|
|
 |
 |
|
MIT DEM ‘TAXI-BROUSSE’ ÜBER DIE ‘HAUTS PLATEAUX’ ZENTRAL-MADAGASKARS ! ODER: UNTERWEGS RICHTUNG SÜDEN ... ... VON ANTANANARIVO NACH FIANARANTSOA !
|
 |
 |
|
... von Antananarivo über die Hauts Plateaux ... via Antsirabe nach Fianarantsoa (Madagascar)
|
 |
 |
|
Dienstag, 12. Mai & Mittwoch, 13. Mai 1998
|
 |
 |
|
Mein Wecker BEMÜHT sich seinen Job zu erledigen ... ! Naja - eigentlich erfüllt er ihn auch. Ich aber reagiere nicht so, wie er (der Wecker) es von seinem (ansonsten recht pflichtbewußten) ‘Herrn & Meister’ kennt ... ... obwohl ich mir eigentlich keiner Schuld BEWUSST bin! Mein ausgelaugter KÖRPER fordert sein Recht, verpaßt (wortlos!) dem ‘Réveil Brésilien’ einen gezielten Hieb (worauf wieder Ruhe einkehrt) & dreht sich, OHNE sich auf eine Diskussion mit meinem sich nur halbherzig wehrenden, weil eh CHANCEN-losen ‘kärglichen Rest-Geist’ einzulassen ... ... EINFACH RUM! Bis Halb Neun Uhr dringt kein Muckser aus meinem Hotelzimmer. Schließlich ZWINGE ich mich (mit Gewalt, zurück) ins ‘bewußte Sein’: Jetzt mach’ aber mal hinne, eh ... ...WÜSTENROT-TAG! Duschen, Packen, Aus-Checken & Nicht-Frühstücken ... sind EINE harmonisch ausgeführte, ineinander-verzahnte, (fast) ‘zeitlose’ Bewegung! Bereits um Neun Uhr habe ich die ersten Verhandlungen mit einem unnachgiebigen ‘Deux-Chevaux’-Taxifahrer (bezüglich des Fahrpreises zur ‘Taxi-Brousse-Station Sud de Tana’) ... ... äh ... ergebnislos abgebrochen! Fünf Minuten später (oder besser: 500 großschleifig-verlaufende & schleppend-ausgeführte ‘Schlurf-&-Schwitz’-Meter hügelabwärts), lasse ich mich auf die EXAKT GLEICHE Fahrpreis-Offerte eines allerdings anderen Taxifahrers ... ... EIN & hieve meinen schlappen Kadaver in die kantige Fahrerkabine seines uralten ‘R4’. Komisch-nostalgisches Gefühl, von innen in den Türgriff hineinzufassen! Mechtilde (meine erste & lange Zeit größte Liebe!) - ich hoffe, Dir geht es GUT!? Deine schnee-weiße ‘Penelope’ befindet sich ja wohl nun schon gute 20 Jahre im ‘Renault-Himmel’ - die ‘gute Alte’! Sie ruhe in Frieden! ÜBERHAUPT ... ... habe ich (sentimentaler Hund, ich!) hier in Madagascar mehr als ausreichend Gelegenheit, mich an längst vergangene Zeiten zu erinnern & ... meist ist es ein bißchen schmerzlich & sehr schön zugleich! ‘Back to the Presence ...’ Die südwestliche Ausfallstraße Antananarivos (die ‘Làlana Dok Ravoahangy Andrianavalona Joseph’ - man stelle sich nur einmal vor, einem lediglich Malagasy sprechenden Taxifahrer ein solches Fahrtziel verständlich machen zu müssen!?) führt mitten durch den hektisch-chaotischen Obst- & Gemüse-Markt der Hauptstadt. Zunächst besitzt sie noch zwei breite, asphaltierte Fahrspuren. Später entwickelt sie sich zu einer unterbrechungs-losen Abfolge schlamm-gefüllter, riesiger Schlaglöcher & wird zusehends enger ... ... auch, weil die ‘Agrarier’ ihre Verkaufsstände immer näher in Richtung Straßenmitte rücken & die zahlreichen Fußgänger den (maximal zäh-flüssigen) Straßenverkehr gnadenlos IGNORIEREN. Schließlich kommt, was kommen muß ... ... & der Verkehr vollkommen zum erliegen! Zwar unternimmt mein Taxifahrer einen verzweifelten ‘Flucht-Nach-Vorn’-Versuch (über die entgegenkommende Fahrbahn: ‘The Kenyan Way!’), aber nach bereits 200 Metern kommen wir (trotz mehrmaliger Erfüllung des Straf-Tatbestandes der ‘extremen & lebensgefährdenden Nötigung’) auch auf der ‘Geister-(fahrer-)bahn’ nicht mehr weiter! Ich schultere meinen Rucksack & stürze mich in die wabernde Menschenmasse ... ... mich (ich Idiot!) auf meinen ‘Fucking-Lonely-Planet’ verlassend & dessen, mir gewiesene Marsch-Richtung zunächst be-, später nur noch folgend. Naja - wie nicht anders zu erwarten, WEISS ich plötzlich ... ... daß ich mich HOFFNUNGSLOS VERFRANST HABE! Denn (genau: ‘Die Schuld IMMER bei Den Anderen suchen!’) der ‘LP-Stadt-&-Umgebungs-Plan-Tana’ ist nicht nur nicht maßstabsgerecht, sondern (DAS alleine reicht ja noch nicht!) schlichtweg grob fehlerhaft! Zwar erblicke ich während dieser gleichermaßen schweiß-treibenden, wie VERLORENEN halben Wanderstunde einige äußerst atmosphärische Neben-Straßenzüge mit heimeligen, bunt angestrichenen (scheint’s uralten & doch in gutem Zustand sich befindenden) ‘Knusper-Häuschen’ - aber auch diese Entdeckungen können die mich erwartende Schmach nicht aufwiegen: Denn ... mir bleibt nichts anderes übrig (‘Mein Gott - ist das peinlich!’) als mich in die ortskundigen Hände eines mich (wohlwollend betrachtet ... aber wer will das schon?) zwar freundlich grüßenden, EIGENTLICH (hinter seiner Maske!) aber mitleidig & arrogant zugleich ANFEIXENDEN Taxifahrers zu begeben! Er (ekelhaft redselig sprudelnd!) chauffiert mich (hm - eher wortkarg!) die gesamte ‘im Schweiße meines Angesichts’ zurückgelegte Wegstrecke retour - bis er EXAKT an jener Straßenkreuzung, wo ich das erste Taxi verlassen habe, in eine kleine Seitengasse einbiegt & ... augenblicklich SPRUDELT es (ungewollt) aus mir hervor: ‘Na klar - da IST er ja! Der Busbahnhof! Der gesuchte!’ Vorsichtig geschätzte, etwa 800 Millionen ‘Anwerber’ ... stürzen sich SOFORT auf mich & bieten mir die unterschiedlichsten ‘Ex’-Trips nach Antsirabe, meinem heutigen Tagesziel an: einige ‘Extraordinaire!’, andere ‘Exclusive!’ ... ... ALLE ‘Extremely Expensive!’ Ich habe die freie Auswahl zwischen der kompletten, hiesigen Personen- Beförderungsmittel-Palette: ... spritzige, japanische Kleinbusse, ... eher lahme, aber anerkannt komfortable französische ‘Cinq-Zero-Quatres’ (also: Peugeots ‘504’, das typisch-franko-afrikanische ‘Taxi-Brousse’ - sprich: Buschtaxi!) ... oder klapprige Privatautos, die ob ihres erbärmlichen Wartungszustandes keiner Provenienz mehr zugeordnet werden können (außer vielleicht: ‘klapprisch’!). MIR ist DAS ALLES ZU VIEL und / weil ZU SCHNELL! Kurz entschlossen geh’ ICH erstmal frühstücken: Zeit spielt keine Rolle (mehr), denn ... ... früh komm’ ich heute eh nicht mehr ‘inne Loipe’! Aus sicherer Entfernung betrachte ich die erbitterten Kämpfe der ‘Touts’ um jeden einzelnen potentiellen Fahrgast ... ... & führe währenddessen meinem leeren Magen ‘mit-irgendwas’-gefüllte, frittierte Teigtaschen sowie weiße Bohnen & (literweise!) schwarzen Kaffee zu: AAAH - HERRRLISCH ... !!! Netter (teils in Englisch, teils in Französisch geführter) Plausch mit dem mich hingebungsvoll umsorgenden, jungen Geschwister-Pärchen: die beiden bestreiten mit ihrem einfachen ‘Malagasy-Snack’-Verkaufsstand den Lebensunterhalt für die gesamte, achtköpfige Familie! Die später (vollzählig!) um mich herum versammelte (& erbärmliche ‘Rotzfahnen’ unter den Nasen tragende) jüngere ‘Viertel’-Jugend will mich nicht gehen lassen, bevor ich ein paar ausgewählte, ‘typisch-deutsche’ (?) FAXEN vorgeführt habe ... ... & gut gelaunt (ICH!) tue ich ihnen den Gefallen (was unübersehbar dazu führt, daß sich die eh schon vorzügliche Laune meines dankbaren Publikums noch hebt). Gestärkt & unternehmungslustig fülle ich anschließend den mir zugedachten Part bei der Neu-Inszenierung der Erfolgs-Komödie ‘Chercher l’Autobus - cette fois vers Antsirabe!’ aus ... Schließlich (nach einigen parallel-, überkreuz- & schein-geführten, knall-harten Verhandlungsrunden) lasse ich mich vom SIEGER willig in einen, zwar nur halb-gefüllten, aber den augenscheinlichen ‘Gipfel des örtlichen Stands der Automobiltechnik’ repräsentierenden Kleinbus schieben ... auf dessen Rückbank sich bereits ein ‘French Quaple’ eingerichtet hat & ‘ungeduldig auf die UNMITTELBAR bevorstehende Abfahrt’ wartet. Aber ... ... SOWEIT sind wir (natürlich!) noch lange nicht! Ich ‘markiere’ meinen Sitzplatz & mische mich dann (zwecks Studium sowie Ablichtung der ‘wirklichen Chaos-Praxis’) unter die, bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich einheimischen Passanten. Mich möglichst unauffällig verhaltend (?), VERSUCHE ich mich an ein paar ‘Bus-Terminal-Atmo-Shots’: Vor allem die, von den VerkäuferInnen freihändig & akrobatisch auf dem Kopf balancierten, mit gold-gelb in der Morgensonne glänzenden Baguette-Laiben gefüllten großen Bastkörbe finden ein ums andere Mal Eingang & Aufnahme in meine, ‘zwar wie zufällig wirkende ... äh ... in Wirklichkeit jedoch SEHR bewußte Bildgestaltung’. Anschließend ziehe ich mich ans geöffnete Fenster meines Bus-Sitzplatzes zurück, ‘verdrücke’ ein ganzes Baguette, rauche etwa zehn ‘Duty-Free-Camels’ & lese meinen Reiseführer ... ... insgesamt DREIMAL - KOMPLETT !!! Okay - ich übertreibe EIN WENIG! Letztlich begibt sich dann mein Bus DOCH noch auf die 170 Kilometer lange Strecke: Laut Busbegleiter beträgt die Fahrtzeit ‘MAXIMAL drei Stunden, da der Asphaltbelag der Straße (wenigstens für madegassische Verhältnisse) vorzüglich ist!’ Äh ... SAGT ER! Noch bevor wir die unsichtbare Stadtgrenze hinter uns gelassen haben, entwickelt sich ein fröhlich-kurzweiliges Gespräch mit David, einem jungen Studenten (& Rastafari-Fan) auf dem Heimweg zu seinen Eltern in Antsirabe. Er spricht sehr gut Englisch & wir tauschen uns über die unterschiedlichsten Themen aus (die jedoch schwerpunktmäßig der Kategorie ‘Jugend & Kultur’ entstammen): über ... Musik (David singt & spielt Gitarre!), ... Fußball (ein wenig), ... Basketball (schon etwas interessanter - für ihn!) sowie ... Probleme mit dem ‘Erwachsen-Werden & -Sein in Madagascar’. Unsere ungezwungene (& ‘grenzüberschreitende’) Unterhaltung scheint ansteckend zu wirken. Nach & nach schalten sich neben den französischen Touris auch ein paar interessierte, einheimische Jugendliche in unser Gespräch ein (die zwar NUR ‘Malagasy et Francais Simple’ sprechen - aber David dolmetscht sehr souverän). So verstreicht die Zeit & ... ... fliegt die Landschaft vorbei! Während der ersten beiden Fahrtstunden bekomme ich von den madegassischen Naturschönheiten nicht ALLZUVIEL mit. Die Landschaft präsentiert sich überwiegend hüglig bis schroff-felsig, während sich die, den verheerenden saisonalen (aber auch mensch-initiierten!) Auswirkungen der Erosion schutzlos ausgesetzte Vegetation, auf ein absolutes, quantitatives wie qualitatives Minimum beschränkt (sprich: Flechten, Moose, Sträucher sowie sehr