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TAUSENDUNDEINE NACHT (AM RAND DER GROSSEN PERSISCHEN WÜSTEN) & ... ... HINAUF ZU DEN NOMADEN BALUCHISTANS !
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... Ich wache gegen Halb Neun Uhr auf (an ‘Nicht-Reisetagen‘ darf ich ja wohl mal ausschlafen!) & ein ‘surreal‘-blauer, wolkenloser Himmel begrüßt mich. Ich muß diesen tollen Ausblick aus meinem Hotelfenster erst einmal fotografisch festhalten! Die Temperaturen sind zwar noch recht frisch, das ändert sich aber aufgrund der zunehmenden Sonneneinstrahlung schnell. Gut gelaunt ‘stretche ich meinen Astral-Körper‘ eine halbe Stunde - dann mute ich mir eine eiskalte ‘Wake-Up‘-Dusche zu: einem faulen iranischen ‘Sonntag‘ (siehe Datum) scheint nichts im Wege zu stehen ... ... & an dieser, meiner festen Überzeugung kann auch das mehr als kärgliche Frühstück nichts ändern - das unvermeidliche hauchdünne, quadratische & ‘brandblasen‘-gespickte Fladenbrot, ein paar winzige Krümel Schafskäse sowie ‘Cay‘. ‘Unbejackt‘ ... erstmalig während meiner nun schon drei Wochen andauernden Reise trolle ich mich (nach Wärme gierend) in die ungehemmte Morgensonne. Ich folge der ‘Chahar Bagh‘ (oder besser: deren schattig-baumbestandener Mittelstreifen-Promenade) in südlicher Richtung zum Zayandeh Rud River. Die Frühlingsatmosphäre motiviert mich zunächst zu ein paar Fotos an der schönen, breiten, aus dreiunddreißig geschwungenen Stein-Torbögen bestehenden ‘Si-o-se-Pol‘-Brücke.
 
Der Fluß ist platter als der Plattensee und fließt ‘... einem Rinnsal gleich‘. Auf der Brücke ist es extrem windig - meine ‘Lockenpracht‘ läßt sich durch ein einfaches Haarband nicht mehr zähmen & so beschließe ich, auch aufgrund einiger verstörter Blicke mir entgegenkommender, einheimischer Passanten meine ‘chice, schwarz-pink(-quer!)-gestreifte Budapester Wollmütze‘ (die ja EIGENTLICH nichts anderes als die typisch-islamische Kopfbedeckung ist!) mal wieder zum Einsatz zu bringen. Auf dem Weg zum ‘Maidan-e Imam Hossein‘ (einem der zahlreichen, begrünten, ‘wasserbe-&-umspielten‘ Plätze Isfahans - übrigens: ‘Maidan‘ bedeutet ‘Platz‘) ergänze ich mein spärliches Frühstück durch ‘Inkorporation zweier leckerer Honig-Blätterteig-Hörnchen‘. Die Seitenstraße, der ich in Richtung ‘Maidan-e Imam‘ folge ... ist nach 500 Metern abgesperrt: rechts & links der Straße befinden sich (in kurzen Abständen) auf iranischen Flaggen postierte, gläserne ‘Sammelbüchsen‘ - Redner (im Knabenalter) SCHNATTERN ihre Botschaften durch Megaphone - schließlich werden alle Passanten von Ordnern auf Waffen untersucht ... ... während die Stimme des ‘diensthabenden Mullahs‘ mit jedem meiner Schritte Richtung ‘Heiliger Platz‘ lauter vernehmlich wird. Die üblichen ‘Freitags-Zeremonien‘ auf dem ‘Maidan-e Imam‘ (vormals ‘Maidan-e Shah‘) kündigen sich akkustisch an! Unvermittelt kann ich den gesamten Versammlungs-Platz (der einer der größten seiner Art weltweit sein soll) & die beindruckenden, ihn begrenzenden Gebäude überblicken - zunächst aber staune ich über die Größe der versammelten Menschenmenge: den Mittelpunkt bilden zwar komplette Militärkolonnen (in Uniform & ‘akkurater Gefechtsaufstellung‘) - den weitaus größten Anteil allerdings stellen die ‘weiblichen, schwarzen Kutten‘ ... ... hier jedoch weniger die in Nord-Teheran angetroffenen ‘Haute-Couture-Spielarten‘, sondern die ‘eher baumwollene Variante‘. Vor die am Südende des Platzes befindliche Haupt-Moschee ‘Masjid-e Imam‘ hat man ein Podium postiert, auf dem der (natürlich bärtige) Mullah das über Lautsprecheranlage verstärkte, pathetische Freitags-Gebet spricht. Ab und an murmeln die anwesenden Gläubigen einige Chor-Passagen mit. Ich gebe mir Mühe, meine Kamera so unauffällig wie irgendmöglich einzusetzen, was sich jedoch als völlig überflüssige Vorsichtsmaßnahme erweist - denn: NIEMAND IGNORIERT MICH ... äh ... NICHT! Ich schieße ein paar (wenige) Fotos vom Redner & den Massen (muß anläßlich dieses ‘Spanner-Jobs‘ erstmalig während meiner Reise neben dem Teleobjektiv auch den ‘Extender‘ einsetzen) ... ... & wende mich dann den ‘Allah-Häusern‘ zu:
  
- zunächst (im Westen) der ‘Kakh-e All Quapu‘ - ein großer, geschnitzter und/oder gedrechselter Holzpavillon, der den Machthabern im 16. Jahrhundert (während der Regentschaft des Shahs’ Abbass) einen ungehinderten Logen-Ausblick auf die mannigfaltigen Aktivitäten erlaubte, die auf dem Platz stattfanden ... - desweiteren (im Osten) die kleine Moschee ‘Masjid-e Sheik Lotfollah‘ - der (ausnahmsweise) kein Minarett zur Seite gestellt wurde, da sie ausschließlich für familiäre Zeremonien wie Hochzeiten & Begräbnisse genutzt wurde ... & somit von hier aus niemand zum Gebet gerufen werden MUSSTE ... - & schließlich (im Süden) die große Moschee ‘Masjid-e Imam‘ - berühmt für ihre Kuppel-Mosaike (‘in Blau‘) sowie eine architektonisch-geografische Sonderheit ... ... denn der Ausgang der Moschee weist (in nördlicher Richtung!) zur Platzmitte hin, während die ‘Dschunke‘ exakt in Richtung Osten (sprich: Mekka) zeigt. Während ich mich an ein paar Architektur-Fotos versuche schaut mich ein junger Iraner (nachdem er die ‘islamische Welt‘ durch meinen Tele-Extender betrachtet hat) UNGLÄUBIG an. Hm - obwohl doch eigentlich ich hier die Rolle des ‘Ungläubigen‘ zu spielen habe! Zufrieden mit meiner Fotoausbeute ...
 
... mische ich mich anschließend zwischen die übrigen Besucher - genieße eine bequeme Weile den ‘englisch‘-iranischen Rasen-Teppich - & lasse mich (glücklich ... die letzten, kalten Wochen überstanden zu haben) von der Sonne verwöhnen. Allerdings ist mir nur eine kurze Rast vergönnt - denn unmittelbar nachdem der Mullah geendet hat löst sich die Menschenmenge in Windeseile & in alle Himmelsrichtungen (Osten, Osten, Osten & ... Osten) auf. Ich schlendere zur Nordseite des Platzes & SCHWIMME in der Menschenmenge über die ‘Sepah Avenue‘ zur ‘Chahar Bagh‘ zurück.
