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Buch    Asia 14      II

NAGARKOT -ANFANG & ENDE DES UNIVERSUMS !
ODER: DIE SCHNEEBEDECKTEN HIMALAYAS ...
...
NOCH AUS DER FERNE (& DOCH SO NAH) !

... von Kathmandu zum Himalaya-ViewPoint
in Nagarkot ... & zurück (Nepal)

Karte-Story14

Donnerstag, 16. Mai bis Samstag, 18. Mai 1996:

Nach 8 ... in Worten: acht (!) Tagen am gleichen Ort (einsamer Rekord meines mittlerweile dreimonatigen Asien-Trips) werde ich heute mal wieder ’die Straße schlagen’ - trotzdem lasse ich mir absichtsvoll jede Menge Zeit. Bis Nagarkot sind’s nur etwa 30 Kilometer & ...
... obwohl ich den komfortablen Touristen-Direktbus natürlich verschmähe, sollte es möglich sein, die zwei-etappige Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln (über Bakhtapur, wo ich nicht ohne Grund in einen kleinen, wendigen Minibus umsteigen muß) in einer knappen Handvoll Fahr- & Warte-Stunden zu schaffen: meine Befürchtung ist weniger ein verspätetes, als ein zu frühes Eintreffen in Nagarkot!
AUSSCHLAFEN - Duschen - den großen Rucksack packen & an der Rezeption deponieren (’Bye, Madhu! See you on Saturday!’ ’Have a Nice Trip!’) - mit leichtem Reisegepäck zum Green-Leaves-Restaurant, meinem derzeitigen Frühstücks-Favoriten ... heute ist der Lautstärkeregler der Musikanlage in Relation zur Qualität der Boxen jedoch eindeutig überzogen: Big & Noisy Schepper!
Daher gehen meine Füße letztlich doch bereits relativ früh (um Zehn Uhr) SELBSTÄNDIG die bekannte Touri-Strecke ... zunächst zum Hanuman Dhoka ...

