiseapotheke: eine Aspirin - ein erfolgreicher (!) Morgenschiß - als dritte Erste-Hilfs-Maßnahme schließlich noch eine eiskalte Dusche ... ... & schon sieht die Welt wieder ETWAS freundlicher aus. Was nicht unerheblich durch einen eher beiläufig genossenen, vierten ‘First-Aid-Act’ (den ‘Eye-Opener’ schlechthin) POSITIV beeinflußt wird: Auf dem Weg zur Dusch-Kabine (hinter dem Garten-Restaurant) springt mich plötzlich der sensationell-freie Ausblick auf den über dem nördlichen Horizont des breiten Gandaki-Tales THRONENDEN Mount Nilgiri an - WOW!
 
Nach einer auch die unscheinbarste seiner zahllosen Untätigkeiten akribisch dokumentierenden, ausführlichen Panorama-&-Tele-Shot-Serie lasse ich mich zu einem ausgiebigen ‘Frühstück im (grünen) Freien‘ nieder: Eier mit Speck - Bratkartoffeln - Muesli - Toast - kannenweise Kaffee & ... ‘German Rolls‘ (hm, ich habe wirklich nicht den blassesten Schimmer, WARUM DIE SO HEISSEN ...!?). ICH LASSE MIR ZEIT ... wissend, daß die erste Halb-Etappe des ‘Mörder‘-Aufstiegs nach Ghorepani auf meinem Programm steht: Die komplette Etappe führt verteilt auf eine Wegstrecke von knapp 20 Kilometern von 1.150 auf 2.900 Meter über Normalnull (was einer durchschnittlichen Steigung von etwa neun Prozent entspricht) - ich aber gebe mich heute mit einer Marschstrecke von NUR zehn Kilometern zufrieden & hoffe, vor Einbruch der Dunkelheit das 2.000 Meter über dem (fernen) Meeresspiegel gelegene Shikhar zu erreichen. Übrigens: Der kleine Bergort hat seinen Namen nicht nach meiner momentan favorisierten, nepalesischen Zigarettenmarke! Nein - der 7.847 Meter hohe Annapurna-Nebengipfel Varaha Shikhar (ein Nichtraucher!) besitzt die eindeutig älteren Paten-Rechte ... Zunächst aber gönne ich mir noch eine entspannte ‘Lord Jim‘-Lesestunde im erstaunlich kühlen (ich hatte mit tropischen Temperaturen gerechnet: schließlich befindet sich Tatopani auf dem gleichen Höhenniveau wie Pokhara), schattigen Hotelgarten. Und letztlich wird es mich denn doch ETWAS zur Eile antreibende Halb Zwölf Uhr ... bevor ich (die immer noch spürbaren ‘Birnen-Druckstellen‘ ignorierend) ENDLICH losmarschiere. Am südlichen Ortsausgang (der Trail fällt dramatisch zum Kali Gandaki hin ab) LAUFE ich in den ersten Polizei-Kontrollpunkt seit Jomsom: Ich muß mich ins ‘Gästebuch‘ eintragen (kann diesem entnehmen, daß Martin & Frank den Check-Point bereits gute zwei Stunden vor mir passiert haben: ‘Die werde ich wohl vor Pokhara nicht mehr zu Gesicht bekommen!‘) - erhalte im Gegenzug einen schicken Stempelabdruck in mein Trekking-Permit & darf mich während dieser Prozedur gedanklich schon mal auf die härteste Mutprobe des Tages vorbereiten ... ... die mich unmittelbar unterhalb der Polizeistation erwartet: Die finale Überquerung (& anschließende Verabschiedung: ‘So Lange - alter, männlicher Fluß!‘) des Kali Gandaki an der breitesten Stelle, die er mir während dieser Tour zeigt. Die schon von weitem einsehbare Brücke ist die bislang ‘most hanging Bridge‘ & ohne die querverlaufend, zusätzlich auf den Laufsteg genagelten Holzplanken (an den Rändern der Brücke) wäre ein Erklimmen der steilen Anstiege, hin zu den uferseitigen Pfeilern, schlicht UNMÖGLICH. Bloß nicht weiter drüber nachdenken: Atem holen ... & DURCH (oder genauer: ‘RIBBER!‘). Zwar lauert bereits hinter der nächsten Biegung des Pfades (eindeutig grinsend!) eine nur unwesentlich kleinere Brücke (über einen Nebenfluß des Gandaki) auf mich ...
 
... diese stellt jedoch (was ich allerdings noch nicht ahnen kann) die letzte, spannungsreiche Abwechslung von meinem in der Folge sich als extrem einseitig präsentierenden Tagewerk dar. Ab nun heißt es nur noch: Klettern - klettern ... & nochmals klettern! Zunächst mache ich den anfängerhaften Fehler eine angeberisch-große Schrittlänge zu wählen. Nachdem mir aber schon wenige Höhenmeter später erstmalig die Puste ausgeht, STUDIERE ich (unkontrolliert hechelnd) die mich reihenweise überholenden, freundlich lächelnden & selbst in einem Alter, das zur ‘Endlagerung im IOC‘ befähigt (also: ‘Ü80‘) sich offensichtlich putzmunter fühlenden, lokalen ‘Steiger‘ ... & kopiere fortan deren ‘nepalesische Trippel-Gemsen-Technik‘. Äh ... die zwar ZIEMLICH BESCHEUERT aussieht - aber: EGAL! Hier wird kein Schönheitspreis vergeben! Den ersten, steilen & scheinbar endlosen Hügel erkletternd, bietet sich mir noch lange die Gelegenheit mich (immer wieder geht mein Blick zurück) von Tatopani, dem Gandaki sowie den beiden Hängebrücken (zunehmend tief unter mir) zu verabschieden.
