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Buch    Asia 09      II

TRIPS (& SONSTIGER HORROR) IM SÜDEN INDIENS !
ODER: ABSTURZ & WIEDER-AUFERSTEHUNG ...
...
IM PARADIESISCHEN, KOMMUNISTISCHEN KERALA !

... von Goa über Mangalore und Calicut nach Quilon ... sowie Backwater-Trip durch Kerala von Quilon nach Allepey & zurück (Süd-Indien)

Karte-Story09

Sonntag, 7. April bis Samstag, 13. April 1996:

AUSSCHLAFEN !!! Denn heute stehen mindestens 500 Kilometer auf meinem Reiseprogramm ... vielleicht auch 1000: ‘Schau’ mer mal ...!?‘ Zunächst Frühstück ‘im Freien‘ - ich will noch ein letztes Mal den grandiosen Goa-Meerblick genießen (wer weiß schon, wann ich nochmal ... ?).
Mein Bus nach Mangalore startet erst um Vier Uhr heute Nachmittag (in Panjim, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Goa ... die zuweilen auch Panaji genannt wird) - Check-Out-Time in meinem Hotel ist hingegen unverschämterweise bereits um Halb Elf Uhr. Es stellt sich also die Frage:
Soll ich einen halben Tag im Café (oder am Strand) vergeuden ... oder ‘etwas Sinnvolles‘ tun? Ich entscheide mich für letzteres (naja - glaube es zumindest!).
Das komplette Reisegepäck auf meinen sonnenverbrannten (& auch sonst eher schwächlichen) Schultern marschiere ich um Elf Uhr zur Haltestelle der öffentlichen Busse & genieße ein letztes Mal die bekannte Rennstrecke von Calangute nach Panjim. Hier steige ich in den nächsten Bus nach Vasco da Gama um (‘Das sind Ortsnamen! Wenn die der Phantasie keine Flügel verleihen ...?‘), wo sich die Goa-Railway-Station befindet.
Ich habe viel Zeit & vor ... in Vasco da Gama die Zug-Verbindungen Richtung Mangalore zu checken: In Calangutes Reise-Agenturen war keine Bahnauskunft zu erhalten - IRGENDWIE aber graut mir vor dem elfstündigen ‘Nacht-Horror-Trip‘ in den notorisch unkomfortablen indischen ‘De-Luxe‘-Bussen.
Hm - falls es denn wirklich keinen Zug nach Mangalore gibt, dann soll’s wenigstens eine Reservierung & ein Ticket für den Kerala-Express ab Mangalore Richtung Süden sein. Wohin auch immer ...
... noch hab’ ich mich nicht entschieden!?
Zunächst folgt der Bus auf der Old-Goa-Flußseite etwa fünfzehn Kilometer dem Verlauf des Mandovi River - bevor die Straße einen weiten Schwenk in südlicher Richtung beschreibt. Wir nähern uns dem zweiten großen Fluß Goas, dem Zuari River & nehmen schließlich die weitausholende Auffahrt zu einer auf schwindel-erregend hohen Beton-Stelzen balancierenden, modernen Brücke (die übrigens von privaten Investoren gesponsert wurde & von den sie überquerenden Fahrzeugen eine Benutzungsgebühr fordert).
Obwohl sich die Brücke weit ins Landesinnere zurückgezogen hat (etwa zwanzig Kilometer vor der Mündung des Zuari ins Arabische Meer nutzt sie derart die beständige Verjüngung der Flußbreite) ...
... kommt die Flußüberquerung (immer noch!) einem ‘gewagten Ritt übers offene Meer‘ ziemlich nahe. Weitere zehn Kilometer folgt unsere Piste dem südlichen Ufer des Zuari - dann HEISST uns die ‘Ortsgruppe des Lions Club‘ vermittels einer großen, farbigen Plakatwand in Vasco da Gama, der Hafenstadt am Arabischen Meer HERZLICH WILLKOMMEN.
Der Hauptbahnhof Vasco da Gamas befindet sich gute drei Kilometer südlich des Bus-Terminals - was mir (mal wieder) eine willkommene Gelegenheit bietet etwas für meine Kondition zu tun! Allerdings quittiert die ortsansässige Taxifahrer-Gilde diese, meine sportliche Leistungsbereitschaft (unverständlicherweise!?) nicht mit anerkennendem Applaus.