AS0820-KathmanduSelbstportraitAmDurbarSquare


... & dann der New Road bis zum Thundikel-Stadtpark folgend - wo sich (IRGENDWO!?) der alte Busbahnhof verstecken soll: Der Startpunkt aller Kurzstrecken-Busse mit Zielorten im Greater Kathmandu-Valley.
Kaum zehn Minuten später darf ich die vorderste Sitzbank eines uralten ’Tata’-Busses mein Eigen nennen & (entspannt die Beine übereinanderschlagend) an einer Stadtrundfahrt teilnehmen, die auch entlegene Vororte der nepalesischen Kapitale geschickt in eine letzlich doch immer wieder am Thundikel endende ’Bumerang’-Route einbaut: Es muß doch IRGENDWO in dieser Stadt zumindest ein paar Menschen geben, die IRGENDETWAS in Bakhtapur zu erledigen haben ...!?
Schließlich verliert unser Fahrer die Geduld (vermutlich ist ER der einzige, der ETWAS ...) & wir bewegen uns zunächst unmerklich, letzten Endes jedoch unleugbar zielgerichtet vom Stadtzentrum weg. Nachdem wir den Tribhuvan Airport passiert haben, führt die Straße in hügliges, durchgängig bewaldetes Terrain - kaum habe ich damit begonnen mich über & auf die bevorstehende Busfahrt zu freuen ...
... nimmt unser Fahrer den Fuß vom Gaspedal & läßt seine Blechkiste zwischen den ersten Häusern einer unscheinbar aussehenden Ortschaft, die sich an einer langweiligen Straße einen steilen Berg hinaufzieht ausrollen:
’Bakhtapur - Final Destination!’
Ich kann’s gar nicht glauben - frage sicherheitshalber den Busfahrer, ob dies wirklich schon Bakhtapur ist & wenn ja, wo die Busse nach Nagarkot abfahren - aber er zeigt nur gelangweilt den Berg hinauf.
Also: Auf ... äh ... rauf geht’s!
Während der schweißtreibenden Berg- & Beton-Wanderung (mitten durch ein nur mäßig spektakuläres Plattenbau-Wohnviertel) mache ich die Bekanntschaft eines jungen Traveller-Pärchens aus meiner unmittelbaren Heimatregion - sie stammt aus Porz, während er gebürtiger Bonner ist. Kaum überraschend zieht es auch sie ’der grandiosen Himalaya-Views wegen’ nach Nagarkot - noch weniger überraschend haben auch sie keine Ahnung WIE & WO es weitergeht:
Überall sind zwar Busse am Straßenrand geparkt - die befragten Fahrer zeigen jedoch allesamt (sobald wir unser Ziel genannt haben) gleichermaßen stereotyp wie wortlos die brutal ansteigende Straße hinauf!
Etwa drei Marsch-Kilometer weiter IM BERG wird mir endlich ein bereits bis über den letzten Sitzplatz hinaus vollgestopfter Bus als ’mein jeniger welcher’ bestätigt. Während meine deutschen Begleiter die umstehenden Garküchenbesitzer interviewen, lasse ich mich (rauchend ... weil durch streng rituelle Nikotinzufuhr Erleuchtung erhoffend!) UNSCHLÜSSIG im Straßengraben nieder:
VERDAMMT - ich habe nicht die geringste Lust, zusammengepfercht wie in einem mitteleuropäischen Viehtransporter (oder schlimmer noch: mich von außen mit Hilfe  meiner brüchigen Fingernägel in die abblätternden Lackreste der rost-scheckigen Karosserie verkrallen müssend ...) stundenlang & aussichtslos durch die Himalaya-Ausläufer GEKARRT zu werden!
Im exakten Moment meiner maximalen Unschlüssigkeit rollt plötzlich (aus dem NICHTS kommend) ein Pick-Up im Schritt-Tempo die Straße entlang - zwar sind bereits fünf bis sieben der sechs bis acht Sitzplätze (in Asien weiß man das nie SO GENAU!) auf parallel zur Straße angebrachten Bänken vergeben ...
... nichtsdestotrotz erschallt aber von der Ladefläche der vielkehlige, hysterisch & endlos wiederholte Unisono-Zuruf:
NAGARKOT! NAGARKOT!
Kurzentschlossen springen wir auf den sein Tempo kaum verlangsamenden Kleintransporter auf & ...
... eine ’Karusselfahrt der ganz besonderen Art’ beginnt:
Eine 270-Grad-Serpentine schließt sich an die nächste an! Zwar sitzen wir (immerhin!) - allerdings unter einer jegliche Aus- sowie (äh ... besonders von Seeleuten geschätzte!) Weit-Sicht verwehrenden Plastikplane. Und so breitet sich nicht wirklich überraschend schon nach kürzester ’Scooter’-Zeit ein großes & flau-warmes, kaum wohliges, dafür umso säuerlich-galliger (bereits) SCHMECKENDES, nur mit äußerster Konzentration zu unterdrückendes - oder genauer: wieder runter zu drückendes ...
Aber - WER will’s schon so genau wissen!?
Nachdem wir (AUCH) ein Viertel der gut zwanzig Kilometer stetig berganwärts führenden Strecke ’hinter uns gelassen haben’, stoppt der Fahrer abrupt sein Gefährt & würgt im gleichen Augenblick den Motor ab. Diese Art einen Motor abzustellen ist zwar in Asien keineswegs ungewöhnlich ...
... die bloße Tatsache, daß er dies macht, ist allerdings extrem beunruhigend - deutet sie doch auf einen SEHR langen Aufenthalt hin ... & wirklich:
Kurz & knapp wird uns mitgeteilt, DASS DIE STRASSE HIER ENDET!
Marc (der junge Bonner, der zwei Jahre in Nord-Indien gelebt hat & fließend Hindi redet) befragt unseren sauer wirkenden Chauffeur & bringt in Erfahrung:
100 Meter oberhalb unseres Standorts hat ein anläßlich des gestrigen Gewitters ausgelöster Erdrutsch einen etwa zwei Meter tiefer Riss (der über drei Viertel der Straßenbreite verläuft) in den vormals glatten Pisten-Asphalt gefräst. Zwar sind die Straßenausbesserungsarbeiten bereits in vollem Gange - diese (die Reparatur) ...
... ’kann aber noch dauern!’.
Hm - bis Nagarkot sind es noch mehr als zehn Kilometer. Und selbst wenn wir die von einem Helfer des Fahrers grob beschriebenen Abkürzungen (abseits der Straße durch unübersichtliches Waldterrain, mit guten Chancen ’Lost’ zu ’getten’) finden & nutzen, bedeutet das immer noch eine etwa dreistündige, extreme Kletterpartie den steilen Berg hinauf!
FUCK!
Aber - was bleibt uns anderes übrig? Gedanklich bereiten wir uns schon auf einen netten Trekking-Trip durch die glühend heiße Mittagssonne vor (die allerdings durch einen leichten Windhauch ’etwas erträglicher gesäuselt wird’) ... da startet unser sichtlich genervter, zu allem entschlossen scheinender Busfahrer ohne Vorankündigung einen akrobatischen Versuch, den Graben über den äußersten (abhangseitigen!) Straßenabschnitt zu umfahren:
Im Schneckentempo Zentimeter um Zentimeter nach vorne hüpfend - gleichzeitig nur Millimeter vom steilen Abhang entfernt (sich zeit- & teilweise gar in scheinbar gravitationsloser Schwebe befindend) - aber ...
... (& das ist vermutlich das den Ausschlag gebende - oder genauer: den eben gerade nicht!) mit der lautstarken, verbalen Unterstützung zahlloser Ratgeber im anschliessend schweißnassen Rücken ... SCHAFFT ER’S LETZTLICH!
Wir können unsere Achterbahnfahrt fortsetzen & erreichen nach einer weiteren, halben Fahrtstunde die Bus-Endhaltestelle On-The-Hill-Top.
Nagarkot besteht zwar NUR aus schätzungsweise 100 Häusern (von denen mindestens die Hälfte ’Rooms for Rent’ anbieten) - diese verteilen sich jedoch über eine vergleichweise enorme Fläche bis weit in die angrenzenden Hügel hinein. Ach ja ...
... fast hätte ich vergessen zu erwähnen: Beim Verlassen des Pick-Ups muß man sich darauf konzentrieren die Heckklappe mit einem gaaanz großen Schritt zu übersteigen. Irgendein bedauernswerter Passagier (Nein! ICH war’s nicht!) hat im Laufe der Fahrt einen unbeobachteten Moment dazu genutzt, die komplette Rückfront des Busses sehr effektvoll (& ekelerregend!) VOLL ZU KOTZEN.
Hm - wo war ich ...?
Meine rheinländischen Mitreisenden begeben sich umgehend auf Zimmersuche - ich hingegen steuere zielstrebig auf das unmittelbar vor uns sich verlockend präsentierende, supermoderne Himalaya Resort Hotel zu. Ich muß IRGENDWO meine Übelkeit aussitzen & da kommt mir die eine tolle Aussicht bietende Sonnen-Terrasse der Nobelherberge gerade recht:
... ein Kännchen Limonentee, eine halbe Packung ’Shikhar’-Zigaretten, dreimal kräftig durchgeatmet & ...
... schon ist ALLES wieder SUUUPER!
Naja - fast alles: Die schneebedeckten Gipfel sind im wolken- & dunstverhangenen Panorama leider nicht mal zu erahnen (was zu dieser späten Tageszeit jedoch NORMAL sein soll - also: Keep Cool!).
Wiederhergestellt sage ich dem Hedonismus leichten Herzens ’Goodbye’ (zwar war die Toilette echt klasse - der Tee mit 80 Rupees aber schon nicht mehr normal, sondern unverschämt überteuert!). Bereits die erste Nachfrage in meinem Viertel fördert ein akzeptables Zimmer zutage - aber ich WILL nicht:
Es ist noch früh & wer sagt denn, daß ich immer in der erstbesten Lodge absteigen muß? Von der ich zudem nur weiß, daß sie die erste ist ...
... aber ist sie auch wirklich die BESTE?
Ich folge einem beschwerlichen, steilansteigenden Trampelpfad (Ich will ganz nach OBEN!) & gebe mich erst zufrieden, als ich am höchsten Punkt des Hügels vor den Peaceful Cottages stehe. Die kleinen, einfachen Zimmer sind zwar nur mit Sperrholzplatten (immerhin aber deckenhoch!) voneinander abgetrennt & die Gemeinschafts-Dusche befindet sich fernab im Garten ...
... aber all dies spielt keine Rolle mehr, als ich die riesigen Panorama-Fenster in den Zimmern sehe. ’Falls denn die Sicht doch mal mitspielen sollte !?’ ... dann kann ich dem ’Sagarmatha’ (Nepali-Name des Mount Everest) den ersten Morgengruß ohne mich erheben zu müssen bequem von meinem Bett aus rüberschicken!
Ich handle den Zimmerpreis auf knappe drei Dollar runter - ziehe sofort ein & belohne mich (& meine im knallharten Hotel-Wettbewerb einmal mehr Drahtseil-Qualität unter Beweis stellenden Nerven) im cottage-eigenen Café du Mont mit einem sehr guten Chicken Chowmein sowie einer Riesenkanne Kaffee. Hier lerne ich Frank & Ralf (zwei Würzburger auf Individual-Rundreise durch Nepal & Indien) kennen - neben mir sind sie die einzigen Gäste des Hauses. Wir beschnuppern uns  kurz & verabreden uns (lose) für den Abend - dann MUSS ich mich absetzen:
Ich habe eine Verabredung ...
... mit MOTHER NATURE!
Der lange & stetige Abstieg hinunter in die kräftig-grüne Terrassenlandschaft ...

