|
|
 |
 |
|
UGANDA - NACH DEM BÜRGERKRIEG: ... MEHR DEMOKRATIE WAGEN ? ODER: VON KAMPALA AN DIE KONGOLESISCHE GRENZE: TOURISMUS VS. REBELLEN-ATTACKEN !
|
 |
 |
|
... von Kampala nach Kasese nahe den Ruwenzoris ... sowie weiter nach Mweya im Queen Elizabeth Nationalpark (Uganda)
|
 |
 |
|
Montag, 20. April bis Mittwoch, 22. April 1998
|
 |
 |
|
Ausschlafen - ‘Wake-Up-Shower’ - dann im Hotel-Café heute mal die ‘abgespeckte’ Variante des Standard-Frühstücks. Mein erster (gieriger!) Weg führt mich dann in die Pioneer Mall, wo ich Zigaretten ‘nachfasse’. Nach ‘Intensivst-Behandlung meines anerkannten Suchtproblems’ ... ... folge ich der Kampala Road bis zur Hauptpost, wo ich mich über die von Kampala aus das ugandische Hinterland bedienenden Post-Busse informiere. Naja - die Fahrt ‘mit den Öffentlichen’ soll EINIGERMASSEN SICHER sein, da sich die staatlichen Bus-Lenker nicht dem haarsträubenden Fahrstil der ‘Private Matatu-Driver in Bloody Competition with EVERYBODY’ anpassen müssen. Hm - HEISST es ... !? Für eine spätere Tageszeit stelle ich dem netten Postangestellten die Buchung eines Sitzplatzes im morgigen Bus nach Kasese, am östlichen Fuß der Ruwenzori Mountains in Aussicht. Vorher (aber) will ich mir einen Überblick über die Situation auf dem ‘organisierten Gruppen-Reise-Markt Ugandas’ verschaffen: Vom (nicht grund- ... & schon gar nicht selbst-los) zuvorkommenden Manager der ‘African-Pearls’-Agentur (die laut ‘Handbook’ sowohl über eine gute Reputation als auch über kostengünstige Tarife verfügt) ... ... lasse ich mir einen ‘Drei-Tages-Pauschal-Trip’ zu den mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer bis gar nicht erreichbaren Murchinson Falls am nordöstlichen Ufer des Lake Albert zusammenstellen & GROB KOSTEN-VOR-VERANSCHLAGEN. Aber SEHR schnell stellt sich seine Beantwortung meiner Anfrage als eine REIN THEORETISCHE Übung heraus! Da dem Reiseveranstalter derzeit keine weiteren ‘Tour-Willigen’ bekannt sind (& ‘African-Pearls’ aus nachvollziehbaren, mir ‘quasi in Zahlen vorliegenden’ Gründen eher an der SEHR eigenwillig definierten Spezies des ‘Individual-Touristen’ interessiert zu sein scheint) ... ... WÜRDE mich der dreitägige Kurztrip inklusive Mietauto, Fahrer, Kilometer-Pauschale, Steuern, Nationalpark-Gebühren, Unterkunft & Verpflegung MAL SO EBEN EINEN ‘SATTEN TAUSENDER’ kosten! Und zwar nicht etwa türkische (oder welche auch immer) Lira ... ... sondern ‘knallharte US-amerikanische BUCKS’ !!! Hm - wobei DIESE mir freundlich lächelnd präsentierte (oder doch wohl eher ‘das waidwunde, willenlose Wildbrett witternde’!) KOSTENSCHÄTZUNG bereits den Verzicht auf Unterbringung in den bis zu 270 Dollar pro Übernachtung teuren Luxury Lodges vorsieht & unter der Rubrik ‘Accommodation’ BEI MIR NUR 25 Dollar pro Nacht für die Mitbenutzung einer einfachen Mehr-Personen-Blockhütte der Park-Ranger zu Buche schlagen! UN-BE-LIE-VA-BLE ! EH - ICH BIN ARBEITSLOS !! Und ich habe keinen ‘Marabou-Streck-Dich’, der ugandische Gold-Shilling-Dukaten SCHEISST !!! Ich lasse (geduldig zwar, aber ‘nicht mehr GANZ so interessiert lauschend’) den Agentur-Manager ‘sein Fantasy-Planspiel zu einem würdigen Abschluß bringen’, decke mich mit Info-Material zu den interessantesten Nationalparks Ugandas sowie ‘Lake-Victoria-Boat-Trips’ (zu den Entebbe vorgelagerten Sese Islands) ein ... ... & verabschiede mich mit den Worten: Well, Thanxx! Let’s Say ... aaah ... ‘Til Afternoon! I have to think about EVERYTHING very carefully! Ob er WEISS, daß unser an- & ab-schließender Handschlag ein ‘Abschied auf Nimmer-Wiedersehen’ ist ...? Oder ahnt er es ( ... wenigstens)? Mir ist’s gleich: NIX WIE WEG !!! Im Open-Air-Niles-Café studiere ich bei einem sau-guten, ugandischen Kaffee das mir überlassene Info-Material & fälle schlußendlich (MICH ... nicht wirklich überraschend) eine grundsätzliche Entscheidung: Ich werde in ‘Bloody Expensive You-Gan-Daa’ aus Kostengründen auf organisiertes Reisen gänzlich VERZICHTEN! Ich werde ALLES, was man mit öffentlichen Verkehrsmitteln machen kann MACHEN - FALLS ich aber auf diese Weise NIRGENDWO hinkomme ... ... ‘then it was Meant TO BE!’ Keinesfalls werde ich jedenfalls SO VIEL KOHLE sinnlos zum Fenster rauswerfen! Hm - EHER ziehe ich im ‘Kampala-Sheraton’ ein & nehme (Champagner schlürfend) ein zweiwöchiges Voll-Körper-Bad in touri-teint-freundlicher Spezial-Schaum-Lotion (basierend auf einer Essenz aus im Mörser hand-zerstoßenem Rhino-Horn & fein-gehäckselten Berg-Gorilla-Föten ...) ... WIE? Ich EREIFERE mich ...? Keineswegs !!! Irgendwie erleichtert (‘I Can See Clearly Now!’) marschiere ich schnurstracks zur Zentral-Post & erstehe ein Ticket für den Postbus nach Kasese: Abfahrt morgen Früh um Acht Uhr - für die gut 400 Pisten-Kilometer benötigt der Bus mindestens sieben Stunden & der Fahrpreis beträgt vergleichsweise lächerliche 7 US-Dollar. DAS ... sind Parameter mit denen ich umgehen kann! Im äußersten Westen Ugandas gelegen, gilt Kasese übrigens als strategisch günstiges Basecamp für Trips ... ... in die einst ganze Forscher- & Entdecker-Generationen magnetisch anziehenden, faszinierenden ‘Mondberge’ (die Ruwenzori Mountains), deren höchster Gipfel (der Mount Stanley) mit 5.109 Höhenmetern nach Mt. Kili & Mt. Kenya immerhin die dritthöchste Erhebung auf dem gesamten ‘Schwarzen Kontinent’ darstellt, ... & zum ‘Queen Elizabeth (Ruwenzori) National-Park’: - mit den beiden ‘britisch-kolonialen Königs-Seen’ Lake George & Lake Edward (später: ‘Lake Idi Amin Dada’, noch später, also heute: ‘Lake Rutanzige’), - mit dem die beiden Seen verbindenden Kazinga Channel, - mit Safaris & Bootsfahrten (entlang des Kanals), - mit der berühmten ‘Mweya-Safari-Lodge’ (die laut Reiseführer moderate-prized & zumindest einen Blick wert sein soll: Hm - We’ll See!), - sowie ‘Hippos in the Lakes, Chimps in the Trees and Lots of Birds in the Air’ ... Tja - langsam aber sicher nimmt die Planung meiner individuellen Uganda-Wochen Konturen an. Um SIE (weniger die Planung als die ‘Wochen’) mit dem erforderlichen ‘Financial Backing’ unterstützen zu können, suche ich die nächste Wechselstube auf & LIQUIDIERE einen ‘500-Dollar-Travellerscheck’. Den Gegenwert von 300 Dollar lasse ich mir in Uganda-Shilling auszahlen, die restlichen 200 in ‘good old-fashioned Green Stuff’. Hm - man kann ja nie wissen!? Vielleicht MUSS der ‘streng geheime ugandische Geheimdienst IRGENDWANN ja mal auf meine Dollar-Reserven zurückgreifen (um die innere Sicherheit Ugandas ...? oder gar des gesamten Weltfriedens ...?)’ ... Äh - Soli-Gruß an ‘meine Rip-Off-Freunde’ in Nairobi! Nach Erfüllung meines heutigen organisatorischen Pflichtprogramms, verspüre ich das nagende Bedürfnis, mich um mein leibliches Wohl zu kümmern - obwohl: DIESES Bedürfnis hätte ich besser INJORIERT! ‘Very Late AND Extremely BAD LUNCH’ ... ... im noch gestern als so wohltuend empfundenen ‘Curry Pot’-Restaurant: Die Portion Spiegeleier mit Fritten wirft mehr Fragen auf ... äh ... als daß sie meinen Hunger stillt! Beispielsweise: ‘Womit füttern die Ugandi eigentlich ihre Hühner ...?’ Ich tippe seit spätestens heute auf Y-Tong - denn die vermutlich unter großen Schmerzen ‘abgedrückten’ Eier ugandischer Hühner bestehen zu 100 Prozent aus ‘Ei-Klar’ !? ... oder: ‘Kann man (zu Stäbchenform geschnitzter) Styropor-Masse wirklich durch bloßes, natürliches Frittieren diese appetitlich-gold-gelbe Farbe verleihen ...?’ ‘Oder erreicht man diesen stimulierenden, optischen Effekt erst durch Zusatz von (bei ‘Uganda-Chemicals-UN-Limited’ speziell für die touristische Gastronomie entwickelten) gefährlichen und / oder giftigen Substanzen ...?’ Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend schleppe ich mich zurück ins Hotel, wo ich die heißen Mittagsstunden lesend, rauchend, dösend (& wieder lesend & ...) verbringe! Eine der gesamten Innenstadt Kampalas ein völlig neues Outfit verleihende, großflächige Plakatierung kündigt zwar für Halb Fünf Uhr ein Fußballspiel der ‘Ugandan Premier League’ an - die von meinem Hotelfenster aus einsehbaren Ränge des ‘Nakivubo-Stadiums’ ...
