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Asia 12

MEIN ‘LANGER MARSCHNACH KATHMANDU !
ODER: THIS ...
...
IS DEFINITELY TOP OF THE WORLD !

... von Siliguri (West-Bengal / Indien) durch den Terai
(das nepalesische Tiefland) nach Kathmandu

Donnerstag, 2. Mai bis Dienstag, 7. Mai 1996:

AUSSCHLAFEN! Ich will nicht zu früh an der indisch-nepalesischen Grenze ankommen (die Anschluß-Busse nach Kathmandu verlassen laut Reiseführer nicht vor Drei Uhr nachmittags den nepalesischen Grenzort Kakarvitta). Ich frühstücke ausgiebig & gemütlich im Bett - bringe schließlich noch mein Tagebuch ’A Jour’, oder genauer: ’A Hier’ (bekanntermaßen soll man keine Grenze niemals nicht mit unerledigten Aufgaben im Rucksack überschreiten). Then ...
... it’s Time to Leave!
Mittlerweile ist es Elf Uhr & ich begebe mich (nach Packen & Auschecken) auf die schwierige Suche nach einem geeigneten Fahrzeug, das mich die noch fehlenden, NUR dreißig Kilometer bis zur Grenze befördern soll: Da heute die landesweiten Parlamentswahlen stattfinden fährt natürlich kein Bus (äh ... wieso eigentlich?).
Anyway ...!
Jeep oder Auto-Rikscha? ... das ist hier die Frage! Der Jeep kann bis zu acht (!?) Personen SCHLUCKEN & ist daher pro Kopf (naja - viel mehr als der Kopf wird vermutlich auch nicht am Zielort ankommen) billiger.
’Just In Time’ ... (bevor der Himmel seine Schleusen zu einem gewaltigen Regenguß öffnet) habe ich mich nicht nur entschieden, sondern kann (’Double-In-Time!’) noch so gerade auf einen Jeep springen - was allerdings lediglich bedeutet, daß ich jetzt im Trocknen sitze: Darüberhinaus tut sich noch lange nichts ...
... besagt doch die wichtigste, die ’goldene asiatische Verkehrsregel’, daß NIRGENDWO, NIEMALS & zu KEINER Zeit KEIN Verkehrsmittel NICHT losfährt bevor es nicht mit Passagieren derart vollgestopft ist, daß es eigentlich ein Wunder ist wenn es noch aus eigener Kraft anrollen kann!
Da sich kein noch so in Eile befindlicher, potentieller Passagier bei einer Luftfeuchtigkeit von nahe 100 Prozent freiwillig auf die Straße begibt ... bleibt uns nichts anderes übrig als das Ende der ’Regenzeit’ abzuwarten (der Monsun beginnt in diesem Jahr sehr früh!). In der Zwischenzeit unterhalte ich mich mit dem potentiellen Fahrer des Jeeps & seinen beiden jungen, potentiellen Schleppern.
Als ich (freundlich lächelnd zwar, aber doch) ABLEHNE ihnen eins meiner deutschen T-Shirts zu schenken bitten sie mich um IRGENDEINE deutsche Geldmünze. Umständlich krame ich aus der entferntesten Ecke meines Geldgürtels einen Groschen hervor & erkläre (auf Nachfrage), daß dieser etwa fünf Rupees wert ist! Worauf sie die Münze kurz (& eindeutig geringschätzig) betrachten - sie mir zurückreichen & ... eine ’größere’ FORDERN! Hm - vermutlich meinen sie eine wertvollere!
Angesichts (& angewidert) des (vom) ’offensichtlich nun auch die letzten jungfräulich-weißen Flecken unseres Globus geschwärzt habenden, weltweiten Werteverfalls (der globalen Mammon-Verherrlichung als grenzüberschreitend allein-selig-machendem Prinzip)’ ...
... SPÜRE ich, daß diese, ihre Aufforderung (an-&-für-mich) den definitiven Beginn des absehbaren Endes unserer eh recht monothematischen Unterhaltung markiert!
Äh - ja ...
Nach einer halben Stunde schwächt sich der Wolkenbruch etwas ab & die sich langweilenden Schlepper erinnern sich (zögerlich) wieder ihres Jobs - eine weitere halbe Stunde später ist der Jeep mit zehn (!) jämmerlich zusammengequetschten Gestalten beladen (wobei ich mit dem mir komplett zur Verfügung stehenden Beifahrersitz noch ’das große Los’ gezogen habe) & ... es kann losgehen!
Die Fahrt führt über eine leicht geteerte Geröllpiste durch spiegelebenes, üppiges Dschungel-Terrain - am entfernten, nördlichen Horizont zeichnen die dunklen Umrisse einer sanft ansteigenden Hügelkette (die äußersten, südlichen Ausläufer der Himalayas) eine scharfe Linie in das zwischenzeitlich wieder in reinster Reinheit erstrahlende Himmelsblau. Eine rappelige Jeep-Stunde später erreichen wir die Grenze: ... unsere enge Blechbüchse ergießt (hörbar auf- & ausatmend) ihre lebende Fracht auf die mit Regenpfützen übersäte Straße, ... ich durchlaufe die im Vergleich zur gemeinsamen Grenze mit dem Erzfeind Pakistan enttäuschend LAXEN, örtlichen Grenzformalitäten (Vorzeigen des Passes, Ausfüllen je einer Unbedenklichkeits-Bescheinigung im Exmigrations- sowie Zoll-Gebäude), ... der indische Grenzbeamte wünscht mir ausgewählt freundlich ’A Nice Journey’ & ...
... nach nicht einmal zehnminütiger (nur mäßiger!) ’Grenzerfahrung’ liegt  ... the World’s biggest Democracy hinter mir. Ich schultere meinen Rucksack & mache mich umgehend an die Bewältigung des etwa einen Kilometer langen Fußmarschs zum nepalesischen Grenzposten. Übrigens bin ich nicht nur der einzige Touri weit & breit, sondern auch der einzige Fußgänger:
Für Inder & Nepalesen ist die Grenze ’grün’ - um mich herum herrscht reger Rikscha- & Jeep-Verkehr - wiederholt winken mir die vorbeirauschenden Passagiere zu! NETT - eigentlich ...

