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Asia 08

AUS INDIEN: ‘THE BEAST & THE BEAUTY‘ - TEIL 1 !
ODER: GROSSSTADT-SLUM & STRAND-IDYLL ...
...
ZWEI SEITEN DER GLEICHEN ‘RUPEE‘-MÜNZE !

... in Bombay ... sowie von Bombay mit dem Schiff nach Panjim
(Goa) ... und in Goa (an der zentralen West-Küste Indiens)

Montag, 1. April bis Samstag, 6. April 1996:

... Naja - die Nacht war dann doch nicht ganz so schlimm wie befürchtet: Die durch die weit geöffneten Fensterladen (kaum wahrnehmbar zwar, aber doch) in meine ‘Gruft‘ hineinsäuselnde, leichte Meeresbrise bewirkt schließlich ein langsames Versiegen der an meinem öligen Körper herunterlaufenden Schweiß-Sturzbäche ...
... allerdings ist mein Rücken von der ‘Fakir‘-Matratze arg in Mitleidenschaft gezogen. Diese leichten, körperlichen Unpässlichkeiten verschwinden jedoch augenblicklich ... nach Zuführung eines ‘De-Luxe-Frühstücks im Café umme Ecke‘!
Unbändige Unternehmungslust treibt mich in MEIN ALTES VIERTEL ... zum Touristen-Informationsbüro am Churchgate Terminal. Unterwegs schieße ich die mir am Samstag noch verkniffenen Fotos:
... von der Gateway of India, ... vom kolonialen Justizpalast (dem High Court of Maharashtra), ... von der vornehmlich Amateur-Cricket-Spieler anziehenden, zentralen Parkanlage (dem Oval Maiden), ... vom Rajabai Tower sowie ... den an einen Maharadscha-Palast erinnernden Headquarters of Northern Indian Railway Churchgate.

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Im Tourist Office erhalte ich ... gute Infos, Stadtpläne & Landkarten (Bahnverbindungen, Bombay & Indien) sowie ... ‘Bad News‘:
Laut Aussage des (leider!) einen wissenden Eindruck machenden Angestellten wird es mir nirgendwo in Indien möglich sein Reiseschecks in US-Cash zu wechseln - sprich: Mir wird also nichts anderes übrig bleiben als meinen ‘500-Dollar-Scheck‘ gegen ein etwa fünf Kilogramm (bzw. zehn Pfund ... Sterling?) schweres Rupee-Notenbündel einzutauschen - welches ich dann zusätzlich zu meinen zwanzig Kilogramm Gepäck durch Indien ‘spazierentragen‘ darf.
Anyway ...
Ich habe mir für heute (wie immer) eine große Tour vorgenommen! Zunächst schlendere ich zum Marine Drive (am Westufer der Bombay-Halbinsel) & genieße den tollen Ausblick auf das Arabische Meer ...

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... sowie die kühle Brise, die vom Meer kommend landeinwärts bläst. Nordwärts führt mich die Uferpromenade vorbei am Bombay Aquarium (das ich zwar nicht finde ... allerdings auch nicht wirklich suche) zum Chowpatty Beach.
‘Pack die Badehose ein!‘ ...
... ging mir heute Früh durch den Kopf. Aber allzu einladend sieht der Hausstrand Bombays nicht aus: Händler liegen dösend (oder ‘auf ein Geschäft geifernd‘) unter den nicht im entferntesten an Palmen erinnernden, mickrigen Bäumen & der kleine Vergnügungspark (mit ‘Mini‘-Riesenrad & verrosteten Schaukeln) ist ebenso verwaist wie das Meer ... in dem natürlich NIEMAND badet.
An der einzigen nicht-verrammelten Verkaufsbude erstehe ich ein ‘Baraf‘ (äh ... Eis) & schieße ein paar trostlose Doku-Fotos ...

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... bevor ich (dies allerdings uneingeschränkt!) den grandiosen Ausblick auf die Skyline of South-Bombay am südlichen Horizont genieße.
Ich umkurve die weit ausladende Back Bay & marschiere (jetzt Richtung Westen) bis zum Fuß des Malabar Hill - der am Westhang zwar mit riesigen, modernen & augenscheinlich gut bewachten ‘Appartment-Klötzen für die etwas reicheren Mumbaianer‘ (nicht die GANZ REICHEN!) zubetoniert ist ...
... andererseits (nämlich am Ost- & Nordhang) beheimatet er aber auch die ‘Towers of Silence‘ - auf denen die parsische Gemeinde Bombays ihre Toten aufbahrt & den Geiern (ökologisch-bewußt!) zum Fraß anbietet.
Ich ziehe eine große Schleife um den Stadtberg - durchstreife den beschaulichen, schattigen Kamala Nehru Park (mit weiten Views of the Back Bay ... bis hinunter nach Colaba an der Südspitze Bombays) - finde zwischen den ‘Concreten Silos des etwas besseren Bombay-Wohnviertels‘ auch das eine oder andere, allerdings wie verloren wirkende kleine Hindu-Tempelchen - aber ...
... an die ‘Türme des Schweigens‘ gelange ich trotz mehrfacher Nachfrage an unterschiedlichsten Zugängen NICHT:
‘STRICTLY OFF-LIMITS for Non-Believers!‘ Absolut keine Chance ...
... da kann ich mit der Religion noch so sehr sympathisieren!
SHIT!
Alle Inder halten sich im Schatten auf & liegen dösend auf ihren Bambusmatten & -pritschen: ICH ... bin mal wieder der einzige Idiot, der (verrückt wie die ‘Sahibs‘ nun mal sind) mitten durch prall-brutalst-glühende Mittagshitze seine sowohl sinn- als auch ziellosen Kreise zieht. Zwar habe ich (diesmal!) mein Baseball-Cap als Sonnenschutz dabei (immerhin!) ...
... trotzdem aber finden die Überlebens-Stops an den ‘Erste-Hilfe-Getränke-Stützpunkten‘ in immer kürzeren Zeitintervallen (bei zudem erheblich kürzeren, zurückgelegten Wegstrecken) statt. Die Sonne befindet sich immer noch nahezu im Zenith - obwohl es schon auf Fünf Uhr zugeht: Hier, im Süden bleibt es zwar eine gute halbe Stunde länger hell (Bombay im Vergleich zu Delhi) ... der Sonnenuntergang vollzieht sich dann allerdings rasanter.
Ich folge der Mahatma Gandhi Road (vorbei an Cross- & Oval Maiden) bis zum ‘Mukherji Chowk‘ ...