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Dies ändert sich erst, als ich eine offensichtlich mit Hilfe größerer Mengen Dynamit in den Bergkamm gesprengte & weit auseinanderklaffende (nur mehr unsichtbar blutende) ‘Fels-Wunde‘ passiere: Die bloße Aneinanderreihung endloser (& endlos kräftezehrender) Naturstein-Stufen wird wieder zum relativ leicht begehbaren Weg ... der sich mit harmonischen Bergauf- & Bergab-Schwüngen einer zumindest vorübergehend nicht mehr ganz so extremen Topografie anpasst ... die von einem üppig wuchernden, dichten Wald vollständig zugedeckt wird ... sodaß die sehr vereinzelten Hütten & noch rareren Siedlungen entlang der ‘lebenswichtigen Hauptverkehrsader‘ (dem Trail - der für die Einwohner dieser Region den Stellenwert eines Highways hat) letztlich immer überraschend aus dem ‘satt-grünen Nichts‘ auftauchen. Im Gegensatz zu Ghara ... der ersten größeren Ortschaft, die sich mir (ziemlich verschwitzt - also: ich!) gegen Zwei Uhr bereits auf Distanz ankündigt. Kurz entschlossen kehre ich in einem kleinen Hill-Top-Restaurant ein - entledige mich zunächst meiner Schuhe & Strümpfe (ich kann mich zuweilen des Eindrucks nicht erwehren, daß ‘Trekking in den Himalayas ganz entschieden eine grenzenlos egoistische Rücksichtslosigkeit befördert!‘) & ... ... erkläre dann ‘meine nach hinten offene Mittagspause FÜR ERÖFFNET!‘ Netter Plausch mit dem jungen Besitzer der einfachen Freiluft-Gaststätte - der drei Tagesmärsche nordwestlich des Mount Dhaulagiri beheimatet & nur als Saisonarbeiter im Tourismusgewerbe tätig ist. Als eine dichte Wolkenwand drohend aufzieht, ringe ich EIN BISSCHEN mir mir (‘Hm - bis Shikhar sind es nur noch etwa anderthalb Stunden ... !?‘) - verliere (nicht wirklich unerwartet) & ... ... bestelle einen weiteren Big Pot of Black Coffee. Zunächst macht sich nur ein zaghaftes Tröpfeln bemerkbar - aber bereits einen Augenblick später DONNERT ein gewaltiger, warmer Regenguß auf die sichtlich schwer atmende Landschaft nieder: Vieh & Mensch suchen sich in den nächst umliegenden Häusern & Stallungen einen trocknen Unterstand ... während ich (weder Mensch noch Vieh?) die leichte Abkühlung der Luft genieße & Tagebuch schreibe. Es ist Halb Fünf Uhr & der Regen läßt gerade etwas nach ... ... da tauchen plötzlich zwei in Ölzeug verpackte Gestalten aus dem hügelabwärts befindlichen Wäldchen auf: kurzes ‘Hallo!‘ (& kurzatmiges ‘See Ya!‘) - schon sind Carmen & Brikha an mir vorbei & stapfen durch den Nieselregen weiter hügelanwärts. Ich hingegen warte das finale Ende des Regens - nein: den malerischen ‘Technicolor‘-Regenbogen (!) ab ...
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... dann mache auch ich mich (mich überwindend) an die Überwindung der letzten 250 Höhenmeter. Die Steigung des Trails nimmt wieder dramatisch zu & ist sowohl schweißtreibend, als auch extrem ‘kniebänder‘-belastend - zusätzlich hat sich während meiner dreistündigen Pause ein Problem ganz neuer Art ergeben: Der Wolkenbruch hat in den Regionen oberhalb des Trails eine Reihe brandneuer, sich talwärts stürzender & in regelmäßigen Abständen meinen Weg kreuzender Wildbäche gebildet. Naja - kreuzen ist leicht untertrieben ... Da ich mich standhaft weigere, mich meiner Schuhe & Strümpfe zu entledigen & durchs knietiefe, reißende Wasser watend zu balancieren, erweisen sich zwei meiner luftakrobatischen Showeinlagen als ... äh ... gewagt bis kritisch. Schließlich aber kann ich doch beide X-ings mit einer geglückten (& trockenen!) Landung am gegenüberliegenden Ufer abschließen. Die zweite Aktion wird übrigens vom lautstarken Gejohle einer herbeigeeilten Kinderschar begleitet ... ... das (das Gejohle) unzweifelhaft eine Mischung ist aus: Anteilnahme für den ungeschickten ‘Ausländer-Tölpel‘ (eher weniger) & Enttäuschung darüber, daß ER leider nicht abgestürzt ist (eindeutig mehr!). Als sich die ersten Häuser Shikhars zeigen setzt gerade die Dämmerung ein - bis ich das Main Village (mit immerhin drei Gasthäusern!) erreiche, zieht sich der Pfad allerdings noch weitere & endlose zwanzig Wander-Minuten den Berg hinauf. Im größten & schönsten (nicht nur, aber auch wegen des knallbunten Fassadenanstrichs) Haus des Dorfes frage ich nach einem Zimmer: ‘No problem - just thirty Rupees!‘ Carmen & Brikha sowie Franka & Jan (ein holländisches Pärchen auf Weltreise, mit dem ich mich gestern in Tatopani schon kurz unterhalten hatte) sind neben mir die einzigen Gäste in der zwar einfachen, von Anbeginn aber einen äußerst heimeligen Eindruck machenden Lodge. Ich verstreue meine wenigen Klamotten in der ‘Himalaya-Standard-Sperrholz-Box‘ (meinem Zimmer) & geselle mich BÄREN-HUNGRIG zu meinen bereits vor sich hinspachtelnden KollegInnen - die allem Anschein nach einen kaum weniger kalorienverbrauchenden Tag an der frischen Luft zugebracht haben als ... äh ... ich. Nach dem Abendessen gehen wir (quasi nahtlos) von fester zu flüssiger Nahrung über: Carmen spendiert eine in Dana (bei der ‘Sonnenbrillen-Diebin‘!) geklaute ... ‘Sorry, Carmen!