AS0623-KakarvittaIndischNepalesischeGrenzeAS0624-KakarvittaIndischNepalesischeGrenze

... obschon ich mich nicht des Eindrucks erwehren kann, daß sich das Lächeln in deren Gesichter zuweilen verdächtig der ’Lachen-Über’-Variante nähert ...!?
Was soll’s: ICH FÜHLE MICH GUT!
Nach zweihundert Metern betrete ich eine Brücke, die sich weitausholend über das breite Bett des unvermeidlichen Grenzflusses spannt ... der allerdings nun, am Ende der Trockenzeit als kaum sichtbares Rinnsal tief unter mir vor sich hindümpelt (in zwei Monaten wird sich hier wohl ein völlig anderes Bild präsentieren!). Unmittelbar hinter der Brücke verschwindet die Straße in einem dichten Wald - ’Coca-Cola’ passt exakt die letztmögliche Chance ab, mich vermittels einer riesigen Plakatwand in Nepal ’Willkommen’ zu heißen - dann schlägt mir auch schon der zwar ’kleine’, nichtsdestotrotz aber TOBENDE Grenzverkehr entgegen:
- wie an zwei Perlenschnüren beidseitig entlang der Straße aufgereihte Bretterbuden & Wellblechhütten (Souvenir-Shops, Bars & kleine Restaurants),
- schiere Myriaden von Straßenverkäufern & sonstigen Kleinstgewerbetreibenden, die ihr Waren-Sortiment (’weiche Kaltgetränke & harte Lungentorpedos’, gebratene Maiskolben & geröstete Erdnüsse) verkaufsförderlich im staubigen Untergrund ausgebreitet haben,
- sowie Travel-Agencies & Busse, Busse, Busse ...
Es dauert eine Weile bis ich den etwas abseits gelegenen Mini-Container der nepalesischen Einwanderungsbehörde gefunden habe (vermutlich sind die ’Standmieten’ dort billiger!) - schon nach zehn Minuten könnten die Formalitäten als erledigt betrachtet werden: denn gegen Zahlung von 15 US-Dollar (sowie die Überlassung eines Passphotos) erhielte ich ein vierzehn Tage gültiges Einreisevisum ...
... könnten wir uns über die Art der Bezahlung einigen!
Naja - ich will meine allerletzten Dollar-Cash-Reserven nicht ohne Not anrühren & biete dem Beamten daher ’harte indische Rupees’ an. Hm - die dieser schließlich auch akzeptiert ...
... nachdem er aus dem Stegreif den mit Abstand wucherigsten Devisen-Wechselkurs geschätzt hat (gleichermaßen grob wie vor allem großzügig - also: sich selbst gegenüber!) der JE in diesem, unserem Universum einem (zugegeben unbedarften, aber nicht BEKLOPPTEN!) ’Grenzgänger’ angeboten wurde:
NICHT MIT MIR!
Ich lasse mir den Weg zur hiesigen Zweigstelle der Bank of Nepal beschreiben, wo ich einen Reisescheck ’liquidiere’ - da ich offensichtlich die Sensation des Tages in dem kleinen Büro-Container bin, läßt es sich der Chef nicht nehmen, mich höchstpersönlich zu bedienen. Während er mit sichtlich rauchendem Kopf über den Formularen brütet, krame ich meinen Reisewecker hervor - stelle ihn auf Nepal-Zeit um, da ...
Apropos: Beim Grenzübertritt ergibt sich übrigens das Zeitzonen-Phänomen, daß ich (obwohl ich westwärts reise!) meine Uhr um eine Viertelstunde vorstellen muß. In Indien gilt trotz der immensen West-Ost-Ausdehnung nämlich EINE EINHEITLICHE ZEITZONE ... was im äußersten Osten des Landes zu ’widernatürlich frühen Sonnenauf- & -untergängen’ führt. Das „kleine Nepal“ hingegen nimmt auf diese Sachzwänge genannten Spielereien des ’großen Bruders im Süden’ keine Rücksicht & demonstriert Eigenständigkeit!
Wo war ich? Ach ja:
... stelle ihn auf Nepal-Zeit um, da blickt mein eben noch so beschäftigtes Gegenüber von seinem Papierhaufen auf, starrt meinen Wecker an (seine Pupillen weiten sich) & er fragt mich: ’How much did you Pay for this Watch in GERMANY ...?’
Nachdem ich ihm den Betrag (in US-Dollar ... wir wollen’s ja nicht unnötig schwer machen!) genannt habe, RECHENSCHIEBT er solange auf seinem Taschenrechner HERUM bis dieser glüht - bestätigt schließlich die von mir ( ... mittels Quersummen, Hans!) geschätzten 1.800 Nepal-Rupees & bietet mir JOVIAL an, den Wecker zu diesem Preis zu kaufen. Ich lehne dankend ab - erkläre ihm, ’daß der Wecker meinen einzigen Bezug zur Realität darstellt’ & ...
... vermeide für den Rest der Sitzung IRGENDETWAS aus meinem Rucksack hervorzuholen. Bewußt-einzige Ausnahme: ein gebrauchtes & bereits arg verschlissen aussehendes Papier-Taschentuch! Aber sein diesbezügliches, finanzielles Angebot bleibt weit hinter meinen insgeheim gehegten Erwartungen zurück ...
Schade - eigentlich!
Während der letzten fünfeinhalb Jahre (seit Erscheinen meines Reiseführers) hat die nepalesische gegenüber der indischen Rupie dramatisch an Wert eingebüßt & so ERHALTE ich für jeden eingetauschten Dollar nicht nur 55 Rupien ... sondern auch eine weitere, nachträgliche Bestätigung für meine Vermutung, daß der nepalesische Grenzbeamte durch den Visa-Verkauf an mich ’ein kleines Vermögen nebenbei’ verdienen wollte.
Zwischen den riesigen Regenlachen trockenen Untergrund suchend balanciere ich zurück zum Immigration-Office - lasse meinen Reisepass mit einem auch künstlerisch wertvollen Visa-Stempel (eindeutig) verschönern - & mache mich an die Erkundung des zunächst recht unübersichtlich wirkenden Public Transportation Market der kleinen nepalesischen Grenzstadt Kakarvitta. Bereits nach wenigen Anfragen bin ich stolzer Besitzer eines ’himmelblauen’ Bus-Tickets sowie der zugehörigen, sich vielversprechend (allerdings nur) anhörenden Informationen:
Für die 600 Kilometer bis Kathmandu benötigt der um 3.30 P.M. Kakarvitta verlassende De-Luxe-&-Express-Bus (mit Soft-Seats & Enormous Leg-Space) NUR sechzehn Stunden - We’ll See ...!?
Bis zur Abfahrt des Busses bleibt mir noch viel Zeit & (zufrieden) nehme ich auf der ’atmosphärischen Lehm-&-Geröll-Terrasse’ eines kleinen Restaurants Platz: Ich bestelle ein Chicken Half (bis zum heutigen Tag war mir unbekannt, daß ein halbes Hähnchen, wenn man es nur geschickt zubereitet in einen Fingerhut paßt), Potato Chips sowie ein Bier - die Reklametafeln rechts & links der Straße weisen Nepal eindeutig als dem ’Tuborg-Empire’ zugehörig aus.

