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AUS INDIEN: ‘THE BEAST & THE BEAUTY‘ - TEIL 2 ! ODER: A LOVESICK FOOL (TRAVELLING) ... ... IN WEST-BENGAL !
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... von Madras (Tamil Nadu) durch Ost-Indien nach Calcutta sowie ... weiter durch West-Bengal nach Darjeeling (am Süd-Ost-Rand der Himalayas)
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Dienstag, 23. April bis Dienstag, 30. April 1996:
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Erstaunlich fit bereits um Sechs Uhr (wecker-unterstützt) wach - sofort auf den Beinen (ich mache auf mich den Eindruck als würde ich mich freuen, dieses Hotel verlassen zu dürfen): Um Viertel vor Sieben Uhr stehe ich mäßig geschniegelt, aber voll bepackt im Hotel-Restaurant - trotz der ‘shiva‘-losen Uhrzeit hält man (immerhin!) einen guten, weil sehr starken Kaffee für mich bereit. Gut gelaunt marschiere ich anschließend zur Central Railway Station Madras - frage mich allerdings mittlerweile (ernsthaft!), ‘... warum ich Einzel-Idiot eigentlich immer so früh am Zug auftauche?‘ Denn: ... mit (gar nicht) schöner Regelmäßigkeit werden zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges sämtliche Waggon-Numerierungen geändert, ... alle Leute (oder sagen wir besser: die wenigen sonstigen Pünktlichen & ich!) räumen daraufhin hektisch ihre mit planerischer Weitsicht & Sorgfalt für die Bahnreise ein- & aufgerüsteten Sitzplätze, ... stürzen ins Freie & ... ... kämpfen mit den lässigen Schrittes eben (naja: halt pünktlich!) auf dem Bahnsteig eintreffenden ‘Faulen Knochen‘ die frisch-(& neu-)numerierten Zugabteils aus. SO ... NATÜRLICH auch heute! Froh meinen reservierten Sitzplatz in Coach S3 auf Anhieb gefunden zu haben markiere ich diesen (für jeden sichtbar) mit meinem Rucksack & ... schlendere Reiseproviant kaufend (& noch lächelnd) den Bahnsteig entlang. Eine halbe Stunde später vergeht mir die gute Laune gründlich ... ... denn ich muß feststellen, daß sich Coach S3 während meiner Abwesenheit (wie durch Geisterhand) in Coach S8 verwandelt hat: SCHEISSE! ... und: - Gepäck aus dem alten (falschen) Abteil herauszerren, - neues (richtiges) Abteil suchen - derweil die träge Menschenmasse dramatisch an Dichte zunimmt ... daher (!), - mittels vor dem Körper als aggressiv-offensiver Schutz- & Angriffs-Schild getragenen Rucksack Schneise in den mit exakt gleichen Motiven zu Werke gehenden, kompakten ‘Bahnsteig-Fleischberg‘ pflügen (dabei ... Sorry!, ... ‘Scuse Me! oder ähnliche Euphemismen heucheln), - schließlich neues (richtiges) Abteil FINDEN & Gepäck unter dem neuen (richtigen) Sitzplatz verstauen! Übrigens: unter ist (wie ich mittlerweile aufgrund schmerzhafter Erfahrung weiß) sehr wichtig ... will ich nicht nochmal (wie während des Bahn-Trips von Delhi nach Bombay erlebt) meinen Rucksack die ganze Nacht hindurch auf einer harten & schmalen Bank innig umarmen müssen! Schließlich ist ALLES wieder IM LOT! Der Zug setzt sich in Bewegung - ich schnaufe einmal kräftig durch, mache es mir auf meinem Fensterplatz bequem & schaue mich erstmalig im Abteil um: Unmittelbar neben mir sitzt Michelle - eine junge, französische Archäologie-Studentin, die studienbedingt in Paris wohnt, ursprünglich aber aus Angers (etwa 100 Kilometer östlich von Nantes) kommt. Sie befindet sich (wie so viele andere Asien-Reisende auch - naja ... ) in einer Umbruchphase & überlegt, ob sie (nach Abschluß der Indien-Reise) ihr Studium in Paris wieder aufnehmen soll oder nicht ...? Den derzeitig gültigen Zwischenstand ihres (allerdings noch nicht GANZ abgeschlossenen) Entscheidungsfindungsprozesses faßt sie vielsagend mit den beiden Worten ‘On Verra ...!?‘ zusammen. Michelle ist vor vier Wochen gemeinsam mit ihrem Bruder & dessen Freund Richtung Indien aufgebrochen. Da die beiden jedoch keinerlei Lust erkennen ließen, Goa auch nur für einen Tag den Rücken zu kehren (‘Beach, Beer & Blondes‘ lautet ihr bissiger Kommentar. ‘Ja-Ja, so kennen wie sie - unsere französischen Brüder!‘, sagte der Deutsche & bestellte sich am ‘Ballermann 6‘ die nächste ‘Mass‘) ... hat sie ihre Sachen gepackt & sich solo (Chapeau!) auf Entdeckungsreise begeben. Ihr Interesse gilt vornehmlich den Tempeln sowie (nicht wirklich überraschend) famous archaeological Sites. Michelles nächstes Reiseziel ist Varanasi (aus Kiplings ‘Kim‘-Roman mir noch als ‘die alte Stadt Benares‘ wohlvertraut) & unser ‘gemeinsamer‘ Weg führt bis Bhubaneswar ... ... der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Orissa, die etwa 300 Kilometer südlich von Kalkutta (an der Ostküste des Subkontinents) einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt darstellt. Die angeregte & sehr kurzweilige Unterhaltung macht meine anfänglichen Bedenken bezüglich des ersten, längeren Bahntrips nach meinem ‘Nervous Break-Down‘ (in Quilon) schnell vergessen. Naja - immerhin benötigt der Zug für die 1.700 Bahnkilometer von Madras nach Kalkutta fast dreißig (!) Stunden ... Die ersten drei Teil-Etappen Madras - Nellore - Ongole - Vijdyawade (jeweils etwa 200 Kilometer) ziehen sich zeitlich gesehen EXTREM in die Länge: Unzählige Stops ... in einer gleichbleibend kargen & flachen sowie zunehmend monotonen Küstenlandschaft ... bei unerträglich hohen Außentemperaturen, die von den in den Zugabteils (eindeutig!) HERRSCHENDEN Celsius-Graden allerdings noch locker überschritten werden. Bereits am frühen Nachmittag beginne ich die gleichermaßen faul wie offensichtlich genußvoll ‘in den Tümpeln dümpelnden Wasserbüffel‘ zu beneiden & ... den Sonnenuntergang herbeizusehnen. Ich vertreibe mir die Zeit, indem ich (abwechselnd) ... mich mit Michelle unterhalte - Zeitung oder meine neue Reise-Lektüre lese (‘Triffst Du Buddha unterwegs!‘ von dem US-amerikanischen Psychotherapeuten Sheldon B. Kopp) - sowie döse, rauche und / oder mich von der langweiligen, durchfahrenen Landschaft einfach ‘ermüden‘ lasse. Die übrigen ‘Insassen‘ unseres Zugabteils sind zwar allesamt Inder - alters- & interessenmäßig aber spalten sie sich in zwei Gruppen auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten: ... zum einen drei noch sehr junge Teens, die entweder paarweise (mittels Doppel-Kopfhörern) ihrem Gemeinschafts-Walkman lauschen oder aber ihre nicht zu bändigende Hyperaktivität durch permanentes Aufstehen, Platzwechseln & Rumrennen ausleben - ständig muß ich meine langausgestreckten Beine im schmalen Sitzbank-Zwischenraum neu sortieren (was mich allerdings nur mäßig nervt, da ich aufgrund meines durchgesessenen Sitzfleisches eh regelmäßig die Sitzhaltung ändern muß), ... & zum anderen vier mittelalte, vermeintliche Familienväter (auf ‘was-&-wohin-auch-immer‘-Tour?), die ohne Unterbrechung mit ausladenden Gesten ein ‘mich irgendwie an Cricket erinnerndes‘ Kartenspiel ZOCKEN - sprich: ich habe keinen blassen Schimmer, worum es bei diesem ‘abgekarteten Spiel‘ geht (& bereits der kopfschüttelnd registrierte Umstand, daß die Karten gegen den Uhrzeigersinn verteilt werden läßt mich an der Nachvollziehbarkeit der Spielregeln für einen maximal durchschnittlich kartenspiel-begabten Mitteleuropäer zweifeln & ... mein Interesse daher schnell erlahmen). Als die ostindische Nacht schließlich ihren schwarzen Mantel über unseren Zug breitet mache ich mir gerade die ersten Gedanken, wie ich (irgendwann im Laufe der nächsten beiden Stunden) den ‘fröhlichen Zockern‘ möglichst höflich & schonend beibringen kann, ‘... daß ich meine schlappen Knochen jetzt eigentlich ganz gerne auf der Lower Bench ausstrecken würde!?‘ ABER: Gerade so, als könnten sie meine Gedanken lesen, stellen sie kurz darauf ihr Kartenspiel ein - wünschen freundlich ‘A Good Night‘ & ... zerstreuen sich in alle (Zug-)Winde. Um Punkt Neun Uhr präsentiert sich unser Abteil in einem (für asiatische Verhältnisse) ausgesprochen geräuscharmen Zustand - ich mache mich auf der Pritsche lang & ... gebe mich ‘der Illusion eines zwölfstündigen, traumlosen & erquickenden Gesundheits-Schlafs‘ hin! Naja - immerhin streicht eine in Maßen kühlende Abendbrise durch das geöffnete Train-Bull-Eye (sowie über mein Gesicht) ... & mit ziellosem ‘Simmelieren‘ (NEIN! Ich denke WIRKLICH an nichts Bestimmtes! EHRLICH!) sowie stundenweisem denn- doch-Wegdösen endet (eigentlich überraschend erträglich!) dieser Abend im Night Train to Calcutta & ... ... geht nahtlos über in ...