‘ ... gekaufte Flasche Apfel-Brandy, der AUSGESPROCHEN GUT mit meinem Kaffee harmoniert. Ich passe mich immer gern den Landesgebräuchen (& noch lieber den Trinksitten) an! Als wir später das elektrische (!) Licht gegen Kerzenschein eintauschen, entsteht eine ‘Hütten-Zauber-Stimmung‘, die sowohl entspannend als auch der Kommunikation förderlich ist. So erzählen Franka & Jan, daß sie seit Dezember ununterbrochen ‘On the Road‘ sind: Gestartet sind die beiden in Südafrika - von dort haben sie die Überland-Route durch Zimbabwe, Malawi, Mozambique (nur Transit!) & Tanzania bis nach Kenia genommen - von Nairobi ging’s mit dem Flieger direkt nach Nepal & ... hier nun betreiben sie ‘Heavy Trekking‘ (nämlich: mit schweren Rucksäcken!). Allerdings unternehmen sie nur ‘kurze‘ Tagesmärsche - nach maximal fünf Stunden reinem ‘Trailing‘ ist Feierabend. So sind die beiden zwar relativ langsam unterwegs, nach nunmehr zwei Wochen auf dem ‘Annapurna-Circuit‘ aber schon mehrfach in die Viertausender-Regionen vorgedrungen. Erst ZIEHEN sich die Holländer, ... kurz darauf Brikha (der immer an einem separaten Tisch sitzt & nur spricht, wenn man ihm ganz gezielt eine Frage stellt) - zu guter Letzt Carmen & ich ... nein - nicht zurück: Den restlichen Brandy REIN! Wir vergessen die Zeit & führen ein langes, interessantes Gespräch ... über ‘Frauenpower in Mexiko & anderswo‘ (Ruby wäre stolz auf mich gewesen, hätte er mich hören können!), ... über Carmens schwierigen Ausbruch aus ihrer Ehe (in ‘Mexico Muy Católico con Mucho Machismo‘), ... über meine Midlife-Crisis (wie sie es nennt & IMMER NICHT verstehen kann, daß ich den Ausdruck, weil negativ besetzt, nicht mag) ... sowie über Astrologie, ‘neue‘ Männer & ‘alte‘ Hexen. Nach Mitternacht wünschen wir uns gegenseitig (& sehr herzlich) eine ‘erdrückend gute Nacht‘ - für Carmen eine letzte Gelegenheit (für heute) ihrer wachsenden Überzeugung, daß unser ständiges, unverabredetes Aufeinandertreffen auf Kharma beruht, mit ihrem momentanen (& in allen Lebenslagen immer passenden) Lieblingsspruch Ausdruck zu verleihen: If it’s meant to be - it will happen! Naja - wie ich bereits erwähnte ... ... sie ist Sanyassin! Ich habe übrigens keineswegs vor, mich zu verlieben (falls man sowas überhaupt planen kann!?) - obschon mir Carmen, wie ich zugeben muß, von Tag zu Tag sympathischer wird. Im Moment genieße ich schlicht zu erleben, daß SO ETWAS möglich ist: ... zwei Menschen aus unterschiedlichen Ländern & Kulturkreisen treffen sich in einem dritten Land (mit wiederum unterschiedlicher Kultur), ... haben sich schon nach kurzer Zeit nicht nur verdammt viel zu erzählen, sondern hören einander auch zu, ... was wiederum zu neuen, eigenen Überlegungen führt & auch dem eingefleischtesten Skeptiker beweist, daß gegenseitiger Austausch (Befruchtung?) etwas sehr Schönes & Spannendes sein kann ... Äh ... sagte DER EINSAME WOLF! ‘HEUL!‘ Ohne ‘Gute-Nacht‘-Lektüre (diese Art Gesprächs-Surrogat brauche ich heute nicht mehr!) liege ich bei weit geöffnetem Fenster noch eine halbe Stunde WACH auf meinem Bett - lausche mit zumindest ebenso weit geöffneten Sinnen den nepalesischen Nacht- & Naturgeräuschen ... ... & SPÜRE, daß dieser Ort, diese Region (am Fuß der Himalayas) wirklich ETWAS GANZ BESONDERES ist! Äscht - eh: ‘Thee’ HÄTT un ... ... isch FÖHL JÄTT! |
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... Als ich um Sechs Uhr den Gastraum betrete, haben sich alle übrigen Hausbewohner bereits um den Frühstückstisch versammelt (‘Tja - soviel zu Deinem ständigen Generve von wegen FRÜH WACH ...!‘). Katzenwäsche (im Hof) - mit erfrischend-kaltem Gebirgswasser im Gesicht & dem majestätischen Mount Nilgiri im Blick: Täglich entferne ich mich ein paar Kilometer von diesem Berg & trotzdem erscheint er mir jeden Morgen größer ...!?
Unwillkürlich muß ich an die ‘Puppsburger Augenkiste‘ denken & lächle (so früh am Morgen!) mein Spiegelbild in der Plastik-Waschschüssel an. Unter ihren gigantischen Rucksäcken leicht schlingernd brechen die ‘Hochland-Niederländer‘ (?) als erste auf (in den Himalayas muß man das Laufen jeden Tag neu erlernen!). Eine halbe Stunde später verabschiede auch ich mich von meinem netten Lodge-Manager, verlasse den Trail & schlage den Weg ins Dorf ein, um ein paar Fotos zu schießen (‘Shikhar - Topped by Mount Nilgiri!‘ ... oder so ähnlich).
 
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Die besorgten Einheimischen beweisen jedoch eindrucksvoll ‘gnadenlose Hilfsbereitschaft‘ & belehren mich ununterbrochen, daß ich mich auf dem ‘Wooden Wrong Way‘ befinde ... ... sodaß ich schließlich (nach nur zwei Schnappschüssen) kapitulieren MUSS & mich auf den Trail nach Ghorepani zurückziehe: HIER ... ... habe ich wieder meine Ruhe! Ich mache genau SO weiter, wie ich den gestrigen Trekking-Tag beendet habe: Kletternd - kletternd ... & nochmals kletternd! Von Shikhar (auf 1.920 Metern über NN) führt der Bergpfad mit einer nur durch einige noch extremere Passagen (nicht wirklich) unterbrochenen, konstant-brutalen Steigung hinauf nach Ghorepani. Dieser, mein Tages-Zielort befindet sich auf 2.900 Metern über NN & unmittelbar am Fuße des Poon Hill - dessen Scenic-View-Point über einen zusätzlichen, steilen 300-Höhenmeter-Anstieg (vorzugsweise vor Sonnenaufgang!) zu erreichen ist. Dichter & stark duftender Rhododendron-Wald nimmt mich auf: nur sehr vereinzelt finden sich jetzt, am Ende der Trockenzeit noch ein paar rote Blüten an den knorrigen Ästen der riesigen Bäume - in den dunkleren Passagen des Trampelpfades herrscht eine leicht grimmige ‘Fairy-Tale’-Atmosphäre. Zunächst vollzieht sich der Anstieg noch relativ moderat & (obwohl stetig) in, das jeweils nächsthöhere Niveau erklimmenden Etappen - ein ums andere Mal öffnet sich unvermittelt der ‘aussichtslose‘ Wald & gestattet weite Ausblicke auf terrassierte Reis- & Getreidefelder ... sowie kleine, selten mehr als eine Handvoll strohgedeckte Hütten umfassende Siedlungen am, über & unterhalb des Trails. Folgt man den spektakulär in schwindelerregend-dramatischen Höhen verschwindenden Nebenpfaden des Hauptweges (also: NUR mit den Augen!) ... ... dann (allerspätestens dann!) bekommt man wirklich einen RIESEN-RESPEKT vor der Physis des ‘eher klein- bis schmächtig-gewachsenen Berg-Nepalesen‘.
