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THE VERY SOUTH OF INDIA: HOT ‘N‘ SPICY ! ODER: THE GREEN, GREEN GRASS OF TAMIL NADU !
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Ich werde wach & spüre sofort: Das Reisefieber hat mich doch wieder gepackt. Allerdings bin ich (noch) etwas in Sorge, ob mein ‘Closing Muscle‘ auch dichthält!? Duschen - Rauchen - in mich hineinhorchen (mit mich meine ich vornehmlich meinen während der letzten Tage ‘arg gebeutelten Magen-Darm-Trakt‘) - dann erst traue ich mir einen ersten ‘Probelauf‘ zu & befördere zwei Ansichtskarten zur nahen Hauptpost. Erstes ‘öffentliches‘ Frühstück (seit Tagen) im Hotel-Restaurant ... wo mir zur Feier dieses Ereignisses sämtliche Hotelangestellte auf den Knien robbend zu Füßen liegen: Naja - eigentlich müßten die Überreste des gestrigen Abendbanketts beseitigt werden, die Putzkolonne begnügt sich allerdings damit den Schmutz mit Hilfe ein-facher Reisigbündel gleichmäßig im Raum zu verteilen. Packen & Auschecken - schließlich genehmige ich mir (denn gerade eben fühle ich mich wieder extrem rekonvaleszent!) eine Motorrad-Rikscha zum Hauptbahnhof: Zwar kann ich problemlos ein Zweiter-Klasse-Ticket erstehen - allerdings nur bis near Madurai. Auf meine Nachfrage hin erklärt man mir, daß ich in Virudunaga (etwa vierzig Kilometer südlich von Madurai) in einen Nahverkehrszug umsteigen muß ... da der Expresszug einen Big Loop um Madurai herum zieht & ohne Stop direkt nach Madras weiterbraust. So weit - so gut! Die noch verbleibende halbstündige Wartezeit verplaudere ich auf dem Bahnsteig mit Rajiv - einem jungen indischen Helicopter-Piloten (bei der Navy), der sich auf dem Weg in seinen Heimatort Tenkasi in den Western Ghats befindet. Unser Plausch entwickelt sich zu einem anregend-interessanten Gespräch & daher fasse ich kurz vor Abfahrt des Zuges den spontanen Entschluß mein Billet zweiter Klasse beim Schaffner umzutauschen (denn mein neuer indischer Freund reist auf Navy-Kosten & ... somit natürlich First Class). Unser Luxus-Compartment braucht den Vergleich mit meinem bisherigen Favoriten, dem iranischen Tabriz-Teheran-Zug keinesfalls zu scheuen: es bietet mehr als ausreichende Beinfreiheit - verfügt über sehr bequeme Polster-Sitze - & steht uns beiden zur alleinigen Nutzung zur Verfügung. Naja - das Ticket ist mit 8 US-Dollar für indische Verhältnisse allerdings auch nicht gerade billig. Wir machen es uns gemütlich - lassen die ebene Küstenlandschaft an uns vorbeiziehen - & setzen unsere Unterhaltung fort: Nachdem Rajiv seine Freundin erwähnt (die er in vier oder fünf Jahren heiraten wird) befrage ich ihn zur Situation & den Lebensumständen von Singles in Indien. Er erzählt mir, daß er (unabhängig von seinen Einkommensverhältnissen) als alleinstehender Mann nur in besonderen Stadtvierteln (in Mietskasernen, wo Singles akzeptiert - oder besser: geduldet werden) eine Wohnung anmieten kann. Der Kauf eines eigenen Hauses ist völlig undenkbar. Für eine alleinstehende Frau sind selbst diese Mietskasernen tabu: That’s Socially Not Accepted ... ... & da das Auskommen mit der Gemeinschaft für InderInnen ungemein wichtig ist bleibt zumindest der indischen Frau (bis zur Heirat) keine andere Wohn-Alternative als das Elternhaus. Meine Nachfrage, ob es unverheiratete & trotzdem in einer gemeinsamen Wohnung lebende Pärchen in Indien gibt überfordert eindeutig seine Vorstellungskraft - nach einer langen, schweigsamen & doch beredt seine Verwirrtheit ausdrückenden Pause lenkt Rajiv unsere Unterhaltung auf Themen, die für ihn offenbar sehr wichtig sind. Ihn interessiert, wie das Leben in Deutschland funktioniert: - Was ich sonntags mache? Alleinstehend & konfessionslos? - Was genau ich in Deutschland esse? Zum Frühstück, mittags & abends? (‘Why No Lunch?‘). - Wann ich zu abend esse? Vor oder nach Sonnenuntergang? (‘Why Different Times?‘) Die Landschaft hat sich ebenso wie das Wetter im Verlauf unsres Gesprächs dramatisch verändert. Wir befinden uns in den Ausläufern der ‘dicht-(regen)-bewaldeten‘ & doch bis über 3000 Höhenmeter ansteigenden Western Ghats - unser Zug windet sich im Schritt-Tempo über serpentinige Geleise durch die Cardamom Hills. Seit Erreichen der Berge macht das Wetter der durchkreuzten Vegetationszone ‘Regenwald‘ zunehmend Ehre - die Regengüsse prasseln, ein (jedes sonstige Geräusch übertönendes) metallisches Stakkato produzierend auf & gegen den Zug ... ... & wir müssen (wollen wir nicht wie begossene Pudel aussehen) alle Fenster im Abteil schließen. Rajiv kommentiert: ‘Now - it’s just Pre-Monsoon-Season! In June it will become A Lot Harder!‘ Die Berge sehen gespenstig aus: Auf & über den Gipfeln lasten Dunst- & Nebelschwaden, die (aus einiger Entfernung betrachtet) durchaus auch als Schnee durchgehen könnten. Unter den weit ihre breiten Wedel ausladenden Bananensträuchern kauern vereinzelte, Schutz vor den Wassermassen suchende Passanten - vergeblich, wie man den völlig durchnäßten Gestalten unschwer ansehen kann. Unsre Diesellok schleppt sich mehr schlecht als recht die Dschungel-Hügel hinauf - für die nur 120 Kilometer lange, erste Teilstrecke (bis Tenkasi) benötigen wir mehr als fünf (!) Stunden. Hier verabschiede ich mich von Rajiv & habe fortan das große, komfortable Abteil für mich alleine. Dank Rajiv kenne ich nun übrigens auch (endlich!) den Namen dieser melonen-großen, schmutzig-grünen, unbeschreiblich häßlichen & einen penetrant fauligen Gestank verströmenden Baumfrucht, die mich während der vergangenen vier Wochen auf Indiens Märkten schon so oft angeekelt hat: Jackfruit! ... ... geschält, entkernt & in kleine Würfel geschnitten soll sie eine wahre Delikatesse sein. Nach Rajivs eher beruhigender Auskunft bin ich wild entschlossen die Frucht zumindest einmal im Selbstversuch zu testen & (falls ich überlebe!?) an anderer Stelle ... äh ... zu berichten. VERSPROCHEN! Nun auf exakt östliche Fahrtrichtung einschwenkend präsentiert sich das durchfahrene Terrain zusehends flacher. Zunächst sind am sich entfernenden, westlichen Horizont zwar noch die scharf gezackten Konturen der Berge deutlich erkennbar - aber bereits eine halbe Bahnstunde später gleicht die spiegelglatte Ebene einem endlos sich erstreckenden Salzsee. Mit jedem Kilometer, den wir uns von den regenreichen Western Ghats entfernen wird die zunehmende Trockenheit sichtbarer: Der dunkelrote, staubige Boden sehnt die doch noch so ferne Monsunperiode augenscheinlich bereits stündlich herbei. In dieser extrem unwirtlichen Umgebung macht sich unser (nun wirklich: Express!) Zug kaum mehr die Mühe Stops einzulegen. Einige rare Ortschaften (mit immer & unvermeidlich Cricket spielenden Kindern) FLIEGEN ebenso an meinem Abteilfenster vorbei wie eine Handvoll scheinbar führerlos herum-nomadisierender Viehherden. Über die schnurgerade dem Horizont (grobe Richtung: Sri Lanka!) zustrebenden Bahngleise RAST unser ‘indischer Roland‘ mit atemberaubenden sechzig Stundenkilometern dahin ... Pünktlich (um Sieben Uhr) fahren wir in den unter dem Ansturm der Menschenmassen schier zu platzen drohenden Terminal der kleinen Verkehrsknoten-Siedlung Virudunaga ein: Ein kurzer Slalom-Sprint zum Info-Schalter & ... bereits im nächsten Augenblick finde ich mich (zufrieden lächelnd ... vermutlich!?) in einem überfüllten Schnellzug im direkten Anflug auf Madurai wieder. In der Cafeteria der Madurai Central Railway Station schütte ich eine knappe Stunde später erstmal (& zwar EX!) eine eiskalte Pepsi in meinen arg dehydrierten Rudiment-Kadaver: vernehmliches (& doch völlig schamloses) RÜLPS! ‘Just In Time!‘ Das Mineralwasser ist mir bereits vor fünf (!) Stunden ausgegangen & der Anblick des ausgedörrten, durstigen Landes trug noch zusätzlich zur Bildung ‘grobstkörnig-sandpapier-artiger Zungen-Mahl-Spuren auf meinen furz-trockenen Rachenbereichs-Schleimhäuten‘ bei. Hinreichend feucht-schleimig ... äh ... wiederhergestellt, kreuze ich den Bahnhofsvorplatz & folge der städtischen Hauptverkehrsader Town Hall Road ...