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... In Bhubaneswar verläßt Michelle den Zug - wir wünschen uns ‘A Nice Trip - Be Careful - et ... Au Revoir (peut-etre)!‘ - anschließend HAU’ ich mich für drei weitere Stunden auf die semi-harte Pritsche. Erst um Neun Uhr bauen wir unser Abteil, uns bewußt Zeit lassend wieder in ein Day-Compartment um: Aus Erfahrung Klug ... ... hüte ich mich davor, Kalkutta zu früh herbeisehnen zu wollen. Zumeist (zwar) lesend betrachte ich nun (auch) wieder mit wachsendem Interesse eine mit Überschreiten der Grenze zur Provinz West-Bengal zunehmend abwechslungsreiche & sichtlich fruchtbare Landschaft. Der Ganges (Hooghly River) übt mit seinen zahllosen Nebenflüssen einen deutlich positiven Einfluß auf die regionale Agrarwirtschaft & das Leben der west-bengalischen Bevölkerung aus (naja - zumindest ... solange er sich ‘in Grenzen hält‘): endlose, in sattgrünen Farbtönen sich (kaum) bewegende Reis-Parzellen - die raren, unkultivierten Zwischenflächen verschwinden unter einem wildwuchernden, artenvielfältigen Palm-, Farn-, Obstbaum- & Laubblätterwerk-Dschungel - zu jeder der wie zufällig ins Terrain gepflanzten Einzel-Strohhütten gehört ein kleiner, idyllisch von Palmen gesäumter Teich, in dem (einträchtig nebeneinander) ‘Vieh & Mensch die bereits brutale Morgenhitze fliehen‘. Natürlich hat unser Zug Verspätung ... diese bewegt sich jedoch im Rahmen des (hier als Pünktlichkeit geltenden) ‘Üblichen‘: Um Halb Drei Uhr (also nach mehr als dreißig Stunden Fahrtzeit) RUMPELT mein Express-Zug in die unübersehbar noch aus britisch-kolonialen Zeiten stammende Howrah Railway Station Calcutta ... die sich übrigens auf der ‘Schäl Sick‘ des Ganges (bzw. des Ganges-Mündungsarms mit Namen ‘Hooghly-River’) befindet. Seit nunmehr sechs Stunden habe ich meinem Körper keinerlei ‘Kühlflüssigkeit‘ mehr zugeführt - bewußt- bis willenlos mich einem exotischen Quasi-Magnetismus übereignend finde ich (nicht wirklich überrascht) mich daher kurz darauf vor einem Steh-Café am Ende des Bahnsteigs wieder: ... äh ... mehrere EX-Cola! Ebenda ... erstes Try-&-Error-Erkunden des Taxi-Fahrpreises zur Cheap-Hotel-Area (Nähe Sudder Street): Bei 120 Rupees starten wir - als wir Stunden später bei 50 Rupees angelangt sind schlage ich (sehr mit mir zufrieden) ein - der Schlepper SCHLEPPT mich zu seiner vor dem Bahnhofseingang geparkten, uralten & doch chromblitzenden Karosse ... ... in der schon jemand sitzt: ‘Shared Taxi!‘ Tja & so lerne ich Helena kennen - eine junge Schwedin aus Stockholm, die über das blaueste Blau in ihren strahlend-blauen Augen verfügt, das ich je gesehen habe! Während der Fahrt zum Fairlawn Hotel (dem teuersten & ‘besten Haus‘ des Billig-Hotel-Viertels ... das sie dem Fahrer als Adresse nennt) breite ich erstmal meine Philosophie des ‘ökologisch-bewußten, flugzeug-freien Individual-Reisens‘ vor ihr aus - was Helena jedoch (völlig unverständlicherweise!) NICHT abschreckt mir (& sich ...?) beim Abschied ein freundlich-lächelndes & ... äh ... strahlend-blaues ‘See You Later!‘ zu wünschen.
  
Ich widme mich zunächst einmal den Bloody-Cheap-Empfehlungen meines Reiseführers: Hm - meinen Bombay-Erfahrungen nicht unähnlich bedeutet ‘Cheap‘ in Kalkutta ‘... unbelievably Run-Down & absolutely Shabby!‘ - das durchschnittliche Mittelklasse-Hotel (mit keinerlei, eine derartige Bezeichnung rechtfertigendem Komfort) entspricht hingegen einer ‘billigen Absteige‘ in Kerala oder Tamil Nadu. Nachdem ich zehn sehr verschiedene Herbergen abgegrast habe pflanze ich mich auf ein hoffentlich Klarheit bringendes Bier ins (in dieser jämmerlichen Gegend unerwartet!) idyllische, exotisch begrünte Garten-Restaurant des Fairlawn. Ich grüble vor mich hin - wäge die während der letzten Stunde erhaltenen Angebote gegeneinander ab - (& habe mich gerade für eine ‘sensationslose Acht-Dollar-Gruft‘ entscheiden) ... DA betritt Helena den Garten! UND ... ... augenblicklich geht die deutlich am höchsten Punkt des Firmaments auszumachende Sonne ein zweites, weit leuchtenderes Mal auf (obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch der festen Meinung bin, daß sie aus den ‘Verunreinigten Staaten von Amerika‘ kommt!). Wir unterhalten uns - sie trinkt ihren Tee, während ich an meinem Bier nippe. Nach einer kurzweiligen Stunde fällt Helena plötzlich mein Rucksack auf. Sie fragt mich, ob ich schon ein Zimmer gefunden hätte & erzählt mir (ohne meine Antwort abzuwarten) von ihrem ‘Cheap Room (85 Rupees!) with attached Bath just Around the Corner‘ ... ... augenblicklich fühle ich mich mit meinem ‘300-Rupee-Room (with Room-Service & TV)‘ wie der größte Verschwender dieses, unseren Planeten! Anyway ... Äh ... ‘See You Later! Perhaps in the Evening?‘ Nachdem ich mehr schlecht als recht gewissenhaft in meiner ‘Luxus-Herberge‘ eingecheckt habe (Tja - SO NAH liegen Asketentum & Hedonismus manchmal beieinander!) begebe ich mich auf den Weg zum Dalhousie Square, an dessen Westseite sich die Hauptpost befindet: Ich kann’s nicht erwarten zu erfahren, ob eventuell eine Karte, ein Brief, ein Päckchen ... für mich (!) ... aus Deutschland ...? Eine halbe Stunde später habe ich zwar die Gewißheit, daß ein Paket (‘Hans - ein Paket!‘) hier, in Kalkutta zur Abholung für mich bereit liegt - aber der Paket-Ausgabe-Schalter ist schon geschlossen & man vertröstet mich: ‘Tomorrow - whenever you Like ... between 10 AM and 3 PM!‘ Im west-bengalischen Fremdenverkehrsamt hält man some more Good News für mich bereit: - das Nepal-Visum kann ich direkt an der Grenze kaufen, - für Darjeeling benötige ich (entgegen der veralteten Lonely-Planet-Info) mittlerweile kein Special Permit mehr, - weiterhin soll vor zwei Monaten ein brandneuer Grenzübergang zwischen Myanmar & Indien eröffnet worden sein (IRGENDWO in den indischen North-East-Frontier-Provinzen - genaueres soll man bei der Botschaft Myanmars in Kalkutta erfragen können) ... ... was bedeuten würde, daß ich Myanmar vielleicht doch nicht überfliegen muß (worauf ich mich insgeheim, wenn auch schweren Herzens, schon eingestellt hatte)! ‘TJA - SUPER, EH ... das ALLES!‘
 
Zufrieden (sowie/weil mit mehreren Organisations-Aufträgen für den morgigen Tag gut versorgt) schlendere ich, zunächst noch sehr beschwingt zurück Richtung Sudder Street. Unterwegs werde ich jedoch von einem (aus dem siebten Himmel herniedergehenden?) UNWETTER aus meinem ... äh ... siebten Himmel gerissen - dem ersten Vorboten des nahenden Monsun (wie ich am nächsten Morgen der lokalen Tagespresse entnehmen muß): Ein Platzregen mit noch niemals nicht erlebter Intensität (original ‘... wie aus Wasserkübeln‘!) sowie ein für tropische Regionen ungewöhnlich kalter Orkan-Wind tobt & fegt über Kalkutta (hinweg)! Nur mit größter Mühe gelingt es mir, meine Kameraausrüstung unter der verdammt engen Regenjacke vor den Wassermassen zu schützen - für mich bleibt da natürlich kaum mehr Platz ... ... & so erreiche ich eine feuchte halbe Stunde später mein Hotel als mitleiderregender, ‘klitschnasser Clown‘ (‘Hi, Herman!‘). Duschen - Tagebuch & Reiselektüre - Zimmerservice-Test (zunächst Bier, später ein Chicken-Dhal-Chapati-Snack). Um Neun Uhr schlendere ich ins Fairlawn - schaue mich kurz im wenig beleuchteten Garten um - finde SIE nicht ... ... & hocke mich (schon ein WENIG enttäuscht) an den einzigen, noch freien Tisch. Noch bevor ich meine Getränkebestellung aufgeben kann ... steht Helena vor mir, strahlt mich an (mit diesem ... naja) & fragt mich, ob ich sie an ihren Tisch begleiten möchte? Und OB ICH MÖCHTE ... ... ich meine natürlich: ‘Well - aaah - I’m waiting for some Friends, but - aaah - they’re Late - aaah - so: Okay! Why Not?