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Leider ist das ‘National History Museum‘ (am ‘islamischen Sonntag‘ ... natürlich!) geschlossen - so bleibt mir nur ein entfernter Blick ins Foyer: “Nein - ich habe auch keine Ahnung, was dieser Dinosaurier in ‘Echt’-Körpergröße am Eingang des Museums zu bedeuten hat, Mister Spielberg ... !?” In der weitläufigen & gut besuchten, ans Museum grenzenden Parkanlage DRITTES ‘Teil‘-Frühstück (äh ... vorzüglicher ‘Kokosnuss-Safran-Kuchen‘!). Es dauert eine geraume Zeit bis es mir gelingt auf der vielbefahrenen ‘Chahar Bagh‘ (stadtauswärts) ein Taxi auf mich aufmerksam zu machen & ... als es mir endlich gelingt versteht der Taxifahrer natürlich nur BAHNHOF! Allerdings den falschen! Ich VERSUCHE ihm klarzumachen, daß ich zum Zug-Bahnhof will (der ‘Tabriz-Teheran-Express‘ geht mir nicht aus dem Kopf!): “Railway Station? ... Gare des Trains? ... Estación de Trenes? ... äh ... Tsch-Tsch-Tsch? ... hm ... Rätätätä-Rätätätä?” „NIX!” Er versteht mich genausowenig wie die beiden Passanten, die ich vor ihm schon genervt habe. Tja - obwohl ich gestern Abend (auf meinem Bett liegend) deutlich (& mehrfach!) ein Zug-Signal gehört habe ... ... scheint es ein stillschweigendes Übereinkommen in der einheimischen Bevölkerung zu geben, das da lautet: „Kein Tourist zum Hauptbahnhof!” Ich gebe mich dem Fatalismus hin & lasse mich (mehr weniger als mehr, aber letztlich doch bereitwillig) zum ‘Terminal Otobus‘ fahren, wo ich (problemlos!) ein Ticket für den morgigen Vormittags-Bus nach Kerman erstehe. Der gutgelaunte Ticketverkäufer sieht mir an, daß ich eine Aufheiterung brauche - witzelt (schließlich hören alle deutschen Touristen SO ETWAS gern): „German - Iran - Aria!” ... ... & versucht mich brüderlich zu umarmen. Ich JOKE (distanziert) zurück: „That’s Right! I stay at the ‘Hotel Aria’!” Er aber gibt nicht auf & unternimmt einen letzten Versuch mir zu beweisen, daß man im Iran mit mehr als nur einem Auge auf seine ‘deutsch-arischen Brüder‘ schielt: „Köln? Ah - Yes! ‘FC’ - Litt-Bar-Ski ...!?” Mir schießt durch den Kopf, daß ich jetzt am Hauptbahnhof sein könnte - hätte ich den Taxifahrer schlicht & einfach gefragt: „Entschuldigen sie bitte - mein Herr! Wäre es Ihnen eventuell möglich, mich auf dem kürzesten Wege zum örtlichen Bahnhof der ‘islamisch-republikanischen Eisenbahngesellschaft’ zu fahren ...!?” Was soll’s - zu spät! Eine halbe Stunde später befinde ich mich wieder im Stadtzentrum von Isfahan ...
 
... & inspiziere die ‘Caravanserai Hotel Abassi‘. Das Einzelzimmer ist schon für 65 US-Dollar zu haben & ... ... der Preis ist (findet man Gefallen an dieser Art von Luxus) keinesfalls übertrieben hoch - wie mir ‘mein Kennerblick auf die prunkvollen Mosaik- & Intarsien-Handwerks-Arbeiten‘ im Empfangsbereich sagt. Ich lasse mich im exquisit ausgestatteten Tee-Salon nieder & spendiere mir einen frustvertreibenden Capuccino: Relaxen - Durchblättern der englisch-sprachigen ‘Teheran Times‘ - später lade ich mich zu Salat & Nescafe ein. „Tja - wenn die daheim WÜSSTEN, was ICH hier im IRAN durchmachen MUSS ... !?” Physisch & psychisch IRGENDWIE gestärkt ... begebe ich mich (Stunden später!) noch auf ‘eine Runde an den Fluß‘ (Zaydaneh Rud River):
 
die begrünten Uferflächen laden zum Verweilen ein & außer mir zieht’s bei diesem schönen Frühlingswetter noch eine ganze Menge Isfahaner ‘ans Nass‘. Als die Dämmerung einsetzt (& die Temperaturen ‘äh ... an Höhe verlieren‘) bewaffne ich mich mit zwei ‘Parsi-Cola‘ & ziehe mich in mein Hotelzimmer zurück: Letztes, langes Kapitel Malcolm Lowrys’ ‘Unter dem Vulkan‘ (ganz schön mieser Abgang des Konsuls, selbst für einen unheilbar kranken Trinker). Die Lektüre zieht mich ein wenig runter - daher streune ich anschließend (‘mit dem Finger am Abzug!‘) noch zwei Stunden durch das nächtliche Isfahan ... ... aber lohnende ‘Nacht-Foto-Motive‘ wollen sich mir einfach nicht zeigen. Zum Abschluß eines (trotzdem!) ‘erfolgreichen‘ Tages zelebriere ich schließlich im ‘Restaurant Maharadsa‘ ein (wiederum ausgezeichnetes!) Abendmahl: Huhn, Safran-Reis, Yoghurt-Sauce (lecker!) & Fladenbrot. MORGEN soll’s (scharf!) an den beiden zentral-iranischen Wüsten ‘Dasht-e Kavir‘ sowie ‘Dasht-e Lut‘ entlang in den fernen Südosten des Iran gehen - also: Noch einmal richtig ausschlafen! Denn die nächsten vier Tage werden vermutlich HART! Tja - wenn alles so läuft wie ich es mir vorstelle, dann werde ich am nächsten Dienstag in Quetta (Pakistan) ankommen ... ... & DORT erstmalig (also: freiwillig! ‘... Budapest zählt nicht!‘) ein paar Tage ausspannen! Naja ... ... WER’S GLAUBT (!?) ... |
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... Heute wartet eine anstrengende Reise-Etappe auf mich: In Isfahan startend - die beiden großen iranischen Zentralwüsten streifend - & mehr als 600 Kilometer in südöstlicher Richtung bis nach Kerman zurücklegend! Wie schon während der beiden letzten Tage verspricht das Wetter blendend zu werden. Gut gelaunt ... Duschen - dann das (bekannt spartanische) Frühstück im ‘Hotel Aria‘ - sowie Auschecken. Gegen Viertel vor Zehn Uhr suche ich mir ein Taxi - handle den Fahrpreis (trotz größtem Taxifahrer-„Gezeter“) von 4.000 auf 3.000 Rial runter - & händige (am Busbahnhof angekommen) dem Taxifahrer natürlich die von ihm zunächst geforderten (& korrekten!) 