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VORZEITIGES BEINAHE-ENDE EINER SEHR LANGEN BUTTERFAHRT !
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... Früh am Morgen - ich habe noch nicht gepackt, aber einen ‘dicken Schädel’ (gestern Abend mit Hilde, Wally & Metaxa Abschied gefeiert). Um Halb Acht Uhr unausgeschlafen aus meinem Bett (das letzte Mal für die nächsten sechs Monate?), mit der immer noch namenlosen Katze Abschieds-Frühstück (ich: ‘Coffee And Cigarettes’ - sie: zwei Scheiben Schinkenwurst) ... wobei sie ihre Traurigkeit über den bevorstehenden Abschied besser verbirgt als ich. Dann zur Musik von Miles Davis (das letzte Mal für die nächsten sechs Monate??) mein Reisegepäck zusammengesucht ... & zwar ohne vorher eine meiner berühmten Listen erstellt zu haben. Anschließend ein ausgiebiges Bad (das letzte Mal für die nächsten sechs Monate???). Fühle zwar Abschiedsstimmung, aber keinerlei Reisefieber - stattdessen habe ich seit gestern Zahnschmerzen (zwar der Anlaß, nicht aber die Ursache für den gestrig-abendlichen ‘Metaxa-Exzess’ ... ... & meine heutig-morgendlichen Kopf- & Magenbeschwerden). Um Halb Zwölf Uhr bin ich mit Packen (nein: nicht fertig, sondern nur) zufrieden. Ich beschließe an alles Wichtige gedacht zu haben - sprich: das woran ich nicht gedacht habe, ist halt nicht wichtig.
Ich schieße mit der frisch bestückten / -filmten Kamera noch ein paar ‘Stilleben: Sistig - Haus & Hof’ und lasse mich dann (ausnahmsweise: per Auto!) von Hilde zum Bahnhof Kall fahren. Kurze Verabschiedung (flüchtige Umarmungen) & ich bin erstmals mit meinen zwei Rucksäcken alleine (bestimmt nicht das letzte Mal für die nächsten sechs Monate!). Im Zug nach Köln (ohne ‘Action’ - besinnlich die Winterlandschaft an mir vorbeiziehen lassend) werden die Zahnschmerzen schlimmer. Ich bin mir zwar sicher, daß die Schmerzen nur psychosomatisch sind - ich spüre sie aber (natürlich) trotzdem. Hinter Euskirchen werfe ich ein Aspirin ein & kann mich fortan auf die verschneite Voreifel-Landschaft einlassen ... & mich auch von dieser verabschieden. Komisch - seit ich vorgestern Abend mein Testament verfaßt habe, geht mir Andre Hellers ‘Abschied ist immer auch ein kleiner Tod ...’ nicht mehr aus dem Kopf. Obwohl - sang nicht Trude Herr: ‘Niemals geht man so ganz ...’ Wenn ich mich so im Zugabteil umblicke, fühle ich mich doch näher bei T.-H.-Selig: Mir gegenüber sitzt ein als Hexe verkleidetes, junges Mädchen & dreht gelangweilt ihren kegelförmigen, schwarzen Zauberhut in den Händen. Richtig - es ist Karneval (gestern war Weiberfastnacht). Hm - also hab’ ich (trotz fehlendem Reisefieber!) doch mindestens einen guten Grund Köln zu verlassen. Zunächst komme ich aber (erstmal!) in Köln an - schließe meinen großen Rucksack in einem Schließfach der Gepäckaufbewahrung ein & marschiere mit etwas größerer Bewegungsfreiheit über den Eigelstein zur ‘Alten Feuerwache’. Unterwegs ergänze ich meine karge Reiseapotheke noch um ein Abführ- und ein Durchfallmittel. Bin um 14 Uhr mit Hans auf ein Abschieds-Bier verabredet. Mir wird beim Betreten des Lokals plötzlich bewußt, daß ich heute noch nichts gegessen habe. Ich bestelle zwei Frikadellen & ein Kölsch (vielleicht das letzte für ... nein: bestimmt nicht!). Nach drei Kölsch taucht Hans auf, wir unterhalten uns über meine bevorstehende Reise - doch ich spüre im Verlauf des Gesprächs, daß ich zunehmend unruhig werde - kein Reisefieber, aber ich kann nicht ruhig in der Kneipe sitzen. Um Halb Vier Uhr verbiete ich Hans, mich zum Busbahnhof zu begleiten - ich habe keine Lust auf Abschied ... Ich gehe zunächst zum Busbahnhof (es ist Vier Uhr) & sehe von der oberen Plattform aus meinen ‘Drachenfels’-Budapest-Bus, der gerade mit ‘boarden’ begonnen hat. Mit leicht beschleunigtem Gang begebe ich mich unverzüglich zur Gepäckaufbewahrung im Hauptbahnhof - löse meinen Rucksack aus ... ... & stelle bei meinem Wiedereintreffen am Busbahnhof (zehn Minuten nach Vier Uhr) fest, daß der Bus weg ist: Avisierte Abfahrtzeit ist laut Reiseunterlagen Fünf Uhr! Naja - um es kurz zu machen: Die nächsten 30 Minuten sind ein nervenzehrendes Schwanken zwischen Hoffen, Bangen & ‘Na-Das-Fängt-Ja-Gut-An’-Gedanken (unterbrochen nur durch einige vergebliche Versuche, das Busunternehmen telefonisch zu erreichen). Dann ... plötzlich (zehn Minuten vor Fünf Uhr) fährt der Bus vor, als wäre nichts gewesen. Zeitgleich treffen Mechtild & Ulla ein, um mir nachzuwinken - damit hatte ich nun schon gar nicht mehr gerechnet. Ich fühle mich ziemlich angespannt, als der Bus endlich (& mit mir!) Köln verläßt - auch ... ... weil mit dem Auffahren auf die Autobahn meine Zahnschmerzen wieder einsetzen (und zwar stärker als zuvor). Gegen Halb Sieben Uhr nehme ich die zweite Aspirintablette - Linderung verspüre ich jedoch wenn überhaupt, nur kurzfristig. Die ‘Butterfahrt-Gesellschaft’ ist weniger schlimm als befürchtet (gehofft ...? Hm - wenn schon, dann ‘Asia the Hard Way!’). Bis auf einen ‘Stammtischler’, der uns pausenlos Belanglosigkeiten als ‘Stein der Weisen’ aufdrängt ... nervt mich niemand. Da der komfortable Bus nicht bis auf den letzten Platz belegt ist, hab’ ich einen Doppelsitz für mich alleine & so könnte es eine angenehme Nachtfahrt werden - wenn nur nicht diese verdammten Zahnschmerzen ... Frankfurt - Würzburg - Nürnberg (bis hierhin kredenzt man Schlager von Vicky, Nicky & anderen, leider unvergessenen deutsch-sprachigen SängerInnen: ‘Die Module spiel’n verrückt!’ ... eine halbe Stunde versuche ich mich vergeblich an den Namen der Sängerin zu erinnern), dann Regensburg - Passau. ‘Round Midnight’ ... passieren wir die deutsch-österreichische Grenze, dann Linz und gegen Vier Uhr nachts Wien - zwar nicht zu sehen, jedoch schon von Weitem (da hell erleuchtet) zu erahnen.