AS0447-VascoDaGamaGoaBahnhof


Hm - den Verlauf meines Gespräches am Buchungsschalter mit unbefriedigend, ja sogar mit enttäuschend zu beschreiben ... wäre geschmeichelt:
- von Vasco da Gama verkehren exakt zwei Züge: einer Richtung Norden (nach Bombay), der andere Richtung Osten (nach Bangalore) - entlang der Westküste des indischen Subkontinents Richtung Süden (& Mangalore) besteht nur die bekannte Reisemöglichkeit per ‘Super-De-Luxe-Video‘-Bus,
- desweiteren gibt’s Ticket sowie Reservierung für den Zug ab Mangalore (Richtung Kerala) nur in Mangalore selbst: denn der neue, örtliche Computer ist noch nicht ‘Connected‘ ...
Tja - ansonsten aber ist Vasco da Gama (ich schreibe den Ortsnamen einfach zu gern!) immer eine Reise wert!
Damit der Trip nicht gänzlich ergebnislos verläuft ... fotografiere ich das koloniale Bahnhofsgebäude & nehme im Refreshment Room (desselben) ein einfaches Veg-Meal (erster Vorgeschmack auf die in Süd-Indien sehr verbreiteten Thalis, sauscharfe ‘Arme-Leute‘-Standardmenüs - siehe später). Der bemühte Kellner bietet mir zwar an den vollklimatisierten Speiseraum aufzusuchen - ich aber mische mich lieber unter die Einheimischen & SCHWITZE ...
... & zwar nicht zu knapp!
Am noch frühen Nachmittag treffe ich wieder in Panjim ein - reichlich Zeit für eine ausgedehnte Tagebuch-Sitzung sowie ein großes Sandpiper Strong: Ich lasse mich von dem mir mehr als einleuchtenden Gedanken verführen, daß es kein Fehler sein KANN den Bus müde-getrunken zu besteigen! Einkauf vitaminhaltigen Reiseproviants - kurz nach Vier Uhr rollt (pünktlich!) unser Overland-De-Luxe-Shuttle-Bus ein & ... Surprise:
Nur die Hälfte der Sitzplätze sind belegt - wir breiten uns aus, machen uns lang, verteilen uns auf die freien Plätze ... dabei möglichst gleichmäßige ‘Komfort-Puffer‘ einhaltend.
Naja - im nachhinein wird mir klar, daß mein eindeutig voreilig gen Ganesha geschicktes Dankeswort ‘SUUPER - SO darf es weitergehen (dabei die mich umgebende tropische Vegetation mit einem breiten Lächeln genießend)‘ ...
... einfach eine zu große Provokation war:
Das mußte ja schiefgehen!
Anläßlich unsres ersten Stops in Ponda (etwa eine halbe Fahrtstunde südöstlich von Panjim) wird alles wieder geradegerückt: Am Ende eines zunächst endlos erscheinenden, stetigen Zustroms neuer Fahrgäste steht (hm - nicht WIRKLICH überraschend!) ein bis auf den letzten Platz ‘rappel‘-gefüllter Reisebus & ...
... JETZT kann’s losgehen!
Für die ersten 100 Kilometer über eine relativ gut befahrbare Asphaltpiste durch nur hügeliges Gelände (bis Karwar - Karnataka) benötigt der Bus fast vier Stunden: Na - das kann ja heiter werden ...
... bis Mangalore sind es insgesamt knapp 500 Kilometer! Hier (in Karwar) erster Tee- (für mich) & Diner- (alle anderen) Stop. Kurzer Spaziergang in tiefschwarzer Dunkelheit durch das engere Stadtzentrum: die einheimische Bevölkerung zelebriert den heutigen (wie vermutlich jeden) Sonntagabend flanierend & zieht unablässig Kreise um den zentralen Platz, in dessen Mitte sich ein monumentales Denkmal erhebt. Ich vermag zwar nicht zweifelsfrei zu erkennen, wem die Statue huldigt, bin mir aber trotzdem relativ sicher ...
... denn im Zweifel ist es IMMER ‘M-Punkt G-Punkt‘!
Um Halb Neun Uhr haben auch die letzten Passagiere den Weg in den Bus zurückgefunden - wir setzen unseren netten Nachtausflug fort & ... meine Qualen werden größer:
- mein in der letzten ‘Bump‘-Sitzreihe befindlicher Sessel mit der Nummer ‘34‘ (Quersumme 7 ... äh ... meine Glückszahl!) ist defekt - die Rückenlehne senkt sich langsam, selbsttätig & beständig, bis sie (nach jeweils maximal 30 Sekunden) die horizontale Position erreicht hat - was (trotz Erfüllung der von allen einschlägigen Ergonomen propagierten Maxime des ‘dynamischen Sitzens‘) eine EXTREM unbequeme Sitz-, oder besser: Liegehaltung (& vermutlich irreparable Stauchungen meiner Wirbelsäule) nach sich zieht ...
- gleichzeitig HAUT mir mein Vordermann seine (übrigens: nicht defekte!) Rückenlehne nicht minder beständig auf meine linke Kniescheibe - exakt zwischen ‘äußeren Meniskus & unteres Kreuzband‘ & ... die von meiner augenblicklich nordwärts wandernden, neuen Achillesferse ausstrahlenden Schmerzen ziehen regelmäßigen Stromstößen nicht unähnlich mein linkes Bein in voller Länge hinab bis sie dort anlangen, wo sich vormals meine Achillesferse ...
Zunächst versuche ich ihn noch non-verbal, jedoch bereits mit dem eindeutig ‘bösesten, mir zur Verfügung stehenden Blick‘ auf sein rücksichtsloses Verhalten aufmerksam zu machen - nachdem ich einsehen muß, daß diese unangebrachte Zurückhaltung meinerseits fehl am Platze ist ‘... sage ich ihm (zugegeben: ziemlich agressiv!) meine Meinung‘ ...
... worauf er sich mit leidenschaftlicher Hingabe, grenzenloser Ausdauer & erstaunlicher (!) Systematik meiner rechten Kniescheibe widmet.
Aber: Ich will nicht klagen! Ich finde mich schlicht einmal mehr in der schon so oft (hier, in Asien) erlebten Situation wieder ... in der es eigentlich nur noch darum geht die nächsten Stunden ‘irgend-(egal)-wie‘ zu ÜBERLEBEN (von Schlafen red’ ich gar nicht erst!). Jede der beiden, dem frühen Diner-Stop noch folgenden kurzen Raucher-Pausen nutze ich doppelt gierig zur (& sei es noch so wenig) Erholung bietenden Flucht aus dem ‘Knochenbrecher‘-Bus.
Zwischen diesen Pausen ‘furcht unser Fahrer das Gaspedal seines Busses TIEF in den funkenschlagenden Asphaltbelag‘ ... was zwar einerseits (aufgrund der schlagloch-übersäten Piste) in den hinteren Sitzreihen der KISTE zu kopfgefährdender RAPPELEI führt - andererseits aber (Shiva-&-alle-sonstigen-Hindugötter-sei-Dank!) die vorabgeschätzte Gesamt-Fahrzeit einigermaßen unerwartet um mehr als eine Stunde verkürzt! Und so ...
... darf ich bereits um Halb Zwei Uhr am frühen Montag Morgen meine arg in Mitleidenschaft gezogenen Knochen vor der Railway-Station Mangalore (im indischen Bundesstaat  Karnataka) ... äh ... lockern ...

... Rein in die Bahnhofshalle - erstmal muß ich mir zwischen zahllos am Boden kauernden, in Umhänge & Decken gewickelte Gestalten einen Weg bahnen bevor ich die die mich interessierenden Infos erhalte:
Der Zug Richtung Süden (nach Kerala) wird um Viertel nach Vier Uhr Mangalore verlassen - der Ticketschalter öffnet eine Stunde vorher. Ich besorge mir zwei heiße Chai Dudh (das einzige Lebensmittel, das um diese Zeit am Bahnhofs-Buffet erhältlich ist) & belege auf dem verwaisten, nur von einer rötlichen Funzel schwach beleuchteten Bahnsteig eine BEQUEME SteinBank.
Komisch - immer noch erschreckt es mich wenn ich Menschen sehe, denen ‘lepra-bedingt‘ Gliedmaßen abhanden gekommen sind (wie gerade eben beim Slalom durch die schlafenden Gestalten) - oder auch nicht komisch ... !?
Um Drei Uhr entsteht urplötzlich vor dem Fahrkartenschalter ein unübersichtliches, großes Gedränge (& keiner weiß, wo sich der Ball befindet?) - da es sich beim Kerala-Express jedoch um einen sehr langen Zug handelt (der zudem hier in Mangalore eingesetzt wird) gibt’s keinerlei Probleme & jeder (auch ich, der ich mich bewußt zurückhalte) erhält sein Ticket:
Für 120 Rupees erstehe ich ein Zweiter-Klasse-Billet nach Trivandrum (der Provinz-Hauptstadt des indischen Bundesstaates Kerala) - meine eigentlich nur rhetorisch gemeinte Frage ‘... ob ich mit diesem Ticket auch die Fahrt unterbrechen & am Folgetag fortsetzen kann ...?‘, beantwortet der Bahnangestellte zwar mit einem klaren & deutlichen ‘NO!‘ ...
... da ich diese Antwort aber nicht hören wollte bereue ich (erstens!) die Frage gestellt zu haben & lösche (zweitens!) die unbefriedigende Antwort augenblicklich wieder aus meinem Gedächtnis.
Unmittelbar vor Abfahrt des Zuges dokumentiere ich meine nächtliche Bahnfahrt noch schnell mit zwei Stativ-Selbstportraits (‘Besteigen des Zuges ... durch bärtigen Touri ... im dämmrigen Schummerlicht‘) ...