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... zum New College House: einem labyrinthisch-verwinkelten, mehrere Gebäude umfassenden Hotel-Komplex mit Mensa & großem, wildwuchernd-begrünten Innenhof. Eigentlich ... gefällt mir die Herberge ja vom ersten Augenblick an ausgesprochen gut, das mir angebotene Zimmer ist allerdings das mit Abstand SCHLECHTESTE der gesamten Anlage: Es befindet sich Very Far-Off (am nur über drei verschiedene, unbeleuchtete Treppenaufgänge zu erreichenden ‘Arsch des Baukörpers‘) - ist winzig sowie mehr als schmuddlig - & hat kein Fenster. Ich erkläre dem Hotelangestellten, daß ich in einem der großen & ganz offensichtlich leerstehenden Räume um den atmosphärischen Innenhof Quartier beziehen möchte - worauf er (mich arrogant von oben herab angrinsend) behauptet ‘... alle übrigen Zimmer seien entweder belegt oder reserviert!‘ Naja - halt die übliche, heute allerdings ohne auch nur den Versuch des Verschleierns vorgetragene, offene Diskriminierung des Einzel-Reisenden nach dem allseits akzeptierten Motto: Gib’ niemals einen doppelzimmer-tauglichen Raum an eine Einzelperson, solange Du noch eine ungenutzte Besenkammer zu Geld machen kannst! Siegessicher ... holt er sich mein scheißfreundlich gesäuseltes ‘Fuck You!‘ ab & wendet sich dann (umgehend) seinem nächsten Einzelanfrage-Opfer zu. ICH ... ziehe weiter & werde schließlich (nach zwei weiteren Fehlversuchen) für meine trotzige Unnachgiebigkeit im modernen Times Hotel (mit einem zwar winzigen, aber sauberen Zimmer mit Fenster, Dusche, Ventilator & TV - für nur vier Dollar!) belohnt: Auspacken - Beine hochlegen - Rauchen & ... mich als moralischer Sieger fühlen! Für meine Verhältnisse spät (nach Neun Uhr!) kehre ich im ‘Non-Vegetarian Mahal Restaurant‘ ein - das (Eingangstür an Eingangstür) unmittelbar neben dem ‘Vegetarian Taj Restaurant‘ residiert. Hm - ich weiß auch nicht warum ich gerade hier an die ‘female & non-female Jazz-Bands F & M’ denken muß, Ulla ...!? Anyway ... Heute gebe ich mir die volle (die dreifache!) Joghurt-Dröhnung: - Lassi - ein exotisch gewürztes, in den Geschmacksvarianten süß oder salzig erhältliches, sehr erfrischendes Joghurt-Kaltgetränk, - Curd - die übliche, zumindest im Süden Indiens zu jedem Essen dazugehörige Joghurtsauce (die in der Kombination mit frischgebackenen Paranthas oder Chapatis schon alleine ein sättigendes Mahl darstellt ... jedenfalls für mich!), - sowie einen Kartoffel-Knoblauch-Joghurt-Auflauf (selbstredend). Ach ja - fast hätte ich’s vergessen: abgerundet wird dieses vegetarische Mahl noch durch ein ... nein: durch DAS (als Sättigungsbeilage gereichte) ‘südindische Knoblauch-Huhn‘. HMMM - LECKER! Kugelrund abgefüllt ... erstehe ich in der Winery just Across the Street (alle existentiellen Bedürfnisse lassen sich innerhalb eines ‘von-meinem-Hotel-ausgeführten-Steinwurf‘-Radius befriedigen - jedenfalls die, nach denen mir heute Abend der Sinn steht!) ein Late Beer für das Late Movie im Star-TV-Channel. Heute in der Reihe ‘One Hundred Years of Cinema‘: Der frühe Paul Newman als junger Billard-Junkie in ‘The Hustler‘. Toller Film & tolle Musik (natürlich ‘Jazz‘ ... wie in allen US-amerikanischen Kunstfilmen der Fünfziger Jahre). Und trotzdem: Um Halb Ein Uhr werde ich plötzlich UNBESCHREIBLICH MÜDE & ... ... naja: ‘Good Night, Take Care & Stay Clean ... äh ... Dry - Paul!‘ ... |
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... Da sich mein Zimmer als ‘24-Hours-Room‘ herausstellt gibt mir die Planung des heutigen Tages keinerlei Probleme auf: Ich werde mir vormittags (& in Ruhe) den berühmten Shree Meenakshi Temple anschauen & am späten Nachmittag, so es eine passende Zugverbindung gibt & ich noch ein Ticket erwische nach Tiruchchirappalli (Kurzform: Trichy) weiterzureisen. Duschen & ‘Frischwäsche anlegen‘ (Aaah - DAS sind meine Feiertage!). Dann Frühstück im Taj: heute mal klassisch-britisch (inklusive Porridge) - einzig beim Heißgetränk entscheide ich mich gegen die Empire-Variante ... ... & für meinen ‘Usual Eye-Opener (not to be missed)!‘ Apropos: Ich darf heute die (für mich) neue asiatische Erfahrung machen, daß die schwarze Brühe schon bedeutend besser schmeckt, wenn man explizit einen starken Kaffee bestellt & nicht schicksalsergeben einfach alles ‘schluckt‘. Ich lasse mir Zeit, schreibe Tagebuch & ... trinke Kaffee, bis sich meine Ohren schwarz verfärben. Um Zehn Uhr begebe ich mich auf die komplizierte & letztlich erfolglose Suche nach dem örtlichen Touristen-Informationsbüro - zwar sind alle Befragten (zugegeben!) durchweg sehr freundlich, aber jeder schickt mich in eine andere Richtung!? Schließlich gebe ich entnervt auf: Es muß auch ‘ohne‘ gehen - sooo viele Sehenswürdigkeiten bietet Madurai ja auch nicht ... ... jedenfalls nicht dem Fast-Travelling-Touri - der eh nur einen halben Tag für die Besichtigung der gesamten Stadt zur Verfügung hat. Zunächst der letzte Punkt auf meiner Orga-Liste: Am Bahnhof erhalte ich die uneingeschränkt positive Auskunft, daß um Halb Fünf Uhr nicht nur der Spät-Zug Richtung Trichy geht, sondern für diesen auch noch Fahrkarten käuflich erworben werden können. ‘Hm - wie sich das immer so fügt ...?‘ Beschwingt folge ich der Town Hall Road Richtung Hindu-Tempel-Komplex. Bereits nach wenigen erwanderten Häuserblocks kann ich am fernen Ende der Straße einen der vier großen Gopurams (ein turmförmiges Eingangstor ins Tempelinnere) ausmachen & nach nur fünfzehn weiteren ‘Schlender‘-Minuten durch dramatisch verstopfte (& trotzdem noch zunehmend chaotische) Straßen stehe ich vor dem westlichen Eingang zum Shree Meenakshi Temple ...