‘ In trauter Runde sitzen beieinander ... ein deutsches Pärchen (er ist Journalist & recherchiert für diverse deutsche Rundfunksender in Dhaka & Kalkutta über ‘Ärzte in der Dritten Welt‘), ... ein englischer, in der Textilbranche tätiger Einkaufsmanager (‘On Job in India!‘ Hm ...) sowie ... äh - ja: WIR! Es wird ein sehr fröhlicher, aber auch sehr trockner Abend ... denn mit meinem Eintreffen an diesem nachmittags noch als so bierselig empfundenen Ort gibt’s nichts mehr zu trinken: Die Bar schließt früh im Fairlawn. Nach etwa zwei Stunden löst sich die Gesellschaft auf. Wir (Helena & ich) verabschieden uns vom Rest der ‘Gang‘ & unternehmen noch einen kurzen Spaziergang durch’s nächtliche, mir bei weitem nicht so voller Schrecknisse & jämmerlicher Armut (wie beispielsweise Bombay) vorkommende Kalkutta. Tja - woran DAS wohl liegen mag? Ein spätes Eis (gegen den Durst) in einem Late-Cafe - ausgiebiger Austausch unserer Reiseerfahrungen - es ist bereits weit nach Mitternacht, als ich Helena vor ihrem Hotel (das sich exakt zwei Häuser rechts meiner Absteige befindet) in die Obhut des Nachtportiers entlasse & wir uns (locker ... ich meine: lose!) für den Folgetag verabreden. Mit einem (noch) uneingeschränkt-positiven Time-Will-Tell-Gefühl SCHWEBE ich anschließend (vorbei am Nachtwächter meines Hotels) in mein Zimmer ... ... wo ich bereits Augenblicke später mit einem (wahrscheinlich ‘unwahrscheinlich blöden‘) Lächeln im Gesicht einschlafe ... |
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... Heute zwinge ich mich AUSZUSCHLAFEN: Ich will das aufgrund der gestrigen Nacht-Zugfahrt zweifellos entstandene Schlafdefizit ausgleichen ... betrete daher (erst) um Neun Uhr das Blue Sky Café (‘LP‘-Empfehlung wegen des phantastischen Porridge: ‘Iiieeh!!‘), lasse einen Rundblick über die Tische des Gastraumes kreisen & ... wer sitzt gleich am ersten Tisch? Wie immer strahlt Helena, als sie mich sieht (‘Weiß-der-Teufel-WARUM? Was ICH allerdings weiß ist, daß mein Herz einen spürbaren Hupfer tut!‘). Wir unterhalten uns & ... ich erfahre ein bißchen mehr über sie: Sie hat nach ihrer Ausbildung drei Jahre in Stockholm als Krankenschwester gearbeitet - dann ein Studium begonnen (Kunst & Philosophie) - sich nach dem vierten Semester für ein Semester befreien lassen - & reist seit nunmehr sechs Wochen durch Indien ... ... mit einer Menge Adressen von Ashrams (sie hat bereits an mehreren Meditations- & Tanz-Workshops teilgenommen), Gesundheitsstationen (die Mission Mutter Teresas will sie sich unbedingt zumindest ansehen, wenn möglich sogar ein paar Tage hospitieren) sowie zahlreichen Freunden & Bekannten ihrer Eltern. Schließlich ist es Zehn Uhr - beide haben wir unseren ersten Tag in Kalkutta mit diversen Organisations-Aufgaben zugeplant - daher verabschieden wir uns (‘See You ... Later!‘) & ich ... ... marschiere zur ‘GPO‘. EIGENTLICH will ich ja nur mal eben ein Paket (aus Köln: ‘Gell - Hans!‘) abholen! Völlig unerwartet entwickelt sich dieses schlichte Unterfangen jedoch zu einer Odyssee der ganz besonderen Art: ... geschlagene zwei Stunden werde ich von einem Haupt- zum nächsten Nebengebäude geschickt, ... darf selbständig herausfinden, welcher der zahlreichen Eingänge denn wohl der Main Entrance ist, ... muß HIER ein Formular ausfüllen & DA noch eine Quittung unterschreiben, ... soll mir die sachliche Richtigkeit DIESES Antrags in Zimmer 14 (1.Stock) bestätigen & JENEN Vordruck in Zimmer 32 (3.Stock) abzeichnen lassen ... HIIILFEEE! Wie gesagt ... nach zwei Stunden (!) scheine ich ENDLICH das richtige Büro & nicht nur irgendeine, nein: die zuständige Postangestellte gefunden zu haben ... ... der ich dann noch weitere fünfzehn Minuten zuschauen darf, wie sie Checks an meinem Paket durchführt, endlose Zahlenreihen in eine sehr gewichtig aussehende Kladde einträgt - UND und & ... but finally: Es ist schon ein schönes Gefühl nach zehn Wochen ‘Nachricht aus der 15.000 Kilometer entfernten Heimat‘ zu bekommen & ein Paket aus Köln (!) an mich (!!) in meinen Händen (!!!) zu halten! Zurück in die Sudder Street ... ... wo ich (im schattigen Garten des Fairlawn) schließlich gaaanz laaangsaaam (nicht etwa, weil ich so ergriffen bin, vielmehr: weil es so bombenfest verschnürt & versiegelt ist) das Paket öffne. ‘Thanxx, Hans - für die Filme ... sowie das kurze, schriftliche Grußwort von ALLEN (obwohl ich gar keinen Allen kenne!?)‘. Anschließend mache ich mich an den zweiten (von vier für den heutigen Tag eingeplanten) Programmpunkt meiner gedanklichen Organisations-Liste: die verzweifelte Suche der sich letztlich als unauffindbar erweisenden burmesischen (myanmarischen) Botschaft in Kalkutta! In der Parkstreet 67 (Auskunft im Tourist Office of West-Bengal) gibt es weder eine Botschaft noch ein Konsulat - die Auswertung der Aussagen einer ganzen Reihe befragter Passanten führt zu zwei Ergebnissen: erstens (& sicher!) ‘... the Embassy has shifted!‘ - zweitens (& mehr als widersprüchlich) ‘... there’s a new Adress!‘ Nachdem ich ungefähr zehn verschiedene Aufzüge an ebensovielen verschiedenen Hauseingängen hochgefahren (& anschließend zu Fuß wieder ‘runtergestiefelt‘ bin) GEBE ICH AUF ... & verschiebe weitergehende Recherchen auf morgen. Leicht gefrustet wende ich mich Punkt 3 meiner Liste zu: Kauf eines Bahntickets für den ‘Darjeeling Express‘, der mich nämlichem Zielort in einer ersten Halbetappe bis New Jalpaiguri (oder NJP - wie hier jeder sagt!) annähern wird ... ... bevor es per Toy Train oder Minibus weiter & hinauf ins Zentrum der weltberühmten Tee-Anbau-Region geht. Ich folge einem Tip Helenas - erspare mir den Marathon-Marsch zum (very Far-Off) am östlichen Rand des Stadtzentrums residierenden Sealdah Bahnhof - & begebe mich stattdessen zum städtisch-zentralen Railway Reservation- & Booking-Office ... äh ... wo’s natürlich einen Foreigners Counter HAT! ‘Ja - ICH WEISS! Aber EIGENTLICH ... & grundsätzlich ... & überhaupt finde ich diese bevorzugte Touri-Scheiße WIRKLICH nicht gut!‘ (räusper) ... Problemlos (und so weiter) ... Nächstes Thema: ‘Overland-X-ing into Myanmar!‘ Im Government State of India Tourist Office am südlichen Ende der Chowringhee Road (entbritifiziert: ‘Jawaharlal Nehru Road‘) möchte ich Genaueres über den neueröffneten Grenzübergang Indien-Myanmar erfahren & ... erlebe ein enttäuschendes Fiasko: Der einen kompetenten Eindruck machende Angestellte eröffnet seinen Vortrag mit der gleichermaßen schlichten wie (mich) deprimierenden Feststellung EINEN SOLCHEN GRENZÜBERGANG GIBT ES NICHT! Und weiter ... falls (entgegen seinem aktuellen Kenntnisstand) eine Möglichkeit zur Einreise von Indien nach Myanmar bestehen sollte dann bräuchte ich zunächst eine Sondererlaubnis zur Einreise in die North-East-India-Bundesstaaten, die allerdings mindestens sechs Wochen vor Reisebeginn beantragt werden muß! Tja - DAS behauptet er (jedenfalls) - ICH ... weiß nicht mehr was & wem ich noch glauben soll: Hier erzählt dir jeder etwas anderes! Ich verschiebe jegliche Bemühung um weitergehende Frustrationen zu diesem Thema auf meinen zweiten Kalkutta-Aufenthalt (nach Nepal!) & ... fühle nach dem gestrigen Euphorie-Hoch im Tourist-Office of West-Bengal heute doch arge Ernüchterung! Daher gestatte ich mir für den Rest des Nachmittags ein paar fotogene, leicht verdauliche (& möglichst frustpotential-lose) historisch-architektonische Stadt-Sehenswürdigkeiten - überquere die Chowringhee Road - & flaniere durch das äußerste, südöstliche Ende des Calcutta Maidan.