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... hier beginnt der Colaba Causeway & ... augenblicklich wird mir klar, was ich während der letzten sechs Wanderstunden (übrigens: nicht ungern) missen mußte: Touristen!
Während meiner gesamten ‘Sight-Seeing-while-Walking‘-Tour habe ich vielleicht eine Handvoll gesehen - hier rennen sie mir gleich wieder im (doppelten!) ‘Schock‘ über den Weg. „Hm - die scheinen wohl den ganzen, lieben (langen) Tag ausschließlich durchs Colaba-Ghetto zu gurken ...!?“
Apropos Gurken: Am Oval Maiden spendiere ich mir eine frische Kokosnuß! Erst schlürft man den Saft (das Wasser) aus der Schale - dann läßt man sich vom Verkäufer mit drei blitzschnell ausgeführten Messerschnitten das Kokosnuß-Fleisch aus der Schale lösen & kaut & kaut & (...). Einfach köstlich ...
... & herrlich erfrischend - wenn man nur nicht vom Kauen so MÜDE würde!
Der lange Rückweg mitten durchs Zentrum Bombays bis zu meinem Hotel ist übrigens keineswegs nur ‘eitel Sonnenschein‘:
Öfter als mir lieb ist sehe ich ‘jämmerlich am Straßenrand kauernde, jämmerliche Gestalten‘ - nicht nur Verkrüppelte, Lahme, Blinde & Leprakranke ... auch die vermeintlich GESUNDEN, aber mittellosen Kreaturen (Bettler & sonstige Nur-Dahinsiechende) bieten ein mitleiderregendes Bild.
Ein ums andere Mal bemerke ich wie ich in Gedanken in deren Körper schlüpfe & mir vorzustellen versuche, wie deren Tagesablauf, deren Leben wohl aussehen mag. Letztlich VERBIETE ich mir GANZ BEWUSST derlei ‘Seelen-Wanderungs-Simulationen‘ - es ist einfach zuuu deprimierend!
Zurück in Colaba treffe ich auf eben jenes junge, indische Mädchen, das mich vorgestern Abend kleingeldlos ... & damit (trotz schwül-heißer Außentemperaturen) KALT erwischte - ich freue mich aufrichtig und kann es kaum erwarten, ihr etwas Geld (für das Milchpulver ihrer jüngeren Schwester) zu geben:
Am Samstag bat sie mich um fünf Rupees - nun zögert sie, als ich ihr meinen letzten ‘10-Rupee-Schein‘ hinhalte & erklärt sehr bestimmt ‘... Milchpulver kostet zwanzig Rupees!‘ Nein - sie will das Geld partout nicht annehmen! Ein indischer Passant versucht mir zu helfen - redet ihr gut zu - ich schaue sie derweil stumm, aber flehentlich an. Man könnte eine Stecknadel ...!
Nein - das glaubt mir niemand ... nicht in ‘Noisy Asia‘. Schließlich nimmt sie (obwohl sie lange mit sich hat kämpfen müssen) mit großer & trotzdem gleichgültiger (gespielter?) Geste DAS LÄSTIGE GELD ...
... & mir bleibt nur ihr aufrichtig (‘Woher kommt nur diese plötzliche Feuchtigkeit in meinen Augen?‘) zu DANKEN!
Duschen - die Füße hoch legen - ein letzter Schluck aus der warmen (‘irgendwie übriggebliebenen) Sandpiper-Special-Bierflasche‘ - Rülpsen & ...
... ‘das Leben kann doch schön sein, oder?‘
NEIN - sooo einfach ist es nun doch nicht: Bombay findet außerhalb dieser Zimmerwände weiterhin statt - mit all seinen Unbeschreiblichkeiten & (für uns satte West-Europäer) Unbegreiflichkeiten!
Nicht  abgestumpfte Gleichgültigkeit ist mein Ziel ...
... aber eine gute (?) Portion Fatalismus muß man sich als Reisender in Indien (zumal in den Großstädten) SCHON antrainieren - ansonsten bleibt einem nur noch eines übrig: Ab in den nächsten „Flieger“ & ... nach Hause!
Aber soweit bin ich (noch?) nicht: ‘Ich werde & WILL Asien noch ein weiteres Stück (ein Stück weiter) aushalten ... MÜSSEN!‘
Nachdem ich mir in meinem Holzbretterverschlag einen provisorischen Schreibplatz eingerichtet habe BASTLE ich während der beiden folgenden, einerseits zwar trockenen (‘Scheiß-Feiertag!‘), andererseits verdammt schwül-feuchten Stunden an einem langen ‘Brief an die Zurückgebliebenen‘ ...
... bevor ich (um die Geisterstunde) größere Mengen Autan flächendeckend auf meinem ‘Astralkörper‘ verstreiche - (zuerst!) das Licht lösche, (dann!) das Fenster SPERRANGELWEIT aufreiße - & ... HORCHE:
- zunächst (& bewußt!) auf die mich umgebenden Geräusche eindeutig animalischen Ursprungs. Hm - Ameisen-Brigaden, Kakerlaken-Züge, Einzel-Ratten ...
... alles Okay!
‘Aber wo kommt dieses gelegentliche, unregelmäßige & sich jeweils zum asthmatischen Röcheln steigernde FIEPEN her ...?‘,
- später (& bewußtlos!) an der Matratze ...

... ‘I TOTALLY RAN OUT OF CASH!‘
Unmittelbar nach dem Wachwerden (unter der Dusche) renne ich die Mahatma Gandhi Road in nördlicher Richtung bis zur örtlichen Niederlassung von ‘Thomas Cook‘. Hm - weil ich der irrigen Hoffnung bin, hier meine ‘Thomas-Cook-Traveller-Schecks‘ in US-CASH wechseln zu können ...
... wie gesagt: der irrigen Hoffnung! Ich tausche also einen ‘500-Dollar-Scheck‘ in 16.700 indische Rupees (‘in kleinen 50-er-&100-er-Scheinen - nicht numeriert!‘ ... wie es in den einschlägigen Krimis zu einschlägigen Banküberfällen immer so stereotyp heißt). Da ich nun schon mal in der Gegend bin bringe ich die zuletzt verfassten Postkarten noch ‘ums Eck zur GPO‘ & dann - ENDLICH:
Nach Elf Uhr genehmige ich mir ein derart oppulentes Frühstück, daß meine miese Laune endgültig verfliegen MUSS! Übrigens: die schlechte Laune hatte ich (auch) wegen eines ziemlich realen, nichtsdestotrotz üblen Horrortraums - an dem ich bis zum Frühstück ‘knabbere‘.
Nach meiner physischen & psychischen Wiederherstellung verspüre ich plötzlich eine unerwartet große Lust ‘... einfach mal einen Tag zu vergeuden & mich irgendwo auf das eine oder andere Bier niederzulassen!‘
‘Mich zu diesem Entschluß durchzuringen fällt mir - nebenbei bemerkt, Hilde! - übrigens gar nicht so schwer: Ich stelle mir einfach vor, ich wäre zusammen mit Dir hier in Bombay!‘
Hm - tja - öööh ... ein erstes ‘Tap-Beer from the Mug‘ - zu dem ich (noch!) an meinem ‘Brief an Euch‘ arbeite (den ich unbedingt fertigschreiben & möglichst noch in Mumbai losschicken möchte). Dann noch ein Bier ... & noch eins & ...
... ja - schließlich noch eins.
Nach dem vierten halben Liter Bier (Die Hitze tut ein Übriges!) WANKE ich gegen Drei Uhr nachmittags STURZBETRUNKEN, aber KERZENGERADE (‘Das mit der Intelligenz vergessen wir mal, Fips A. ...‘) zurück in mein ‘Hotel Antique‘ ...
... nicht jedoch OHNE (bei ‘Seagrams‘) vorsorglich noch ein respektabel-großes Take-Away-Beer (London 2001 - Special Strong) zu kaufen. DAS ...
... ich ohne großes Feder- (oder Kakerlaken-) Lesen unmittelbar nach meinem Eintreffen im Hotel (bequem auf dem Bett hingestreckt) ... äh ... LEERE.
Das LETZTE, woran ich mich später noch (schwach!) erinnern werde ... ist die aufwendig komponierte, zwar ‘etwas umständlich ausgeführte‘, an Authentizität jedoch kaum überbietbare Verfertigung eines ‘Lazy-Drunken-Afternoon-Selbstauslöser-Fotoportraits‘!

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DANN ...
... trete ich für die nächsten vier Stunden (weniger krachend als KNACKEND) ab.
Um Acht Uhr (nein: am gleichen Abend!) treibt mich ein unbändiger Hunger nochmal aus meinem Hotelzimmer: Bei ‘Chicken, Fritten & mehreren Eimern Chai‘ nüchterne ich wieder EINIGERMASSEN aus - verbringe den Rest des Abends mit der Vollendung des insgesamt vierzehn-seitigen Briefes - & sinke gegen Ein Uhr zufrieden (mit mir? ... dem Tag? ... der Qualität des indischen Bieres? ‘Man WEISS es nicht!‘) in die nicht vorhandenen Kissen.
Noch etwa eine Stunde lausche ich den Nachtgeräuschen der (wie ich!) im Sternzeichen des ‘Insomniacs‘ geborenen Metropole Bombay ...

