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AUF DEN SPUREN DES VORCHRISTLICHEN, AXUMITISCHEN REICHES DURCH DEN NORDEN ÄTHIOPIENS ! ODER: DAS KAISERREICH ÄTHIOPIEN - BOLLWERK GEGEN DEN WELTWEITEN KOLONIALISMUS !
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... von Asmara (Eritrea) über die Grenze nach Axum im Norden von ... sowie weiter über Inda Selase nach Gondar im Nord-Westen von ... (Äthiopien)
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Mittwoch, 11. Februar bis Freitag, 13. Februar 1998
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Um Halb Vier Uhr (schon) rappelt mein brasilianischer Wecker! Zunächst (noch im Bett liegend) rauchen & gaaanz langsam wach werden ... ... dann Packen: Um Halb Fünf Uhr marschiere ich durch die stockdunklen, nur von sehr vereinzelten Straßenlaternen ‘gedimmten’ Gassen von Asmara. Ein riesiger, kompletter Vollmond sorgt für die einzige Orientierung. Eine Reihe Uniformierter stehen und / oder patroullieren im unübersichtlichen Marktviertel. Die eritreische Kapitale besitzt so früh am Morgen einen ganz speziellen Charme ... ... & trotz einiger dubios aussehender & umher schleichender Gestalten fühle ich mich ausgesprochen sicher! Kurz vor Fünf Uhr treffe ich am schon SEHR geschäftigen Busbahnhof ein: WUSEL - Wusel - wusel! Ein halbes Dutzend Busse wird mit Menschen & Gepäck beladen. Schon nach kurzer Rundfrage finde ich MEINEN ‘Border’-Bus (mehrere unterschiedliche Grenz-Übergänge werden von verschiedenen Bussen angesteuert). Hm - So Weit, So Gut! Ich verabschiede mich von meinem Rucksack, der auf dem Busdach verstaut wird - reserviere vermittels meiner ‘Krabbenfischer’-Mütze einen Sitzplatz im vorderen Bereich des Busses - & steuere dann auf einen schwach erleuchteten Raum zu, aus dem vernehmlicher Teeduft zu mir herüberweht ... ‘Hello Paula!’ Auch SIE verläßt heute Eritrea. Ihr Reiseplan sieht die Zwei-Tages-Reise nach Lalibela vor - der als Weltkultur-Erbe bei der UNESCO gelisteten Axum-Nachfolge-Königsstadt aus dem 12. Jahrhundert. Etwa 500 Kilometer nördlich von Addis Ababa gelegen, befindet sich Lalibela jedoch ‘Far Off MY Private Gringo-Trail’ ... ... MEINE Reiseplanung weist Axum als heutiges Etappenziel aus. Langer Plausch zu exotisch-gewürztem (Kardamom, Zimt, Nelken & ...?), brühend-heißem Tee. Uns bleibt viel Zeit ... ... denn das Beladen der Busse dauert: Das mitgeführte Gepäck der Passagiere summiert sich auf dem Dach der Busse zu einem kompakten Quader, der annähernd das gleiche Volumen aufweist wie der Bus selbst. Anschließend wird alles mit einer riesigen Kunststoffplane zugedeckt & diese mit dicken Seilen sicher festgezurrt. Naja - man kann den eritreischen Busangestellten so manches, keinesfalls aber mangelhafte Gründlichkeit vorwerfen - allein ... ... die benötigt halt ihre Zeit! Um Halb Sechs Uhr quetsche ich mich auf meinen Sitzplatz. Zehn Minuten später schaltet ein Helfer des Fahrers ... nein: (nur) das Radio ein. Weitere zehn Minuten später betätigt der Fahrer (höchstpersönlich!) erstmalig den Anlasser seines Busses & pünktlich um Sechs Uhr rollen wir gemächlichen Tempos vom Bahnhofsgelände. Übrigens - in Eritrea herrscht eine erstaunlich variantenreiche Kleiderordnung: ... angefangen von der üblich-’westlichen’ Kleidung (Jeans & T-Shirts - die größte Gruppe!) geht es nahtlos über ... eindeutig muslimisch beeinflußte Gewänder (die Frauen in verschiedenfarbige, Sari-ähnliche Ganzkörper-Umhänge-Wickeltücher ‘gerollt’ - die männlichen Exponenten der ‘Islam-Fraktion’ durchweg in weiße Kombinationen gewandet, bestehend aus weiten Hosen, ebenfalls weiten & leger über der Hose getragenen Hemd-Sakkos sowie einem das stimmige Arrangement krönenden, kunstvoll