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Die ‘grüne Lunge Kalkuttas‘, die ihresgleichen höchstens im ‘Kölner Grüngürtel‘ oder (mit Abstrichen!) im ‘New Yorker Central Park‘ findet (& deren islamische Namensgebung ‘Maidan‘ von den wirklichen Erbauern des Parks ablenkt - oder: genau genommen gerade NICHT!) ... wurde von den Briten Mitte des 18. Jahrhunderts zum Zwecke der ‘Erlangung eines freien Schußfeldes bei eventuellen Aufständen der unbeugsamen Bengali‘ errichtet (äh ... beauftragt). Zu diesem Zeitpunkt war Kalkutta übrigens noch die Hauptstadt des zum ‘Empire‘ zählenden Indien (& ... blieb es, bis man 1911 ins damals ruhigere Delhi umzog). Hier, am südlichen Rand der größtenteils aus endlosen, ebenen Rasenflächen bestehenden Grünanlage präsentiert sich der Maidan als märchenhaftes, dicht an dicht baumbestandenes, alt-englisches Park-Idyll ... in dessen Zentrum sich die schneeweiße, 1847 (also zur ‘Hochzeit‘ der britischen East-India-Company) errichtete St.-Pauls-Kathedrale versteckt:
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Sie besitzt monumentale Ausmaße - eine (überraschend, aber) wohltuend schlichte Innenausstattung - & bietet mit ihrer für asiatische Verhältnisse extrem RUHIGEN Umgebung am frühen Nachmittag (also jetzt!) ‘... a Real Nice Place for Contemplation!‘ Wovon ich denn auch gerne & ausgiebig Gebrauch mache ... Sehr viel später ...
 
... folge ich den gepflegten Park-Kieswegen in westlicher Richtung bis zum Victoria Memorial - einem riesigen, filigranste Architektur aufweisenden Marmor-Palast, der mit geschmacklos bis kitschigen ‘immobilen Zeitzeugen der britischen Kolonialzeit‘ eingerichtet ist. Der Palast wurde 1921 zu Ehren Queen Victorias feierlich eröffnet - mein ehrliches Interesse aber beschränkt sich (maximal!) auf eine schätzungsweise 200 Meter nördlich der verschwenderisch ausgestatteten Protz-Burg ‘die alte Dame‘ nicht unbedingt vorteilhaft erscheinen lassende Statue:
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Breitbeinig wie ein Pferdekutscher & mit einem grimmigen Gesichtsausdruck, der die ‘Eiserne Lady unsrer Achtziger-Jahre‘ wie eine warmherzige Sympathie- & Hoffnungsträgerin der britischen Jugend erscheinen läßt ... ... GLUCKT sie als Marmor gewordene Verkörperung der Strenge & Unnachgiebigkeit auf ihrem Thron. Zu ihren Gunsten sei aber erwähnt, daß sich ‘die alte Vicky‘ selbst einmal sehr negativ über die Statue geäußert haben soll (ob DAS allerdings wirklich für sie spricht ...?). Sei’s drum - MIR REICHT’S ... äh ... in der das ‘Memorial‘ einbettenden Parkanlage etwas Ruhe genießen & meinem Laster frönen zu dürfen: A Couple of Cigarettes - on a Bench - in the Shady Sun - under a Tree!
 
Im weiten Bogen mich durch den Maidan vorwärts fotografierend (eine vergleichsweise kleine Adler-Gattung, normalgroße Wildpferde & -Ponies, hirtenlos umherwandernde Schaf- & Ziegen-Herden sowie ein imposanter, urzeitlich wirkender ‘Stand-Alone-Tree‘) kehre ich nach vollendetem Sonnenuntergang in mein Domizil zurück. Später schaue ich nochmal ‘auf ein Abend-Bier im Fairlawn vorbei‘. Naja - dabei bleibt’s natürlich nicht (es werden insgesamt drei ... äh ... also: natürlich mal 0,65 Liter!) - denn die gleiche Clique wie am Vorabend hat sich zum trinken, erzählen, rauchen & diskutieren versammelt. Eins unserer heutigen Haupt-Gesprächsthemen ist übrigens die Beziehung zwischen ‘erster & dritter Welt‘ ... wobei mir der Part des ‘Idealist beyond Reality‘ nicht nur scheinbar zugedacht, sondern von mir auch ohne Zögern übernommen wird. Trotz teils hitziger Debatte kommt letztlich kein wirklicher Streit auf ... ... entweder wir kennen uns (dazu!) nicht gut genug oder der ‘Traveller-an-sich‘ ist doch der tolerantere Mensch. Hm - je länger ich drüber nachdenke, umso deutlicher tendiere ich zur ersten Alternative. Anyway ... Es wird trotzdem ein insgesamt rund-um schöner, relaxter Abend (‘Fast Nullzwei-Atmo, Wollie! ... lediglich die Mega-Frikadellen fehlen! Naja - die eine oder andere Person schon auch ... wenn Du’s denn unbedingt hören willst!?‘). Allerdings ist Helena immer noch leicht erkältet & zudem von einem langen Nachmittags-Spaziergang etwas müde: Sie verläßt unseren Kreis (leider!) als erste ... ... während wir anderen noch eine gute weitere Stunde ABSCHIED FEIERN: Der deutsche Journalist & seine Freundin verleben heute ihren letzten Abend in Kalkutta - morgen geht’s nochmal für eine Woche nach Bangladesh & ... anschließend ‘... Back Home to good ol’ fuckin’ Germany!‘ Nicht wirklich überraschend TORKLE ich letztlich ziemlich betrunken zurück in mein Hotel - beginne zwar noch ein Kapitel ‘Triffst Du Buddha unterwegs ...‘, gebe das Lesen dann aber doch (... for Safety Reasons!?) ziemlich schnell dran. ‘Hm - ich habe zwar KEINE Ahnung, WAS diese Hoffnung nährt - aber: Ich bin optimistisch HEUTE (ausnahmsweise) mal durchschlafen zu können!‘ ... |
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... Zwei Kalkutta-Tage später werde ich extrem früh wach (‘Warum bloß? Etwa wegen Deiner Frühstücks-Verabredung - Fragezeichen!‘) & schaue mir bis Halb Neun Uhr die NBA-Playoffs im Star-Sports-Channel an. Dann Duschen & rüber ins Blue Sky Cafe - pünktlich um Neun Uhr sitze ich beim Frühstück! Fünfzehn Minuten später erscheint (muß ich es wirklich erwähnen? Na denn: mit strahlendem Lächeln!) Helena & ... wir erzählen uns erstmal, was wir während der beiden letzten Tage so getrieben haben: Gestern Morgen ... als ich mich vergeblich bemühte ihr ‘zufällig‘ über den Weg zu laufen (Falsch-Info ihres befragten Herbergers!) war sie NUR in der Nähe des Kali-Tempels.
