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Africa 20

IM ‘BANANEN-EXPRESS’ - VOM MADEGASSISCHEN
HOCHLAND HINUNTER ZUM INDISCHEN OZEAN !
ODER: DSCHUNGEL-TRIP & STRAND-PARADIES !

... von Fianarantsoa mit dem Zug nach Manakara am
Indischen Ozean ... sowie in & um ebenda (Madagascar)

Donnerstag, 14. Mai & Freitag, 15. Mai 1998

Um Halb Sechs Uhr rappelt mein Wecker!
SO-FORT AUF & ...
... unter die eiskalte (Gemeinschafts-) Dusche! Zwar kehre ich anschließend ‘mit bläulich-schimmernder Hautfarbe’ in mein Zimmer zurück - gleichzeit aber fühle ich mich wach & TOP-FIT (wie nie):
‘Bonjour - Orest!’
Ich schnüre mein Bündel & begebe mich (pünktlich um Sechs Uhr!) hinaus in die soeben einsetzende Morgen-Dämmerung.

AF1196-FianarantsoaMonument+Vollmond

Auch die Stadt scheint gerade erst aufzuwachen: Aus den Häusern & Hütten treten tief nach vorn gebeugte Gestalten, die (obwohl fest in ihre ‘Lambas’ gehüllt) erbärmlich zu frieren scheinen & zu dieser frühen Morgenstunde keinen Blick für den schwerbepackten ‘Vazaha’ (eindeutig verächtlicher Malagasy-Ausdruck für ‘Weißer’) übrig haben. In der Nähe des Bahnhofs erspähe ich einige besonders schöne ‘Ravinalas’.
JENE un-GLAUB-lich aussehende PALME (?) ...
... die wie kein anderer Baum Madagascar repräsentiert (vielleicht mit Ausnahme der madegassischen Spezial-Variante des ‘Baobab’-Affenbrotbaumes, die einem breiteren Publikum nicht zuletzt durch das berühmte Plattencover Pink Floyds in Erinnerung sein dürfte),
... der die französischen Einwanderer den wohl-klingenden Namen ‘Palmier du Voyageur’ gaben (dies allerdings weniger Ausdruck eines sehnsuchtsvoll-poetischen Fernwehs, als schlicht-sachliche Bezugnahme auf die Fähigkeit des Baumes Wasser zu speichern),
... deren lange, schwert-förmige & messerscharfe Wedel auf dem massigen Stamm wie ein Fächer angeordnet sind & den madegassischen Ureinwohnern als natürlicher Kompass gedient haben sollen (der Überlieferung nach zeigen die Wedel immer EXAKT die west-östliche Himmelsrichtung an - obwohl: EIN Blick auf drei ‘gemeine’, einen Halbkreis bildende ‘Ravinalas’ & auch der abergläubischste Betrachter muß zugeben ...),
... die ein ausgezeichneter Wasserspeicher (& ... Surprise!: obwohl zur Gattung der Sukkulenten zählend, näher mit dem Bananenbaum als mit anderen Palmenarten verwandt) ist!
Aber HEUTE MORGEN will sich die richtige (die geniale!) Perspektive, die all dies Gesagte in EINEM Bild einzufangen & auszudrücken in der Lage sein MUSS ...
... EINFACH NICHT FINDEN LASSEN!
Übrigens: Aus dieser morgendlichen Frustration entsteht eine Obsession, die mich nicht nur den Rest des heutigen Tages QUÄLT, sondern für die gesamte Dauer meines restlichen Madagascar-Aufenthaltes unbefriedigt bleiben wird!
Bei meinem Eintreffen bieten sowohl der Wartesaal des großen, schmucken Bahnhofsgebäudes, wie auch dessen Vorplatz einen schon recht belebten Eindruck. Der Fahrkartenschalter ist allerdings noch geschlossen. Ich parke meinen Rucksack auf einer Holzbank im Wartesaal & gehe erstmal frühstücken ...
An einem Essens-Stand vor der Bahnhofshalle kann ich dampfenden, schwarzen Kaffee & ... naja, nicht-ganz-SO-knusprige Croissants erstehen:
Herz - was willst Du MEHR ?!
Bis Halb Acht Uhr tut sich (nicht unerwartet!) WENIGER als NICHTS!
Ich vertreibe mir die Zeit mit Rauchen, Fotografieren (im & ums Bahnhofsgelände herum) ...