vereinzelte ‘Krüppelbäume’ ... naja, halt der sprich-wörtliche ‘kärgliche Rest’!). Nicht zu übersehen sind die eindeutigen Hinweise auf intensive & großflächige Wald-Abholzungen sowie die (von den ‘faulen’ Bauern!) jedes Jahr aufs neue durchgeführten Brand-Rodungen: eine in Madagascar weit-verbreitete & -akzeptierte Methode der Erzeugung neuer, allerdings nur kurzfristig ertragreicher Anbauflächen. Kurzfristig ... da nicht nur Wurzelwerk & Unkraut den Flammen zum Opfer fallen, sondern auch die nährstoffreiche Humusschicht des Bodens zerstört wird. Und somit bestätigt sich der am Freitag aus der Vogelperspektive gewonnene Eindruck nun auch aus nächster Nähe! Im unmittelbaren Umfeld des weitverzweigten, teils natürlichen Fluß- & teils künstlichen Bewässerungs-Systems, ist für ausreichende Feuchte der Nutzflächen gesorgt ... wenigstens NOCH (während der Trockenzeit sieht’s hier vermutlich anders aus!?). Und somit bestehen in dieser Region der Insel gute Voraussetzungen auch für den Anbau anspruchsvollerer Arten kultivierter Flora (vornehmlich Reis & Mais). Im ganzjährig trockenen Süden Madagascars hingegen reicht’s (wenn überhaupt) gerade mal noch für die genügsameren Kartoffel- & Maniok-Pflanzen. Auffallend sind die statisch recht ungewöhnlich konstruierten (weil über eine im Vergleich zur geringen Grundfläche beachtliche Höhe verfügenden), immer einzeln & immer sehr aufrecht zwischen den Feldern der Reisbauern thronenden, roten (typisch-madegassischen) Ziegelstein-Häuser. Die rund-um-laufenden, schattigen Balkone & Terrassen sind obligatorisch - wohingegen die Dächer einen (wenn auch begrenten) Gestaltungsfreiraum lassen ... ... oder spiegeln die für den Dachbau verwendeten Materialien doch nur die individuellen Vermögensverhältnisse des jeweiligen Hausbesitzers wieder? Während die ‘reicheren Häuslebauer’ Wellblech bevorzugen, müssen sich die Unterkünfte der ‘ärmeren Bevölkerungs-Schicht’ mit einer Kopfbedeckung aus einfachen Strohmatten zufriedengeben! Nach zwei unterbrechungslosen Busstunden stoppt unser Fahrer seinen ‘japanischen Sprinter’ in Ambohimandroso: halbstündiger Lunch-Stop ... ... soviel Zeit muß sein! Der kleine Ort entlang der Durchgangsstraße wirkt zwar sehr beschaulich, erwacht aber (in Sekundenschnelle!) zu geschäftigem Leben, SOBALD ein Bus seine Ladung ‘potentieller Kunden’ auf dem zentralen Dorfplatz ausspuckt: - die Besitzer einer, in Relation zur Größe des Ortes ‘schieren Un-Menge’ von Essens-Ständen, Garküchen & Heißgetränke-Depots preisen lautstark ihre festen & flüssigen Proviantwaren an, - Myriaden ‘fliegender’ Snack-, Obst- & Soda-VerkäuferInnen halten derweil geduldig ihre Stellungen unmittelbar am Straßenrand (& beglücken die faulen und / oder eiligen Reisenden mit dem authentischen ‘Go-West-&-Drive-In-Feeling’). Ich beschränke mich auf das Wesentliche ... ... trinke zwei Becher Kaffee, rauche ein paar Zigaretten, schieße (etwa ebenso viele) ‘Village-&-People-Atmo-Shots’ & schlendere (mir die lahm-gesessenen Beine vertretend) einmal die Dorfstraße rauf & runter. Noch weitere zwei Stunden BRAUSEN wir über die ‘Hauts Plateaux’ Zentral-Madagascars. Die landschaftlichen Eindrücke unterscheiden sich kaum von den während der ersten Tages-Halbetappe genossenen: gut gewässerte Reisfelder folgen übergangslos auf brachliegende, weil wasserlose Ebenen, die (mal sanft, mal schroffer) zu nur karg bewachsenen Hügeln & Bergen ansteigen! Um Vier Uhr erreichen wir die nördliche ‘Taxi-Brousse’-Station Antsirabes: David bedeutet mir, daß WIR hier aussteigen (was wir denn auch ...). Wir schlagen die uns sofort umringenden & zuparkenden Rikscha-Läufer (nein! nicht NIEDER, aber bestimmt) in den Wind ... ... also: deren eindeutige Angebote ... ... & MARSCHIEREN die mich frappant an die ‘Unendlichkeit des Universums’ erinnernden & doch ‘NUR schlappen vier Kilometer’ bis zum Stadtzentrum! Zwar tut einerseits Bewegung nicht nur gut, sondern (nach vier ‘Quetsch’-Stunden im engen Kleinbus!) auch Not - andererseits jedoch meldet sich (ob der plötzlichen, ungewohnten Anstrengung) UMGEHEND die zur Zeit problematischste meiner ach-so-zahlreichen Problemzonen zurück: SHIT !!! Vor dem Abzweig zum kolonial-feudalen ‘Hotel des Thermes’ verabschiede ich mich von David & lasse mir (info-halber!) ein Einzelzimmer der beeindruckenden Nobelherberge in Traum-Park-Lage (& Sichtweite des alten Thermalbades am ‘Lac Ranomafana’) vorführen: Naja - (zugegeben!) ... der Raum ist ‘ganz nett’. Aber 20 US-Dollar sind mir denn doch entschieden zu viel! Vorbei an den vor dem Hotelkomplex auf zahlungskräftige (& fußkranke) ‘Dollar-Touris’ lauernden Rikscha-Läufern überquere ich die Hauptstraße, wechsle in die nächste Seitengasse & finde dort GENAU DAS, ‘was mir gebührt’: Ein geräumiges, wenn auch einfach eingerichtetes Zimmer (mit Dusche, Waschbecken & Bidet im Raum!) für knappe sieben Dollar ... ... im zwar ‘dem alkoholischen Niemals-Land’ zugehörigen, aber von einem sehr netten Muslim geleiteten ‘Hotel Baobab’! Eine gute & allem Anschein nach bekannte Adresse ... ... wie mir kurze Zeit später das mittels einiger ‘Mar-Qui-Guèr Allooos!’ gefeierte Wiedersehen mit meinen heutigen Reisebegleitern (dem ‘Quatuor Infernal Francais’) signalisiert. Ich MUSS meinem schmerz-geplagten (oder doch eher ‘verweichlicht-wehleidigen’?) Körper ETWAS GUTES TUN, deponiere daher meinen Rucksack UNAUSGEPACKT im Hotelzimmer & begebe mich (stattdessen) SOFORT an die Erkundung der örtlichen Gastronomie-Infrastruktur. Aber ... ... bereits nach nur drei erwanderten Blocks (die Straße runter!) zwingt mich ‘Helenas Salon de Thé’ zum Ein-halten & (nach nur kurzem Zögern) -kehren: auf Kaffee (sehr gut!) & Kuchen (hm - etwas trocken bis staubig ...) sowie einen riesigen ‘Jus de Grenadelle’! In dem Moment, da ich (& mein etwas besänftigter Körper) wieder auf die Straße treten, macht die Sonne erste, unzweideutige Anstalten (‘vor-was-auch-immer’, aber auf jeden Fall) zu versinken. Mir bleibt gerade noch genügend Licht & Zeit, für einen kurzen Dämmer-Spaziergang durch die friedvoll-atmosphärische Kleinstadt: Der im Jahre 1872 von norwegischen Missionaren begründete Kurort besitzt (ob seines moderaten Höhenniveaus von 1.500 Metern üNN) ein SPÜRBAR angenehmes Klima. Die zwar noch zahlreich vorhandenen, allerdings extrem heruntergekommen wirkenden alten Kolonialhäuser, berichten auch heute noch BEREDT von den ‘hedonistischen Glanzzeiten des Ortes in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts’ ... ... als ‘die von ihrem harten Schicksal im stressigen Tananarive ausgelaugten, französischen BESITZER der Insel’, das Vergnügungsangebot Antsirabes (die Thermalquellen ... sowie die, um diese herum komponierte, hochherrschaftliche ‘Ambience Convenable’) in ihrer ‘knapp bemessenen Freizeit’ in um so volleren Zügen nutzten. Tja - & heute? ... ... leben knapp 100.000 Einwohner in der Stadt: etwa die Hälfte verdingt sich als ‘Dauerläufer oder Touri-Schlepper’ DIREKT in der Tourismus-Branche - die andere Hälfte hängt zumindest MITTELBAR (über das Hotel- & Gaststätten- sowie Souvenir-Gewerbe) am Fremdenverkehrs-Tropf. Okay ... ... diese Aussagen beruhen auf meinen subjektiven (allerdings intensivst, wenn schon nicht wissenschaftlich fundierten, so doch ‘am eigenen Körperwrack gemachten’, quasi ‘im Selbstversuch’ getesteten) ‘Madegassen-Laufen’-Erfahrungen ... Darüberhinaus (äh ... dies nur der Vollständigkeit halber) schreibt mein allwissender Reiseführer Antsirabe eine wichtige Rolle als verkehrsgünstiges Industrie-Zentrum in der Mitte Madagascars zu ... !? Ich VERSUCHE mich an ein paar ‘Pre-Dawn-City-Atmo-Shots’ - wenngleich ich auch diesen, meinen Versuchen eher skeptisch gegenüberstehe: Das Tageslicht nimmt in den hiesig-südlichen Breiten (immerhin nur knapp 300 Kilometer nördlich vom ‘Wendekreis des Steinbocks’) doch SEHR schnell SEHR stark ... ab! Aber ich bin zuversichtlich, daß wenigstens das, mich an Irvings ‘erstes Hotel New Hampshire’ (nein - im Film ... NICHT im Buch!) erinnernde ‘Hotel des Thermes’ seinen gerechten Platz (IRGENDWO zwischen ‘überwältigend’ & ‘ekelhaft’) in meiner finalen Reise-Dia-Sammlung finden wird. Übrigens ... ... an dessen schickem ‘Piscine Au Parque’ meine abendliche Stadtwanderung (TROTZ ALLEDEM!) endet: Kaffee sowie Postkarte an Wollie (dem ich von meinen gemischten Gefühlen an diesem ‘Very Special Place’ berichten MUSS!). Durch die lediglich vom ‘vollendeten Vollmond’ erhellten, ansonsten aber stock-dunklen Gassen, schlendere ich schließlich (die madegassische Idylle, so gut es mir erlaubt wird, genießend: ‘Monsieur - Pousse-Pousse!’) zurück ins ‘Hotel Baobab’: Gutes & (obwohl: entschieden ZU) reichliches chinesisch-karibisches Abendessen! Bereits um Neun Uhr sperre ich die Türe meines Hotelzimmers (final: für heute!) hinter mir ab. Meine Bauchschmerzen haben im Laufe des Nachmittags & Abends kontinuierlich an Heftigkeit zugenommen & DRÜCKEN ... ... äh ... ‘AUCH auf meine Psyche!’ Ich beschließe, morgen Früh (‘Komme, was da wolle!’) AUF JEDEN FALL nach Fianarantsoa weiterzureisen (äh ... dessen ‘Hopital Régional’ einen relativ guten Ruf besitzt) & DORT ... ... sehen WIR dann weiter! VERDAMMT! Ich habe keinerlei Lust, mir von meinem willens-&-auch-sonst schwachen Körper mal wieder (wie schon letztes Jahr in Bolivien!) meine Reiseplanungen durcheinanderwirbeln zu lassen ... ... & erkläre daher HIER & JETZT: Ich bin durchaus bereit ‘mit Schmerzen zu leben’ & werde meine Reise auf jeden Fall fortsetzen! (kleinlauter Zusatz: wenn ich wenigstens wüßte, WIE ernsthaft & gefährlich diese ‘Symptome für was-auch-immer’ sind) ??? Ich zwinge mir ein paar Zeilen fürs Tagebuch ab & lese (ein wenig) ... ... ansonsten versuche ich möglichst RUHIG zu LIEGEN & FLACH zu ATMEN! Naja - DANN geht’s (einigermaßen). Die letzten Amtshandlungen des heutigen Tages: Ich ‘eiche’ meinen Wecker (NOCH hoffnungsvoll!) auf Halb Sieben Uhr morgen Früh. Gegen Elf Uhr (bereits) lösche ich das Deckenlicht. Und kurz darauf (schon) höre ich mir selbst beim (‘Ratz-ratz-ratz - alles für die Katz!’) ... ... äh ... LEIDEN zu ...