 |
... präsentieren sich um Viertel nach Vier Uhr allerdings immer noch vollkommen menschenleer - daher beschließe ich, die ins Auge gefaßte (passive) sportliche Betätigung zugunsten der Abfassung einiger ‘(Active) Notes from Foreign Africa to Some Assorted Native German Adressees’ ... ... äh ... hint-an-zu-stellen! Ich schlendere durch die engen Gassen des Marktviertels ...
 |
... hocke mich in den rustikal-atmosphärischen Biergarten der Pioneer-Mall & fabuliere ‘a couple of Couple-Cards’ (voll!) ... an Ursula & Michael sowie Kerstin & Gerrit. Plötzlich jedoch wird es laut & lebhaft auf den Straßen der ugandischen Kapitale: Das vorläufige Endergebnis der gestrigen Bürgermeisterwahlen wurde soeben bekanntgegeben & die Anhänger des neuen ‘Mayor of Kampala’ veranstalten einen spontanen Triumphzug durch die Innenstadt! Der gewählte Kandidat wird besonders enthusiastisch vom ‘einfachen Mann auf der Straße’ gefeiert ... ... denn er ist KEIN Gefolgsmann Musevenis, gehört einer der auf kommunaler Ebene zugelassenen Oppositionsparteien an & hat während des von allen Lagern beinhart geführten Wahlkampfs rundweg abgelehnt, seine Reden in englischer Sprache zu halten. Ob er’s nicht kann oder nur nicht will, ist nicht in Erfahrung zu bringen (ich vermute allerdings letzteres). Am morgigen Tag werden die ugandischen Zeitungen übrigens den zu Beginn des Wahlkampfs noch belächelten Politiker unisono als ‘Kandidat des Volkes’ feiern & in ihren Kommentaren (nicht ohne Häme gegen Museveni!) darauf hinweisen, daß in der langen & wechselvollen Geschichte Ugandas (inklusive aller kolonialen & totalitär-diktatorischen Perioden) erstmalig ‘die ANALPHABETEN ihren Mann gegen die Staatsgewalt durchgedrückt haben!’ Und natürlich werden auch die Stimmen wieder lauter, die Museveni auffordern, auch auf höchster Ebene (sprich: bei der demokratischen WAHL der Regierung sowie des Staatspräsidenten!) Mehr-Parteien-Wahlen zuzulassen! Bislang hat der Führer der staatstragenden ugandischen Einheitspartei ‘National Resistance Movement’ (der politischen Nachfolgerin Musevenis’ Rebellen-Organisation ‘National Resistance Army’) NOCH jeden dieser Vorstöße, hin zu größerer demokratischer Freizügigkeit erfolgreich abgeblockt: Und zwar mit dem Hinweis auf die ‘beschämend-blamable historische Rolle der alten Parteien’ ... ... die nicht nur Idi Amins Horror-Regime ermöglichten, sondern ex-Diktator Milton Obote gar zweimal (Vorgänger und Nachfolger des ‘Kannibalen von Kampala’) in das Amt des Obersten Staats-Dieners hievten! NICHTSDESTOTROTZ: Relative Demokratie in den von einem Allein-Herrscher vorgegebenen, engen Grenzen! Wie lange wird das der ugandischen Bevölkerung noch vermittelbar sein? ... ... Musevenis Verdienste & gute Absichten sowie sein (verständliches?) Mißtrauen gegen die Parteien & das seiner Meinung nach ‘für uneingeschränkte Demokratie NOCH nicht reife Volk’ in allen Ehren ... Anyway ... Aber weder die Vergangenheit, noch die Zukunft scheint heute IRGENDWEN zu interessieren: HEUTE WIRD GEFEIERT! Ich bahne mir lächelnd (wieso eigentlich?) einen Weg durch das NOCH engere Straßengewirr des Busbahnhofs- & Markt-Viertels zum ‘Afrique-Guest-House’, das im vierten Obergeschoß ein Terrassen-Restaurant betreibt: ‘VERY basic, but MOST atmospheric!’ Um mich herum herrscht eine fröhliche & ausgelassene Stimmung, die sich immer dann zu einem brodelnd-furiosen Crescendo aufschwingt, wenn die Teilnehmer des Festzuges an der unmittelbar unter der Terrasse entlangführenden Straße vorbei-TÄNZELN (grüne Zweig-Wedel schwenkend, mit ihrem rhythmischen Wiege-Schritt synchronisierte Sprechchöre skandierend & gleichzeitig ein ohrenbetäubendes, positives Pfeifkonzert veranstaltend!). ‘Einen halben Diafilm LANG’ ... ... versuche ich, authentische Schnappschüsse von der ausgelassenen Siegesfeier auf Zelluloid festzuhalten (hm, ob’s mir gelungen ist, werde ich wohl erst in Deutschland erfahren ...).
Bei Einbruch der Dämmerung ‘tänzele’ (auch) ich zurück ins Hotel, wo heute weder Bier noch ‘CNN’ auf mich warten: denn ... ... mein Abendbier hatte ich bereits im ‘Afrique-Guest-House’ & der amerikanische Nachrichten-Kanal scheint sich irgendwie irreversibel verstellt zu haben (vielleicht hat ja ein transmissions-undurchlässiger Marabou sein Nest direkt über meiner Zimmerantenne errichtet?). Stattdessen widme ich mich der ugandischen Tageszeitung & meinem Reiseführer. Später zappe ich noch zufällig in eine Dokumentation des staatlichen ‘UTV-Channels’ über DEN verdienten Folklore-Sänger & ‘outstanding Musical Hero of Uganda’ ... ... & bleibe bis zum Ende der Sendung vor dem Fernseher kleben: denn obwohl mir der Name des musikalischen Altmeisters aber auch rein GAR NICHTS sagt, ist der Bericht spannend & unterhaltsam zugleich. Nach Zehn Uhr lese ich ein (für heute!) letztes Kapitel des ‘Mannes ohne Eigenschaften’: Allerdings muß ich zugeben, daß die erst aus dem Nachlaß Musils veröffentlichten Reflexionen Ulrichs über die psychoanalytischen Hintergründe seines ‘Gefühls’-Begriffes - basierend auf & ausgelöst durch die inzestuöse Beziehung zu seiner Schwester Agathe ... ... äh ... schon nicht einfach zu verdauen sind! Und sich (wenigstens HIER, in Schwarzafrika) zur ‘unterhaltsamen Gute-Nacht-Lektüre’ RECHT GAR NICHT EIGNEN (wollen) ... Bereits um Elf Uhr verordne ich mir (auch daher) Nachtruhe - weil: Morgen wird’s (für mich!) mal wieder SEHR früh HELL - GELL !? ...