   
Dort befindet sich eine der zahlreichen Außenstationen der Mother Teresas Mission, in der Helena von Acht bis Zwölf Uhr ausgeholfen hat: .. alte & kranke Menschen betreut, ... Frühstück vorbereitet & den Kranken ans Bett gebracht, ... Bettwäsche gewechselt, ... die bettlägerigen Patienten gewaschen. Nachmittags war sie bei zwei älteren Calcutta-Ladies eingeladen, deren Adresse sie von einer schwedischen Freundin mit der strikten Anweisung erhalten hatte, diesen einen Besuch abzustatten & Grüße auszurichten! Und trotz immer noch leichter Erkältung hat Helena diesen Auftrag natürlich folgsam erledigt. ‘Tja - so sind sie halt, die (alten) SchwedInnen: Pflichtbewußt bis zur Selbstaufgabe!‘ Wir frühstücken gemeinsam & unternehmen (nach Packen & Auschecken: Heute Abend geht’s weiter Richtung Darjeeling) einen Lazy Sunday Calcutta Walk: Wir schlendern zum Ganges (‘„unheilige Große-Sonntags-Wäsche an dessen heiliger Uferböschung ...‘) ...
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... diesen entlang zur Howrah-Fähre - setzen zur gleichnamigen ‘Station‘ über & durchstreifen den Bahnhof nochmal ... äh ... in Ruhe (bei der Ankunft in Kalkutta vor nunmehr vier Tagen hatten wir, nachtzug-geschädigt beide nicht so genau hingeschaut). Helena schlägt eine ‘Der-Weg-ist-das-Ziel‘-Fahrt mit einem Linienbus in die ‘rechts-hooghlyschen‘ Stadtteile Kalkuttas vor: Let’s see, where we’ll end up ...!?
 
Naja - allzuweit kommen wir nicht ... Über die imposante Howrah-Bridge spazieren wir schließlich zurück auf die richtige Ganges-Seite: Strolling Around! ... sowie Durchstöbern der Auslagen zahlreicher Gebrauchtbuch-Händler & Neusouvenir-Verkäufer. Die von Tag zu Tag nun regelmäßiger & in immer kürzeren Zeitabständen niedergehenden Regengüsse verhelfen uns zur Bekanntschaft mit (fast) jedem Chai-Bar-Besitzer des sehr lebhaften Dalhousie-Square-Chowringhee-Road-Viertels. Auf dem Weg zum Khalsa, einem einfachen Punjabi-Restaurant (in der Nähe der Sudder Street) läuft uns ‘ein völlig abgebrannter Student aus Jena‘ in die Arme (den Helena in Süd-Indien kennengelernt hat) - er muß sich Geld nach Kalkutta telegrafieren lassen, damit er seine Reise fortsetzen kann: ‘Wißt IHR, wie das funktioniert?‘ Übrigens kommt er gerade aus Darjeeling zurück ... ... berichtet, daß es DORT OBEN bitterkalt ist (was alleine ja noch kein Grund zur Beunruhigung wäre) & seit mehr als einer Woche das immergleich-deprimierende neblig-regnerische (jegliche Aussicht auf die nahen ‘Achttausender‘ des Himalayas verhindernde) SCHEISS-WETTER herrscht! NA - KLASSE! Aber wir beschließen, uns die gute Laune (& die Vorfreude auf die Berge) nicht nehmen zu lassen: Wir gehen gemeinsam essen & verbringen auch in trauter Dreier-Runde (schlendernd sowie ‘Freud & Leid des Traveller-Lebens‘ diskutierend) die restlichen beiden Stunden ... ... bis es Zeit für den Darjeeling Express wird. Ich verspüre mal wieder Lust, ein paar Trainings-Kilometer (für Nepal) zu MACHEN ... & treffe ‘Rikschiing Helena‘ (Waltzing Mathilda ...?) später im ‘Internationalisten-Abteil‘ des Zuges wieder. Pünktlich um 7.15 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung - draußen ist es bereits stockfinster & somit ‘IST NIX mit Train-Views‘ ... aber Langeweile kann trotzdem nicht aufkommen, denn von der ersten Sekunde an ist für Aufregung gesorgt: Sören & Marietta (ein mitreisendes, junges Dänen-Pärchen) wurden eine Stunde vor Abfahrt des Zuges von einer scheinbar sehr professionellen Diebesbande im Abteil bestohlen. Ausgerechnet eine kleine Umhängetasche mit der kompletten Kameraausrüstung, einem guten Dutzend belichteter Filme & ebenso unwiderbringlichen Reise-Notizbüchern haben die Langfinger erwischt. Hm - ich kann deren Wut & Bestürzung verdammt gut nachvollziehen! Marietta schlägt der Schock derart auf den Magen, daß sie den Rest der Zugfahrt mit ‘psychosomatischem Durchfall‘ auf der Zugtoilette verbringt ... ‘SHIT!‘ (Ha-ha-ha ...). Die übrigen Mitreisenden (unsres Sechser-Abteils) sind ... ein Eisenbahn-Fan aus Hannover, der seine Vorfreude auf den ‘Spielzeug-Zug‘ (von NJP nach Darjeeling) kaum verbergen kann & dem ich später ALLES über meine beiden ‘Narrow-Gauge‘-Erfahrungen in Himachal Pradesh berichten muß ... sowie ein wortkarger (bis taubstummer?), mit völlig reglosem Gesicht das Geschehen um ihn herum eindeutig wahrnehmender Chinese. Bereits um Neun Uhr haben wir uns hinreichend müde GEQUATSCHT (naja - vornehmlich ‘Gruppen-Echauffieren‘ im Namen der Dänen!) - die Sitze werden in Nachtlager umgebaut & eine halbe Stunde später schnarchen alle vor sich hin. ALLE ...? ALLE - bis auf einen (natürlich!). Und: ‘Aus die Maus‘ ... |
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... Um Zwei Uhr am noch sehr frühen Morgen halte ich es auf meiner Pritsche nicht mehr aus: geschlossene Fenster - dementsprechend stickige Luft - & ... SCHLAFEN kann ich eh nicht! Ich suche mir einen freien Fensterplatz am Gang - drücke die Fensterscheibe bis zum Anschlag hoch & verbringe die nächsten vier Stunden mit Tagebuch & Reise-Lektüre, dem interessierten bis (in Maßen) wohlwollenden Beobachten einiger ENORMER Kakerlaken-Exemplare (bei ihren Streifzügen durchs Abteil) ... ... sowie dem Genießen eines von der Natur aufwendig (& gewohnt grandios) inszenierten Sonnen-Aufgangs-Spektakels, das bereits um Vier Uhr (zunächst allerdings noch sehr zaghaft) einsetzt.
