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Africa 17

ENTTÄUSCHTE HOFFNUNGEN EINES REISENDEN ...
...
IM GRENZGEBIET ZWISCHEN UGANDA & KENYA !
ODER: VON UNSICHTBAREN VULKANEN, VERSPÄTETEN
BUSSEN SOWIE UN-’MÖGLICHEN’ FÄHREN & ZÜGEN !

... in & um Mbale nahe des Mount Elgon (Uganda) ...
sowie weiter nach Kisumu am Lake Victoria (Kenya)

Sonntag, 03. Mai & Montag, 04. Mai 1998

Nach einer ‘Bloody Noiseful Saturday Night’ (die mit unverminderter Lautstärke bis in die frühen Morgenstunden andauert: um Halb Sechs Uhr wird’s auf der Straße lebhaft & vom Fenster meines Zimmers aus, sehe ich eine Menge ausgelassener, junger Leute die umliegenden Diskotheken verlassen) ...
... versuche ich ‘FRÜH in die Gänge zu kommen’.
Um Sieben Uhr eröffne ICH das ‘Coffee Tree Restaurant’ (mich vom Namen des Lokals irreführen lassend: naja - Uganda, das Land, wo der Nescafé auf Bäumen wächst!) & schon gegen Halb Acht Uhr mache ich mich, ausgestattet mit leichtem Wander-Gepäck, auf zum ‘Special Bus-Terminal’ am nordöstlichen Stadtrand.
Von dort sollen regelmäßig (whatever that means ...?) Minibusse Kurs auf die ‘Sipi Falls’ nehmen: einen spektakulären Wasserfall in üppig-grüner Vegetation - etwa 50 Kilometer nördlich von Mbale sich aus den Ausläufern des Mount-Elgon zu Tale stürzend!
Zwar bereitet es mir keinerlei Probleme, den richtigen Minibus ausfindig zu machen. Den ‘Verantwortlichen’ aber bereitet es umso größere Schwierigkeiten, passagewillige Fahrgäste in einer die zügige Abfahrt des Busses rechtfertigenden, ausreichenden Zahl aufzutreiben! Naja - nach nunmehr drei Monaten ‘Reisen in & durch Afrika’ ist mir derlei natürlich nicht mehr fremd ...
... & man dürfte mit Recht an meinem Verstand zweifeln, behauptete ich, daß mich diese Situation WIRKLICH & ERNSTHAFT überrascht !?
Fast zwei Stunden verharren WIR (geduldig wartend!) in der zunehmend brütenden Morgensonne: ICH ...
... rauche - lese Zeitung - schieße ein paar Atmo-Fotos von ‘Echsen im Müll’ sowie ‘Pelikanen hoch oben im Baum’ (EHRLICH!) - & ... revidiere schließlich in geradezu linearer Abhängigkeit zur sinn- & nutzlos verstreichenden Zeit MEHRFACH mein geplantes Tages-Programm. Der letztlich letzt-gültige Stand meiner Überlegungen sieht vor, den ‘Nature Walk Around the Forest-Exploration Centre of Mount Elgon’ getrost ...
... zu VERGESSEN!
Denn: Etwa zwei Stunden dauert die Busfahrt bis Sipi. Der von hier aus zu bewältigende Fußmarsch zum ‘Centre’ (durch unwegsames Waldgelände & über kaum gekennzeichnete ‘Trails’) nimmt mindestens eine weitere Stunde in Anspruch & ...
... DANN (erst) soll’s losgehen!
Der kürzeste (vom ‘Centre’ aus durch den umliegenden Berg-Dschungel führende) Rundweg beträgt zwölf extrem auf-&-ab-führende Kilometer (was einer pausen-losen Wanderung von etwa vier Stunden entspricht). Vernachlässigt man schließlich für die Retour-Strecke die nicht unwahrscheinliche Gefahr, daß ich (nach Einbruch der Dunkelheit!) vergeblich nach einem Mbale-Minibus Ausschau halten werde ...
... so wäre ich (liefe ansonsten alles PROBLEMLOS ab) NICHT VOR Neun Uhr am Abend zurück in meinem Heimat-Domizil.
Hm - und was können wir daraus lernen ...?
Naja - ganz einfach: Man darf sich eben nicht (ohne Not) in enge Terminpläne begeben, wenn man auf ‘Reliably Unreliable East-African Local Transportation’ angewiesen ist!
Also beschließe ich (was bleibt mir übrig?) ...
... einen relaxten Natur-Nachmittag im ‘waldig-wuchernden Wild-Wuchs westlich der woluminösen & wildschäumenden Wasserfälle’ zu verbringen ... & lehne mich (weil jeglichen Termindrucks AUGENBLICKLICH ledig) ENTSPANNT zurück.
Um Zehn Uhr IST’S VOLLBRACHT:
Der Bus setzt sich in Bewegung - vollführt eine raumgreifende Kehre & steuert die auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindliche Tankstelle an ...
... wo der Busfahrer das von seinen Fahrgästen entrichtete Beförderungsentgelt in Treibstoff investiert & das in den vier erbärmlich-schlaffen Reifen seines Busses sich verlierende Luft-Unvolumen (einzeln, nacheinander, eigenhändig & ‘sich alle Zeit der Welt lassend’) um MEHRERE Dutzend ‘Atmosphären-Überdruck’ erhöht.
Was übrigens (wie sich sehr bald herausstellen wird) auch BITTER NÖTIG ist!
Die ersten zwanzig Kilometer führen über eine glatt asphaltierte, allerdings recht schmale Straße. Mehrmals müssen unter diesem Umstand (wieder einmal) ‘meine Freunde: die Fahrradfahrer’ leiden, die von den mit Maximalgeschwindigkeit dahin-walzenden Bussen unbarmherzig (naja, immerhin LAUT ‘Vorsicht!-Jetzt-komme-ich!’ hupend) von der Fahrbahn auf die unebenen Sand- & Geröll-Standspuren neben der Straße gescheucht werden.
Erst gestern mußte ich (während der Fahrt von Kampala nach Mbale) mit ansehen, wie sich ein (Gott-sei-Dank: junger!) Fahrradfahrer nur durch einen tollkühnen Satz nach vorne & ÜBER seinen Lenker (!) in Sicherheit bringen konnte! Und ALLE, die gefährliche Situation beobachtenden Insassen unseres Busses jauchzten BREIT LACHEND auf & schlugen sich vergnügt auf die Schenkel!
ALLE - bis auf einen (DEN) Touri ...
... der mit natürlich von NIEMANDEM wahrgenommener, toten-starrer Gesichts-Maske (gleichermaßen wütend wie hilflos) nur den Kopf schütteln konnte:
‘UN-BE-LIE-VA-BLE !!!’