Die beiden Busfahrer tauschen alle vier Stunden die Rollen in ihrem ‘Fahrer-Hostess-Tandem-Job’. Der Kaffee ist gut (aber heiß! Ständig hol’ ich mir aufs neue einen Zahnschock ... & zwar immer dann, wenn der Zahn mal gerade zu schlafen scheint) - die Bordküche brauche ich nicht zu testen, da mir Mechtild kurz vor der Abfahrt des Busses noch ein (unvermeidliches, existentielles - woll?) ‘Käse-Schinken-Bütterken’ zugesteckt hat. Im Morgengrauen geht es über die Grenze ins tiefverschneite Ungarn. Der den Bus auf versteckte Rumänen absuchende ungarische Zollbeamte wird von unsren beiden ‘witzigen, da rheinländischen Chauffeuren unter fröhlicher Anteilnahme der fast kompletten Reisegesellschaft ein wenig verscheißert ...’ ‘Naja - die sind ja auch wirklich zu komisch, diese ungarischen Ausländer ...!’ Ich verweigere als einziger das Vorzeigen meines Reisepasses (unbewußte Abgrenzung von ‘meinen deutschen Landsleuten’?) und halte dem Zöllner meinen Personalausweis vor die Nase. Naja - in Wahrheit will ich nicht (ohne Not) eine der kostbaren Leerseiten in meinem Reisepass verschwenden ... ... um (in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft!) den als stempel-geil verschrieenen asiatischen Zollbeamten den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bieten zu können (‘No page - No go!’). Letzter Stop auf dem Autobahn-Rastplatz Györ - 60 km vor Budapest: ein Kaffee & zwei Zigaretten in der, den bitterkalten ungarischen Morgen langsam erwärmenden, aufgehenden ‘ungarischen’ Sonne. Hm - eigentlich eine schöne & friedvolle Atmosphäre, wenn nur nicht diese höllischen Zahnschmerzen ... Gegen Halb Neun Uhr (überpünktlich! Das wird sich im weiteren Verlauf meiner Reise mit Sicherheit noch ändern!) passieren wir das Ortsschild am westlichen Stadtrand von Budapest ... |
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... der Samstag ist schnell erzählt! Um Halb Zehn Uhr können wir unsere Zimmer im ‘Hotel Ibis’ (früher: ‘Hotel Volga’) im Norden von Pest belegen. Kurz auspacken - Dollar in Forint gewechselt & ab geht’s zum Zahnarzt: ‘Profident’ am Karoly Kurat (eine Stunde Fußmarsch vom Hotel aus), eine hochmoderne Zahnklinik mit ‘7-Tage-Rund-Um-Die-Uhr’-Service. Nach etwa einstündiger Wartezeit wird die als ‘Pein-Verursacherin’ vermutete Zahnkrone geröntgt. Gott-Sei-Dank (!) ist eine Entzündung der Zahnwurzel erkennbar. Ich bin froh, daß es eine Ursache (& damit auch eine Behandlungsmöglichkeit) für meine Schmerzen gibt. Ich muß nun allerdings erstmalig Flexibilität beweisen & meine weiteren Reiseplanungen umdisponieren. Erstmal die längste, weitgehend schmerzfreie Zahnwurzelbehandlung meines Lebens. Wenn keine Komplikationen auftreten, erhalte ich am Dienstag abend (Halb Zehn Uhr - das sind Arzttermine!) eine Wurzelfüllung und nach weiteren drei bis vier Wochen (wahrscheinlich in Delhi oder Bombay) eine neue Zahnkrone. Nach der gut eine Stunde dauernden Behandlung fühle ich mich dental & mental besser - irgendwie erleichtert: auch um 6.100 Forint (ca. 30 US-Dollar), die ich für diese erste Behandlung ‘cash abdrücken muß’. Beim Verlassen der Zahnklinik ist die rechte Seite der Mundhöhle (bis etwa einen halben Meter oberhalb des rechten Ohres) vollkommen taub. Trotzdem scheint Budapest während meines Klinikaufenthaltes erheblich an Attraktivität gewonnen zu haben. Ich schlendere den Karoly Kurat nordwärts bis zum Deak Ter (‘Ter’ heißt übrigens Platz). Es taut in Budapest & ich muß ständig den, von überhängenden Dächern herabschießenden Schmelzwassergüssen ausweichen. Dann folge ich der Bajcsy Zsilinszky Utca (‘Utca’ heißt Straße) bis zur Nyugati Station ... ... dem westlicheren der beiden Budapester Hauptbahnhöfe. Hier hole ich Informationen für meine Weiterreise nach Istanbul ein: Direktverbindung täglich mit dem ‘Balkan-Express’ für umgerechnet 110 Dollar - Ungarn hat sich nach dem Wegfall des ‘Eisernen Vorhangs’ erstaunlich schnell an westliches Niveau angepaßt (auch an das westliche Preisniveau!). Der Zug braucht für die 1400 km von Budapest nach Istanbul 30 Stunden (inklusive zwei Stunden Aufenthalt in Beograd). Ich stelle für Donnerstag eine Reservierung in Aussicht. Ich spüre, daß mir die letzte, schlaflose Nacht noch in den Knochen steckt & trolle mich zurück ins Hotel. Nach einer Stunde Schlaf (sowie einer Stunde Dösen) bemerke ich, daß es im Zimmer ‘zieht ... wie Hechtsuppe’ (wie zieht eigentlich Hechtsuppe?): Die Balkontür ... äh ... ein schöner Balkon, aber halt mit defekter Tür ... schließt nicht richtig. Der benachrichtigte ältere Haushandwerker schaut sich die Türe eine halbe Stunde lang an, drückt mit seinem Schraubenzieher mal unten links, dann oben rechts, zuckt schließlich die Schultern und macht mir unter Zuhilfenahme der im Zimmer befindlichen Holzkommode sowie seines ‘extremely broken German’ seine persönliche Einstellung zum technischen Fortschritt klar: ‘Holz gut - Kunststoff Scheiße!’ Unverrichteter Dinge, aber einnehmend-traurig lächelnd zieht er wieder ab - da er jedoch einen sympathischen Eindruck machte, finde ich mich mit der defekten Türe ab (& enttäusche das Personal an der Hotel-Rezeption durch Verweigerung der Paraderolle des ‘ständig nörgelnden West-Touris’). Ich packe mich unter alle verfügbaren Puszta-Decken und studiere das frisch-eingeholte Info-Material zu den Sehenswürdigkeiten der ungarischen Kapitale: Planung der Folgetage (immerhin mindestens vier!) hinsichtlich lohnenswerter Foto-Motive, Museen, Restaurants & Kaffeehäuser. Um Zehn Uhr am gleichen Abend ist es Zeit für die ‘Pflicht des Gentlemans’. Ach ja ... ... im Hotel hat’s Touri-TV - da darf RTL natürlich nicht fehlen: Heute Abend verteidigt ‘Hennnryyy Maaaskeee’ zum neunten Mal seinen WM-Boxtitel im Super-Leichtgewicht. Tja - das mußte ich mir denn doch noch ansehen (wenn auch nur wegen des Werner-Schneyder-Kommentars & der Alpecin-Werbung!). Um Viertel nach Ein Uhr geht dann (WIR haben gewonnen!) im Hotelzimmer das Licht aus: noch kurz den Nacht-Geräuschen der ‘Zwei-Millionen-Metropole’ gelauscht - aber außer Taxi-Hupen & gelegentlichen Polizei-Sirenen ist kaum etwas zu hören. ‘Ach Du - meine kranke Zahnwurzel. Ich drück’ uns die Daumen, daß wir es noch ein gutes Stück weiter Richtung Osten schaffen. Erhol Dich gut. Bis Morgen! ‘ ...