|
 |
 |
|
... Um Sechs Uhr schreckt mich mein Wecker aus dem Bett. Schon der erste Blick aus dem Fenster beweist mir, daß Kampala sich doch ‘ein gehöriges Stück’ weiter westlich befindet als Nairobi (was ich ... äh ... bislang natürlich nicht glaubte): Draußen ist es STOCK-DUNKEL! Duschen - Packen - plötzlich klingelt das Telefon: Die aufmerksame Rezeptionistin, der ich gestern Abend beiläufig erzählte, daß ich heute Morgen sehr früh Kampala verlassen würde, will nur sichergehen, daß ich WIRKLICH wach bin & ... ... entschuldigt sich für ihre Aufdringlichkeit. Nett - eigentlich! Ein hastiger Kaffee sowie Toast-Butter-Jam im Hotel-Restaurant - dann schultere ich meinen Rucksack & bewältige hellwach (auch, weil es zwischenzeitlich natürlich tag-hell ist) die beiden Kilometer bis zur Hauptpost. Na, wie schon (welche Frage)? Unterwegs fällt mir auf, daß sich der ‘lebende Opferstock’ (ein übel verstümmelter junger Mann, dessen eiterbeulen-bedeckter Körper nur unvollständig von alten & zerrissenen Kleiderfetzen verhüllt wird) heute morgen erstmalig NICHT an seinem angestammten Platz, mitten auf einer Verkehrsinsel an der Namarembe Road (wohin er ohne fremde Hilfe unmöglich gelangen kann) befindet ... Hm - komisch ... ... oder eigentlich gerade DAS nun nicht! Aber die heutige Abwesenheit des Bedauernswerten läßt mir seine Existenz weit eindrücklicher in den Sinn kommen als der während der beiden letzten Tage so oft ‘ERLITTENE, reale Anblick Seiner ...’ Assoziationen an meine schlimmsten Indien-Eindrücke werden wach! Da der Postschalter noch geschlossen ist, gebe ich die gestern geschriebenen Ansichtskarten in die ‘vertrauen-erweckenden (?) Hände eines vor dem Gebäude geschäftig tuenden Postlers’ (hm - ich muß nach meiner Heimreise unbedingt nachfragen, ob DIESE Karten auch wirklich angekommen sind!) & reihe mich dann in die mehrere Dutzend Fahrgäste umfassende, lange Warte-Schlange ein. Gott-sei-Dank aber (‘UFF!’) verteilen sich die Passagiere ‘uff’ fünf (!), in unterschiedliche Regionen Ugandas rollende Postbusse: In meinem Kasese-Bus befinden sich außer mir (zunächst!) lediglich drei weitere Reisende. So darf ich mir einen bequemen ‘Seat With A View’ aussuchen & mich ausbreiten! Der auf der Heckfassade eines jeden der knallig-roten Postbusse in großen, weißen Lettern prangende Slogan lautet übrigens: ‘We Deliver Promptly & Safely!’ ... ... wobei letzteres auf Ugandas Pisten eine absolute Rarität sein soll. ‘Naja - genau DESHALB sitzst Du ja nun HIER, Du Laberbacke!’ Unsere Route führt uns zunächst durch die westlichen Vororte Kampalas. Die mit dem Verlassen des Stadtzentrums rapide abnehmende, vom Staat bereit gestellte Infrastruktur läßt sich AUCH an der dramatisch zunehmenden Anzahl ‘im Umlauf befindlicher’ (auf Fahrrädern, Sackkarren, Köpfen - natürlich AUSSCHLIESSLICH auf Frauenköpfen!) SCHICK-’UNI’-GELBER Zehn-Liter-Kanister messen: Denn pro Stadtviertel steht genau EIN zentraler Brunnen zur Verfügung, über den die Versorgung aller Haushalte mit Wasser organisiert wird / werden muß. Tja - der ganz normale, wahnsinnige Alltag in ‘Oh-so-Poor Uganda’! Nachdem unsere Postkutsche die letzten Rand-Wohnbezirke der Metropole ‘durchritten’ hat, ändert sich die Aussicht dramatisch: Die Landschaft präsentiert sich SATT-GRÜN ... ... & ‘Poor Uganda Starts to Get BEAUTIFUL more & more!’ In unmittelbarer Nähe zum Victoria-See durchkreuzen wir (den See immer zur Linken im Blick) eine flache Ebene! Riesige, scheinbar uferlose Sumpfgebiete ohne sichtbare Wasseroberfläche (Millionen Papyruspflanzen mit bis zu drei Meter hohen, dünnen Pflanzenstielen sowie Blüten, die an eine Mixtur aus See-Igel & ‘Bubikopf-Frisur’ erinnern, bedecken die seichteren Stellen des Sees) wechseln ständig mit trockenen (oder trockengelegten?), zu intensivem Ackerbau genutzten Arealen. Der Boden hat eine kräftige, rot-braune Farbe & ist sichtbar fruchtlich (äh - sorry: sichtlich fruchtbar!): Bananen- (‘Matooke’), Mais- (‘Ugali’) & Kaffee-Sträucher dominieren die Nutzpflanzen-Palette. Zwischendrin erheben sich (ebenfalls noch in großer Zahl) Palmen & Eukalyptus-Bäume - letztere wurden übrigens von den britisch-stämmigen Farmern im letzten Jahrhundert als Schutz gegen die unangenehmen & ungesunden Folgen der Moskito-Schwärme angepflanzt (tja - wenn es in Massawas Apotheken Eukalyptus-Pillen zu kaufen gegeben hätte ...!?). Weiterhin entdecke ich (allerdings SEHR vereinzelte) Mango- & Papaya-Bäume. Farblich aufgelockert wird das Einheits-Grün durch ‘blau-blütige’ Jacarandas, dunkelrot-blühende Bougainvillea- & Hibiscus-Sträucher sowie ‘Flamboyant-Trees’. UND ... ... FALLS in diesem Dschungel-Sumpf dann doch noch irgendein winziges Fitzelchen (Nähr-) Boden ungenutzt brachzuliegen DROHT ... ... DANN zwängen sich alle denkbaren Varianten dünn-, breit-, spitz- & ausladend-fächriger Farn-, Papyrus- & Rattan-Gewächse in diese engsten Zwischenräume. Hm - nicht unerwartet erscheinen kurze Zeit später am Straßenrand die ersten Verkaufsstände für einheimisches Kunsthandwerk, die ‘das komplette Papyrus-&-Rattan-Hauswaren-Sortiment’ anbieten: knallig-bunt bemalte Obstschalen, Sessel, Regale & Tische ... ... auch eine ‘Drum-Factory’ lobt (& preist) mittels großflächiger Vierfarb-Werbe-Tafel ihre breite Palette an Musikinstrumenten aus Korbgeflecht (äh ... an). Unerwartet überquert unsere Asphaltpiste mittels buckliger, kleiner Steinbrücke plötzlich die staatliche Eisenbahntrasse: Die in der Morgensonne glänzenden Stahlgeleise durchschneiden als sich ständig verjüngender (zunächst Doppel-, später Einzel-) Strich das malerisch-üppige ‘Natur-Grün’ & verschwinden am entfernten Horizont im lückenlosen Himmels-Blau! ‘Sensational View - but: NO Shot!’ Ich verbiete mir (einsichtig wie ich bin!) während der gesamten Busfahrt, meine Kamera auch nur aus dem Rucksack hervorzuholen! Vor, neben & hinter den Häusern & Hütten selbst der kleinsten, durchfahrenen Siedlung STAPELN sich rötliche (zu niedrigen, kompakt-quaderförmigen Monumenten übereinander-geschichtete) Ziegelsteine. Ein sichtbarer Hinweis auf die den weiteren Umkreis der ugandischen Hauptstadt dominierende Nebenerwerbs-Industrie: Tausende private Lehmziegel-Brennöfen markieren das Areal mit ihren zwar kurzen, aber ‘wild & unkontrolliert paffenden’ Schornsteinen. Und doch ist der enorme Baumaterial-Bedarf ‘Greater Kampalas’ SO nicht zu decken (& die Produktion der Kleinst-Unternehmer ‘nichts als ein Tropfen auf den heißen Ziegel’!). In jedem Dorf existiert mindestens (!) EIN Haus, das allem Anschein nach von einer ‘göttlichen Riesenpranke’ angehoben & in einen überdimensionalen Topf mit karminroter Farbe getaucht wurde UND ... auf dieser einheitlichen Rot-Grundierung werben die immergleichen, großen & weißen Lettern: ‘SPORTSMAN - YEE SSEBO!’ ... für DIE Zigarettenmarke Kenyas & Ugandas! Apropos ‘Werbung’: Die großflächigen Anzeigetafeln & Werbewände sind IMMER augenbeleidigend BUNT! Beispielsweise ... ... ‘Pepsi-Cola’ (blau & gelb), ‘Blue-Band’-Margarine (selbstredend) oder ‘Omo with Power Foam’ (gelb & blau). Mich persönlich beeindruckt (& interessiert ... äh ... aus originärem Trinker-Interesse) allerdings am stärksten ein Werbe-Reiter mit den zunächst zwar noch unverständlichen (NUR) drei Groß-Buchstaben ‘ESB’, als wir jedoch näher heranfahren, gibt sich durch den Untertitel ‘Extra-Strong-Brew!’ ein testens-wertes ugandisches Starkbier (immerhin sieben Prozent Alkoholgehalt) zu erkennen. Naja - mal sehen! Hm - vielleicht heute Abend ... ? Nach siebzig Kilometern (genauer: auf exakt halber Strecke des ersten Tagesfahrt-Drittels nach Masaka ... ‘Tschuldigung - versteht das etwa irgendwer?’) überquert unser Bus den breiten, langsam dahin-mäandernden Katonga River, der den Lake Victoria mit den im Westen die Grenze zur Demokratischen Republik Congo markierenden Lakes Edward & George verbindet. Die Asphaltpiste befindet sich in einem unerwartet guten Zustand - zeitweise besitzt sie gar einen weißen Mittelstreifen - & sie nimmt über weite Strecken einen wie mit dem Lineal gezogenen, schnur-geraden Verlauf. Die sanften Pisten-Abstiege bieten ein ums andere Mal die beeindruckende (geometrische) Perspektive einer ‘pech-schwarzen Linie mit leuchtend-roten Rändern’, die wie ein Messer durch einen hochflorigen, satt-grünen Teppich schneidet. Das Terrain ist zwar durchweg hüglig, allerdings scheinen die einzelnen, zahllosen Erhebungen im Gelände aus einer glatten Ebene (mit relativ konstantem Höhenniveau) zu erwachsen. Die Vegetation wird dichter & verbirgt ihre als Einzelgewächse nicht mehr auszumachenden, unterschiedlichen Gewächse in einem an Arten-Vielfalt nicht mehr zu übertreffenden ‘Multi-Kulti-Flora-Labyrinth’. Und auch nachdem die Straße südwestlich von Masaka (nach zweieinhalb Non-Stop dahin gerasten Fahrtstunden - sprich: KEINE Fluppen-Pause!) vom Victoria-See ab- & westwärts biegt ... ... ändert sich das Erscheinungsbild der Landschaft nur insofern, als die Sümpfe (& mithin der Papyrus) PLÖTZLICH verschwinden. Nutzvieh ist in den kleinen, an uns vorbeifliegenden Dörfern rar: LUCKY! ... ... wer eine Einzelkuh oder ein Paar mager- & schwind-süchtige Hühner (vermutlich die bedauernswerten Produzenten der dotter-losen ugandischen Frühstücks-Eier !?) sein eigen nennen darf. Stattdessen tollen vor den Holz- & Strohhütten Horden von ständig winkenden Kleinkindern herum. Hm - mein ‘Wink’-Arm (der rechte!) ist schon vor einer guten Stunde endgültig (& vermutlich irreparabel) erlahmt! Am Rand der Piste ‘spotte’ ich die immergleichen, gefiederten Lebewesen: - zum einen winzig-kleine Vögel mit irreal langen, spitzen & (der Körperhaltung nach zu urteilen!) schweren Schnäbeln, die auf den Hochspannungs-Leitungen kauern (& denen ich zurufen möchte: ‘Vorsicht, Kids - erst mal eine rauchen! Rauchen erdet!’). Laut ‘Handbook: Bird-Watching-Section’ handelt es sich um eine Unterart der varianten-reichen ‘Sunbird’-Obergattung ... - sowie vereinzelte Marabous, die sich (& ihr Gewicht!) scheinbar gut einzuschätzen wissen, denn sie bleiben den Hochspannungs-Leitungen fern & nehmen stattdessen auf den stabilen, tragfähigeren Hochspannungs-Masten Platz! Nach weiteren zweieinhalb Bus-Stunden durchfahren wir Mbarara: 280 Kilometer & somit EXAKT zwei Drittel der Gesamtstrecke von Kampala nach Kasese liegen hinter uns! DAS ist die gute Nachricht! Und die schlechte ... ? Naja - bis auf einen kurzen Bananen- & Kaltgetränke-‘Fassen’-Stop (ohne Chance, den Bus zu verlassen) brausen wir SEIT HEUTE MORGEN UM ACHT UHR ‘PAUSEN’-LOS durch den Westen Ugandas! Ich spüre, wie sich das ständig wachsende, zunehmend ‘wild’ wuchernde Nikotin-Vakuum (einem Blutgerinsel, nein: einem Krebsgeschwür gleich - schöner Vergleich, finde ich ...) in dem für Rücksichtnahme & Toleranz zuständigen Teil meines Hirns ausbreitet: NEIN - ich KANN & WILL mich nicht mehr beherrschen ... ... & rauche schließlich zwei Zigaretten IM BUS, der vor der Poststelle Mbararas kurz stoppt, noch im Rollen seine Postfracht entlädt & dann auch schon wieder losjagt! Naja - ein ALLER-letzter, UN-vernebelter Rest eines Schamgefühls (meinen Mit-Passagieren gegenüber) läßt mich allerdings meinen Körper SEHR WEIT aus dem Busfenster hinaus lehnen ... DANACH ... geht’s mir (wieder) besser & ich kann den folgenden, landschaftlich ansprechendsten Teil der heutigen Bus-Etappe (‘in Erinnerung an volle Züge!’) VOLL geniessen! Nahe der kleinen Hüttensiedlung Bushenyi (nach weiteren 40 Kilometern) schwenkt die Strasse auf nun EXAKT nördliche Fahrtrichtung ein: Parallel zu den im Westen die Land-Grenze zur Demokratischen Republik Congo bildenden (& dort ‘Virunga Mountains’ benannten), noch relativ flachen ‘Ruwenzoris’ RASEN wir (Stallgeruch?) unserem heutigen Tages-Etappenziel entgegen. Die uns aufnehmende Landschaft präsentiert sich wieder hügeliger & ist vollständig BEWACHSEN: mit ‘mannsbrust-hohen, kultivierten Sträuchern’ einer endlos sich zu erstrecken scheinenden Groß-Plantage der staatlichen Teegesellschaft ‘Ankole’ ... ... die ihr über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Spitzen-Produkt mit dem selbstbewußten Slogan ‘Simply the Best!’ vermarktet. Und DANN? Dann ... ... geht’s plötzlich sehr schnell: Wir übersteigen die Bergkämme des ‘Kichwamba Escarpement’ & blicken in eine weite Ebene, in deren Zentrum die Lakes Edward & George im Nachmittagslicht funkeln. Hinter der Ebene (im Westen) steigen die Ruwenzori Mountains zunächst dramatisch an, bevor sie (abrupt!) in einem dichten Wolken-Ensemble verschwinden. Unser Bus kurvt hinab ins Tal - wir durchqueren den ‘Queen Elizabeth National Park’ (& spotten eine Reihe kleinerer Impala-Herden, die uns scheu & jederzeit zur Flucht bereit beobachten) - nehmen die Brücke über den die beiden Seen miteinander verbindenden Kazinga Channel (ich notiere gedanklich den versteckten Abzweig zur ‘Mweya Lodge’: für später!) - nach weiteren 30 flachen Straßen-Kilometern zeigt sich Kasese, das sich (auf NUR 1.000 Metern üNN gelegen) an die östlichen Ausläufer der mächtigen Ruwenzoris ‘duckt’ - & nur Augenblicke später kommt der Postbus (‘not REALLY surprising!’) vorm örtlichen Postamt zum Stand. Ich steige aus, halte meine Nase (kurz Witterung aufnehmend) in den nicht-vorhandenen Wind, pflanze mich (dann) neben meinen erbärmlich schwitzenden Rucksack (der sich bereits erschöpft auf die Eingangsstufen zum Postbüro hat fallen lassen), paffe (cool & genüßlich!) drei Zigaretten ‘in-a-Row’ ... ... & stelle (FIX & FERTIG sowie laut, keineswegs aber überrascht) fest: It’s GODDAMNED-BLOODY-FUCKIN’ HOT ... ... HERE (in Kasese)! Nachdem ich mich hinreichend erholt & notdürftig akklimatisiert habe, checke ich drei unterschiedlich-klassige Hotels. NOCH unentschlossen ... ziehe ich mich anschließend ins Restaurant des besten & teuersten Hotels (des von harter, fundamentalistischer ‘Mullah’-Hand geführten ‘Hotel Saad’) auf ein entscheindungs-förderliches Chicken-Stew zurück ... ... & MACHE DANN Quartier im billigen & einfachen ‘Moonlight Hotel’: Hm - ich habe beschlossen, meine Tages-Ausgaben-Statistik (mal wieder) etwas fester im Auge zu behalten! Auspacken - Funktions-Test des letztlich für gut befundenen, weil dichten Moskito-Netzes (‘VERY Essential!’) - kurzes Durchschnaufen & ... sodann Abholen ‘der mir täglich zustehenden Extra-Portion FRUST’! Denn im Büro des ‘Ruwenzori Mountain Parks’ eröffnet man mir, daß Trekking in den nahen Bergen seit Dezember letzten Jahres unmöglich, weil ‘Extremely Dangerous’ ist: Versprengte kongolesische Rebellen (Gefolgsleute des gestürzten Diktators Mobutu) machen die Bergwälder unsicher & töten JEDEN (!), der ihnen über den Weg läuft! Daher werde sich in Ibanda (der letzten, gefahrlos erreichbaren ugandischen Siedlung vor den Bergen) kein einziger Führer oder Träger finden lassen (für welche Bezahlung auch immer), der mit mir den Aufstieg in die umkämpfte Waldregion wagt ... ‘SHIT! Und WAS soll ich nun (Bitte Schön!) HIER in Kasese anfangen? Unerreichbar weit weg von meinem eigentlichen Reiseziel, den Snowcapped Moon-Hills ...? Naja - wenigstens zuuu weit entfernt, um irgendetwas Interessantes vor meine trübe Kameralinse zu bekommen! HEH ...?’ ALLES, was schief gehen KANN ... (‘Shut Up, Mister M.!’). Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Kurze, frustabbauende ‘autogene Lese-Stunde’ im Hotelzimmer - der eine, meinem Kopf Klarheit & Frische zurückbringende, eiskalte Dusche folgt - schließlich ‘Pre-Dawn-Walk’ durch die sensationslose Kleinstadt (die ich auf einigen, wenigen Atmo-Aufnahmen verewige) ...