Als wir die Ausläufer des Mount Elgon erreichen, ist’s (augenblicklich!) mit der ‘Asphalt-Herrlichkeit’ vorbei: Eine schmale & schlagloch-gespickte Geröllpiste windet sich in weitausholenden Serpentinen die von nahem betrachtet doch recht schroffen Hänge hinauf. Die vom Bus zu bewältigenden Steigungen sind phasenweise EXTREM STEIL, was vornehmlich die Rückfahrt ...
... aber: ich will nicht vorgreifen!
Unser ‘Nissan’ erhält kaum mehr Gelegenheit, zu beweisen, daß er eigentlich ein ‘spritziger Sprinter’ ist (hm - wenn er sich nicht gerade im ersten Gang abquälen muß).
Nach einer halben Kletter-Stunde ist das erste Plateau erklommen:
- wir brausen über die rotbraune Lehmpiste durch üppige & grüne Natur-Vegetation, - um die vereinzelt sich an die Straße schmiegenden, kleinen Siedlungen (runde ‘Ein-Raum-Hütten’ mit Lehmwänden & Strohdächern) herum, wird das von der Natur ‘mit so leichter Hand komponierte’ (& doch einem großen Plan folgende ...?) Flora-Chaos durch unübersehbar ‘von Menschenhand erdachte’, streng-geometrischen Regeln gehorchende Bananen- & Mais-Felder abgelöst,
- die spärlich sich zeigende (weil rar sich machende?) einheimisch-ugandische Landbevölkerung genießt augenscheinlich den Sonntag sowie den ‘schier unermeßlichen Vorrat an (zur freien Verfügung stehender) ZEIT!’
WIR aber haben NATÜRLICH KEINE Zeit ...
... äh ... ‘uns Zeit zu nehmen’ (NOCH nicht)!
In sanften & harmonisch sich abwechselnden ‘Up-&-Down’-Schwüngen gleiten wir (der Bus atmet hörbar auf!) & die zum Natur-Grün malerisch kontrastierende, erd-farbene Piste auf den zwar entfernten, aber doch schon in Sichtweite sich präsentierenden, zweiten Berganstieg zu. Noch ist allerdings (& das bleibt heute auch so!) vom 4.321 Meter hohen ‘Wagagai-Peak’ ebensowenig zu sehen wie von der ‘Caldera’ (dem gigantischen Kraterrand des ‘kollabierten Vulkans’).
Der nächste (& ähnlich dramatische ... wie der erste) Anstieg hinauf auf das zweite Mount-Elgon-Plateau, nimmt eine weitere, gute halbe ‘Kraxel’-Stunde in Anspruch. Zwar verspreche ich mir (noch) vom Aufstieg ‘den befreienden, grenzen- & horizontlosen Rund-um-Blick’ ...
... als wir jedoch (schließlich) die Hochebene auf etwa 1.700 Höhenmetern erklommen haben, türmt sich (vor uns) NUR die nächste Bergkette mit senkrecht in grünes Dickicht abstürzenden Steilfelsen!
Und über diese ‘abstürzenden Brief- ... äh ... Steilfelsen’ STÜRZT sich ...
Naja: ‘stürzt’ ist vielleicht etwas übertrieben!
Hm - eigentlich hatte ich mir die ‘Sipi Falls’ URGEWALTIGER ausgemalt:
Ein maximal zehn Meter breiter, ‘recht gezügelt daherkommender’ Flußlauf erreicht einen Felsvorsprung & ... ergießt sich von dort (Schwupp-Di-Wupp!) schätzungsweise fünfzig Höhenmeter vertikal in die Tiefe.
Der Wasserfall löst bei mir ... weder Assoziationen an ‘rücksichtslos-brachiale Naturgewalt’ aus, ... noch zeugen ohrenbetäubendes Donnern & Dröhnen von ungebändigten Wassermassen. Und das, obschon NUN (während der Regenzeit!) die Kaskaden EIGENTLICH ihren maximalen Wasserstand haben (müßten ...?).
Naja - halt ein ‘netter Wasserfall’!
Anyway ...
Da ich nun mal hier bin & den (für den Bus!) beschwerlichen Aufstieg auf mich (äh ... uns!) genommen habe, entsteige ich am Hinweisschild zum ‘Sipi Falls Resort’ dem schon im nächsten Moment in nördlicher Richtung weiterbrausenden Minibus.
Nach kurzem Zögern zahle ich schließlich DOCH die (für NIX!) geforderten 2.000 Uganda-Shilling ‘Resort-Entrance-Fee’. Anschließend darf ich mich in der privaten (allerdings kommerziellen!) Anlage frei bewegen & ...
... von hier aus (zugegeben: SEHR atmosphärische ‘Hanglage’!) den Wasserfall, die diesen einbettende, vornehmlich (noch!) grüne Gebirgslandschaft sowie einen WEITEN Panorama-Ausblick ins Tal geniessen.
Hm - ‘IRGENDWO da unten’ (in der spiegel-glatten Ebene) muß Mbale sein ... !?
Ausgerüstet mit einer eiskalten Cola, flegle ich mich auf der Aussichts-Terrasse in einen bequemen Korbsessel & ATME die landschaftliche Schönheit der näheren Gebirgs-Region (abwechselnd ... die frische Bergluft sowie ... nikotin-durchsetzten Zigaretten-Rauch in mich hineinsaugend: beides übrigens gleichermaßen gierig!).
Allzuviel Zeit ist mir für diese (durchaus sonntäglich-adäquate, wie ich meine!) Vollzeit-Beschäftigung allerdings nicht gegönnt. Dunkle (bis pechschwarze) Wolken bedecken immer größere Flächen des vormals herrlich-blauen Himmels. Ich beeile mich daher wenigstens eine Handvoll Natur- & Landschaftsaufnahmen zu schießen.
DANN setzt der (erste!) große Regen ein & ...
... ich mich (mit meinem Sessel) unter das schützende Terrassen-Dach.
Tja - und während der folgenden (gefühlte zwei Wochen dauernden!) Stunde sind meine einzigen, mich IRGENDWANN dann doch nicht mehr GANZ SO ausfüllenden Beschäftigungen:
- die Beobachtung der ständig sich erneuernden, keine nennenswerte Regenpause gestattenden Wolken,
- sowie die Betrachtung der (hm - bei diesem miesen Wetter allerdings dramatisch an Attraktivität einbüßenden) ‘sonstigen’ Natur!
Zwischenzeitlich gesellt sich ein knappes Dutzend ‘Resort’-Gäste auf die Terrasse.
Ich verquatsche die ‘tote’ Zeit mit einem jungen holländischen Pärchen:
Cees & Mareike, die in ihren vor Schmutz starrenden Trekking-Klamotten am Nebentisch Platz genommen haben & aussehen, als wären sie gerade von einer mehrwöchigen ‘Mount-Elgon-Gipfelstürmer-Tour’ zurückgekehrt.