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... wobei mir die NAHEN Ameisen, Moskitos, Kakerlaken & Ratten mittlerweile VERDAMMT SCHNUPPE sind. Hm - wie schnell man sich doch an so ziemlich alles gewöhnen kann ...!?
Wissend, daß mich mein Wecker morgen Früh um Sechs Uhr aus den Federn klingeln wird (denn: mich erwartet eine ‘lustige Bootsfahrt‘!) ...
... kann ich natürlich (siehe oben!) nicht einschlafen!
Anyway ...

... Pünktlich um Sechs Uhr schwinge ich mich von meiner harten Matratze in die Horizontale. Duschen - Packen - Verabschiedung von meiner einfachen Bleibe (an die ich mich letztlich doch FAST gewöhnen konnte ...

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... naja - sieht man von den extrem schmuddligen ‘Facilities‘ einmal ab).
Ich schultere meinen Rucksack & ... marschiere durch die (noch) verkehrsarmen Straßen Colabas zur Hauptpost: Es ist angenehm warm & ich WILL mich mal wieder etwas bewegen. Unterwegs werden meine Blicke permanent nervös nach rechts oder links abgelenkt. Hm - nach dem ... äh ... so kurzen gestrigen Tag (den ich eigentlich für atmosphärische Mumbai-Fotos eingeplant hatte) beschleicht mich heute Morgen ein ums andere Mal das Gefühl ‘... ein paar ganz wichtige Shots verpaßt zu haben?‘
Naja - mein ‘Jäger-&-Sammler‘-Trieb!

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Die GPO öffnet ihre Pforte erst um Neun Uhr. Zwar habe ich den ‘Brief an Daheim‘ prophylaktisch mit Briefmarken im Wert von zwanzig Rupees frankiert - um Halb Acht Uhr kann mir jedoch niemand ‘eine amtlich-verbindliche Auskunft erteilen, ob dies ...?‘ (inoffiziell aber wird mir bedeutet, daß zwanzig Rupees ‘wohl ausreichen MÜSSTEN!‘). Mit leicht mulmigem Gefühl in der Magengegend (& dieses Gefühl rührt eindeutig nicht vom gestrig-genossenen Bier!) entsorge ich meine ‘Notizen aus dem Morgenland‘ letztlich doch im Briefkasten ...
... & nehme die Bahn zum Fährhafen.

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Ich betrete das Gebäude der ‘Marania Shipping Company‘ & fühle mich vom ersten Augenblick an wie auf dem Flughafen: ... eine ellenlange Menschenschlange windet sich kurvig (Wie das für Schlangen halt typisch ist!) vor dem Check-In-Counter, ... nach einer knappen Stunde verschwindet mein Rucksack auf einem Förderband & ... kurz darauf bin ich im Besitz einer (auch-so-genannten) Boarding-Card, die auf ‘Seat 21D - Aisle - Smoker‘ lautet.
Leicht enttäuscht gestehe ich mir ein, daß ich mir eine Bootsfahrt über das Arabische Meer schon ein BISSCHEN rustikaler erhofft hatte (‘Gruß an Käptn Blaubär!‘): unser ‘Silberpfeil‘ ...
... ist ein hochmodernes Fährschiff - der Namenszug am Bug ist allerdings schon arg verwittert & unleserlich (‘ES_O_IA‘ ist alles, was ich entziffern kann!?),
... & besitzt eine ultramoderne, zentralregulierte Klimaanlage - sodaß keine Möglichkeit besteht ‘... ein Bullauge zu öffnen‘ oder einen Spaziergang an Deck zu unternehmen. Naja - bei anderen ‘Fliegern‘ ist das ja auch verboten!
Nachdem jeder Passagier seinen Platz gefunden & eingenommen hat wird (erstmal) Frühstück serviert. Ich beginne gerade zu bereuen, daß ich in Bombay NICHT gefrühstückt habe (die aufwendig gestaltete Menu-Box enthält neben ein paar bunten Firmenprospekten nur ein Mini-Sandwich - dazu wird ein halber Becher Chai Dudh kredenzt) ...
... da breitet sich (um mich herum) epidemisch DAS GROSSE KOTZEN aus! Das relativ kleine Boot nimmt (laut Prospekt mit 30 Knoten - sprich: mit gut 55 Stundenkilometern) jede noch so kleine Welle des offenen Arabischen Meeres VOLL MIT.
Zugegeben: mir ist ja auch ziemlich mulmig zumute - aber die Tatsache, daß es den anderen offensichtlich NOCH schlechter geht verbessert meinen Zustand augenblicklich & erleichtert mir die Umsetzung meines Entschlusses ‘... mir mein Frühstück NICHT NOCHMAL durch meinen Kopf gehen zu lassen!‘
Leider bekomme ich optisch (Großraumkabine & extrem verschmutzte Fenster) von der Bootsfahrt kaum etwas mit. Allerdings wählt unser Käptn seine Route auch derart weit Off-Shore, daß steuer- & backbordseits eh nur Wasser zu sehen wäre ... äh ... wäre IRGENDETWAS zu sehen.
‘UNSER Boot ist NICHT voll!‘ Daher suche ich mir weiter vorne einen freien Sitzplatz (ich habe das durch nichts zu begründende & doch sichere Gefühl ‘... dort ist das üble Geschaukel erträglicher!?‘), schließe die Augen & döse apathisch vor mich hin: An Lesen ist bei dem Seegang nicht zu denken! Naja - es sind ja BLOSS schlappe siebeneinhalb Stunden bis Goa!
Anläßlich einer meiner seltenen ‘Eyes-Open‘-Phasen sehe ich DEUTLICH einen großen, grauen, nur mäßig geschuppten Körper sich ZWEIMAL, kurz aufeinanderfolgend aus den tosenden Wogen herausschrauben (Delphin? ... Schwertfisch? ... oder doch ‘viereckiger Hai‘? Jedenfalls hat das Ungetüm eine ziemlich lange, platte Schnauze) & ... (eine wild spritzende Fontäne produzierend: ‘Das gibt Abzüge bei den Punktrichtern!‘) wieder auf die Wasseroberfläche klatschen.
WIE ...? FOTOBEWEIS ...?
‘Hm - meine Einstellung zur effekthascherischen, papparazziesken Spontan-Fotografie (böse Zungen behaupten: ‘meine mangelhafte Beherrschung der Ausrüstung ...?’) habe ich ja wohl schon öfter als oft eindeutig (& zwar eindeutig mißbilligend) zum Ausdruck gebracht!‘
Um Punkt Ein Uhr wird das Mittagessen serviert! Ich halte mich vornehm zurück (stochere ein bißchen in den Bohnen mit Reis herum & koste einen halben Bissen der kurios aussehenden ‘Sweet Meats‘) ...
... was jedoch um mich herum ABGEHT ist mit UN-BE-LIE-VA-BLE nur weit untertrieben beschrieben: ‘Watt der Inder bezahlt hat, ... datt friß’ der auch!
Wenn ett sein muß ... mehrmals!‘
ALLE hauen rein ‘wie die Weltmeister‘: ... nach zehn Minuten vernehme ich die ersten, ihre eigene (wenn auch undeutliche) Sprache sprechenden Würg-Geräusche, ... prall gefüllte, Sekundenbruchteile vorher noch zufrieden mahlende Backenpartien verharren urplötzlich reglos unter weit aufgerissenen, den Tränen nahen (ansonsten aber ausdruckslosen) Augen worauf ... ein (feinmotorische Störungen nur unzureichend kaschierendes) hektisches Suchen in der Rückwand des Vordersitzes einsetzt: ein Suchen nach WENIGSTENS EINEM Plastikbeutel, der noch nicht bis zum Rand feucht UND gefüllt ist!
Ich ... schüttle derweil nur (weniger weise, als eindeutig mitleidlos) meinen Kopf - aber nicht zu heftig: MAN WEISS JA NIE !?
Bis zur Ankunft in unserem Zielhafen (in Panaji, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Goa) werden wir, die unübersehbar angeschlagenen Passagiere mittels eines Kulturprogramms der ganz besonderen Art ruhiggestellt. Unter dem tosenden Applaus meiner wissenden (indischen) Mitreisenden wird die Ausstrahlung des ‘folgenschweren Indian-Soap-Samples: Best of Johny Lever‘ (über die Bord-Video-Anlage) angekündigt & ...
... FILM AB!
Zwar bin ich zunächst vom kaum zu ertragenden ‘Wackelbild‘ ETWAS irritiert, schnell aber bin ich in der Lage mich auf das Wesentliche zu konzentrieren & ...
... das ist die HANDLUNG! Die (die Handlung) sich auf einem Niveau bewegt, ‘das Didi Hallervorden (ob seiner Ernsthaftigkeit) nachträglich als den vermutlich kongenialen Interpreten der Filme von Ingmar Bergman adelt ...
... äh - ja!‘ Zudem ist jede Szene (& zwar durchaus angemessen) mit den un-GLAUB-lichsten Kreisch-Stimmen unterlegt, die ein beliebiges Synchronstudio dieses, unseres Universums je gehört hat.
Den einerseits (mit der Zeit) zwar vorhersehbaren, zum anderen jedoch immer wieder aufs Neue überraschenden HÖHEPUNKT einer jeden Folge (übrigens: Ich STARRE natürlich gebannt auf den Fernseher!) bildet allerdings DIE Szene ...
... in deren jeweils identisch ‘verlaufendem Verlauf‘ JOHNY LEVER (richtig: mit nur einem ‘n‘!) von einer unvorstellbar dicken Frau (& zwar immer einer anderen!) vermöbelt wird & ...
... die (die Frau) dies (das Vermöbeln) mit einer derart surreal-schrillen FALSETT-LACHE begleitet, daß ‘Kotze in Vomit-Bags augenblicklich gefriert!‘
Hm - meine indischen Mitreisenden & ich ... wir lachen (vermutlich zwar aus unterschiedlichen Gründen, aber dennoch) HERZHAFT mit! Dann ...
... sind wir leider schon da!
Während wir (natürlich am ‘Kreisel‘) auf unser Gepäck warten ... veranstalten die örtlichen Taxifahrer vor der gußeisernen Umzäunung einen lautstarken Ringkampf, um potentielle Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Ich warte das Ende der Prügelei nicht ab & marschiere (Lonely-Planet-sei-Dank!) schnurstracks zum etwa zwei Kilometer vom Hafen entfernten Busbahnhof:
Da ich keine allzugroße Lust verspüre die sich weit auseinandergezogen entlang der Küste aneinanderreihenden Goa-Strände mir meinem gesamten Gepäck zu erkunden habe ich mich entschieden Calangute, das erste Beach-Village an der nördlichen Goa-Küstenhälfte anzusteuern ... zumal es hier das größte Angebot unterschiedlichster Unterkünfte geben soll.
Der klapprige ‘Tata‘-Bus benötigt für die fünfzehn Kilometer bis zu seinem Ziel eine halbe Stunde - aber: Wo ist das Ziel? Wir VERENDEN IRGENDWO ...
... mitten auf der schwach asphaltierten Piste - immerhin in Sichtweite des etwa 100 Meter entfernten Strandes.
Ich orientiere mich kurz (indem ich die großen ‘Touristen-Betten-Burgen‘ bewußt rechts liegen lasse) & werde in einem kleinen Strandhotel fündig: Lächerliche vier Dollar verlangt die nette Herbergerin für ein äußerst geräumiges Doppelzimmer - mit privatem (& sauberem!) Kachelbad sowie riesigem (& funktionierendem) ‘Decken-Propeller‘. Ich kann nicht umhin festzustellen ... äh ... daß ich (mal wieder!) sehr zufrieden (mit mir!) bin.
Ich verstreue mein Gepäck nur provisorisch in meinem neuen Domizil: Im Moment gibt’s Wichtigeres zu tun - umgehend begebe ich mich auf die (erfolgreiche!) Suche nach einem gemütlichen Terrassen-Platz mit Meerblick ...