4.000 Rial aus ... ... ‘das Ganze‘ (sprich: Feilschen) gehört halt dazu! Nachdem ich meinen Reiseproviant eingekauft habe stelle ich fest, daß mir noch viel Zeit bleibt: Laut Fahrplan soll der Bus um Elf Uhr die Stadt verlassen! Mir fällt ein alter Mann auf: auf dem Kopf einen Turban - links eine Krücke - in der rechten Hand hält er einen einfachen Leinensack (in dem sich vermutlich sein komplettes ‘Hab & Gut‘ befindet?). Er schleicht hustend über das Bahnhofsgelände & spuckt alle zehn Meter einen faust-großen Schleimklumpen auf den Boden. Okay - ich übertreibe ... aber ‘walnuß-groß‘ sind die Brocken schon! Im ersten Moment ekelt’s mich (natürlich!?) - nach dem ersten Schock aber frage ich mich, WAS (um-alles-in-der-Welt) mit dem Mann wohl geschehen ist? Ich denke ... - an den ‘Iran-Irak-Krieg‘ (den im Westen schon fast vergessenen sogenannten ‘ersten Golfkrieg‘), - die vom Irak eingesetzten chemischen Waffen, ... das Nervengas, - die einzig mit ‘dem Koran & ihrem grenzenlosen Vertrauen in Khomeini‘ (sowie der SICHEREN Aussicht auf einen glorreichen Märtyrer-Tod) ausgerüsteten ‘iranischen Kinder-Soldaten‘. Wo sind die in die Hunderttausende gehenden Opfer geblieben, die ÜBERLEBT haben? Man sieht sie nicht! In der Öffentlichkeit finden sie nicht statt! Es heißt ... ... sie arbeiten in den Telefonzentralen staatlicher Unternehmen oder im ‘Ministerium für Zensur‘ (wo sie die islamischen Gefühle ihrer Landsleute verletzende Abbildungen & Textpassagen in ausländischen Zeitungen schwärzen!). Hm - habe ich gerade einem dieser bemitleidenswerten, kriegsversehrten ‘Golf-Kriegs-Kämpfer‘ gegenübergestanden ...? Ich grüble noch über das gerade Gesehene nach - da bemerke ich, wie sich eine mir bekannte Melodie aus den Außen-Lautsprechern des Busbahnhofs windet & in meinen Gehörgang schmiegt: Ausnahmsweise einmal nicht eine dieser ‘schlangen-beschwörend-trillierende Orient-Dudeleien‘ & ... ... auch nicht die übliche Direkt- (& Komplett-) Übertragung einer ellenlangen Mullah-Rede aus Ghom! Nein! ‘Eleanore Rigby‘ ... zwar bis zur Unkenntlichkeit instrumentiert (mit dickem, schmalzigem Streicher-Sound sowie einer ‘drübergelegten Wah-Wah-Gitarre‘) - aber IMMERHIN! Naja - man wird ja SO genügsam ... ... wenn man (‘öffentlich‘) durch Asien reist! Durch diesen ‘Kunstgenuß‘ abgelenkt übersehe ich FAST daß sich mein Bus nicht auf ‘Bahnsteig 6‘ (wie angekündigt), sondern auf dem danebenliegenden für die Abfahrt bereit macht - nein: ... schon abfahrtbereit IST! „Jetzt mach aber mal hinne - Hooaast!” Um das mit all seinen Vororten doch recht großflächige Isfahan hinter uns zu lassen brauchen wir eine gute halbe Stunde. Unser erstes Tages-Teil-Etappenziel ist Nain, eine kleine Stadt etwa 100 Kilometer südöstlich von Isfahan. Bis dorthin erweist sich das Terrain als sehr hüglig & ... ... wir haben eine ganze Reihe den Busmotor hörbar quälende ‘Abs & Aufs‘ zu überwinden. Ab Nain erstreckt sich dann linker Hand ‘die große Salzwüste‘ (mit Namen Dasht-e Kavir):
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Spiegel-ebenes, knochen-trockenes & sichtbar (narbig) von der Sonne ausgedörrtes sowie (darob ... nicht unerwartet) vollkommen vegetationsloses Gelände ‘bis das Auge bricht‘ - der sehr entfernte Horizont flimmert! Zunächst glaube ich noch an eine Fata Morgana ... als ich auf halber Strecke zwischen Nain & Ardakan (dem nächsten ‘100-km-Teil-Etappenziel‘) drei führerlose Kamele ihre einsame Bahn ziehen sehe. Kurz darauf identifiziere ich jedoch zweifelsfrei etwa zwanzig weitere Einhöcker (sowie fünf voranschreitende ‘höckerlose Zweibeiner‘), die lautlos & im Gleichschritt auf eine alte, atmosphärische Caravanserai zu marschieren: ... ein quadratischer, brauner Lehmwall, ... üppig ornamentierte Aussichtstürme an den vier Ecken des Schutzwalls, ... sowie ein ebenso reich verziertes, halbrund-torbogiges Eingangsportal! Was mich jedoch jäh aus meinen sich umgehend einstellenden ‘Paul-Bowles‘-Phantasien reißt ist ein unglaublich protziger, chrom-blinkender Geländewagen, der unmittelbar vor dem Eingangsportal parkt. Hm - vermutlich paßt er einfach nicht durch das Eingangstor, da sich dessen Abmessungen beim Bau der Anlage NUR am ‘GAK‘ (dem ‘größten anzunehmenden Kamel‘) zu orientieren hatte. Hinter Ardakan wechseln die beiden Busfahrer ihre Plätze: der neue (jüngere) Pilot BRABBELT beim Anfahren etwas in seinen Bart & die Bus-Insassen antworten unisono mit einigen (dem einzigen ‘Ungläubigen‘ unverständlichen) ‘Farsi‘-Fetzen, an deren Ende jeweils mehrere ‘Ali Akbar‘ hervorgepreßt werden: ‘Ein Stoßgebet vor Fahrtbeginn ...? Bei welchem Mullah mag der seinen Führerschein gemacht haben ...?‘ Etwa die Hälfte der heute zu bewältigenden 600 Kilometer liegen hinter uns als wir die Stadt Yazd erreichen. Deren aktuelle Einwohnerzahl wird auf dem Ortseingangsschild mit 280.000 angegeben & ... offensichtlich handelt es sich um eine reiche Stadt: Obwohl am Rande der Wüste gelegen machen die Straßen einen sauberen, die Häuser einen gepflegten & modernen Eindruck - die Hauseigentümer (& Stadtplaner?) haben ihre teils recht eigenwilligen Vorstellungen vermittels einer erstaunlichen Bandbreite verschiedenster Architektur-Stile umgesetzt - selbst die vielen, halbfertigen Rohbauten sind bereits jetzt erkennbar weit entfernt von ‘einfallslosem Einheits-Plattenbau‘. Die auffallendste architektonische Besonderheit (die sich als einziges Merkmal bei allen, ansonsten noch-so-verschiedenen Häusern wiederfindet) sind die für Yazd charakteristischen, hohen Wind-Türme - die in der Lage sind, selbst die kleinste Brise einzufangen & durch aerodynamisch-geschickt gestaltete Wind-Kanäle verlustfrei ins Wohnungsinnere zu leiten ... ... bei sommerlichen Tages-Durchschnitts-Temperaturen von MEHR ALS VIERZIG GRAD CELSIUS (!) eine durchaus nützliche Einrichtung. Der zentrale Platz (an dem mehrere vier- & sechsspurige Straßen in einen chaotischen Verkehrskreisel münden) wird von zwei großen, goldenen ‘Zweibeiner-Tier-Skulpturen mit Flügeln‘ dominiert - deren zoologische Gattung läßt sich jedoch nicht eindeutig bestimmen: Störche ...? oder doch Reiher ...? Hm - sicher bin ich mir nur, daß es sich nicht um Pfauen handelt (was von der ‘islamischen Revolutionsregierung‘ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl auch nicht geduldet würde!). Wieder steigen ein paar Passagiere zu: Der Bus ist mittlerweile weit über seine Kapazitäten hinaus gefüllt - die ersten Reisenden bevölkern (stehend) den Mittelgang. Übrigens ... ... muß AUCH ICH mich seit Beginn der Fahrt mit nur einem Sitzplatz begnügen & schon seit Stunden stecken meine Beine (bis zu den tauben Hüften) in einem ‘krabblig-flirrend-zwickenden Ameisenhaufen‘! Alle fünfzig Kilometer erwartet uns eine Polizeistation. Allerdings werden nicht die Pässe oder (Gott bewahre!) die Rucksäcke der Passagiere kontrolliert - lediglich die Busfahrer müssen mit ihren Papieren ‘zum Rapport antanzen‘: Ich fühle mich ein wenig vernachlässigt (!) ... tröste mich aber mit der Gewißheit, daß ich morgen (spätestens übermorgen - in Grenznähe) wieder im Mittelpunkt des Geschehens stehen werde. Es beginnt bereits zu dämmern als wir unser nächstes Etappenziel erreichen - die nur noch knapp 100 Kilometer nordwestlich von Kerman gelegene Stadt Rafsanjan: Ja - auch DER! (was eigentlich nicht verwundernd darf ... schließlich wurde am Persischen Golf auch eine Stadt nach ‘Khomeini‘ benannt!). In der ‘Präsidenten-Stadt‘ wird viel & prunkvoll gebaut. Hm - ‘... wer da wohl die Finger im Spiel hat?