Ebenso wie ich scheinen die beiden auf etwas zu warten: während ich aber auf das Ende des Regengusses warte (& damit auf den Beginn ‘meines ganz persönlichen Abstiegs’), harren die beiden ‘Muddy Dutch(wo)men’ auf ein Zeichen des ‘Boys’, der sich um die vorbestellte Dusche (oder genauer: die Präparation des heißen Wassers!) kümmert.
Kurz darauf erfüllen sich (unabhängig voneinander zwar, aber zeitgleich!) beide Entscheidungs-Kriterien: ‘Rain-Stop (for Me) & Hot Water (for Them)’ ...
... wir verabschieden uns & gehen unsrer (unterschiedlichen ...?) Wege.
Zwar hat der Himmel seine Schleusen geschlossen - aber für wie lange?
Ich stampfe über die knöcheltief-morastige, rotbraune Fahrpiste talwärts. Natürlich habe ich nicht vor, die siebzig Kilometer bis hinunter nach Mbale zu Fuß zurückzulegen. Da ich aber eh auf einen in meine Richtung fahrenden Bus hoffen (!) MUSS ...
... kann ich dies auch marschierend tun (also: hoffen!) - ODER?
Eine halbe Stunde schlittere ich (NOCH zuversichtlich!) die ‘Sommer-Rodelbahn’ entlang. Zwar sichte ich kein einziges den Berg abwärts ... äh ... ‘gleitendes’ Matatu, aber die freundlichen, einheimischen Bergbewohner beruhigen mich & meine aufkommende Nervosität: ‘There Are PLENTY of them! So Don’t Worry!’
Naja - bei trockener Piste mag ja hier ein Verkehr wie auf der ‘Kölner Nord-Süd-Fahrt’ (während der ‘Rush-Hour’) herrschen ...
... aber bei DIESEM Seifenbelag & DEM Gefälle hat’s jedes Fahrzeug VERDAMMT SCHWER! Da auch die nächste graue Wolkenwand (bedrohlich an Umfang & Dichte zunehmend) nicht lange auf sich warten läßt, darf ich mich VERDAMMT GLÜCKLICH schätzen ...
... als plötzlich ein talwärts rutschender ‘4WD-Toyota-Geländewagen’ (bedenklich schlingernd zwar, aber) neben mir zum Stehen kommt ... & mich eine freundliche Stimme (mit unverkennbar HOLLÄNDISCHEM Akzent) fragt:
‘You Wönna Go with Ös ... ?!?’
Cees & Mareike fahren zurück nach Kampala & ...
... der Weg dorthin führt unweigerlich über Mbale - also:
‘SURE - And IF I Want!’ (äh ... oder so ähnlich).
Der nagelneue Super-Schlitten, den sich Cees erst vor einer Woche gekauft hat (obwohl er in Kampala für die ‘Vereinten Nationen’ arbeitet & ... ‘die doch so hunds-miserabel schlechte Gehälter zahlen! Stimmt’s, Herr Töpfer?’) ist SCHON weit bequemer als die üblicherweise ‘mit Menschen bis knapp unter die Zierleisten vollgestopften Public Busses’.
Ich lasse mich mit einem breiten Lächeln auf meinem Gesicht in die weichen Polster des (noch breiteren!) ‘Geländewagen-Rücksitz-Diwans’ sinken & ...
... aber bis Mbale liegt noch ein hartes Stück ARBEIT vor UNS!
Durch den heftigen Dauerregen hat sich die Piste in eine nahezu unbefahrbare Moto-Cross-Strecke verwandelt & während der folgenden drei Stunden erleben wir ein ums andere Mal ‘eigenwilligste Auto-Ballett-Darbietungen der unterschiedlichsten Fahrzeug-Typen’ ...
... die jedoch (reduziert / abstrahiert man die kunstvoll ausgeführten ‘profil-losen-Reifen-Außenkanten-Pirouetten’ & die filigran choreografierten ‘Schlitter-Rutsch-Hüpf-Schritt-Ohne-Tempo-Kombinationen’ auf das WESENTLICHE!) nur zwei Basis-Kür-Typen erkennen lassen:
... ENTWEDER (nennen wir sie die ‘aktive Passiv-Variante’) vollkommen manövrier-unfähig, aber die gesamte Breite der ehemaligen ‘Straße’ Zentimeter für Zentimeter ungewollt vermessend & durch die Gegend RUTSCHEND (die Fahrer-Gesichter übrigens ausnahmslos durch verkrampfte bis ängstliche Mienen entstellt! Naja - in den steileren Serpentinen-Teilstücken geht’s schon mal unmittelbar neben der nicht-vorhandenen Fahrbahnbegrenzung locker ein paar Hundert Höhenmeter vertikal hinunter in den schwer atmenden, dampfenden Abgrund),
... ODER (mit ‘passive Passiv-Variante’ wohl am zutreffendsten ... oder genauer: deprimierendsten beschrieben) mitten auf, am Rand oder neben der Straße (halt da wo Platz ist!) mit tief im Schlamm verborgenen, aber unvermindert weiterhin qualmend, kreischend & stinkend ‘arbeitenden’ & sich derart unweigerlich immer näher Richtung Erd-Mittelpunkt grabenden Reifen (der Fahrer dies zwar noch nicht wahrhaben wollend, für den neutralen Beobachter aber doch eindeutig erkennbar) FESTSITZEND.
UNS ABER ...
... können derlei ‘skurrile Slapstick-Szenarien’ (aber auch) IN KEINSTER WEISE beunruhigen: Denn Cees hat in seiner holländischen Heimat (genau: DEM anerkannten El Dorado der ‘Off-Road-&-Mountain-Driving’-Spezialisten) ebenso weitsichtig (wie sich heute beweist!) wie erfolgreich an einem einwöchigen ‘4WD-Crash-Kurs’ teilgenommen ... & WIR legen unser Schicksal voller Vertrauen in seine bewährten ‘Rallye-Gold-Händchen’.
Mareike dokumentiert dieses (ihr grenzenloses Vertrauen!) auf eindrucksvolle Weise, indem SIE nach einer halben Stunde (zu ‘Herman-Van-Veen’-Chansons aus dem Bord-Cassettenrecorder) einfach WEGKNACKT.
Hm - ich will nicht darüber nachgrübeln MÜSSEN, was es mit dem Terminus ‘Crash’ im Titel seines Lehrganges auf sich hat ...
... & verwickle daher Cees in ein langes Gespräch, in dessen Verlauf wir uns (gegen- & wechselseitig) ‘unser Leben’ erzählen:
Cees hat nach dem Abitur zwei Jahre in Tanzania gelebt & seither (wie er es ausdrückt) ein Faible für Ost-Afrika. Nach dem Abschluß seines wirtschafts-wissenschaftlichen Hochschulstudiums (vor einem Jahr) hat er sich für das ‘United Nations Developement Programme’ beworben & einen Zwei-Jahres-Vertrag für ein Projekt in Uganda erhalten.
Seit seinem Tanzania-Aufenthalt spricht er fließend ‘Suaheli’ ...
... was in Uganda aber nicht UNBEDINGT von Vorteil sein MUSS!