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... um Sieben Uhr bin ich hellwach! Duschen - Rauchen - dann ab in den Frühstücksraum im 7.Stock des Hotels. Erwarte bei dem günstigen Zimmerpreis nicht mehr als ein ‘basic breakfast a la Lituvia’ (Hörnchen trocken, Gurkensalat, lau-warmer Nescafé - ‘Erinnerst Du Dich, Hans?’) - bin dann aber ob des oppulenten Buffets doch angenehm überrascht. Außerdem ist der Gastraum gemütlich, groß & nicht so überfüllt wie im ‘Volga’. Ich frühstücke ausgiebig, lasse mir Zeit und habe nach zwei Stunden meine täglichen Tagebuch-Pflichten zum erstenmal ‘in einem Rutsch’ erfüllt. Mein Einzelzimmer kann ich in den nächsten Tagen behalten. Eigentlich sieht im Moment alles ziemlich rosig aus - wäre da nicht das Wetter: Neblig, diesig & noch kälter als gestern! Richtig - optimales Museums-Wetter! Leider sind alle interessanten Budapester Museen dienstags geschlossen. Also - umdisponieren: ‘Horst, denk mal nach!’ ‘Genau - dat isset!’ In den letzten Tagen sind mir die Unmengen historischer Denkmäler bedeutender Budapester / Ungarn aufgefallen. Außerdem ist bei Nahaufnahmen das schlechte Licht nicht so beeinträchtigend.
  
Beginnend mit Jokai (direkt vorm Hotel) fotografiere ich mich über Ferenc Liszt & Ferkel Erenc (Sorry: Erkel Ferenc! - beide vor der Oper) sowie Bajcsy-Zsilinsky Endre (am Deak Ter) Richtung Vörösmarty Ter (Altstadt) vor. Hier starte ich den ersten Versuch, mit meiner Eurocard Landes-Cash zu ziehen (hm - warum, weiß ich nicht!). Natürlich Pleite: Karte, Pinnummer & gewünschter Betrag werden abgefragt & akzeptiert - die Höllenmaschine spuckt aber keinen einzigen Forint aus. Ich beschwere mich in den Geschäftsräumen der Bank - denen gehört der Automat aber nicht. Man schickt mich kreuz & quer durch die Altstadt zur ‘zuständigen OTP-Bankfiliale’. Hier führe ich (unter Anleitung eines hilfsbereiten Bankangestellten) an einem anderen Geldautomaten exakt die gleiche Prozedur noch einmal durch. Diesmal gibt der Automat zwar den gewünschten Geldbetrag frei - ob aber bei dem fehl-geschlagenen Versuch mein Konto wirklich nicht belastet wurde (wie mir der junge Bankangestellte mehrfach versichert) werde ich wohl erst in einem halben Jahr erfahren.
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Es folgen die Denkmäler von Kaiser (Österreich) & König (Ungarn) Joseph am Jozsef Nador Ter, des grimmig dreinblickenden Deak Ferenc (am Roosevelt Ter), von Graf Szechenyi Istvan (vor der ungarischen Akademie der Wissenschaften) sowie Rakoczy (hoch zu Roß) & Kossuth (aufrührerisch & richtungsweisend in ‘Volksaufständler-Pose’). Die beiden letztgenannten Statuen befinden sich vor dem ungarischen Parlamentsgebäude, das wirklich gigantische Ausmaße besitzt (mehr als 200 Meter breit ans Donau-Ufer gebaut) ... dabei aber nicht sowjet-realistisch-funktional abstößt, sondern unter architektonischen Gesichtspunkten durchaus auch als Stadt-Schloß oder Museumsbau bestehen könnte. Wenn es nur nicht so eisig-kalt wäre: Jedes Bild verursacht körperliche Schmerzen - vor allem wenn ich mir anschließend, mit blaugefrorenen Fingern den ‘Stabilo-Point’ schraubstockartig umklammernd, zu den Motiven Notizen in mein A6-Blöckchen mache. Das richtige Wetter, um unkontrolliertes & wahlloses ‘Drauf-Halten’ zu vermeiden. Ich folge der Donau (Duna / Danube) nordwärts bis zur die Innenstadt einschließenden Ringstraße (die hier Szt. Istvan Kurat heißt). Hier erleide ich einen kurzen Rückfall in westlich-kapitalistische Verhaltensweisen: Ich teste die hiesige McDonalds-Filiale (weniger des ‘Beinahe-Essens’ wegen - aber ich muß mich einfach irgendwo kurz auftauen!), die in Budapest natürlich genauso wenig fehlen darf wie ihre ‘Usa-Schwestern Burger King, Kentucky Fried Chicken & Dunkin’ Donuts’. Ich erfahre bei dieser Gelegenheit, daß sich die großen ausländischen Konzerne in Ungarn dem doch etwas niedrigeren Landes-Preisniveau anpassen & nicht nur für ‘ihre Landsleute’ da sind (obwohl das bei McDonalds wahrscheinlich besser für die Ungarn wäre!). Sei’s drum: ich war also drin, schäme mich eine halbe Stunde pflichtbewußt & dann ist’s vergessen.
Dann nehm’ ich meine erste Donau-Überquerung in Angriff - zittere mich über die Margit-Brücke - überleg’s mir auf halber Strecke anders & biege rechts ab: auf die Margit-Insel - die laut Reiseführer im Winter zu wunderschönen Spaziergängen in Schneelandschaften, märchenhaften Parkanlagen & Natur-Pur einlädt. Hm - mir war’s einfach nur kalt! Außerdem sind die Parkwege dermaßen halbherzig geräumt, daß der schöne Schnee weg & nur nasser, schwarz-brauner Matsch übrig ist. Trockenen Fußes weiterzukommen ist eine sportliche Herausforderung (speziell mit meinen wasser-durchlässigen Turnschuhen). Nach einer dreiviertel Stunde habe ich die Schnauze voll & mache mich wieder Richtung Margit-Brücke auf. Zweite Donau-Hälfte - dann erster Kontakt mit Buda. Der erste Eindruck: weniger Touristen, weniger hektisch, provinzieller, dabei aber atmosphärischer & ‘ungarischer’ als die westlich-orientierte Metropole Pest. Mehr gemütliche, volkstümliche Kneipen & Restaurants - nicht so ‘Schicki-Micki’ und amerika-hörig wie die Szene um den Vörösmarty Ter. Ich streune ziellos durch die engen Gassen & sehe plötzlich durch eine Straßenschlucht am Bathyany Ter auf der gegenüberliegenden Donau-Seite das Parlamentsgebäude ‘in voller Breitseite’. Ich schieße ein paar Fotos und folge dann der Ufer-Promenade bis zum Kettenbrücken-Aufstieg - verkneife mir aber vorerst (verfroren wie ich bin) die tollen ‘Fischerbastei-&Royal-Palace’-Fotos (siehe morgen ... ... oder: ‘im Vorgriff’ vielleicht doch lieber gleich).