‘ Dann geht plötzlich ALLES sehr schnell - unvermittelt fragt ein Busbegleiter in die Runde: ‘KERMAN ...?‘ Ich GEBE LAUT & ... ... finde mich im nächsten Moment mit Gepäck (immerhin!) auf einer finster aussehenden Vorortstraße wieder. Der auf mich zu warten scheinende Besitzer eines (des einzigen!) ziemlich klapprigen Taxis nimmt mich in Empfang & ... (mich selbst überraschend) bereitwillig lasse ich mich zum ‘Hotel Kerman‘ (wie einfallsreich!) in der Nähe des zentralen Busbahnhofs RIKSCHEN. ‘Normalerweise‘ kostet das mir angebotene, schlichte Hotelzimmer 30.000 Rial - der junge Hotelangestellte aber läßt mir den Raum (nach einer dubiosen Preisverhandlungs-Runde im Zimmer ... äh ... ‘wo uns der Hotelmanager nicht belauschen kann!‘) für NUR 20.000 Rial - WENN ich bereit bin ihm 5.000 steuerfreie Rial ‘in seine private Kralle zu zahlen‘. Mir ist im Moment ALLES recht! Einchecken - Auspacken (lohnt sich nicht!) - Dusche (gerade noch stehend) & ‘Asian Toilet‘ (hockend bis kauernd) - DANN kurz Luft holen (sowie Inhalation einer ‘Very Basic Shiraz-Lumpen-Zigarette‘) - derweil versorgt mich der (nicht ganz uneigennützig) aufmerksame Zimmerservice mit Tee. Eine halbe Stunde später VERSUCHE ich im Bahnhof die Busverbindungen für meine morgige Weiterreise nach Zahedan, der letzten iranischen Stadt vor der iranisch-pakistanischen Grenze zu CHECKEN: aber ... ... alle Büros sind bereits geschlossen. Ein Nachtmahl kann ich ebenso vergessen (obwohl: zur Zeit habe ich eh kaum Hunger!). Ich spendiere mir stattdessen zwei Packungen ‘Bahman‘ - die iranische Edel-Zigarettenmarke (‘... für’n halben Dollar die Schachtel!‘). Nach den im Laufe des Tages genossenen ‘Lungen-Torpedos‘ ist deren ‘Verzehr‘ FAST so wohltuend wie das Zelebrieren eines oppulenten Abend-Festmahls! Tee & Tagebuch sowie ... keine Reiselektüre. Und gegen Mitternacht GEHEN in Kerman (wenigstens für mich!) ... ALLE (immerhin vorhandenen!) LAMPEN ... ... AUS. |
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... Der Hotelangestellte (mit dem ‘Special Tip‘) brachte mich am gestrigen Abend noch ins leichte bis mittelschwere Grübeln ... als er mir nämlich versicherte, daß es nach Zahedan ausschließlich Nacht-Busse gäbe. Gedanklich hatte ich daraufhin den Zug nach Quetta (der nur zweimal wöchentlich verkehrt) schon abgeschrieben ... ... aber (wie so oft ‘Down ... äh ... Far-East Here‘): ALLES LÜGE! Um Acht Uhr (vorm Frühstück - aber unmittelbar nach meiner ‘Guten-Morgen-Horst!-Wie-hast-Du-geschlafen?‘-Zigarette) schlendere ich noch leicht angespannt rüber zu den Büros der Bus-Kooperativen - nach zwanzig Minuten jedoch sind all meine Befürchtungen (‘Another Day in the Dusty Middle of Nowhere!?‘) atomisiert: Um Zehn Uhr heute vormittag verläßt ein ‘Special-De-Luxe‘-Bus die Stadt in Richtung Zahedan. Na also ... Zurück ins Hotel: Frühstücken (gleich karg & langweilig wie immer ... im Iran - aber das Fladenbrot ist heute weniger steinig!) - Packen - schließlich zur Rezeption, wo ich den Zimmerschlüssel gegen meinen Pass eintausche (der im Iran ‘... wegen der Polizei‘ über Nacht an der Rezeption hinterlegt werden muß!?). Dann begebe ich mich zum Büro der ‘Cooperative Number One‘ ... ... wo ich mir ‘meine Beine in & über meinen nicht mehr vorhandenen Bauch sitze!‘ Zwar fährt der Bus pünktlich (nämlich um Elf Uhr) ab - versehentlicherweise hat man mir jedoch heute Morgen die falsche Abfahrtzeit Zehn Uhr genannt: ‘DON’T WORRY - THAT’S ASIA!‘ Während ich im Wartesaal die Zeit bis zur Abfahrt des Busses absitze kommt ein Bettler nach dem anderen vorbei - so werde ich meine Münzen & die kleinen Scheine los. Ein älterer Mann ist ganz besonders schlimm dran: Er stellt sich vor mich hin & erzählt mir (vollkommen sinnlose Stammel-Laute aneinanderreihend) sein Leben! Im Wartesaal wird gelacht ... ... was ich vermutlich auch machen würde - würde er sich nach seiner Darbietung zur Seite drehen & in sauberem, vernehmlich-artikuliertem ‘Farsi‘ die erhaltenen Münzen laut durchzählen (was er natürlich nicht macht - ich befinde mich schließlich nicht in einem ‘Monty-Python‘-Film ...). Das Wetter präsentiert sich heute Morgen doppelt verändert: zum einen versteckt sich die Sonne hinter einer geschlossenen Wolkendecke & ... andererseits (darüberhinaus) JAGT ein böiger Wind Sand & Staub der nahen ‘Großen Wüsten‘ durch die nicht-asphaltierten Straßen der Stadt. Eigentlich fehlen nur noch die ‘kreisrund-gerollten Gestrüpp-Ballen‘ ... ... dann könnte die mich umgebende Szenerie auch als Dodge City durchgehen! Um Elf Uhr (wie gesagt: eigentlich pünktlich!) geht’s los ... wie immer zunächst mit ein paar ‘Ehrenrunden durch die Stadt‘ (‘Hunting Careless Walkers!‘). Die ersten 200 Straßen-Kilometer (bis Bam) sind unerwartet hüglig - steile Pass-Straßen führen uns im steten Wechsel bergauf & bergab - dramatisch-bizarre Felsformationen salutieren an beiden Seiten der Piste. Mit jedem Richtung pakistanische Grenze gefahrenen Kilometer werden die Abstände zwischen den ‘Police-Road-Blocks‘ kürzer - & im gleichen Maße werden die Kontrollen gründlicher (das Innere des Busses wird von den Beamten ein ums andere Mal ‘zerlegt‘ & genauestens inspiziert). Kurz hinter Bam legen wir eine halbstündige Rast ein ...