AS0829-NagarkotTerrassenlandschaftAS0828-NagarkotTerrassenlandschaft

... wird von einem im umgekehrten Verhältnis ansteigenden (& sich wohlig in mir ausbreitenden) Hochgefühl begleitet. Zunächst noch eine schiere Unzahl unterschiedlichster Touristen-Herbergen sowie Gehöfte & kleine Steinhütten der Landbewohner passierend, verlasse ich nach zwei Kilometern bewohntes Gelände, schlage einen unwegsamen Trampel-Pfad ein & schlendere (leicht berauscht) durch stark, aber angenehm duftenden Nadelwald.
Plötzlich höre ich einen (unmerklich zwar, aber mit jedem meiner Schritte lauter erklingenden) glockenhellen Chorgesang & ...
... kurz darauf sehe ich sie:
Auf einem großen, flachen Felsbrocken einen Sitzkreis bildend, intonieren fünf oder sechs meiner Vorstellung von nepalesischen Elfen (obwohl: auf einen ‘Brocken’ gehören ja eigentlich Hexen) sehr nahe kommende, junge Mädchen mehrstimmige, schöne Melodiebögen beschreitende nepalesische Volkslieder. Durch die Atmosphäre verzaubert (also doch Hexen ...?) lasse ich mich am Rande des tief unter mir sich ausbreitenden Nagarkot Valley im hohen Gras nieder & lausche dem ’transzendentalen Einklang von Chor & Natur’.
Mich gleichzeitig leer & wohl fühlend beschleicht mich erstmalig die Ahnung, hier in Nepal wirklich angekommen zu sein: obwohl sich die Kette der ’Eisriesen’ weiterhin hartnäckig hinter einer geschlossenen Wolkenbank am fernen, nördlichen Horizont versteckt (für morgen Früh aufspart ...?), geizt mein exponierter Ruheplatz nicht mit spektakulären Panorama-Ausblicken auf unberührte NATUR PUR - soweit mein Auge reicht verunziert kein einziger Hochspannungsmast die wie ein genial-einfaches Kunstwerk Form & Farbe harmonisch kombinierende Landschafts-Topographie & ...
... auch die (auto-) mobilen Vertreter der westlichen Zivilisation sind fürs erste meinem Sichtfeld, meinem Hörbereich & meiner Geruchswahrnehmung entschwunden!

AS0830-NagarkotDorfImTalAS0835-NagarkotSelbstportraitVorBergen

Gerade der krasse Gegensatz zur gestrigen Abend-Stippvisite in G’s Terrace in Kathmandu (’G’ ... wie German) läßt mich diese heutige Nepal-Erfahrung umso intensiver empfinden - ich blättere rauchend (die Zigarettenkippen einsteckend & später in der Hütte entsorgend: natürlich!) in meinem ’Dau-De-Dsching’ - lese zwei Kapitel ’Catch 22’ - & lasse mich erst durch die einsetzende Dämmerung aus diesem friedvoll-idyllischen Natur-Paradies vertreiben. Während des langen Aufstiegs zurück zu meinem Domizil verführt mich ein weithin sichtbares Hinweisschild zu einem kurzen Umweg:
Dem ’Restaurant at the End of the Universe’ (Gruß an D. Adams!) ...