     AF1197-FianarantsoaAtmoBahnhofsgelände   AF1199-FianarantsoaAtmoBahnhofsgelände

... Reiseführer Lesen sowie ‘Würgen’ (also: Baguette ... äh ... ‘in mich hinein’).
Schließlich erscheinen (in zerknitterten zwar, aber IMMERHIN Anzügen steckend) zwei trotz ihres ‘zarten Körperbaus’ GEWICHTIG aussehende Bahnangestellte & kritzeln in großen Lettern auf die, vor der Durchgangs-Türe zum Bahnsteig sich vermutlich NICHT ZUFÄLLIG befindende Kreide-Tafel die entscheidende (naja, wenigstens vorläufige Gewißheit gebende) Information: ‘Le Train pour Manakara depart a Neuf Heures Du Matin!’
ALLES KLAR!
Ich schnappe meinen Rucksack, mache mich (als erster!) ‘vom Bahnhofs-Acker’ & sichere mir einen Terrassentisch (mit Bahnhofs-Blick!) im ‘Chez Papillon’.
Nach & nach trudeln sämtliche übrigen Zug-Touris an diesem, dem NEUEN ‘Place d’Assemblée Central’ ein ...
... während ich mich bereits von der Morgensonne verwöhnen lasse & beim zweiten, dem richtigen Frühstück sitze: ‘Avec Beurre et Confiture!’ ...
... ansonsten wie gehabt (naja - halt französisch!).
Christine, eine Belgierin aus (na? richtig!) Brüssel setzt sich zu mir & wir erzählen uns unsere jeweilige Reisegeschichte! Sie übrigens in ‘Very Broken English’ ...
... & obwohl ich zwischenzeitlich versucht bin, ihr entgegenzukommen, sehe ich letztlich doch nicht ein, daß ICH (MAL WIEDER!) ‘den unfähigen, sprechbehinderten VOLL-IDIOTEN’ geben MUSS!
Schließlich ist Französisch ihre Muttersprache & ...
... ‘niemand soll einen ungebührlichen Vorteil haben, ODER?’
Trotzdem: Nette & ‘angenehm die Wartezeit vertreibende’ Unterhaltung.
Später gesellt sich noch Marc an unseren Tisch - ein professioneller Koch aus Paris, der mit ‘seiner Marie’ eine auf 18 Monate veranschlagte Reise durch alle exotischen, französisch-sprachigen Länder dieser, unserer Welt unternimmt ...
... um den EINEN Platz zu finden, wo die beiden ein Restaurant eröffnen & für ein paar Jahre (oder länger ...?) DAS LEBEN GENIESSEN KÖNNEN!
Für den Rest des Tages bilden wir (unabgesprochen) eine ‘Viererbande’ ...
... & das touristische Gegengewicht zu einer etwa zehnköpfigen Reisegruppe junger Franzosen (mehrheitlich ‘Femmes’), die den vorderen Teil des ‘Premier-Classe Compartiment’ einnehmen (werden) ...
Aber ich greife vor: SO WEIT sind wir LANGE noch nicht!
Kurz vor Neun Uhr öffnet sich die Jalousie des Fahrkartenschalters. Wir kaufen unsere Billets (zahlen knappe sieben US-Dollar: für 170 spektakuläre Dschungel-Zug-Kilometer inklusive 17 Stops an idyllischen Berg-Bahnstationen) & begeben uns umgehend zum Zug ...
... ABFAHRBEREIT (also: WIR!).
Die beiden Zug-Waggons stehen (offensichtlich ebenso abfahrtbereit) auf dem Hauptgleis neben ‘Quai Numéro Un’. Allein - von einer Lokomotive ist weit & breit nichts zu sehen & ...
... an diesem Umstand wird sich auch während der folgenden anderthalb Stunden nichts ändern!
Fensterplätze sichern (& mit ‘irgendwas kennzeichnen’ ... ich mit meiner ‘Original-Krabbenfischer-Mütze’) - Sonnenbaden & Klönen - die wenigen Essens-Stände umso systematischer LEER-kaufen - Fotografieren & Lesen!