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... in einem das pralle Goa-Flair bietenden Strand-Restaurant. Für die durchaus angebrachten, superlativen ‘WOWs‘ bleibt jedoch (zunächst) nur wenig Zeit:
Ich habe einen Riesen-Hunger (& nur unwesentlich geringeren Durst!) - nur ein Blick in die Speisekarte reicht, um jeglichen, eh nicht vorhandenen Widerstand (in mir) zu atomisieren: HEUTE GÖNNE ICH MIR MAL WAS!
Und zwar ... einen vorzüglichen, kompletten (nicht eben kleinen) ‘Hot & Spicy Chili-Fish‘, desweiteren mit Käse überbackenen Spinat (‘Hmmm - Lecker!‘) sowie zwei Paranthas (sprich: in Butter gebackenes Fladenbrot). Vorher, dazu & hinterher BEMÜHE ich mich meinen (spontan!) als äußerst dramatisch empfundenen, hitzebedingten Tages-Flüssigkeits-Verlust (‘Wie? Im vollklimatisierten Fährschiff?‘ ‘Ejaahl!‘) durch Infusion von insgesamt fünf Draft-Beer vom Fass (nur 0,3-Liter-Pins - also: völlig undramatisch!) UNGEFÄHR auszugleichen ...
Anschließend & bestenfalls angetrunken lausche ich (im feinen, schneeweißen Sand hockend) der unermüdlich anrollenden Arabischen Meeres-Brandung - schieße drei experimentelle ‘Strand-Boot-Vollmond‘-Fotos - & unternehme einen ersten, kurzen, meinen öffentlichen Tag abschließenden ‘Welcome-to-Goa‘-Strand-Spaziergang ...
... bevor ich mich mit Zigaretten & einer ‘kleinen Cola‘ in mein Zimmer zurückziehe. Nach heute nur kurzer Bettlektüre (morgen will ich früh an den Strand!) fülle ich am geöffneten Fenster stehend meine freudig Beifall klatschenden Lungenflügel ein für heute letztes Mal mit der salzigen Meeresbrise & ‘... bette ich mich dann (zufrieden lächelnd) zur Ruh!‘
Nachtrag (um Mißverständnissen vorzubeugen): ‘Cola‘ ist übrigens nicht der Goa-Terminus für die kubanische ‘Chica‘ ...

... Um Acht Uhr werde ich vergleichsweise sanft aus meinen Träumen gerissen: eine schiere Unmenge unterschiedlichster Naturgeräusche lassen mich nicht weiterschlafen - neben einem facettenreichen Vogelkonzert nicht zuletzt die nahe & laute Meeresbrandung.
Bereits in Bombay begann ich mich auf das erste Frühstück am Strand zu freuen & so beziehe ich erwartungsvoll (& bester Laune) meinen Posten in einem Café mit großer Strandterrasse. Die meisten Touris schlafen noch - vermutlich eine Folge des ausschweifenden Nachtlebens in Goa.
Übrigens: das Bier ist hier (im Vergleich zu Bombay) halb so teuer ... & dort hat es schon nur noch den halben Delhi-Preis ausgemacht! Hm - ich vermeine ein eindeutiges ‘Nord-Süd-Gefälle‘ auszumachen & beginne mich auf Kerala (im äußersten Süden Indiens gelegen) zu freuen.
Am Strand tummeln sich (abgesehen von den unvermeidlichen Touri-Joggern mit Nikes & Giga-Armband-Stoppuhren) nur eine Handvoll Einheimische - daher: friedvolle & (mich) beruhigende Atmosphäre!
Ich bestelle die größte, orderbare Einheit ‘Local Coffee‘. Naja - die Kanne gibt zwar vier Tassen heißes, schwarzes Wasser her ... WÜRDE die eingesetzte Menge Kaffeepulver allerdings auf eine Tasse heißes Wasser portioniert, so ergäbe sich vermutlich ein Getränk, das dem Geschmack von Kaffee sehr nahe kommt.
‘Ach ja - Hilde! Nach nunmehr sieben kaffeelosen Wochen freue ich mich aufs Frühstück mit Deiner Katze & einer großen Kanne ‘Jacobs Dröhnung’ (von mir aus auch hochkant in der Pfanne gebraten ... also: der Kaffee)!‘.
Nach dem Frühstück ‘... pack’ ich die Badehose ein‘ & schlendere den Strand in nördlicher Richtung entlang (auf den kleinen Küstenort Baga zu). Um meine gestrige Ad-Hoc-Entscheidung nachträglich zu sanktionieren will ich (‘by-the-beachy-Way‘) einen Blick auf den hiesigen Übernachtungs-Markt werfen - aber vom Strand aus ist kein einziges Hotel zu sehen! Stattdessen reiht sich eine Strandbar (mit den immergleichen Liegestühlen & Stroh-Sonnenschirmen) an die nächste ...
... mir so originellen Namen wie Hard-Rock-Cafe, Love Nest oder (mein persönlicher Favorit!) ... ‘Mafia-Bar‘.