AS0825-NagarkotRestaurantAtTheEndOfTheUniverse


... kann mein Auto-Pilot einfach nicht ausweichen! Zwar läßt mich der (noch) völlig verwaiste Gastraum mein ursprüngliches Vorhaben (ein frühes Abendessen) mangels intergalaktischer &-auch-sonst Atmosphäre aufgeben ...
... ein kosmischer Limonen-Tee im angeschlossenen & ebenfalls menschenleeren, typisch-nepalesisch möblierten Café (sprich: extrem flache Holztische & -sitzbänke, deren Oberflächen mit Teppich ausgelegt sind) überzeugt mich allerdings letztlich DOCH von der wahren Wahrhaftigkeit & Authentizität der an diesem speziellen Ort vorgefundenen Stimmung - am endgültigen, finalen Ende des Universums gähnt vermutlich eine ähnlich große LEERE, oder ...?
NOCH ... aber kann ich’s mir aussuchen - daher zurück ins Cafe du Mont, wo ich mit Frank & Ralf einen gemütlichen ’Hüttenabend’ verbringe:
ausgiebiger let’s-practise-&-improve-our-German-Schwatz!
Die ausgezeichnete Tomatensuppe & eine riesige Käse-Pizza werden auf ihren verschlungenen Darm-Pfaden (Pfaden extremer Darmverschlingung?) von anfänglich noch eiskalten Bieren ... äh ... ’an der Zahl’ begleitet - bis im allabendlichen Berg-Gewitter der Strom & mithin der Kühlschrank ausfällt. Das in der Folge nur mehr lauwarme (magenfreundliche!) Bier ist jedoch kein wirkliches Problem ...
... ganz im Gegensatz zur nun abenteuerlich-gefährlichen Toilettensuche im stockfinsteren Cottage-Garden: über halsbrecherisch immer-an-der-falschen-Stelle-gestufte Pfade & mit einer Kerze bewaffnet, die regelmäßig von der erst-leichtesten Windböe ausgepustet wird.
Anyway! ...
... & trotzdem: Gewitter & Stromausfall haben auch ihr unbestreitbar GUTES! Die im Gastraum zittrig flackernden Kerzen tragen im kongenialen Zusammenspiel mit den imposanten Himalaya-Blitzen (die im rund-um-verglasten Restaurant HAUTNAH zu erleben sind) noch zur Verdichtung der seit meinem Eintreffen in Nagarkot geradezu physisch greifbaren Sittin’-on-Top-of-the-World-Atmosphäre bei. Es ist bereits weit nach Zehn Uhr als uns, den ’always LATE (?) Germans’ der durch dieses, sein Tun bei mir an Sympathie noch gewinnende Kellner bedeutet, ’... daß er nun ... irgendwann ... gerne schlafen gehen würde!?’
FÜR MICH WIRD’S EH ZEIT! Mein Wecker wird mich morgen Früh um Fünf Uhr gnadenlos (weil sich meiner vollen Rückendeckung gewiß sein dürfend) aus den Federn werfen: Ich habe GROSSES vor!
Zu Kerzenschein & Wetterleuchten lese ich noch eine Stunde - beobachte zwei Sternschnuppen (ohne mir etwas zu wünschen!) - bette mich anschließend & prophylaktisch schon mal exakt SO, daß mein erster morgendlicher Blick auf die (hoffentlich sich zeigenden!) Schneegipfel hinübergehen muß - & schlafe dann mit der mir zumindest ein leichtes Kribbeln verursachenden Gewißheit ein ...
... daß ich den WIRKLICHEN Bergen (also: den ACHTTAUSENDERN! Drunter mach’ ich’s nicht ... mehr!) noch niemals so nah war wie heute Abend ...

... Mein Wecker erhält mal wieder keine Chance zu zeigen ... ’was er so drauf hat!’ Um Halb Fünf Uhr werde ich wach - rauche (im Bett liegend) eine ’Mensch-Horst!-Bleib-bloß-wach!’-Zigarette - & baue anschließend mich sowie das Kamera-Stativ auf der großen Dachterrasse meines Hotels auf: Die Umrisse einer gewaltigen, schwarzen Bergkette verlaufen (messerscharf sich vom Nachthimmel absetzend) die gesamte Breite des nahen Horizonts entlang!
Allerdings - naja: halt ... schwarz (?!?) & ... zudem so nah!
Hm - ich hege ernsthafte Zweifel, ob es sich wirklich um DIE Himalaya-Range handelt ...
... oder doch nur um eine kleinere, vorgelagerte & unbedeutende Bergkette?
Punkt Viertel nach Fünf Uhr STEIGT ... der erste, von der exakten Mitte des Horizonts ausgehende Lichtstrahl senkrecht nach oben & ...
... ein junger Israeli (eine dicke Wolldecke um die Schultern geschlagen: Es ist VERDAMMT FRISCH! Ein Kaffee wär’ jetzt nicht schlecht!) zu meinem exponierten Standort hinauf - schweigend beobachten wir das im nächsten Moment einsetzende Natur-Schauspiel:
In dem Moment, da die Sonne urplötzlich von einem schmalen, hellen Spalt zur vollen, gleißenden Rundung oberhalb der Bergschatten anwächst ...
... ist jeder Zweifel beseitigt! Bei der schon vom Bett aus erspähten Zickzack-Linie am Horizont handelt es sich tatsächlich um die Sechs- bis Acht-Tausender des Himalaya-Gebirgsmassivs: GEWALTIG - URWÜCHSIG - MAJESTÄTISCH!
Kein noch so superlatives Adjektiv kann bei ihrem Anblick abgedroschen oder klischeehaft wirken - es ist schlicht wahr: Die gewaltigen Schnee- & Eis-Riesen erheben sich ... ihre beeindruckende Urwüchsigkeit entfaltend ... majestätisch über dem (noch im Schatten befindlichen) Tal.