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... deponiere meine Sandalen in der ‘Fußbekleidungs-Verwahr-Hütte‘ & schreite durch den gute fünfzig Höhenmeter messenden, verschwenderisch mit kunterbunten hinduistischen Götterskulpturen verzierten Gopuram in den Innenbereich des famous Place of Worship. Zunächst befinde ich mich in einem großzügigen Freiluft-Wandelgang, der als eine Art ‘hinduistischer Kreuzgang‘ um das monströs bis martialisch bewehrte & bewallte zentrale Heiligtum verläuft. Ich halte mich in den schattigen Bereichen des Rundganges auf (einerseits um der brutalen Vormittagssonne aus dem Weg zu gehen, andererseits aber auch um meiner Papparazzo-Leidenschaft ungestörter nachgehen zu können) & ... schieße ein paar Detail-Tele-Großaufnahmen von den an Mauern & Türmen zu kleben scheinenden Skulpturen. Die Hindu-Religion verfügt im Gegensatz zu den drei großen monotheistischen Weltreligionen Christentum, Judentum & Islam über eine selbst für gläubige Hindus unüberschaubare Vielfalt an unterschiedlichen Gottheiten - was mir auch in dieser Tempelanlage einmal mehr deutlich vor Augen geführt wird. Die einzige, selbst mir einleuchtende (weil leicht überprüfbare) ‘Faustregel für Ungläubige‘ besagt: Verfügen die dargestellten Gottheiten über (mindestens) vier Armpaare so darf man sicher sein, daß entweder Brahma, Vishnu oder Shiva gemeint ist.
  
Meine leicht zu identifizierende (elefantenköpfige!) Lieblingsgottheit Ganesha ist im Shree Meenakshi Temple zwar (leider!) nicht sehr häufig verewigt - aber was ist schon Ewigkeit ...? Im Angesicht zweier vergänglicher (aber lebender!) Elefanten, die in den dunklen Tempelgewölben den ‘geneigten Besucher mit Rüsselschlag begrüßen ...‘ Zwar sind mir die beiden Augenweide & mehr als adäquater Ersatz für fehlende Marmor-Ganeshas ... was sie mir allerdings ganz entschieden NICHT sind ist Freude: Denn die dickhäutigen Tempelwächter tun mir in dieser dunklen, tristen & naturlosen Umgebung natürlich zuallererst LEID! Der Haupt-Tempel ist ein ‘eco‘-eskes Labyrinth aus Räumen, Säulenhallen, Verbindungsgängen & Nischen. In jeder der zahllosen Ecken wird einer anderen Gottheit gehuldigt: die Gläubigen bringen Opfergaben dar - versenken sich in leise Gebete - & beenden ihre Zeremonie jeweils durch ein auf Distanz angedeutetes Berühren der Kerze, die vor der Skulptur brennt. Vor diversen ‘inneren Innenraum-Portalen‘ wird mir vermittels unübersehbarer Hinweisschilder (Only Hindus Allowed Beyond This Point!) der Zutritt verwehrt - am zentralen Sacred Pool jedoch nimmt niemand Anstoß an meiner Anwesenheit. Das ‘heilige Gewässer‘ ähnelt mit seinen rundumlaufenden & tribünen-ähnlichen Steinstufen eher einem Schwimmstadion westlicher Prägung als einer fernöstlichen, religiösen Huldigungsstätte. Ich lasse mich (zunächst unbehelligt) in der Nähe der ‘heiligen Karpfen‘ nieder & verwickle mich ... äh ... heillos in ein halbstündiges (absichtsvoll-umständliches, dabei aber natürlich gänzlich unverdächtiges) ‘Kamera-Objektiv-‘Wieso-Klemmt-Denn-Das’-Geschraube‘ - bis ich (zu Recht!) von einem viel zu freundlichen Wachmann darauf hingewiesen werde ... ... daß in der gesamten Tempelanlage strengstes Rauchverbot gilt! ‘Du aber auch wieder! Ungläubig alleine reicht wohl nicht, wie? Nein - auch noch süchtig!‘ Als ich nach zwei Stunden erste Anstalten mache die Anlage zu verlassen ...
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... stellt sich mir ein mittelalter Inder in den Weg & fragt, ob ich schon auf dem ‘Scenic-View-Tower’ außerhalb der Anlage gewesen sei? Nachdem ich seine Frage wahrheitsgemäß verneint habe geleitet er mich auf die viereinhalbte Etage eines Wohnhauses (das halbe Stockwerk ist ein kleines Holzpodest mit etwa zehnstufiger Treppe auf dem Häuserdach) & erzählt, daß der südliche Gopuram früher der Öffentlichkeit zugänglich gewesen sei ... ... bis er sich zum Lieblings-Tatort der hiesigen Suizid-Szene entwickelt habe & daraufhin von den örtlichen Behörden geschlossen werden mußte. Nach einer Handvoll Panorama- & Tele-Aufnahmen entläßt er mich ohne mir ‘seinen Laden‘ zeigen zu wollen (???) - ich bedanke mich bei & verabschiede mich von ihm - & schlendere (Atmo schnuppernd) zum Hotel zurück. Unterwegs letzte Madurai-Schnappschüsse:
 
- vom (Shivas Lieblings-Stier zu Ehren errichteten) kleinen & schlicht-schmucken Temple of Nandi, - sowie einem Denkmal für Subash Chandra Bose (genannt ‘Nethaji the Great‘), der laut Plakette nicht nur Father of Independence, sondern auch der geistige Vater John Lennons war - lautete doch Nethajis berühmtester Ausspruch: ‘All Powers to the People!‘ Um Drei Uhr Packen & Auschecken - gegen Vier Uhr belege ich meinen Fensterplatz - um Halb Fünf Uhr ist der Zug gut gefüllt ... & es kann losgehen. Ich teile meine Abteil-Koje mit sechs indischen ‘Halbstarken‘, die sich genauso RUMLÜMMELN wie ich - ich darf sein wie ich bin (?) & somit steht einer entspannt-gemütlichen Bahnfahrt nichts im Wege. Der Zug rattert durch vornehmlich ländliches Gebiet (nur sehr vereinzelte, kleine Ortschaften) - mir fallen eine Unzahl junger Vieh-Hirtinnen entlang der Strecke auf. Jetzt, am späten Nachmittag treiben sie (mit einer einfachen Gerte bewaffnet) ihre kleinen Herden zusammen (Ziegen, Schafe, Kühe ... manchmal nur zwei oder drei Stück) & trotten diesen folgend in gemächlichem Tempo zum heimatlichen Kral: die Landschaft leidet sichtbar unter der Dürre (Vegetation kommt faktisch nicht vor ... & wenn, dann höchstens in Form brauner Krüppelgewächse) - der Boden hat Risse & wirkt jämmerlich ausgebrannt - Leben ist HIER DRAUSSEN sicherlich für keine Kreatur leicht! Gegen Sieben Uhr legt unser Zug (in ‘bereits vollendeter Dunkelheit‘) einen unerklärlich-langen Stop ein. Allem Anschein nach müssen wir auf einem Überhol-Gleisstück einen entgegenkommenden, vorfahrtberechtigten Zug (mit offensichtlich immenser Verspätung) abwarten. Das plötzliche Fehlen der Geräuschkulisse des fahrenden Zuges macht mir nicht minder plötzlich klar wie BRÜLLEND-LAUT die mutmaßliche, mich umgebende Stille ist: Zikaden, Schnaken & sonstige ‘Krawall‘-Insekten erfüllen unser Abteil mit ohrenbetäubenden ‘Noight-Noises‘ ...