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Hm - klingt wie das Fazit eines seine Erkenntnisse aufgrund unverhohlener Trivial-Zoologie-Anleihen gewinnenden Nazi-Anthropologen ...!? Endlose Muli-Treks trotten wie an einer Perlenschnur aufgereiht über den steinigen Pfad, der unter ihren Hufen zum klackernd-klappernden Klingen gebracht wird - die aufmerksamen Leittiere sind in der Lage, jede noch so exotisch klingende, immer extrem sparsam ‘formulierte‘ Anweisung des Treibers (knappe Wortkürzel oder bloße Laute ... wie Schnalz, Zisch oder Grunz) zu verstehen & augenblicklich, wenn auch unübersehbar widerwillig (!) zu reagieren: ‘Halt!‘ - ‘Weiter!‘ - ‘Schneller!‘ - ‘zweite Kreuzung Links!‘ - ... oder ‘Bring mir doch bitte mal den blauen Wollpullover aus Deiner rechten Satteltasche! Ja genau, den mit den roten Yaks drauf!‘ Im Gegensatz zu den lieben Berg-Eselchen lassen freilaufende Kühe, Büffel & Yak-Kreuzungen meinen Adrenalinspiegel ein ums andere Mal erheblich anschwillen: Denn es entbehrt nicht einer gewissen Spannung, wenn Dir auf einem nur einen knappen Meter breiten Pfad (rechts Abgrund - links Aufgrund!) diese behornten Kraftpakete entgegenkommen. Hoffentlich gibt Dir Dein schlichter Überlebenswille dann die richtigen, klaren & automatisierten Kommandos: Hold your Breath! - Press your Body to the Stone-Wall! ... ... And: Do the Snake! Jede Lichtung & jedes sich unter mir ausbreitende Tal bietet neue, spektakuläre Views - zeitweise zeigen Annapurna South & Dhaulagiri gar ihre unbedeckten Gipfel-Blößen her ...
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... meist aber sind die Standorte der Berge (wie fast immer nach Neun Uhr vormittags!) nur an den sie umkränzenden Wolkenbündeln zu erkennen. Wie bereits am Vortag mehrfach erlebt, ist der Haupt-Trekk in steilen Bergpassagen (wenn nicht durch eine Felsentreppe markiert) oftmals nur sehr schwer zu identifizieren. Eine an die ‘Place de la Concorde‘ in Paris erinnernde Kreuzung (selbst nach genauerem Fährten-Studium noch gleichberechtigt ausschauender) verwirrender Seitenpfade verunsichert mich derart, daß ich die Entscheidung ... ‘wohin ich mich wenden soll?‘ ... delegieren muß: Schamlos nutze ich die profunden Ortskenntnisse des weit vor mir einher marschierenden Brikha ... den ich allerdings nicht frage! Nein - ich LESE (wie sich das in dieser Region gehört) ‘die Zeichen der Natur!‘ Oder genauer: Die mich umgebenden, natürlich klingenden Zeichen! Carmen & Brikha gönnen sich heute besonders viele Pausen - die eine/r der beiden regelmäßig nutzt, ‘dem grandiosen Himalaya-Panorama durch Intonieren orientalisch-anmutender Melodielinien auf Carmens indischer Holz-Querflöte das noch fehlende SAHNEHÄUBCHEN aufzusetzen‘! Und - abgesehen vom künstlerischen Hochgenuß ist das Flötenspiel (Zusatzeffekt!) für mich auch ‘richtungsweisend‘. Übrigens: Das Sahnehäubchen schmeckt besonders SÜSS (‘Sorry, Carmen!‘) ... äh ... wenn Brikha spielt! Um Elf Uhr erreiche ich den gut markierten Startpunkt des letzten, EXTREM steilen Anstiegs: vornehmlich hohe Naturstein-Stufen (oder große, schlicht übereinandergehäufte Felsbrocken) legen eine serpentinenartig verlaufende Spur in den sich zunehmend dichter & dunkler präsentierenden ‘Ur‘-Wald - der ‘Voraus‘-Blick reicht jeweils nur bis zur nächsten, nahen Treppenkurve - der Berggipfel (sowie die bis zu dessen Erreichen noch zu bewältigende UNGEFÄHRE Entfernung) ist nicht mal zu erahnen - alle zweihundert Meter presst mir mein ‘spürbar an seine Grenzen gelangender, schlapper Körper eine Hechel-Pause ab‘. Obwohl - soo schlimm kann’s nicht gewesen sein: RAUCHEN geht noch! Aber ... ... das geht ja eigentlich auch immer ... Meine Schritte werden noch kürzer (soweit es der Trail-Verlauf & die Abmessungen der ‘jede westliche Industrie-Norm deutlich übersteigenden‘ Naturstufen zulassen!) - währenddessen sinkt die Temperatur spürbar (Bloody Cold Sweat - but No Tears: So Far!). Mehrfach bin ich mir SICHER: ‘DAS ist sie ... ... die ALLERLETZTE Kurve!‘ Naja - zumindest solange, bis mir der erste Blick um den Scheitelpunkt der Wegbiegung herum gelingt & klarmacht ... Ich bemühe mich GANZ BEWUSST so kraftsparend & langsam wie irgend möglich zu klettern (fast ein Wunder, daß ich überhaupt noch vorwärts komme!) - denn ich will mir die trotz aller Anstrengung doch zuallererst grandiose, atemberaubend-schöne & atmosphärische Gipfelbesteigung nicht durch ein ‘negatives Kharma‘ zerstören lassen (durch Gedanken wie: ‘Hoffentlich bin ich bald ... endlich ... ungefähr genau jetzt ... DA! Bitte laß mich, wer auch immer Du sein magst, nur Ankommen!‘). Als sich schließlich DOCH ‘der Wald teilt‘ (& sich die ersten Gasthäuser & Hotels mit ihren durchweg Superlativ-Lagen zu erkennen geben) ... ... bin ich allerdings SCHON erleichtert! Nachdem ich die wichtigsten infrastrukturellen Fragen geklärt habe (Wo geht’s zum Poon Hill ...? Wie heißt die höchstgelegene Lodge am Poon-Hill-Aufstieg ...?), lasse ich mich von einem Exil-Tibeter auf die Terrasse seines kleinen Restaurants dirigieren. Naja - allzuviel Überredungskunst (seinerseits) bedarf es dazu allerdings nicht: ... ich befreie die qualmenden Socken von den dampfenden Schuhen, ... schäle meine stinkenden Füße aus den qualmenden Socken heraus (Ja! Ich bin der EINZIGE Gast & war es - NEBENBEI BEMERKT - auch schon vorher!), ... fahre meine schmerzenden Beine aus & ... ... bette meine stinkenden Füße auf einen, augenblicklich sich smog-gelb verfärbenden Holzschemel. DANN (erst) spendiere ich mir eine Brotzeit (‘Nie war sie so verdient wie heute!