AS0625-KakarvittaIndischNepalesischeGrenzeAS0628-KakarvittaSchweinerei

Als ich pünktlich das Büro meiner Busgesellschaft betrete scheint sich niemand für mich interessieren zu wollen - verständlich ... schließlich habe ich ja auch schon ein Ticket gekauft! Da ich aber einfach nicht locker lassen will (& alle zehn Minuten allen Anwesenden durch penetrante Nachfragen auf die Tränensäcke gehe) sucht & findet man letztlich (zufällig?) einen NEUEN Bus für mich.
Die Abfahrtzeit wird durch Drehen einer leeren Cola-Flasche auf 4.20 P.M. festgesetzt & bereits ein Blick ins Innere des Ersatzbusses reicht um zu wissen, daß der Zustand des Busses mit demjenigen, den ich bei Ticket-Kauf inspizieren durfte nicht zu vergleichen ist (die Beinfreiheit selbst des besten Sitzplatzes tendiert eindeutig gegen ’negativ’!) ...
... WAS SOLL’S: Ich bin mal wieder übern Tisch gezogen worden (& mir bleibt nur der schwache Trost, daß es sicherlich nicht DAS LETZTE MAL war!).
Um Fünf Uhr geht’s endlich los ... und wie! Während der ersten halben Fahrtstunde versuche ich noch herauszufinden ob sich Straße oder Bus in einem desolateren Zustand befinden? Schließlich einige ich mich darauf, daß sich beide in NICHTS nachstehen & das Ergebnis dieser Streitfrage nur lauten kann:
Remis ... aber auf höchstem Niveau!
Der Trip kommt meiner Alptraum-Vorstellung von einer Busfahrt durch ein ungeräumtes Minenfeld in Somalia sehr nahe - jetzt (endlich!) verstehe ich auch, warum in meinem Reiseführer eindringlich vor den Sitzplätzen im hinteren Bereich der Busse gewarnt wird.
Solange es draußen hell ist kann ich mich durch Beobachtung ... der vorbeirumpelnden Landschaft (warum HÜPFEN eigentlich in Nepal alle Häuser, Bäume & Menschen derart synchron & unaufhörlich, daß man vom bloßen Hinsehen schon seekrank wird?) sowie ... der zusteigenden Passagiere (eine junge Frau mit Kleinkind läßt ihren gesamten Hausstand teils im Bus, teils auf dem Dach des Busses verstauen) ablenken lassen - nach Sonnenuntergang jedoch wird’s im stickigen, total überfüllten Bus unerträglich!
Ich drehe meine Rückenlehne bis zum Anschlag herunter - schließe die Augen - & sehe mich vor ein Problem gestellt, gegen das mir die Quadratur des Kreises wie ein Kinderspiel vorkommt:
Einerseits versuche ich zu entspannen - gleichzeitig aber muß ich mich voll konzentrieren! Denn mit jedem neuen Schlagloch befürchte ich die GANZ GROSSE Eruption eines (noch!) im Verborgenen brodelnden Vulkans, der sich gestern Abend als ’leichte Darmflora-Anomalie’ ankündigte, mittlerweile aber einen glühenden Lavastrom nach dem anderen durch meine Eingeweide jagt.
Als wir gegen Acht Uhr am Abend in eine kleine Stadt einfahren (& ich zwei entfernte Hotel-Hinweisschilder erspähen kann!) ... ist im Bruchteil einer Sekunde der erste wirklich spontane Entschluß dieser Reise gefaßt:
Ich RAFFE hastig meine ’sieben Sachen’ zusammen - STÜRZE am verdutzt mir hinterherblickenden Helfer des Busfahrers vorbei ins angenehm-kühle FREIE - & finde mich im nächsten Augenblick GESTRANDET am staubigen Straßenrand in einer Stadt wieder, deren Namen ich nicht mal kenne ...
... & den ich heute Abend auch nicht mehr erfahren werde.
Nach einem nur kurzen Seitenblick auf den heute in vollendeter Rundung leuchtenden Vollmond führe ich in der namenlosen Kleinstadt eine Totalerhebung aller verfügbaren Unterkünfte (sprich: beider!) durch & kehre im zweiten Guest-House ein - nicht jedoch ohne den hart sich wehrenden, jungen Manager auf 200 nepalesische Rupees herunter zu handeln (Soviel Zeit muß sein!).
Das Zimmer ist zwar sehr einfach - verfügt aber (& DAS ist letztlich entscheidend!) über ein eigenes Badezimmer und ein funktionsfähiges, dichtes Moskitonetz:
- den Rest des Abends verbringe ich (trinkend ... der nette Hotelmanager konnte seinem durch-/anfälligen Gast noch ein eiskaltes Tuborg organisieren: ’Thanxx!’) in erlösender ’asiatischer Hock-Stellung’.
- das Moskitonetz ist im Terai (dem Flachland-Dschungelstreifen im Süden Nepals) nicht nur ein nützliches, sondern ein (über-)lebensnotwendiges Requisit - bis vor kurzem galt die Region noch als extrem malariaverseucht & ... trotz größter Anstrengungen der nepalesischen Gesundheitsbehörden kommt es immer noch (& immer wieder) zu neuen Ansteckungsfällen.
Damit aber nicht schlimm genug ... gilt der Terai (sowie die angrenzenden Tieflandregionen Indiens & Bangladeshs) als Heimat der Meningitis - einer besonders heimtückischen Form der Gehirnhautentzündung, die durch ’Coughing & Spitting’ der Bazillenwirte übertragen wird ... & (falls man sie nicht rechtzeitig erkennt & behandelt) innerhalb weniger Stunden zum sicheren Exitus führt.
Aber HEUTE ABEND habe ich für SOLCHERLEI ’ERDNÜSSE’ keinen Gedanken mehr übrig: Ich bin vollauf damit beschäftigt, auf meinem neuen ‘Hockenheim’ DAS LETZTE aus mir rauszuholen ... & ansonsten schlicht GLÜCKLICH!
Und zwar: diesem Bus (erstmal) entronnen zu sein ...

...