   AF1206-FianarantsoaKolonialerEisenbahnwaggon   AF1204-FianarantsoaBahnhofsAtmo

Die Zeit vergeht EIGENTLICH recht kurzweilig. Hm - jedenfalls solange man in der Lage ist, zu vergessen, daß heute EIGENTLICH etwas völlig anderes auf dem Programm stand & ...
... die in den Hinterkopf-Hirnwindungen (trotzdem regelmäßig) umher kreisende (bange) Frage ‘Kommt SIE denn HEUTE - ÜBERHAUPT (noch) ???’ ... ‘einfach nicht zu ignorieren’. Aber - keine Bange: SIE KOMMT!
Kurz vor Elf Uhr schiebt die schwer keuchende Diesel-Lok einen großen Güter-Waggon an unseren antriebslosen Personenzug heran. Eine Handvoll erbärmlich schwitzender Bahnangestellter (die Sonne hat mittlerweile ihren EXAKTEN Zenith erreicht) koppeln ALLES zusammen & (‘Schwupp-Di-Wupp’):
SCHON ...
... äh ... (also: mit NUR vier-stündiger Verspätung) setzt sich unser ‘Train Foret Naturel’ in Bewegung & EIERT im Schritt-Tempo (sprich: mit maximaler Maximal-Geschwindigkeit!) aus dem eingezäunten Bahnhofsgelände (hinaus) & in die ‘unendlichen madegassischen Weiten’ (hinein)!
Naja: ‘Und WIR bewegen uns doch!’
Zunächst rattert der Zug (noch ‘auf konstant hohem Niveau’: nein - Altitude!) durch  sensations-loses, weil weitgehend landwirtschaftlich-kultiviertes Gelände, das (abgesehen von einigen ‘Villages Bambou’ sowie klischee-nahen & doch realen ‘ewig winkenden & lachenden & dabei stets nackten Kleinkindern’) kaum begründete Anlässe zum zielgerichteten Anheben meiner Kamera bietet.
Einzig die etwa jede halbe Stunde eingelegten Stops bringen Abwechslung - übrigens AUCH kulinarisch: Die von den Verkäufern mit einer unglaublichen Mischung aus Hektik (‘Zeit ist Geld!’) & Souveränität (‘NIEMAND weiß besser als ICH, wieviel Zeit mir bis zur Weiterfahrt des Zuges noch bleibt!’) auf dem schmalen Bahnsteig ‘ausgeschrienen’, exotischen Snacks reichen ...

         AF1218-RailToManakaraAtmoKleineBahnstation     AF1214-RailToManakaraStrohhüttenAmGleis

     AF1225-RailToManakaraVerkaufsstand+Locals   AF1227-RailToManakaraBahnsteigAtmo+Schwein

... vom frischen Obst,
... über vegetarische Getreide- & Gemüse-Häppchen,
... sowie den üblichen gebratenen Geflügel-Kleinteilen,
... bis hin zu appetitlich-rosig gedünsteten, delikaten (!) Flußkrebsen & sonstigen Süßwasser-Schalentieren.
Ich verspüre einen Hauch, der unmittelbar von der gegenüberliegenden Seite des (nicht zu Unrecht so genannten, wie mir spätestens jetzt klar wird) ‘Indischen Ozeans’ zu mir herüberweht: ‘The Real & Authentic ... Colourful & Tasty ... Indian Travel-Feeling & -Smell !!!’
Die anfangs noch aus Einzelbäumen bestehende Flora wird mit jedem Meter, den wir an Höhe verlieren, DICHTER. Sie besteht zunächst vornehmlich aus Nadelwald, wird später abgelöst von Eukalyptus, Bananen & Bambus sowie ‘Ravinalas’ (diese aber IMMER entweder verdeckt ... oder im Gegenlicht ... oder aber der Zug ist ausnahmsweise mal zu schnell: SHIT!) & rückt schließlich, als in jeder Beziehung undurchdringlich erscheinender Dschungel, SO nahe an das Bahngeleis heran, daß ich mich (OPTIMISTISCH!) darauf verlege, die Bäume auf Lemuren, Sifakas & Makis hin abzusuchen:

   AF1220-RailToManakaraJungleAlongTheRails AF1228-RailToManakaraDickichtZug+Touri AF1222-RailToManakaraDörflicheBahnstation