... sowie nettes Gespräch mit zwei jungen Einheimischen, die sich mit Portrait-Aufnahmen von durchreisenden Touris ihren Lebensunterhalt verdienen. Hm - & SIE, DIE PROFIS fragen (von meiner Foto-Ausrüstung sowohl beeindruckt als auch offensichtlich ‘hinters Gegenlicht geführt’) MIR ‘schwarze Fach-Löcher in meinen Blender-Bauch ...’ TS-Ts-ts ... !? Den unspektakulären Tages-Höhepunkt & -Abschluß (... auf Reisen wird man ja SO genügsam!) bilden schließlich: - ‘Two (Large!) Bottles of ESB’ (siehe oben!), - ein langes Gespräch mit meinem verständnisvollen (& mich NIE enttäuschenden) Tagebuch sowie - der (leicht melancholisch angehauchte) Konsum einer Reihe steinalter, westlicher Pop-Schnulzen, die aus einem jämmerlich-krächzenden, ugandischen ‘Volksempfänger’ zu mir herübertönen. All dies findet übrigens im schummrig ausgeleuchteten, nur von einer Handvoll (Solo an Einzeltischen hockender & ... allem Anschein nach) ‘Gleichgesinnter’ bevölkerten Restaurant meines Hotels statt! Um Zehn Uhr ziehe ich mich unter mein Moskitonetz zurück ... & verzichte auf jegliche ‘Gute-Nacht-Lektüre’ - denn: Ich bin (äh ... ‘Extra-Strong Brew’!) SCHWER ANGETRUNKEN! IRGENDWANN nach Elf Uhr ... ... schlafe ich (trotz des trommelfell-zerfetzenden ‘Hully-Gully’-Bar-&-Straßen-Lärms unmittelbar unterhalb meines Hotelfensters) erstmalig ... ... äh: EIN! ...
|
 |
 |
|
... Zur Zeit habe ich (mal wieder) eine dieser Phasen, während der mir maximal zwei Stunden Schlaf ‘am Stück’ gelingen - sprich: mein Zigaretten-Konsum ist auch nachts unverhältnismäßig HOCH! ‘Hm - Cathrin, meine Liebe - auch in dieser Beziehung bin ich zuversichtlich, daß ich von Dir lernen kann ... hoffe auf unsere ‘Wiedervereinigung’ & darauf, daß Du (in meinen Armen liegend) mir soviel Ruhe & Zufriedenheit gibst, daß ich WENIGSTENS (mal wieder) EINE Nacht durchschlafen kann ... ... Du Magierin & Lehrmeisterin, Du! Ich freue mich SO auf Dich!’ Einstweilen aber ... ... GEBE ich wieder (Nacht für Nacht!) meine ‘Insomniac’-Paraderolle! Naja ... Mäßig ausgeschlafen erhebe ich mich gegen Acht Uhr. Im gesamten Hotel gibt es heute Morgen kein Wasser - daher macht mich keine eiskalte Dusche wach & ... ... schläfrig taste ich mich zum nahen ‘Saad Hotel’. Per muslimischem Besitzer-Dekret sind Hotel & Restaurant zwar alkohol-freie Zone. Fürs Frühstück aber scheint der ‘Laden aus Tausendundeiner (schlaflosen) Nacht’ hier in Kasese erste Wahl - naja, zumindest: okay! DENN ... ... bei Betreten des Restaurants blickt mich vom Nebentisch eine riesige Nescafé-Dose derart unheilvoll an, daß ich mich (beinahe) auf dem Absatz umdrehe & ... ... aber der Kellner, der mich von meinem gestrigen Besuch her wiederzuerkennen scheint, nimmt mich überschwenglich in Empfang, geleitet mich zu meinem Tisch & VERSPRICHT MIR ALLES! Und wirklich: ‘Ausnahmsweise!’ ... ... wie mir der Kellner verschwörerisch zuraunt, wird ein Angestellter mit dem Auftrag losgeschickt, ‘echten ugandischen Bohnenkaffee AUFZUTREIBEN ...’ Während des Frühstücks (übrigens: auch SEHR guter Fruchtsaft!) verfasse ich den ersten Teil des weitschweifigen (zugegeben!) gestrigen Tagebuch-Eintrags. Mit Joy (einer kanadischen Ärztin, die für ‘Ärzte ohne Grenzen’ in Uganda tätig ist & ... im ‘Saad’ ihren freien Tag ‘verfrühstückt’) ergibt sich ein zufälliger, aber sehr netter Plausch, in dessen Verlauf wir recht schnell feststellen, daß wir etwas gemein haben: ... auch SIE hatte Malaria! Da die ‘afrikanische Medikamentierung’ bei ihr jedoch keinerlei Besserung bewirkte, wurde sie zur weiteren Behandlung nach Kanada aus-/zurückgeflogen. Ihrer Meinung nach wohl hauptsächlich, weil die ugandischen Ärzte das Risiko & die Verantwortung für eine ‘weisse’ Patientin nicht übernehmen wollten! Sie erzählt einige verdammt HARTE Stories, die sie im Laufe ihrer Einsätze in den eher ländlichen ugandischen Regionen erlebt hat: So war sie bei einem ‘Forgotten Tribe’ am Ostufer des Lake Albert, wo (unbemerkt von der Weltöffentlichkeit) die Cholera bestialisch wütet & schon den halben Stamm dahingerafft hat. Es gibt dort weder Strom noch Trinkwasser. In Ermangelung von letzterem sind die verzweifelten Menschen gezwungen, das unbehandelte (& wegen des zusätzlichen Fehlens von Brennholz nicht einmal abgekochte!) Lake-Albert-Wasser zu sich zu nehmen. Joy meint sarkastisch, daß sich die Ärmsten GLÜCKLICH schätzen können, wenn sie sich NUR mit Cholera infizieren ... ... & nicht auch noch Bilharziose holen !? Übrigens: staatliche medizinische Hilfe ist bis zu diesen ugandischen Bürgern noch nie vorgedrungen, da keine befahrbare Piste existiert ... In zwei Wochen läuft Joys Zwei-Jahres-Kontrakt aus & sie gesteht, daß sie sich auf Kanada (& ... ‘ein wenig Komfort’) freut! Da ich mich entschlossen habe schon heute nach Mweya weiterzureisen (Naja - WAS sollte mich in Kasese halten, da doch die Berge tabu sind?) muß ich mich ‘check-out-time’-gezwungen bereits um Zehn Uhr von Joy verabschieden: ‘Perhaps ... we meet in Fort Portal ... at the Weekend!? Take Care & Enjoy your Trip!’ Zurück ins Hotel: erst Kacken - dann Packen! Nach einer gleichermaßen spontanen wie (doch) repräsentativen Interview-Serie mit einheimischen Passanten, verweist man mich an einen Privat-Bus (mit dem Fernziel Kampala), der gerade im Begriff ist, die Stadt zu verlassen: Gott-sei-Dank (!) ... ... sind es NUR 30 Kilometer bis zu meinem ‘Drop-Off-Point near Katunguru-Village’ (hier befindet sich einer der beiden bewachten Eingänge zum ‘Queen Elizabeth National Park’ & ... hier startet auch die ‘Park’-Straße zur Mweya-Halbinsel, meinem heutigen Tagesziel!) ... ... DENN schon diese kurze Strecke reicht aus, um mir den Unterschied zwischen dem gestern genossenen Postbus & ‘irgendeinem Bus irgendeiner der privaten Bus-Gesellschaften’ zu veranschaulichen! Schneller als mir lieb sein kann, wird deutlich, daß der ‘durchschnittlich-gemeine ugandische Busfahrer’ nur EINE EINZIGE Geschwindigkeit kennt ... & die ist mit dem Begriff VOLLGAS eigentlich unverantwortlich verharmlosend bezeichnet! ER (der ‘durchschnittlich-ugandische gemeine Busfahrer’) läßt sich von dieser, seiner Bestimmung durch kein entgegenkommendes Fahrzeug abbringen. Und ist er gar der (offensichtlich) Stärkere ... ... dann sieht er (darüberhinaus) auch keinerlei Veranlassung von seiner Ideallinie, der exakten MITTE der Straße, auch nur EINEN Millimeter abzuweichen. Hm - für mich ist Uganda kein Land, in dem ich mich erholen kann (jedenfalls nicht wenn ich in einem Bus sitze) & ich atme hörbar auf ... ... äh ... als ich nach einer knappen halben Stunde das ‘Himmelfahrts-Kommando’ fliehen DARF! Aber der nächste Stress lauert schon auf mich: die nervigen Verhandlungen mit dem örtlichen (einzigen & daher) Taxi-Monopolisten bezüglich des über eine enorme Spannweite verfügenden, weil FREI aushandelbaren Fahrpreises nach Mweya ... Übrigens: Busse dürfen nicht in den Park! Sein Eröffnungsangebot beträgt 25.000 Uganda-Shilling & ist speziell für den Low-Budget-Backpacker (& ... gerade mal kostendeckend) kalkuliert. Als ich mich auf eine gemütliche Cola vor die einzige Bar der kleinen Siedlung setze, liegen wir schon nur noch bei 12.000 U-Sh ... & meine zur Schau gestellte entspannte Lässigkeit (die mein Gegenüber als brutalste, psychische Gewalt empfinden MUSS) reduziert den Fahrpreis letztlich nochmals um weitere 2.000 U-Sh. Nein - ich bin NICHT stolz auf mich! Dazu habe ich auch keinen Grund ... ... schließlich ist mein erzieltes Verhandlungsergebnis immer noch das exakt Doppelte des mir in Kasese genannten, für Einheimische geltenden ‘üblichen’ Fahrpreises (& somit EXAKT identisch mit dem von mir auf Reisen akzeptierten & tolerierten ‘Touri-Zuschlag’). Anyway ... Am ranger-bewehrten Eingangstor erstehe ich ein ‘2-bis-5-Tage’-Ticket & ... ... verabschiede mich von vier ‘10.000-U-Sh’-Banknoten! Und während der folgenden, 10 Kilometer messenden Fahrt-Strecke zum Touristen-Komplex (am fernen Ende des natürlichen Fahrdamms zur Mweya-Halbinsel), darf ich mir Gedanken darüber machen, in welcher Preiskategorie der zur Auswahl stehenden ‘Accommodation-Options’ ich (& meine Geldbörse) mich / uns einzuordnen gedenke/n: - das ‘Low-Budget’-Einzelzimmer in der komfortablen ‘Mweya Safari Lodge’ ist schon für 50 Dollar zu haben, - ein Gästezimmer im nahen ‘Ugandan Institute of Ecology’ kostet 20 Dollar, - und die billigste Unterkunft ist eine Baracke (nackter, unverputzter Raum ohne Moskitonetz, dafür aber mit drei eisernen Doppelstock-Betten!) im sogenannten ‘Students-Camp’. Trotz Skepsis (äh ... von wegen ‘malaria-gebranntes Kind’) entscheide ich mich für die einfache & billige (Bettel-)Studenten-Variante. Naja - billig allerdings auch nur im Vergleich (denn der ‘Stall’ kostet immerhin noch stolze 10 US-Dollar!). Auf meine beharrliche Nachfrage hin, erhalte ich schließlich einmal die komplette Luxus-Ausstattung (ZWEI Bettlaken und EIN Kopfkissen) & ... ... darf mich (da ich heute der einzige Gast im Camp bin) ALLEINE in einer ‘Sechs-Personen-Studenten-Bude’ breitmachen! Erstmal beschnuppere ich mein neues ‘Viertel’. Neben dem luxuriösen & teuren Lodge-Restaurant wird in dem überschaubaren Areal die gemütliche ‘Tembo Cantina’ betrieben, in der es gute, vornehmlich einheimische Speisen & Getränke zu gänzlich UN-luxuriösen Preisen gibt. Der sofort an Ort & Stelle durchgeführte, erste Test dieses meines neuen Stammlokals, fällt (auch wegen der SEHR netten ugandischen Betreiberinnen) über die Maßen positiv aus: Für knappe 5 Dollar erhalte ich ein SAU-gutes Lunch-Menu ... ... bestehend aus gebratenem ‘Tilapia’ (DER Süßwasserfisch Ugandas) in delikater Erdnuß-Sauce sowie Reis & ‘Matooke’ (ein gekochtes Bananenpürree, das in keinem ‘Arme-Leute’-Restaurant Ugandas fehlen darf!). Dazu gönne ich mir ein eiskaltes ‘ESB’ sowie (als flüssiges Dessert) einen STARKEN Kaffee. Im ‘Super-Spar-Preis’ inbegriffen, sind weite & abwechslungsreiche Ausblicke von der schattigen Terrasse auf den Kazinga Channel ...
 |
... & das unmittelbar um mich herum TOBENDE, tierisch-wilde Leben: - Warzenschweine & Büffel auf dem sich sanft zum Seeufer hin neigenden, ‘Euphorbia’-bestandenen Gras- & Buschgelände,
- einige erste Exemplare der im Park zahlreich vertretenen Flußpferde (allerdings noch aus großer Entfernung, sprich: am gegenüberliegenden Ufer des Kanals), - eine Menge unterschiedlicher, immer aber in grellsten Farbkombinationen SCHREIENDER Vögel (die auch akkustisch auf sich aufmerksam machen & so die Luft um mich herum zum ‘doppel-sinnlichen Vibrieren’ bringen),
- sowie ein erbärmlich humpelnder, ‘DIE traurige Gestalt des Kantinen-Areals gebender’, weil nur ein-beiniger (bürgerkriegs-versehrter ...?) Marabou.