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... die ICH (im Gegensatz zu meinen unübersehbar hungrigen Mitreisenden) spazierend, sinnierend, die frische Hochlandluft genießend sowie (natürlich) rauchend verbringe. DANN ... ... wird’s heftig: Denn gute 150 Kilometer führt unsere ‘Über-Land-Piste‘ (?) mitten durch die ‘große Sandwüste - Dasht-e Lut‘. Der Sand präsentiert sich nur selten weiß, meist changiert seine Farbe zwischen dunkelbraun, grau & schwarz - Dünen türmen sich (so hoch wie in der Sahara) - dazu weht ein (vorsichtig ausgedrückt) kräftiger Wind - die Piste ist stellenweise nur noch zu erahnen (& droht im Einflußbereich einiger besonders starker Sturmböen schlicht zu ‘versanden‘). DIES ALLES erzeugt bei mir (der ich im Rücken des Fahrers kauere, durch die Windschutzscheibe starre & mir NICHTS entgehen lasse!) SCHON ein leichtes Kribbeln - zumal unmittelbar neben der Straße eine Menge alter (?) Autoreifen (beredt) ‘Zeugnis von der letzt- & schlußendlichen Überlegenheit der Natur über die Technik‘ ablegen! Aber: Wir kommen durch & ...
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... NIX PASSIERT! 100 Kilometer nordwestlich von Zahedan verändert die Landschaft ein weiteres Mal ihr Aussehen: zunächst weist die (noch) ebene Sandfläche eine stetig zunehmende Anzahl großer, bräunlicher Fels-Monolithe auf (Erinnerungen an Kappadokien in der Türkei werden in mir geweckt) - nachdem wir jedoch die südöstlichen Ausläufer der Wüste hinter uns gelassen haben mutiert unsre Piste wieder zur extremen Bergstraße. Hm - nicht gänzlich unbegründet beschleicht mich die Angst, daß unser Bus nicht mehr bis Zahedan durchhält - denn bei jedem der kurz aufeinanderfolgenden, neuen Berganstiege braucht der Fahrer (mindestens!) zehn Versuche um in den nächsthöheren Gang zu schalten ... ... den krächzend-krachenden Geräuschen nach zu urteilen besteht das Getriebe des Busmotors aus genau einem Zahnrad mit exakt einem Zahn (& der scheint zu allem Übel auch noch eine ‘Wurzelentzündung‘ zu haben). ‘Anyway ...‘ Schließlich steigt ein Trupp junger, offensichtlich gut gelaunter, vor allem aber lauter Iraner zu - die sich natürlich (wie auf ein verabredetes Zeichen) ALLE ‘belagerungs-mäßig‘ um mich herum gruppieren: Nachdem die ‘Gang‘ vom Beifahrer mehrfach ermahnt wurde ETWAS leiser zu sein ... ... beginnt der unmittelbar hinter mir sich befindende Jugendliche zunächst leise, dann lauter, stets aber gleichbleibend ‘beseelt‘ iranische Volksweisen vor sich hin zu singen - & kaum mehr als zehn Zentimeter von meinem rechten Gehörgang entfernt kauernd hält er diese Folter EINE VOLLE STUNDE aufrecht! ‘Wer DAS durchlebt hat ... ... DER weiß was Schmerzen sind!‘ Aber selbst dieser Horrortrip findet ‘irgendwann einmal‘ (& zwar gegen Acht Uhr am Abend) in Zahedan sein glückliches Ende. Das ‘Abuzar Hotel‘ (in dem ich ... äh ... ABSTEIGE) liegt unmittelbar neben dem Busbahnhof & die Übernachtung kostet nur vier Dollar - dies sind allerdings schon die einzig positiven Aspekte, die man der ‘Gruft‘ abgewinnen kann: ‘Definitely - It’s getting more & more BASIC every Day!‘ Nebenan ... in einem sogenannten ‘Restaurant‘ erwartet mich ein oppulentes Abendmahl: Tja - ‘so ‘ne Art Gulasch‘ (ich will gar nicht wissen, was da drin ist!) sowie Reis & zwei Cola. Apropos: Hm - komisch!? COLA versteht man nun wirklich auf der ganzen Welt! Obwohl mich sonst nie jemand versteht brauche ich bloß ‘Cola‘ sagen & zack ... ... schon steht die unverwechselbar bauchige Flasche (mit der eigentümlich quadratischen Grundfläche sowie den an eine Amphore erinnernden, beiden Henkeln) auf dem Tisch & ... die so geheimnisvolle, aber doch jedem Erdenbewohner aufgrund ihrer kräftig gift-gelben Farbe vertraute, salzig-herbe Flüssigkeit ergießt sich (ellipsen-förmige Bläschen produzierend) in das ... Naja ... Anläßlich eines bitternötigen Verdauungs-Spaziergangs durch die Stadt höre ich (gerüchteweise!) ‘... daß der Zug nach Quetta seit neuestem nicht mehr ab Taftan (auf pakistanischer Seite der Grenze), sondern ab Zahedan verkehrt !?‘ Obwohl es hier, in Zahedan gar keinen Bahnhof gibt! Sicherheitshalber lasse ich mir daher von einem jungen, hilfsbereiten Iraner ein paar ‘Farsi‘-Zeilen an den Taxifahrer schreiben, der morgen Früh um Sechs Uhr das Vergnügen haben wird ‘... mich zum Zug kutschieren zu dürfen‘. Tja - bis jetzt war ja eigentlich alles kinderleicht - aber: ‘Jetzt geht’s LO-HOS ... !‘ Ich bin gespannt, was der morgige Tag bringen wird! Übrigens: Es regnet! ... ... & Licht aus! Was diesmal sehr einfach vonstatten geht: HIER (im ‘Hotel Abuzar‘) gibt’s nämlich keins ... |