Hm - ich KANN (& WILL!) einfach nicht glauben ...
... daß sich ‘die flinken Hunde-Affen’ EXAKT an die Grenzen (& nur innerhalb) der Nationalparks & Reservate (auf-) halten ... !?
Allem Anschein nach aber TUN SIE’S!
Naja - jedenfalls sind meine Bemühungen (außer: daß sie verdammt anstrengend für die Augen sind!) von keinerlei ‘Erfolg’ gekrönt ...
Obwohl ICH (DER ‘Flora-&-Fauna-Spezialist schlechthin’) SCHWÖREN könnte:
‘THIS DEFINITELY Looks like Lemure-Country!’
Gegen Ein Uhr erreichen (& durchfahren) wir die landschaftlich interessanteste Region des heutigen Eisenbahn-Trips:
- wildwuchernder, sattgrün-farbener Dschungel reicht bis an das Bahngleis heran & KRATZT AM ZUG - beim (zugegeben: sensationslüsternen!) Hinauslehnen aus dem Zugfenster muß ich äußerst vorsichtig zu Werke gehen, will ich vermeiden, daß man mich anschließend von einem schürfwunden-übersäten, aber strahlenden (weil brutal gegeißelten!) Masochisten nicht mehr unterscheiden kann,
- ein ums andere Mal ergeben sich trotz der vom Zug beibehaltenen, extrem langsamen Geschwindigkeit NUR für Sekundenbruchteile spektakuläre Ausblicke auf dramatisch ansteigende (zuweilen auch überhängende) Steilst-Felswände, über die sich ebenso regelmäßig (naja - nicht unbedingt Wasser-Massen führende, aber doch den einen oder anderen ‘Shot’ rechtfertigende) Wasserfälle zu Tale stürzen.
Die stark zerklüftete (& doch durchgängig bewachsene) Gebirgslandschaft gab den Strecken-Planern offensichtlich eine Reihe unlösbar erscheinender Probleme auf ...
... & so blieb ‘den hilflosen Ballermännern’ nur der Griff (richtig!):
Zur Stange!
Dies übrigens zur heutigen, HELLEN Freude der ‘etwas anderen, im vorderen Teil des Zuges sich unüberhörbar amüsierenden, im Durchschnitt halt noch sehr jungen & (damit kein falscher Eindruck entsteht) eigentlich ganz netten FranzösInnen-Touri-Gruppe’: Mehrere langgezogene ‘UUUuuhhhhs!’ ...
... als quasi-logische (simultane Parallel-) Konsequenz aus einer schier endlosen Aneinanderreihung teils doch SEHR langer (& SEHR dunkler) Tunnel!
Um Fünf Uhr bereitet die Sonne (nur kurz) ihren sich letztlich rasend schnell vollziehenden ‘Untergang’ vor. Mir bleibt gerade noch Zeit für einen letzten, licht-empfindlichen Schuß auf brennende Hügel (speziell in dieser küstennahen Region Madagascars sind die Bauern für ihre rigorosen Brandrodungs-Methoden traurig berühmt!). DANN ...
... legt sich (auch schon) die stockdunkle madegassische Nacht über unseren ‘DAY TRAIN’, der (da ja NIE verspätet!) auf Dunkelheit nicht vorbereitet ist & daher auch über keinerlei elektrifizierte Innenbeleuchtung verfügt.
Zwei atmosphärische Geister-Bahn-Fahrt-Stunden braucht es noch ...
... bis der, weithin sichtbare, intensive Lichtkegel (gelb & rot) in Richtung Indischer Ozean schickende Leuchtturm Manakaras (vermutlich zwar unbeabsichtigt, mittelbar aber) AUCH UNS HEIM-LEUCHTET.
Eine Viertelstunde später haben wir die beiden kräftigsten (Wadenumfang des Läufers multipliziert mit seinem Lungenvolumen & ... äh ... korrigiert um den ‘Leichtläufigkeits-Koeffizienten’ der Kutschen-Reifen) der etwa 8 Millionen auf dem Bahnhofsvorplatz nach Kundschaft Ausschau haltenden ‘Rikscha-Renner’ ausgewählt!
Ja - ich WEISS !!!
Da sich aber das von uns (der ‘Viererbande’) gemeinschaftlich präferierte Hotel laut Reiseführer ‘beyond walkable Distance’ befindet, bleibt uns nichts anderes übrig, als (gegen zumindest MEINE sonstige Gewohnheit) die einzige vorhandene ÖPNV-Alternative zu nutzen - zumal es im STOCK-dunklen Manakara keine einzige Straßenlaterne gibt (was jegliche Orientierung schlicht unmöglich macht)!
Im ‘Hotel Morabe’, einem (soweit ich das im Dunkeln erkennen kann) alten & labyrinthisch angelegten ‘Stein-Haus mit vielen Bambusecken’ gönne ich mir zunächst ein vergleichsweise teures, aber sehr komfortables & sauberes Zimmer (mit einem großen Doppelbett, Dusche sowie Moskito-Netz und -’Coils’: die hier, unmittelbar am Meer, ‘VERY Essential!’ sein sollen) ...
... & dann eine lange & erfrischende ‘Douche Froid’!
Gegen Neun Uhr begebe ich mich zum späten, guten & üppigen Abendessen ins Hotel-Restaurant: unter anderem ...
... ‘Soupe Chinois (avant)’ sowie mehrere ‘Bières Trois Chevaux (pendant et après)’.
Mein Tagebuch verharrt heute Abend (von mir unbehelligt) neben meinem ungelesenen Reiseführer. Tja - nette Reisebekanntschaften sind einfach ‘MERDE!’ ...
... da sie mich zeitlich immer SO zurückwerfen !?
Stattdessen lange & feucht-fröhliche Unterhaltung mit meinen neuen franko-philen Reise-FreundInnen über so unterschiedliche Themen wie:
- Politik- & Politiker-Verdrossenheit (ein ‘weites & zumindest grenzüberschreitend-europäisches Feld’),
- die ‘raffiniertesten Desserts der Welt’ (während sich Marc, der Profi, auffallend zurückhält, gebe ICH mit MEINER ‘Mascarpone-Creme’ an wie ... naja, ‘entre-nous: TROIS THB GRANDE!’),
- sowie Marc Dutrout (& dessen un-GLAUB-liche Flucht aus seiner belgischen Hochsicherheits-Knastzelle).
Hm - letzteres übrigens ein Thema, bei dem die ansonsten recht schweigsame, weil arg gehandicapte Christine (die an einer ‘madegassischen Eisenbahn-Grippe’ leidet & ihr Abendessen mit drei Tabletten aus meinem schier unerschöpflichen Aspirin-Vorrat eröffnet) auch einmal die Gesprächsführung übernehmen & unumstrittene Expertin sein DARF (natürlich weniger wegen ihrer umfassenden Detail-Kenntnisse der Kinder-Porno-Branche als aufgrund ihrer belgischen Staatsangehörigkeit!).
Bereits um Elf Uhr lösen wir die gesellige Vierer-Runde auf: Denn meine sich spätestens JETZT doch als ‘erschreckend-naiv outenden Zech-KumpanInnen’ behaupten (ernsthaft!), daß sie Morgen Früh um Sechs Uhr (‘HA-Ha-ha!’) den Zug RETOUR nach Fianarantsoa nehmen wollen ... äh ... werden ...
Oder doch eher: WÜRDEN ... !?
Sei’s drum: Diese ungewollt-komische Erheiterung hebt meine eh schon GUTE LAUNE (denn während des gesamten Tages haben sich meine Bauchschmerzen noch kein einziges Mal gemeldet - obwohl ich NATÜRLICH weit davon entfernt bin, zu glauben ‘daß somit wieder ALLES GUT ist’) NOCH ERHEBLICH !!!
Denn: ICH ...
... darf Morgen Früh LIEGEN BLEIBEN !!!
Ein kurzes Kapitel Musil - dann zünde ich den ‘Moskito-Coil’ an (‘I DO remember Bombay!’), schlüpfe unter mein Moskitonetz & ...
... segle (wohltuend trunken & daher ungewöhnlich ZÜGIG!) ...
... ‘ins Reich der Träume’ ...