Zwar spricht jeder Ugandi neben seinem regionalen Dialekt auch ‘Suaheli’, zur ersten Pflichtsprache erhoben wurde die ‘Interlingua’ jedoch von Idi Amin ... & seither gilt sie bei der Bevölkerung als ‘die Sprache der Militärs’: und ist (‘Surprise!’) daher nicht gerade beliebt!
Cees hat die Konsequenzen aus ‘anfänglich-unerklärlichen Verständigungs-Problemen’ mit seinen ugandischen Kollegen gezogen & ... lernt nun ‘Luganda’, den vorkolonialen Dialekt der Ureinwohner im weiteren Umkreis Kampalas (sprich: dem Gebiet des ‘alten Königreiches Buganda’).
Er bezeichnet sein Engagement bei den UN als ‘gutbezahlte Zusatz-Ausbildung’ ...
(äh ... nochmal: ‘Wie, Herr Töpfer? GUT bezahlt?’) ...
... & möchte daher den Zwei-Jahres-Vertrag erfüllen. Dann aber will er die ‘Vereinten Nationen’ verlassen & in eine privatwirtschaftlich organisierte Hilfs-Institution wechseln. Denn:
... nach nur drei Monaten ist Cees, ob der ‘Inefficiency & Bureaucracy’ des weltbehördlichen Riesen-Apparates schon über die Maßen GEFRUSTET ... & er kann sich (niederländisch-un-typisch!?) über einige besonders haarsträubende Kostproben aus seinem reichen Erfahrungsschatz IMMER NOCH richtiggehend ereifern!
Die Unterhaltung ist kurzweilig & wird nur in Ausnahmefällen kurz unterbrochen ...
... dann nämlich, wenn WIR die optimale Bergroute durch die schlimmsten, dramatischsten (& teils schon auch gefährlichen!) Gefälle-Abschnitte diskutieren:
‘Tja, Fritz - wie behauptest Du noch gleich immer so treffend (wenn auch in anderem Zusammenhang) - Man muß den Schlamm LESEN können! GELL !?’
Als wir schließlich (& glücklich!) das Talniveau erreicht haben ...
... begibt sich auch ‘Lazy Mareike’ wieder BEWUSST unter die Lebenden. Und während SIE uns mit ‘authentisch-afrikanischem Volksliedgut aus der Plagiats-(Enten-)Feder eines Paul Simon’ versorgt ...
... rekapitulieren WIR (MEGA-COOL!) die ‘von IHR einfach verschlafenen, lebens-gefährlichen Situationen der (GOTT-SEI-DANK !!! hinter uns liegenden) letzten, beiden Schlitter-Stunden’:
Cees malt meine Steilvorlagen in den schillerndsten Farben aus ...
... etwa den ‘Autoreifen auf abschüssiger, nicht mehr zu kontrollierender Strecke - in der Luft - um Handbreite über den gähnenden Steil-Abhang hinaus fliegend - gleichermaßen glücklicher- wie eigentlich unerwarteter-weise aber dennoch - IRGENDWIE? (MEIN GOTT!) ...’
... & ist sogar in der Lage, die von UNS BEIDEN spontan, simultan & zweisprachig gen wolken-verhangenem Himmel geschickten, FINALEN STOSSGEBETE wort-getreu wiederzugeben!
Kurz - wir überbieten uns, jeder vom anderen angestachelt (gegenseitig) in der zwar nicht olympischen, von UNS aber zweifelsfrei auf olympischem Niveau präsentierten Disziplin: ‘GESCHICHTEN-ERZÄHLEN - leicht gemacht!
... äh ... durch (falsch verstandene & angewandte) kreative Phantasie!’
Mareike reagiert auf jede neue Wendung unseres ‘Suspense’-Dialogs fassungslos & EHRLICH SCHOCKIERT! Hm - sich allerdings auf einen SCHOCKIEREND begrenzten Wortschatz beschränkend ...
... & das einzige Wort, das auszusprechen sie (in ihrer offensichtlich aufgewühlten Gemütsverfassung) noch fähig ist, ein ums andere Mal ATEMLOS hervorpressend:
‘REALLY ... ???’
Naja - bis Cees (dieses ‘holländische Weich-Ei’) nicht mehr an sich halten kann & Mareike anvertraut, ‘daß wir ein WENIG übertrieben haben’ !?!
Über die letzten (glatt-asphaltierten) 25 Kilometer bis Mbale ‘FLIEGEN wir nur so dahin’ ... & drängen JEDEN der uns in die Quere kommenden Fahrradfahrer in den mehr als verdienten Straßengraben:
‘Cees! Look at These Stupid Fiets-Guys!
WOW! Bloody Funny, how they Tumble Around!
Hm ... SO BLOODY !!!’
Wobei ich mir (meine dröhnende Lache triumphierend erklingen lassend: naja - wie es halt so meine Art ist!) auf die erregten Schenkel klopfe & ... mich weit aus dem Fenster herauslehnend, zu guter Letzt noch spöttisch über die reglosen, gräßlich entstellten & blutverschmierten Leiber der ...
‘REALLY ... ???’
‘Nein - ihr gutgläubigen Mareikes, ihr! Das war doch nur Spaß!’
Am zentralen ‘Clock-Tower’ in Mbale verabschieden wir uns herzlich. Ich bedanke mich für den ‘Lift’ & beschreibe den ‘sich bekennend Hungrigen’ noch den Weg zum besten & teuersten Restaurant der Stadt, das sich (natürlich!) im ‘Hotel Mount Elgon’ befindet. Obwohl ...
... allerletzte (versprochen!) Anfrage an meinen Ex-Bau- & Hopp-Umweltminister:
‘Herr Töpfer - kann sich eine knapp unterhalb des Existenz-Minimums dahin-vegetierende & auch-sonst-mittellose UN-Socke den Besuch eines solchen Gourmet-Tempels überhaupt LEISTEN ...?’
ICH (jedenfalls!) ... muß mit dem billigen ‘Coffee-Tree-Restaurant’ vorlieb nehmen & gönne mir (I’m Hungry as a Bull-Dog!) in dessen unverkrampfter Atmosphäre ein, MEINE kulinarischen Ansprüche voll befriedigendes (& für meine asketischen ‘Ess-Gewohnheiten auf Reisen’ schon RECHT oppulentes!) Abendmahl:
Ein delikates Fisch-Ragout in heller (sowohl scharf als auch exotisch gewürzter) Erdnußsauce, dazu ‘Matooke & Chapatis’ sowie ...
... ein ‘großes, kühles ... nein: eher ... Brünettes’!