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... Um Halb Sechs Uhr klingelt mein Wecker & ich stehe augenblicklich senkrecht im Bett - mit einer Hand nach meinen ‘Bahman‘-Zigaretten greifend. Wir (meine beiden Rucksäcke & ich) sind mittlerweile ein eingespieltes Team - um Punkt Sechs Uhr verlasse ich (ohne Frühstück zwar, aber voller Spannung) das Hotel. Der Taxifahrer hat mit meinem zerknüllten Auftrags-Zettel überraschenderweise keinerlei Verständnisprobleme & chauffiert mich wortlos ... ... zur ‘Railway Station Zahedan‘! Tja - mit allem hätte ich gerechnet ... aber das? Dort angekommen brauche ich eine quälend lange halbe Stunde, um aus zwei extrem unfreundlichen Bahnbeamten herauszuprüü ... nein: (nur) -bekommen, daß der Zug zwar normalerweise wirklich hier (in Zahedan) startet ... ... äh ... HEUTE aber ausnahmsweise nicht! Wegen Überflutung der Bahngleise konnte der Zug gestern Abend nicht über den pakistanischen Grenzort Taftan hinaus - die Eisenbahngesellschaft setzt aber für die Besitzer eines gültigen Zugtickets einen ‘Spezial-Bus zur Grenze‘ ein. ICH ... ... habe natürlich KEIN Ticket & darf am Bahnhof natürlich (!?) auch keins kaufen (weiß der Teufel WARUM) ... Ich komme mit einem netten Afghanen (mit kurzen Haaren! ‘Ha-ha-ha ...‘) ins Gespräch: Früher war er Lehrer in Kabul - nach seiner Flucht vor dem Bürgerkrieg hat er sich nun als ‘Miniaturen-Maler‘ in Quetta niedergelassen. Wir führen in einer ständig sich vergrößernden Runde (in der Mehrzahl Exil-Afghanen sowie ein paar Iraner & Pakistani) eine die Wartezeit vertreibende, nette Unterhaltung ... ... an deren vorläufigem Ende ich PLÖTZLICH stolzer Besitzer eines Zug-Tickets bin (hm - keine Ahnung, wieso? Eines war in der Gruppe wohl übrig!). In der Folge muß ich verstärkt (& im ‘Einzelverhör‘) die immer gleichen Fragen beantworten: Woher ...? Wohin ...? Wie ich heiße ...? Wie es mir hier gefällt ...? Aber (damit kein falscher Eindruck entsteht) ... ... ich empfinde meine ‘Mitreisenden-in-Spe‘ keinesfalls als nervig - ich bin (ganz im Gegenteil!) heilfroh mich nicht alleine bis zur Grenze durchfragen/-schlagen zu müssen. Um Acht Uhr soll’s endlich losgehen: vorher aber muß noch das Gepäck meiner ReisekollegInnen (das ‘irgendwie nach Auswandern aussieht‘) auf einem zusätzlich bereitgestellten, kleinen Pritschen-LKW festgezurrt werden - was während der zweistündigen Busfahrt zur Grenze anläßlich zweier recht ausführlicher Pass- & Gepäck-Kontrollen dann noch ausreichend geübt & optimiert werden kann. Schließlich ... erreichen wir Mirjaweh. Fälschlicherweise hatte ich eine Stadt erwartet, in Wahrheit aber handelt es sich NUR um die letzte Grenz-Kontroll-Anlage auf iranischer Seite: langweilig, öde & unendlich heruntergekommen aussehend (abgesehen von dem in schieren Unmengen verbauten & offensichtlich nagelneuen Stacheldraht!) ... in Sichtweite des 4.042 Meter hohen Grenzberges Mount Taftan. Ich helfe noch beim Ab-, Aus- & Umladen des ‘Gruppen‘-Gepäcks ...
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... bevor ich mich (nun wieder Individual-Reisender) erwartungsvoll auf meinen einsamen Weg durch die Bürokratie begebe. Doch ... eine Enttäuschung jagt die nächste: - der lustlos (& überhaupt nicht islamisch-revolutionär!) wirkende iranische Zöllner schaut meinen Rucksack nicht mal AN (geschweige denn: hinein!) ... - seine Kollegen im ‘Ex-Migration-Office‘ verrichten ihren Job nur unwesentlich engagierter - man setzt anstandslos einen Ausreisestempel neben mein Iran-Visum & verliert kein Wort zu meiner fehlerhaften ‘Currency Decleration‘. Und ich hatte schon eine flammende Verteidigungsrede zur Erläuterung der fehlenden zehn Cash-Dollar (ein schlichtes Versehen bei der Bezahlung meines Hotelzimmers in Teheran) entworfen ... - auf pakistanischer Seite wird schließlich nur mehr unverhohlen HERUMGEWITZELT ... & meine Frage ob & wenn ja wann heute noch ein Zug nach Quetta geht (?) scheinen die Beamten weit interessanter zu finden als ‘diese überflüssigen & so ätzend-langweiligen Pass- & Visa-Kontrollen‘ ... - (fast) überflüssig zu erwähnen, daß sich der pakistanische Zöllner (trotz Aufforderung meinerseits!) schlichtweg weigert die Existenz meines Rucksackes überhaupt zur Kenntnis zu nehmen! Auf dem Schwarzmarkt der pakistanischen Grenzstadt Taftan & ... in Sichtweite der mir freundlich zulächelnden pakistanischen Beamten tausche ich meine restlichen Rial in pakistanische Rupien (übrigens: zu einem miserablen Kurs, wie ich später erfahre) - stelle dann meinen Reisewecker korrekte anderthalb Zeit-Zonen-Stunden vor - & marschiere schließlich mitten durch die deprimierend-trostlose ‘Slum‘-Siedlung (‘Äh ... T’schuldigung: Bazaar heißt das hier!‘) zum gute zwei Kilometer entfernten Hauptbahnhof von Taftan. Es ist Ein Uhr nachmittags pakistanischer Zeit (Hm - bei der REWE-Zentrale in Köln beginnt gerade die ‘Kernarbeitszeit‘ ... !?) als ich für umgerechnet 16 Dollar ein ‘First-Class-Sleeper‘-Ticket ins etwa 800 Kilometer entfernte Quetta (nahe der afghanischen Grenze) erstehe - bis zur Abfahrt des Zuges bleiben mir noch zwei Stunden: Ich deponiere meinen Rucksack im Büro des netten, pakistanischen Bahnhofsvorstehers & streune noch einmal durch den Bazaar - tausche weitere 20 Dollar in Rupees - kaufe Kekse & Mineralwasser für die Zugfahrt ein & ...
 
... WEISS nach meiner Sight-Seeing-Tour durch Taftan, warum im ‘Lonely-Planet‘ unter der Rubrik ‘Where to Stay?‘ kurz & knapp vermerkt ist: ‘DON’T DO IT!‘ Die Stadt ist ein unübersichtliches Konglomerat halbfertig aussehender Lehm-, Altholz- & Wellblech-Hütten - die ‘Schlamm‘-Straßen machen dieser Bezeichnung alle Ehre - & die mir von einem Zöllner mit ironischem Unterton als ‘bestes Hotel der Stadt‘ vorgestellte Bretter-Bruchbude hat in keinem Reiseführer der Welt (auch nicht unter der Rubrik ‘Bloody Cheapies‘) einen Eintrag verdient. Übrigens ... ... bleibt mir gar nichts anderes übrig, als meine Finanz-Transaktionen auf dem ‘Black Market‘ durchzuführen: Der Angestellte der ‘First National Bank of Pakistan‘ hat keinen aktuellen Wechselkurs & empfiehlt mir den Schwarzmarkt nahe des Zollgebäudes (‘... da ist der Kurs eh besser!‘). Naja - zumindest habe ich’s versucht! Ich WATE (durch den ...) ...