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‘Tja - Wollie! Da mußte ich natürlich SOFORT an Dich denken! Übrigens ... könnte ich mir Dich gut hinterm Tresen dieser Bar vorstellen: wie Du in der brütenden Sonne gute Laune versprühst & eine Animier-Anekdote nach der anderen erzählst. Mit Ruby als kongenialem Co-Wirt wäre eure Bar vermutlich der Strandrenner Goas ...‘
Apropos ‘Strandrenner‘: Ich marschiere weiter Richtung Norden ... bis ich nach etwa drei Kilometern an eine Flußmündung komme, an der (zunächst einmal) der Strand endet - auf der gegenüberliegenden Flußseite erstreckt sich bis zum fernen Horizont stark zerklüftete Felsenküste.
Unmittelbar an der Mündung des Flußes residiert eine kleine Hotelanlage, in der ich vorgebe mich für ein Zimmer zu interessieren: Zwar entspricht der Raum sowohl atmosphärisch wie auch ausstattungsmäßig ungefähr meinem Zimmer (im ‘Hotel A Canoa‘) - allerdings kostet er SATTE 12 US-Dollar!
‘Thanxx ... & Bye!‘
Zufrieden (‘... seems, that I spontaneously fished the Very-Top-Offer out of the Goa-Carp-Pond!‘) schlendere ich langsam Richtung Calangute Beach zurück - unterwegs nach einem schattigen Strandplätzchen unter Palmen Ausschau haltend. Kurz vor der Promenade werde ich fündig & lasse mich nieder ...
... bin also nicht mehr in Bewegung, allerdings noch nicht mit geschlossenen Augen auf Rücken oder Bauch zu liegen gekommen (oder anders ausgedrückt: Ich bin vom potentiellen zum in höchstem Maße akut gefährdeten Opfer geworden).
UND SCHON GEHT’S LOS: ‘Mister - Do you want Fruits? Pineapple, Coconut, Mangos?‘ ... ‘Massage, Massage - with special Karnataka-Coconut-Oil!‘ ... ‘Cold Drinks, Sir - Cold Drinks!‘ ... ‘You want a Hang Bag - my Friend?‘ ... ‘Nice Postcards!‘ ... ‘Wanna buy some old Portuguese Coins? Bloody Cheap!‘ ...
Naja - ich will nicht unhöflich sein & ... stelle daher mit dem freundlichsten Gesicht, zu dem ich nach einem derartig geballten Überfall fähig bin für SPÄTER (eventuell ...?) den Kauf von Früchten und/oder Kaltgetränken in Aussicht:
‘Maybe in two or three hours - right now ... I just wanna Relax!‘
Die VerkäuferInnen sind mit meiner Aussage SEHR zufrieden & lassen sich (einen Kreis mit einem Radius von einem knappen Meter bildend) um mich nieder. Sie haben offensichtlich viel Zeit - eine Masseuse schnappt sich meinen rechten Unterarm und beginnt schon mal mit einer ‘partiellen Probe-Massage‘.
Unterdessen  erzählen sie sich den neuesten Strand-Klatsch - vergessen aber nie, mich (ihren zu schützenden, weil abgemachten Kunden) umgehend auf die ‘überall lauernden Gefahren des Strand-Lebens‘ aufmerksam zu machen. Als sich eine auf den ersten Blick nett aussehende, junge Strandmatten-Verkäuferin (die aber offensichtlich nicht zum ‘Inner Circle of My Private Hawker-Team‘ gehört) nähert ... flüstern sie eindringlich-beschwörend auf mich ein:
‘Be Careful! She’s a Crazy Woman!‘
Zunächst versuche ich’s mit Lesen. Dem vernichtenden Fehlschlagen dieses, meines Unterfangens lasse ich meine Glanznummer (‘Toter Mann‘) folgen ...
... aber meine ‘Special Entertainment Crew‘ nimmt ihren Job sehr ernst & gönnt mir keine Ruhepause! Nach einer Stunde kann ich nicht mehr an mich halten - ich gebe ihnen (leicht genervt) zu verstehen ‘... daß ich nur entspannen kann, wenn ich meine Ruhe habe - sprich: ALLEINE BIN!‘
‘Oh, Yes! SURE - Mister!‘ Sie verstehen & zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen ... was natürlich keineswegs bedeutet, daß sie sich außer Sicht- oder Hörweite ihres Schutzbefohlenen begeben.