aufgetürmten & augenscheinlich sehr arbeitsintensiv gewundenen Turban) hin ... zur Gruppe der ‘schärfsten Dressmen, wo gibt’ (GANZ ENTSCHIEDEN meine persönlichen Favoriten!). Diese (meist älteren Männer) sind offensichtlich der italienischen Mode stark verpflichtet: Korrekt in Anzug, Krawatte & Hut (sowie mit Spazierstock) einher schreitend, demonstriert deren SEHR aufrechte Körperhaltung einen kongenial-überzeugenden Mix aus grenzenloser Würde, berechtigtem Stolz & unendlichem Selbstbewußtsein. Das gesamte ‘HOB-Ensemble’ befindet sich allerdings auf dem Haute-Couture-Top-Niveau der frühen Sechziger Jahre (nein: DIESES Jahrhunderts - immerhin!) ... ... & ein ums andere Mal fühle ich (auf Zeitreise) mich wie der Zaungast bei einer frühen Fellini-Film-Produktion. Hm - und zeitlich durchaus passend (wenn auch eher der ‘deutschen Wirtschafts-Wunder-Kultur-Epoche’ zuzuordnen), knattern die fast vergessenen ‘fahrbaren Untersätze’ meiner frühesten Kindheitserinnerungen durch das perfekt gestylte Bühnenbild: VW-Käfer, Ford Taunus & 12M (unheimlich rund!) sowie Opel Rekord (im Gegensatz dazu wahnsinnig kantig!). Äh - ich verliere mich ... Eine halbe Stunde bereitet die zunächst nur erahnbare ostafrikanische Sonne ihre letztendliche Erscheinung (also doch ... noch!) vor. DANN taucht SIE die ‘auf hohem Niveau’ sich befindende, aber flache & karge Landschaft in gleißendes Morgenlicht. Sehr vereinzelt zeigen sich kleine Ortschaften - die wenigen Menschen (& sonstigen Lebewesen) sind unübersehbar allesamt noch SEHR müde ... ... genau wie ICH: Mehrmals drohe ich einzunicken! Aber das ist in Anbetracht der selbst für mich ungewohnt frühen Tageszeit ja auch nicht weiter verwunderlich - oder ...? Trotz strahlender Morgensonne registriere ich (nur) wie durch einen dichten Nebelschleier, daß wir Adi Ugri passieren: die kleine, aber Hauptstadt der süd-eritreischen Provinz Seraye ... ... mit staubigen Straßen, einem großen Schulzentrum (ungezählte Uniform-Träger-KnirpsInnen bilden einen unorganisierten ‘Sternen’-Marsch) sowie einer ‘alles überragenden’ Moschee. Nach einer weiteren Fahrtstunde stoppt der Bus in Adi Qala, der letzten Ortschaft zwanzig Kilometer vor der eritreisch-äthiopischen Grenze. Unser Fahrer dreht noch im Ausrollen des Busses energisch den Zündschlüssel: Alle Aussteigen! Zoll-Check! Schon hier & jetzt wird das mit soviel Mühe auf dem Busdach verstaute Gepäck wieder ‘entblättert’. Die jeweiligen Besitzer werden von den rüden Zöllnern einzeln (& peinlich!) nach dem Inhalt jedes einzelnen Gepäckstücks befragt. Einer der Mitreisenden verfügt offensichtlich weder über hinreichende Argumentations-Fähigkeiten noch (alternativ hierzu) über ausreichende Barmittel ... ... & so werden seine schweren, verrosteten Metallteile unbestimmbarer (wenn überhaupt?) Funktion, ohrenbetäubende Schepper-Geräusche verursachend, vom Dach des Busses heruntergeworfen & hinter dem Zollgebäude entsorgt. Hm - aber MEIN Rucksack darf mit ‘rüber’ ... Während dieser zeitaufwendigen Prozedur vertreibe ich mir meine Langeweile mit: ... dem KONZENTRIERTEN Durchziehen einiger ‘Good-Mornin’-Wake-Up-&-Back-To-Work-(Camel!)’-Zigaretten, ... der zwar stummen, aber einvernehmlichen Zwiesprache mit einem im Staub kauernden ‘Working-Camel OFF Work’, ... sowie der (ungläubigen) Beobachtung eines jungen, barfüßigen Mädchens, das systematisch jeden Quadratzentimeter des in Müll & Abfällen versinkenden Bahnhofsplatzes nach regenerierbaren Energieträgern absucht - sprich: Die herum-liegenden, breit-getretenen & knochen-trockenen Ziegen-Exkremente in einer vergammelten Blechdose verschwinden läßt ... ... allerdings jeden einzelnen ‘Köttel’ genauestens (worauf-auch-immer) prüfend, bevor ER für würdig befunden wird, in IHRE Sammlung aufgenommen zu werden. Mittlerweile ist es Neun Uhr ... ... als der Busbegleiter (endlich!) die erlösende Aufforderung ‘Einsteigen!’ ausspricht & wir die letzten, spektakulären zwanzig Kilometer bis zur Grenze in Angriff nehmen können. Schon nach wenigen Minuten erreichen wir den Rand des eritreischen Hoch-Plateaus & unter uns tut sich ein gewaltiger Canyon auf: IRGENDWO DA UNTEN ... muß der Mareb-Fluß die Grenze zwischen Eritrea & Äthiopien markieren. Wir durchkurven etwa zwanzig Steilkehren (& überwinden derart 500 Höhenmeter, was EINEM Entfernungs- oder FÜNF Straßen-Kilometern entspricht), bevor wir das Tal-Niveau erreichen - & eigentlich müßten wir nach einer weiteren Viertelstunde den Grenzposten passieren. Hm - EIGENTLICH ... Aber schon nach wenigen ‘ebenen Augenblicken’ endet unsere parallel zur asphaltierten Straße verlaufende Dirt Road abrupt: Die Asphaltstraße führt über eine schmale Brücke ... ... & genau DIESEM Straßenabschnitt ‘verpassen’ erbärmlich in der Morgensonne schwitzende Arbeiter gerade eine neue Fahrbahndecke! Unserer Aushilfsstraße wird von einem tiefen Graben rechts & links der Brücke jede Überholmöglichkeit verwehrt & so erhalten WIR (ungewollt ... jedenfalls ich!) während der folgenden beiden Stunden eine ausgiebige Anschauungs-Lektion zum Thema: ‘ROAD CONSTRUCTION IN ERITREA ... ... the Bloody Hard & Teary Sweat Way!’ Der Asphalt wird mittels großem Gerät (Kipplader, Asphaltmischer & Schaufel-Bagger) ‘verlegt’ - obenauf verteilt man groben Kies - & anschließend verrichtet die schwere Planierraupe ihren Job (wobei jeder Einzelschritt dieser Prozedur mehrfach wiederholt wird). Für die Filigranarbeiten an den für die Maschinen unerreichbaren Straßenrändern steht eine bedauernswerte Hilfs-&-Hand-Arbeiter-Crew bereit, die mit Schubkarren & Schaufeln (immerhin!) ausgerüstet ist. Der verantwortliche Ingenieur, der an seinem grell-gelben Schutzhelm leicht zu identifizieren ist, wuselt zwar behend zwischen Arbeitern & Maschinen umher ... ... vermittelt aber durch sein ‘gewichtiges Auftreten’ trotzdem gekonnt den intendierten Eindruck, daß ER der einzige hier Anwesende ist, der das gesamte Projekt in seiner umfassenden Tragweite zu überblicken in der Lage ist. Hm - & was bleibt MIR übrig? Ich schieße einige Atmo-Aufnahmen (‘Work and / in Landscape’) - paffe eine gute halbe Schachtel Duty-Free-Camels - & ... ... gebe mich ansonsten dem Fatalismus hin! Also: NACHDEM ich die Vergeblichkeit ... meiner anfänglichen Bemühungen, hier ein schattiges Plätzchen zu finden sowie meiner anfänglichen Hoffnung, daß es heute noch mal weitergeht ... EINSEHE. Aber (Surprise!) - um Elf Uhr ist’s vollbracht ... ... & auch wenn mein Zeitplan VÖLLIG überholt ist: Ich bin Ü-BER-GLÜCK-LICH, als wir auch die letzten Kilometer eritreischen Bodens endlich ‘unter uns begraben’ (äh ... haben)! Die ‘Ex-Migration’-Prozedur auf eritreischer Seite geht relativ fix vonstatten. Ohne weitere Zeitvergeudung schultere ich meinen Rucksack & marschiere SOFORT (unter einer nun im exakten Zenith angekommenen Mittagssonne) zur anderen Seite des Grenzflußes. Übrigens: die Brücke über den Mareb trägt den schönen Namen ‘Friendship Bridge’. Was in mir sofort Assoziationen an eine gleichnamige Brücke an der nepalesisch-tibetischen Grenze weckt. Tja - weltumspannender Euphemismus (wenn nicht gar blanker, zumindest kaum verhohlener Zynismus!). Die Infrastruktur auf äthiopischer Flußseite erschöpft sich in einer Bus-Haltestelle, einer Handvoll Strohhütten, den Zelten der Teeverkäufer sowie einer guten Hundertschaft ‘Free-Lancing Money-Changer’ ... ... die Einwanderungsbehörde suche ich an diesem trostlosen Ort allerdings