AS0449-MangaloreSelbstportrait+Nachtzug


... bereits im nächsten Moment rattere ICH hinter einer erbärmlich stinkenden Diesellok (her) & bei (noch!) weit geöffneten Abteilfenstern durch die schwülwarme & rabenschwarze Nacht meinem nächsten Etappenziel (‘whereever that will BE!?‘) entgegen - das nahe Arabische Meer ist durch die Fenster an der rechten Zugseite bestenfalls zu erahnen.
Zwei Stunden später setzt die Dämmerung ein. Nachdem ich SO-FORT alle Fenster verriegelt habe (mehrere Moskito-Phantastillarden fallen gleichzeitig über den Zug her) darf ich mich in der Folge zurücklehnen & aus meinem sicheren Glaskäfig heraus (statt eines Frühstücks) die ersten optischen Eindrücke von Kerala zu mir nehmen: ... unzählige Flüsse und Kanäle parzellieren & bewässern die vor Fruchtbarkeit strotzenden, hellbraunen bis dunkelroten Böden, ... Reis steht auf den Feldern großflächig ‘unter Wasser‘, ... die in schieren Massen Spalier stehenden Kokospalmen lenken den Blick des staunenden Betrachters ein ums andere Mal vom ansonsten spiegelglatten, erhebungslosen Horizont ab & um ein paar Höhengrade hinauf in Richtung tiefblau & wolkenlos erstrahlendem Himmel.
Übrigens: Seit der kommunistischen Landreform sichert ebendiese Frucht (die Kokosnuss) selbst den Ärmsten der Armen ein zwar karges, aber zuverlässiges Einkommen. Ach ja - Kerala ... der einzige (Bundes-) Staat dieser, unserer Erde mit einer demokratisch gewählten, kommunistischen Regierung!
Hm - wie es dazu kam?
Ganz einfach: In Kerala leben je ein Fünftel Moslems & Christen ... die restlichen drei Fünftel sind Hindus. Da sich die traditionell-dominierende Koalition aus Moslems & Christen jahrelang auf Kosten der sich quasi-fatalistisch in ihr Schicksal ergebenden Hindus gegenseitig Posten und Vergünstigungen zuschoben war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wie lange sich die Bevölkerungsmehrheit der Hindus diese Benachteiligung gefallen lassen würden. Tja - & ...
... sind da die Kommunisten gekommen, die sagen taten: ‘Das tun wir jetzt mal anders machen!‘ & ... nachdem die Hindus mit ihren Wahlzetteln ‘Fein!‘ gesagt gehabt hatten, taten die Kommunisten das denn auch tuen ... also: anders! Und SO begab es sich ...
... daß Kerala seit dem Jahre 1957 eine bis auf den heutigen Tag aus jeder Wahl unangefochten als Sieger hervorgegangene kommunistische Regional-Regierung besitzt!
DENN: Eins der ersten eingelösten Wahlversprechen der Kommunisten war eine Landreform, die jedem Besitzlosen 400 Quadratmeter landwirtschaftlich nutzbaren Boden zusprach - was für die Anpflanzung von etwa zwanzig Kokospalmen ausreicht & (wenn es auch zu wenig ist Reichtümer anzuhäufen, so doch immerhin) bei fünf bis sechs Ernten pro Jahr eine Familie ernähren kann.
Die frühmorgendliche Bahnfahrt wartet mit einem unerwartet-beeindruckenden farblichen Kontrast-Programm auf: ... ein üppig-grüner Pflanzenwuchs, ... kräftige Blautöne in den Flüssen sowie am Firmament, ... karmin-rote Erde (‘Hi, Mechtild: Gruß an Schalke 05 & ... äh ... an Carmen T.!‘), ... schneeweiße Sandstrände sowie (als zusätzlicher & einzig ‘menschen-fabrizierter‘ Farbtupfer) ... gelblich in der Sonne leuchtende, stroh-gedeckte Einzel-Hütten.
Nach Tagesanbruch steigen an den (zahlreichen!) Bahnhöfen immer mehr Leute zu - es wird zunehmend eng in meinem Abteil - die mich zunächst berauschende Entdecker-Atmosphäre (des ‘als erster Mensch ein unberührtes Paradies betretenden ... äh ... Einhand-Weltumseglers‘) verliert zunehmend seinen einzigartigen, idyllischen Charakter - die zugegeben spektakulären Ausblicke werden durch ihre ständige Wiederholung nicht unbedingt reizvoller - auch spüre ich nun doch, daß ich in der letzten Nacht kein Auge zugetan habe & ...
... die ‘vormals pure Lust am Schauen‘ gerät gegenüber einer dramatisch ihre Ansprüche geltend machenden Müdigkeit nun doch erheblich ins Hintertreffen.
Kurzum: In Calicut (sprich: 250 Kilometer südlich von Mangalore oder ... anders ausgedrückt: viereinhalb Stunden nach Abfahrt des Zuges) habe ich genug für heute, steige aus & suche mir ein Zimmer.
Ich TORKELE (nur durch meinen Rucksack im Schwebezustand eines ‘beinahe aufrechten Gangs‘ gehalten) etwa zwei Kilometer die Station Road entlang. Allzuviele Hotels scheint Calicut nicht bieten zu können - schließlich aber präsentiert sich mir inmitten eines Einkaufszentrums das Hotel Kalpaka: Ich genehmige mir (für satte 9 US-Dollar) ein Einzelzimmer in ‘De-Luxe‘-Ausführung - zwar ohne AC, aber mit TV.
Erstmal ausgiebig Frühstücken - dann mindestens ebenso ausgiebig Duschen! Da die Stadt auf den ersten Blick nicht den interessantesten Eindruck macht horche ich auch weiterhin auf meine essentiell-körperlichen Grundbedürfnisse & (‘Es geschah am hellichten Tag!‘) ziehe mir EIN PAAR MÜTZEN SCHLAF ... äh ... über.
Nachdem ich gegen Vier Uhr (am Nachmittag!) aus tiefster Bewußtlosigkeit erwacht bin & noch eine Stunde dösend vor dem Fernseher zugebracht habe ... begebe ich mich GUT ERHOLT auf einen späten Stadterkundungs-Spaziergang. Kurz bevor ich den Bahnhof erreiche, biege ich über eine große Eisenbahnbrücke in die vermutete (!) Strandrichtung ab - schließlich befindet sich am Strand von Calicut jener Ort, wo Vasco da Gama im Jahre 1498 erstmalig einen europäischen Fuß auf indischen Boden setzte: ‘Das muß sich doch hier irgendwo auch denkmalmäßig manifestieren ...!?‘
Obwohl - wie ich der indischen Tagespresse entnehmen konnte sind zur 500-Jahr-Feier dieses Ereignisses nicht nur offiziöse Peinlichkeiten, sondern auch einige Gegenveranstaltungen geplant ... wie z.B. die Entsendung eines indischen Schiffskorso nach Lissabon.
Die Straße zum Meer führt mitten durch den Main Bazaar der kleinen Hafenstadt Calicut - im Gegensatz zu den bislang besuchten indischen Märkten scheint hier jedoch alles auf den ‘Grossisten‘ ausgelegt: die in den offensichtlich noch aus Kolonialzeiten stammenden, uralten Hallen zwischengelagerten Waren werden (nicht identifizierbar zwar, aber) zumindest säcke-, wenn nicht gar palettenweise auf bereitstehende Karren & Lastwagen verladen.
Letztlich (sehr viel später!) doch am Strand landend (allerdings aus der Vasco da Gama entgegengesetzten Richtung!) marschiere ich ‘Richtung Menschen‘ - bis der Strand in eine großzügige Grünanlage übergeht, in der sich eine vielköpfige Menschenmenge versammelt hat ...
... die angespannt aufs Meer hinausschaut.
Während ich mich verwundert umblicke & noch darüber nachgrüble ‘... worauf die wohl alle so gebannt warten (hm - vielleicht auf einen Nachfahren Vascos?)‘ ...
... wird mir plötzlich klar: Nein - nichts dergleichen!
Der gemeine Inder mit Wohnsitz in Calicut kennt nur zwei (eher schlichte) Gründe, die ihn am frühen Abend ans Meer locken: um ein Eis zu schlecken & ... sich den Sonnenuntergang anzuschauen!
‘Naja - wer weiß denn auch schon, ob morgen ... ?‘
Ich suche mir mein Plätzchen in der Parkanlage des Corporation Health Club of Calicut & ... versuche es den Indern gleichzutun. Erst weit nach Einbruch der Dunkelheit ...