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Während der beiden folgenden, in ANGESPANNTER Ruhe verbrachten Stunden bewirkt jede kleinste Reaktion meinerseits (etwa das Anzünden einer Zigarette oder der bloße Versuch, einen verstohlenen Blick auf das mich umgebende Strandleben zu wagen) das umgehende Erscheinen eines/einer meiner Bewacher/innen sowie die mit der unschuldigsten aller denkbaren Mienen vorgetragene (meine Genervtheit zwar langsam, aber stetig steigernde) Frage:
‘NOW ...? Mister ...?‘
Schließlich wird’s mir ZU BUNT (dies übrigens durchaus in mehr als einer Hinsicht): Tjaaa - solange ich bewegungslos & flach niedergestreckt im Sand ausharre fühlt sich alles OKAY an! Jetzt aber ...
... (beim hektischen Zusammenpacken meiner ‘sieben Strandsachen‘) macht sich unüberfühlbar ein ‘irgendwie unnatürliches Ziehen‘ auf all jenen Körperpartien bemerkbar - die während meiner bisherigen Reise (noch) jeden direkten Kontakt mit übermäßiger Sonnenstrahlung vermeiden konnten. ‘Hm - und das, obwohl ich mich den ganzen heutigen Tag ausschließlich im Schatten aufgehalten habe ...!?‘
FUCK!
Ich schleppe meinen von der Sonne waidwund-geschossenen Kadaver ins nächstgelegene Strandlokal & gönne mir (‘Zur Belohnung - wa?‘) ein echt-supertolles American Chop-Suey - bestehend aus: knusprig gebratenen Nudeln, den unvermeidlichen (amerikanischen) Spiegeleiern, Erdnüssen & ‘extremely Spicy Spices‘ ...
... sowie ein großes (zumindest inwendig kühlendes & daher schon fast als therapeutisch angezeigt zu bezeichnendes) Kingfisher-Bier. Die anschließend zu bewältigenden, schattenlosen 200 Meter bis zu meinem Hotel erweisen sich dann nicht unerwartet als DIE TORTUR SCHLECHTHIN!
Erstmal kalt Duschen - die ‘reine Wohltat‘! Anschließend plaziere ich mich gaaanz vorsichtig aufs Bett (die größe Schwierigkeit besteht darin, dem ‘brennenden Bettlaken‘ eine möglichst geringe Berührungsfläche mit meinen ‘krebsroten Hautfetzen‘ zu gestatten). Nach drei Stunden fühle ich mich ETWAS BESSER ...
... allerdings nur, solange ich mich nicht bewege. Also - regloses Lesen (Kim & Lonely-Planet) in ‘stabiler Buddha-Haltung‘.
Gegen Neun Uhr erreiche ich ‘meinen persönlichen Break-Even-Point‘: Der Durst wird stärker als die Schmerzen! Die Killer-Sonne hat sich schon vor Stunden verabschiedet (somit dürften sich die Verbrennungen zumindest nicht verschlimmern) - was also spricht gegen ein paar eiskalte Biere an der Strandpromenade?
Zumal ich mich mit der irrigen & als solche (also: irrig!) bewußt-akzeptierten Annahme ‘... daß mein Sonnenbrand durch solcherart Kühlung von innen Linderung erfährt!‘ zusätzlich zu motivieren in der Lage bin (naja - Selbstbetrug hatte ich in der Oberstufe als Leistungskurs!).
Exakt in dem Moment, da ich den letzten Bissen meines (übrigens: schlechten!) Chicken Biriyani herunterwürge ... erscheint die gleiche, spindeldürre, laut & empört (ob der Ungerechtigkeiten der Welt) MIAUENDE Tigerkatze, die mich bereits gestern Abend (an gleicher Stelle) zu Tränen rührte. Auch wenn es mir (fast) das Herz bricht: Ich kann ihr nicht helfen! Das Huhn ist weg & ...
... (ich hab’s versucht, aber) Bier rührt sie partout nicht an!
Ich verspreche ihr, daß ich in den nächsten Tagen nochmal wiederkommen werde & DANN ... ja: DANN! Hm - deute ich ihren Blick richtig so scheint sie meinen Beteuerungen nicht allzuviel Glauben zu schenken.
Um Elf Uhr robbe ich mich über die scharfkantige Schwelle meiner Hotelzimmer-Türe - schmiere meine unappetitlich aussehenden ‘Ganzkörper-Brandblasen ersten Grades‘ mit Sonnencreme (gegen Verspannungen!) ein & ...
... wünsche mir ‘eine (trotzdem!) geruhsame Nacht‘.
Was es denn (abgesehen von den üblichen ‘Midnight-Smoke-Interruptions‘) auch wird. Naja - jedenfalls weitgehend ...

... I’M ANIMALLY SUN-BURNT !!!
Meine Haut ist gerötet & ‘... bis zum Platzen GESTRAFFT‘ (gerade so, als hätte ich erst vor wenigen Stunden ein Extrem-Lifting über mich ergehen lassen müssen). Vornehmlich meine Unterschenkel fühlen sich FEURIG & SPANNEND an:
‘Mensch, Mechtild - hätt’ ich mir doch deine Schienbein-Schoner ausgeliehen ...!?‘ (dann hätten die Inder auch mal was zu lachen!).
Heute werde ich jedenfalls alles Erdenkliche tun um jegliche direkte Sonneneinstrahlung auf meine ‘Pfirsisch-Haut im Krebs-Outfit‘ zu vermeiden.
Hm - soll ja auch nicht gesund sein: ‘Dooh laachste Dich kapott - mer kriejen Hautkräps! Doo laachste Dich kapott - e Melanom!‘
Erst die Arbeit - dann ...
- zunächst chartere ich für meine Weiterfahrt Richtung Süd-Indien einen De-Luxe-Bus (eigentlich ist die Erwähnung dieses Zusatzes überflüssig, denn in Indien verkehren ausschließlich ‘De-Luxe‘-Busse!): ... Abfahrt in Panjim Sonntagnachmittag um Vier Uhr, ... Ankunft in Mangalore Montag Früh um Halb Vier Uhr & ... von dort ‘SOMEHOW Connecting to the South-Bound Kerala-Express-Train!‘ Naja ...
- im Hotel gibt’s kein heißes Wasser: also muß ich meine Schmutzwäsche einem nahen One-Day-Express-Laundry-Shop anvertrauen (denn die in einem Rucksack mitführbare, maximale Wäsche-Kollektion neigt sich unter den extremen klimatischen Verhältnissen eines typischen Pre-Monsoon-India extrem schnell einem extrem-stinkenden Ende zu).
Heute steht Kultur auf dem Programm! Nach ausgiebigem Frühstück (Spiegeleier, Speck, Würstchen, überbackene Tomaten & Kaffee: ich habe das Gefühl, mir ETWAS GUTES tun zu müssen) ... SPRINGE ich um Elf Uhr auf den nächsten Linienbus nach Panjim.
Zunächst durchkreuzen wir das scheinbar end- & definitiv zwischenraumlos sich an die ‘Panjim-Baga-Piste‘ schmiegende, touristische Calangute (Hotels & private Gasthäuser, Restaurants mit & ohne Permit Room, Souvenir-Shops ... & das alles in sehr farbiger, peppiger Aufmachung). Nach fünf Kilometern verlassen wir die dichtbebaute ‘Touri-Tripel-Meile‘ & ...
... tauchen ein in ‘weites Feld & feuchtes Land‘: ein weitverzweigtes System aus natürlichen Flußläufen & Bewässerungskanälen - kultivierte, bis an den entfernten Horizont reichende Nutzflächen (vornehmlich Reis- & Getreide-Anbau) - kleine Ortschaften sowie (im doppelten Wortsinn) vereinzelte ‘Stand-Alone-Straw-&-Bamboo-Huts‘. Die letzten drei Kilometer bis zur Stadtgrenze Panjims folgt die Straße dem ruhig dahingleitenden Mandovi River - in dessen breiter Mündung unsere Bombay-Fähre vorigen Mittwoch ‘vor Anker‘ ging.
Unmittelbar hinter einer aus schneeweißem Marmor erbauten & unzweideutig auf vergangene Kolonialtage verweisenden, portugiesischen Kathedrale überquert unser Bus (hörbar sich mühend ... auch um ein zeitgeschichtliches Kontrastprogramm!) den Mandovi über eine mehrere hundert Meter pfeilerlos überspannende (dem Stil der ‘futuristischen Moderne‘ verpflichtete) Stahl-Beton-Brücke ...
... deren südliches Ende unmittelbar in den Bus-Terminal Panjims einmündet. Wohltuend kurze ‘Does-Anybody-Know?‘-Umfrage unter den durchweg freundlichen & hilfsbereiten einheimischen Passanten: Schon sitze ich im nächsten Bus & befinde mich im direkten Anflug auf mein heutiges Tagesausflugs-Ziel Old Goa.
Eine etwa zehn Kilometer lange Straße führt (dem breiten, schnörkellos das ihn umgebende, üppige Grün durchschneidenden Mandovi River folgend) schnurgerade auf die fast 500 Jahre alte, ehemalige portugiesische Goa-Kapitale zu - die wegen ihres malaria-förderlichen Klimas (mitten in Mangrovensümpfen liegend) zu Beginn unseres Jahrhunderts zugunsten Panjims aufgegeben wurde ...
... & sich heutzutage als (nahezu unbewohntes, aber ...) kolonialgeschichtsträchtiges Freilichtmuseum präsentiert: Die ehemals lebhafte portugiesische Stadt (der indische Bundesstaat Goa befand sich bekanntlich bis 1961 in portugiesischem Besitz!) ist heute nur mehr eine Ansammlung von Kirchen, Basiliken & Konventen ...
... sowie der ‘für die Abfertigung der Tages-Besucher notwendigen, touristischen Infrastruktur‘.
Sowohl ‘lückenlos-bekleidet‘ als auch ‘gut-behütet‘ veranstalte ich (natürlich während der beiden Stunden ‘lautest-brüllender Mittagshitze‘: ich Einzel-Idiot, ich!) meine individuelle Foto-Safari. Übrigens: Besichtigen darf ich leider keinen einzigen der nachfolgend erwähnten Places of Worship ...
... denn wegen der Vorbereitungen für die am Abend stattfindenden religiösen Feierlichkeiten sind tagsüber alle klerikalen Sehenswürdigkeiten für den Besucherverkehr gesperrt. Immerhin erfahre ich auf diese Art, daß heute Karfreitag ist (eine Information, die den großen Rest Indiens eher ... äh ... KALT läßt!).
Tja - also: Auf die Plätze ...
- ich umkreise einmal die Kirche & den Konvent des Heiligen Franz (von Assisi) sowie die unmittelbar dahinter sich (Wand an Wand) anschließende, kleine Kapelle der Heiligen Katharina (von Siena),
- die eindrucksvolle ‘Se Kathedrale‘ mit einer (mehrfach) überlebensgroßen Jesus-Statue aus weißem Marmor (am dem Eingangsportal gegenüberliegenden Ende des Kathedralenvorplatzes) weckt in mir lebhafte Erinnerungen an den Schauplatz eines Werner-Herzog-Films: ‘Cobra Verde‘ ...? oder doch ‘Aguirre‘ ...?