  Nach dem Überqueren der Kettenbrücke treibe ich durch Altstadt & über die Andrassy Utca zurück ins Warme (Hotel). Vorher aber besuche ich noch den nahegelegenen ‘Julius-Meinl’-Supermarkt und erstehe Vitamintabletten und Reise-Waschpulver (für unterwegs) ... sowie Wein, Brot & Käse für den Abend (Feeling wie ‘damals als Jugendlicher auf Klassenfahrt in Paris’). Aufwärmen - Baden - frische Klamotten (‘Yeah - Suuper!’) - Lesen - eine Stunde ‘Vor-Schlafen’ ... denn das wird heute ein langer Tag: Mir steht schließlich noch eine ‘fast-mitternächtliche Zahnarzt-Session’ bevor. Gegen Sieben Uhr wache ich mit einem ‘IRGENDWIE komischen Gefühl’ auf. Grundtenor: Was mach’ ich eigentlich hier? Wonach suche ich? Wo gehöre ich eigentlich hin? Die letzte Frage kann ich mir nur in Negativ-Ausprägung beantworten: Von Familie will ich nichts mehr wissen! Den Job bei REWE hab’ ich nach zwölf Jahren gekündigt! Meine Wohnung in Köln hab’ ich aufgegeben! Und die Eifel kann’s ja wohl auch nicht sein! Oder? Heimat ... erste / zweite - egal: Wo ist das? Meine in letzter Zeit gehegten Befürchtungen ‘... ich wär’ nicht auf der Suche, sondern auf der Flucht’ ... erkläre ich als definitiv nicht zutreffend! Ich bin auf der Suche - nach mir! Nicht nach Erfolg oder Anerkennung (für mich). Nein - ich bin auf der Suche nach dem, was Aristoteles als letztendliches Ziel allen menschlichen Strebens definiert: nach ‘Glückseligkeit’ - nach Zufriedenheit mit mir & in mir! Das Warten in Budapest zwingt mir Zeiten zur Besinnung auf. Das ist einerseits gut, andererseits aber will ich in die Ferne (mich ablenken?).
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Ich ‘lenke mich ab’ ... ... indem ich ein paar ‘Teleskop-Stativ-Langzeit-Selbstauslöser’-Portraits in meinem Hotelzimmer schieße (die ersten 200-ASA-Aufnahmen) - schließlich will ich meine Reise auch fotografisch möglichst lückenlos dokumentieren (weshalb auch immer !?). DANN wird’s Zeit für den ‘Hungaryan Dentist’. Nach einer Stunde Wartezeit widmet sich der Zahnarzt mir und meinem Zahn ... und wie: Ein Zahnwurzelkanal ist immer noch ‘leicht’ entzündet (kurzzeitig & ziemlich überraschend sehe ich die Decke des Behandlungszimmers wie durch ein 1600-mm-Teleobjektiv!) - Narkose-Spritze! Wurzelbehandlung!! Um sicher zu gehen, daß der Zahn ruhig bleibt, soll die Zahnwurzel erst am Donnerstag gefüllt werden. Mißmutig stimme ich zu (noch ein weiterer Tag in Budapest!) ... ... bis ich schließlich einsehe, daß eine korrekte Versorgung des Zahnes hier in Budapest besser ist als unterwegs ( ... Iran? ... Pakistan?) wieder Schmerzen zu bekommen. Außerdem - auf den einen Tag kommt’s ja nun auch nicht mehr an! Um Mitternacht bin ich zurück im Hotel. Ich hatte vor, unterwegs ein paar ‘Budapest-by-Night’-Fotos zu schießen - aber die um Neun Uhr noch hell-erleuchtete, scheinwerfer-bestrahlte Oper ist um Halb Zwölf Uhr stockfinster. Im Hotelzimmer gönn’ ich mir (in horizontaler Trinklage) noch zwei Gläser Wein - der Rest meines Cabernet Sauvignon (‘produced in the Villany Region / Hungary’). Dann wird’s Zeit für das ‘ungarische Sandmännchen’ ...
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... es ist Viertel vor Neun Uhr am Freitag Abend - ich sitze auf serbischer Seite an der ungarisch-’jugoslawischen’-Grenze in einem Bahnhofs-Cafe (umringt von Cetniks!) & ... es fällt mir schwer, über den heutigen Tag in gewohnt-chronologischer Reihenfolge zu berichten. Hm - ich versuche es trotzdem ...
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Früh wach (wie immer!) - Frühstücken - Tagebuch-Schreiben - Proviant für die lange Bahnfahrt zusammengeklaut (naja, Hotel mit Frühstücksbuffet!). Dann gehe ich nochmal in die Stadt, schieße das amtliche Beweisfoto (daß ich wirklich in Budapest war!) & besorge mir zur Bezahlung der Hotelrechnung ein letztes Mal Forint-Cash. Zurück ins Hotel: Packen - Zahlen - Auschecken! Um Zwölf Uhr nehme ich vollbepackt den zwei Kilometer langen Fußmarsch zur Keleti-Station in Angriff. Am Bahnhof angekommen tausche ich meine Rest-Forint in US-Dollar um (wann in meinem Leben werde ich wohl noch mal Forint benötigen? Äh...) & lese anschließend im Bahnhofs-Wartesaal ‘meinen Feuchtwanger’ aus. Zwischenzeitlich kommen mir zwar Zweifel, ob ich ohne Visum durch Bulgarien (?) fahren darf - aber mir fällt (Gott sei Dank!) Ullas türkische Kollegin ein, die dies definitiv bejaht hatte. Um Zwei Uhr fährt der ‘Balkan Express’ in den Bahnhof ein. Abfahrtzeit: 14.40 Uhr.
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Problemlos finde & belege ich mein Abteil (sowie meinen Fensterplatz). Der Zug ist nur spärlich gefüllt, niemand traut sich in mein Abteil (meine negative Aura scheint mal wieder zu funktionieren!) & so darf ich mich auf eine bequeme, lange & schöne Zugfahrt durch osteuropäische Winterlandschaften freuen. Einziges Manko: Die Heizung streikt - aber selbst das läßt mich (im wahrsten Sinne des Wortes) kalt, schließlich habe ich in Budapest mein ‘East-Anatolia-Survival-Kit’ komplettiert. Die Beschreibung der visuellen Eindrücke während der Zugfahrt (unberührte Schneelandschaften - ungarische Ziehbrunnen - diverses ‘Geschnätz’ wie Hasen, Fasane, Rehe, Habichte, ja sogar zwei stolze Reiter hoch zu Ross winken uns hinterher) verschiebe ich auf einen hoffentlich nicht allzu fernen Folgetag. Dann erreichen wir die Grenze. Auf ungarischer Seite versucht ein mitreisender Bulgare mir noch schnell sein Gepäck unterzuschieben (buchstäblich - nämlich unter meinen Sitz!). Ich lehne höflich lächelnd ab. Wahrscheinlich handelt es sich um Schmuggelware, die gegen das UN-Wirtschaftsembargo verstößt (oder ist das schon aufgehoben?). Ich will kein Risiko eingehen ... whatever that means! Ein serbischer Grenzer muß einen Kollegen zu Rate ziehen, um mir schließlich zu glauben, daß das wirklich ich auf dem Foto im Reisepass bin. Der Zug fährt weiter - nach fünf Kilometern halten wir am ersten serbischen Provinz-Bahnhof. Serbische Polizisten kontrollieren die Papiere der Reisenden. Ein Polizist fragt mich, ob ich ein jugoslawisches Visum besitze. Ich verneine & erkläre ihm, man habe mir in Budapest gesagt, daß ich kein Visum benötige - was auch der Wahrheit entspricht (‘Budapest Tourist Office’). Ohne mich anzuschauen nuschelt der Polizist ‘was von Baggage ... & Budapest’ - und verschwindet mit meinem Pass im nächsten Abteil. Ich bin fassungslos & frage einen anderen Polizisten, der mir knapp zu verstehen gibt: Gepäck mitnehmen - raus aus dem Zug - auf dem Bahnsteig warten. Nachdem ich quälende zehn Minuten gewartet habe kommt der gesamte Polizei-Stoßtrupp (etwa zehn Mann!) vom vorderen Ende des Zuges aus den Bahnsteig entlanggeschlendert - zwei weitere ‘Verbrecher’ im Schlepptau: ‘Na, das hat sich ja mal wieder gelohnt!’ Sie fordern mich auf, ihnen zur Polizeiwache zu folgen. Dort entsteht hinter einer uns trennenden Glasscheibe (wahrscheinlich Panzerglas) hektische Betriebsamkeit. Jemand soll ‘irgendwo irgendeinen Stempel holen’ - dies & die Beobachtung, daß der Zug im Bahnhof wartet, gibt mir Hoffnung, daß mir die serbischen Bullen nur ein bißchen Angst machen wollen. Wahrscheinlich muß ich gleich 50 Dollar zahlen - krieg’ erst eine Belehrung & dann einen Stempel in meinen Pass & ... ... dann geht’s fröhlich mit dem Zug weiter nach Istanbul. ‘Tja - det denk’ ick mir so (noch)!’ Aber: WEIT GEFEHLT! Plötzlich kommt ein deutsch-sprachiger Polizist auf mich zu und erklärt mir, ich müsse zurück zur jugoslawischen Botschaft nach Budapest. Zunächst ungläubig, später kämpferisch erkläre ich ihm, daß man mir im Touristenbüro in Budapest gesagt habe, ich (als Deutscher!) bräuchte kein Visum. Er kanzelt mich ab - ich müsse mich halt in der Botschaft & nicht im ‘Tourist Office’ informieren. Außerdem bräuchte er für einen Deutschland-Besuch ja auch ein Visum (‘Und das ist auch gut so’, denk’ ich lautlos!). Ich rede auf ihn ein, versuche alles, biete US-Cash - er läßt sich nicht umstimmen: An der Grenze gibt’s kein Visum! Um kurz nach Zehn Uhr geht ein Zug nach Budapest - den muß ich nehmen. Meinen Pass behält er, ‘damit ich nicht türmen kann’ - um Zehn Uhr darf ich den Pass auf der Polizeiwache abholen. PUNKT! So sitze ich also drei Stunden im Wartesaal eines serbischen Bahnhofs, von dem ich nicht einmal weiß, in welcher Stadt er liegt. Zwischenzeitlich kommt mir der Gedanke, daß den Serben vielleicht meine Iran-/Pakistan-Visa nicht gefallen haben (von wegen ‘Spion für die muslimische Sache’ oder so). Naja - das werde ich ja spätestens bei der Ablehnung meines Visa-Gesuchs in der jugoslawischen Botschaft in Budapest erfahren ... Kurz vor Zehn Uhr (nachdem ich im Bahnhofs-Wartesaal ALLES über die in West- & Südost-Asien gelebten Religionen gelesen habe) ...
  
  
... äh, ja ... finde ich mich auf der Polizeiwache ein & lächele blöde in der Gegend rum: Ich will diesen ‘Serben-Ärschen’ keinesfalls die Freude bereiten, mich zerknirscht & ärgerlich anzutreffen. Kurz nach Zehn Uhr trifft tatsächlich ein Zug im Bahnhof ein & einer der Polizisten nickt mir kurz zu (was wohl bedeutet, ich soll ihm folgen). Auf dem Bahnsteig weist er mich an, in den letzten Wagen (hinter den ‘Couchettes’) einzusteigen & will gehen. Ich frage ihn nach meinem Reisepass. Im Gehen raunzt er mir zu ‘den kriegen sie schon noch früh genug zurück!’ Hm - ich bin ihm dankbar, daß er ‘mit einem wie mir überhaupt redet!’ Was bleibt mir übrig - mit mulmigem Gefühl in der Magengegend leiste ich seiner Anweisung Folge (‘Oui, mon Capitaine!’). Zehn Minuten später hält mir ein anderer serbischer Milizionär (sie selbst bezeichnen sich als Polizisten) im Vorübergehen meinen Pass hin und überläßt mich wort- & grußlos mir selbst. Ich setze mich ins nächste Abteil - zu zwei Serben, die auf dem Weg nach Deutschland sind. Ich bin versucht, mir deren deutsche Visa zeigen zu lassen & diese dann (da ungültig: PUNKT!) vor ihren Augen zu zerreissen. Naja ... ... ich unterhalte mich trotzdem mit einem der beiden ganz nett (er ‘heuchelt’ schließlich auch Mitgefühl für mein ‘Pech’). Ich habe mir übrigens sicherheitshalber in Subotica (so hieß das ‘serbische Schlangen-Nest’) für zwanzig US-Dollar ein Zugticket nach Budapest gekauft, denn ich wollte mich im Zug nicht nochmal auf Ärger einlassen: Ich hab’ genug für heute - obwohl ... ... siehe unten! Die Zugfahrt dauert etwa vier Stunden. Kurz vor Budapest mach’ ich mich auf dem Zug-Korridor ‘winter-fertig’ - da teilt mir ein Schaffner mit, daß der Zug nicht in Keleti sondern in Ferencvaros hält (also fernab vom Zentrum - im Budapester Osten). ‘Und dann?’ frage ich. ‘Taxö’, ist seine knappe Antwort (wahrscheinlich ein Serbe!). Am Bahnhof lerne ich eine junge Slowakin kennen, die sich in Sofia mit Freunden treffen wollte und von den ‘Serben-Schweinen’ wegen des gleichen VERBRECHENS wie ich nach Budapest zurückgeschickt wurde. Apropos ‘Serben-Schweine’: Ich behaupte ja nicht, daß die Kroaten oder die bosnischen Moslems per se alle DUFTE sind ... ...daß aber ALLE Serben WICHSER sind ... vereinzelte, gutaussehende Serbinnen eventuell ausgenommen (die müssen dann allerdings schon verdammt gut aussehen) steht für mich spätestens seit heute Abend fest. Nein ... jetzt mal im Ernst: Die Art, wie sie (die Serben) mit ihren am Hosenbund baumelnden ‘Penisersatz’-Knarren über die Korridore der Polizeiwache schlenderten (leider keine Spiegelkorridore, sonst wären sie wahrscheinlich wegen ‘Überfunktion ihrer Narzißmusdrüsen’ permanent vor die Wand geknallt) hat mir schon EIN WENIG Angst gemacht. Hm - auch die dunklen Korridore mit rechts & links abzweigenden Gängen & Zimmern ... Wer weiß schon, was da in den letzten drei Jahren alles so passiert ist? Okay - ich weiß, daß ich mich nicht bei bosnischen Serben befand, aber trotzdem ... ... daran denken mußte ich schon! Aber wieso rede ich die ganze Zeit von den Serben ? Der ‘Knaller des Abends’ (bzw. Morgens), der mich wirklich fertig gemacht hat, kommt ja noch. Aber der Reihe nach! Also ... Die junge Slowakin & ich, wir suchen gegen Halb Drei Uhr morgens in Ferencvaros (etwa fünf Kilometer vom Stadtzentrum Budapests entfernt) ein Taxi. Am Bahnhofsausgang werden wir auch fündig ... ... & Achtung - jetzt aufgepaßt: Es folgt das Lehrstück eines gut einstudierten ‘Rip-Offs’! Der Fahrer des ersten Taxis erklärt uns, daß sein Wagen einen Defekt hat - deshalb müssen wir die ‘Kutsche’ seines Kollegen nehmen. Wir (die ‘namenlose Slowakin’ & ich) steigen hinten ein und unterhalten uns über - na, was? Klar: ... über die Serben! Die beiden Taxifahrer-Kollegen nehmen vorn Platz - ich frage noch nach dem Fahrpreis (‘No Problem, Taxameter!’ ... schallt es zurück) & los geht’s durch die leergefegten, wie ausgestorben wirkenden, östlichen Stadtteile Budapests. Nach weniger als zehn Minuten setzen wir die Slowakin am Keleti-Bahnhof ab (ich lade sie natürlich ein: die Taxifahrt kann ja soo teuer nicht sein). Anschließend fahren wir weiter zu ‘meinem Hotel Medosz’ (am Jokai Ter). Dort angekommen erklären mir die beiden, daß ich ihnen exakt 100 US-Dollar schulde. Ich lache die beiden erstmal herzlich aus, dann schaue ich auf den Taxameter & da steht: 8.770 Forint! Zunächst einmal stelle ich ihren zugrundegelegten Wucher-Kurs in Frage - woraufhin mir der ‘Schlepper’ erklärt, er würde die Devisenkurse kennen, schließlich arbeite er in einer Bank. Aber wo ich denn bitte schön nachts um Drei Uhr eine geöffnete Bank finden wolle ...? - das leuchtet mir natürlich ein & ich bin versucht, mich für den Vorwurf des Wuchers zu entschuldigen! Vor allem aber wundere ich mich über die Höhe des Forint-Betrags, der bei einer zwanzig-minütigen Taxifahrt zustandegekommen ist (schließlich bedeuten 8.770 korrekt gewechselte Forint immer noch stolze 70 US-Dollar!). Daraufhin erklärt mir (zunehmend aggressiv nun) der ‘Schlepper’, in Ungarn wäre der Kilometerpreis für Taxifahrten ‘Free - no minimum - no maximum’ ... ... was auch immer das heißen mag! Ich merke, daß ich gegen die beiden Profis (meinen Rucksack im Front-Kofferraum - beide entschlossen wirkend - weit & breit keine Polizei in Sicht) in der dunklen Seitenstraße keine Chance besitze. Ich handle sie erst mal vorsichtig auf 85 Dollar runter - dann drehe ich meine Taschen um ... ... schließlich geben sie sich mit 74 Dollar zufrieden. Als ich endlich meinen Rucksack in Empfang nehme & mir einer der beiden noch übertrieben & gespielt höflich helfen will, reiße ich ihm mein ‘Hab & Gut’ mit einem Fluch aus seinen geldgierigen Fingern ... & stapfe (ohne mich noch einmal umzublicken) zum ‘Medosz’. Gott sei Dank (!) funktioniert die Nachtglocke & ... problemlos erhalte ich (für weitere 30 Dollar!) ein Zimmer für den kurzen Rest der Nacht: Rein ins Zimmer - Tür zu - ein Tritt gegen die Schranktür - dann ist die Wand dran! Hm - ich kann natürlich nicht einschlafen - rauche eine Zigarette nach der anderen & ... ... schreibe zunächst einmal (zur Beruhigung) meine für den ‘exakt JETZT beginnenden schlappen Rest-Trip verbindlichen, vier goldenen Taxi-Regeln’ nieder: 1. kein Taxi nach Mitternacht! 2. keinen Taxifahrer akzeptieren, der kräftiger aussieht als ich (& schon gar keine zwei Taxifahrer akzeptieren)! 3. bei Beginn der Taxifahrt immer kontrollieren, ob der Taxameter auch wirklich auf ‘Null’ steht! und 4. Ab heute wird mein Schweizermesser nicht mehr in den tiefsten Tiefen meines großen Rucksacks vergraben, nein: der neue Aufbewahrungsort ist ab sofort die gut erreichbare Vordertasche meines Foto-Rucksacks (ich weiß auch nicht, was ich damit sagen will ...)! Dann ... ... wälze ich das ‘Serben-Transit-Nie-Wieder-Flug-kein-Visa-Dollar-für-Serbische-Aufrüstung’-Problem ergebnislos vom Kopf- zum Fußende des Bettes & zurück & nochmal zurück ... Ich bin wirklich ratlos! Durch die ‘Taxi-Geschichte’, über die ich mich maßlos ärgere, kann ich nicht (mehr) klar denken & stelle letztlich sogar den Sinn der Fortführung meiner gesamten Reise in Frage. Ich kann mir zwar momentan nicht vorstellen, daß morgen alles ganz anders aussieht ... ... versuche mich aber schließlich damit zu beruhigen, daß alles noch viel schlimmer hätte ausgehen können: Die Taxifahrer hätten mich komplett ausrauben können (inklusive aller Finanzmittel) - das Hotel hätte voll belegt ... oder der Nachtschalter nicht besetzt sein können (ich sehe mich um Drei Uhr morgens vor ungezählte verschlossene Hoteltüren laufen) - mir hätten (‘Worst Case’) im Laufe des Abends die Zigaretten ausgegangen sein können ... usw. Es wirkt zwar nicht, aber ‘irgendwann nach Fünf Uhr’ muß ich wohl bewußtlos geworden sein, nicht jedoch ohne vorher meinen Wecker auf Acht Uhr Früh eingestellt zu haben - denn: Morgen gibt’s viel zu entscheiden & noch mehr ZU TUN! Trotzdem: ‘Guuute Naaacht!’ ... |
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... am nächsten Morgen sieht NATÜRLICH alles ganz anders aus! Ich bin zwar vollkommen ‘gerädert’, mache mich aber gleich nach dem (heute mal zeitlich knapp bemessenen) Frühstück ans Organisieren. Zunächst gehe ich zur nahegelegenen ‘jugoslawisch-serbischen Hochburg ... äh ... Botschaft’, die natürlich geschlossen ist (Öffnungszeiten: Mo.-Fr. von 10-13 Uhr). ‘Tja, Herr Kara-losevic in Subotica ... ... von wegen: Die Botschaft ist täglich 24 Stunden geöffnet!’ Als nächstes geht es zur ‘Budapest Tourist Information’. Als ich dort meinen Fall einem jungen Angestellten schildere, schüttelt der nur den Kopf (er ‘spielt’ echte Bestürzung) & versichert mir schließlich, ‘von einer derartigen Vorgehensweise der Serben noch nie gehört zu haben!’ Natürlich lenkt er damit auch von Versäumnissen des Touristenbüros ab - aber: ich glaube ihm. Ich fühle mich in meiner Hypothese bestätigt, daß die Serben etwas gegen meine muslimischen Visa einzuwenden hatten & kann mir ausmalen, daß ich Montag Morgen in der Botschaft auch nicht viel erfolgreicher sein würde. Mein Entschluß steht somit fest! Serbien wird umgehend von mir boykottiert: kein Fuß auf serbischen Boden - keinen Dollar für serbische Visa! Damit muß ich zwar meinen Vorsatz ‘Nie wieder Fliegen!’ aufgeben, aber ‘meine Serbien-Geschichte’ ist über Nacht zum POLITIKUM geworden ... ... & das geht vor! Die Verlockung, einen Direktflug nach Istanbul zu buchen, ersticke ich umgehend im Keim: nächster Flughafen hinter Serbien (sprich: im befreundeten Ausland) ist Sofia / Bulgarien - also! Der Angestellte im Touristbüro gibt mir die Adresse des einzigen, Samstag Vormittag geöffneten Reisebüros (Gott sei Dank ‘nearby’) - nach einer knappen halben Stunde halte ich ein Flugticket (für morgen Mittag) nach Sofia in meinen Händen (etwa 130 US-Dollar). Hm - allerdings können wir das Visa-Problem-Bulgarien nicht abschließend klären: Wahrscheinlich brauche ich zwar ein Visum - aber das MÜSSTE ich am Flughafen in Sofia kaufen können. Und wenn nicht ... ... naja - dann fliege ich halt wieder zurück! Galgenhumor? Jetzt will ich’s auch bis zur bitteren Neige auskosten (mein Kämpferherz läßt keine Erinnerung an die vornächtliche Depression zu). Zum Flughafen gibt’s vom Stadtzentrum aus übrigens einen Airport-Shuttle (also: keine Chance meine ‘goldenen Taxiregeln’ zu testen ... noch nicht!). Nächster ‘Anlauf’-Punkt auf meiner gedanklichen Samstags-Liste ist der Bahnhof Keleti. Ich erkläre der Frau am internationalen