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... aber auch die lautlosen Nachtschwärmer nutzen die Fahrtunterbrechung, um mich ihre Präsenz SPÜREN zu lassen: Ohne den die Treffsicherheit behindernden Fahrtwind machen sich Myriaden von Moskitos (geräuschlos, aber effizient!) über meine nackten Füße her. Am fernen, westlichen Horizont (über den letzten Ausläufern der Ghats) führt die Natur ein aufgrund der schallschluckenden Entfernung sich zwar wie in einem Stummfilm abspielendes, allerdings deutlich sichtbares Gewitter-Spektakel auf: Zunächst halte ich es (fälschlicherweise) NUR für Wetterleuchten - aber die nur fast geschlossene Wolkendecke kann nicht verbergen, daß in deren Zwischenräumen immer wieder gewaltigste Blitze zucken. ‘Sorry, ich hab’ da mal ‘ne Verständnis-Frage - Wie würdest Du eigentlich Wetterleuchten definieren, Horst ...?‘ Eine Stunde später rollt der Zug in den Hauptbahnhof Trichys ein & ich lasse mich von einem Bicycle-Rickshaw-Man (unter Ächzen & Stöhnen) zum etwa zwei Kilometer entfernten Hotel Tamil Nadu chauffieren - aber das Zimmer scheint mir (für südindische Verhältnisse) extrem überteuert. Daher schaue ich mich noch ein wenig in der Nachbarschaft um & ... ... lande schließlich im erst kürzlich fertiggestellten, noch keinen Eintrag im Lonely Planet & mithin (quasi naturgesetzlich!) auch ein deutlich günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis besitzenden Hotel Mathura. Die gesparten Rupien PUMPE ich allerdings trotzdem (& umgehend) in den indischen Wirtschaftkreislauf: vom Zimmerservice lasse ich mir (als hoffentlich Willkommenstrunk!) ein großes, eiskaltes Marco-Polo-Strong kredenzen ... einen Erdnuß-Kichererbsen-Zwiebel-Snack (gegen den ‘kleinen Hunger‘) gibt’s gratis dazu. Nach einer meine Lebensgeister wiedererweckenden Kalt-Dusche begebe ich mich auf einen langen, ersten Orientierungs-Spaziergang durchs engere Stadtzentrum - den berühmten Rock Fort Temple spare ich mir jedoch für morgen auf. Ein später südindischer Snack gegen den ‘etwas größeren Hunger‘ (Dhal, Tomaten-Raitha & Chapatis sowie der unvermeidliche, mittlerweile aber nicht mehr ganz so widerwillig konsumierte extrem-gezuckerte Tee) markiert schließlich den Abschluß meines ersten Trichy-Abends & ... bewaffnet mit einem finalen White Eagle (in US-amerikanisch-dezenter, brauner Papiertüte) kehre ich gegen Mitternacht in mein Hotel zurück. Das Bier in horizontaler ‘Alt-Römer-Haltung‘ genießerisch-schlürfend überlege ich, ob ich mich noch meiner neuen Reiselektüre widmen soll, die ich heute im Zug begonnen habe (T.C.Boyles ‘Grün ist die Hoffnung‘) ... ... aber darüber (also: ‘überm Überlegen‘) wechsle ich sanft ... äh ... rüber ins Land der Träume ... |
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... Ich gönne mir einen ‘Nicht-Reisetag‘ (hm - eigentlich hatte ich ja vor zwei Tage in Trichy zu bleiben - aber: ‘Dieser rastlose Geist!‘) ... ... den ich mit einem Lazy Pre-Breakfast (in Bed) beginne: Beim Zimmerservice bestelle ich eine große Kanne Kaffee & werde gaaanz laaangsaaam (Schluck für Schluck) wach. Immer noch SEHR FRÜH (ich will bei meinen Freiluft-Aktivitäten der mörderischen, süd-indischen Mittagshitze ausweichen!) statte ich zunächst dem regionalen Fremdenverkehrsbüro (unmittelbar neben dem Hotel Tamil Nadu) meinen Besuch ab & ... man scheint auf mich vorbereitet (& gibt sich Mühe!): detaillierte Infos zu den bestehenden Zug- & Busverbindungen (von / nach Trichy) - Karten & Broschüren über Trichy, Madras, Mahabalipuram & Kancheepuram sowie (eher allgemein) über den südost-indischen Bundesstaat Tamil Nadu ... ... in dem ich mich (äh ... wie ich zu erwähnen bislang versäumte) seit meiner vorgestrigen Annäherung an Madurai aufhalte. Mein After-Pre-Breakfast (outside Bed) nehme ich im einfachen, hoteleigenen Restaurant des Tamil Nadu: gute, reichhaltige & billige Frühstückskombination (provenienzmäßig irgendwo zwischen südindisch & britisch-kolonial). Vor allem das schwarze & (immerhin!) heiße Spülwasser wird von Tag zu Tag schmackhafter - ja: es nähert sich gar ... ... aber: ich will nicht übertreiben! Gestärkt (& ausnehmend gut gelaunt) schlendere ich zum stadtmittigen Nahverkehrs-Terminal. Die Busse der Linie 1 steuern in einer großen Schleife sämtliche touristischen Sehenswürdigkeiten Trichys an, die sich außerhalb des fußläufig erschließbaren Stadtzentrums befinden & ... mein Bus erwartet mich bereits mit laufendem Motor: Allerdings quillt dessen menschliche Fracht (nach ‘einmaliger Durchlauferhitzung‘ schon wieder) an den heruntergekurbelten Bus-Fenstern heraus & ich darf während der folgenden halben Stunde meine bislang ungekannten Free Climbing-Fertigkeiten trainieren bis ... ... ja: Bis mich der neben mir hängende Kollege informiert, ‘... daß ich JETZT seine mittlerweile hinreichend ausgerenkte Schulter loslassen kann!‘ Wir haben die Haltestelle Rock Fort (nein: weder französischer Käse ... noch US-amerikanische Detektiv-Serie!) erreicht. Zunächst zeigt sich mir allerdings nur die monumentale Our-Lady-of-the-Lourdes-Kirche (das Domizil der zahlenmäßig kaum nennenswerten, christlichen Gemeinde Trichys) ...
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... die natürlich VERRAMMELT ist! Naja - schließlich befinde ich mich im extrem hinduistisch-dominierten Süden des (eh) hinduistisch-dominierten Staates Indien. Auf das Stadttor, das sich im spärlichen Rest der ehemaligen Stadtmauer befindet (deren Gesamtlänge nur mehr kaum zwanzig Meter mißt!) ... ... folgt der unvermeidliche Sacred Pool (zuweilen beschleicht mich der Verdacht, daß es sich beim Hinduismus nicht um eine Religion, sondern einen ‘indien-weiten Schwimmverein mit leicht durchgeknallten Waschungs- & sonstigen Wettkampf-Vorbereitungs-Riten‘ handelt!) mit einem kleinen Seetempel in seiner Mitte ... ... sowie eine erste, noch ferne Ansicht des (trotzdem bereits) äußerst beeindruckenden, die Stadt überblickenden & beherrschenden Felsen (genau: der ‘... the Rock‘!), auf dessen abgeflachtem Gipfel ein malerisch-bunter Hindu-Tempel (der Vinayaka Temple) thront UND ... ... DEN (laut Auskunft im örtlichen Touristenbüro) auch Non-Believer - sprich: ‘Nicht-Affen‘ (was keinesfalls als Verletzung der PC oder RC mißgedeutet werden darf, vielmehr nur der kranke Assoziationsketten-Ausbund eines sich um Kopf & Kragen schreibenden ‘Fans Später-Sechziger-Jahre-US-Rock-Musik‘ ist) ... ... äh - wo war ich? Ach ja: ... betreten dürfen! DER ROCK RUFT & ... ich folge! Auf etwa halber Strecke - sprich: nach 250 der durchnumerierten & mit Sanskrit-Inschriften versehenen Stufen der endlos erscheinenden Berg-Treppe stehe ich vor dem Lord Shiva zu Ehren errichteten Sri Thayumanaswamy Temple ...
 
... vor, weil der Tempel (natürlich!) für Nicht-Hindus Off-Limits ist & ich gar nicht erst versuche ‘... als Gläubiger durchzugehen‘ (obwohl es mich schon interessieren würde, ob DIE WIRKLICH mitkriegen WÜRDEN ... naja!). Der Vinayaka Temple (auf dem Felsgipfel) erweist sich als erwartet bunt & überfüllt sowie (unerwartet!) klein: ein nichtendenwollender Strom aus Hindus (& einigen, wenigen Touristen) schiebt sich ‘Constantly Floating‘ durch einen überraschend schmucklosen, quadratischen Raum (kaum größer als eine Kleinwagen-Garage) ... & an einem unter Blumen, Reiskörnern & sonstigen Opfergaben begrabenen Mini-Altar vorbei. Kaum hat man als manövrierunfähiges Glied der ihre eigene Dynamik entwickelnden Menschenkette den kleinen Tempelraum betreten ... ... befindet man sich auch schon wieder draußen.