Nach einer Stunde der Kontemplation (nur unterbrochen durch sporadische ‘Great Nature- & Wildlife-Shots’) macht sich in mir ein Gefühl von ANKOMMEN breit: Mein erster Eindruck von Mweya ist ein ZIEMLICH GUTER !!! Gegen Drei Uhr schlendere ich zurück in meinen spartanischen ‘Bunker’ & präpariere meinen Fotorucksack für einen ersten Erkundungs-Spaziergang über die große (& sehr viel ‘Auslauf’ bietende) Mweya Peninsula. Hm - zwar blicke ich noch nicht GANZ durch ... ... aber ich vermute (erstmal & der Einfachheit halber), daß der schmale, natürliche Fahrdamm von der Halbinsel hinüber zum Festland-Teil des Nationalparks DIE Grenze markiert, ab der gilt: Walkin’ Strictly FORBIDDEN! (naja - zur ‘Falsifizierung dieser, meiner Vermutung’ > siehe später!). Tja - & dann geht’s los ...
 |
... UND WIE !?! Nicht einmal 100 Meter südlich meiner Behausung, werde ich (ungewollt) Zeuge eines blutigen Zweikampfes: Zwei zu ALLEM entschlossen scheinende Warzenschwein-Männchen schlagen sich ihre massiven, säbelförmigen & messerscharfen Hauer gegenseitig in DIE Körperpartien (Weichteile!), die ihrer Erfahrung & Meinung nach die schmerzempfindlichsten sind. Schon nach einem halben Dutzend ‘Klingen-Kreuzungen’ bluten beide deutlich sichtbar aus klaffenden Wunden. Ich vermute, daß es (wie eigentlich IMMER, wenn sich zwei Männer freiwillig zu Idioten machen) um eine Frau geht! BLITZSCHNELL ... ... reiße ich meine Kamera hoch! Nahezu im gleichen Moment habe ich die beiden Kontrahenten (die sich Stirn an Stirn & mit abgrundtief-haßerfülltem Blinken in den Augen gegenüberstehen) EXAKT im Sucher! Ich nehme nur noch eine ALLERLETZTE Scharfstell-Korrektur vor, hole das Motiv noch EINE IDEE NÄHER heran & ... ... & DAS WAR’S! Denn NATÜRLICH (!) VERPASSE ich diese einmalige Chance zum ‘One-Million-Dollar-Shot’ (wenn auch nur - zugegeben: ein schwacher Trost! - um einige, wenige Tausendstel Sekunden-Bruchteile). ICH IDIOTEN-IDIOT, ICH! (... & da ist weit & breit keine Frau, der ich die Schuld für mein klägliches VERSAGEN anlasten könnte). So plötzlich, wie der ‘Bloody Fight’ begann, ist er auch schon wieder zu Ende. Die beiden verletzten Protagonisten verziehen sich zu ausgiebigem ‘Wunden-Lecken’ in ein nahes Gebüsch & ... auf Nimmer-Wiedersehen! SHIT !!! Übrigens ... habe ich das ‘schweinische Gemetzel’ nicht alleine beobachtet: Ich unterhalte mich kurz mit einem von der Gegengeraden der Arena auf mich zusteuernden Parkwächter, der mir (gerade so, als wären meine gehässig-agressiven Selbstvorwürfe nicht schon zerknirschend genug) wortreich & atemlos zu verstehen gibt, WIE SELTEN ein solcher Schnappschuß ist: ‘And YOU Got it - You LUCKY ONE!’ (GRRRR ... !!!). Trotzdem setze ich (nachdem ich eine Viertelstunde DAS Gebüsch beobachtet & mit meinem Teleobjektiv ein ums andere Mal - natürlich vergeblich! - abgefahren habe) meinen ‘netten Park-Spaziergang’ fort ... ... konzentriere mich jedoch bei meinen weiteren, überfall-artigen Foto-Attacken auf DIE Objekte ... äh ... die (mir) LIEGEN! Sprich - auf ALLES, was nicht weglaufen kann (als da wären): - wunderschöne, in allen Farben blühende Riesen-Kakteen (oberflächlich betrachtet zwar bewegungslos, aber mit ihren ‘Mörder’-Stacheln sichtlich ERREGT aufeinander zielend),
 |
- nach zweieinhalb Monaten Ost-Afrika mir nur mehr MÄSSIG Angst einzuflößen in der Lage seiende Fächer-Akazien (obwohl: Wer weiß schon, welche Bestien sich ‘in Wahrheit’ hinter dieser unscheinbaren Fassade ...?), - in deren unmittelbarer Nähe (Konkurrenz?) mehrere Legionen der die Flora des Parks eindeutig dominierenden ‘Euphorbias’, die im englischen Sprachraum zwar verharmlosend-bildhaft ‘Candelabre Tree’ genannt werden ...
... deren deutscher Trivialname ‘Wolfsmilch’ aber (hm - so VERMUTE ich jedenfalls) ein kaum verborgener Hinweis auf die urgewaltigen Kräfte dieser tropischen, bis zu fünf Meter lichte Höhe erreichenden, in ihren kakteen-ähnlichen Seitentrieben & Blättern Wasser speichernden (lediglich anhand des Baum-Stammes von ‘gemeinen Kakteen’ zu unterscheidenden) Baum-Sukkulente ist, - sowie ungastliche Gras- & Steppen-Landschaft (deren unzweideutige Drohgebärden in Richtung einsamer Touri-Wanderer jedoch durch harmlos erscheinende Süßwasser-See-Atmosphäre abgemildert wird: ... aber MICH täuscht niemand!). Naja - ein paar Einzel-Impalas & Warzenschwein-Muttis (mit ‘Blagen’) verirren sich ebenso (unbeabsichtigt) in meine ‘Horror-Still-Leben-Galerie’ ... ... wie eine Handvoll (im übertragenen Sinn) besonders farbenprächtiger, exotischer Exemplare ‘meiner allgegenwärtigen, kleinen gefiederten Freunde’. Übrigens: Das Bewegen & Benutzen meiner eigenen (leider kaum-sukkulenten & daher in kürzester Zeit übersäuerten) Beine ... tut VERDAMMT GUT! Obwohl die Sonne immer noch (unbarmherzig & nahezu senkrecht) auf mich hernierder KNALLT.
 |
Apropos ‘Temperatur’: Ich befinde mich weniger als EINEN BREITENGRAD entfernt vom Äquator, der knappe vierzig Kilometer nördlich von Mweya (allerdings recht unspektakulär!) die ‘heiße Naht’ zwischen nördlicher & südlicher Erd-Halbkugel markiert & ... GIMME A BREAK - PLEASE !!! Äh ... fragt sich nur, WOVON?
- Schnitt! -
Da ich dies schreibe, geht ein ‘Heavy Tropical Rain’ über der Mweya-Halbinsel nieder! Ich sitze auf der Terrasse der ‘Mweya Safari Lodge’ & bin, da unter der weitauskragenden Stoff-Markise sitzend, zwar gegen das Stakkato des Wolkenbruchs geschützt ... ... (wetterbedingt) gleichzeitig aber extrem IMMOBIL & somit dem Stakkato meiner touristisch-tobenden, unmittelbaren Umgebung hilflos ausgeliefert: Am Nebentisch QUATSCHT eine nerv-tötende, junge ‘Gringa’ einen (aufgrund seiner LACHE zwar nicht herkunftsmäßig, aber doch geistesmäßig - & zwar als eindeutig BEHINDERT bestimmbaren) Touri DERART AFFEKTIERT & ÜBERLAUT VOLL ... ... daß sich mir die Fußnägel auf den Rücken, von dort (große konzentrische Kreise beschreibend) über die den unteren Extremitäten körperseitig-entgegengesetzten akkustischen Sinnesorgane nach oben zwirbeln & von hier aus vertikal (& PARALLEL!) Richtung wolkenverhangenem Himmel streben ... ... in dessen unsichtbarem Zenit sie sich letztlich (zwar im Widerspruch zu allen mathematisch-physikalischen Naturgesetzen, aber dennoch eindeutig) SCHNEIDEN! Also: die ‘parallelen Fußnägel’ !!! (oder genauer gesagt: die Hornfortsätze meiner beiden großen Zehen!). Tja - & das Schneiden führt zum ZIEHEN! Und zwar im exakten Unterleibs-Fokus meines nördlichsten Zehen-Ursprungs-Ortes! Oder anders ausgedrückt (& kurz gesagt): DIE ALTE GEHT MIR VOLL AUF DEN SACK !!! Im Moment würde ich liebend gern ihre Mutter (die allem Anschein & -laut nach aus dem ‘Lande der unmöglichen Begrenztheit’ kommt) fragen, ‘WARUM (um-alles-in-der-Welt!) SIE sich DAMALS (!) zu ungeschütztem Sex hat überreden lassen?’ Hm - ein kleines Versehen dieser (vermutlich die aktuelle Fernreise ihrer Tochter aus nicht ganz uneigennützigen Beweggründen voll & ganz & zeitlich-unbegrenzt finanzierenden) Menschin ... ... aber eine schlichte Katastrophe für die (augenblicklich - LEIDER! - durch MICH repräsentierte) Menschheit! NEIN: Ich bin ganz ruhig! Meine Arme & Beine sind schwer & warm! Atmung & Herzschlag pulsieren gleichmäßig & tief! Mein Sonnengeflecht ist ‘völlig losgelöst’ ... ... & meine Geduld ist jetzt - genau JETZT ... AM ENDE !!! ‘Ach Cathrin - mein schweigsamer (oder falls denn doch, so wenigstens & immerhin wohl-sonorig klingender) Schatz! Du meine Marcelina Marceau unter den weiblichen Landplagen: ICH LIEBE DICH ... ... & deine gottgegebene (?) Fähigkeit, sich bietende Chancen zum konstruktiven, das Gespräch befördernden Schweigen nicht nur zu erkennen, sondern auch SELTEN (bis GAR NIE NICHT!) ungenutzt verstreichen zu lassen!’