Obwohl ich heute KAUM eine nennenswerte körperliche Anstrengung (nicht nur nicht gescheut, sondern darüberhinaus auch nicht) unternommen habe ... fühle ich mich RECHTSCHAFFEN MÜDE & gönne mir ‘A Couple of Relaxing Hours’ - auf meinem bequemen Bett - in meinem gemütlichen Zimmer - über dem alles andere als ruhigen (weil schon wieder: BRÜLLEND-LAUTEN!) Stadt-Zentrum Mbales:
Lesen ... Rauchen ... ein wenig Tagebuch (-pflichten) ... Dösen ... mehrere eiskalte Duschen (zum Zeitvertreib & ‘auch sonst’) ...
... schließlich Planung der bevorstehenden, letzten Tage bis zu meinem absehbaren ‘Aeroplane-Take-Off’ mit dem finalen Afrika-Reiseziel ‘Antana-nananana-nana ...’
Nach Neun Uhr sehr späte(s) ‘Warm Beer & Cold ... Diner’ in einer einfachen, unter baurechtlichen Gesichtspunkten unvertretbar über-füllten ‘Einheimischen-Speisung umme Ecke’. Und schon gegen Zehn Uhr versuche ich ...
... aber DAS ist ABSOLUT ILLUSORISCH:
Heute tut sich vornehmlich das ‘Village Resort’ benannte Jugend- & Begegnungs-Zentrum (schräg gegenüber meines Hotels) AKKUSTISCH hervor ... & KNÜPPELT in trommelfell-atomisierender Lautstärke originale ‘Reggae-Smash-Hammer-Hits’, die vermittels unterlegter Techno-Rhythmen sowie verbindend-unverbindlicher Live-Sprechgesänge des diensthabenden DJ’s zu einem weit über die musikalische wie auch körperliche Schmerzgrenze (hm - jedenfalls die MEINE!) hinausgehenden, zehn-stündigen Non-Stop-Einheitsbrei vergewaltigt werden!
ICH lese tapfer SO LANGE ‘meinen Musil’ (was bei dieser akkustischen ‘Über’-Malung nicht gerade einfache Lektüre ist), bis mir meine druckerfarbe-geschwärzten Augen vor Altersschwäche zufallen!
Dann robbe ich unters Moskitonetz - RAUCHE (noch eine gute halbe Schachtel Zigaretten) - UND, naja ...
... ‘but in the LATE & VERY FINAL!’ ...

... Heute steht eine relativ kurze (naja - jedenfalls entfernungsmäßig!) Reise-Etappe auf meinem Programm: Über die nahe Grenze & bis exakt ans kenyanische Ufer des Victoria-Sees!
Mein ‘Base-Camp’ werde ich in der nach Nairobi & Mombasa drittgrößten Stadt Kenyas, in Kisumu errichten - in jener Stadt, die für den Westen Kenyas ökonomisch zwar extrem wichtig ist, vornehmlich aber von ihrem kolonialen (mittlerweile jedoch zunehmend verrottenden) Glanz zehrt & (zugegeben: der WAHRE Grund (!) meiner bewußten & rückhaltlos bejahenden Entscheidung für Kisumu ...
... die unter ganzjähriger, hirnmasse-verflüssigend-brutaler Hitze sowie einer kaum mehr steigerungsfähigen, extremen Anopheles-Verseuchung leidet.
Hm - ich WILL mich mal wieder SPÜREN!
Ich lasse mir Zeit! Der dröhnende Musikmüll ‘von gegenüber’ hat meine eh schon unterbrechungsreiche Gesamt-Schlafdauer noch durch einige zusätzliche ‘Interrupts’ verkürzt & so gönne ich mir den Luxus, ‘gaaanz laaang-saaam aus dem Schattenreich des dumpfen Unterbewußten in die hell-lichten Spären des lebenslustigen, neugierigen & an ALLEM interessierten ...’
Na - nun übertreib’ mal nicht ...
... & bleib’ auf dem Teppich !!!
Frühstück im ‘Coffee-Tree-Restaurant’. Richard (der sehr nette, junge Kellner) beantwortet meine Nachfrage mit dem spontanen Angebot mich zum ‘Grenz’-Bus zu geleiten. Also: zurück ins Hotel - Packen & Auschecken - dann marschieren wir gemeinsam zum am westlichen Stadtrand sich versteckenden Busbahnhof.
Richard instruiert mich noch knapp, ‘keinesfalls mehr als 2.000 Uganda-Shillinge für das Ticket zu bezahlen!’ Aber das Mißtrauen gegenüber seinen geschäftstüchtigen Landsleuten erweist sich als unbegründet & ich habe keinerlei Probleme ...
Bis zur Abfahrt des Busses bleibt uns Zeit für einen kurzen Plausch. Er träumt davon, ins ‘gelobte (Deutsch-) Land’ auszuwandern - wie vermutlich jeder junge Ostafrikaner. Seine Träume haben allerdings schon ein recht konkretes Planungs- Stadium erreicht! Sobald er alle ‘A-&-O-Level’ beisammen hat, die ihn zum Besuch einer deutschen Universität berechtigen, soll er einem Freund nach ‘Good Old Germany’ folgen ...
... & gerade so, als müsse er den Wahrheitsgehalt seiner Aussage untermauern, zeigt mir Richard die in seinem kleinen Notizbuch vermerkte Adresse & Telefonnummer dieses Freundes: Köln-Mülheim (‘Schäl Sick’ ... genau wie ich!) sowie ein mir zwar nichts sagender Straßenname, gefolgt allerdings von einem unzweifelhaft kölschen Telefonanschluß (0049 - 221 - ....).
‘Tja - Signore Galileo! Die Welt ist nicht nur bunt (?) ...
... sondern auch KLEIN!
Eine knappe Stunde dauert die Fahrt mit dem Minibus zur ugandisch-kenyanischen Grenzstadt Malaba. Als wir (‘on the way ...!’) die heißen Straßen Tororos hinauf- & hinunterkreuzen, versuche ich aus dem fahrenden Bus heraus den fotogenen, weil dramatischen ‘Tororo-Hill Beyond the City’ abzulichten ...
... aber der Busfahrer-’Idiot’ will sich (‘ums Verrecken’) nicht an meine laut vor mich hin gedachten Fahranweisungen halten ... & so warte ich mal wieder vergeblich auf die ‘optimale Perspektiv-Position’ (Shit!) ...
... & spare Filmmaterial (Yippiiee!).
Vom Busbahnhof in ‘Malaba-Town’ führt mich ein langer Fußmarsch durch eine bedrückend-ärmlich wirkende Wellblech- & Bretter-Hüttensiedlung zur Grenz-Kontrollstation. Unterwegs tausche ich meine restlichen Shilling in Shilling (also: ‘You’ in ‘Kay’). Das Einholen des ugandischen Ausreisestempels (‘Hope you will visit Uganda Again! Have a Nice Trip!’ Hm - ob die Zöllner während Idi A.’s Herrschaft wohl auch so freundlich waren?) sowie der kenyanischen Einreise-Erlaubnis nimmt insgesamt nicht einmal eine Viertelstunde in Anspruch ...