... Zwei Rekonvaleszenz-Tage später: Es ist Samstag Morgen & Wochenende - denn in Nepal gilt der Samstag als arbeitsfreier Wochen-Höhepunkt, während der Sonntag ein ganz normaler Werktag ist!
’Äh ... Heike (Du Hase-Anrainerin aus dem Wiehengebirge) - kannst Du diese nepalesische Spezial-Tagesart mal eben in ZINA parametrieren!?’
Ich fühle mich körperlich schon viel besser, obwohl es noch ziemlich flüssig aus mir rausströmt. Magenfreundliches Frühstück im ’Hotel Gegenüber’ - währenddessen fasse ich den Entschluß bereits morgen von Itahari (so heißt übrigens meine Lazarett-Stadt 100 Kilometer westlich der nepalesisch-indischen Grenze) ’... soweit mich mein Schließmuskel trägt’ Richtung Kathmandu aufzubrechenan.
Daher VERSUCHE ich nach Beendigung meines Frühstücks ein Ticket für den morgigen Kathmandu-Bus zu kaufen - aber: KEINE CHANCE! Vorausschauende Planung gilt in Nepal allem Anschein nach als extrem verwerflich - das Leben spielt sich ausschließlich im HIER & JETZT ab!
Der ob meines Ansinnens sichtlich entrüstete Bus-Angestellte fordert mich auf morgen Früh pünktlich um Sieben Uhr in seinem Büro zu erscheinen - dann ’... könne er mir ein Ticket sowie einen SUPER-BEQUEMEN SITZPLATZ IM VORDEREN ABSCHNITT DES SUPER-KOMFORTABLEN DE-LUXE-BUSSES ...’
Natürlich glaube ich der ’Laber-Backe’ kein einziges Wort - aber:
Was bleibt mir übrig?
Fatalistisch bis gewillt, mich VOLL & GANZ dem HIER & JETZT ... äh ... zu übergeben springe ich spontan auf den nächsten Bus nach Dharan Bazaar. Der ’Tata’-Greis ist bereits proppenvoll & transportiert mit Ausnahme von weißen, bengalischen Tigern (obwohl: Ich will’s nicht beschwören!?) so ziemlich ALLES was sich vorstellen läßt (Inside & On-Top).
Zunächst führt die schnurgerade in nördlicher Richtung verlaufende, gut ausgebaute Asphaltpiste durch flaches & monoton-’offenes’ Gelände - nach zehn Kilometern mündet sie jedoch in dichte Vegetation ein & der Terai macht in der Folge seinem Ruf als Jungle Country alle Ehre. Wir nähern uns den Chure Hills, dem  südlichsten von drei aufeinander aufbauenden, nepalesischen Gebirgszügen - die (jeweils in West-Ost-Richtung verlaufend) nach Norden hin dramatisch an Höhe zulegen ... bevor sie letztendlich in die Himalayas übergehen.
Die Chure Hills scheinen sanft anzusteigen - mit jedem zurückgelegten Annäherungs-Kilometer aber zeigt sich zunehmend deutlich, daß sie durchaus schroffe Steil-Berghänge, spektakuläre Gipfel & (abgesehen vom ’Zuckerguß’) alle übrigen, typischen Merkmale ihrer nördlicheren Schwestern & Brüder aufweisen ...
... obschon sie kaum mehr als 2.000 Höhenmeter erreichen. Kurz vor Erreichen Dharans stoppt der Bus an der Eingangspforte eines in märchenhaft-idyllische Waldumgebung eingebetteten Technological Institute & ... den aussteigenden Studenten neidisch-verschwommene Blicke hinterherschickend, formiert sich (ohne mein bewußtes Zutun) in meinem ansonsten ziemlich leeren Kopf der (im HIER & JETZT eindeutig WAHRE) Gedanke: In diesem tollen ‘Surrounding’ würde selbst ich nochmal gerne das eine oder andere Semester studieren ... wollen!?
Das Zentrum Dharan Bazaars bilden eine inmitten der Hauptstraße auf einer Verkehrsinsel thronende, eingezäunte Statue einer sich mir nicht zu erkennen gebenden Persönlichkeit ...

AS0634-DharanHinduStatue+Atmo


... (naja - meine Kenntnisse des ’Sanskritischen’ haben sich während der letzten sechs Wochen nur unmerklich, oder ehrlicher: gar nicht verbessert) sowie der diese (die Statue!) um- & einschließende, hektisch-laute Freiluft-Busbahnhof. Unmittelbar neben diesem (dem Busbahnhof!) reckt ein gigantischer Banyon Tree (der WIRKLICHE Mittelpunkt der kleinen Stadt) seine weit-ausladenden Äste in den wolkenlos-blauen ’Bilderbuch’-Himmel - unter diesem (dem Banyon Tree!) überwachen die augenscheinlichen Stadt-Honoratioren das Geschehen & ...

AS0644-DharanBanyonTree+BusStopAS0642-DharanAtmoHauptstrasse

... um diese (die Honoratioren: ’VERDAMMT!’) herum träumt eine Armada gelangweilt dreinblickender (& untätig auf ihren Draht-Yaks kauernder) Fahrrad-Rikscha-Lenker vom GANZ GROSSEN Geschäft: etwa ...
... daß ein abgemagerter, bärtiger, deutscher Reisender kraftlos an ihr Gefährt herantritt & konvulsivisch die immergleiche Phrase hervorpreßt:
’Cologne - Germany ... Please! Just One-Way!’
Ich habe keine Ahnung, WAS hier WO & WARUM interessant sein könnte. Mein Reiseführer schweigt sich über den Ort aus ... bis auf die knappe Aussage, daß Dharan dereinst ein wichtiges Rekrutierungs-Zentrum für in der britischen Armee dienende Ghurka-Soldaten war.
Übrigens machen die (weiterhin andauernden) militärischen Dienstleistungen der Ghurkas in den Royal Forces bis in die heutige Zeit einen der höchsten Einzelposten in der nepalesischen Außenhandels-Bilanz aus! Hm - was zunächst (zugegeben!) den Anschein von ’Sklaven-Handel im 20.Jahrhundert’ erweckt bezieht sich allerdings nur auf die Gehälter der Soldaten, die nach Nepal transferiert werden.
Ich folge der Hauptstraße weiter hügelanwärts - passiere einige typisch-nepalesische Holzhäuser mit reich verzierten Holzbalkonen (die sich jedoch zumeist in einem jämmerlichen Zustand befinden) - & erreiche schließlich das nördliche Ende der Stadt: mit nun freiem Blick auf die Ausläufer der Chure Hills setze ich meine Trekking-Trainingsstunde in höhere Regionen fort.
Einem Hinweisschild am Ortsausgang vertrauend (wieso eigentlich ...?) war meine ursprüngliche Absicht in einem Hotel mit ausgewiesenen ’Twinkling Views’ ein frischgepreßtes Limonen-Soda sowie den vermeintlich grandiosen Rund-um-Blick auf die Berge & den Terai zu genießen. Nach fünf extrem schweißtreibenden Kilometern müßte mein anvisiertes Wanderziel EIGENTLICH in meinem Sichtfeld erscheinen ...
... von einigen an einer Bushaltestelle wartenden Einheimischen erfahre ich jedoch, daß der noble Berghof noch weitere zehn (!) steilst hügelanwärts führende Kilometer entfernt liegt: OH, GOTT!
Ich will meine gerade erst erwachenden Lebensgeister nicht überstrapazieren & lasse mich daher (fotografierend) wieder langsam den Hügel hinabtreiben - zwar bereiten mir ein paar dunkle, sich zusammenballende Wolken zwischenzeitlich etwas Sorge, letztlich verharren sie jedoch über den Bergen & mein Rückweg nach Dharan Bazaar gerät zur ’Hitzeschlacht’ ...