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Eindeutig spektakulärer empfinde ich (an nichts als Sensationen interessierter ‘Lüstling‘ - ich!) da schon den zwanzig Höhenmeter unterhalb des Tempels atemberaubend schöne & weite Fernblicke in alle Himmelsrichtungen bietende, schattige Versammlungsplatz: - weit unter mir zeigt sich das kaum stadtplanerisch-nachvollziehbaren Grundsätzen zu gehorchen scheinende Straßengewirr Trichys (eine ungefähre Orientierung will mir nur ‘anhand ... äh ... einer Handvoll unverwechselbarer Gebäude‘ gelingen), - in exakt entgegengesetzter Himmelsrichtung zeichnet der Cauvery River seinen breiten & weitgeschwungenen Flußlauf ins spiegelebene Umland, - die gute Fernsicht gestattet mir sogar einen ersten Eindruck vom weitläufigen Ranganathaswamy-Tempelkomplex (in Srirangam ... zehn Kilometer nördlich des Felsen-Tempels auf einer großen Insel inmitten des Flußes gelegen) - der nicht allein wegen seiner weithin sichtbaren, äußeren Gopurams ganz oben auf der Liste meines heutigen After-the-Noon-Heat-Besichtigungsprogramms steht. Ich gleiche meinen zweifellos großen Flüssigkeitsverlust mit einer eiskalten Seven-Up aus - genieße Ausblick & Atmosphäre (Sitting Underneath a Hill-Top-Tree) - & übe mich eine halbe Stunde im ‘Zurück-Starren‘: woraus sich letztlich eine nette Unterhaltung mit ein paar jungen Indern ergibt. Schließlich aber nimmt die Mittagshitze dramatische Ausmaße an & ich beeile mich den ‘Heimweg‘ (meinem kühlen Hotelzimmer entgegen) anzutreten. Nur kurzer Stop am Beginn des Treppen-Aufstiegs, wo ich (allerdings lautlos) den niedlichen, etwa fünf bis zehn Zentner schweren Baby-Elefanten bedauere, der mit dem vor ihm liegenden Stroh dermaßen eindeutig autistisch herumspielt ...
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... daß ich an ‘Laß die Bären los‘ von John Irving denken muß (manchmal wünsche ich mir schon ein bißchen mehr Mut). MITTAGSPAUSE im Hotel (während draußen die Hitze ‘brüllt‘). Es geht bereits auf Fünf Uhr zu ... als ich den Bus (‘Number One‘) Richtung Norden nehme - dieser dreht eine Schleife nach der nächsten Pirouette durch die Vororte Trichys & so dauert es eine gute Stunde, bis wir (endlich!) im mittlerweile spätnachmittäglichen, aber brodelnden (weil in ‘zig-tausend-füßigem Menschengewusel‘ zu ersticken drohenden) Srirangam eintreffen: - zum einen ist heute der letzte Tag eines regional-bedeutsamen, einwöchigen Tempelfestes & ... - darüberhinaus sind zusätzlich die Helfer sämtlicher politischer Parteien mit ihren grell-bunt bemalten Pick-Ups unterwegs (nur mehr zwei Wochen bis zu den indischen Parlamentswahlen!) & bemüht, die allerletzten Unschlüssigen ‘zwischen zwei Gebeten‘ noch schnell zu überzeugen. Mir ist’s gleich - ich konzentriere mich auf das Wesentliche ... Der erste Gopuram ...
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... ist der mit Abstand größte & Teil der äußeren Tempelmauer - der bis zum Haupt-Tempel noch sechs weitere folgen. Zunächst unbehelligt schlängle ich mich durch die fröhlichen Menschenmassen (Volksfest-Atmo!) - unmittelbar vor dem letzten Wall aber bin ich für den Bruchteil einer Sekunde unaufmerksam & gerate in die Fänge eines der hier angestellten (& auf Touristen ‘abgerichteten‘), jugendlichen Tempel-Führer. In akzentfreiem Englisch erklärt er mir, daß Nicht-Hindus nur in Begleitung eines staatlich diplomierten Guides das Tempelinnere betreten dürfen, ... hält mir einen Lichtbildausweis unter die Nase & ... verkauft mir ein Ticket. Da er sehr überzeugend wirkt glaube ich ihm (zunächst) & folge ihm: - zunächst auf einen steinernen Aussichtsturm (sehr entfernte Blicke & ‘Schüsse‘ in den inneren Tempel-Bereich ... inklusive des unvermeidlichen ‘Goldenen Tempels‘), - anschließend zum Temple of 1000 Pillars ...
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... der allerdings NUR über 900 Säulen verfügt. Nicht, daß etwa der falsche Eindruck entsteht ich hätte die Säulen gezählt (Ganesha Beware!): diese Info stammt von meinem ‘nice, because readable Travel-Guide‘. Währenddessen doziert & korrigiert, belehrt & schwadroniert mein wichtigtuerisch vor mir herstolzierender & jegliches Atmen authentisch-hinduistischer Atmosphäre dieserart im Keim erstickender ‘non-readable Travel-Guide‘ - als er schließlich noch den altklug-jovialen Versuch unternimmt, den (ohne ihn offensichtlich völlig hilflosen) Touri glücklich zu stimmen, indem er ‘dessen persönliche Daten abfragt‘ ... ... fühle ich mich hinreichend UNWOHL (& somit in der Lage) ihn kurz & knapp zu informieren, ‘daß ich die Besichtigung AB JETZT ALLEINE fortsetzen werde!‘ Er nimmt diese, meine Eröffnung (zu Recht) persönlich & ... ist SAUER! Mir aber ist das im Moment scheißegal: Ich habe keine Lust immer auf andere (& dazu noch mir wildfremde) Menschen Rücksicht nehmen zu müssen. Basta! Ich schlendere ziellos (& barfuß!) durch die weitläufige Tempelanlage - ergötze mich an den zwar unscheinbaren (tausendfach die kleinen Seiten- & Neben-Tempel schmückenden), immer aber beeindruckende Steinmetz-Fertigkeiten demonstrierenden Skulpturen & Reliefs - genieße die Aufführung ständig sich verändernder Farb- & Schattenspiele einer die Tempelanlage als kongeniale Kulisse nutzenden, untergehenden Sonne. Als meine Füße unüberspürbar zu schmerzen beginnen & die mich verfolgende, blutrote Spur bei den übrigen Besuchern Aufmerksamkeit (oder gar Opfer-Begehrlichkeiten?) zu erregen droht ... ... begebe ich mich zum Outer Gopuram (zurück) & gönne mir ein ‘Leckerli der ganz besonderen Art‘ - eine kleine Portion Jackfruit! Genau! Diese widerlich aussehende, giftgrüne & kürbisförmige Baumfrucht, deren bloße Betrachtung mir bislang schon immer Übelkeit verursachte - obwohl: fachmännisch zerlegt & aufbereitet sieht sie nicht nur gar nicht mal so unappetitlich aus, sondern schmeckt auch ... naja: nicht direkt GUT - aber ... ... äh ... interessant (jedenfalls solange man sich auf kleine Mengen beschränkt). Die sich anschließende Rückfahrt mit dem Bus durch die abendlichen Vororte Trichys gehört unzweifelhaft zum atmosphärischsten, was ich bislang in Indien erleben durfte: - unzählige kleine (& gutbesuchte) Restaurants & Bars, - dazwischen Goldschmiede, Schneider & Uhrmacher (in winzigen Ein-Raum-Werkstätten), die im grellen Schein einer nackten Glühbirne ihrem jeweiligen Handwerk nachgehen, - in (zur Straße hin offenen) ‘Garagen‘-Büros konzentriert sich über Schriftstücke beugende Angestellte, die ich ob ihrer offensichtlichen Geräusch-Unempfindlichkeit bewundern muß (denn sie umgibt die denkbar lauteste Kakophonie aus ohrenbetäubendem Stimmengewirr & nervenzerfetzendem Verkehrslärm), - schließlich eine ältere, bemitleidenswert-abgerissen aussehende Inderin, die einen kompletten, mindestens achtteiligen Kochtopf-Set auf ihrem Kopf jongliert (& zwar ... & jetzt kommt’s: in einem großen Jutebeutel mit der Aufschrift ‘Love Is Blind!