... & zwar inklusive des einen guten & schweiß-treibenden Kilometer messenden Fußmarsches zwischen den beiden Grenz-Stationen:
Tja - ‘Easy-Going & Straight-Forward East-Africa!’
Die Szenerie auf kenyanischer Seite der Grenze gleicht der in Uganda aufs Haar:
- nur um Nuancen weniger ärmlich erscheinende Verkaufs-Hütten & -Stände aus Wellblech, ‘Krumm’-Holz & EIGENTLICH in den Recyclingkreis gehörenden Kunststoff-Resten,
- geschäftig-hektische Grenzstadt-Atmosphäre,
- sowie ... ‘A Whole Lot of Busy Smuggling’.
Ein mitreisender Kenyaner bedeutet mir augenzwinkernd, daß es sich bei den von GrenzgängerInnen jeglichen Alters offen durchgeführten (& von der Polizei weitgehend geduldeten) ‘Transaktionen’ nicht NUR um die legale Variante des ‘Abholens einer vollen Tankfüllung in Kenya’ handelt (wo das Benzin zum halben Uganda-Preis zu haben ist) ...
... sondern daß hier ‘von JEDEM einfach ALLES’ geschmuggelt wird !?
Nach einer viertelstündigen Wanderung kenya-einwärts, gabelt sich die einzige, von der Grenzstation ins kenyanische Hinterland führende Straße & HIER, an diesem Verkehrsknotenpunkt erfahre ich ... EINE MENGE (nämlich):
- daß es keinen Direktbus nach Kisumu gibt,
- daß ich mir wohl oder übel zunächst einen Bus zur zweiten (& schon erlebten!) west-ugandischen Grenzstadt Busia suchen muß, was keine leichte Übung sein wird (da kaum ein Fahrzeug ...),
- daß ich jedoch in Busia PROBLEMLOS (Hm - mal sehen!?) einen Anschluß-Bus nach Kisumu erwischen werde,
UND weiterhin: daß die mich-so-einladend anlachende, breite & asphaltierte Straße nach Eldoret & von dort weiter Richtung Nakuru verläuft (‘So ein Pech!’) ...
... daß hingegen die nach rechts abzweigende ‘lückenlose Aneinanderreihung ÜBELSTER Schlagloch-Krater’ - genau: ... MEINE Straße ist!
Na - das kann ja heiter werden ...
... UFF!
Zwar wartet an der mir gewiesenen Haltestelle ein abfahrbereiter Minibus, dieser ist aber bereits PROPPENVOLL! Nach kurzem Zögern WEIGERE ich mich (schlichtweg!), mich von den ‘Hand an mich (das Gepäckstück!) legen wollenden’ Helfern des Fahrers in die sichtlich aus ihren Blechnähten platzende Sardinenbüchse hinein quetschen zu lassen (was bei meinen ‘Beglückern’ natürlich völliges Unverständnis auslöst!) ...
... bewaffne mich stattdessen mit einem schwarzen, klebrig-süßen Erfrischungs-getränk (eines bekannten ‘Global Players’ aus ... richtig: Atlanta - Georgia) & nehme trinkend, paffend & die Szenerie beobachtend am Straßenrand Platz:
‘TAKE A BREAK !!!’
Unmittelbar neben mir hockt ein älterer Mann, der peinlichst darauf bedacht ist, seinen ‘guten Anzug’ im staubigen Straßengraben nicht allzusehr zu verunreinigen. Auch er will nach Busia. Freundlich & bereitwillig gibt er mir Auskunft über den Zustand der Straße, den Fahrpreis sowie die unterschiedlichen Beförderungs-möglichkeiten: Und JUST in dem Moment, da er ausholen will, das Thema ‘Private Transportation’ zu referieren ...
... biegt ein uralter, klappriger, aber offensichtlich sehr geräumiger PKW in unsere staubige Gasse ein!
Der Fahrer (natürlich Anzugträger!) parkt seine Limousine exakt vor unseren lang ausgestreckten Beinen, entsteigt gemächlichen Tempos seiner Karosse & bietet mit unaufgeregter Stimme den Um-Stehenden & -Sitzenden einen, nein: ... DEN ‘super-komfortablen Non-Stop-Busia-Lift für NUR 80 Kenya-Shilling pro Person’ an.
Mein ‘neuer, alter Freund’ bedeutet mir (‘non-verbal’), daß der Fahrpreis okay ist. Schnell sind zwei weitere Fahrwillige gefunden - wir verstauen unser Gepäck im riesigen Kofferraum & ... LOS GEHT’S!
Zwar ist die Piste nicht asphaltiert, dennoch aber erweist sie sich (entgegen meinen ersten Befürchtungen) als relativ gut befahrbar: Sandig-weich führt sie durch spiegelebenes Terrain & ... provoziert unseren privaten Taxifahrer (geradezu zwangsläufig), seiner erbärmlich scheppernden RAPPELKISTE ‘das ALLER-Letzte’ abzuverlangen.
Die ugandischen Wagen-Insassen diskutieren währenddessen LEBHAFT das Wetter der letzten Tage - dies (wie sich schnell zeigen wird) übrigens nicht NUR um die Stille im Auto zu vertreiben, sondern mit GUTEM GRUND!
DENN die starken Regengüsse der vergangenen Tage haben ein etwa auf halber Strecke nach Busia üblicherweise unbemerkt vor sich hinglucksendes & -tröpfelndes Bächlein DERART ANSCHWELLEN LASSEN ...
... daß die genaue Lage der (‘durchaus vorhandenen!’ ... wir mir versichert wird) Steinbrücke UNTER der breiten, sich see-ähnlich präsentierenden, aber von einer sichtlich starken Strömung irritierten Wasseroberfläche ...
... schlicht nicht mehr erkennbar ist!
Hm - & was nun ...?
‘But: Don’t Forget - THIS Is Africa!’
Aus der Schar der beschäftigungslosen Jugendlichen (des nächstgelegenen Dorfes), hat sich in Windeseile ein lautstark seine Exklusivrechte proklamierendes ‘Kenyanisch-Technisches Hilfswerk’ infra-strukturiert: Und ... durch einen individuell an den Abmessungen des jeweiligen Fahrzeug-Typs angepaßten, maßgeschneiderten Begleit-Trupp wird ein sicheres ‘Über-Holen’ ans andere Flußufer bewerkstelligt!
Natürlich mit ‘Ankommens-Garantie’ ...
... wie uns der eloquente Wort- & Preis-Verhandlungs-Führer versichert!
Der Fährpreis ist schnell ausgehandelt. Obschon ... MEINE Anwesenheit kurzzeitig überzogene Begehrlichkeiten beim Gegenüber unseres verhandelnden Fahrers weckt (vielstimmiges ‘Mzungu! Mzungu!’ - sprich: Europäer!) ...
... worauf unser Fahrer mich jedoch kurzerhand als ‘Armen (Bettel-) Studenten’ diskreditiert, was den gewünschten Effekt nicht verfehlt: Denn augenblicklich drohe ich von einer aus allen Himmelsrichtungen gleichzeitig anrollenden ‘Welle des wahrhaftigen, ernstgemeinten & mitfühlenden Mitleids’ schier ERDRÜCKT zu werden.