Fahrkartenschalter was mir gestern an der serbischen Grenze passiert ist, daß ich nun morgen nach Istanbul fliege (taktische Lüge) & ... ... deshalb eine Entschädigung für mein Bahnticket nach Istanbul möchte. Ich stelle mir vor, wie dieses Anliegen wohl bei der ‘Deutschen Bundesbahn / Unternehmen Zukunft’ gehandhabt würde (Rennerei von einem Schalter zum nächsten - Erklären, erklären und nochmal erklären - Formulare - usw. usw.) & stelle mich auf einen ‘Langen Samstag in d’r City’ ein. Aber: die ungarische Bahnangestellte (die ich hiermit zur ‘freundlichsten europäischen Bahnangestellten des Jahres’ vorschlage) erklärt mir, daß vom Ticketpreis die Fahrtkosten Budapest-Subotica (& vom Rest nochmal zehn Prozent) abgezogen werden & ... ... zählt mir im nahezu gleichen Moment 75 US-Dollar cash auf den Schaltertisch. Am Bahnschalter habe ich dann noch ein langes, aufbauendes Gespräch mit einer netten, jungen Ungarin & einem nicht minder netten, jungen Traveller. Beide zeigen sich überrascht & können das Vorgehen der Serben nicht nachvollziehen. Der Traveller erzählt mir allerdings, daß er von anderen Reisenden schon ähnliche Geschichten gehört hat - ich bin ein wenig enttäuscht, dachte ich doch ich wäre eine ‘ganz große Nummer’! Die Ungarin gibt den serbischen Zöllnern auf ungarischer Seite die Schuld - deren Aufgabe wäre gewesen mich aufzuklären & die hätten mir auch ein Visum verkaufen können / müssen. Die Polizisten im serbischen Subotica haben nur ihren Job gemacht. Die Erklärung leuchtet mir ein - obwohl: letztlich ist mir egal, welcher Serbe ... , da Sippenhaft (ich lasse mir doch meine Vorurteile nicht wegnehmen!). Auf dem Rückweg ins Hotel kaufe ich Vitamine (O-Saft) & Schlafmittel (Rotwein) ein. Dann döse ich zwei Stunden lang auf meinem Hotelbett - schlafen kann ich nicht, obwohl ich spüre, daß ich gestern Nacht nur drei Stunden Schlaf hatte.
Gegen Vier Uhr unternehme ich einen (hoffentlich!) letzten Spaziergang durch Budapest. Seit meinem zweiten Eintreffen in Budapest herrscht hier übrigens strahlend-sonniges & bitterkaltes Wetter ... ... eigentlich optimale Bedingungen für’s Fotografieren, aber ich habe keine rechte Lust mehr.
 Ich schlendere eine Stunde durch Altstadtgassen, in denen ich mich bislang noch nicht umgesehen habe - anschließend folgt (bei Capuccino & angenehm-dezenter Musik) eine lange Tagebuch-Session ... ... bis sich dieses junge Ami-Pärchen an den Nebentisch setzt! In ‘Maschinengewehr-Stakkato & -Lautstärke’ versuchen sie sich gegenseitig an Witz, Geist & Coolness zu übertreffen. Wenn man sie fragen würde, würden sie wahrscheinlich allen Ernstes behaupten, sie hätten sich unterhalten. Ich gönne den Amis ja ihre naiv-egozentrische Lebensfreude, aber warum müssen sie immer die gesamte Menschheit dazu zwingen an ihr teilzuhaben? Mir fällt ein Robert-de-Niro-Spruch ein: Wenn ein Japaner sein Ende nahen fühlt, dann schließt er das Fenster und fügt sich gefaßt in sein Schicksal - ein Amerikaner öffnet das Fenster & ballert mit seiner Knarre auf alles was sich bewegt! (daher die obige MP-Assoziation!). Noch ein Capuccino - dann halt’ ich den ‘geistigen Dünnschiß’ am Nebentisch einfach nicht mehr aus, zahle & geh’ ins Hotel zurück. Ein bißchen Fitness-Gymnastik (ich muß schließlich auf meine körperliche Verfassung achten: der Kaukasus ruft!) - im Anschluß beginne ich (zu ‘local cigarettes & most basic hungarian red wine’) meine neue Reiselektüre: Malcolm Lowrys ‘Unter dem Vulkan’. Hoffentlich zieht mich die Geschichte des verzweifelt-straighten Trinkers nicht zu sehr runter ... ... schließlich geht es jetzt ins winterlich-unwirtliche Ost-Anatolien! Abends resümiere ich, daß ich mit dem heutigen Tag (im Gegensatz zu gestern) eigentlich ganz zufrieden sein kann - naja ... ... kein Wunder: bei dem Vortag! Licht aus um Halb Elf Uhr. Schnarch & Träum ... |
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... ich freue mich darauf Budapest zu verlassen (hoffentlich mit dem zweiten auch das letzte Mal!). Wachwerden - Rauchen - Aufstehen - Rauchen - Duschen - Rauchen - Frühstücken - Rauchen - Packen: Um Halb Elf Uhr sitze ich im Airport-Shuttle & lasse auf der zwanzig Kilometer langen Fahrt zum Flughafen interessant erscheinende Budapester Stadtteile / Vororte an mir vorbeiziehen.
  Ich bereue ein wenig, daß ich mich nicht mehr für die Budapester Außenbezirke interessiert habe ... ... naja - eigentlich hatte ich ja genug Zeit: Sie wurde mir allerdings immer nur ‘scheibchenweise & ohne meine Absicht’ dazugegeben, sodaß eine Verplanung schwer möglich war. Egal - zu spät - (hoffentlich!) ... Airport Ferihegy II (sprich: der internationale Flughafen) - wie schon gestern wölbt sich ein strahlend-blauer Himmel über Budapest: Heute ist es allerdings nicht Foto-, sondern Flugwetter! Im Flughafengebäude schlage ich die Zeit bis zum Abflug mit ‘Eurosport’ tot: Ich sehe mir einen völlig unbedeutenden Ski-Langlauf-Staffel-Wettbewerb an ... ... bis mir klar wird, daß ich gar nicht das Programm, sondern den Fernseher anschaue! Der Flug verläuft vollkommen unspektakulär: keinerlei Turbulenzen, kein BISSCHEN Umkehrschub (das richtige ‘Dom-Rep-Feeling’ will einfach nicht aufkommen!). Sofia - Hauptstadt des neo-kapitalistischen Bulgarien! Äh ... ich möchte im folgenden mal ganz dezent darauf hinweisen, in welchem Ausmaß ich mich während dieser Reise finanziell ausbeute: Das Bulgarien-Visum ist überhaupt kein Problem - 88 US-Dollar (inkl. Airport-Tax) auf den Tisch des Hauses und schon ... ... darfst Du Dich um ein Taxi Richtung Stadtzentrum bemühen, die zentral an einem Taxi-Schalter vergeben werden (weshalb Feilschen völlig chancenlos ist). Weitere 17 US-Dollar (da sind die Taxis in Budapest ja fast billig!) und schon ... Während der Fahrt ins Stadtzentrum klärt mich der weder Deutsch, noch Englisch sprechende Taxifahrer auf (ich wußte gar nicht, daß mein Bulgarisch so gut ist), daß täglich mehrere Direkt-Busse von Sofia nach Istanbul fahren. Ich bin also nicht auf Gedeih & Verderb vom ‘Balkan-Express’ abhängig (Abfahrt Sofia: um Sieben Uhr morgens). Zwar habe ich mir prophylaktisch die Adresse eines billigen Hotels in der Zug-Bus-Bahnhof-Area besorgt - zunächst werde ich allerdings die aktuellen Verkehrsverbindungen checken. Naja - vielleicht gibt es ja heute noch einen Nachtbus (mit ‘Destination Istanbul’)? Schließlich habe ich heute noch nichts leisten müssen: ‘I’m Lookin’ for Trouble!’