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Zwischen Fünf und Sechs Uhr ’verknipse’ ich (mal so eben) zwei komplette Filme & hoffe darauf, ... daß der eine oder andere ‘Lucky-Shot’ die Realität wiederzugeben in der Lage sein möge!? Äh - ja ...
Unser anfängliches, NUR-staunendes & uns doch näherbringendes SCHWEIGEN ...
... setzen der namenlose Israeli (der vor einem Monat seinen Militärdienst beendet hat & nun ERSTMAL die Welt bereisen will) & ich nach dem Versiegen sämtlicher, heutiger Natur-Sensationen übrigens NICHT fort!
Netter Plausch:
- über Pokhara & Trekking (mit guten Tips seinerseits ... die mich meiner noch nur vage ins Auge gefassten Berg-Karriere etwas zuversichtlicher entgegensehen lassen),
- über Myanmar/Burma (wo er auch noch hin will ... allerdings plagen ihn ähnliche Zweifel wie mich),
- über den Iran (wo er nicht nur nicht hin WILL, sondern auch definitiv nicht hin DARF: ich bemühe mich nach Kräften, ihm diese Diskriminierung als nicht gar so großes Unglück erscheinen zu lassen)
- sowie über ’Reisen AN’ & das ’Leben FÜR SICH’.
Um Sieben Uhr stelle ich im Erdgeschoß erste Frühstücks-Nachforschungen an - es duftet bereits nach Kaffee & ich ordere ’einmal die größte anzunehmende Kannen-Einheit’. Noch aber stehe ich merklich unter dem Einfluß der morgendlichen, visuellen Eindrücke: Da das Restaurant rund-um-verglast ist & mir keiner der sich im Spiel des Morgenlichts ständig verändernden Mountain-Views verborgen bleibt ...
... renne ich alle zehn Minuten wieder raus und/oder rauf, um dieses ... & letztlich dieses ... & zum Schluß auch noch DIESES Foto zu schießen.

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AS0856-NagarkotHimalayaOst+NebelAS0869-NagarkotGaneshGipfel+SherpasAS0866-NagarkotHimalayaWest

Um Halb Acht Uhr erkläre ich ES für ENDGÜLTIG VOLLBRACHT: Ich genehmige mir ein ausgiebiges Komplett-Frühstück - plaudere (währenddessen) mit Frank - unternehme anschließend einen kurzen Spaziergang zu einem dem Hotel vorgelagerten, bewiesten Hügel (ab & zu ein Foto, Reiselektüre sowie im Schatten eines der raren Bäume dösen) - versuche den Tag bewußt ruhig anzugehen & so das frühe Aufstehen zu verarbeiten ...
Aber alle guten Absichten & Rücksichtnahmen haben nur ein einziges Resultat:
Gänzlich ungefordert sich & seiner Weinerlichkeit überlassen, wird mein schlaffer Körper MÜDER ... & Müder ... & müder (I’m so Tired ... John!). Schließlich sehe ich ein, daß Ankämpfen zwecklos ist - ziehe mich in mein Cottage zurück & falle (am hellichten Tage!) sofort in tiefsten ’Nach’-Schlaf.
Als ich drei Stunden später wieder zu mir komme, fühle ich mich völlig zerschlagen:
Ich brauche einen starken Kaffee ...
... setze mich zu Ralf & Frank (sowie einem kleinen Afternoon-Snack) ins Restaurant & erzähle den dreien (?), was sie heute Morgen alles so verpaßt haben.
Okay - ich übertreibe ein wenig (das mit dem Everest, der immer näher & näher kam & mich schließlich, knapp 500 Meter vor mir stehenbleibend in unverkennbar kölschem Dialekt fragte: ’Wie isset? Joot?’ ... war vermutlich ETWAS zu dick aufgetragen) ...
... aber wenn mir hier eh keiner nichts glaubt, dann kann ich mich auch nach draußen setzen & da weitermachen, wo ich heute Morgen so jäh unterbrochen wurde:
Ich rücke mir einen der sehr bequemen, gepolsterten ’Wooden View-Chairs’ zurecht - genieße die Aussicht ins Tal (& auf eine Adlerfamilie, die unmittelbar vor meinem Blickfeld ihre eleganten, die Thermik nutzenden ’Korkenzieher’-Kreise dreht) ...