... AUS-SCHLAAA-FEN !!!
Um Neun Uhr (nach meinem ersten ‘Eye-Opener’: einer eiskalten Dusche ... & dem Auffüllen meiner dramatisch zur Neige gegangenen Zigarettenvorräte) mache ich es mir im Freiluftbereich des Hotel-Restaurants gemütlich, bestelle ein für französisch-madegassische Verhältnisse oppulentes ‘Petit Dejeuner’ (inklusive ‘Omelette Avec Oignons et Tomates’) & BEGINNE GUT GELAUNT eine lange & entspannte Tagebuch-Session! Hm - bis ...
... ja - bis sich ein zunächst nur die Straße entlang schlendernder, dann aber mich als vermeintlich willfähriges Opfer identifizierender IDIOT an den Nebentisch setzt (Sorry! - obwohl: Bettino - Du weißt, wie ich das meine! Schließlich redest Du auch immer von ‘Deinen Bekloppten’!) ...
... & (ohne Vorwarnung!) BEGINNT, mich unter Rückgriff auf eine gleichermaßen virtuos wie konsequent & ernsthaft gehandhabte, farben-prächtige (& trotzdem schwer zu differenzierenden) Palette aus ‘Grunz’-, ‘Schlänz’- & ‘Plonz’-Lauten ...
... VOLLZUBRABBELN !!!
Wobei ... ihm die zwar unverständlichen, offen-GEST-lich jedoch hochgradig bedeutungsvollen Äußerungen (im doppelten Wortsinn) ‘EXTREM FLÜSSIG über die glänzenden Lippen kommen’ ... äh ... die (die Lippen!) den nicht-enden-wollenden Strom aus Speichel sowie anderen (schlimmeren?) Sekret-Flüssigkeiten NICHT FASSEN KÖNNEN.
Er trägt einen gepflegt wirkenden, wenn auch altmodischen Anzug & stellt EIGENTLICH eine recht stattliche Erscheinung dar!
Naja - wenigstens wenn er ruhig & schweigend am Tisch sitzt ...
... was er allerdings nicht KANN! Sein scheinbar manischer Kommunikations-Zwang wird gestisch untermalt von unkontrollierten, konvulsivischen Zuckungen seines gesamten Körpers & ...
... obschon mir der arme Epilleptiker natürlich leid tut, KANN ich mich einfach nicht mit ihm unterhalten! Ich registriere, daß ich gegen ein scheinbar übermächtiges Ekelgefühl ankämpfen muß, beschränke mich auf ein paar knapp gehaltene Antworten (auf seinen fordernden Redeschwall) &  versuche in der Folgezeit, jeglichen Augenkontakt mit ihm zu vermeiden.
Hm - ich WEISS zwar, daß das Scheiße ist ...
... aber: Ich KANN (nun mal) nicht anders!
Meine Tagebuch-Session fällt, ob dieses eher unangenehmen Ambientes (‘Naja, wohl eher wegen DEINES SCHLECHTEN GEWISSENS!’ ‘Stimmt!’), kürzer aus als geplant. Ich trete auf die staubige Seitengasse vor meinem Hotel ...