AS0639-NaheDharanAtmoBerglandschaftAS0641-DharanNepalesische Bierwerbung

... die ich mir jedoch mit zahlreichen Foto-Stops erträglicher SCHIESSE:
- inmitten satt-grüner Landschaft malerisch sich präsentierende Holz-, Bambus- & Strohhütten,
- ein stacheldraht-umzäuntes Gorkha Recreation Centre,
- diverses Geschnätz (Ziegen, Hunde & exotische Vögel) sowie freundliche, jedoch sehr scheue nepalesische Bergbauern (& solche, dies werden wollen),
- sowie eine PEINLICH in der Landschaft stehende, von einer überdimensionalen Plakatwand herab mich grellbunt-anschreiende Bier-Werbung (deren Bildmotiv mich den Spontan-Slogan ’Tommi Engel & Chicken Tandoori’ assoziieren macht).
Wieder in der Stadt bittet mich ein junger Nepalese zu einem Plausch auf die Veranda seines Hauses - ich tu’ ihm (& mir) den Gefallen & er beginnt sogleich, seine Befragung mit typisch asiatischer Diktion der ehemaligen Kolonialsprache durchzuführen: mit messerscharfen Betonungen, unbritischem Hervorheben aller T’s sowie ... äh ... teilweise recht feucht.
Anschließend befrage ich ihn zur wirtschaftlichen, politischen & religiösen Situation in Nepal - er ziert sich nicht lange & schreckt auch vor ’kritischen’ Äußerungen nicht zurück: Mit kaum unterdrücktem Ekel in der Stimme berichtet er, daß es in Nepal zuviele Leute gibt, die nicht arbeiten wollen! ’Auf dem Land sind die Menschen ja an schwere Arbeit gewöhnt - aber die verzogenen, jungen Leute in den Städten ...?’
Hm - irgendwie kommen mir diese Phrasen ziemlich bekannt vor! Bin ich wirklich noch in Nepal? Fehlt nur noch, daß er die ’leider viel zu engmaschige & weichfedernde soziale Hängematte im Freizeitpark Nepal’ beklagt ...!?
Trotzdem ist es (insgesamt betrachtet) ein recht angenehmes Gespräch.
Allerdings werden wir zwischendrin immer wieder von einem stockbesoffenen Nachbarn gestört, der ständig auf Nepali DAZWISCHENBRABBELT. Ich empfinde den skurrilen Alten ja eher als belustigend & unterhaltsam - meinem Gastgeber aber sind dessen Intermezzi spürbar peinlich & mehrfach entschuldigt es sich für seinen ’ungehobelten Landsmann’.
Nach einer kurzweiligen Gesprächsstunde bedanke & verabschiede ich mich - marschiere die (nur noch schlappe) Reststrecke zum Stadzentrum & nehme den nächsten Bus zurück nach Itahari.

AS0643-DharanAtmoHauptstrasse


Hinreichend mit Kaltgetränken sowie zwei therapeutischen Schokoriegeln (’Stopfer gegen Dings’) versorgt kehre ich in mein Basislager zurück & widme mich (reiselektürend) meinem Gesundungsprozeß.
Später am Abend starte ich einen neuerlichen, nicht mehr gar so zaghaften (wie noch gestern Abend) Versuch der ’Aufnahme fester Nahrung’ & ... obwohl das indische Essen ziemlich scharf ist bin ich OPTIMISTISCH! Während des Heimwegs schieße ich unter staunender, aber fachkundiger Assistenz von fünf (!) Nepalesen ein paar ’Full-Moon-Tele-Long-Time-(äh ... No-See)-Exposures’ ...
... & tausche mich mit einem der Nepalesen über Deutschland aus: Sein Freund lebt in Groß-Gerau bei Frankfurt - vor drei Jahren hat er ihn dort besucht, nur gute Erfahrungen gemacht & seither träumt er davon, selbst nach Germany auszuwandern. Mit einer für meine Verhältnisse ungewöhnlich positiven Stellungnahme zu ’meinem Heimatland’ ... (naja - erstens wär’s Quatsch ihm seine Illusionen zu nehmen & zweitens hätte er mir vermutlich eh nicht geglaubt - ALSO!).
Ich ziehe mich in mein Zimmer zurück - stelle den Wecker auf Sechs Uhr ein (morgen Früh soll’s erstmal nach Janakpur gehen: ’Half-Way from Here to Kathmandu!’) - & beginne ein neues Kapitel ’Catch 22’ (übrigens: eine ’englisch-schreibige Neuerwerbung’, die ich für ‘nen Dollar in Kalkutta erstanden habe!).
Allzuweit komme ich allerdings nicht - da kurz darauf mal wieder der Strom ausfällt (der sich bis zu meiner Abreise am nächsten Morgen auch nicht mehr zurückmeldet). So bleibt mir nur mich in völliger Finsternis über den unerträglich-lauten Verkehrslärm zu wundern (hm - komischerweise immer noch!) & ... ob der nicht minder unerträglichen Hitze auf eine mildtätige & leidenverkürzende Bewußtlosigkeit zu hoffen.
Gerade versuche ich mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal RUHIG, ENTSPANNT & AUF NATÜRLICHE WEISE ins ’Reich der Träume’ hinübergewechselt bin ...
... da fallen mir ruhig, entspannt & auf völlig natürliche Weise ...

... Um Halb Sieben Uhr erstehe ich WIE PHOENIX AUS DER ASCHE: Duschen & Packen sind eins (whatever that means ...?!) - pünktlich um Sieben Uhr finde ich mich (mit meinem triefend-nassen Rucksack auf den Schultern ... auf der Matte!) im Büro meines Busunternehmens ein - bereits 10 Minuten später sitze ich in einem Direktbus nach Janakpur & (SURPRISE!) ...
... ’Sitz A2’ (unmittelbar hinter der Eingangstüre) verfügt mit Abstand über die größte Beinfreiheit im ganzen Bus.
Naja - ich muß gestehen, daß ich tags zuvor einige Zweifel hatte - & das ist ge(r)linde formuliert! - ’... ob das mit Ticket & Sitzplatz wie versprochen klappt?’ Ich bin angenehm überrascht - eine in letzter Zeit selten gemachte Erfahrung! Die Zeit reicht gerade noch für eine ’schnelle Pepsi auf Ex & im Stehen’ (als Frühstücks-Surrogat) - dann geht’s los.
Ich weiß: Ich wiederhole mich in meinen Landschaftsbeschreibungen - aber der Terai macht mit seiner eintönigen, ewig gleichen Abfolge von Dschungel-Abschnitt folgt auf Steppen-Terrain ... folgt auf Dschungel-Areal ... auch nichts anderes! Abwechslung bieten einzig die Beobachtung der Menschen in den durchfahrenen, kleinen Ortschaften (kaum Steinhäuser - Bambus & Stroh die klar dominierenden Baumaterialien) sowie ... einige ganz besonders schlimme Rüttel-Strecken:
’Heißa! DANN wird’s lustig ... & man lernt Leute kennen!’
Aber SOOO SCHLIMM wie vorigen Donnerstag wird es zu keiner Zeit:
- zum einen ist der heutige Bus um mehrere Klassen besser ... & das obwohl in Nepal nur die uralten, klapprigen Tata-Busse eingesetzt werden die dem indischen Personenverkehr nicht mehr zuzumuten sind (was ich übrigens vor einem Monat NIEMANDEM geglaubt hätte!),
- weiterhin macht sich die Lage meines Sitzes im vorderen Bereich des Busses doch fühlbar positiv bemerkbar (also: Ich fühl’ NIX! ... während es hinten schon mal zu ’Griffhand-Krämpfen oder -Quetschungen sowie blutig-offenen Schädeln’ kommt).
Inklusive einiger kurzer Unterbrechungen benötigt der Bus für die 300 Pisten-Kilometer bis Janakpur knappe sechs Stunden.