AS0871-NagarkotHimalayaAdler


... & schreibe gut gelaunt & die Zeit vergessend ausgiebig Tagebuch.
Ab Fünf Uhr wird’s jedoch empfindlich kühl: ein starker Wind frischt (gleichzeitig!) aus wechselnden (allen!) Richtungen böig auf & kündet das bevorstehende, allabendliche Berggewitter an.
Ich ziehe mich daher in mein Zimmer (das mit der TOLLEN Aussicht!) zurück & gestalte auch den Rest des Tages auf ziemlich faule Weise:
... rauchend, ... lesend & ... blöd (aber wissend) lächelnd.
Übrigens: Bei all diesen, meine volle Konzentration erfordernden Tätigkeiten behalte ich das Panoramafenster sowie (vor allem!) die dahinter befindliche, spektakuläre Landschaft nicht nur permanent ’im Auge’, sondern auch in DEN Sinnesorganen, mit denen man normalerweise nicht sehen kann.
Hm - noch so ein Spruch, der sich wie ein billiges Klischee anhört & doch kann ich meinem israelischen Kollegen nur zustimmen, der heute Morgen ... nach dem überwältigenden Sonnenaufgang ziemlich nüchtern (& keinerlei Einspruch duldend) feststellte: ’This is DEFINITELY the TOP OF THE WORLD!’
Wider Erwarten rapple ich mich nach Acht Uhr doch noch einmal HOCH & gehe (auf eine nicht-identifizierbare, aber gute Pasta-Speise sowie einen Kaffee) RUNTER ...
... ins Restaurant, wo ich mit Ralf & Frank ein langes Gespräch über Lebensentwürfe sowie weitere Reisepläne führe:
- Ralf ist freiberuflicher Datenbank-Spezialist, der immer mal wieder einen mehrmonatigen, gutbezahlten Projektauftrag übernimmt & anschließend ’die verdiente Kohle an möglichst exotischen Orten verfrühstückt’,
- Frank ist als studierter Sozialpädagoge notgedrungen auch Spezialist ... & zwar für Gelegenheitsjobs aller Art (sein letztes Betätigungsfeld war das eines Barmixers in einem Würzburger Nachtclub, derzeit versucht er sich als Verfasser von Kurzgeschichten).
Mit Ralf tausche ich schließlich noch ’gemeinsame’ Reiseerfahrungen aus:
Auch er hat vor (erst) zwei Jahren die ost-indonesische Insel Komodo besucht & berichtet, daß das (zu MEINER ZEIT noch übliche) ’Füttern der Warane mit von den Touris bezahlten Lämmern & Ziegen’ mittlerweile verboten ist.
Die mich brennend interessierende Frage, ob denn die Touristen im Gegenzug (quasi zum Ausgleich des zweifellos entstandenen Defizits im Nahrungshaushalt der als KILLER bekannten Echsen) NUN wieder ’frei & ohne den Schutz bewaffneter Begleiter über die Insel streunen dürfen?’ ...
... kann mir Ralf leider nicht beantworten.
Um Halb Zehn Uhr verabschiede ich mich von den beiden & mache mich in meinem Zimmer (voller Vorfreude) über die beiden letzten ’Catch-22’-Kapitel her ...
... aber die Sperrholzwände zwischen den Zimmern sind derart hellhörig, daß ich (als Ralf nebenan beginnt, Frank längere Passagen aus dem ’Bhadagvita’ vorzulesen) extreme Schwierigkeiten habe, mich auf mein Buch zu konzentrieren.
SHIT!
Gegen Elf Uhr KNACKE ich (von der ’anstrengenden Muße des Tages FIX UND FERTIG’) einfach so WEG & falle in einen meiner komischen (& doch alles andere als lustigen) ’Familien’-Träume. Mitten aus dem Alptraum aufschreckend ...
... höre ich gerade noch, daß Frank im Nebenzimmer etwas Unverständliches murmelt & seinen letzten Satz mit ’naja - naja’ beendet.
Hm - ich weiß weder, ob ich geschnarcht und/oder im Schlaf geredet habe (Grübel!)- noch, ob mir das, wenn es so wäre, unangenehm ist (Grübel! Grübel!). Schließlich beschließe ich, daß mir beides egal ist - schaue auf den Wecker & ...
... bin (wie üblich) überrascht, WIE SCHNELL ICH TRÄUMEN KANN:
Es ist gerade mal Halb Zwölf Uhr!
PISSEN (in der Gemeinschaftstoilette am Ende des stockdunklen Hofs) - am Rande des Nagarkot Valley (asiatisch hockend!) eine letzte ’Gute-Nacht’-Zigarette rauchen - dann kehre ich zurück in mein ’öffentliches’ Zimmer & schlafe (SEHR viel später) wieder ein.
Hm - zwar weiterhin fleißig träumend ...
... aber DAS würde (nun wirklich!) zu weit führen ...

... Um Halb Sechs Uhr werde ich wach & schaue verschlafen durch mein Panorama-Fenster: Ich bin GEBLENDET (die Sonne prangt schon weit oberhalb der Himalaya-Silhouette) - muß um mein Augenlicht fürchten - beschließe (der Einfachheit halber), ’... daß die Sicht auf die Berge bei weitem nicht so gut ist wie gestern!’ - drehe mich rum & schlafe weiter (& ... äh ... aus) ...
... bis Sieben Uhr!
Nach ein paar Gym-Lessons (über Nacht scheine ich ein paar Stiche der das Trekking-Fieber übertragenden ’Bee Malaya’ abbekommen zu haben) begebe ich mich zu den beiden nächsten Trainingseinheiten runter ins Restaurant:
... verleibe mir ein ’kerniges’, die Kiefer-Muskulatur forderndes Früchte-Muesli ein & ... unterziehe mich einem ausgiebigen Gedächtnis-Training (UM einen gesunden Geist wohnt auch ein gesunder Kadaver!?).
Ich lasse die Kamera heute Morgen stecken & versuche, die spektakulärsten Ausblicke aufs ’Dach der Welt’ in meinem Kopf hohlraumzu ... äh - ja.
Ralf gesellt sich an meinen (mittels bloßer Spannkraft meiner Ober- & Unterschenkel-Muskulatur in der exakten Schwebe gehaltenen) Tisch & wir tauschen uns - wie nicht anders zu erwarten - nach bewußt knapp gehaltener, einleitender Vorrede (’Hübsch, diese Anhöhen da vorn!’ ’Naja, ganz nett!’) über wenn schon nicht Nepal, so doch den Rest der Welt (sprich: Deutschland) bewegende Themen aus ...
... wie:
- Politik & Politikverdrossenheit - da er erst vor zwei Wochen unsre kalte Heimat verlassen hat, kann ich mich ’aus erster Hand Up-Daten lassen’ (vor allem über das unerwartete Wiedererstarken der ’Gelben Gefahr’)
- sowie Polizei & Polizeiwillkür - zum letzten Punkt kann Ralf ein paar HÜBSCHE, selbsterduldete Beispiele zum Besten geben.
Um Acht Uhr erscheint Frank. Er wirkt unausgeschlafen, verbirgt seine übernächtigten Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille, gibt sich wortkarg & ... leidend. Seit ein paar Tagen kämpft er mit einer starken Bronchitis & hustet sich mit jeder ’Shikhar’, die ich ihm anbiete, ein schneeleoparden-großes Filetstück ’Lunge’ nach dem anderen aus seinem schmächtigen ’Barmixer-Schriftsteller’-Oberkörper ...
... was ihn jedoch (natürlich!) nicht vom WESENTLICHEN abbringen kann!
Naja - Erdung ist halt wichtig ( ... in Memory of John L.!).
Für mich wird’s Zeit - die anstrengendste Trainingseinheit des heutigen Tages liegt noch vor (oder besser: unter) mir! Ich zahle meine Zimmer-, (Ver-) Zehr- & Zech-Rechnung & verabschiede mich von den ’Nice Bavarians’ (vielleicht ... in Pokhara ... zum Trekking: ’Schau mer mal ...!?’).
Als ich den langen Abstieg von Nagarkot (2.200 Meter über NN) nach Bakhtapur (etwa 1.600 Meter über NN) angehe ...
... ist die Luft angenehm frisch, ... die Temperaturen sind noch erträglich (obschon die Sonne in rasantem Tempo ihrem angestammten Platz am Zenith des Himmels zustrebt) & ... der Pistenverkehr hält sich in wohltuenden Grenzen (etwa alle fünfzehn Minuten kommt mir ein schwerbeladener Bus entgegen).