‘), die ich - aus zugegeben: sehr verschiedenen, keineswegs jedoch zufälligen (weil jeweils einem individuellen Zweck verpflichteten) Bestandteilen - sorgsam zusammenkomponiere: erstens eine sättigende Gemüse-Terrine - zweitens ein mein spirituelles Empfinden an diesem besonderen Ort sensibilisierendes, tibetisches Brot (mit Honig als Nektar-Ersatz) - & drittens (mein Bewußtsein augenblicklich spürbar erweiternde, weil UNGLAUBLICH REINKNALLENDE) mehrere Gläser Home-Made Wine ... Nach einer entspannenden Tagebuch-Stunde KÜNFTEN (gegen Ein Uhr) auch Carmen & Brikha am Berggipfel AN. Hm - während meiner letzten anderthalb Stunden im Gelände muß ich doch sehr viel schneller vorangekommen sein, als ich es subjektiv empfunden habe! Normalerweise ‘macht‘ Brikha immer ‘das Quartier für die Nacht‘ ... vermutlich bei befreundeten Gasthaus-Besitzern, mit für ihn günstigen Absprachen (wogegen natürlich nichts einzuwenden ist, solange die Unterkunft okay ist). Heute aber ist Carmen mit Brikhas Snow-View-Guest-House-Vorschlag nicht einverstanden (warum auch immer ...?). Sie schließt sich mir (und/oder meinen praktischen Erwägungen den morgigen, frühen Poon-Hill-Aufstieg betreffend?) an & wir stapfen hügelanwärts zur brandneuen Top-Hill-Lodge: Das einfache, sehr rustikale Holzgebäude bietet ... spartanische (aber für nur eine Übernachtung völlig ausreichende) ‘Zimmer im gehabt-bekannten Boxen-Stil‘ sowie ... einen großzügigen, atmosphärischen Speise- & Aufenthalts (mit zentralem ‘Boller-Ofen‘ & gemütlicher, natürlich fell-bezogener Sitzgruppe) - kurzum: A richtige, g’miatliche Schi-Hitten - fast wia dahoam! Bei unserem Eintreffen in der ‘Alpen-Lodge‘ sind wir noch die einzigen Gäste - das wird sich im Laufe des Nachmittags aber noch ändern: unter anderem trifft eine Gruppe netter ‘Hard-Core-Japaner‘ ein, die mit großem Gepäck (Zelt, Schlafsack & Kochgeschirr) die Himalayas durchtrekken - sie sind nun bereits das sechste Jahr (In-A-Row) in den nepalesischen Bergen & unternehmen extreme Hochlandtouren (knapp unterhalb Bergsteig-Niveau) in Regionen zwischen 4.000 & 6.000 Höhenmetern - dieses Jahr steht der Trekk zum schwer zugänglichen Dhaulagiri-BaseCamp auf dem Programm, das sich am nordwestlichen Fuß des Achttausenders befindet & ... vom Kali Gandaki startend, ein Übersteigen der Dhaulagiri-Range (mit dem 5.130 Meter hohen French Col) erfordert! Apropos: Ich bin den ganzen Vormittag in einem euphorischen Hochgefühl marschiert - denn in der vorigen Nacht habe ich endlich eine Entscheidung darüber getroffen, wie es mit uns (meiner Reise & mir) weitergehen soll! Wenn mein Nepal-Visum am kommenden Freitag abgelaufen sein wird, geht’s weder nach Bangladesh, noch nach Myanmar - sondern (Na ...? Spannung!) ... ... genau: nach NEPAL! Ich werde mein Visum um einen Monat verlängern, noch mindestens zwei Trekking-Touren unternehmen & GANZ EINFACH die berauschende Natur, die grandiosen Berge, die himmlische Ruhe sowie (... & das ganz besonders: ‘Wollie!‘) die geräusch- & abgasarmen, weil autofreien (!) Himalaya-Wandergebiete genießen! DENN ... warum soll ich mich (verdammt-nochmal!) durch die ‘monsun-geschüttelten Wetter-Krisengebiete Südostasiens’ quälen, obwohl ich (verdammt-nochmal!) gar keine Lust habe? Für wen (verdammt-nochmal!) mache ich eigentlich diese Reise? ALSO ... ... werde ich auf mich & mein Gefühl HÖREN! Hm - es tut GUT, eine Entscheidung zu treffen (besser ist eigentlich nur noch, eine Entscheidung zu treffen, von der man WEISS, daß sie die RICHTIGE ist - hm ...). Back ... ... to the Chronicles! Nach einem kurzen Plausch mit den Japanern (auf der abendsonnen-überfluteten & doch mittlerweile recht kühlen Holzterrasse vor unserem Gasthaus) unternehme ich einen kleinen Twilight Walk durch die beiden, sich an den Fuß des Poon Hill schmiegenden & gemeinsam Ghorepani bildenden Bergdörfer:
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Beide präsentieren sich extrem touristisch & haben außer einer Unmenge Restaurants & Herbergen (die zudem in der Mehrzahl geschlossen sind: Season is Over!) rein gar nichts Interessantes zu bieten - nicht einmal ‘ein winziges Hindu-Tempelchen‘ vermag ich zu entdecken. Nur mäßig enttäuscht (weil: da ist ja schließlich noch die spektakuläre Berglandschaft, gell?) klettere ich poon-hill-anwärts zurück in mein ‘guesty Home-House‘ & breite mich am bereits wärmend-bollernden Ofen aus ... ... in Gesellschaft einer Riesenportion Macaroni mit Käse, Kaffee mit Apfel-Brandy (was ‘das Ausbreiten‘ erheblich beschleunigt!) sowie einer Talkrunde, die der gestrig-abendlichen zum Verwechseln ähnelt: bis auf die beiden Protagonisten (äh: um die es hier geht) ziehen sich (wiederum) alle Nebendarsteller recht früh in ihre Zimmer zurück ...!? Unser Herberger erteilt uns letzte ‘Security-Instructions‘ (‘Please - lock the Front-Door TWICE!‘) - versorgt uns mit sämtlichen verfügbaren ‘Convenience-Products‘ (Kerzen & Wolldecken) - dann verabschiedet auch er sich mit einem freundlichen ‘Have a Good Night!‘ Langes Gespräch sowie Apfel-Brandy pur. Schließlich OUTET Carmen ihre geheimsten, bislang erfolgreich vor mir geheimgehaltenen Geheimnisse: ... & zwar die aus den niedersten Niederungen ihres Rucksacks hervorgekramten ‘Mother-Mari‘-Reserven! ‘Super(a)-Natural & Peaceful Atmosphere!‘ Definitiv EINS ... ... mit dem Kosmos! Ich genieße den Augenblick - stelle jedoch zwischendurch verwundert fest, daß ich mich wundere, WIE - WER - WO & WANN - WARUM - von WEM (?) zusammengeführt wird. Ein Wunder ...? Tja - & schließlich (be-)finden wir (beide ziemlich ‘Stoned & Filled-Up‘) uns ... ... unter einem betörend-illuminierten, prallen Sternenhimmel durch die klare Bergluft stapfend: Late-Night-Walk around the Lodge. Und ... ... es passiert nicht, was doch so natürlich erscheint! Wir umarmen uns, drücken (‘Gimme a Hug!‘) & wärmen uns gegenseitig ... ... bevor wir später auf unserer ‘Gras-Wolke‘ ins Gasthaus zurückschweben & uns (sehr viel später!) mit eindeutig ERLEUCHTETEM Gesichtsausdruck in unsere jeweiligen ‘Holzkisten‘ verabschieden. Ich liege noch lange wach (aufgewühlt & trotzdem entspannt!), lausche der geräuschlosen Stille der mich umgebenden Bergwelt & ... ... schlafe irgendwann (weit nach Mitternacht!) mit der Gewißheit ein, daß dies eine sehr kurze Nacht werden wird (der Wecker ist auf Vier Uhr vorprogrammiert!). Also: Morgen Früh ... ... ‘the Unexplainable Magic of Him-A-Laya - Part Two!‘ |