- Schnitt! -
Und damit (erstmal) ... ... ‘Back To My (Chronicle) Job’: Nach etwa einstündiger Wanderung muß ich den kaum mehr erahnbaren Trampelpfad aufgeben & mich querfeldein durchs dornige Dickicht zum Seeufer schlagen - oder genauer: zum (noch) Kanalufer. Die Hauptschwierigkeit dieser beschwerlichen Fortbewegungsart besteht übrigens darin, sich im Gebüsch versteckende Büffel & Warzenschweine möglichst nicht zu ‘überraschen’ ... & diese derart (durch mein plötzliches Erscheinen vermeintlich in die Enge getrieben) zu unüberlegten Notwehr-Angriffs-Attacken zu provozieren!
SORRY! ... ... letzter (versprochen!) Einschub:
Das mit ‘Vollidioten-Lache’ nur unzureichend bezeichnete GEWIEHER dieses einem JEDEN Einzeller intelligenz-mäßig um Lichtjahre unterlegenen Kretins ... ... ist NOCH NERVIGER als das un-GLAUB-liche Kalaschnikoff-Geschnatter seiner kongenialen Gesprächspartnerin! Obwohl ich mit fortschreitender Dauer ihres ‘Gespräches’ (hm - NOCH so ein Euphemismus!) zunehmend zu der abschließenden Beurteilung neige: Eine dieser so raren, glücklichen Situationen (es GIBT keine Zufälle!), in der sich zwei verwandte Geister (‘Geister’ nicht von ‘Geist’ oder ‘Esprit’, sondern eher von ... äääh ... naja: wenigstens KEINESFALLS von ‘Geist’!) gefunden & hundert-prozentig VERDIENT haben! HANS - kannst denn wenigstens DU nachempfinden, wie ich mich fühle, wenn ich bekenne ‘datt isch jetz eijentlich im Bett jehn möcht’ !? (... & dabei ist es noch nicht einmal Sieben Uhr!).
Ende Einschub!
Endgültig SPANNEND wird mein ‘Off-Trek-Walk’, als sich im nur mäßig-feuchten Sand eine Vielzahl frischer, einander verdammt ähnelnder Tier-Fußspuren zeigen: Vier große & tiefe Einzel-Zeh-Abdrücke (die offensichtlich mit ENORMEM Körpergewichts-Einsatz in den sandigen Untergrund gestampft wurden) sind in einem ‘270-Grad-(Fast-)Kreis’ angeordnet. Meine vermittels schmerz-verursachender Fingerspreizung (‘Sieht aus wie eine Kinder-Pianistenhand, die versucht eine Undezime zu greifen!’) auf maximal-möglichen Umfang AUSGEFAHRENE & doch vergleichsweise so zarte ‘rechte Patsch-Hand’, VERLIERT sich geradezu in dem testweise ertasteten Erd-Krater ... ... & am nächsten Morgen erhalte ich von John (meinem ‘wissenden’ Camp-Boss) die letztliche Bestätigung meiner (frühen) Vermutung: ‘SURE - Definitely Hippo-Traps!’ Auch wenn ich mir noch so große Mühe gebe, vorsichtig & geräuschlos durch die trockeneren Schilfpassagen ‘dahinzugleiten’ ... ... auf meiner Seeuferseite muß ich mich (heute!) NUR mit Fußabdrücken der tonnenschweren Dickhäuter zufriedengeben! Statt spektakulärer ‘Zwiegespräche in Hippoisch’ vertreibe ich mir (eine kurzweilige Stunde lang) die nicht-vorhandene Langeweile mit Bird-Watchin’, Atmo-Breathin’ and Simply Feelin’ Good ... Dann marschiere ich (bester Laune, weil: ‘Welcome Back to the Trekkers-Family’!) zurück ‘Richtung: Menschen!’, lasse mein ‘Students Camp’ allerdings rechts liegen ... ... & steuere die ‘Mweya Safari Lodge’ an: Auf der verwaisten (& DAHER gemütlichen!) ‘korbgeflecht-polstersessel’-bestuhlten Sonnen-Terrasse BIWAKE ich bis zum Einbruch der Dämmerung bei Kaffee, Bier & Tagebuch.
 |
Schließlich verlagere ich mein Abendgelage in die ‘Elefanten-Kantine’, wo ich mir mein drittes (& für heute letztes) ‘ESB-Special’ genehmige. Als ich um Neun Uhr den ‘Heimweg’ antrete, bin ich zunächst etwas orientierungslos (nein! NICHT ob meines unbotmäßigen Bierkonsums!): Die weitverstreuten Gebäude des Park-Komplexes präsentieren sich (mit Ausnahme der hell-erleuchtete Lodge) in schlicht gleichmäßig-pechschwarzer Dunkelheit ... ... was jedoch kein wirkliches Problem ist. Mit Hilfe Ullas ‘Megalite’-Taschenlampe tauche ich kurzerhand den kompletten Westen Ugandas in gleißendes ‘A(f)r(o)tificial Light’ ... & der Rest ist dann ein Kinderspiel (naja ... ?!). John stattet mich nach meiner (denn doch) ‘glücklichen’ Rückkehr mit einer großen Kerosinlampe aus: das ‘Students Camp’ hat nicht DIE volkswirtschaftliche Bedeutung, die einen Anschluß an die öffentlich-ugandische Stromversorgung zwingend erforderlich erscheinen lassen würde (& folglich ... hat’s hier auch kein elektrisches Licht!). Er wünscht mir ‘A GOOD NIGHT!’ ... ... & zwei Minuten später ‘liege ich in der Falle’! Hm - sowohl im ‘sowohl’- als auch im ‘als-auch’-Sinn! Denn ... ... ich fasse mich kurz: Nach Elf Uhr vernehme ich die eindeutigen Geräusche eines Menschen, der vier oder fünf Mal langsam & gleichmäßig-schleppenden Schrittes MEIN Gebäude ‘umschlurft’, zu dem außer meinem ‘Ein-Raum-Domizil’ noch drei weitere (heute verwaiste) Baracken gehören. Schlußendlich BERUHIGE ich mich mit der laut ausgesprochenen Vermutung, daß es sich wohl um John (meinen ‘Lager-Chef’), auf einem seiner Kontrollgänge handelt. Am nächsten Morgen stellt sich diese, meine Vermutung jedoch als unzutreffend heraus & John (sichtlich um ‘Mitgefühl heuchelnde Verunsicherung’ bemüht) kündigt an, ‘dem geheimnisvollen Schleicher in der folgenden Nacht aufzulauern’! NACH (!) dem ‘nächtlichen Horror-Hörspiel’ schiebe ich sicherheitshalber eins der beiden (bis dahin nur sinnlos meinen Raum verengenden) schweren Eisen-Etagenbetten vor die Zimmertüre & ... ... erlausche in der Folge nur noch die ‘Usual Ugandan Animal-Noises’: - das schrille, hysterische Lachen der Hyänen, - die (sehr nah klingenden) bass-lastigen Grunz-Geräusche der zahlreich im Camp umher vagabundierenden Warzenschweine (unmittelbar vor / an meiner nun GUT-gesicherten Baracken-Türe), - sowie EINEN mark-erschütternden & gänsehaut-verursachenden (das ‘Auspusten eines schwächeren Lebenslichtes’ vermeldenden?) ‘SINGLE-ROAR’ !!! John meint am nächsten Morgen zwar, daß es sich durchaus um das Gebrüll eines Löwen gehandelt haben KÖNNTE (da deren ‘laute Laute’ zuweilen selbst aus einer Entfernung von mehreren Kilometern & ... vom gegenüberliegenden Kanalufer bis ins Camp dringen!) - ABER ... DAS bin ich EIGENTLICH nicht gewillt ... äh ... zu glauben, JOHN !? (naja - jedenfalls NOCH nicht!).
P.S.: Überraschenderweise KEINE Moskitos & (nicht minder überraschend) TROTZ Bullen-Hitze DOCH einige Stunden Schlaf ... ... & SCHLUSS! (Du Laberbacke, DU!).
|
|