AS0876-NagarkotTempelBerg+Bus


Hm - folgt man dem gewundenen Verlauf der einspurig-asphaltierten Straße, so beträgt die Entfernung zwischen den beiden Ortschaften satte 20 Kilometer, die vermutlich das Allerletzte aus meinem untrainierten ...
’SO WHAT ...? Trekking um Pokhara wird um einiges härtere Anforderungen an Dich stellen, Du Weich-Ei! Immerhin geht’s heute NUR bergab!’
’Ähhh - STIMMT!’
Während der ersten fünf Kilometer halte ich mich noch strikt an die weitausholenden, serpentinigen Vorgaben der Bergpiste & sauge die sich mir jenseits der Seitenstreifen in überbordender Fülle präsentierenden Natur-Pur-Motive auf:
... sattes Grün in Bäumen & Feldern,
... ’aus der Distanz betrachtet’ graphisch-beeindruckend gestaltete Terrassenanlagen (die ’aus der Nähe’ jedoch viel von ihrem optischen Reiz einbüßen, da die Terrassen-Ebenen einen über-mannsgroßen Höhenabstand zueinander aufwiesen),
... zumeist separat stehende, im Wald sich versteckende Berghöfe führen jeder für sich individuell & eigenwillig (& doch exemplarisch) die regionale Hausbauweise aus weitgehend naturbelassenen Felsgesteinsbrocken sowie filigran bearbeitetem Nutz- & Zier-Holz vor,
... der tiefblau sich ÜBER ALLEM wölbende Himmel besitzt auf der von der Sonne abgewandten Seite definitiv ’Postkarten-Qualität’ (mindestens!),
... die vereinzelt meinen Weg kreuzenden, immer freundlich grüßenden ’nepalese Aboriginees’ schlage ich ... NEIN! (Warum sollte ich?) ... aus Erwägungen ganzheitlicher Himalaya-Exotik (ausnahmsweise!) den Natur-Pur-Motiven zu!
Der Marsch ist zunächst nur mäßig anstrengend - gleicht einem lockeren Spaziergang & wird durch zahllose, kurze Stops noch zusätzlich erleichtert (während derer ich mich als Landschafts- & Atmo-Fotograf ausprobiere). Urplötzlich ...
... steht ein tibetischer Kioskbesitzer vor mir - geleitet mich mit sanftem Druck von der Landstraße fort & weist mir einen Short Cut, der durch eine idyllische Wald- & Flußlandschaft ins Tal (& bis an die Stadtgrenze Bakhtapurs heran) führen soll.
Währenddessen berichtet er von den Bemühungen der Tibetean Community, die in dieser Bergregion hochgradig analphabetische nepalesische Bevölkerung durch kostenlosen Lese- & Schreib-Unterricht zu unterstützen. Zwar bittet er mich nicht (direkt) um eine Spende ...
... den größeren Rupee-Schein, den ich ihm beim Abschied mit einem ehrlich empfundenen ’Thanxx!’ in die Hand drücke, lehnt er allerdings auch nicht entrüstet ab.
’WOW! Jetzt geht’s LOS!’
Der zeitweise nur noch zu erahnende ’Trampelpfad’ führt durch dichtes Nadelgehölz, das lediglich durch sehr vereinzelte & in unregelmäßigen Abständen auftauchende, kleine Lichtungen aufgelockert wird - zur Orientierung muß der TIEF  UNTER MIR durch eine enge Schlucht sich über zahllose Katarakt-Stufen talwärts stürzende (& zumindest akkustisch immer präsente) kleine Gebirgsfluß reichen.
Beständig wechselt der Trek zwischen ’bergauf & bergab’. Ebenso beständig quälen sich schwerst-bepackte Gruppen einheimischer Lastenträger (barfuß!) durch das unwegsame Gelände - vermitteln mir einen ersten, ungläubig-staunenden Eindruck vom typischen ’individualen Personen- & Frachtgut-Verkehr in den ländlichen und / oder gebirgigen Regionen Nepals’ & ...

AS0872-NagarkotWeiblicheSherpaGruppe


... nötigen mir meinen gesamten Vorrat an Hochachtung & Respekt ab (äh ... umso weniger hab’ ich zu schleppen!).
Das ’Flüßchen im Tal’ schwillt stetig an, schießt an einer besonders schmalen Stelle (zwischen großen Felsmonolithen hindurch) über mehrere Etappen als Aneinanderreihung kleinerer Wasserfälle in die Tiefe ...