AS0452-CalicutKeralaStrand+PierAS0453-CalicutLeuchtturmAmAbend

... schlendere ich durch die kaum beleuchteten & auch sonst nur mäßig atmosphärischen Straßen & Gassen Calicuts zurück in mein Einkaufszentrum. Übrigens: Ein Vasco-da-Gama-Denkmal habe ich nicht gefunden (allerdings auch nicht sonderlich ernsthaft gesucht ... geschweige denn: vermißt!).
Leichter Abendsnack im Hotel: Dhal & Chapatis sowie eine Riesenkanne ‘Instant-Kafi‘ (letzteres in meiner Studierstube zu ‘LP‘-Reiseplanung & Hesse-Reiseliteratur). Es geht bereits auf Mitternacht zu als ich (eigentlich schon bereit für die Nacht & nur einem Reflex folgend) nochmal die TV-Kanäle durch-ZAPPE & ...
... im Star-Movie-Channel strande:
‘Mission‘ - mit Robert de Niro.
Obwohl ich mich wehre kann ich nicht widerstehen & so wird es schließlich Zwei Uhr, bevor ich den Wecker auf Halb Acht Uhr einstelle.
Morgen geht’s weiter Richtung Süden ...

... Mein Tag beginnt um Halb Acht Uhr mit einem leichten Frühstück zur immergleichen (bereits in Dharamsala ‘genossenen‘), simpel-kitschigen Klaviermusik des ‘Sony-TV-Off-Air-Testbildes‘. Duschen - Packen - & Fußmarsch zum Bahnhof.
Bis zum Eintreffen des Zuges aus Mangalore bleibt mir noch eine halbe Stunde. An einem Bahnsteig-Kiosk ergänze ich das doch sehr leichte morgendliche Frühstück um (an Ort & Stelle & ... im Stehen infusionierte) Chapatis, Gemüse-Curry & zwei Nescafe sowie als Reiseproviant salzig-süße Bananen-Chips (die regionale Spezialität) & geschmacksneutrales Mineralwasser.
Mit halbstündiger Verspätung rollt der vollkommen überfüllte Zug in den Bahnhof - zwar quillt eine große Anzahl Passagiere aus den sich öffnenden Abteiltüren, aber genausoviele neue Reisende steigen zu: Ich kann mich überaus glücklich schätzen nicht nur meinen Rucksack gut verstaut zu wissen, sondern auch einen der raren, freien Sitzplätze zu erwischen (hm - auch wenn sich dieser ‘aussichtslos‘ am Gang befindet). Heute morgen zeigten sich die Temperaturen noch angenehm &  gnädig - nun, in einer zum Bersten gefüllten (& gut leitenden ...?) Blechbüchsen-Schlange steigen sie von Minute zu Minute fühlbar STETIG an.
Aufgrund meines ungünstigen Sitzplatzes verschließt sich mir zunächst jeder Ausblick auf die durchkreuzte Landschaft - nach fünfzig Kilometern heften sich die Geleise an den Verlauf eines breiten Flußtals, das zwar lediglich von einem kaum wahrnehmbaren Rinnsal genutzt wird, in seiner gesamten (zur Zeit maßlos überdimensionierten) Breite aber mit feinstem, weißen Sand angefüllt ist.
Ein ums andere Mal werde ich Zeuge des (immergleichen) im sandigen Gestade aufgeführten Schauspiels mit der (immergleichen) Rollen-Besetzungsliste:
... Frauen (ihre ‘große Wäsche‘ machend), ... Kinder (spielend), ... Männer (vor ihren am Flußlauf geparkten Camper-Vans auf Klappstühlen sitzend & sich die Sonne auf Pelz & Chrom brennen lassend). Übrigens ein Schauspiel, das zwar auffallend häufig, keineswegs aber AUSSCHLIESSLICH auf dem indischen Subkontinent (zumindest bei den männlichen Darstellern) große Erfolge feiert ...
Nach weiteren vierzig Kilometern passieren wir einen namenlosen, lediglich aus einem unscheinbaren Bahnhofsgebäude bestehenden, nichtsdestotrotz aber für die gesamte Region extrem bedeutsamen Warenumschlagsplatz & Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt. Von hier aus weisen die in der Vormittagssonne augenschmerzend-glänzenden Bahntrassen in sämtliche Himmelsrichtungen: nach Coimbatore (im Osten), nach Trivandrum (im Süden), nach Mangalore (im Norden) sowie ...
Quatsch! Im Westen erstreckt sich natürlich das Arabische Meer!
Bei mittlerweile brüllender Mittagshitze erreichen wir (gegen Ein Uhr) die Stadt Trichur (‘Mädchenname‘: Thrissur!). Übrigens: Im Süden Indiens besitzen alle Gemeinden zwei Namen - die Umstellung, weg von den britisch-kolonialen Städtenamen hin zu den neuen indischen Ortsbezeichnungen ließ sich bei der Bevölkerung noch nicht abschließend durchsetzen.
Naja - eventuell liegt’s ja daran, daß sich kein normaler Mensch (zumindest kein ‘weder-so-noch-so-namentlich-genannt-wollender‘ Mitteleuropäer!) die neuen Namen merken kann: beispielsweise lautet der neue, amtliche Name Trivandrums (der Verwaltungskapitale Keralas) nun ... Thiruvananthapuram!
Anyway ...
Nach einem äußerst suspekten Bahnsteig-Snack (altöl-triefende ‘Etwas’-Kringel mit Loch ... sowie Milchtee) werden die Sitzplätze im Abteil neu verlost & ich (Glückspilz, ich! ... äh ... nicht nur: zwar nicht übertriebener, aber angemessener Ellenbogen-Einsatz war schon gefordert, um meinem Glück auf die verdienten Sprünge zu helfen: ‘Aber der Unterarm des kleinen, mit mir um den Sitzplatz konkurrierenden Mädchens war bereits vorher angeknackst - EHRLICH!‘) ...
... kann einen Fensterplatz ergattern. Hm - allerdings entgegen der Fahrtrichtung - aber: ICH will (ja) nicht meckern!
Nach weiteren zwanzig Kilometern (mittlerweile befinden wir uns etwa 160 Kilometer südlich von Calicut) bietet sich mir plötzlich der uneingeschränkte visuelle (& POSITIVE ... zu dem anderen: siehe unten!) Höhepunkt des Tages:
Parallel zum Zug trotten zwei mächtige Arbeits-Elefanten über die Landstraße. Ihre sich für erziehungsberechtigt haltenden Führer tragen ‘die unfreiwilligen Mündel‘ auf ihren haushohen Rücken - je ein großes Buschwerk-Bündel tragen sie hinter ihren sanft hin & her schwingenden Rüsseln ‘im eigenen Mündel‘. Die Bewegungen der ‘wahren Giganten der indischen Landstraße‘ wirken beschwingt-fließend bis unendlich harmonisch - wohl wissend, welche Kräfte sich hinter ihrem sanften Erscheinungsbild verbergen drängt sich mir (müßte ich das sich mir bietende Bild mit nur zwei Worten beschreiben) zuallererst deren gleichermaßen eleganter wie unzweifelhaft stolzer Gang ins Bewußtsein ...
Und BESCHWINGT ist nicht nur deren Gang, sondern auch (& zwar augenblicklich!) mein Herz: WOW! Meine ersten Elefanten!
‘Wie? Fotos ...?‘ Der durch keinen verengenden Sucherausschnitt behinderte, unverstellte Anblick war einfach zuuu schööön!
Um Drei Uhr fährt der Zug in den Bahnhof Ernakulams ein - nach nunmehr 225,  in fünfeinhalb Stunden zurückgelegten Kilometern haben wir exakt die halbe Strecke zwischen Calicut & Trivandrum GESCHAFFT.
Bei Ernakulam handelt es sich übrigens um das Neustadtviertel Cochins - der alten & bedeutendsten Hafenstadt Keralas: Vor Fertigstellung der Bahnverbindung war Cochin der Umschlagplatz für Keralas weltweit begehrte Gewürze, die seit jeher an den westlichen Berghängen der parallel zur Küste nord-südwärts sich erstreckenden Western Ghats angebaut werden (in Mittelgebirgsregionen mit so klangvoll-sprechenden Namen wie Cardamom-Hills).
Ab Ernakulam (spätestens!) empfinde ich die Bahnfahrt einfach nur noch als QUÄLEND! Es ist irre-heiß - die Luft ist stickig - alle zehn Minuten fallen zudem die Deckenventilatoren aus - der Zug ist total überfüllt & hält buchstäblich an jedem Mülleimer. Ich MUSS umdisponieren - bis Trivandrum halte ich nicht mehr durch:
‘In Quilon, dem Ausgangspunkt des weltberühmten Backwater-Trips (einer idyllischen Bootstour durch unberührte südindische Vegetation über ein labyrinthisches Geflecht aus natürlichen & künstlichen Wasserstraßen!) werde ich den Zug verlassen & mir dort ... obschon ich keine einzige Hoteladresse ... aber - die werden ja wohl ... oder nicht ...?‘
Schlapp am Fenster hängend registriere ich (daran erfreuen kann ich mich nicht mehr so richtig) die bis zum entfernten Horizont reichende, wie am Reißbrett entworfen wirkende ‘agronomische Parzellen-Geometrie‘:
- ebene, zumindest tief (wenn nicht gar ‘tiefer‘) gelegte Reisfelder ‘Under Water‘,
- diese begrenzende (den Wasserspiegel um einen konstanten halben Meter überragende) Erdwälle & -dämme,
- diese wiederum von den herumwuselnden Bauern als Verkehrs- & Transportwege genutzt,
- & ... mittendrin (immer & überall) auf jeder noch so kleinen ‘Insel‘ Kokospalmen, Kokospalmen, Kokospalmen ...
Gegen Halb Sechs Uhr habe ich mein revidiertes Tagesetappenziel erreicht & ... das Grauen ein Ende (Denk’ ich jedenfalls ... erstmal so! Naja ...): Der Zug rollt in den Bahnhof von Quilon (Kollam) ein - zeitgleich ziehen dicke, schwarze Gewitterwolken am sich (in Windeseile!) verdunkelnden Himmel auf - ich raffe mein Gepäck zusammen & spute mich ‘... eine Bleibe für die (offensichtlich heute etwas früher einsetzende) Nacht‘ zu finden. Trotzdem die Kamera (natürlich) jederzeit griffbereit für einen ‘Lucky Shot’ & wirklich ...