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Kaum dem Bus am Bahnhof entklommen schmettert mir ein offensichtlich frohgemuter Rikschafahrer sein freundlichstes ’Welcome!’ entgegen. Ich bedanke mich artig für die nette Geste - ziehe gut gelaunt weiter (& denke noch: ’DIE sind aber NETT ... hier ... in Janakpur!’) ...
... da heißen mich die beiden nächsten Chauffeure auf die gleiche Art willkommen!
Das läßt mich natürlich mißtrauisch werden - denn: Soviel Freundlichkeit auf einem Fleck - da muß doch was faul sein ...!?
Und so erfahre ich von meinem hastig konsultierten (zwar sprachlosen, trotzdem aber allwissenden) Reiseführer, daß die von Touristen in Janakpur üblicherweise angesteuerte, weil Nobel-Unterkunft das ’Hotel Welcome’ ist!
Auch ich ... werfe einen Touri-Blick auf dieses ’erste Haus am Platz’ & miete ein preiswertes, geräumiges Zimmer ohne AC - worauf mich der Manager zweifelnd anblickt ...? Naja - er kann ja nicht wissen, daß ich seine Herberge klammheimlich zum Sanatorium befördert habe, in dem ich mich einiger extremer Saunagänge zu unterziehen gedenke (gut ... daß er’s nicht weiß, sonst müßte ich vermutlich Kurtaxe nachzahlen). Zufrieden genehmige ich mir im hoteleigenen Restaurant ein großes ’Nur-Noch-Schlappe-300-Kilometer-Bis-Kathmandu-Pah!’-Tuborg.
Später suche ich das örtliche Touristenbüro (& sehr viel später auch) auf - wo man zwar nicht den gewünschten Stadtplan, aber einige gute Info-Broschüren über Janakpur, Pokhara & Trekking in Nepal für mich bereit hält (übrigens: erstes, noch leichtes Zwicken im Magen-Darm-Trakt!) ... äh ... die ich anschließend in meinem Hotelzimmer ausgiebigst studiere: Heute mache ich nichts mehr! Aber morgen ...
... steht Sight-Seeing-Janakpur ganz oben auf meinem Tagesprogramm.
Nach Einbruch der Dunkelheit begebe ich mich ins Restaurant, schreibe Tagebuch & „ ... esse eine Kleinigkeit!?“ Die nun wirklich nicht üppige Portion Palat Panir (Spinat mit Frischkäse) reizt meinen überforderten Magen jedoch zur augenblicklich heftigst einsetzenden ’speiigen Übelkeit’ ... & ich muß mich verdammt SPUTEN mein Zimmer (oder genauer: ’das kleine nebendran’) aufzusuchen:
In dem Moment, da sich das schwarze, (noch nicht) stinkende Loch im Kachelboden unter mir erstmalig genau zwischen Kimme & Korn befindet brechen (’FEUER!’) sämtliche brüchigen Dämme gleichzeitig ... womit der Rest des mich erschöpfenden Abends auch bereits erschöpfend erzählt wäre!
Wären da nicht zwei ’Late Perceptions’ ... die mich auf zwar diametral gegensätzliche Weise, aber doch immerhin beide (wenn auch nur für Augenblicke) von meiner ’mit krampfhaftem Bemühen mir abgerungenen Haupt-Beschäftigung’ abzulenken in der Lage sind ...
ERSTENS:
Hm - vermutlich ist man, wenn’s einem eh dreckig geht ... besonders geräuschempfindlich - obwohl: DIESER Autofahrer wäre mir mit Sicherheit auch bei bester körperlicher Konstitution auf die Nerven gegangen!
Also - in Indien lautet die derzeit angesagte ’Botschaft zum Ködern der karrierebewußten Unwissenden’ schlicht:
We Change Lives! Join our Computer-Würg-Shop! ...
... & hier (im nepalesischen Janakpur) fährt ein IDIOTEN-ARSCH bereits seit den frühen Abendstunden ununterbrochen mit seinem Auto die Straße rauf & runter - läßt aus seiner Bord-Musikanlage die übelsten ’Hindi-Nepali-Pop-Schnulzen’ (in unvorstellbarer Lautstärke) DRÖHNEN - & unterbricht dieses, sein persönliches Kulturprogramm lediglich für (noch um mehrere Zehner-Watt-Potenzen lauter DRÖHNENDE &) mit pathetischem Timbre in der Krächzstimme herausgebrüllte Appelle ...
... die zumindest einen hitzigen Wahlkampf (wenn nicht gar gleich die Ausrufung des Kriegszustandes?) befürchten lassen - sich bei genauerem Hinhören aber NUR als Werbekampagne für Computer-Lehrgänge herausstellen! Immer & immer wieder läßt die nimmermüde Stimme ihre ’lebensverändernde Botschaft’ ertönen ...
... deren genauer Inhalt jedoch (mit Ausnahme der beiden ohrenscheinlich zentralen Begriffe ’Computer-Diploma’ & ’Fifty Percent’) in den Innereien des weit über seine technischen Möglichkeiten hinaus überforderten ’Schepper-Wummer-Klirr’-Lautsprechers verloren geht! JA! ES GIBT ZEITEN ...
... da sehne ich mich in meine ‘ach-so-ruhige Eifel’ zurück!
ZWEITENS:
Als Entschädigung für ERSTENS darf ich am späten Abend eine ’Ruhestörung gänzlich anderer Art’ genießen!
Eine uniformierte nepalesische Marching-Band schreitet mit unmilitärischem Wiegeschritt die Hauptstraße ab - in deren optischen Genuß komme ich übrigens nur, weil mich die komplexen Poly-Rhythmen der Perkussionsgruppe sowie das ECHT-SCHRÄG-ABGEFAHREN auf westlichem Blech intonierte ’Gebläse’ (äh ... durch mein eigenes, nichtendenwollendes ’Gebläse’ hindurch) aufhorchen läßt.
Im Schlepptau des Orchesters befindet sich eine gleichermaßen bunt, wie eindeutig festlich gekleidete Nepali-Schar - die mit unendlicher Würde sichtlich aufwendig zubereitete Opfer-Speisen (trotzdem: spontanes ’WÜRG!’) auf silbernen Tabletts vor sich her & IRGENDWOHIN trägt.
Wie ich am nächsten Tag erfahren werde handelt es sich um die tägliche Prozession zum Janaki Mandir, einem im Jahre 1912 errichteten & der Göttin Sita (der Gattin Ramas) geweihten Tempel ...
Das sehr atmosphärische, nächtliche Schauspiel läßt mein Herz (spürbar!) aufgehen - leider aber nicht nur mein Herz ... & so verschwindet die Prozession (für mich!) bereits vor der ersten Straßenbiegung hinter einem ... äh ... irgendwie SURREAL (?) wirkenden, schwach-hellbraunen Nebelschleier.
Diverse Stromausfälle (’Sita-sei-Dank’ kein Wasser-Ausfall!) ergänzen sich mit stundenweisen Bewußtlosigkeitsphasen zu einer letztlich doch ... irgendwie ... (keine Ahnung WIE?) ... erfolgreich überstandenen Nacht ...