Der Hauptbahnhof (‘Sofia Gare Centrale’) ist ziemlich unübersichtlich. Jeder Befragte schickt mich in eine andere Richtung. Schließlich erhalte ich aber doch die Information, daß es wirklich nur ‘den Frühzug’ nach Istanbul gibt. Durch eine dunkle, deprimierend aussehende Kellergeschoß-Fußgängerzone (Bettler - ‘fliegende Händler’ - Sofianer im Sonntags-Outfit mit Pelzmänteln & -mützen - alle mit leerem, ausdruckslosem Blick) kämpfe ich mich zum Omnibus-Bahnhof durch. Vorher muß ich allerdings noch zwei Hürden nehmen: eine sibirische Version der ‘Everglades’ (meine Füße sind nach zehn Minuten bis auf die Zehennägel durchnäßt!) sowie einen hektischen, total chaotischen & lauten ‘Bulgaren-Markt’. Letztlich aber lohnt sich der Weg - denn: Um 18 Uhr fahren zwei Direktbusse nach Istanbul & ... ... in einem der Busse ist sogar noch ein freier Sitzplatz! Ich schlage spontan zu (Fahrpreis: 25 US-Dollar) & verfrachte meinen großen Rucksack in den schon wartenden Bus. Somit bleiben mir immerhin noch zwei Stunden für ‘Sight-Seeing-Sofia’. Übrigens muß ich heute zum erstenmal meine Uhr um eine Stunde vorstellen - die ‘Time-Lag-Problems’ halten sich noch in Grenzen! Ich traue mich nicht allzuweit vom Busbahnhof weg (Nachwirkungen des ‘Drachenfels-Tours’-Traumas ...?) & schieße ein paar Verlegenheits-Bilder an den Bahnhöfen - schließlich grüble ich darüber nach, wie wohl dieser dramatische, so nah erscheinende Gebirgszug am Horizont (hinter dieser sozialistisch-repräsentativ wirkenden Ausfallstraße) heißt? Sind das etwa die Karpaten? Naja - in etwa einem halben Jahr werde ich’s wissen! Für meine am Flughafen zwangsgetauschten 140 ‘Ich-weiß-nicht-Was’ (auf den vollkommen zerfledderten Banknoten in Spielgeldgröße befinden sich nur kyrillische Schriftzeichen!) kaufe ich Kaltgetränke & Sandwiches - als einer der ersten besteige ich den Bus & kann mir einen Fensterplatz aussuchen (‘First Come - Best Sit!’). Pünktlich um Sechs Uhr setzt sich der Bus in Bewegung & ... der aller-letzte zusteigende Fahrgast muß sich unbedingt auf meinen Nebensitz quetschen: Trotz ‘Aktivierung meiner Negativ-Aura in voller Über-Lebens-Größe’ läßt er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen ... ‘SHIT! War wohl nix mit Beine ausstrecken! Aber ... ... wer sagt denn auch, daß dieser Trip Spaß machen soll !?’ Die Fahrt durch Sofia und die sich anschließenden, trost- & endlosen Plattenbau-Siedlungen schlagen mir aufs Gemüt. Ich kann gut verstehen, daß jeder versucht von hier wegzukommen. Die Straßen-Bahnen (fahrend zwar, aber vollkommen verrostet & verrottet) sind ein Anblick, der unmißverständlich klarmacht, daß der Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums (wenigstens wirtschaftlich) hier überhaupt nichts verändert hat ... jedenfalls nicht zum Positiven! Kurze Zeit später versinkt die Sonne hinter dem Horizont. In der Folge rasen wir augenlos durch die Nacht, während meine Ohren von der immer-gleichen ‘Pop-Schnulzen-Cassette’ (Endlos-Schleife!?) beleidigt wird & ... schließlich kommt der kulturelle Höhepunkt dieses ‘Nightflys’: ein amerikanisches Soft-Sex-&-Hard-Crime-Video wird im japanischen (sprich: winzigen!) Bord-Fernseher aufgeführt. Das Beste jedoch ist die bulgarische Synchronisation: Ein ‘Nachrichtensprecher’ übersetzt die gesamten gesprochenen Worte des Films (wohlgemerkt: eine Stimme - alle Akteure!) ... & zwar mit einer derart ausdruckslosen Diktion & Zeitverzögerung, daß man an eine Simultan-Übersetzung im Plenum der Vereinten Nationen erinnert wird. Automatisch überprüfe ich im Innenspiegel des Busses, ob der Fahrer die Lippen bewegt (hm - gewundert hätte mich das nicht). Bis zur bulgarisch-türkischen Grenze ändert sich an diesem, irgendwann als unabänderbar akzeptierten (Kultur-)Programm nichts - & fast schon bin ich froh über die Abwechslung durch die Zoll- & Paßkontrollen! Obwohl: bislang kannte ich solche Szenen nur aus Tagesschau-Berichten, in denen die Massenflucht aus einem Krisengebiet dokumentiert wird. Dreimal müssen wir den Bus verlassen (einmal auf bulgarischer, zweimal auf türkischer Seite) - das Gepäck wird neben dem leeren Bus (der von Hundestaffeln ‘durchschnüffelt’ wird) IN LINE ausgebreitet - jeder Fahrgast hat neben seinem Gepäck ‘Aufstellung zu nehmen’ - dann jeweils ein etwa fünfhundert Meter langer Fußmarsch (sowie intensive Paßkontrolle) - schließlich einsteigen & ‘weiterrollen’ ... ... bis zum nächsten Check-Point. Irgendwann höre ich auf zu zählen, wie oft (& wieviele) Grenzbeamte durch den vollbesetzten Bus stolzieren & sich jeden Paß zeigen lassen. Die gesamte Prozedur dauert etwa zweieinhalb Stunden - die Erfolgsquote ist im Vergleich zu ‘meinem nur zehnminütigen Serben-Erlebnis’ allerdings erschreckend mager ... ... nämlich gleich NULL! Um Halb Drei Uhr nachts (morgens?) gehen wir die Durchquerung Thrakiens an (des europäischen, nur drei Prozent der Gesamtfläche ausmachenden Teils der Türkei): ‘Istanbul - Here we Come - Nothing can Stop us Now!’ Aber ... ... das ist schon ein andrer Tag! |
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