 
Wir gondeln durch wenig besiedeltes, aber sichtlich fruchtbares & daher auch (kaum überraschend) größtenteils landwirtschaftlich genutztes Terrain. Die einzig Abwechslung bietenden ‘Fauna‘-Tupfer in einer doch recht eintönigen Flora bildet das westbengalen-typische ‘Über-Land-Transportmittel Nummer Eins‘: beeindruckend stoisch ihre Bahn ziehende Wasserbüffel ... ... die zwar (zugegeben) All Over India anzutreffen sind - in dieser Region jedoch sehe ich erstmalig, daß sie (vom Kleinkind bis zum greisen Alt-Bauern) als Reittier benutzt werden. Ab Sechs Uhr wird es lebhafter im Zug. Nach & nach erwachen die übrigen Passagiere - während (im umgekehrten Verhältnis) nach & nach die very SPECIAL Mood dieses Tagesanbruchs verloren geht. Der Atmo-Pegel erreicht schließlich wieder seinen Tages-Normalwert (dieweil mein Spaßfaktor gleichzeitig mit einem vernehmlichen PLONG am oberen Ende seiner Skala anschlägt) als ich ... ... eine mittelalte Inderin beobachten darf, die gewissenhaft zähneputzend eine halbe Stunde durchs Abteil wandert & offensichtlich stolz auf das Ergebnis ihrer gründlichen zahnhygienischen Massnahme ist: Denn die unübersehbar-leidenschaftliche Betelnuß-Konsumentin verfügt anschließend über ein neidisch machend GESUND aussehendes, weil KRÄFTIG-ROTES (gut durchblutetes!?) Zahnfleisch ... ... hm - genau wie vorher! Ein paar Chais brauche ich, um wach zu werden (oder besser: zu bleiben) - nur ein paar Seiten Reise-Lektüre sowie einen kurzen Schwatz mit meinen Reise-KollegInnen später ist es Neun Uhr & (mit nur leichter Verspätung) erreichen wir den kleinen Bahnhof der Stadt New Jalpaiguri. Helena (auf dem Weg via Darjeeling nach Sikkim) will am Buchungsschalter in Siliguri noch eine Reservierung für den Zug nach Delhi vornehmen (Ende Mai fliegt sie von dort zurück nach Stockholm) & ich biete ihr an, sie zu begleiten ... ... wahrscheinlich war das die erste Portion aus einem ‘bodenlosen Bockmist-Fass‘, das ich an diesem Tag noch bis zur bitteren Neige (eigen-selbst-verschuldet) auslöffeln werde. Und NATÜRLICH nimmt sie (nein: Helena!) freudig lächelnd mein Angebot an. Wir nehmen eine Fahrrad-Rickshaw zum fünf Kilometer von NJP entfernten Verkehrsknotenpunkt Siliguri (hier befindet sich auch der Terminal für die Express-Busse nach Darjeeling) - obwohl das Gelände spiegeleben ist, muß unser Chauffeur ‘gehörig in die Pedale treten‘ ... um drei Personen sowie zwei schwere Rucksäcke von der Stelle zu bewegen. Da sich Helenas Reservierungs-Aktion am Bahnhofs-Schalter HINZIEHT, kann ich von unsrem (hingebungsvoll sein Betelnuß-Gewürze-Kalk-Gemisch zermalmenden) ‘Rickshaw-Driver‘ erste, authentische Infos über Nepal erfragen: Er stammt aus einem kleinen Bergdorf in der Nähe Kathmandus, das weder eine Straße, noch eine irgend-sonst-geartete Verkehrsverbindung zur nepalesischen Kapitale besitzt. Trotzdem ist er in der Lage die Entfernung gleichermaßen exakt wie geradezu bildhaft anzugeben. Naja - halt drei Tages-Fußmärsche! Plötzlich platzt sein Chef mitten in unser Gespräch & ... ungewollt werde ich Zeuge eines lautstarken Streits - dessen Grund ich zwar nicht in Erfahrung bringen kann (obwohl ich ihn mir natürlich denken kann) ... ... spätestens JETZT aber bestätigt sich meine bislang nur vage Vermutung, daß die so hart malochenden ‘Menschenschlepper‘ keineswegs selbständige Einzel-Unternehmer sind - sondern von ihrem kargen Fahrlohn einen vermutlich nicht unerheblichen Anteil ‘... an eine ausbeuterische Kapitalisten-Sau ABDRÜCKEN müssen!‘ Nach einer Stunde kann Helena (ENDLICH!) den erfolgreichen Abschluß ihrer Gespräche vermelden & wir kutschieren weiter zum Busbahnhof - wo es mir nach zähen Verhandlungen gelingt den Lohn für unseren arg transpirierenden Begleiter um den vermuteten, von seinem Boss abgeschöpften ‘Mehrwert‘ ZU DRÜCKEN (also ... äh ... natürlich: RAUF!). Anschließend organisieren wir (sowohl arbeitsteilig wie auch gender-like) unsere Busfahrt nach Darjeeling - sprich: ich kümmere mich um Tickets & Gepäck, während Helena den Reiseproviant einkauft. Die atmosphärische Up-Hill-Reise ...
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... besitzt aufgrund ihres dramatischen Verlaufs (parallel zu den schmalen Gleisen der Toy-Train-Strecke) durch eine atemberaubende Hochgebirgs-Landschaft alle der Erlangung eines Natur-Hochgefühls förderlichen Ingredienzen ... ... & doch verschlechtert sich mein psychisches Wohlbefinden mit jedem berganwärts zurückgelegten Buskilometer spürbar: In meinem ‘krampfhaften Bemühen, unsere Unterhaltung interessant & geistreich zu gestalten‘, schaffe ich es binnen kürzester Zeit mich zum COMPLETE IDIOT zu machen! Abgesehen vom inhaltlichen ‘Low Talk‘ (den selbst ein ‘Manta-Freak‘ erhebliche Schwierigkeiten hätte, ‘... NOCH tiefer zu legen‘) überschätze ich ganz eindeutig meine englischen Sprachkenntnisse: Mit der größtmöglichen Brutalität & schonungsloser Offenheit führe ich meiner bedauernswerten Gesprächspartnerin (& MIR!) eindrucksvoll ‘vor Ohren‘, daß ich zwar (wenn überhaupt) über eine einigermaßen passable Aussprache ... ... gleichzeitig aber über einen BEÄNGSTIGEND GERINGEN WORTSCHATZ verfüge! Was zwar keine gänzlich neue Erkenntnis (für mich) ist - bei längeren Unterhaltungen aber ganz besonders peinlich auffällt ... jedenfalls mir! Der unüberbietbare ‘Transplanation Climax‘ ist erreicht ... als ich auf Helenas Frage, ‘... werden die Rucksäcke auf dem Dach des Minibusses im Regen nicht nass?‘ antworte: ‘No, no - Don’t Worry! Nothing will happen to them! The Guy from the Bus Company put a PLANE above them!‘ Äh ... ... ein kurzer Moment der Stille (in dem das, leider viel zu schnell verhallend Gesagte seine gesamte, komplexe Tragweite so richtig entfalten kann) ... & dann: TA-TAA - TA-TAA - TA-TAA !!! Klatsch-Marsch & Abgang! Hm ... ... leider nicht! Zu diesem Zeitpunkt hätte ich das Fiasko (hätte ich mich sofort aus dem Staub gemacht: beispielsweise ... wortlos den Steilabhang hinabgestürzt!) noch in einigermaßen erträglichen Grenzen halten können. In Darjeeling angekommen checken wir gemeinsam ein paar einfache Unterkünfte & treffen im Hotel Nirvana auf eine Australierin, mit der sich Helena kurz unterhält - während ich danebenstehe wie der ‘(Complete) Fool on the (Darjeeling-) Hill‘ & ... PHYSISCH spüre, wie mein unbefangenes Lächeln zur Maske gefriert. Schließlich finden wir zwei akzeptable Räume in zwei unterschiedlichen Hotels - großzügig biete ich Helena an sich ihr Zimmer auszuwählen, worauf sie sich für das bessere entscheidet. ICH WILL NUR NOCH WEG ... & erkläre, daß ich mir noch ein paar andere Unterkünfte anschauen werde: COS’ IT STILL FREW IS! (‘Ja, ja - mach’ DU auch noch Witze!‘). Wir verabschieden uns kurz - bereits im Gehen (ich!) ruft sie mir noch hinterher: ‘You know, where I stay!‘ & ‘Or we See ... somewhere in Town!?‘ Glücklich, endlich abziehen zu dürfen ... ziehe ich (endlich) ab & habe eine STINKWUT auf mich! In einer solchen Gemütsverfassung ein Hotelzimmer zu suchen ist übrigens gar nicht so einfach: In einer Lodge beantworten die beiden (schlicht gut gelaunten!) jugendlichen Angestellten jede meiner Fragen mit ihre Unsicherheit überspielendem Kichern & ‘Giggeln‘ - aber waidwund & paranoid wie ich mich fühle, herrsche ich die beiden mit einem ziemlich aggressiven ‘What the Hell is so FUNNY ...?‘ an & verlasse das Haus ohne mir ein Zimmer angesehen zu haben. ABER ... im gleichen Moment da ich DAS SCHILD erblicke, WEISS ich, daß ich ‘heimgefunden‘ habe: das SWISS HOTEL strahlt (vom ersten ‘Augen-Blick‘ an) eine extrem urige, gemütliche Atmosphäre aus! Ich erhalte ein großes, achteckiges Erkerzimmer mit quietschenden Holzdielen, antiquarischen Jugendstil-Nachttischlämpchen sowie fließend-heißem Wasser (in den Morgen- & Abend-Stunden) ... ... was in Darjeeling (auf einer Höhe von 2.000 Metern über NN & ... nur 150 Kilometer südöstlich des Mount Everest am Südrand der Himalayas gelegen) ein nicht eben üblicher, durchaus aber nützlicher Luxus ist! Einchecken & Auspacken - anschließend unternehme ich einen kurzen, ersten Orientierungs- & Erkundungs-Spaziergang durch Darjeeling: Aber nachdem ich erkundet habe, wo’s Zigaretten & Take-Away-Bier gibt, weiß ich für heute genug! Daher zurück ins Hotel ...