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... Wie gehabt - mein Wecker darf ums Verrecken nicht tun, was eigentlich seiner Bestimmung entspricht: nach SEHR kurzer Nacht bin ich um Halb Vier Uhr wach & stelle mit hilfloser Bestürzung fest, daß meine Zigaretten ALLE sind! SHIT! Aber HIER OBEN, in den ‘Definitely Magic Himalayas‘ reicht es vollkommen aus ... kurz die Augenlider niederzuschlagen, ... die Arme leicht in Richtung schneebedeckte Berggipfel anzuheben & leise (dem zuständigen Berg-Gott zugewandt) vor sich hin zu flüstern: ‘Send me an ANGEL!‘ ... ... & schon schwebt die passionierte ‘Nicht-(Zigaretten!-)Raucherin‘ Carmen durch den Türrahmen & hilft mir mit ihren Airport-Duty-Free-Camels aus. Hm - eigentlich ziemlich nett - oder ...? Während Carmen ihre Sachen zusammenpackt (den Zauberstab, ein frisches Paar Ersatz-Flügel sowie diverse Klein-Utensilien) sitze ich schweigend, aber rund-um-glücklich (weil PAFFEND!) im Schein zweier Kerzen vor dem erkalteten ‘Boller-Ofen‘ - kurz nach Vier Uhr brechen wir auf. Zwar zeichnet sich (in der sehr zaghaft einsetzenden Morgendämmerung schwach, aber erkennbar) vor den Bergen leichte Bewölkung ab - aber wir lassen uns nicht beirren & machen in Optimismus! ULLA - Deine ‘Mega-Lite’-Taschenlampe ist übrigens echt Mega-Super-Klasse! Der von ihr produzierte, messerscharf die tiefschwarze Nacht zerteilende Lichtkegel endet zwar abrupt nach fünf Metern (& kommt über einen Maximalradius von fünfzig Zentimetern nicht, jedenfalls nicht sichtbar hinaus) ... ... aber sie läßt uns trotzdem den Trampelpfad (durch stockfinsteren Wald berganwärts zum ‘Scenic View Point on Top of Poon Hill‘) SICHER ... äh ... geradezu BLIND finden. Während des Aufstiegs versuchen vier oder fünf verschiedene, quasi Spalier stehende Aussichtsplattformen uns ihre überragenden Vorzüge nahezubringen - nach kurzer, wortloser Diskussion entscheidet sich das Expeditionsteam aber jeweils (& ohne Gegenstimme) für das ‘nächst höhere Niveau‘. Knapp vierzig Minuten nach dem Startschuß ist der Gipfel erstürmt & ... ... ALLE MEINE (während der zurückliegenden Woche nur partiell sich zeigenden) BERGE haben sich WOLKENBEFREIT (einen übersichtlichen Halbkreis bildend) vor & für uns eingefunden - & zwar (von West nach Süd-Ost):
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- zunächst der Dhaulagiri, der mit Abstand Beeindruckendste - er hat sich jeden sichtbehindernd-vorgelagerten, flacheren Gebirgszug verbeten & präsentiert sich als einziger ‘... von Kopf bis Fuß‘, - gefolgt von Mount Tukuche, der mit seinen charakteristischen, knapp unterhalb des Gipfels (selbst mit bloßem Auge deutlich erkennbar) horizontal verlaufenden Schnee- & Eis-Schollen an einen Gletscher erinnert, - im Nordosten sich anschließend der seit Jomsom ständig in meinem Blickfeld befindliche (& ‘... bis zum Erbrechen‘ fotografierte: Not Really!) Mount Nilgiri mit seinen drei ‘In-Reihe‘-angeordneten Gipfeln, - dann die verwirrend unüberschaubare Gipfel-Kollektion der Annapurna Range (da Annapurna-South unsrem Standort am nächsten liegt, ist ER noch am leichtesten zu identifizieren), - & schließlich in südöstlicher Himmelsrichtung der alleinstehende (Don’t you have Friends?), kantig & unbezwingbar wirkende, ob seines charakteristischen Doppelgipfels auch ‘Fishtail‘ genannte Mount Machapuchre, der als einziger Himalaya-Riese ‘... seinen Meister noch nicht gefunden hat‘ (denn er wehrte sich anläßlich der ersten, fehlgeschlagenen Expeditionen so heftig & erfolgreich, daß er heute - von Staats wegen verordnet - in Ruhe gelassen wird). Da es bei unserem Eintreffen bereits relativ hell ist, beeile ich mich, ein paar unterschiedlich brennweitige Stativ-Aufnahmen zu schießen: WAHNSINN! ... ... (auch) wie die mit rasantem Tempo dem Himmelszenith zustrebende Morgen-Sonne den Anblick der Berge, die schon Sonnenlicht-Einstrahlung erfahren, innerhalb von Sekundenbruchteilen verändert! DANN geht die Sonne auf - oder genauer: sie zeigt sich in unserem eingeschränkten Blickfeld. Vom Poon Hill aus betrachtet erscheint sie exakt am oberen Ende des Machapuchre-‘Fischschwanzes‘ & verleiht diesem (während der letzten Sekunden unmittelbar vor dem ‘finalen Sichtbar-Werden des Fixsterns‘) einen zwar deutlich erkennbaren, nichtsdestotrotz aber vollkommen IRREAL anmutenden Strahlenkranz (was ‘... was von amerikanischer Freiheitsstatue in Nepal‘ hat):
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Ich passe EXAKT den ersten Spalt uns treffender Sonnenstrahlen ab & schieße drei schnell aufeinanderfolgende Aufnahmen - anschließend sind sowohl Machapuchre als auch sämtliche Annapurnas FOTOGRAFISCH für mich gestorben ... ... denn sie verschwinden in einem grell-gleißenden Lichtblitzgewitter & sind somit (wenn überhaupt) nur mehr für diejenigen ‘unvorsichtigen Blinzler‘ wahrnehmbar, die sich dem hochgradig-wahrscheinlichen Risiko einer zumindest ebenso hochgradigen Netzhaut-Verätzung aussetzen wollen. Die Aussichtsplattform hat sich zwischenzeitlich (von uns zunächst nahezu unbemerkt: Naja - wir hatten Wichtigeres zu tun ...) mit Menschen gefüllt. Etwa zwanzig weitere Berg-FreundInnen fühlen (mit uns), daß sie sich an einem VERY Special Place befinden: Man schießt diverse Einzel- & Gruppenfotos voneinander (obwohl sich unter ‘man‘ kein einziger Japaner befindet) & plaziert die Berge als Staffage in den jeweiligen Bild-Hintergrund. Hm - umgekehrt wäre ja eigentlich angebracht! Aber die stoischen Riesen KANN man nicht beleidigen & sie, die ‘weisen Riesen‘ setzen (um ihre auf jahrmillionenalter Erfahrung beruhenden Überlegenheit WISSEND) auch die entwürdigendsten Regieanweisungen der Hobbyfotografen geduldig in grazile Berg-Posen um.