‘). Zu jeder der (beinahe ausnahmslos ein Lächeln im Gesicht tragenden!) Gestalten versuche ich mir die zugehörige Geschichte auszumalen: das ländliche, einfache Indien Pur! Fast bin ich enttäuscht als wir die Bushaltestelle im Zentrum Trichys erreichen ... kam ich mir doch während der letzten Stunde wie der schaulustige Besucher eines indischen Kinos vor (allerdings ohne ‘Indian Soap‘!). Im heimelig-einfachen Restaurant des Mathura nehme ich (wie bereits am Vorabend ... weshalb mich die gesamte Kellnerschaft wie einen ‘alten Freund des Hauses‘ begrüßt) meinen südindischen Abend-Snack: ein höllisch-gutes (& zumindest ebenso-scharfes!) Zwiebel-Tomaten-Curry mit Chapatis & Tee. Im Getränkeladen auf der anderen Straßenseite kaufe ich mir einen ‘Freund für die Nacht‘ (Marco Polo Extra Strong - Alkoholgehalt: 8,75 Prozent) & ... ziehe mich dann zu exzessiver Bett-Lektüre sowie intensivem Reiseführer-Studium in mein Hotel zurück. Kurz vor dem Einschlafen beschließe ich (spontan), ‘... daß ich mir nicht jede Tempelanlage Süd-Indiens ansehen muß!‘ Ich werde daher entgegen meiner ursprünglichen Planung Thanjavur ‘rechts (der Bahnstrecke) liegenlassen‘ & bereits morgen nach Madras abreisen: ‘Hm - IRGENDETWAS (wenn ich nur wüßte WAS?) scheint mich magisch Richtung Norden zu ziehen ... etwa die Berge Nepals?‘ In meinem Zimmer ist es UNERTRÄGLICH HEISS! Da der Ventilator zudem dermaßen laut ist, daß man sein eigenes Schnarchen nicht versteht ( ... wenn’s denn mal schon soweit wäre!) braucht es, obwohl ich mir Mühe gebe ‘den schmalen Grat zwischen Kühle & Stille‘ extrem vorsichtig entlang zu balancieren, dicke Schweißperlen & einige Zeit, bis ich ... |
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... Um Halb Sieben Uhr ist die Nacht für mich rum: Duschen - Packen - Frühstück & mit einer Motorrad-Rikscha zum Bahnhof, wo ich ein Zweite-Klasse-Ticket für den Zug nach Madras kaufe & mich (dann) auf dem Bahnsteig niederlasse. Laut Fahrplan soll der von Madurai kommende Zug um Halb Neun Uhr Trichy erreichen - alle zehn Minuten ertönt jedoch die immergleiche Frauenstimme über die Bahnhofs-Lautsprecheranlage, die regelmäßig mit den immergleichen Worten endet: ‘The Train is on the Way to Town!‘ Naja - letztlich wird es Halb Zehn Uhr, bis der Zug den (anscheinend komplizierten) Weg in die Stadt gefunden hat. Ich bemühe mich sofort um einen Sitzplatz - allerdings vergeblich: Das kann ja heiter werden! Die ersten beiden Fahrtstunden lehne ich lässig (& lässig lesend) an der halbgeöffneten Abteil-Türe (jeder Quadratzentimeter des Fußbodens ist mit Gepäckstücken zugestellt) - die nächste Fahrstunde (exakt zwei ‘Mirinda-Längen‘) halte ich mich im Pantry-Wagen auf - anschließend ‘verbiege‘ ich zwei weitere Stunden meine Wirbelsäule in einer winzigen, unbequemen Zug-Ecke (auf dem Boden kauernd & mein Gepäck innig umarmend). Kurzum: Die Zugfahrt ist DER HORROR-TRIP! Zuschlechterletzt lege ich mich mit einem Zugkellner an ... der mich ziemlich arrogant (geradezu ‘deutsch-beamtenmäßig‘) aus SEINEM Restaurant-Wagen vertreiben will & mich auffordert ins Abteil zurückzugehen! Okay - da ist nur ein winziges Problemchen: IM ABTEIL IST KEIN PLATZ! Hm - anläßlich dieser (letztlich heftigen) Konfrontation wird mir übrigens einmal mehr bewußt, wie ERSCHRECKEND BEGRENZT doch mein englischer ‘Fluch’-Wortschatz ist! Um Drei Uhr ist es vollbracht - unser Express Train hat die 300 Kilometer von Trichy nach Madras in weniger als sechs Stunden zurückgelegt (mein bisheriger, persönlicher Geschwindigkeitsrekord in Indien!). Der riesige Hauptbahnhof (naja - Madras ist mit vier Millionen Einwohnern immerhin die viertgrößte Stadt Indiens) verfügt über einen speziellen Tourist-Counter ... ... & so BLIEBEN mir die ellenlangen Warteschlangen vor den normalen Ticketschaltern erspart, WÜRDE ich die Schamlosigkeit besitzen dieses, meine indischen ReisekollegInnen bös benachteiligende mir angebotene Privileg ... äh - ja! Was ich heute (& zwar ohne zu zögern) einfach TUE! Ich darf zwischen zwei verschiedenen, täglich zwischen Madras & Calcutta verkehrenden Direkt-Zügen auswählen: - der erste startet morgens um 8.10 Uhr & braucht für die 1.700 Kilometer lange Bahnstrecke etwa 28 Stunden ...? - der sogenannte Night Train (obwohl ja beide Züge ... ‘Na und? Besser-Wessi!‘) verläßt Madras am späten Abend, benötigt für die gleiche Strecke allerdings mehr als 35 Stunden ...? Angesichts meiner immer noch vorhandenen (& sich augenblicklich wieder lautstark in Erinnerung bringenden) Aversion gegen lange Bahnfahrten fällt mir die Entscheidung nicht schwer & ich sichere mir einen Platz im NUR schlappe 28 Stunden die Ostküste Indiens entlang-gondelnden Frühzug (‘Second-Class-Sleeper - Lower Bench - Window Seat‘). Abfahrt: kommenden Dienstag Morgen. Fahrpreis: 300 Rupees (etwa 8 US-Dollar). Eigentlich habe ich ja Hunger (& ich überlege, ob ich in Madras über Nacht bleiben soll) - aber das verlockende Bild ‘Meer, Strand & Palmen‘ hat sich vor meinem geistigen Auge festgesetzt ... daher marschiere ich (schwer tragend) zum ‘nicht ganz so nahen‘ Busbahnhof. Während ich auf dem chaotischen Terminalgelände jeden Passanten einzeln (& zunächst erfolglos) befrage, welcher der schätzungsweise 800 Busse denn wohl nach Mamallapuram (oder auch: Mahabalipuram) fährt ‘... fange ich mir zwei kleine Jungs ein‘ (was nicht zufällig Assoziationen an eine Krankheit weckt!), die mir in der Folge nicht mehr vom Bein weichen & ... ... (mein Erreichen des gesuchten Busses drohend vor ihren Augen) zunehmend unverschämt werden: ‘Give me Money - NOW!‘ Das ihre so forsch vorgetragene Forderung erbärmlich konterkarierende Problem der beiden Knirpse ist allerdings ihre schwächliche Konstitution (asiatische Herkunft & höchstens acht Jahre alt!): Trotz behinderndem Marschgepäck wäre ich leicht in der Lage auch mit der doppelten Anzahl ‘Sackgänger diesen Kalibers‘ fertig zu werden. Gegen den allergröbsten Hunger erstehe ich ein papiertüten-umhülltes ‘Bier für unterwegs‘ & springe (überaus zufrieden ... äh ... mit mir!) in den abfahrbereiten Bus. Kurz vor Vier Uhr stürzt sich unser Fahrer entschlossen in das Verkehrsgewühl von Madras - allerdings dauert es noch weit über eine Stunde (während der ich außer einer Handvoll namenloser Kolonialbauten nur Asphalt sehe: das Zentrum der Vier-Millionen-Metropole umkurven wir weiträumig) ... bis wir die Stadt & ihre südlichen Vororte hinter uns gelassen haben. Leider außer Sichtweite des Meeres (der Bucht von Bengalen) folgen wir der schnurgerade (& sensationslos) Richtung Süden verlaufenden Küstenstraße. Ich bekämpfe meine aufkommende Müdigkeit (Langeweile?), indem ich mich auf einen kleineren Streit mit einem ‘agressiven Turbanträger‘ einlasse - der glaubt, mir erklären zu müssen, daß mein Nachbarsitz NICHT der ideale Standort für meinen Rucksack ist! (äh ... meint er). Da der Bus kaum mehr als zur Hälfte gefüllt ist & ... ich (ÜBERHAUPT!) heute mal bockig sein will grinse ich ihn freundlich bis (zugegeben) arrogant an, proste ihm dann mit meinem Bier zu (dem ‘Turbanträger, vermeintlichen Sikh & demzufolge Fundamental-Abstinenzler‘ ... ich Sau, ich!) & informiere ihn nur knapp: ‘Der Rucksack bleibt wo er ist!