AS0880-NagarkotWaldDownhillBhaktapurAS0879-NagarkotBaumDownhillBhaktapur

... & bildet schließlich (unten angekommen) ein breites, natürliches Wasserbecken, das von der jugendlichen Landbevölkerung als Swimming-Pool genutzt wird. Hm - jedenfalls solange keine Abwechslung versprechenden Touris in der Nähe sind ...
Natürlich beginnt mit meinem Eintreffen am Teich sofort eine neue Runde ’des beliebtesten nepalesischen Frage-&-Antwort-Spiels’ - und das geht so:
EINER (warum eigentlich immer ICH?) wird von ALLEN ANDEREN befragt & muß (zur relativ einseitigen Freude der Fragesteller) die immergleichen Fragen mit der immergleichen, ausgewählt-freundlichen Höflichkeit beantworten!
Hm - eigentlich ein SCHÖNES Spiel ... in dessen Verlauf ich immer wieder (überrascht!) feststelle, daß ich doch eher ein Mensch der geduldigeren Sorte bin!
Noch einmal steigt der Pfad dramatisch an, bevor er sich langsam & endgültig in die weite Ebene um Bakhtapur herunterwindet. Genau am höchsten Punkt dieses letzten Anstiegs stoße ich mit einer Gruppe hyperaktiver Kids zusammen, die offenbar der Meinung sind ’lustiges Steinewerfen auf Fremde (lustig für WEN?), sei eine zivilisierte Art der Kontaktaufnahme’. Tja - also:
Normalerweise neige ich ja dazu, die mich befremdenden Verhaltensweisen meiner Mitmenschen damit zu entschuldigen, daß sie’s nicht anders gelernt haben & ...
... sie zu tolerieren! In diesem konkreten Fall aber bin ich selbst verwundert, mit welcher Lautstärke ich mich (verbal!) zur Wehr zu setzen weiß ...
... WENN’S UMS NACKTE ÜBERLEBEN GEHT!
Die Ebene erreichend liegen noch genau neun unendlich quälende Kilometer vor mir: unter einer gnadenlos vom Himmel brennenden Sonne hindurch entlang einer Straße, die kaum schattige Passagen bietet.

AS0882-KharipatiKindergarten


Während meines letzten Zigaretten-Stops (vor Bakhtapur) gesellen sich zwei einheimische Jugendliche an meine Seite. Normalerweise ist in den Augen des unvoreingenommenen Fragestellers regelmäßig größte Bestürzung abzulesen, wenn es zur Beantwortung der unvermeidlichen Frage kommt ’... ob ich ALLEINE reise?’
Die beiden Knirpse aber wollen sich mit bloßem Stirnrunzeln & Grübeln nicht zufrieden geben & bieten mir heute einmal eine Variante an, die mich die restliche Zeit (bis zum Erreichen der Bushaltestelle) beschäftigt:
YOU DON’T HAVE FRIENDS ...?
’Tja - Jungs & Mädels Daheim! Das ist natürlich eine interessante, vor allem aber unheimlich tief reingehende Frage - die man nicht so eben mal mit JA oder NEIN beantworten kann. Hm - ich gebe die Frage mal an EUCH weiter:
Habe ICH eigentlich FREUNDE?’
Als ich schließlich in Bakhtapur (unter Mühen!) den Bus nach Kathmandu ERKLIMME, spüre ich SCHON, daß zwanzig Kilometer in meinen Beinen stecken. Aber so richtig KAPUTT fühle ich mich nicht ... & so einige ich mich (mit mir) auf die Formel, daß mich das (wie-auch-immer-geschaffte, letztlich aber doch) ’erfolgreiche Absolvieren dieser Trainings-Einheit FÜR HÖHERE AUFGABEN (?) empfiehlt!’
Die anschließende Busfahrt nach Kathmandu vermittelt mir dann das zwar ungewohnte, keinesfalls aber mich überraschende Gefühl einer Heimreise: Schließlich kehre ich heute zum ersten Mal (während dieses Asien-Trips) an einen Ort zurück!
Naja - sieht man einmal von meinem (durch die Budapester Taxifahrer-Mafia lautstark bejubelten) ’Rückzug aus serbischem Feindesland’ ab ...
Im Hotel Shikhar begrüßt mich Madhu mit sonnigem Lächeln, der zumindest interessiert klingenden (?) Nachfrage ’How was Nagarkot?’ (was besonders DEM gut tut ... äh ... der keine Freunde hat!) sowie dem vorbestellten Ticket für den morgigen ’Pokhara’-Bus:
Also - morgen geht’s ins Trekking-Basislager!
Duschen - Beine hoch - Lesen - Erholen ... später unternehme ich einen Streifzug durch die Buchläden Thamels (ich brauche dringend neues ’Lese-Futter’ & entscheide mich letztlich für eine gebrauchte, englisch-sprachige Ausgabe von Joseph Conrads ’Lord Jim’), der nach Einbruch der Dunkelheit nahtlos in ’das Schließen eines Kreises’ mündet:
In der Pizzeria Al Pollo (demselben Restaurant, das ich bereits an meinem allerersten Abend in Kathmandu besuchte) lasse ich mir eine wiederum hervorragende Thunfisch-Pizza kredenzen.
In den beiden Tagen meiner Abwesenheit hat sich Kathmandu klimatisch ziemlich aufgeheizt ... & ich GIERE tagebuch-schreibend zwei eiskalte Fresh Lemon Soda in mich hinein. Heute Nacht werde ich wohl erstmalig das Fehlen eines Ventilators in meinem Zimmer beklagen!
Meinen vorerst letzten Kathmandu-Abend verbringe ich (in Gesellschaft eines zwar schweigsamen, aber GROSSEN Tuborg) studierend: mit den Reiseführerkapiteln Pokhara, Bangladesh & Myanmar. Allerdings passe ich mich zunehmend den ’Sonnenläuften’ an (auch so ‘ne Art Trekking-Training) ...
... & bin daher schon gegen Elf Uhr mehr als breit ... äh ... bereit für den nepalesischen ’Mister Sandman’!

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