  
Apropos ‘grazile Berg-Posen‘: Um Halb Acht Uhr reißen wir uns schweren (gleichzeitig aber eindeutig leicht-beschwingten) Herzens vom Anblick der Berge los & marschieren langsam unserem verdienten Frühstück entgegen. Langsam vor allem deshalb, weil Carmen partout ‘... noch den einen & den anderen Standpunkt loswerden will‘. Und DAS GEHT (wie der Begriff schon vermuten läßt) NUR IM STEHEN! Hm - wir diskutieren also (übrigens ziemlich konträr!) Themen wie ... ... Chancengleichheit in der Welt, ... Glück & Unglück, das laut Carmen nicht existiert, da jede/r (im Guten wie im Schlechten!) bekommt was sie/er verdient ... naja - halt diese die bestehenden Verhältnisse so toll rechtfertigende ‘Kharma-Kacke‘, ... ‘Gott‘ oder wie auch immer mann/frau dieses allwissende & ordnend eingreifende ‘Thing Beyond Everything‘ nennen mag - ich erkläre Carmen, daß ich an Gott nicht glauben KANN, weil es ihn entweder nicht gibt oder aber er läßt die Dinge geschehen, die tagtäglich geschehen & dann ist er’s nicht wert, daß ich an ihn glaube! Und so weiter (& kein Ende) ... Immer wieder bleibt Carmen in (trotz kämpferischem Habitus!) ... äh ... ‘graziler Jeanne d’Arc-Berg-Pose‘ mitten auf dem Trail stehen - bis ich ihr erkläre, daß ich zwar GERNE mit ihr weiterdiskutiere: Aber nur bei einem Kaffee ... ... den ich jetzt mehr als alles andere brauche UND an dessen Existenz (ja mehr noch: an dessen Wirkung) ICH GLAUBE! Um Halb Neun Uhr (ich habe es schon kaum mehr zu hoffen gewagt!) erreichen wir unsere Lodge: ENDLICH Frühstück! Aber bereits eine halbe Stunde später verabschiede ich mich von Carmen & den anderen. Plötzlich habe ich es sehr eilig ... schließlich habe ich heute noch eine lange Etappe (zwar nur bergab, aber mehr als zwanzig Kilometer!) sowie die abendliche Busfahrt von Birethanti nach Pokhara vor mir. Brikha (der es wissen muß) meint schulterzuckend: ‘Six Hours Fast Walking!‘ Brikhas Nepali-Maßstäbe auf mein ‘noch-ach-so-junges, mitteleuropäisches Trekking-Weltbild‘ übertragend, rechne ich insgeheim mit acht bis neun Stunden (im Laufschritt!) ... ... bin dann letztlich aber doch überrascht, wie schnell ich vorankommen KANN, wenn ich den Trail nicht permanent durch den Sucher meiner Kamera betrachte: Naja - zunächst führt der Weg durch dichten, unfotogen-dunklen Wald. Die später folgenden Hügel & Täler sind eindeutig weniger spektakulär als die im Laufe der zurückliegenden Woche bereits gesehenen (& zu genüge abgelichteten) Motive! ALSO: ‘Laß Stecken!‘ Meine Mittagspause hatte ich eigentlich in Ulleri (zwölf Kilometer südöstlich von Ghorepani) ...