Naja - MIR (UNS) soll’s recht sein ...!?
Unser Fahrer wird aufgefordert, den Motor seines ‘Oldtimers’ ABZUWÜRGEN. Dann postiert sich (‘Six! Just Siiiix!’) unsere Geleit-Mannschaft an den strategisch wichtigen, neuralgischen (?) Punkten der Fahrzeugkarosserie ...
... & schiebt, drückt & zieht den schweren, manövrier-unfähigen Blechkasten durch die doch überraschend tiefen & verdammt kraftvoll uns kreuzenden (& an uns zerrenden) naturgewaltigen Wassermassen !!!
Nach nur zehn ‘Fluß-Metern’ (oder: 0,005 Seemeilen!) zeigen sich erste, feuchte Flecken neben meinen Füßen: Nein - KEIN Fuß-Schweiß ...
In Sekundenschnelle dringt scheinbar unaufhaltsam eine schmutzig-braune Kloaken-Brühe durch die undichten Bodenbleche ins Wageninnere. Nachdem jedoch ein Wasserpegel von etwa zwanzig Zentimetern ‘i.A.’ (sprich: ‘im Auto’) erreicht ist, kommt die Flut aus unerfindlichen Gründen (!?) zum Stehen!
Kollektiv-fünfkehliges ... UFF !!!
Ohne weitere Probleme (‘Don’t Panic!’ ... beruhigt uns der Chef der ‘Schieberbande’) wird unser ‘Blechsieb’ ZÜGIG durch die Wellen vorangetrieben & ... als wir das andere Flußufer erreichen, fließt augenblicklich der weit größte Teil des Wassers (auf dem gleichen Wege, wie er ins Fahrzeuginnere gelangte - nämlich: durch die scheinbar riesigen Löcher im nicht-vorhandenen Unterbodenschutz) wieder zurück in das hinter uns vermeintlich harmlos sich kräuselnde ‘Meer’. Und ...
... während der folgenden, knapp halbstündigen Rest-Fahrtdauer bis Busia, herrscht in unserem ‘Aquadayschen Käfig’ eine feucht-fröhliche, ja fast ausgelassene Gruppen-Stimmung: Hm - nichts bringt einander näher, als kollektiv durchlebte & gemeinsam gemeisterte Schwierigkeiten!
Am ‘Busia-Bus-Bahnhof’ (in Sichtweite der Grenz-Kontrollstation & ... mitten im dichtesten Marktgewühl: ‘Was mag wohl zuerst dagewesen sein? Markt-Huhn oder Bahnhofs-Ei?’) ...
... dauert es schließlich eine gute Stunde, bis mein Minibus (Fahrtziel: ‘Kisumu On the Shores of Lake Victoria’) hinreichend passagier-bestückt & STARTKLAR ist:
Ich schieße derweil ein paar Chaos-Bilder, wandere zwischen den Bananen-, Fleisch- (Rind? Hund? ... oder doch ‘bis zur Unkenntlichkeit sezierter Menschenaffe?) & Schirm-Verkäuferinnen umher, ATME afrikanische Atmosphäre sowie nikotin-haltige (ebenfalls afrikanische, weil) ‘Sportsmans’-Luft ...
... & avanciere schließlich (eher zufällig) zum ‘gefeierten Helden meiner jungen, vierköpfigen Busbegleiter-Gang’ - da ICH ...
... (mittlerweile ausgemachter Kenner der ‘East-African-Public-Transport-Scene’) den penetranten bis fadenscheinigen Abwerbungs-Versuchen der konkurrierenden ‘Drücker’ eines vor uns parkenden (& damit über ältere Rechte verfügenden) Mini-Busses WIDERSTEHE & lautstarke Solidarität mit ‘meinen neuen Freunden’ übe ...
... äh ... ich Profi, ich!
Die den (vermeintlich so kurzen) Reise-Tag abschließende, folgende Busfahrt nimmt weitere zwei Stunden in Anspruch ...
... & somit wird’s (inklusive eingeplanter Stops sowie unvorhersehbarer Wartezeiten) letztlich denn doch wieder ein ÄTZEND LANGER & ANSTRENGENDER Reisetag!
Während der letzten, halben Fahrt-Stunde entlang des unsichtbaren Victoria-Sees (ein prasselnd ‘niederkommender’, tropischer Gewitterregen verdunkelt Tag & See), rutsche ich ungeduldig von einer schmerzenden Arschbacke auf die andere. Gleichzeitig vermitteln mir meine im beengten Bus stark beanspruchten Knie einen Vorgeschmack auf die mir (in Kürze?) bevorstehenden ‘arthritisch-rheumatisch-arteriosklerotischen (kurz: GICHTIGEN!) ALTEN TAGE’.
Tja - der lustigere Teil des Tages scheint sich rapide einem entschieden frustigen Ende zu nähern! Und wirklich: ‘Hello Mister Murphy! Good ...
... ah ... to Know You (by my Side)!’
Noch vor Erreichen des zentralen Bus-Terminals befreie ich mich aus der engen Sardinenbüchse, orientiere mich KURZ (mit Hilfe meiner ‘City-Map: Kisumu’ ... sowie meiner untrüglichen Spürnase!?), schultere schließlich meinen Rucksack & marschiere (schleppenden Schrittes zwar, aber erleichtert) durch das mit jedem zurückgelegten Meter dramatisch an ‘African Atmosphere’ zunehmende Straßen- & Menschengewühl Richtung Stadtzentrum! Bis ...
... ja - BIS sich mir eine der besten & teuersten Nobel-Herbergen der Stadt, das feudale ‘Hotel Imperial’ völlig unerwartet in den Weg stellt (‘Wie? Spürnase ...?’).
Kurz entschlossen ...
... erkläre ich meine allerspätestens JETZT erwiesene (!) Orientierungslosigkeit zur ABSICHT (Naja - man muß sich auch mal treiben lassen können!), belege den größten Teil der allerdings wenig gemütlichen, da straßen-seitigen Hotel-Terrasse & befrage dort (mir Zeit lassend & meine geschundenen, unteren Extremitäten lang ausstreckend) mein allwissendes ‘Handbook’ zu den meinen recht anspruchslosen Ansprüchen gerecht werdenden Unterkunftsmöglichkeiten in Kisumu!
Außerdem habe ich einen Bärenhunger ... & ver-SÜSSE (Bären? Honig?) mir den ‘knochenharten Info-Job’ mit Kaffee sowie einem sogenannten ‘Black Forest Cake - With A Cherry on Top!’ (hm - ich habe KEINE Ahnung, wie man diese ‘Typical African Sweets-Specialty’ ins Deutsche übersetzen kann / soll ... ?).