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... & ‘auf dem Bett liegend (trinkend & rauchend) die natürlich graue Zimmerdecke anstarren sowie mich über mich ÄRGERN!‘ Ich habe zwar keine große Lust (eigentlich zu GAR NIX), suche aber dennoch das im Lonely-Planet wärmstens empfohlene Restaurant Dekevas auf: ... tibetische Chicken-Thukpa (ein dickflüssiger Gemüseeintopf mit Geflügel- & maultaschen-ähnlicher Nudel-Einlage), ... eine Gemüse-Pizza sowie ... (eindeutig der Bringer!) Limonen-Ingwer-Tee mit Honig. Plötzlich vernehme ich ... die Stimme Helenas, die sich an einem nicht einsehbaren (in meinem Rücken befindlichen) Tisch mit einem Mann unterhält. Zwar bin ich mir hundertprozentig SICHER (ihren charakteristischen Tonfall würde ich unter Tausenden wiedererkennen ... außerdem vermeine ich ein jämmerlich beschränktes Vokabular ... äh - ja!) - will in Anbetracht meines verwirrten Zustandes aber auch eine Halluzination nicht ausschließen: Ich WILL’S nicht GENAUER WISSEN! ... zahle & verlasse das Restaurant ohne mich umzublicken! Es ist gerade mal Neun Uhr als ich mein Zimmer im Swiss Hotel betrete. Aus therapeutischen Gründen verordne ich mir noch eine Sitzung ‘Triffst Du Buddha unterwegs ...‘ - die schlaflose, letzte Nacht fordert jedoch bereits nach den ersten Zeilen ihren Tribut von meinem Körper (das Vorhandensein von Geist bezweifle ich vehement - zumindest zur Zeit!) & ich KNACKE ... ... ziemlich unspektakulär (einfach so) weg! ... |
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EINSCHUB:
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SO! NACHDEM DIESES WEICH-EI JETZT WOHL (HOFFENTLICH!) MAL SEINEN ‘SABBEL‘ HÄLT, REDEN WIR MAL TACHELES ... ... & dann wird der Name Helena in diesem, zum Klagebuch zu verkommen drohenden Reise-Tagebuch nicht mehr auftauchen - zumindest nicht in diesem weinerlichen, selbstbemitleidenden Tonfall. ‘Eigentlich ist alles halb so wild!‘, muß ich Dir zunächst einmal sagen - denn: ‘Was ist denn schon Dramatisches, Weltbewegendes passiert?‘ Du hast in Kalkutta eine attraktive & interessante Schwedin kennengelernt, mit der Du (augenscheinlich auf gegenseitiger Sympathie basierend) etwas gemeinsame Zeit verbracht hast, bevor sich aufgrund unterschiedlicher Reiseziele Eure Wege wieder trennten. Ihr verabschiedet Euch voneinander - wünscht Euch eine gute Reise & ... ... DAS WAR’S: nämlich eine sehr schöne Reise-Bekanntschaft! Es ist gut möglich, daß Helena es GENAU SO SIEHT - denn natürlich dramatisierst Du in der Beurteilung Deines Verhaltens maßlos & nach gründlichem Studium Deines letzten Tagebuch-Eintrags (WÜRG!) kann ich Dir den Vorwurf eines ‘zumindest leichten Hangs zum Masochismus‘ nicht ersparen! PUNKT! Dein Problem, oder genauer: deine beiden Probleme liegen jedoch woanders - liegen (vor allem) tiefer & ... in Dir! ERSTENS: Warum glaubst Du immer gleich, sobald Dir eine nette Frau mit (zugegeben!) ‘schönen blauen Augen‘ über den Weg läuft, daß Du VERLIEBT bist? Bist Du wirklich so geistumnächtigt & verzweifelt auf der Suche, daß Du jede bloße weibliche Bekanntschaft zur GROSSEN LIEBE hochsterilisieren mußt? (Äh ... nimm’ Dir mal ein Beispiel an Bruno L.! ‘Was? Ach - vergiß’ es!‘). Und wie verträgt sich das mit Deinem momentan ‘ach-so-unsteten Leben ohne Job‘? Willst Du Deine Probleme (Deine Unsicherheit über das, was werden soll) durch eine Partnerin lösen lassen, die Dir sagt was sie will (& von Dir erwartet)... ... & Du kannst Dich dann ihr-entsprechend verhalten & Dir sogar noch einbilden, Du hättest zur Entscheidung beigetragen? Damit bin ich bei ... ZWEITENS: Warum gibst Du Dich (wenn Du ‘verliebt zu sein glaubst‘) immer dermaßen selbst auf, daß Du scheinbar keine eigenen Wünsche, keine eigene Richtung und kein Ziel (mehr) hast: außer ... es IHR Recht zu machen? Laut ‘Triffst Du Buddha unterwegs!‘ mußt Du Dich, willst Du an Deiner Situation wirklich etwas ändern, irgendwann einmal auf den Weg machen! Und das heißt in Deinem Fall: - zunächst mal Aufhören, jede nette Frau sofort als DIE EINE zu betrachten, - weiterhin auf Dich hören (falls es da was zu hören gibt!) & einen eigenen Weg (Deinen Weg) gehen, - & schließlich (EXTREM WICHTIG!) DEN MUND HALTEN, wenn Du nichts zu sagen hast! SO EINFACH IST DAS !!! Und damit genug von diesem, Deinem ‘ach-so-nabelschauig-verkopften Thema‘ ... ... denn: DIE REISE GEHT WEITER! ...
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ENDE EINSCHUB!
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... Mit Ausnahme nur einer, kurzen Unterbrechung schlafe ich traumlos durch - wache erst gegen Acht Uhr auf & trotzdem: vom ersten Moment (des erstmaligen Aufschlagens meines ersten Auges) an ... FÜHLE ICH MICH BESCHISSEN! Fürs warme Wasser ist es bereits zu spät - daher verschiebe ich meine Morgen-Dusche auf heute Abend (oder morgen ...?). Hier oben, im kalten Darjeeling ist das eh nicht sooo überlebenswichtig - jedenfalls nicht für mich (hm - schon eher für ‘die bedauernswerten ANDEREN‘!). Ich genieße rauchend & am Fenster stehend die wunderschöne Aussicht auf den talwärts sich dicht erstreckenden, vornehmlich nadeligen Wald sowie eine ‘tibetean Primary School‘ - auf deren Schulhof (Basketballfeld) mein Eckfenster exakt blickt: ... schaue den kaum 1,20 Meter Körpergröße messenden Schülerinnen beim erstaunlich treffsicheren ‘Einlochen‘ der rot-braunen Kugel in den locker doppelt so hoch hängenden Korb zu ... & spüre den wohligen Schauer einer Gänsehaut, als der noch sehr junge Lehrer (im weinroten Mönchsgewand) das Ende der Sportstunde mit einem unglaublich tief & dumpf vibrierenden Hand-Gong einläutet. Es ist bereits weit nach Neun Uhr als ich mir (die ‘LP‘-Empfehlungen allerdings bewußt meidend: Ich sage NICHT warum!) ein Frühstücks-Domizil suche ... & erstmalig in den Genuß von Tibetean Bread komme: - kreisrund & tellergroß (optisch einer ‘Pizza ohne Alles‘ nicht unähnlich) ... wird der Teig vorm Backen der besseren ‘Entfaltung‘ wegen in der Mitte dreimal parallel & tief eingeritzt, - der süßlich-gewürzige Geschmack erinnert mich frappant an ‘europäisches Weihnachts-Spritzgebäck‘. Das Brot (mit Honig & Konfitüre serviert) gäbe alleine schon ein sättigendes Frühstück ab - da ich allerdings nicht wußte was mich erwartet ... bin ich (zusätzlich abgefüllt mit nussigem Früchte-Joghurt-Müsli sowie einem Gemüse-Omelette) vermutlich bis weit in die späten Abendstunden hinein ernährungs-physiologisch bestens versorgt. Anschließend schlendere ich ziellos den Hügel hinab (in Darjeeling führen alle Straßen entweder hügelan- oder -abwärts) & treffe zunächst auf den geschäftigen Marktplatz, dessen ostwärts (Richtung Singla Valley) verlaufende Zufahrtstraße den inoffiziellen Busbahnhof Darjeelings bildet - die endloslange Blechlawine reicht bis weit hinter & unter die Stadtgrenze. Auf dem Balkon eines ‘irgendwie offiziös wirkenden‘ (das Rathaus aber ist es definitiv nicht!), großen Gebäudes stehend hält ein sich sichtlich ereifernder Redner eine beachtlich große Anzahl gespannt zuhörender Inder (& Exil-Tibeter ...?) zur RICHTIGEN WAHL an: Stimmt ja! Übermorgen finden die indischen Parlamentswahlen statt (hoffentlich ohne die allseits befürchteten Krawalle). ICH ... ... bewundere derweil (schließlich bin ich ‘genau die Sau, für & vor die er seinen perlenden Redeschwall eben gerade nicht schütten will‘! Schade eigentlich!) die stimmungsvolle Architektur der den zentralen Marktplatz einfassenden & harmonisch aufeinander abgestimmten Häuser: ... rundum & über sämtliche (maximal vier) Geschoßhöhen verlaufende Holzbalkone, ... kunstvoll-filigrane Schmiedeeisen-Verzierungen der deckenhohen Balkongeländer sowie ... (naja - nicht ganz so harmonisch!) KNALLIG-signalfarbene, zuweilen die Augen schlicht schmerzende Fassaden-Anstriche. Neben (zumindest!) jedem zweiten Gebäude reckt (zumindest!) ein tibetischer Fahnenmast den immergleichen, kleinen pagodenartigen Aufsatz stumm in den neblig-diesigen Himmel - während die schmalen, aber extrem hohen, mit tibetischer Kalligraphie beschrifteten Gebetsfahnen (unhörbar zwar, aber deutlich fühlbar: auch für mich!) ihre Botschaften & Anklagen mit jedem von Süden heranbrausenden Windstoß Richtung Tibet schicken. Überhaupt ... dominiert die Tibetean Community nicht nur das Stadtbild, sondern das gesamte Leben in dieser so-gar-nicht indisch wirkenden Stadt: mehr als die Hälfte aller Hotels & Restaurants in Darjeeling (Gesamteinwohnerzahl: etwa 100.000 ... sowie eine ganze Menge Touris) werden von tibetischen Flüchtlingen betrieben - neben Dharamsala entwickelte sich Darjeeling schnell zur zweiten, neuen Heimat für die Tibeter, die 1959 ‘seiner Heiligkeit (dem Dalai Lama)‘ ins indische Exil folgten. Ich spaziere die Jawahar Road entlang (auf den Birch Hill zu) - mein Blick wandert über das tief unter mir erahnbare Singla Valley & ich höre mich sagen: ‘WENN es heute nicht so diesig wäre ... & wenn die Wolkentürme nicht gar so tief hängen würden ( ... un wenn uns Katz en Koh wör!) ...