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... verbringen wollen. Da ich dort jedoch schon vor Zwölf Uhr EINLAUFE, beschließe ich, bis Tirkhedhunga durchzumarschieren. Tja - mehr als vier Kilometer pro Stunde (!) ist mit den ächzend & stöhnend (& doch ‘nur-mal-gerade-so‘) geschafften zwei Stunden-Kilometern ‘im Berg‘ (rauf nach Ghorepani) nicht zu vergleichen. Zwar ist’s hügelabwärts kaum weniger anstrengend als Uphill (vornehmlich für Knie & ‘Unterhaxen‘) ... ... ‘s geht aber überraschenderweise doch ERHEBLICH schneller! In Tirkhedhunga werde ich von einem idyllisch oberhalb eines steilen Wasserfalls residerenden Gasthaus zur Rast geradewegs GENÖTIGT. Auf die ‘üblichen Lunch-Time-Rituale des gemeinen Trekkers‘ hat die einzigartige Lage des Restaurants jedoch nur wenig (bis gar keinen) Einfluß: ... Schuhe & Socken lüften, ... Blasen an den Füßen notdürftig verarzten, ... Beine lockern & Rücken entkrampfen ... sowie (last but not least) Zufuhr von festem & flüssigem Brennstoff in ... äh ... Mengen! Als ich mich eine faule Stunde später wieder ‘... auf die schweißnassen Socken begeben will‘, spüre ich augenblicklich (allerdings jetzt erst!) WIE TIEF der brutale & kraftraubende Abstieg von Ulleri nach Tirkhedhunga (vierhundert Meter Höhendifferenz über eine einzige, endloslange Natursteintreppe!) noch in meinen Knochen steckt. Gott-sei-Dank (!) aber ... ... liegen die extremen Gefälle nun hinter mir & in der Folge registriere ich (eindeutig erleichtert!), daß der Trail harmonisch & nur noch leicht abschüssig durchs sich abflachende Gelände führt. Ich folge dem Flußlauf des Bhurungdi Khola, überquere ein paar kleinere, unspektakuläre Brücken & sehe PLÖTZLICH (meinen Augen kaum trauend) eine gut zwei Meter (!) messende, schmutzig-braune Schlange, die sich (knapp zehn Meter von mir entfernt) blitzschnell, in vier oder fünf raumgreifenden Schwüngen über den Trail windet & dann ebenso blitzschnell in einem dichten Maisfeld verschwindet! Hm - bis ICH allerdings die Kamera aus meinem Rucksack befreit & in Anschlag gebracht habe ... ... FORGET IT! Um Halb Vier Uhr erreiche ich (zumindest mittelschwer fußkrank) Birethanti:
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... meinen finalen Trekking-Zielort - in dessen Nähe nicht nur der Bhurungdi Khola dem aus den Annapurnas talwärts stürzenden Modi Khola zufließt (bevor dieser zehn Kilometer weiter südwestlich ‘meinen Kali Gandaki‘ speist), sondern auch die Busse des ‘Baglung-Pokhara-Highways‘ trekkingmüde Passagiere auflesen & in deren komfortable Pokhara-Unterkünfte befördern. Aber SO WEIT BIN ich noch nicht: Vorher kehre ich in einem Riverside-Café auf Snack & Kaffee ein. Ich MUSS vor Antritt der zweistündigen Busfahrt meine steifen Knochen noch einmal lockern (schließlich ist mir der nicht-vorhandene Sitzkomfort in nepalesischen Bussen mittlerweile hinreichend bekannt). Kaum habe ich mich (mäßig erholt) wieder in Bewegung gesetzt, da vernehme ich die ersten unzweideutigen Geräusche & ... ... kurz darauf erblicke ich DAS TEUFELSWERK: Die zurückliegenden (immerhin sechs!) autolosen Tage sind zwar nicht vergessen, plötzlich aber unendlich FERN! Augenblicklich fühle ich mich in die ‘wirkliche (die blecherne) Steinzeit‘ zurückgeworfen & würde am liebsten (spielten meine Füße nur mit) gleich wieder kehrtmachen. Verzweifelt (weil HILFLOS) halte ich Ausschau nach einem Schwächeren, an dem ich meine miese Laune abreagieren kann. Hm - da kommen mir die in Fantastilliarden-Stärke den Straßenabschnitt beackernden ‘Taxi-Schlepper-Stellvertreter-Sündenböcke‘ gerade recht, die (meinen rachsüchtig-kämpferischen Blick eindeutig mißinterpretierend) glauben, in mir ein willfähriges Opfer vorzufinden, mich mit ihren filigran abgestuften Argumenten zu überreden suchen & mir (psychologisch durchaus geschickt) zu verstehen geben: - daß kein öffentlicher Bus fährt! ‘I Will Go by Public Bus!‘ (GRINS!), - daß dieser, falls denn doch einer fahren sollte (wie?), sehr lange braucht & zudem unbequem ist! ‘I Will Go by Public Bus!‘ (GRINS!), - daß ein Taxi auf dieser Strecke ungewöhnlich billig ist! ‘I Will Go by Public Bus!‘ (GRINS!), - daß, falls es eine Frage des Geldes ist: ‘No Problem, Sir! How much can you pay? How much are you WILLING to pay?‘ ‘I Will Go by Public Bus!‘ (GRINS!). Nach einer (für mich) recht kurzweiligen Dreiviertel-Stunde ‘... klappert eine klapprige Klapperkiste um die Kurve‘ & ... (GRINS!): I DO Go by Public Bus !!! Die hintere Sitzbank ist vollkommen verwaist: Ich flegle mich in die ‘kuschelig-bequemen Hartschalen-Sitze‘, strecke meine langen Beine LAAANG aus (Nein - die nach krebsbefallener Bauchspeicheldrüse stinkenden Socken-Rudimente belasse ich ausnahmsweise in meinen, allerdings einen ähnlichen Geruch verströmenden Schuhen!) & ... lasse ein vernehmliches, meine Gemütsverfassung exakt wiederspiegelndes ‘UFF!‘ erklingen. Anderthalb Stunden KRAXELT das Bus-Ungetüm durch & über die weitgeschwungenen Serpentinen der malerischen ‘Vorgebirgs‘-Landschaft, bevor wir den etwa drei Kilometer nordöstlich meiner ‘Lake Side Area‘ befindlichen Überlandbus-Bahnhof Pokharas erreichen. Aber die Vorfreude auf eine endloslange Dusche läßt mich auch diese allerletzte Etappe meiner Trekking-Tour noch locker (keinesfalls zu verwechseln mit ‘locker‘) marschierend bewältigen. Einkauf von Kuchen & Bier (‘Strange, but winning Combination!‘) im Stamm-Kiosk ‘... just beside my Guest-House‘. Auf meinem Balkon (MEIN GOTT - bin ich wieder besitzergreifend: meine ‘Lake-Side-Area’, mein Gasthaus, mein Balkon ... & jetzt auch noch mein Gott !?) hocken drei EngländerInnen, die ich heute Morgen auf dem Poon Hill kennengelernt habe (Wieso sind die eigentlich schon hier? Tja, vermutlich auf die Taxi-Mafia reingefallen!). Auch der junge Besitzer der Klause schaut vorbei & beteiligt sich lebhaft an der unvermeidlichen, ausführlichen & superlativen Schilderung unsrer morgendlichen Eindrücke: Hm - mir drängt sich der Eindruck auf, daß ‘mann‘ (wenn ‘mann‘ in den Bergen war) von den Einheimischen IRGENDWIE ANDERS gesehen & behandelt wird ... ... eine (leicht) geheimbündlerische Atmosphäre erfüllt die Luft! Allerdings bin ich heute Abend ...
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... nicht mehr willens (& schon gar nicht in der Lage), mir über solche Beobachtungen Gedanken zu machen, denn mein restliches Abendprogramm läßt sich kurz, knapp & WAHR wie folgt zusammenfassen: Tür Auf! - Horst Rein! - Tür Zu! - Shower: GO! - Bier Auf! (‘Zisch ...‘) - ‘Gluck- Gluck‘! Prassel-Prassel! Schmatz-Schmatz! - äh ... (mindestens) noch einmal ‘Gluck-Gluck‘! - schließlich einmal NUR (aber richtig!): ‘RÜÜÜLPS!‘ (Oh, Sorry!)... ... & (bereits kurz darauf) DANN: SCHNARCH - Schnarch - schnarch ... |
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