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- auf der anderen Seite des lediglich aus einer großen Straßenkreuzung bestehenden, leblosen Stadtzentrums erhebt sich die monumentale ‘Basilica des Bom Jesus‘ ...
... mit Schrein sowie den fast kompletten Überresten des Heiligen Francisco Javier (eines Mitbegründers des Jesuiten-Ordens, der lange in Goa tätig war): die beiden großen Zehen haben ihm zwei fundamental-gläubige Frauen (in blinder, fehlgeleiteter Verehrung!?) ABGEBISSEN - ein Arm wurde ihm, dies allerdings unter kirchlicher Aufsicht abgetrennt & nach Rom geschickt (wo er bis auf den heutigen Tag in irgendeiner Tiefkühltruhe des Vatikan ‘in Frieden ruht‘),
- von der Kirche des Heiligen Augustinus ist nur noch der hohe Glockenturm erhalten (& ... dieser auch lediglich dreiseitig): in Kombination mit den labyrinthisch wirkenden, den Grundriss der ehemaligen Kirchenanlage nachzeichnenden Mauerresten bietet der dramatisch konstruierte Bell-Tower allerdings die mit Abstand interessantesten Fotomotive Old Goas. Naja - hoffentlich werden meine Bilder dies auch wiedergeben ... äh ... können (sehr großes Fragezeichen!).

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Nach getaner, verdammt schweiß-treibender Arbeit gönne ich mir (in einem schattigen Café) eine eklig süße Pepsi ... & beobachte einen ‘indischen Möchtegern-Spanier‘ bei seinen ‘angedeuteten Torrero-Versuchen‘ mit einem mächtigen (über angriffslustig geschwungene, lange Hörner verfügenden) Rind. Schließlich schlendere ich zurück zur Bushaltestelle & ...
... kaum habe ich im Bus Platz genommen, da spricht mich ein hinter mir hockender Inder an: Er stellt sich ausgewählt höflich vor - will mein ‘Native Country‘ wissen & ‘nuschelt dann irgendetwas Unverständliches ...?‘
Zunächst glaube ich verstanden zu haben, daß er Physiker ist. Unbefangen (& gänzlich unbedarft: wie ich nun mal bin!) richte ich mich auf den typisch-unverfänglichen, grenzüberschreitenden Bus-Plausch ein & frage ihn, wo er denn arbeitet? Äh - ja ... woraufhin er mir ein zweites Mal (allerdings etwas lauter) erklärt, er sei ‘Physically Handicaped‘ & bitte mich um eine ‘small Donation’ ...!?
‘Mein Gott, Horst - Du nu wieder!‘
Als wir in Panjim gemeinsam den Bus verlassen stecke ich ihm übrigens (bewußt beiläufig) fünfzig Rupees zu - glücklich scheint er mir darüber jedoch nicht zu sein (vermutlich wäre ihm ein geringerer Betrag, der aber in Dollar ausgezahlt, lieber gewesen!?).
Während der Rückfahrt nach Calangute legt unser Busfahrer einen kurzen Stop an der weißen Marmor-Kathedrale (direkt hinter der Mandovi-Brücke) ein: durch die weit geöffneten Seitenportale quillt ein aus zahllosen Gläubigen bestehender Rückstau zurück ins Freie ( ... oder umgekehrt?).
Anyway! Jedenfalls scheint der portugiesische Einfluß hier in Goa ungebrochen - die katholische Gemeinde immer noch sehr groß zu sein - & ... auch meine Hoteliers-Familie zu diesen BEKLOPPTEN zu gehören:
‘Bis Sechs Uhr sind alle in der Kirche!‘ ...
... erklärt mir die nette junge Frau, die das Reisebüro des Hotels führt. Und mir meinen Zimmerschlüssel NICHT aushändigen kann - da dieser sich in den Privaträumen meiner zwar christlich zu sein vorgebenden, sich aber spätestens jetzt als vollkommen verantwortungslos erweisenden Gastgeber befindet.
‘Hm - wo soll denn da der Widerspruch sein ...?‘
Es ist erst kurz nach Drei Uhr - mithin habe ich einen Grund mir für den Rest des Nachmittags eine gemütliche Restaurant-Bar zu suchen: Tagebuch & Lesen ... zu Vegetable Curry, Dhal & Chapatis sowie Kaffee (& EINIGEN Bieren). Später, nach Sonnenuntergang ...

AS0438-CalanguteGoaSonnenuntergang


... (& back in my Room!) lese ich das letzte Kim-Kapitel.
‘Hach - ein sehr schöner Schluß! Aber: WAS um-alles-in-der-Welt lese ich denn jetzt als nächstes?‘ Tja - immer die gleichen, quälenden (& auf den ersten Blick unlösbar scheinenden) Probleme des auf sich & nur sich selbst gestellten Reisenden, für die ZUHAUSE vermutlich niemand Verständnis aufbringt! Ich verschiebe (auch) dieses Problem auf morgen & ... suche mir stattdessen ein Restaurant mit Meerblick (ich beabsichtige IRGENDWO noch ‘eine Kleinigkeit‘ essen):
‘Aber ... muß die Kleinigkeit denn gleich sooo klein sein?‘
Hm - schlechtes & sau-teures Essen ‘a la Nouvelle Cuisine‘ bei einem indischen Mexikaner (durch den Teleobjektiv-Expander betrachtet sieht’s fast wie eine normal-große Portion aus). Zudem DUDELN während meines verzweifelten, aber chancenlosen Unterfangens SATT zu werden jämmerliche Cover-Versionen von ‘Siebziger-Jahre-Westcoast-Pop-Rock-Schnulzen‘ (Eagles ... sowie artverwandte Unsäglichkeiten) aus dem einen halben Meter neben meinem Tisch aufgestellten Lautsprecher. Als ich schließlich noch fast eine Stunde warten muß bis der sich im leeren Lokal langweilende Kellner mir ENDLICH die Rechnung bringt stehen zwei Dinge für mich unumstößlich fest:
... daß ich (erstens!) gerade einen rund-um-gelungenen, weil absolut stressfreien Abend in netter Atmosphäre verlebt habe & ...
... daß es (zweitens!) heute Abend (VON MIR) NICHT MAL EINE HALBE RUPIE TRINKGELD GIBT!
‘Nein - ÜBERHAUPT NICHT! Eigentlich ... geht’s mir blendend!‘
Auf meinem Bett liegend plane ich meine potentiellen nächsten Reise-Etappen Karnataka, Kerala, Andrah Pradesh & Tamil Nadu ... bis es (weit nach Mitternacht) schließlich heißt:
Licht aus - Fenster auf - eine selbstgedrehte ‘Gute-Nacht-Horst!-WIR-finden-Dich-alle-DUFTE!‘-Zigarette (ganz unten im Rucksack fand sich völlig unerwartet noch ein Paket ‘Drum‘-Tabak) - & dann ...
... (versuchen) EIN (zu) SCHLAFEN ...