AS0475-QuilonKeralaArbeitselefant


Zwei freundliche Passanten empfehlen mir (im Vorüberlaufen) das nahe Hotel Shah International - in das ich mich noch eben rechtzeitig, weil unmittelbar vor dem Einsetzen des GANZ GROSSEN REGENS retten kann: Da ein großes, helles Zimmer mit Bad (ohne den verzichtbaren AC-&TV-Schnickschnack) NUR lächerliche vier US-Dollar kostet ziehe ich ohne nachzudenken ein!
Na - DAS hat ja mal wieder (wenn auch auf den ‘allerletzten Drücker’) SUPER-GUT hingehauen! Ein großes, eiskaltes Bier hab’ ich mir jetzt redlich verdient! Denke ich ... & wähle (bereits) die Rufnummer des Zimmerservice.
‘No Have Beer ... but Whisky!‘ Ich zögere zwar einen (kurzen) Moment - lasse mich aber letztlich (doch) breitschlagen. Hm - Hingehauen ...? Breitschlagen ...? Wenn DAS mal gut geht?
Für ‘den gemeinen Inder‘ ist scheinbar jegliche Form der Spirituose mit mehr als 10 Prozent Alkoholgehalt Whisky ...
... obwohl ja nun wirklich deutlich ‘Rum‘ auf dem Flaschen-Etikett steht. Andererseits ist vermutlich auch völlig belanglos was auf dem Etikett steht. Ein Blick reicht, um den Bagpiper Special Rum unzweideutig der Kategorie VERY STRANGE zuordnen zu können - was soll’s:
Ich mixe mir einen dreistöckigen Longdrink (bestehend aus zweieinhalb Stockwerken Rum & einem knappen halben Geschoß ‘indisches Cola-Surrogat‘) - setze mich auf den halbüberdachten Balkon meines Zimmers - schaue trinkend dem Abkühlung bringenden Wolkenbruch zu - komponiere (umständlich) vor einer dramatischen Wolkenkonstellation ein letztes Stativ-Selbstauslöser-Foto (‘Large Rum, Small Bird & ... Lazy Me‘) - kreiere & probiere einen weiteren ‘Rum-Mix-Klopper‘ (wobei ich jedoch das Mischungsverhältnis erheblich zugunsten des Rum-Anteils verändere) & ... DAS WAR’S DANN:
‘... $-ß-&-§-#-99% ...‘
Das nächste, woran ich mich später erinnern kann ist ... daß ich nach einem üblen Alptraum auf dem Bett wachwerde: Es ist Acht Uhr (am ‘was-auch-immer?‘) - die Heftigkeit des geträumten Alps läßt mich durchaus real befürchten ...
‘... daß ich mehr als vierundzwanzig Stunden am Stück bewußtlos war, daß Geld &  Schecks sowie Pass & was-weiß-ich-noch-alles verschwunden sind!?‘ Immerhin schaffe ich es zu kontrollieren, daß meine Wertsachen noch vorhanden sind & die Zimmertüre von innen verriegelt ist. Dann stürze ich auch schon in den nächsten Horror-Alp - in dem es (grob) um folgendes geht:
Alle von mir fixierten Gegenstände, Menschen, Häuser, ja ganze Ortschaften verdoppeln sich urplötzlich. Original & Duplikat lassen sich oberflächlich betrachtet nicht voneinander unterscheiden - die Duplikate sind jedoch leblose & leere Hüllen, durch die ich widerstandslos hindurchgreifen kann (sie fühlen sich an wie in Wasser aufgelöste, warme Gelatine). Berühre ich ungeschickter- und/oder unglücklicherweise eines der Duplikate, so verschwindet mit ihm auch das Original ‘auf Nimmerwiedersehn‘. Dieses Szenario läuft in rasendem Tempo ab - ich habe panische Angst ‘irgendetwas anzufassen‘ - währenddessen wälzt mein Kopf (laut & ohne Unterbrechung) die immergleichen & völlig wirren Gedankenkreisel ...
Als dieser Traum um Halb Zehn Uhr durch eine kurze Wachphase unterbrochen wird kreist die nächste Frage (dieses Mal jedoch bei vollem Bewußtsein) durch meinen Kopf: ‘Waren das wirklich nur anderthalb Stunden ... ?‘ Kurz darauf setzen wieder die rasenden, durch nichts zu stoppenden Assoziations-Ketten (wie eine Endlosschleife) ein. Mein Herz pocht wie wild (ich spüre die Herzschläge selbst in den entferntesten Haarspitzen) - sich steigernde Panikattacken lassen mich schließlich den hilflosen Versuch unternehmen, mich durch ‘mechanisches Herunterbeten autogener Formeln‘ ruhig zu stellen ...
... was jedoch nur insoweit erfolgreich ist, daß ich umgehend in den nächsten Alptraum falle! Die Träume knüpfen übrigens immer an den oben beschriebenen ersten Traum an (was mir bei ‘angenehmen‘ Träumen nie gelingen will!) ... oder sind Variationen des ‘Memory-a-la-Horror‘-Grundmusters.
Nach jeweils anderthalb Stunden (EXAKT) wache ich auf & ... sorge mich jeweils (& jeweils zunehmend) um meinen Verstand: Ich vermute (im günstigsten Fall) NUR einen kompletten Nervenzusammenbruch!
Ein allerletztes ‘Traumbild‘ fällt dann doch etwas aus dem Rahmen:
Eine ziemlich große ‘Flug-Kakerlake‘ stürzt vom direkt überm Bett befindlichen, hell-erleuchteten Deckenlicht auf mich nieder (Rita wollte mir mal in Papua-Neuguinea weißmachen, daß es dort Kakerlaken gibt die fliegen können!). Ich schlage (offenbar in Panik - wieso eigentlich? Kakerlaken sind doch vollkommen ungefährlich, oder?) einmal mit der linken, dann mit der rechten Hand nach der ‘Killer-Bestie‘ & verfehle natürlich beide Male - worauf sich die Kakerlake wieder zum Deckenlicht hochschwingt, dort (kurz Atem holend) verharrt & ... zur nächsten Cockroach-Attack startet. Und dieser Vorgang wiederholt sich dann noch & noch & noch einmal ...
Ich bin mir im nachhinein nicht sicher, ob ich dies wirklich NUR geträumt habe: Denn es handelt sich um den einzigen Traum, der in meinem Hotelzimmer in Quilon stattfindet & ... obwohl ich am Nachmittag kaum Zeit hatte das Zimmer in Augenschein zu nehmen stimmen sämtliche Details der Raumausstattung in ‘Traum & Realität‘ hundertprozentig überein!?
Gegen Fünf Uhr Früh kündigt sich gleichermaßen plötzlich wie ENDLICH (!) DIE ERLÖSUNG an: Heftiger Durchfall setzt ein - wobei mich die Tatsache selbst bedeutend weniger überrascht als der glückliche Umstand, daß es mir tatsächlich gelungen ist ALLES IN die Kloschüssel hineinzubekommen! Nach einer krampfigen halben Stunde geht es mir ‘rein kopflich‘ etwas besser - allerdings schmerzt nun jeder Knochen & jeder Muskel meines Körpers (von den Fußsohlen aufwärts) so als hätte ich gerade am ‘Ironman‘ auf Hawaii teilgenommen.
Mein Mund ist knochentrocken & meine Zunge mit dem widerwärtigsten aller denkbaren Geschmäcker belegt (dessen Entfernung selbst die gründlichste Trockenrasur nicht bewerkstelligen könnte: ‘Gruß an T.W.!‘). Das einzige, in meinem Zimmer vorrätige Getränk ist der noch zu einem knappen Dreißigstel gefüllte ‘Rum‘-Flachmann ...
... an dessen Leerung ich allerdings nicht ERNSTHAFT ... obwohl: eventuell!? Sehr viel ungesünder als indisches Leitungswasser kann dieses Feuerwasser auch nicht sein!). Äh ... trotzdem (letztlich): Nein!
Die beiden folgenden Stunden wähle ich abwechselnd (das aber ohne Unterbrechung!) die Telefonnummern von Zimmerservice & Nachtwächter - bis ich endlich ... Mineralwasser & Limonensaft (‘Gluck-Glück-Gluck!‘).
Den Rest des Vormittags verbringe ich (in tiefster Depression bewegungslos, unter zwei Laken & bei ausgeschaltetem Ventilator auf dem Bett schwitzend) einfach nur LEIDEND: Allerdings zwinge ich mich meine Augen geöffnet zu halten (‘Ich traue meinen Träumen nicht!‘). Unterbrochen wird diese, mich zur Zeit völlig ausfüllende Vollzeitbeschäftigung lediglich durch zwar spontane, immer aber extrem motivierte ‘Kurz-Sprints zur Kloschüssel‘. Übrigens: das Shah International verfügt über ‘waden-freundliche Western Toilets‘ ...
Nach Mittag SCHLEPPE ich mich von meinem Zimmer im vierten Stock (der Aufzug ist aus Energiespargründen nur morgens & abends in Betrieb) auf die Straße ...

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... & erstehe in einem Bretterladen Bananen, Mandarinen & Zigaretten - der sich unweigerlich anschließende Rückweg (hoch!) in mein Hotelzimmer verlangt mir dann ALLES ab ...
... bevor ich mich schweißgebadet (& letztmalig für heute) in mein Bett fallen lassen darf. Den Rest des Tages verbringe ich auf ähnlich ‘lustig-anregende Weise‘ wie den Vormittag - zusätzlich (da wieder etwas klarer im Kopf) wälze ich jedoch ausgiebig all die depressiven Gedanken, über deren Abwesenheit ich anläßlich meiner ersten asiatischen Durchfall-Attacke (in Amritsar) noch so erfreut war:
‘Abbruch der Reise ...!‘ ‘Ich hasse Bahnfahren ...!‘ ‘Was um-alles-in-der-Welt mache ich hier eigentlich ...?‘ ‘Der gesamte Asien-Trip war von Anfang an ein einziges Fiasko ...!‘ ‘Warum bloß habe ich bei REWE gekündigt? Noch fünf, oder besser zehn Jahre hätte ich den Job machen müssen: dann wäre ich finanziell unabhängig ...!‘ ‘Was um-alles-in-der-Welt soll ich bloß in Deutschland anfangen, wenn ich nach meinen Reisen wieder ‘bei Null’ anfangen muß ...?‘ usw. usw. ...
Um Sieben Uhr beginnt es draußen zu dämmern & obwohl mir vor der kommenden Nacht graut ... werde ich etwas ruhiger. Ich beschließe (was bleibt mir auch anderes übrig?) mich in mein Schicksal zu fügen: Ich werde mir mindestens zwei Rekonvaleszenz-Tage im Bett ABVERLANGEN (was schwer genug sein wird) ...
... denn ERSTMAL muß ich IRGENDWIE gesund werden! ...

...