...

... Auf einen eher unspektakulären & daher vernachlässigbaren (’D’ wie Durchfall) Tag folgt am heutigen Dienstag ein weiterer ... der WAHRE D-DAY:
Der Tag - der die Entscheidung bringen wird OB & wenn ja WIE es mit mir weitergehen soll!? HEUTE muß ich mich bewähren oder aber ich mag - nein: soll (in meiner eigenen Sch ... ) untergehen.
Hm - geht’s nicht ‘ne Nummer kleiner ...?
Nach einer sehr unruhigen Nacht bin ich bereits um Halb Sechs Uhr wach ... & fühle mich TOTAL SCHLAPP! Während der langen, nächtlichen Insomniac-Phasen habe ich ein ums andere Mal hin & her überlegt, ob es nicht DOCH besser ist den Bus-Trip nach Kathmandu zu verschieben? Aber mein Entschluß steht:
ICH WILL RAUS ... aus dem heiß-schwülen, ungesunden Terai-Tiefland!
Duschen - Packen (was heute keine fünf Minuten dauert: Ich werde immer schneller!) - Auschecken & raus auf die Straße. Immerhin fühle ich mich gesund genug, mit einem Rickshaw-Man (der mich ganz offensichtlich ’verscheißern’ will) ein kleines Wortgefecht anzuzetteln ...
... bevor ich mich mit einem anderen ’Pedalo-Kutscher’ (der seine mittelschweren Orientierungsprobleme selbst durch ununterbrochenes Quasseln nicht kaschieren kann: vermutlich eine ’Indian Host-Strippe’?) auf die ’ganz große Sight-Seeing-Schleife’ durch Janakpur begebe.
Um Viertel vor Sieben Uhr stranden wir doch noch am (zugegeben: sehr abgelegenen) nordöstlichen Bus-Terminal Janakpurs: Laut O-Ton des hilfsbereiten Hoteldieners (der mir gestern gegen eine geringe Provision das Bus-Ticket besorgte, während ich schweiß-gebadet darnieder lag) befindet sich HIER der Startpunkt eines ... modern & extremely comfortable, though a bit more expensive De-Luxe-Express-Bus to Kathmandu!
Noch ist weit & breit kein Bus zu sehen - so bleibt mir ausreichend Zeit in Ruhe eine Cola zu frühstücken ... & ein paar stimmungsvolle ’Early Morning Scenes in the Middle of Nowhere’ abzulichten.

AS0650-JanakpurOchsenkarrenAmMorgen


DANN ERSCHEINT MEINE NOBEL-KAROSSE ... & ich spreche spontan, laut & vernehmlich Richtung ’Hotel Welcome’ die mich selbst zutiefst erschreckenden Worte: You Are Such A Goddam, Fuckin’ Asshole!
Der Bus ist das mit Abstand mieseste, heruntergekommendste (& unbequemste!) Gefährt das mir je vor meine augenblicklich sich trübenden Pupillen gekommen ist (Adjektive herkömmlicher Prägung verweigern bei seinem bloßen Anblick empört ihren Dienst). Eingesetzt im inneranstaltlichen Pendelverkehr würde die Schrottkarre in jeder Strafvollzugsanstalt (egal ob erste, zweite, dritte oder welche Welt auch immer!) unweigerlich zu einer BLUTIGEN REVOLTE führen - für die jeder unvoreingenommene Pazifist nicht nur Verständnis haben ... nein: der er auch (bekehrt!) spontanen Beifall spenden würde!
Ich glaube, man merkt mir meine leichte Erregung immer noch EIN WENIG an. Naja - ist doch wahr: WARUM muß auch immer ICH diese Rostlauben erwischen? Während der heutigen Fahrt nach Kathmandu sehe ich eine Menge Busse & ausnahmslos ALLE verdienen das Prädikat ’De-Luxe’ weit eher als meine ’Scheppertonne’. Ich weiß: Lamentieren nützt nix ...
... aber es schafft Luft & befreit A WENG!
Apropos ’Befreiung’: Bevor dieses Tagebuch endgültig zum Klagebuch verkommt gestatte ich mir mal kurz einen Einschub! Denn ...
... während ich dies schreibe ist es Mittwoch Morgen. Ich sitze bei angenehm frühlingshaften Temperaturen in einem (wider-asiatisch) gänzlich unhektischen, himmlisch ruhigen Gartencafé - um mich herum sprießt das ’Grünzeug in Massen’ (gelbe & rote Margariten, rosafarbene Rosensträucher sowie ein mir unbekannter Farnbaum mit Myriaden violetter Blüten) - vor mir steht ein gesund & appetitlich aussehendes Trekker-Frühstück (mit ALLEM, was das sich darbend fühlende mitteleuropäische Herz nur begehren kann) - aus der Freiluft-Musikanlage seufzt Eric Clapton mich auf & in die richtige Spur: HERE IN HEAVEN! & ...
... ICH KANN IHM NUR ZUSTIMMEN! Unnötig zu erwähnen, daß ich mich (im Vergleich zu gestern) um 100 Prozent besser fühle & bereits voller Unternehmungsgeist Pläne schmiede. Obwohl ich mir (zwecks vollständiger Wiederherstellung) erstmal noch zwei weitere Tage Schonung verordnet habe ... aber:
Wenn es einen Ort auf diesem, unsrem blauen Planeten gibt, wo man im Handumdrehen gesundet ... dann (soviel ist gewiß!) befindet sich dieser Ort 1.500 Meter über dem Meeresspiegel, unmittelbar am ’Dach der Welt’ & ...
... heißt Kathmandu!
Aber ...
... zurück zum gestrigen Tag!
Die ersten 100 Kilometer (westwärts) führen noch durch bekannt eintönig-flachen Terai-Dschungel - als sich jedoch der Bus Richtung Norden orientiert (& die ersten Hügel in unserem Sichtfeld auftauchen) wird die Landschaft abwechslungsreicher & die Busfahrt interessanter. Bereits nach dreieinhalb Stunden erreichen wir Hitauda, die Hauptstadt der nepalesischen Provinz Narayani.
Zunächst kann ich’s gar nicht glauben: Schließlich hat man mir gesagt, der Trip nach Kathmandu dauert mindestens zehn Stunden. Hitauda aber befindet sich laut meiner guten Nepal-Landkarte gerade mal noch fünfzig Kilometer südlich der nepalesischen Kapitale & selbst, wenn es ab jetzt nur noch steilst den Berg hinauf gehen sollte ...?
Aber mein nepalesischer Sitznachbar zerstört brutal meinen aufkeimenden Optimismus: ’Zwischen Hitauda und Kathmandu gibt’s keine Straße!’ Leider hat er Recht - wir müssen einen ’lächerlich-kurzen’ Umweg von 250 Kilometern durch extrem gebirgiges Gelände nehmen. Nach weiteren siebzig Kilometern in westlicher Richtung (& damit WEG von Kathmandu) erreichen wir Bharatpur - wo wir unseren Lunch-Stop verbringen:

AS0651-DeLuxeBusNachKathmandu


... ich mit Hühnersuppe & Kaffee, ... die beiden Helfer des Busfahrers mit dem Flicken des Hinterreifens, der kurz vor Bharatpur auf offener Strecke geplatzt ist.
Anschließend (irre-)leitet uns die Piste wieder Richtung Norden, bis wir nahe der kleinen Stadt Mugling in den Prithvi-Highway einbiegen (der die ’fast’-Luftlinien-Verbindung zwischen Pokhara & Kathmandu darstellt) & ... dem tief unter uns seine Schlucht grabenden Kali Gandaki River folgend nehmen wir die letzten 100 Kilometer unserer so umständlichen Annäherung an Kathmandu in Angriff.
Die Gebirgslandschaft bietet ohne Unterbrechung eine spektakuläre Aussicht nach der nächsten (auch wenn wir uns noch außer Sichtweite der ’Ewigen-Eis’-Regionen befinden) & ich versuche die Busfahrt so gut es geht zu genießen. Naja - sieht man von den ‘iron-seat’-bedingten dicken Schwielen an meinem Arsch ab ...
... so fühle ich mich körperlich (noch) recht gut beieinander.
Bis vierzig Kilometer vor Kathmandu kleben wir (immer auf etwa gleich schwindelerregendem Höhenlevel) in der vertikal zum Kali Gandaki hin abfallenden & unsere Piste mit ungezählten, dramatischen Felsüberhängen ’behütenden’ Ufer-Steilwand. Hier nun verlassen wir das Flußtal & bereiten uns in einer ersten, weitausholenden, fast kreisrunden 360-Grad-Schleife auf den langen, stetigen (& durch eine schier endlose Serpentinen-Aneinanderreihung führenden) Aufstieg zum Kathmandu Valley vor:
- immer neue, schroff aufragende Berg-Riesen türmen sich rechts & links der Bergstraße,
- in den mit grandiosen Fernblicken sich ständig abwechselnden ’aussichtslosen’ Gebirgs-Passagen ist es zuweilen unmöglich, den weiteren Verlauf des schmalen Asphaltstreifens auch nur vorauszuahnen,
- aber ... besonders eindrucksvoll wirkt die mich umgebende naturgewaltige Szenerie erst in dem Wissen, daß DIES HIER nur ein ’läppisches Vorgeplänkel’ ist (Was sind schon schlappe 3.000 Meter über NN ...?) - während sich nicht einmal sechzig Entfernungskilometer nördlich (von hier) ’die ACHTTAUSENDER gegenseitig auf den Füßen stehen!’
Als wir gegen Sechs Uhr den letzten Pass überstiegen haben (& man das leider etwas diesig sich präsentierende Kathmandu Valley erstmalig erahnen kann) ...

AS1318-AufstiegZumKathmanduPlateau


... stellt sich auch bei einem nicht-genannt-wollenden, eingefleischten Atheisten der spontane & reichlich un-atheistische Gedanke ein: Falls denn doch ein Himmel existieren SOLLTE - dann war ich ihm NOCH NIE so nah wie JETZT!
Noch eine halbe Stunde nimmt der Bus-Slalom über die Hochebene & durch die zunehmend dichteren Vororte Kathmandus in Anspruch - dann erreichen wir den Busbahnhof am zentralen Ratna Park. Ich schultere meinen Rucksack & strebe mit einem klaren Ziel vor Augen dem nördlichen Stadtteil Thamel (der hiesigen Hotel-, Restaurant- & Vergnügungsmeile) entgegen: Denn ... ich habe mich überredet einen Hauch von Bequemlichkeit AUSZUHALTEN & daher das über einen ausgezeichneten Ruf verfügende Kathmandu Guest House (die beste & teuerste Bleibe mitten im Billig-Hotel-Viertel) für einen auf meine beiden ersten Kathmandu-Tage begrenzten Intensiv-Kur-Aufenthalt auserkoren.
Das Sanatorium enttäuscht meine hoch gesteckten Erwartungen nicht: mein geräumiges Krankenzimmer ist funktional (bis komfortabel) eingerichtet - vornehmlich die therapie-unterstützenden Ausblicke von meinem Privat-(Patienten-)Balkon in einen friedvollen ’Lawn- & Sculpture-Garden’ verfehlen ihre intendierte Wirkung nicht - ich ATME (spürbar befreit) einmal kräftig durch & fühle mich fast augenblicklich KERNGESUNG! Allerdings nur mental ...
... denn die folgende SITZUNG (der kleine aber feine Unterschied zu ’Hockung’ ist mir in meiner körperlichen Verfassung beinahe alleine schon den stolzen Zimmerpreis von 25 Dollar wert) bestätigt dieses Hochgefühl (NOCH) NICHT GANZ ...
Trotzdem: Mein Stimmungsbarometer zeigt eindeutig steil nach oben!
Frischgepresster Orangensaft (als Arznei) & ein eher kontraproduktives Bier (zur Belohnung!) sowie ... schwerelos über der lampion-beschummerten Grünanlage schwebend tief Durchatmen, im ’seienden Sein’ sein & meinen Kopf von jeglichem Müll entschlacken. Später unternehme ich einen kurzen ’Schnupper’-Spaziergang durch Thamel: Really - the BIG ESCAPE!
Exotische Düfte mischen sich mit wohlvertrauten, ’heimatlichen’ Gerüchen (aus sämtlichen ’bundesdeutschen Kulinaria-Provenienzen’ ... äh ... wie Italien, Frankreich oder Mexiko) zu einem betörenden, alle Sinne erfassenden Aromen-Garten. Und ein Blick auf die Speisekarte des ’durchschnittlichen Thamel-Restaurants’ macht dem Betrachter klar (gerade & vor allem nach sechs Wochen Indien) ...
... daß es ein NIRVANA auch auf Erden gibt! Obwohl (There’s ALWAYS a Bad News!) die Qual der Wahl den passionierten Zauderer schon verdammt quälen kann! Letztlich ...
... lasse ich mich im Garten des Al Pollo Restaurant nieder & ZELEBRIERE eine saugute Pizza Napolitano (zu Jasmin-Tee). ’Die beste Pizza in Kathmandu! Unser Chefkoch hat fünf Jahre in Genua gearbeitet!’ ...
... erläutert beflissentlich der unaufdringliche Kellner.
Auf meinem Balkon hockend (& rauchend) rekonvaleszensiere ich schließlich für den Rest des kurzen Abends (derweil aus den umliegenden Restaurants westliche Musik aus der ‘Unplugged’-Abteilung leise an mein Ohr dringt) ...
... BIS die beiden Behelfs-Streichhölzer unter der Last meiner tonnenschweren Augenlider mit einem vernehmlichen ’Splitter-Plop!’ (simultan) in der Mitte durchbrechen & leugnen zwecklos machen:
ICH BIN HUNDEMÜDE! Was mich nicht wirklich überrascht ...
... nach diesem langen & anstrengenden Tag!
Mit HAPPY-END!

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