AF1284-ManakaraHotelMorabe+Palmen

... & VERSUCHE, mich in der kleinen Stadt (von der ich keinen Stadtplan besitze) zu orientieren: Vor allen anderen Dingen ...
... WILL ICH NATÜRLICH DAS MEER SEHEN ( ... & RIECHEN)!
Die roten Sand-Pisten & (raren) asphaltierten Straßen sehen alle gleich aus. Ein ‘IRGENDWIE sich als solches zu erkennen gebendes Stadtzentrum’ ist nirgends auszumachen. Zahllose, meist knallig-rot lackierte ‘Pousse-Pousse’-Kutschen bilden (zusammen mit in Herdenstärke einherschreitenden & -schnatternden, gigantisch-GROSSEN Gänsen) den weit größten Teil des ansonsten eher beruhigt wirkenden Straßenverkehrs. Die Einheimischen scheinen an Touristen (oder doch nur an MIR?) gänzlich uninteressiert, machen einen reservierten ‘ersten Eindruck’, grüßen aber (wenn man ihnen fest in die Augen blickt & ein freundliches ‘Bonjour!’ erklingen läßt) freundlich zurück - kurz: Ich bin Zeuge eines beschaulichen Landlebens, das sich mit kaum wahrnehmbarem Tempo in & vor den karg eingerichteten, einfachen Bambushütten abspielt!
Sieht ganz so aus, als wäre ich in ‘REAL MADAGASCAR’ angekommen!
Mich völlig verfransend, lande ich schließlich vor dem Bahnhofsgebäude ...

AF1242-ManakaraDenkmal+Bahnhof

... an das ich allerdings (ob der bereits vollendeten, tiefschwarzen Nacht bei meiner gestrigen Ankunft in Manakara) keinerlei Erinnerungsvermögen mehr habe! Immerhin bin ich in der Lage, mich von hier aus grob zu orientieren ...
... & einige Fotos sowie zwei ‘Wegweiser’-Nachfragen später, befinde ich mich AUF DEM RECHTEN WEG:

     AF1282-ManakaraKirche   AF1243-ManakaraPoussePousseVorMission

Die Ortschaft in östlicher Himmelsrichtung verlassend - immer der Sonne entgegen - & mich mit jedem meiner weit ausholenden Schritte dem vermeintlichen Wellen-Spektakel des Indischen Ozeans an-nähernd.
Rechts & links der über einen Fährdamm führenden Straße, wird das ebene, etwa 5 Meter ‘uH’ (sprich: ‘unter Horst’) sich erstreckende Terrain zunehmend feuchter & geht schließlich in eine Lagune über, deren Wasseroberfläche glatt & reglos (& daher nur mäßig, aber doch ...) in der Morgensonne glänzt. An der schmalsten, kanal-ähnlichen Passage überspannt eine mächtige, alte Eisenbrücke (mit beidseitig-hohen Brücken-Schwüngen) die Lagune & ...