... Nach einem ungewohnt vitaminreichen Frühstück (naja - seit gestern Abend verspüre ich ‘ein leichtes Kratzen‘ im Hals) begebe ich mich am späten Vormittag auf die Suche nach einem sonnengeschützten Strand-Plätzchen (zwecks ‘Schatten-Baden‘). Dieses Mal schlage ich die südliche Richtung ein & ...
... bereits nach einer halben Stunde befinde ich mich inmitten beschaulichen, kaum mehr touristischen Strandlebens:
Außer einem endlosen Sandstrand, Palmen & Meer zeigen sich lediglich eine Handvoll großer Ausleger-Fischerboote sowie eine etwa gleich große Anzahl einfacher Strohhütten - die mutmaßlichen Schlafstätten der zu den Booten gehörenden indischen ‘Ahabs‘.
Als ich durchs Teleobjektiv meiner Kamera das Strand-Idyll ABFAHRE entdecke ich im Hintergrund der atmosphärischen Fischerboote (plötzlich!) aufsteigenden Qualm:

AS0440-CalanguteFischerboote+Feuer


‘Hm - Woytila wird doch wohl nichts passiert sein?‘ Aber ...
... es handelt sich weder um ‘vatikanische Rauchzeichen‘, noch um (wirkliche!) ‘Indianer in Indien‘. Das was da am Strand herumliegt & lautlos zwar, allerdings bestialisch stinkend vor sich hin ‘kokelt‘ ist ein WAL: vermutlich ist das Tier von den Gezeiten überrascht ... in seichtes Gewässer gespült ... & dann am Strand von den Fischern ‘verendet‘ worden.
Der etwa fünf Meter lange Baby-Wal ist als solcher kaum mehr zu erkennen. Die Fischer-Übermacht hat ihn im wahrsten Sinne des Wortes ‘ausgeschlachtet‘ & ... außer ein paar tranigen Hautfetzen, dem knochenartigen Gräten-Skelett sowie der riesigen Schwimmblase NICHTS zurückgelassen.

AS0441-CalanguteBrennender WalAS0442-CalanguteBrennender Wal

In Sichtweite (allerdings nicht ohne Grund in entgegengesetzter Windrichtung) beziehe ich einen sonnengeschützten Liegeplatz unter einem strohmatten-gedeckten Holzgestell: ... Rauchen, ... Fotografieren (‘Burned Tourists Taking Pictures of A Burning Whale!‘), ... Lesen, ... Relaxen, ... einmal in die pisswarme & daher kaum Abkühlung bietende Brandung springen, ... wieder Rauchen & ... dann das Ganze noch einmal in umgekehrter Reihenfolge!
Immerhin drei Stunden halte ich diesen ‘knochenharten Job‘ durch: dann spielt meine Physis nicht mehr mit & ... auch die Kräfte lassen nach (‘Gruß an Manni K-Punkt aus H-Punkt!‘).
Ich FLIEHE den Beach & tausche meinen unbequemen Schneidersitz im (durch kleinste Ritzen an die unaussprechlichsten Körperstellen gelangenden) Sand gegen den bequemen Korbsessel einer (eigentlich beliebigen!) Strandpromenaden-Terrassen-Bar ein: Fresh Lemon-Soda (gegen den Durst) - Fritten (gegen den kleinen Hunger) - sowie ein Bier (gegen alle anderen Übel dieser Welt).
Nach dem Kauf der benötigten Ingredienzen ...

AS0437-CalanguteGoaZuckerrohrSaftladen


... bastle ich mir in meinem Hotelzimmer ‘ne Bombe‘ - bestehend aus Mandarinen, Bananen & einer großen Ananas. Obwohl alle Zutaten ‘peal‘-bar sind, WEISS ich (natürlich), daß es sich hier um eine hochexplosive Mischung handelt: Aber ...
... bei der Bekämpfung von Grippe mit natürlichen Heilmitteln kann man in Asien eventuelle Restrisiken & daraus sich ergebende Nebenwirkungen NIEMALS GANZ ausschließen (‘... falls im Zweifel - so fragen sie ihren Barmixer oder den Busfahrer ihres Vertrauens!‘).
Nach ein paar Stunden ‘Vor-Ruhe - ohne Stand‘ (morgen steht mal wieder eine lange, anstrengende Reise-Nacht an) beginne ich ein neues & unerwartet STARKES Stück Reise-Lektüre: ‘Aus Indien‘ von Hermann Hesse!
Schon das erste Gedicht haut mir gleichzeitig Stand- & Spielbein weg - denn es trifft ziemlich genau meine diffusen Vorstellungen vom & Gefühle beim Reisen ... vor allem (& gerade!) wenn ich mich an einem dieser sogenannten Traumziele (wie hier in Goa) aufhalte.
Hesse hat das Gedicht bereits 1911, also mit 34 Jahren verfasst - bei dem ‘Spätzünder Hesse‘ (den ‘Steppenwolf‘ brachte er mit 50 Jahren zu Papier, das ‘Glasperlenspiel‘ gar erst im Alter von 66!) könnte man daher fast von einem Jugendwerk sprechen. Betrachtet man weiterhin den literarisch-stilistischen Ausdruck im Spiegel seiner Zeit (das Gedicht entstand immerhin noch vor dem ersten Weltkrieg!), so mag der teils doch recht emphatische Tonfall verzeihlich sein ...

GEGENÜBER VON AFRIKA

Heimathaben ist gut,
Süß der Schlummer unter eigenem Dach.
Kinder, Garten & Hund. Aber ach,
kaum hast Du vom letzten Wandern geruht,
geht dir die Ferne mit neuer Verlockung nach.
Besser ist Heimweh leiden
Und unter den hohen Sternen allein
Mit seiner Sehnsucht sein ...

... Mir ist besser, zu suchen und nie zu finden,
statt mich eng und warm an das Nahe zu binden,
denn auch im Glücke kann ich auf Erden
Doch nur ein Gast und niemals ein Bürger werden.
 

Diese neue Lektüre baut mich EIN WENIG auf: Scheinbar stehe ich mit meinen zwiegespaltenen Gefühlen bezüglich ‘Heimat - Fernweh - Heimweh‘ doch nicht so ganz alleine da. Auch Hesses Tagebuch-Aufzeichnungen anläßlich einer Indonesien-Reise (im gleichen Jahr) lesen sich sehr interessant & sind mir Motivation, mich wieder ETWAS MEHR auf meine Reiseländer einzulassen.
Naja - zur Zeit fühle ich mich (vermutlich ‘Fucking-Beach-Life‘-bedingt) wie in einem schwarzen Loch & ... eigentlich unerklärlich kraftlos-schlapp.
Hm - hoffentlich nur vorübergehend?
Meine durch die Lektüre angenehm-wiedererweckten Lebensgeister belohne ich mit einem oppulenten Abendmahl: frisches Thunfisch-Steak mit Egg-Fried-Rice & Salat, vorher eine Tomatensuppe (mit Knoblauch-Chapatis) & dazu ein großes Kingfisher Strong. Statt eines Desserts ...
... (unter-)nehme ich einen ‘extremely atmospheric Fare-Thee-Well‘-Spaziergang durchs stockfinstere Calangute-Town (nur in sehr vereinzelten Häusern brennt Licht & eine Straßenbeleuchtung sucht man abseits der touristischen Wege natürlich vergebens). Nach meiner Rückkehr ins ‘A Canoa‘ DURCHWÜHLE ich noch eine gute Stunde meinen Reiseführer ...
... dann ist STILL-LIEGEN (schlafen?) angesagt.

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