|
 |
 |
|
... Heute Morgen raffe ich mich bereits zwei Zigarettenlängen nach dem ersten Wecker-Klingeln auf: (oberflächliche) ‘MT’ & (gründliches) Packen! Um Sieben Uhr sitze ich im zwar vollkommen verwaisten, nichtsdestotrotz aber (oder doch: wegen, Du Misanthrop?) gemütlichen Restaurant des ‘Baobab’ beim Frühstück & genieße die mich von Anbeginn an verzaubernde Atmosphäre: Der mein musikalisches Morgenprogramm gestaltende madegassische Radio-Sender konzentriert sich heute auf französische Schlager & Chansons der frühen Sechziger Jahre. Währenddessen rennt die junge Küchenhilfe (mit kunstvoll zum Turban geschlungenen Tuch auf ihrem Kopf) LAUT jede einzelne Liedzeile mitsingend, ohne Unterlaß zwischen Küche & Speiseraum hin & her ... ... unruhig wie ein eingesperrtes Raubtier in seinem viel zu engen Käfig, sicht- & vor allem hörbar aber (ansteckend!) GUTER LAUNE! Der gnadenlos überfrachtete Gastraum wirkt aufgrund des chaotischen Arrangements seines Interieurs wie ein lediglich Ein- & keine Abgänge verzeichnender Antiquitäten-Laden & ... strahlt trotzdem (oder deswegen?) eine ‘das (mein!) Herz AUFGEHEN machende’, WARME Atmosphäre aus! Die zahllosen Einrichtungs-Gegenstände sind eindrucksvoller Beleg für die pathologische Sammel-Leidenschaft des ‘Monsieur Imam Baobab, le Fou!’ & ... ... MÜSSEN (durchweg) der Kategorie ‘EXOTIK: extrem bis skurril’ zugerechnet werden: - einige naiv-kitschige, gemalt-gebastelte Relief-Bilder geben Einblick in das Alltagsleben der madegassischen Landbevölkerung (so zeigt ein Kunstwerk einen deutlich / physisch aus dem Motiv heraus-skulpturierten Bauern mit ‘Charette’ & vorgespannten Zebu-Rindern beim Überqueren einer Brücke - das Ganze vor einer gemalten Wald-Landschaft & unterhalb eines schwindelerregend-hoch im Berg thronenden Strohhütten-Dorfes), - natürlich darf auch das in Öl fixierte, riesige Abbild eines Affenbrotbaumes in einem Hotel gleichlautenden Namens nicht fehlen (Maßstab nahe 1:1!), - zwei mitten im Raum positionierte ‘madegassische Knaben in Tropen-Holz’ fungieren als ‘Stumme Diener’ & führen landestypische, schwarz-weiß-karierte ‘Lambas’ vor (die ‘HOB’ des traditionsbewußten, bekennenden Madegassen - ein Zwischending aus breitem Schal & knappem Ganzkörper-Wickeltuch), - weiterhin züngeln mich (bewußt in bedrohlicher Angriffshaltung präpariert) ein gutes halbes Dutzend im Raum verteilter (giftiger ...?) Schlangen an, - und wenn mich nicht ALLES täuscht (?), dann FIXIERT MICH aus der Glas-Vitrine eines hinter der Bar-Theke befindlichen, geschmacklosen Küchenschrankes (äh ... ‘Gelsenkirchener Barock’ - nur älter!) heraus ... ... ein ECHTER (!) ... MENSCHLICHER (!!) ... SCHRUMPF-KOPF (!!!). Hm - oder handelt es sich etwa doch NUR um eine Attrappe ... ??? ANYWAY ... Ich fühle mich VERDAMMT GUT & UNTERNEHMUNGS-LUSTIG! Äh ... wenn nur diese SCHEISS-BAUCHSCHMERZEN nicht wären !!! (für einen kurzen Moment hatte ich sie fast vergessen ...). Als schließlich die ersten ‘Pousse-Poussies’ ihre breiten Nasen an den matten Fensterscheiben des Speiseraumes plattdrücken (& mithin die wärmenden Strahlen der Morgensonne verdecken) ... ... beschließe ich, daß es nun Zeit ist aufzubrechen. Übrigens: Wieso eigentlich ‘Pousse’? Denn schließlich bedeutet das ja (wie jeder weiß) ‘Schieb!’ Äh ... SCHON! Der Überlieferung nach aber entstand die Bezeichnung nicht während der Ausübung des ‘normalen Rikscha-Jobs auf ebenem Grunde’, sondern war vielmehr der spontane Hilferuf eines ‘im steilen Anstieg GESTRANDETEN, menschlichen Zug-Esels’ ... ... & als verzweifelte Aufforderung an die tatenlos (bis amüsiert) ihn umstehenden Passanten gedacht, IHN gefälligst BEIM SCHIEBEN zu unterstützen! Ich mache mich mal wieder unbeliebt (obschon meine Bauchschmerzen ein perfektes Alibi wären, einmal auszutesten, ‘ob man in einer Kutsche wirklich spürbar ADELT?’) & quäle mich als ‘Selbst-Läufer’ zum am südlichen Stadtrand befindlichen, zweiten Busbahnhof Antsirabes. Noch bevor ich den ersten Bus zu Gesicht bekomme, bilde ich das Zentrum einer lautstark-gestikulierenden ‘Schlepper-Traube’, die mich vielstimmig (& zunehmend hysterisch!) davon zu überzeugen versucht, daß die Personentransport-Möglichkeiten Richtung Fianarantsoa heute SEHR begrenzt sind! Meine umgehend durchgeführte ‘Vollerhebung’ (unter den beiden, einzigen sich auf dem verwaisten Parkplatz langweilenden Buschtaxi-Fahrern) OUTET die vermeintlichen Verkaufstricks meiner Belagerer (einigermaßen überraschend) als ... ... die REINE WAHRHEIT (& mich als ‘mutmaßend-mißtrauischen Misanthropen!’ Äh, letzteres eigentlich doch eher KAUM überraschend). Nach (aus nachvollziehbaren Gründen NUR) kurzer Preisverhandlung, entscheide ich mich für den Beifahrersitz des relativ modernen, mir EINIGERMASSEN fahr-tauglich erscheinenden ‘Peugeot 504’. Naja - ‘für den Beifahrersitz’ ... ist leicht (um exakte 100 Prozent!) übertrieben. Gegen Zahlung von fünf Dollar darf ich mich auf MEINER, der fenster-seitigen Hälfte des Beifahrersitzes ausbreiten. Zunächst aber habe ich (im diametralen, quasi-funktionalen Gegensatz zu meinem Privat-Chauffeur) Glück: Nur DREI Passagiere verlieren sich in der ‘Neun-Fahrgäste-PLUS-Fahrer’-Kleinlimousine ... ... & auch die an Nötigung grenzenden, zahllosen ‘Chercher-et-Kidnapp-les-Piétons’-Schleifen durch Antsirabe-City ändern an diesem, ein zufriedenes Lächeln auf mein Gesicht zaubernden Zustand (erst mal) NICHTS. Allerdings bin ich DOCH ehrlich überrascht, als unser kurz-mütiger Fahrer nach dem üblichen ‘Benzin-Fassen’-Stop an einer stadt-peripheren Tankstelle NICHT ins Zentrum zurücksteuert ... ... sondern eine zu ALLEM entschlossene Miene aufsetzt, ENERGISCH in die südliche Stadt-Ausfallstraße einbiegt & ... Antsirabe das Heck seines ‘Cinq-Zero-Quatre’ zeigt! Die schwere & doch (wider Erwarten!) erstaunlich beschleunigungs-starke Blech-Karrosse gleitet erschütterungslos über die gute Asphaltpiste dahin. Ich lehne mich (gut gelaunt) in meine bequeme ‘Doppelsitz-Hälfte’ zurück & ... genieße das mich umgebende Spiel kräftiger Farben: - eine ungetrübt (zunehmend gleißend) aus einem makellos-blauen Himmel strahlende Morgensonne, - sanft an- & absteigende grüne Hügel, - dazwischen Reisfelder ‘soweit das Auge reicht’, - sowie die ach-so-attraktiven, roten Ziegelstein-Häuschen (die mit zunehmender Entfernung von Antsirabe meist strohgedeckt sind). Plötzlich aber ändert sich das durchfahrene Terrain dramatisch & bis zum ersten Stop, nach etwa 100 Straßenkilometern in Ambositra, präsentiert sich UNS eine archaisch-spektakuläre, endlose Felsenlandschaft (... UNS? Ein Rundblick beweist mir, daß ich offensichtlich der einzige, beeindruckte Wagen-Insasse bin - ‘der Rest ist Gähnen!’): - aus der spiegel-glatten Ebene der ‘Hauts Plateaux’ erwachsen zu beiden Seiten der Straße bis zu 2.500 Meter hohe Bergketten, - deren Grashügel & Steinhänge sind mit einer Unzahl unterschiedlich großer & schwerer Fels-Monolithe gleichmäßig dicht bedeckt (den messerscharfen Kanten nach zu urteilen, handelt es sich vermutlich um Granitgestein), - die größeren ‘Brocken’ (die teilweise dramatisch ‘auf der Kippe’ stehen) bringen locker ‘einige Zig-Tonnen (Fest-)Körpergewicht auf die Waage’. Hm - obwohl ich lange mit mir RINGE, bestehe ich letztlich NICHT auf einem Foto-Stop: unser ‘504’ frißt gerade so schön einen Kilometer nach dem anderen! Aber ich merke mir die Region (entschieden!) für die Rückfahrt vor ... Ambositra (auf etwa halber Strecke zwischen Antsirabe & Fianarantsoa gelegen) entpuppt sich als bunter & chaotischer Marktflecken ... ... dessen allerdings gänzlich UN-hektischer, ja idyllischer Charakter vornehmlich von atmosphärischen Kopfsteinpflaster-Gäßchen & den so typisch-madegassischen (weil den ‘Goldenen Schnitt am Bau’ so eigenwillig auslegenden), roten Ziegelstein-Gebäuden herrührt ... ... SOWIE kunstvollen Holzschnitzereien, welche die Türen, Fenster, Balkone & Erker auffallend vieler Häuser zieren ... Verständlicherweise! Handelt es sich doch um Eigenwerbung der örtlichen Kunst-Handwerks-Szene: Denn ... ... Ambositra gilt als Heimat (schlicht DAS Zentrum) der talentiertesten madegassischen ‘Sculpteurs Sur Bois’. EIGENTLICH ... hat Ambositra alles, um es zu einem ‘Nice Place to Spend some Weeks? ... Days? ... Hours?’ zu machen. Aber ICH habe ja NIEMALS NICHT KEINE ZEIT! Immerhin reicht’s für ein Paar Atmo-Shots in der Nähe des Marktes, einen Kaffee (‘im Stehen’) & zwei hastig durch-gezogene Zigaretten! Dann (SCHON) rudert mich unser Fahrer (mit ‘Windflügel-Armen’) zurück zu seinem Vehikel, das er in der Zwischenzeit mit ‘frischen Passagieren’ VOLL-GEPACKT hat: Ich quetsche mich neben die bedauernswerte Madegassin, der die linke Beifahrersitz-Hälfte zugeteilt wurde, die (also: sie!) daraufhin halb auf, halb rechts neben dem Schoß des Fahrers landet! Hm - aber DAS soll nicht MEIN Problem sein! Ich schließe & VERRIEGLE die Beifahrertüre (bei meinem Gewicht UND den in Linkskurven herrschenden Zentrifugal-Kräften UND den notorisch defekten Türen madegassischer Autos ... will ich ‘auf Nummer Sicher gehen’!) & ... ... AB GEHT’S! Naja - was soll ich sagen? Äh ... Aufgrund der doch dramatischen Beengtheit (in der ‘Sardinenbüchse’) kann ich die zweite Hälfte der Tages-Etappe nicht mehr GANZ SO UNEINGESCHRÄNKT genießen wie die erste! Obwohl ... die Straße durch abwechslungsreiches & ‘leicht gespenstisch’ wirkendes Dschungel-Terrain führt (übrigens: die entfernten Ausläufer des ‘Ranomafana National Parks’ > den kriegen wir später!). Zudem werden meine sensiblen Ohren auf eine harte Geduldsprobe gestellt (nun ja: FOLTER wäre der eindeutig passendere Ausdruck!), als der Fahrer bereits zum zweitenmal am heutigen Tag (vermutlich NUR, um mir seine kulturelle Weltoffenheit zu demonstrieren) eine Musik-Cassette in seine Bordanlage schiebt, die mir VERDAMMT bekannt vorkommt: Jawohl, Cathrin - exakt DIE ‘UB-40’-Cassette, die Du in Buri so ausdauernd, gern & mich quälend GEDUDELT hast! Aber ... ... während mich in Eritrea DEINE ANWESENHEIT über diese Tortur noch so eben hinweghören ließ, bin ich heute, ob dieser ‘unerträglichen musikalischen & textlichen Einfalt’ (die nahe an vorsätzliche, akkustische Körperverletzung heranreicht) einfach nur ENDLOS GENERVT! Hm - & so frage ich Dich (ernsthaft!): Wie um alles in der Welt ist es möglich, daß ein so netter, liebenswerter & KLUGER Mensch wie DU, an einer solchen Geschmacks-Verirrung leiden kann? Hm - nicht, daß der falsche Eindruck entsteht, ich wolle Dich ‘in irgendeiner Weise’ beeinflussen (NEIN!) ... ... aber: Ich MUSS DAS WISSEN !!! Letztendlich ist die Fahrt (durch doch-so-spektakuläre Landschaft) nur noch elendig & quälend LANG! Und ... unser Fahrer verzögert die Ankunft im nahen Fianar darüberhinaus durch zahlreiche, nervige Stops: Er verschwindet wortlos in einfachen Wellblechhütten am Straßenrand & ... kehrt zehn Minuten später (ebenso erklärungslos, aber) kauend & bepackt mit riesigen Papiertüten, aus denen die verschiedensten Obst- & Gemüse-Anbau-Erzeugnisse der Region quillen, wieder zum Auto & seinen wartenden Taxikunden zurück. ‘MERDE !!!’ Die Armbanduhr meiner Sitznachbarin zeigt ‘Ein Uhr!’, als unser Buschtaxi ENDLICH auf dem weitläufigen Bus-Bahnhofsgelände Fianarantsoas ausrollt: Nach den üblichen, sinnlosen (& doch: ich gebe mir Mühe, freundlich zu sein!) Gesprächen mit wortreichen, hartnäckigen & durch keine noch-so-eindeutige Abwehr meinerseits einzuschüchternden ‘Hotel-Schleppern’ ... ... schultere ich meinen Rucksack & folge der parallel zu den Eisenbahngeleisen verlaufenden Hauptstraße zum wie direkt aus den Schweizer Alpen hierher transportiert wirkenden Hauptbahnhof! In dessen unmittelbarer Nähe residiert das, sich als ‘zentrales Basislager’ geradezu aufdrängende ‘Hotel Moderne’: Denn ... im gleichen Gebäude befinden sich die ‘Touristen-Information’, das örtliche ‘Air-Mad-Office’ sowie das ‘Chez Papillon’ (laut ‘Lonely Planet’ eins der besten & berühmtesten Restaurants Madagascars). Zudem ist die Hauptpost nur einen Steinwurf entfernt UND ... ... vom nahen städtischen Krankenhaus ‘könnte ich mir (zur Not!) einen Tropf bis ins Hotelzimmer legen lassen!’ (naja - fast ...). Kurzum: NIE war die Entscheidung für eine Unterkunft leichter! Tja ... ... DENKSTE! Der Hotelmanager legt es offensichtlich darauf an, mich zu verscheißern & behauptet, ‘daß nur noch ein Studio (drei untereinander verbundene, große Zimmer!) frei ist’ ... ... obwohl meine Besichtigung des Hotels & der sich mir bietende Anblick einer ganzen Reihe zum Flur hin geöffneter Zimmertüren mir einen gänzlich anderen Eindruck vermittelt. Hm - zwar sind die geforderten 20 Dollar (für eine Übernachtung) durchaus leistungsgerecht, aber ich HEISSE nun mal nicht Justus Frantz & BRAUCHE daher auch keinen Flügel ... ... & schon gar keinen Gebäude-Flügel (für mich alleine)! Daher belasse ich es bei einem Besuch im hoteleigenen ‘Salon de Thé’ & studiere bei Kaffee, einem guten Speiseeis & mehreren (SEHR guten, weil eigenen!) Zigaretten die zahlreichen, in meinem Reiseführer beschriebenen, alternativen Übernachtungs-Möglichkeiten Fianarantsoas: ‘Wenn man mich HIER nicht WILL? ICH dränge mich nicht auf!’ Hm - was allerdings leichter dahingesagt ist, als ... Meine während der beiden folgenden Stunden ‘AN’-gegangenen (& Fianar erweist sich als verdammt weitläufig!) Versuche der Beschaffung einer Unterkunft, sind (aus den verschiedensten Gründen) erfolglos: - entweder zu teuer (NOCH teurer als das Studio im ‘Moderne’), - oder unhygienisch bis gesundheitsgefährdend DRECKIG (ich bin heute nicht unbedingt darauf aus, mich zu SPÜREN: diesen Job übernimmt, ohne mein bewußtes Zutun, bereits mein ‘Aua’-Bauch), - oder aber schlicht ‘Complet!’ SHIT !!! Nach einer langen, schweißtreibenden & kräftezehrender Wanderschleife befinde ich mich bereits auf dem (kleinlauten) Rückmarsch zum ‘Hotel Moderne’, als ich mir einen aller-letzten Alternativ-Versuch gestatte: ein unleserliches, weil vor Schmutz starrendes Schild, wies mir zwar bereits vor zwei Stunden den Weg zum ‘Hotel Ideal’ - ich (Idiot!) aber ... !? Nach nur zwei sich augenblicklich aufhellenden Blicken meinerseits (einer in den Empfangsbereich sowie die Augen der TOTAL netten, älteren Besitzerin - der andere in das mir angebotene, urige Mansardenzimmer) WEISS ich: ‘Yeah - That’s IT !!!’ Das uralte Fachwerkhaus versprüht sehr viel Atmosphäre & ist bis ans Labyrinthische heranreichend verwinkelt - die niveau-UN-gleichen Etagen der verschiedenen Gebäudeteile sind nur über ‘märchenhaft-grimmig’-knarrende Holzstiegen zu erreichen - das sympathische & (fast ebenso) alte (wie das Haus) ‘Malagasy’-Ehepaar liest mir jeden Wunsch von den Augen ab & ist zuvorkommend-bemüht, ohne aufdringlich zu sein. Mein Dachzimmer erweist sich als erstaunlich geräumig, komfortabel (hervorzuheben ist das SEHR bequeme ‘Grand Lit’), verströmt mit seinen Dachschrägen sowie einer Holz-Komplett-Innenverkleidung einen einladend-rustikalen Charme & ... ... kostet (unanständige! NUR ...) sechs Dollar. Ich denke nicht den Bruchteil einer Nano-Sekunde nach & checke SOFORT ein! Die SPÄTE RETTUNG erfolgte keine Sekunde zu früh: Der lange, anstrengende Berg-&-Tal-Gewaltmarsch (ich muß den Zeichnern der ‘LP’-Stadtpläne unbedingt einmal eine Nachhilfestunde in ‘maßstab-gerechtem Skizzieren’ erteilen) hat in meinen innersten Innereien für Irritation gesorgt & meine ‘unerklärlichen Bauch-Schmerzen’ sind STARK & PRÄSENT wie NIE! Nach Bettruhe sowie einer anschließenden, erfrischend-eiskalten Dusche geht’s mir etwas besser - also: RAUS auf die Straße! Ich schlendere zum ‘alpinen Chalet-Bahnhof’ & erfrage dort die nötigen Infos für die morgige Zugfahrt nach Manakara, das sich an der Ost-Küste der Insel befinden SOLL? Naja - meine heutigen, miesen ‘Lonely-Planet’-Erfahrungen haben mir (mal wieder) schmerzhaft klargemacht haben, daß ich NIEMANDEM trauen kann ... ... daher will ich mich mit eigenen Augen davon überzeugen, ‘daß Madagascar WIRKLICH eine Insel ist !?’ Hm - dieses (gesunde?) Mißtrauen werde ich allerdings teuer bezahlen müssen & vermutlich bereits morgen Früh verfluchen - denn: ‘Vente des Billets pour le Train à Six Heures du Matin!’ Ich wechsle auf die andere Seite der Hauptstraße, lasse mich auf der Terrasse des ‘Papillon’ nieder & bilde mit einem großen, kühlen ‘Three Horses Beer’ einen kongenial-harmonierenden ‘Vierspänner’! Bis zum Einbruch der Dunkelheit schreibe ich Tagebuch (durch Souvenirverkäufer zwar regelmäßig, aber nur mäßig gestört) & ... ... (obwohl ich nicht weiß, WIESO?) habe (ich doch) eine sichere Vorahnung, daß aus diesem Tag noch SEHR VIEL MEHR SCHLECHTES herauszuholen ist! Und umgehend ... ... mache ich mich an die Erfüllung dieser (unausgesprochenen) Prophezeiung! Da mir das ‘Chez Papillon’ entschieden zu teuer (für meinen großen Hunger) zu sein SCHEINT, unternehme ich einen Abendspaziergang durch die zwischenzeitlich in schwärzestes Kohlraben-Schwarz getauchten, engen Gassen Fianars: Im Speisesaal des ‘Panda Restaurants’ (meiner ersten Diner-Wahl) befindet sich statt Mobiliar nur ein komplettes Sortiment grell-signal-töniger Farbeimer. Immerhin werde ich von einem freundlichen Pappschild aufgefordert, nach Abschluß der Renovierungsarbeiten (in etwa drei Monaten!) UNBEDINGT wieder reinzuschauen. Hm - was ICH immer alles so verspreche ... !? Daraufhin erhält eine ‘madegassische Pizzeria’ meinen Zuschlag. Tja - nette Einrichtung - nette Bedienung - & ... nette Preise! Aber egal: Geld spielt keine Rolle! Heute Abend sind mir 16.000 ‘Francs-Malagasy’ (also: gute drei US-Dollar! Oder anders umgerechnet: eine halbe Übernachtung!) für eine wohlschmeckende, große ‘Pizza Anchois’ NICHT zu teuer! Naja - relativ groß ist die Pizza schon ... ... aber auch ein noch-so-nett-zur-Schau-gestelltes Lächeln kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß SIE (die Kellnerin) mir eine FERTIG-TEIG-&-AUCH-SONST-PIZZA-ÜBELSTER-MACHART (‘Straight-From-the-Fridge’) auftischt: Hm - warum muß sowas eigentlich immer mir ... ? Ich besänftige meinen Zorn mit der einzigen Repressalie, die mir zur Verfügung steht - gebe nicht einen einzigen ‘F-Mg’ Trinkgeld (!) & trolle mich IRGENDWIE HUNGRIG (!) zurück in mein gemütliches Mansardenzimmer. Langsam, aber sicher ... nähere ich mich dem Ende meiner ‘Mann-ohne-Eigenschaften’-Afrika-Reiselektüre: die zu Musils Lebzeiten unveröffentlichten Skizzen, Entwürfe & Versuche zum Romanfragment, die ein beeindruckendes Bild vom professionell-organisierten Kompositionsstil des Schriftstellers & dessen akribischer, aber-tausende Details berücksichtigenden Verfolgung des ‘Großen Roman-Plans’ zeichnen ... ... & darüberhinaus eine ganze Reihe verschiedenster, interessanter Prognosen & Deutungsmöglichkeiten zulassen, WIE der unvollendete Roman wohl fortgeführt worden WÄRE, HÄTTE Musil nicht so überraschend früh (& mitten in der Arbeit sich befindend) ‘den Federkiel abgeben MÜSSEN!’ Schließlich begleitet eine letzte ‘Gute-Nacht’-Zigarette mein (nur angedeutetes) Wunsch-GEBET: ‘Man (ER! ... oder doch: SIE?) möge mir doch bitte eine schmerz-freie Weiterführung meiner Afrika-Reise ermöglichen !?’ Dann (früh!) ... ... Licht Aus!
|
|