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... DANN könnte ich jetzt am entfernten Ende des Tals den Mount Kanchenjunga in seiner vollen, 8.586 Höhenmeter messenden Größe (& knapp hinter der Grenze zu Nepal sich befindend) ausmachen!‘ ABER ICH ... sehe natürlich nichts! Außerdem regnet’s (ich habe mich tief in meine Goretex-Jacke verkrochen) & es ist alles andere als gemütlich UP HERE. Die äußeren Widrigkeiten ignorierend verlasse ich die asphaltierte Hauptstraße - lasse mich über serpentinige Schotterwege auf das schwer dampfende Tal zutreiben & passiere eine Handvoll atmosphärischer Hüttensiedlungen, deren Bewohner mich durchweg freundlich grüßend anlächeln: Ihre Gesichtszüge wirken übrigens eher zentral-asiatisch (auffallend sind vornehmlich ihre prägnant hervorstehenden, geradezu ‘relief‘-artigen Wangenknochen) & ... ... auch deren Anblick trägt zu meinem sich während des gesamten Vormittags zunehmend erhärtenden Eindruck bei, daß Darjeeling sich nicht (mehr) in Indien befinden KANN! Irgendwann führt der Weg nicht mehr weiter: ein Erdrutsch (ein reißend zu Tal stürzender Gebirgsbach ...?) hat ihn schlicht mit sich gerissen - der ursprüngliche Verlauf des Weges ist allerdings zwanzig Meter vor mir sowohl deutlich wie (vor allem!) dramatisch auszumachen. ICH muß mir DAS nicht antun ... ... & folge stattdessen den provisorisch in den nackten (wie eine offene Wunde daliegenden) Bergabschnitt gegrabenen Stufen einer einfachen Treppe hügelanwärts in den Lloyds Botanical Garden. In einer idyllischen, himmlisch ruhigen Grünanlage ist die weite Palette unterschiedlichster, im Himalaya beheimateter Bäume, Sträucher & Blumen zu bewundern & ... (da neben jede Pflanze ein Hinweisschild mit akribischen Erläuterungen plaziert wurde) kennenzulernen. Hat man schließlich den stadtseitigen, oberen Parkeingang erklommen so kann man sein frischerworbenes Pflanzenkundewissen gleich einem ersten Test unterziehen: denn mittels eines, DES auf Naturstein gemalten ‘Stamm-Baumes‘ wird die globale Evolution der Pflanzen, beginnend bei den noch ungeschlechtlichen, sporigen Fortpflanzungszellen bis hin zur ‘Königin der Schnittblumen‘ (Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose! Äh - Gruß an Gertrude & Helge!) sehr hübsch verschaubildlicht. Bevor ich mich in meine Mittagspause verabschiede beschaffe ich mir im Fremdenverkehrsamt einige Hochglanzbroschüren (zu den wetterunabhängigen Sehenswürdigkeiten Darjeelings) ... & in der örtlichen Filiale der State Bank of India Rupee-Nachschub. Die Zeit bis zu meinem zweiten, nachmittäglichen Darjeeling-Walk vertreibe ich mir mit dem Überfliegen der erhaltenen Stadt-Broschüren sowie (schon etwas gründlicher!) ersten Reiseführer-Vorstudien zu Nepal: In Tateinheit mit den deprimierenden Wetteraussichten hat ein STARKER Kaffee meine Spontan-Entscheidung nicht unwesentlich befördert, bereits morgen ins Tal (nach Siliguri) aufzubrechen ... ... & übermorgen nach Kathmandu weiterzureisen. JAJA - DAS WETTER! (hm - kurzer, kontrolliert-offensiver Rückfall: ‘This Town ain’t Big Enough for the Both of Us!‘). Der steil ansteigenden Nehru Road (gegen Vier Uhr) zum Observatory Hill folgend schieße ich zunächst ein paar Doku-Fotos (Darjeeling Municipality & St.Andrews Church) - oben angekommen erweist sich die Sicht ins Tal sowie auf die umliegenden (wirklich ...?) Berge aber auch nicht besser: Das MIESE WETTER trägt nicht gerade zu einer Verbesserung meiner MIESEN LAUNE bei! Deprimiert lasse ich mich treiben! Und zwar (vorbei am Bahnhof) die Laden-La-Road zum Dhirdham Temple hinunter - der dem berühmten Pashupatinath Temple in Kathmandu nachempfunden ist:
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Die ... ... Steinlöwen & Götter-Skulpturen (als Tempelwächter), ... das typisch-buddhistische, mehrstöckige Pagodendach, ... ein riesiger, malerisch an einem Holzgerüst in der gepflegten Gartenanlage baumelnder, metallener Gong, ... ein knappes Dutzend jugendlicher, buddhistischer Devotees (die in einem schmucklosen Nebengebäude ihre Meditations- & Tanzübungen praktizieren) ... sowie der nette Plausch mit ein paar noch sehr jungen ‘Tibetian Refugee-Girls‘ (die mich über ‘das Leben in Europa‘ befragen) ... ENTRÜMPELN für eine freudvoll-besinnliche Stunde meinen mit so viel Müll angefüllten & doch leeren Kopf! ‘Thanxx - All of You!‘ Bei meiner Rückkehr ins Swiss Hotel Schwatz mit Marietta & Sören (den dänischen Opfern der Diebes-Attacke im Darjeeling Mail), die mir bereits am frühen Nachmittag auf dem Observatory Hill in die Arme gelaufen sind. Ich hatte ihnen mein Hotel empfohlen, da sie mit ihrer Darjeeling-Unterkunft (nicht gerade billig - dabei ohne fließendes, geschweige denn warmes Wasser) sehr unzufrieden schienen & ... ... falls sich das Wetter DOCH noch ändert (was ich nicht glaube!) & ich bleiben sollte (was ich noch weniger glaube!) - dann werden die beiden morgen meine neuen Zimmernachbarn: ‘See Ya!‘ Wider Erwarten zieht’s mich nach Acht Uhr nochmal ins ‘Städtchen‘ (das oppulente Frühstück scheint sich langsam aber sicher doch zu verbrauchen & ich verspüre ein eindeutiges Hungergefühl!). Anonymes Abendessen unter lauter, lauten Einheimischen in einem den Charme eines Bahnhofswartesaals versprühenden, sehr einfachen Restaurant: ‘Very Hot - Very Spicy - Very Cheap & ... Very Good!‘ Später führe ich mir (bereits im Bett liegend) noch zwei AUFBAUENDE Psycho-Kapitel ‘Triffst Du Buddha unterwegs‘ EIN - bevor dann ... ... (auch) dieser Scheiß-Tag (!) endlich doch (!!) zu Ende geht (!!!): HALLELUJAH ...! |
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