   AF1245-ManakaraDiePisteZumStrand   AF1251-ManakaraAlteBrücke+Strand

AF1247-ManakaraAlteBrücke+PoussePousse

... HINTER diesem monumentalen Zeitzeugen französischer Kolonialpracht zeigen sich die naturgewaltigen, ohne Pause an den feinsandigen, weißen Strand der vorgelagerten Landzunge anrollenden Brandungswogen des Indischen Ozeans (die SOFORT meine gesamte, verfügbare Aufmerksamkeit fesseln):
‘Along The (LONG) Way To The Beach’ ...
... stehen die das ländlich-ozeanische Madagaskar-Feeling transportierenden Fotomotive geradezu Spalier & ICH lasse mich nicht lange bitten!
- die ‘blau-grüne Lagune’ (mit einfaßendem Schilf-Areal),
- ‘Einbaum’-Fischer (die ihre Netze in weiten Bögen aus-richten),
- sowie idyllische Bambushütten-Siedlungen.

     AF1277-ManakaraLagune+Fischerboote   AF1280-ManakaraFischerImEinbaum

     AF1253-ManakaraFischerboote   AF1281-ManakaraIdyllischesHüttendorf

Am Meer angekommen, nehme ich (lang ausgestreckt im Sand mich flezend, tief die frische Brise & ... äh ... Zigarettenrauch atmend sowie mir eine Viertelstunde der Akklimatisierung gönnend) zunächst das ‘ach-so-paradiesisch-wirkende Strand-Idyll’ in Augenschein:
- im Süden erstreckt sich (‘soweit die Augen tragen!’) ein feinsandiger & von hohen Palmen gesäumter Traumstrand,
- einen Kilometer nördlich meines ‘Liege-Ortes’ trotzt eine gewaltige, monumentale Beton-Küstenmauer (einst Teil einer Hafen-Festungsanlage, in heutigen Touri-Zeiten DIENT sie NUR MEHR einem ‘Beach-Resort’) den sich mit urwüchsiger Gewalt abarbeitenden Ozean-Wellen, die (chancenlos zwar, aber immerhin) gischtige & weit über die Mauer hinauf schießende Fontänen produzieren,
- landeinwärts (also in westlicher Richtung) wird der Sandstrand von einer breiten, park-ähnlichen Grünanlage eingefaßt (durch die sich ein paar schwach-ausgetretene, von Kokospalmen beschattete Trampelpfade ihre labyrinthischen Wege suchen),
- und an der see-wärtigen, der östlichen Seite dieses so vermeintlich friedvoll sich präsentierenden Strand-Paradieses, befinden sich ‘Heimat & feuchter Lebensraum’ einer VERDAMMT gefährlichen Meute:
‘LARGE & NASTY SHARKS !!!’
Unsichtbar zwar, ‘but VERY REAL!’ (wie mir mein Reiseführer versichert!).
... & was vermutlich auch KEINE Übertreibung ist! Begann ich mich doch bereits zu wundern, warum NIEMAND (nicht einmal einer unsrer ‘allgegenwärtigen, japanischen Sushi-Freunde’ ... die ja EIGENTLICH Verständnis für die ‘rohen Gelüste der Haie’ haben müßten!?) in die tolle Brandung dieses Bilderbuch-Strandes HUPFT ... ?!
ANYWAY ...
Übrigens: Obwohl es natürlich ABER-tausende, ähnliche Strände gibt UND somit der Identifikationswert der Fotos natürlich nicht eben als hoch gelten darf ...
... LICHTE ich ebenso NATÜRLICH (aus rein dokumentarischen Gründen, versteht sich!) systematisch das Strand-Idyll ... äh ... AB!
Denn: AUCH DAS ist (schließlich) Madagascar!