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... zurück zum Bahnhof & gönne mir in der ‘so-called VIP-Lounge‘ (ein stock-finsterer, brütend-heißer & fliegen-verseuchter Kellerraum mit ‘Blues-Brothers‘-mäßigem Rolladen-Verkaufsschalter) einen Tee sowie zwei süße ‘... (no Safran, just Brazle) Cakes‘ - anschließend FLEZE ich mich auf eine Stein-Sitzbank am Bahnsteig & studiere mehrere GEO-Berichte: Pakistan.
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ENDLICH - um Halb Drei Uhr fährt der Zug (aus Zahedan-Richtung über die Grenze dampfend) in den Bahnhof ein. Da jedoch bis zur Abfahrt noch zwei weitere Stunden vergehen ... ... stimmt die Info im ‘Lonely-Planet‘ letztlich doch (& ich hätte mir das frühe Aufstehen sparen können!). Der Stations-Vorsteher geleitet mich höchstpersönlich zu meinem ‘Zweibett-Abteil erster Klasse‘: (wohlwollend) geschätzte anderthalb mal zweieinhalb Meter groß - nackter Holzverhau mit warum-auch-immer ‘Soft-Seat‘ genannter Pritsche - ein Fenster, das mit Sichtschlitz weit treffender charakterisiert ist. Umgehend stellen sich bei mir Assoziationen an die Einzelzellen im ehemaligen US-Staats-Knast Alcatraz ein. Aber - ich will nicht klagen! Die Landschaft präsentiert sich von ihrer ‘wüstesten‘ Seite ... ist zwar einerseits extrem eintönig, andererseits aber gaukelt mir die ständig sich verändernde, ‘einfalls‘-reiche Spätnachmittags-Sonne immer wieder neue Eindrücke vor. Ich versuche mich an ein paar die naturgewaltige Atmosphäre einfangenden & wiedergebenden Fotos aus dem dahin-kriechenden Zug. Und DANN ... ... erreichen wir die Region, die vom gestrigen Wolkenbruch besonders heftig heimgesucht wurde: Neben (& unter!) den Schienen erstarrt (hoffentlich!) ALLES in Matsch & Schlamm - die Geleise scheinen unterspült - der Zug bewegt sich NUN wirklich nur noch im Schritt-Tempo fort. ‘Some breath-taking Views ... ... but finally!‘ Wir klettern ... nur unmerklich zwar, aber stetig & sichtbar - der feuchte Untergrund verwandelt sich zunehmend in Sand (‘ausgewachsene‘ Dünen zeigen sich). Schließlich erreicht unser unüberhörbar sich quälendes ‘Wüstenschiff‘ eine felsige Hochebene, die am Horizont zur Linken (im Norden) von einem endlos wirkenden Gebirgszug mit teils dramatischen, kegelförmigen Gipfeln begrenzt wird: Exakt DORT beginnt Afghanistan & ... bis zu unserem finalen Zielort Quetta werden wir (in einem Abstand von dreißig bis fünfzig Meilen) die afghanische Grenze ab- & entlangfahren. Gegen Sieben Uhr versinkt die Sonne hinter Taftan. Der ‘Schließer‘ bringt mir mein Abendessen: zwei halbe, hartgekochte Eier (in einer stark gewürzten Tomatensauce) - dazu Reis & Tee. Draußen ist bereits stockfinstere (mondlose, aber sternenklare) Nacht eingekehrt ...
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... als ich mich gegen Neun Uhr auf meiner Pritsche ausstrecke: Der Zug schaukelt wie das ‘Totenschiff‘ (nach der Explosion sämtlicher Kessel!) - an Lesen ist nicht einmal zu denken - ich döse apathisch vor mich hin! Eine Stunde später pocht es heftig an die von innen verriegelte ‘Zellentür‘: Ein junger Pakistani (im weiten, poncho-ähnlichen Umhang) huscht katzengewandt an mir vorbei ins Abteil - macht es sich auf der oberen Liege bequem & ... ... schläft im gleichen Moment ‘vondannen‘. Hm - NEIDISCH ... lausche ich seinen leisen, gleichmäßigen Schlafgeräuschen. Mitten in der Nacht ertönt erneut ein (allerdings erheblich lauteres) Pochen an unsere Türe - diesmal kommt mir mein Zellengenosse auf dem Weg zum Tür-Riegel zuvor: Zwei pakistanische Polizisten lassen ihre grimmigen Blicke einmal (wortlos) durch unser Abteil wandern & verschwinden dann wieder (ebenso wortlos) - dies war zwar die letzte Störung meiner wohlverdienten Nachtruhe ... ... aber Einschlafen kann ich trotzdem nicht! Da mir jedoch (im nachhinein) die Zeit zwischen Ein Uhr nachts & Sechs Uhr morgens ungewöhnlich kurz vorkommt VERMUTE ich doch ‘die eine oder andere Stunde Schlafs abbekommen zu haben‘ ... |
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... Gegen Sechs Uhr (der Morgen dämmert) stoppt der Zug scheinbar grundlos auf offener Bahnstrecke: mein ‘Bettgenosse‘ flieht im gleichen Augenblick unser Abteil! Draußen (unmittelbar vor meiner Fensterluke) brennen drei kleine Feuer & ... ... um sie herum hocken dunkle, augenscheinlich erbärmlich frierende ‘Aboriginee‘-Schatten, die sich an dampfenden Teetassen ihre Finger wärmen. Ich ... rauche (die Szenerie beobachtend) ein paar Zigaretten & warte den ‘Call for Breakfast‘ des freundlichen Zugbegleiters lieber im (relativ!?) warmen Abteil ab. Nach einer halben Stunde setzt sich der Zug (sehr langsam) wieder in Bewegung. Um Acht Uhr erreichen wir Nukushi, die letzte größere Ortschaft vor Quetta: ‘Von hier aus sind’s noch etwa sechs Stunden Fahrtzeit!‘ ... ... erklärt mir ein älterer Pakistani, der sich mit Frau & zwei Kindern auf dem Heimweg nach Quetta befindet (& während der restlichen Stunden der Zugfahrt ‘... immer mal wieder auf einen Schwatz bei mir vorbeischaut!‘). Die Landschaft wird zunehmend wirtlicher - im gleichen Maß werden die charakteristischen, quaderförmigen Stoffzelte der ‘Baluchi‘ zahlreicher: Die ‘Baluchi‘ sind ein altes Nomadenvolk & sie ziehen (sich um keine Grenzen scherend) mit ihren Schaf- & Ziegenherden im ‘Drei-Länder-Eck‘ Iran-Afghanistan-Pakistan durch die endlosen Weiten des Hochlandes.