... Zwei Tage später: Es ist Acht Uhr am Samstag Morgen. Ich wache auf & horche vorsichtig (& noch keineswegs zuversichtlich) in mich rein: Alles ruhig!
Aufstehen - Duschen - das schon zur Gewohnheit gewordene karge Frühstück - Rauchen - nochmal Horchen: Immer noch alles ruhig!
Um Zehn Uhr trete ich (meinen See-Sack lässig über meinem Ringel-Hemd geschultert) mit asymmetrischem ‘Long-John-Silver‘-Schritt vors Hotel - halte unter der gelüfteten Augenklappe hindurch Ausschau nach einem ‘Anti-Skorbut-Survival-Food-Shop‘ (wo ich etwas Dörrfleisch, zwei Scheiben Zwieback & einen 50-Kilo-Sack Zwiebeln erstehen kann) - winke dann eine Motorrad-Rikscha heran & lasse mich zum Ablegeplatz der Fähre barkassen.
Eine illustre & weltmeer-erprobte (einen Querschnitt durch sämtliche großen Seefahrer-Nationen repräsentierende) Piratenschar erwartet mich schon: Deutsche, Schweizer, Holländerinnen (!), Amerikaner & ein Japaner. Pünktlich um Halb Elf Uhr geht’s los & ... bereits nach der ersten Flußbiegung befinden wir uns inmitten üppigster Natur.
An beiden Ufern wuchern Palmen, Bambus, Rattan sowie Bananen- & diverse fruchtlose Laubbäume wild durcheinander - die undurchdringlich erscheinende ‘grüne Wand‘ erfährt in unregelmäßigen Abständen überraschende Abwechslung & Auflockerung durch kleine, immer schrill-bunte Hindu-Tempel - einfache Fischerhütten (gefertigt aus dem ‘was der Dschungel hergibt‘: nämlich Bambus, Rattan & Blätterwerk) markieren den uferseitigen Endpunkt der weit in die Flüsse & Kanäle hineingebauten, zahllosen Bootsstege.

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Das flußseitige Ende einer jeden dieser hölzernen Landungsbrücken bildet je ein weit-ausladendes & eng-maschiges, mittels (im 45-Grad-Neigewinkel aus dem spiegelglatten Flußlauf herausragenden) Bambusstangen fixiertes & einen Meter über der Wasseroberfläche sich straff spannendes ‘chinesisches Fischernetz‘. Leider zeigen sich mir die so rustikal wirkenden & dem mich umgebenden Natur-Idyll das atmosphärische Sahnehäubchen aufsetzenden (weil aus einer anderen Zeit zu stammen scheinenden) Fischfang-Vorrichtungen jedoch nur im Ruhezustand: Offensichtlich ist der Samstag für die Kerala-Fischer ein arbeitsfreier Tag ...
In etwa halbstündigen Zeitabständen treibt uns eins jener Boote entgegen, das wie die Comic-Zeichnung einer irgendwie mißlungenen ‘Rattansessel-Gürteltier-Mendelung‘ aussieht.

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Den fotografischen Höhepunkte des Vormittags stellen jedoch zwei in Ufernähe gesichtete Elefanten dar: während der eine in der prallen Sonne schuften & schwitzen muß, wird sein Artgenosse von zwei Pflegern gebadet.
‘Stimmt ja ... heute ist Samstag!‘
Um Ein Uhr macht unsere Fähre an einem schmalen Bootssteg fest - in einer aus drei Hütten bestehenden kleinen Siedlung am Fluß verbringen wir unsere Mittagspause: Ich übrigens weniger Nahrung aufnehmend (mein heute Früh mit noch so viel Begeisterung & Vorfreude zusammengekauftes ‘Matrosen-Mahl‘ macht mich denn doch nicht sooo an!) ... stattdessen umso eifriger quatschend.
Ich plaudere mit einem jungen Studenten-Pärchen aus Kiel, das sich in der zweiten Woche einer vierwöchigen Reise durch den Süden Indiens befindet. Letztes Jahr haben die beiden Nord-Indien & Nepal bereist ...
... ‘hier unten‘ aber fühlen sie sich wohler: ruhigere, relaxtere Atmosphäre - weniger penetrante Belagerung durch Händler & Bettler - noch keinerlei Probleme (‘Knock on Bamboo!‘) mit Dieben oder Rip-Offs.
Der wechselseitige Austausch unserer Reiseerfahrungen (den wir nach Wiederaufnahme der Bootsfahrt ‘an Bord‘ fortsetzen) zieht sich in die Länge & ... ich stelle einigermaßen verwundert fest, daß mir (nach einer längerer Zeit des Unwillens) DEUTSCH REDEN wieder Spaß macht: Neben mir stehend ...
... registriere ich (an mir) eine ungekannte, eloquente Mitteilsamkeit!?
‘Wie ...? Das könnt Ihr gar nicht glauben ...?‘
‘Shut Up - you Bastards!‘ (an DIE DAHEIM).