Später kreuze ich einmal die Hauptstraße Kisumus, die ‘Oginga Odinga Road’ (‘Na, Wollie - wie klingt das?’) rauf & runter, begutachte drei einfache Pensionen & entscheide mich schließlich für ein Zimmer im ‘Hotel Natasha’ ...
... dessen riesiger Deckenventilator (in Kombination mit nachweislich moskito-undurchlässigen Fenstergittern) mich spontan überzeugt.
Ich verstreue mein Gepäck im geräumigen Zimmer & nehme mich dann (unverzüglich - obwohl ich mich unerklärlicherweise ungewohnt SCHLAPP fühle) der anstehenden, drängenden (& wie sich zeigen wird: UNLÖSBAREN!) organisatorischen Aufgaben an!
Mein erster ‘Frust’-Weg führt mich zur ‘Kisumu Railway-Station’:
Hier muß ich erfahren, daß der Zug von Kisumu nach Nairobi, mit einem Ticketpreis von 30 US-Dollar (im Sechs-Personen-Abteil) nicht nur genau viermal so teuer wie der bequeme ‘Akamba’-Direktbus ist, sondern im Gegensatz zum Bus (der nach NUR sechs Fahrt-Stunden die kenyanische Kapitale erreicht) SCHLAPPE 14 STUNDEN (!) durchs nächtliche (& damit ‘aussichts’-lose!) Kenya ‘zockelt’.
SHIT !!!
So langsam beginne ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, daß ich vermutlich keinen einzigen der so berühmten kolonial-afrikanischen Züge (‘von innen’) erleben & genießen darf. Meine (seit heute: ALLER-) letzten Hoffnungen ruhen nunmehr auf Madagascar! Aber ...
... es kommt noch SCHLIMMER!
Über die ungesicherten Bahnschienen nehme ich die Abkürzung zur (nahe des Bahnhofs am See residierenden) ‘Ferry Jetty’: den städtischen Landungsbrücken für die ‘zahlreichen, den Lake Vic rauf- & runterschippernden Fährboote’! Hier hoffe ich mir eins der begehrten Tickets für das morgige Früh-Boot zur Kendu Bay sichern zu können. Denn mein morgiges Tagesprogramm weist (‘Schwarz-Auf-Weiß’) aus:
Vierstündige Schiffs-Passage über DEN ‘See Der (Afrikanischen) Seen’ ... sowie Wanderung zum legenden-umrankten, grünschimmernd-undurchsichtigen (kleinen) Lake Simbi! ‘Yeah! That’s why I’m Here!’
Als ich (randvoll angefüllt mit Vorfreude auf die morgige ‘lustige Seefahrt’) den Pier erreiche ...
... erteilen mir zwei dort patroullierende Militär-Polizisten die niederschmetternde Auskunft (kurz & knapp & ohne Begründung!), ‘daß der GESAMTE kenyanische Schiffsverkehr auf dem & über den Victoria-See schon vor Monaten (& zwar auf nicht absehbare Dauer) eingestellt wurde!’
FUCKIN’ DOUBLE-SHIT !!!
ALLES hat sich gegen mich verschworen: erst keine Personenzüge in Uganda - dann kongolesische ‘ADF’-Rebellen (die eine Tour in die Ruwenzori Mountains zum Selbstmord-Kommando machen) - & jetzt auch noch DIESE Schiffs-Pleite!
... wobei diese Aufzählung NUR die absoluten Katastrophen-Highlights umfaßt!
Ich spüre, daß meine Körpertemperatur AUGENBLICKLICH zu steigen beginnt. Als ich kurz darauf in mein Hotelzimmer schwanke, fühle ich mich bereits HUNDS-ERBÄRMLICH & ...
... im Laufe des (unverzüglich einsetzenden!) Abends verschlimmert sich mein Zustand noch: Zwar ergeben drei (unabhängige) Fiebermessungen keine höheren Werte als ‘schlappe’ 38,5 Grad - aber erste & eindeutige Anzeichen von Durchfall lassen sich nicht übersehen (‘Blick zurück ohne Zorn!’) & die schon im Laufe des Nachmittags empfundene ‘leichte Schlappheit’ steigert sich (unter Aussparung des Zwischen-Stadiums ‘Schlapper’ DIREKT ... hinein!) ins superlative ...
... AM SCHLAPPSTEN !!!
Rigoros & keinen Widerspruch zulassend, verschreibe ich mir absolute Bettruhe: Ich befürchte Schlimmeres als NUR Durchfall (erster Malaria-Rückfall nach fünf Wochen? Oder doch ein niedliches Cholera-Mitbringsel aus West-Uganda?) & ...
... LEIDE!
Schließlich gesellt sich zu meinem körperlichen Tief noch eine ausgesprochene Depro-Stimmung, die sich aus dem zwar unbewußten, aber nichtsdestotrotz ausgiebigen & -schweifenden Ausmalen der schlimmsten Gründe speist ...
... ‘warum ich von Dir, Cathrin, nach nunmehr SECHS WOCHEN immer noch keine Nachricht erhalten habe (& auch weder in Nairobi noch in Tana erhalten werde)!’
Die Palette der in meinem heißen Kopf unaufhörlich kreisenden Horror-Geschichten reicht vom Flugzeugabsturz (‘während Deines Heimfluges von Cairo nach Berlin’), über einen Verkehrsunfall in Berlin (mit tödlichen Folgen) bis hin zu weniger blutrünstigen Varianten (beispielsweise ‘daß Dir in Berlin urplötzlich klargeworden ist, was für ein Riesen-Idiot ICH doch EIGENTLICH bin!’).
‘Tja, Mechtild - Du hast mich offensichtlich verwechselt, als Du zu mir meintest, daß ich FÜR EINEN MANN vergleichsweise WENIG wehleidig bin !?’
Ich wälze mich im Bett - meine Gedanken ziehen pulsierende Endlos-Schleifen - an Schlaf ist nicht zu denken! Schließlich probiere ich einige selbst-kreierte ‘Autogene-Cathrin-Formeln’ aus: ‘Alles ist / wird Gut!’ ... ‘Ich glaube & vertraue, es gibt keinen Grund zur Beunruhigung!’ ... ‘Nichts kann uns je trennen!’
Hm - was natürlich kaum etwas bewirkt: aber immerhin vergeht (schleppend genug!) die Zeit. Und IRGENDWANN mitten in der Nacht (nach Drei Uhr!) ...
... tritt schließlich ‘DER nicht mehr zu toppende SUPER-GAU’ ein:
MIR GEHEN DIE ZIGARETTEN AUS !!!
Und von NUN an kann ich mich an rein gar nichts mehr erinnern ...
... außer: DASS ICH WACH BIN!
Und doch ...
... letztlich (sehr viel später) werden meine Gebete (‘Bitte, DU! WER-AUCH-IMMER-DU-SEIN-MÖGST! Lass diese Nacht ZU ENDE GEHEN!’) ...
... (denn doch) ERHÖRT!

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