‘ Anschließend kann von Langeweile keine Rede mehr sein: Zum offensichtlich größten Amusement sämtlicher übriger Fahrgäste ZETERT er wie ein Rohrspatz ... ... & läßt sich selbst durch meine ihm MEHRFACH, natürlich in deutscher Sprache angetragenen Friedensangebote (‘Man kann sich im Leben nicht NUR Freunde machen!‘ - ‘Neutralität bringt NIX!‘ - ‘War einmal ein Bumerang ...‘) nicht so recht besänftigen. Einigermaßen überraschend raunt mir der freundliche Gehilfe (sowie ‘Inkasso-Bevollmächtigte‘) des Busfahrers plötzlich zu: THIS is ‘Ideal Beach’! Ich bedanke mich bei ihm, steige (meinen Rucksack schulternd) aus & folge der einen schweißtreibenden, weil schattenlosen Kilometer messenden Schotterpiste zu der Strandhotelanlage, die in meinem Reiseführer noch als die ‘reasonableste‘ (unter vielen ‘exklusiven‘!) beschrieben wird. Nur für GENAU EINE NACHT ist noch GENAU EIN ZIMMER frei! Morgen wird eine Bus-Ladung portugiesischer Pauschalis erwartet - dann wird das Beach Resort (in Traum-Strand-Lage) für vier Wochen komplett ausgebucht sein: Das große Zimmer mit Meerblick-Balkon, riesigem Bett & beeindruckendem Moskitonetz ist (zugegeben!) die bislang komfortabelste Unterkunft meiner gesamten Reise - allerdings zählt es mit 450 Rupees (knapp 15 Dollar) auch nicht gerade zu den absoluten Schnäppchen des billigen Reiselandes Indien! Was soll’s - für eine Nacht ... !? In meinem Hedonisten-Raum breit MACHEN - drei Bahnen durch das Nass des badewasser-warmen Pools der Anlage ZIEHEN - einen kurzen Blick auf den nun, mit einsetzender Dämmerung zunehmend öde wirkenden Strand WERFEN - bevor ich mich für den Rest des Abends (final!) unter den Palmen des Garten-Restaurants nieder ... äh ... LASSE. Nicht unerwartet (!) nehme ich zur Kenntnis, daß mein Abendessen (für südindische Verhältnisse) extrem teuer ist - was mich jedoch überrascht ist seine ‘fad-schlechte‘ Qualität & ... urplötzlich steige ich hinter das Geheimnis der Küche Tamil Nadus: Die Gewürz-Mischung MACHT’S ( ... ganz entschieden)! Die Vorfreude auf den bevorstehenden Sprung in eine wildschäumende Meeresbrandung (‘... morgen Früh - so Gott will!‘) läßt mich diese vergleichsweise nebensächlichen Unzulänglichkeiten meiner ansonsten paradiesischen Herberge allerdings leicht verschmerzen. Um Halb Elf Uhr ziehe ich mich in meine ‘Suite‘ zurück - rauche auf meinem luftigen Balkon zwei Zigaretten (Rockin’ to and fro ... in einer affenschaukel-ähnlichen Schwebe-Gelegenheit) - informiere mich (nachdem ich meinen finalen Ruheplatz unterm Moskitonetz eingenommen habe) noch ein halbes T.C.Boyle-Kapitel (lang) über die ‘Schwierigkeiten des Marihuana-Anbaus‘ ... ... & entschlummere: (bis zuletzt mit der Hitze kämpfend) schließlich ...
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... Um Sieben Uhr bin ich hellwach - auch weil mir der Gedanke keine Ruhe läßt: Wenn schon ‘Beach Resort’ ... dann aber auch richtig! Also! Ich greife mir die wenigen, für einen Kurzaufenthalt am Meer unabdingbaren Badeutensilien (‘Verdammt - wo versteckt sich denn schon wieder mein Gummi-Krokodil?‘) & SETZE einen nur fast perfekten Slalom (durch die mit Palmen ‘schikanierte‘ Hotelanlage hinunter zum Strand) IN DEN SAND. Außer mir genießt (noch) niemand frühmorgendliche Badefreuden: ... stattdessen ist mein Strandabschnitt fest in der Hand einer schieren Unmenge ‘geparkter‘ Fischerboote, ... sporadisch trabt ein Einzel-Inder (zielstrebig) ‘von irgendwoher kommend irgendwohin‘, ... sich gegenseitig einen Anstands-Abstand von jeweils fünfzig Metern einräumend hocken (wie an einer Perlenschnur aufgereiht) ‘die Elemente ganz besonders innig verehrende‘ Naturliebhaber im weichen (‘IIIEH!‘) Sand & starren (sichtbar angestrengt) aufs Meer hinaus ... äh - ja. Trotzdem ... wage ich einen kühnen Sprung in die hohe Brandung! Schneller als mir lieb sein kann muß ich jedoch feststellen, daß (zumindest momentan: Ich habe keinerlei Informationen über die an der Ostküste Indiens herrschenden Gezeiten!) mir ein immens starker Sog ‘die offene Bengalische Bucht‘ näher zu bringen versucht - oder genauer: ... mich IHR! Daher belasse ich es bei einer nur kurzen Erfrischung - lese langausgestreckt im sich bereits spürbar aufheizenden, feinkörnigen Sand ein Kapitel ‘Grün ist die Hoffnung‘ - & genieße die (gleichermaßen sanft wie gründlich) mich trocken-‘rubbelnde‘ Morgensonne. HÄRRRÄLISCH ... !!! Zurück ins Hotel, unter die Dusche & Frühstücken. Bereits um Zehn Uhr sage ich meinem Strandparadies ‘Adieu!‘ & trotte über die Resort-Zufahrtspiste zurück zur Landstraße. Zwar dürfte es meiner Touri-Info-Landkarte zufolge bis Mamallapuram-Stadt nicht weiter als zwei Kilometer sein ... aber der Maßstab täuscht: Nach einer ersten, halbstündige ‘Tropen-Marsch-Etappe unter gnadenloser Sonne‘ (kein noch so verkrüppelter Einzel-Baum spendet am Straßenrand auch nur einen Quadratmillimeter Schatten) muß ich den Rucksack mal loswerden & gestatte mir eine längere Zigarettenpause - bevor ich mich eine weitere halbe Stunde (letztlich VÖLLIG FERTIG, aber ... erfolgreich!) auf die sich zeitweise von mir zu entfernen scheinende Stadt zuquäle.
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Glaubt man den zahlreich mich willkommen heißenden, bunten Werbetafeln am Ortseingang, dann muß das Bettenangebot sehr umfangreich sein & ... (kaum um Haaresbreite dem Hitzetod entronnen) regen sich neue Begehrlichkeiten in mir: ‘Ich will eine schöne, einsame Strohhütte am Strand!‘ Die Hütten im State-Run Tamil Nadu Campsite gefallen mir nicht - zuviel Beton & ... außerdem total überteuert. Trotzdem führt diese Besichtigung letztlich doch zu einem positiven Resultat - in der Anlage schließe ich nämlich die Bekanntschaft mit einem netten, älteren britischen Pärchen & die beiden empfehlen mir eine ihrem enthusiastischen Bericht zufolge ‘sehr atmosphärische Rundhütte direkt am Ortsrand‘. Ein erster Blick in die einzige, noch freie Wohneinheit (von insgesamt vieren) beweist mir, daß nicht nur die Dänen niemals nicht ... Ich greife SOFORT zu - denn die runde Strohhütte (mit Lehmmauern) ... einem riesigen Bett (sowie einem dieses noch deutlich ‘überragenden‘ Moskitonetz), Dusche & WC Inside & in einem verwilderten botanischen Skulpturen-Garten gelegen ... ist bei einem Mietpreis von NUR 150 Rupees (vier US-Dollar!) wahrlich GESCHENKT. ‘Was mehr ... könnte mein Herz begehren (wollen)?‘ Naja - eigentlich sollte die Hütte ja direkt am Strand liegen! Aber was sind schon 500 Meter im Vergleich zu den mittlerweile zurückgelegten 14.000 Kilometern ...?