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Nach dem zweiten, dem Tea-Stop wird es (bereits um Halb Fünf Uhr!) ungewöhnlich FRÜH dunkel: Ein Gewitter zieht, sämtliche Farbschattierungen zwischen dunkelgrau & schwarz an den vormals wolkenlosen Himmel zeichnend auf - selbst die Sonnenanbeter, die den gesamten Tag auf dem brütend-heißen Oberdeck zugebracht haben suchen sich ein regengeschütztes Plätzchen im überdachten & (nu’ im Nu!) überfüllten Boots-Inneren - aber auch die Permanent Residents (dieses südindischen Feucht-Biotops) zieht’s ins Trockene:
Wir passieren eine ‘aber-tausend-hälsige‘ Entenherde - die, von nur zwei, sichtlich überforderten Entenhirten mit über ihrem Kopf geschwungenen Reisiggerten gehütet ... als ‘riesig-appetitlich-(noch!)-lebendes Enten-Ragout‘ (über eine Länge von schätzungsweise fünfzig Metern) die halbe Breitseite des nicht eben schmalen Kanals in vornehmlich weiße Federn hüllt.
Über eine knapp zwei Meter breite Steintreppe strebt die WABERNDE MASSE (lemminghaft, wild mit den Flügeln rotierend & immer etwa 200 Exemplare gleichzeitig) dem nahen Entenstall oberhalb der Uferböschung zu. Unser Boot befindet sich bereits außer Sichtweite ...
... da sehe ich durchs Teleobjektiv meiner Kamera die notorischen Nachzügler-Enten (‘Lazy Daisy & ihre FreundInnen ... natürlich!‘) immer noch in unvermindert breiter Front die Treppe hinaufflattern.
Mit kongenialer akkustisch-optischer Untermalung (Thunder & Lightning) setzt urplötzlich der GROSSE REGEN ein - eigentlich kaum mehr vorstellbar schwillt er (trotzdem) immer noch stärker an & ... erreicht schließlich Ausmaße & Intensität, wie sie Hesse (in meiner derzeitigen Reiselektüre) anläßlich eines miterlebten Monsoon-Regens auf Sumatra (eindrucksvoller als ich es kann) beschreibt.
Der an den Rändern nicht mehr von der (uns offensichtlich zu verschlingen versuchenden) Dschungel-Landschaft zu unterscheidende Himmel ist (ebenfalls!) in lückenloses, dunkelstes ‘Tiefst-Schwarz‘ getaucht (‘... unterm Horizont geht’s weiter!‘). Die Naturgewalten demonstrieren eindrucksvoll ihr ‘Potential‘ & produzieren (quasi ‘aus dem Nichts‘) eine wenn schon nicht angst-, so doch zumindest respekt-einflößende, bedrohliche Weltuntergangs-Stimmung (Armageddon Now & Apocalypse Wow ... gleichzeitig!).
Zwar versuche ich mich an einigen, die einzigartige Szenerie möglichst realitätsnah einfangenden Atmo-Fotos - aber: Ich müßte lügen, wollte ich behaupten, daß ich guter Hoffnung bin ...
Apropos ‘Fotos‘: Während des gesamten Backwater-Trips versuche ich schon diszipliniert & thematisch zu fotografieren (... whatever that is!?) & insgesamt habe ich nicht mehr als zwanzig Fotos geschossen - auch (& vor allem) natürlich aus Sparsamkeitsgründen! ‘Hm - ich find’s schon spannend ...
... ob ein gutverschnürtes & prall mit unbelichtetem Filmmaterial gefülltes Päckchen (vom ‘Sehr geehrten Herrn Steltner’ aus Köln-Kalk/Germany) für mich in Kalkutta zur Abholung bereitliegen wird ...!?‘
Gegen Sieben Uhr (mittlerweile ist es auch tageszeitlich bedingt stockdunkel) erreichen wir unseren Zielhafen Allepey: It’s still raining C’s ‘n’ D’s! ...
... & so fällt mir die Entscheidung in Allepey zu übernachten (& erst morgen nach Quilon zurückzufahren) nicht schwer. Obwohl es vom Fluß aus einen modernen bis feudalen (& teuren?) Eindruck machte versuche ich mein Glück im nahen Kappatta Tourist Home & ... bin einigermaßen überrascht, als mir der Hotelangestellte ein Zimmer für knappe zwei Dollar anbietet.
So billig bin ich während meines gesamten bisherigen Asien-Trips noch nicht untergekommen! Aus drei inspizierten Zimmern suche ich mir ‘das graduell Beste‘ aus - spritze mir drei Tropfen Wasser ins Gesicht & ... wende mich dann umgehend dem Wesentlichen zu: dem hoteleigenen Dachterrassen-Restaurant.
Die Terrasse bietet weite Ausblicke auf die Lichter der Stadt sowie das zwischenzeitlich in Wetterleuchten übergegangene Gewitter - auf jedem Tisch steht ein kleines Teelicht & das (wie ich schnell feststellen muß) nicht nur aus atmosphärischen Gründen: Mit schöner Regelmäßigkeit verabschiedet sich (etwa alle halbe Stunde) der Strom. Neben der Restaurantbeleuchtung verdunkelt sich mithin auch das im Eingangsbereich strategisch günstig positionierte Pantoffelkino UND ...
... die indische Seifenoper (über der die gesamte anwesende Kellnerschaft lauthals lachend ihren Job vergißt) wird LEIDER unterbrochen. Diese Streifen sind wirklich unglaublich:
... kein Gag ist zu albern, ... kein Witz zu alt, ... keine Pointe zu vorhersehbar ... um hier nicht noch auf ein begeisterungsfähiges & -williges Publikum zu stoßen!
Als der mitten in der Wüste (?) einen gekachelten Wasserlauf (??) entlangschlendernde (???) & Dank eines begnadeten Maskenbildners selbst einem Blinden als solcher er-SICHT-lich kenntlich gemachte Bösewicht auf der unvermeidlichen Seife ausrutscht (!), in hohem Bogen erst durch die Luft fliegt (!!) & dann laut fluchend im Wasser landet (!!!) ...
... da lacht erstmal jeder Kellner für sich (& in sich hinein). Nach verstohlen geknüpftem Seitenblickkontakt untereinander schwillt ihr Lachen jedoch synchron an & entwickelt sich (unter weit aufgerissenen Augen & über grand-canyon-großen Lachfalten, nein: -gruben) zum Orkan - bis es (das Lachen) sich nicht mehr erwartet DOCH abschwächt & in laut-beredte Blicke auflöst, die da zu sagen scheinen:
‘Wahnsinn! Das können nur wir Inder! Hier (& nur hier!) wird täglich zumindest komödiantische, wenn nicht gar cineastische Geschichte geschrieben!‘
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Diese kindlich-naive Freude & scheinbar grenzenlose Begeisterungsfähigkeit hat durchaus meine volle Sympathie & ... ja - es gibt Zeiten, da beneide ich ‘den gemeinen (lachenden) Inder‘! Ich kann es nur einfach jedesmal neu niemals nicht glauben, daß es WAHR ist ...
... was da um mich herum ABGEHT. Naja - ich bin halt doch (durch & durch) ein typischer Rheinländer!
Das Wetterleuchten schwillt (ebenfalls) an. Das glaube ich zumindest solange bis mir klar wird, daß es sich um ein künstliches Wetterleuchten (sprich: Feuerwerksraketen) handelt. Ich befrage den offensichtlich TV-hassenden (& damit eh einzig ansprechbaren) Oberkellner anläßlich der Bestellung meines zweiten Kingfisher-Strong nach dem Grund für das geräuschvolle Freudenfeuer ...
... & er klärt mich bereitwillig auf. Der morgige Tag wird von den Hindus (zumindest in Kerala) als ‘Vishnu-Day‘ begangen. Dem strengen Ritual zufolge müssen alle Gläubigen an diesem Feiertag ‘mit Vishnu aufwachen‘ - was in der Praxis dann wie folgt aussieht:
Am Vorabend wird irgendwo in der Nähe des Bettes ein kleiner Altar (mit einem großen Vishnu-Bild in der Mitte) errichtet - beim Schlafengehen werden Augenklappen angelegt - & diese werden erst am nächsten Morgen, nachdem man sich unmittelbar vor den Altar getastet & die Augen in die erinnerte Vishnu-Blickrichtung gehoben hat abgenommen. Wer im Dunkeln nicht alleine zum Altar findet wird von Verwandten (welche die Prozedur bereits durchlaufen haben) geführt. Anschließend besuchen alle gemeinsam den Tempel & ...
... schildern sich gegenseitig ihre ‘morgendlich-erleuchtenden Vishnu-Visionen‘.
Hm - eine schöne (schön erfundene ...?) Geschichte. Zumal sie IRGENDWIE auch ziemlich gut zu diesen mich jedesmal aufs neue wieder ‘umwerfenden (Seifen-) Opernfreunden‘ paßt!
Apropos ‘umwerfen‘: Nach meinem zweiten, großen Kingfisher bin ich (naja - immerhin 1,3 Liter Stark-Bier!) HACKEZU! Tja - ich vertrage halt nichts (mehr) ... zumal bei dieser Affen-Hitze!
Ich TORKLE treppab (was in meinem Zustand auch nicht sehr viel einfacher als treppauf ist) in meine Gruft ... lautstark vor mich hin hoffend, ‘der gemeine Kerala-Moskito möge sich doch (bitte!) vor Biergeruch ekeln‘. Ich hoffe es - obwohl ich es nicht glauben kann ...
... & weiß daß es nicht so ist, als mich beim Betreten des Zimmers ein hundertkehliges, unzweideutig blutrünstiges ‘Cheers ‘N’ Shut the Door - you (hopefully!) Bloody, Fuckin’ Ass-Hole!‘ willkommen heißt.
Größte Einschlafprobleme - im Bett auf & ab gehen - wälzen - schließlich finde ich mich damit ab, ‘daß ich hier niemals ... na gut: wenigstens relaxen!‘
Bis ich UR-plötz-tz-tz-tz  ...

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