         AF1257-ManakaraPinienSand+Meer     AF1260-ManakaraBaumstumpfAmStrand

AF1266-ManakaraBrandung+Wellen

‘Nach getaner Arbeit’ ...
... schlendere ich (barfuß, durch den schneeweißen & jungfräulichen Sand) zum atmosphärischen ‘Parc de Parthenay’, ebenjener beton-eingefaßten Strandhütten-Touri-Siedlung: Ich pflanze mich auf die verwaiste, das Meer überblickende Terrasse (unmittelbar neben den einladenden, jedoch ebenso unbevölkerten Meerwasser-Swimmingpool) ...
... & setze HIER meine morgendliche Tagebuch-Session fort.
Ich nehme mir Zeit, genieße das ständig sich erneuernde, ozeanische Natur-Schauspiel & lasse es mir (auch sonst) gut gehen: bei Kaffee, einem knackigen Salat sowie (später!) einem großen, eiskalten ‘Three-Horses-Beer’.
Netter Plausch mit einer der jungen Französinnen (siehe gestern! Äh - eher vorderer Zugabteil-Bereich!), deren ‘Studien’-Reisegruppe (?) die letzte Nacht in einer großen Hütte des ‘Parthenay’ verbracht hat & bereits heute Mittag zum ‘Parc Nacional de Ranomafana’ weiterreisen wird: meinem MORGIGEN Etappenziel!
Tja - auch in Madagascar gibt’s eine ‘Route des Grööngeaux’ ...
‘Et ... A Demain!’
Nachdem ich die Salz-Konzentration in meinen Lungenkapillaren hinreichend erhöht habe, begebe ich mich auf eine lange ‘Sight-Seeing’-Foto-Safari zurück zum (& durch) ‘Manakara-Village’. Am kommenden Sonntag finden in Madagascar Kommunalwahlen statt - daher bildet (nicht wirklich überraschend) ein lebendiger, lautstark sich durch die staubigen Straßen der Stadt wälzender Wahlkundgebungs-Umzug den atmosphärischen Höhepunkt meines Spazierganges.
Die aufgrund der kämpferisch-ausgelassenen Stimmung der MarschiererInnen (nein: TänzerInnen!) eingeschränkte Wahrnehmung der Umwelt, reicht übrigens IMMER NOCH aus, dem am Straßenrand stehenden & fotografierenden, weißen Störenfried (also: ich ... bzw. mir!) ein paar funkelnd-böse Blicke & unmißverständliche Flüche zuzuwerfen! Mit Recht: ‘PAPARAZZI IN DIE SEE!’ (äh ... ja!).
Am späten Nachmittag kehre ich in mein kühles & bequemes Hotelzimmer zurück & ruhe vom ‘ach-so-anstrengenden’ Vormittagsprogramm aus:
‘Lonely Planet’- & Reise-Lektüre.

AF1275-ManakaraPoussePousse

Tja & eigentlich ... war’s das denn auch schon (für heute) ...
... bis auf zwei kulinarische ‘Appointments with Myself’:
Bei Einbruch der Dunkelheit teste ich den im ‘LP’ hoch-gerühmten ‘Salon de Thé’ der nahen, besten Herberge der Stadt. Naja - das ‘Hotel Sidi’ bietet zwar einen guten Kaffee - der ‘Gateau Crème’ aber ist bestenfalls ‘... so là-là’.
Immerhin kurzweilige Unterhaltung mit einem beschäftigungslosen, jungen Kellner, der mir mit unübersehbarem Leuchten in seinen Augen die landschaftlichen & tierischen (lemurischen) Schönheiten des Ranomafana Nationalparks (SEINER Heimatregion!) nahebringt UND ...
... (eigentlich überflüssigerweise, denn das hatte ich eh vor) zum Besuch empfiehlt.
Spätes, aber gutes Abendessen im Bambus-Restaurant meines ‘Hotel Morabe’ (heute übrigens nur EIN ‘THB’) sowie ...
... Ablenkung durch die katastrophale, weil: ‘Schnee’-Übertragung IRGENDEINES madegassischen Fußballspiels im IRRE-lauten Restaurant-Fernseher.
Da der Kommentator rücksichtslos (also: mir gegenüber!) ‘Malagasy’ spricht, bleibt mir zwar verborgen, ‘WER gegen WEN & WARUM ...?’ - nicht verborgen bleibt mir jedoch, daß der Torjubel des Reporters (im krassen Gegensatz zu den Leistungen der beiden sich mühenden Teams) internationales Format hat & sich (nochmal im krassen Gegensatz ...) auf höchstem brasilianischen Niveau bewegt!
Um Zehn Uhr ‘Back in my Room with Robert M-Point’. Allerdings breche ich das zunächst optimistisch angegangene, LANGE ‘Gute-Nacht’-Kapitel schon nach wenigen Seiten ab ...
... denn morgen heißt es (mal wieder):
‘FRÜH RAUS!’ Der (hoffentlich!) TO-TAL LE-MU-REN-VER-SEUCH-TE ‘Ranomafana Nationalpark’ erwartet mich.
Also: ‘D’accord et ...
... Bonne Nuit (Ooh-Reste)!’

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