 
‘EBEN!‘ Da mein neues Domizil noch gereinigt & hergerichtet werden muß vertreibe ich mir die Zwischenzeit (im nahen Gazebo-Restaurant) bei einem Marco-Polo-Strong-Frühschoppen. Schließlich DARF ich MEINE Hütte in Besitz nehmen & beschließe spontan (nach In-Augenschein-Nahme der hervorragenden ‘Hut-Facilities‘) den heutigen Freitag in sein genaues Gegenteil umzukehren: Inklusive ausgiebiger Zigarettenpausen (‘Das Leben ... Paff! ... kann doch schön sein ... Paff-Paff! - oder?‘) bin ich volle zwei Stunden mit meiner GANZ GROSSEN WÄSCHE beschäftigt. Der zunächst als NUR nett empfundene, mit der Zeit sich aber als doch recht penetrant herausstellende Hütten-(Best-)Boy erscheint regelmäßig in meiner jedem offen stehenden Eingangstüre & fragt mich (exakt ebenso regelmäßig), ‘... ob ich IRGENDETWAS brauche?‘ Irgendwann beauftrage ich ihn, mir eine Cola zu besorgen (allerdings nur, um ihm ein Erfolgserlebnis zu verschaffen & ... mir einen kurzen Moment der Ruhe zu erschwindeln). Um Zwei Uhr sind meine Hausmanns-Pflichten erfüllt - ich präpariere meinen Fotorucksack mit den üblichen Bade-Accessoires & schlage die vermutete Strandrichtung ein - allzuweit komme ich allerdings nicht! Nach (nicht mal) 200 zurückgelegten Metern spricht mich ein Mann mittleren Alters an (extrem sonnengegerbte, lederne Haut), der vor einem kleinen Restaurant hockt & mich auffordert, neben ihm Platz zu nehmen. Ich bin guter Laune - habe (eigentlich) Zeit & ... will auch nicht (immer abweisend &) unhöflich sein: Ein lockeres Gespräch nimmt seinen Anfang! Er ist gebürtiger Pakistani - aber bereits in den ‘Fünfzigern‘ (als noch kleiner Junge) mit seinen Eltern nach Süd-Indien ausgewandert. Seit gut zwanzig Jahren betreibt er (wechselnde) Restaurants - in Mamallapuram hat er sich vor mittlerweile acht Jahren niedergelassen. Unvermittelt stellt er mir die Frage ‘... was ich denn vom indischen Gras halte?‘ Ich antworte, daß ich im Ausland prinzipiell nicht kiffe ... ... äh ... was bis auf den heutigen Tag (so & so) auch der Wahrheit entspricht. Die für diese, meine Einstellung angeführten Gründe streitet er jedoch als auf sein Heimatland eindeutig nicht zutreffend ab: ‘In India - No Problem - Easy Going ... !‘ Nach nur kurzer Diskussion lasse ich mich überreden (ich gebe zu, daß es dazu nicht allzu großer Überzeugungsarbeit bedarf) in seinem strohgedeckten Bambus-Terrassen-Restaurant ‘auf ein Bier & einen Joint einzukehren‘. Wir sind nicht die einzigen Gäste! Zwei junge Rucksack-Touristen (ein Spanier & ein Israeli) hauen sich ihre offensichtlich ausgehungerten (oder wie ...?) Mägen mit diversen Thali-Snacks voll. Wir tauschen uns in entspannter Vierer-Runde übers Reisen aus: der Israeli tritt vehement der mir gestern (in Madras) zu Ohren gekommenen Behauptung entgegen, ‘... das Travellerleben sei in Nepal etwa vier bis fünfmal teurer als in Indien!‘ Währenddessen KILLT der Pakistani gerade unseren ersten ‘Spin-Around Joint‘ & ... der Spanier BAUT schon am nächsten! Nach dem dritten Gemeinschafts-Joint (sowie zwei eigenen Bieren) nehme ich meine Umgebung zwar noch deutlich (ja: mit geschärften Sinnen!) wahr - gleichzeitig aber schwant mir (unbestimmt), daß ich große Schwierigkeiten haben werde ‘... einigermaßen aufrecht geradeaus zu marschieren!‘ Mein messerscharf (wie nie!) arbeitender Verstand sagt mir: Wenn ich es JETZT nicht schaffe, mich schleunigst in meine Hütte zu verziehen, dann kann ich es gleich bleiben lassen! Derweil führt sich der Pakistani zunehmend suspekt auf! Plötzlich ist er hauptberuflicher Masseur - er bietet sowohl dem Israeli (den er Bob Marley nennt ... vermutlich wegen seiner lockigen, langen & schwarzen Haare) als auch mir ständig superbillige Fußreflexzonen-Massagen an & ... ... besteht darauf MICH (& zwar sofort!) zum Strand zu begleiten! Hm - während ich bereits über die außenliegende Holztreppe der Straße ENT-GE-GEN-SCHWE-BE (fast wie ein Mitglied dieser ‘Wir-Fliegen-für-den-Frieden‘-Partei!) erkläre ich laut & für alle vernehmlich, ‘... daß ich vermutlich erst später zum Strand gehen werde!‘ Im nächsten Moment ... ... befinde ich mich auf der Straße (allein!) & beobachte mich bei dem völlig lächerlich wirkenden Versuch HOCHKONZENTRIERT meine Füße in der richtigen Reihenfolge voreinander zu setzen: MEIN GOTT! Ich bin so ‘STONED’, wie ich’s in meinem ganzen Leben noch nicht war! Als ich Ewigkeiten später endlich meine Hütte erreicht habe verriegle ich die Türe zweimal (!) von innen - lasse mich (dann ... anschließend ... & doch quasi-simultan) auf das große Bett fallen - & spreche im gleichen Augenblick LAUT das einzige noch in meinem fast-leeren Kopf befindliche Wort aus: GERETTET! Sobald ich die Augen auch nur für einen Sekundenbruchteil schließe rasen wirre Bilder in irrem Tempo auf mich zu - die Perspektiven verschieben sich, jegliche Relation scheint aufgehoben: Das Strohdach meiner Rundhütte kommt mir (flach auf dem Rücken liegend) mindestens so weit entfernt vor, wie ‘... die Rundkuppel der Pariser Sacre-Coeur vom Kirchenschiff aus betrachtet‘. Ich liege hellwach & mit (bewußt!) weit offen gehaltenen Augen auf dem Bett & ... ... bestätige mir ein ums andere Mal, wie STOLZ ich auf mich sein kann, daß ich es noch bis in meine Hütte geschafft habe. Schließlich KNACKE ich (irgendwann & ziemlich unspektakulär) einfach traumlos weg. Vier Stunden später werde ich von einem ‘Bären-Hunger‘ geweckt. Ich unternehme ein paar (der Art meines Hungers durchaus angemessene) TAPSIGE Gehversuche & muß mir anschließend eingestehen, daß ich mich immer noch sehr wacklig auf meinen Beinen fühle - aber: Der Hunger siegt! Ich schlurfe (jeglichen Augenkontakt mit mir eventuell begegnenden Passanten durch vorsorgliches, ausgiebiges Betrachten meiner mich grenzenlos faszinieren zu scheinenden Schuhe vermeidend) zum Gazebo Restaurant ... äh ... das von heute vormittag und VERDRÜCKE: ... eine Tomatensuppe, ... ein Gemüse-Chili (mit zwei Chapatis), ... einen kompletten & nicht eben kleinen Grillfisch (mit Fritten) ... sowie (als Nachtisch) eine große Schüssel Bananen in Joghurt. Während ich noch konzentriert vor mich hin mampfe überlege ich bereits, welches Restaurant ich als nächstes ansteuere - aber ... ... überraschenderweise erweist sich (nach Dessert & zwei großen Kingfisher) der drängendste Heißhunger als gestillt.
  
  
Hm - EIGENTLICH war’s ja ein ganz witziger Tag (jedenfalls im nachhinein betrachtet)! Überhaupt: Soll ich denn ängstlich immer alles ablehnen? LEBEN ... an-&-für-sich ... ist nun mal Risiko! Meinen extrem späten Tagesabschluß bildet eine extrem ausgedehnte Bettlektüre: Hm - nachdem ich nachmittags meinen Rausch ausgeschlafen habe will ich nun einfach nicht mehr müde werden. Übrigens ist T.C.Boyles ‘Grün ist die Hoffnung‘ bei weitem nicht so spannend & gut geschrieben, wie die alles überragende ‘Wassermusik‘. Vor allem die permanent eingestreuten (& dabei recht bemüht & konstruiert wirkenden) Metaphern nerven mit der Zeit! IMMERHIN ... ... ist die Story ganz witzig. Naja - halt ein nettes, obschon unbedeutendes (dabei aber auch ‘irgendwie erholsames‘) Stück Literatur der ‘leichteren und/oder seichteren Art für zwischendurch‘ ... Und ... (weit nach zwei Uhr am frühen, wenn auch noch stockdunklen Morgen) ... ... TSCHÜSS! |
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