  
Mein neuer ‘alter‘ Freund erzählt mir, daß die jeweiligen Zentralregierungen zwar regelmäßig Probleme mit ihnen haben (da sie, vergleichbar mit den Kurden in der Grenzregion Türkei-Iran-Irak ihren eigenen ‘Baluchi-Staat‘ fordern) - über gewaltsame Konflikte mit den ‘demokratisch legitimierten Institutionen der betroffenen Staaten‘ (hm - ausgerechnet DIE!) kann ich jedoch nichts in Erfahrung bringen. Blauäugig wie ich bin MUTMASSE ich jedoch, daß man sie in Pakistan weitgehend in Ruhe zu lassen scheint ... & schöpfe diese, meine optimistische Zuversicht (mangels anderslautender Informationen) aus dem Umstand, daß sich die vermeintliche Anerkennung ihrer ethnischen Eigenständigkeit (beispielsweise ...!?) in der Namensgebung für den pakistanischen Bundesstaat manifestiert, durch den wir gerade fahren: nämlich ... Baluchistan! Quetta befindet sich 1.700 Meter über dem ‘Arabischen See-Spiegel‘ ... & so muß unser Zug bis zum finalen Erreichen seines Bestimmungs-Bahnhofs noch GANZ ERHEBLICH KRAXELN (um ... äh ... NICHT 500 Höhenmeter unterhalb Quetta mitten im felsigen Gebirgsmassiv zu verenden). Während wir immer langsamer werden ...
 
... werden die Berge höher, die Schluchten tiefer, die Brücken (über die Schluchten) spektakulärer: Plötzlich erspähe ich auf einem kleinen Plateau unmittelbar neben den Gleisen eine Mini-Karawane (sechs Kamele sowie die beiden Karawanen-Führer), die sich nach der nächtlichen Rast zum Aufbruch bereit macht - aber ... ... trotz der extrem langsamen Zuggeschwindigkeit ÜBERFORDERT diese Situation natürlich meine professionelle & den schnöden ‘Draufhalte‘-Schnappschuß verachtende Fotografier-Technik ... ‘Mensch, Hans - weißt Du wieso mich gerade jetzt die Vermutung beschleicht, daß ich an IRGENDWAS IRGENDWANN noch IRGENDWIE ARBEITEN muß ... ?‘ In regelmäßigen Abständen schauen pakistanische Mitreisende bei mir auf die immer gleichen drei bis vier stereotypen Fragen vorbei. Nicht etwa, daß es mich nervt - aber: Ich will auch meinen Spaß! Und bin in der Folgezeit Zbygniew aus Polen auf dem direkten ‘Über-Land-Weg‘ (also: immer Richtung Norden!) nach Bolivien. Übrigens - niemand wundert sich ... äh ... warum auch? Gegen Ein Uhr nachmittags (sprich: zwanzig Stunden nach Fahrtbeginn) befinden wir uns (immerhin) bereits in unmittelbarer Nähe von Quetta. Die Silhouette der Stadt zeichnet sich deutlich vor den Bergen an der afghanischen Grenze ab & ... ... trotzdem dauert es noch zwei endlos-lange, schweißtreibende Stunden bis wir in den Hauptbahnhof rollen: - zunächst vollführt unser Zug in einem ‘far-out‘ gelegenen Güterbahnhof einen langatmigen Richtungswechsel, - dann müssen wir einem vorrangigen Expresszug den Vortritt in den (& wieder aus dem) Bahnhof lassen, - schließlich wird unser offensichtlich extrem unterbezahlter Zugführer (durch Zahlung eines Schmiergeldes) veranlaßt mitten in der Stadt einen Kurz-Stop einzulegen, damit die den Zug bevölkernden ‘Kleinst‘-Kriminellen ihre iranischen Schmuggelwaren (außer Reichweite von Polizei & Zoll) ...
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... in Ruhe auf die bereitstehenden LKW verladen können. Um Drei Uhr ist es ENDLICH (!) vollbracht. Da ich mich einigermaßen ausgeruht fühle, ... es ‘noch relativ früh am Tage ist‘ & ... sich alle ‘Low-Budget-Hotels‘ (fußläufig erreichbar) an der ‘Jinnah Road‘ befinden sollen ... ... führe ich heute (ausnahmsweise) einmal einen etwas intensiveren Preis- & Qualitätsvergleich zwischen den konkurrierenden Unterkunfts-Alternativen durch. Nach etwa einer Stunde (sowie sieben inspizierten Hotels: ‘Uff!‘) entscheide ich mich für eine eher der preislichen Mittelklasse zuzuordnenden Herberge mit dem schönen pakistanischen Namen ‘Bloom Star Hotel‘: Naja - einfacher, sich auf das Wesentliche beschränkender (also: nackter!) Raum für acht Dollar ... ... in einer (zugegeben: ruhigen & sehr atmosphärischen!) um einen üppig-begrünten Innenhof befindlichen Anlage. ‘HUUUNGER!‘ Im hoteleigenen Restaurant genehmige ich mir einen kleinen Nach-Mittags-Snack (Hammelcurry & Nescafe) - dann ist nur noch EINS angesagt: Nach etwa einer Stunde ‘Under-Shower‘ frage ich mich LAUT ‘WARUM um-alles-in-der-Welt ich diese Körper & Geist reinigende, sensationelle Sensation nicht bis an mein Lebensende ...?‘ Es ist ja SO einfach ... ... einen ‘individual & öffentlich reisenden Reisenden‘ rund-um GLÜCKLICH zu machen (naja - wenigstens vorübergehend ...). Anschließend (sehr viel später!) begebe ich mich auf einen ziellosen, weil NUR ‘Atmosphäre‘-schnuppernden Bummel durch meine erste, mittlerweile nächtlich-illuminierte pakistanische Stadt.
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Der Stadtplan (den mir ein Hotelangestellter überläßt) erleichtert nicht nur die Orientierung ... ... sondern bestätigt auch meinen morgendlichen, pakistanischen ‘Zug-Freund‘ - der die Einwohnerzahl Quettas (zwar recht kompliziert, aber doch erstaunlich genau) wie folgt auf drei bis fünf Millionen berechnete: ‘One leg is 100.000 People & ... Quetta has thirty to fifty legs !?‘ Laut offizieller Broschüre des hiesigen Touristenbüros hat Quetta satte drei Millionen Einwohner (naja - DAS vermutlich gerade nicht!). Und noch erstaunlicher mutet diese hohe Bevölkerungszahl an wenn man weiß, daß die meisten afghanischen Flüchtlinge nicht hier, sondern weiter nördlich in Peschwar leben. Meinen eher herzhaften Nachmittags-Lunch hohlraum-versiegle ich schließlich (Stunden später!) vermittels eines süßen Betthupferls für die Nacht: zwei vor Fett triefende ... äh ... ‘Islamabader‘! Zurück im Hotel studiere ich die erhaltenen ‘Quetta-&-Umgebung‘-Broschüren - lese ein kurzes Kapitel meiner neuen Reiselektüre (Scott Fitzgerald: The Great Gatsby) - & verpacke mich dann luftdicht unter zwei Wolldecken: Anläßlich meiner nachmittäglichen Hotelzimmer-Begehung habe ich zwar noch großspurig getönt, daß ich keine Heizung brauche ... ... nun aber (nachts & auf 1.700 Metern Höhe) ist es SAUKALT! Trotzdem: Ich freue mich auf morgen - auf einen schönen, ruhigen (& hoffentlich sonnigen!) pakistanischen Hochland-Tag! ‘Und jetzt bitte ich um absolute Ruhe: ... & (Traum-) FILM AB!‘ |
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