vergeblich. Nach Befragung des einzigen englisch-sprachigen Mitreisenden erfahre ich, daß diese in Rama (der ersten äthiopischen Siedlung: sieben Kilometer staat-einwärts) residiert. ALSO ... Bis sich der Minibus Richtung Rama (& weiter nach Axum) gefüllt hat, vergeht eine weitere Stunde, die ich mir damit vertreibe ... unzählige ‘Geld-Tausch-Abfuhren’ zu sammeln (NIEMAND will meine 275 Rest-Nacfa - aber ALLE wollen äthiopische Birr: SHIT!), ... ähnlich viele Gläser Tee zu trinken & ... mich mit meinem englisch-sprachigen Mitreisenden zu unterhalten ... ... der mir freundlicherweise einen 100-Nacfa-Schein gegen einen 100-Birr-Schein eintauscht, sodaß ich wenigstens bis Axum flüssig bin (& die an der Grenze getrunkenen Gläser Tee nicht anschreiben lassen muß). Der nächste Horror läßt jedoch nicht lange auf sich warten: Hm - ‘TODAY seems to be ONE OF THOSE DAYS!’ Gegen Halb Ein Uhr parkt unser ‘un-glaub-liches Wrack von einem Kleinbus’ vor dem äthiopischen Schlagbaum, wo man uns kalt-lächelnd bedeutet: ‘Lunch-Time until Two O’Clock!’ Ich erspare mir die Schilderung der folgenden, langweiligen & in ‘Mörder-Hitze’ verbrachten anderthalb Warte-Stunden. Erst kurz vor Zwei Uhr finde ich in der kleinen Barackensiedlung eine unscheinbare Bar, in der ich ein erstes, lauwarmes zwar, aber (immerhin!) äthiopisches Bier in mich hineingiere. Als kurz darauf die schwerbewaffneten, sonnenbebrillten (& vor Lässigkeit kaum mehr gehen könnenden) äthiopischen Grenzer erscheinen ... ... beginnt ein Schauspiel der ganz besonderen Art: unter lebhafter Beteiligung aller Anwesender wird unser Gepäck dem gründlichsten ‘Smuggling-Check’ unterzogen, den ich JE die Freude hatte (obwohl: letztes Jahr in kolumbianischem Rebellengebiet war’s auch nicht schlecht!) ... Mehrfach macht unser Busfahrer Anstalten loszufahren - aber die Grenzschranke will sich einfach nicht heben. Ein ums andere Mal wirft sich ein frischer (bislang unbeteiligt im Abseits stehender) Uniformträger mit großer Geste vor den Bus, springt ins Innere & stellt (bis in die Haarspitzen, die sich kaum mehr als einen halben Zentimeter von der Kopfhaut entfernt befinden, motiviert!) ‘die aller-letzten Fragen’. Naja - wenn’s denn nicht so UNERTRÄGLICH HEISS wäre, könnte man sich glatt totlachen, was allerdings beinahe aufs gleiche ... (hm - wenigstens langfristig!). Anyway ... Um Drei Uhr verlassen wir mit verdächtig stotterndem (?) Motor die ungastliche Grenzstadt Rama (übrigens: die Erlangung des äthiopischen Einreise-Stempels war eine Sache von wenigen Sekunden!). Mit Überschreiten der Grenze muß ich jeglichem, noch so dünnen Asphaltbelag auf den Straßen ‘Lebewohl!’ sagen (NOCH schwant mir allerdings nicht, für wie lange!) & unsere ‘Rappelkiste’ rumpelt über eine stoßdämpfer augenblicklich pulverisierende Dirt Road meinem heutigen Tages-Etappenziel entgegen. Allerdings (& das ist ein mehr als hinreichender Ausgleich für die zu erleidenden Unannehmlichkeiten) durch eine eindrucksvoll-spektakuläre Landschaft: Schroffe Gebirgsformationen bilden im Zusammenspiel mit einem makellos azurblauen Himmel den entfernten Horizont. Tonnenschwere Stein-Monolithe verteilen sich unregelmäßig in einem Areal, das insgesamt grüner (& bewaldeter) scheint, als auf eritreischer Seite. Nach einer Fahrtstunde erreichen wir den geschichtsträchtigen Ort Adowa, in dessen Nähe der äthiopische König (& Nationalheld!) Menelik II im Jahre 1896 den italienischen Invasoren eine vernichtende militärische Niederlage beibrachte. HEUTE ... ... hat das Schicksal UNS den Part der Italiener zugedacht. Unser Tank-Stop stößt auf größte Gegenwehr der (wehrhaften) Stadt: ‘Both Gasoline-Stations Ran Dry!’ Irrfahrt durch die labyrinthischen, engen Gassen der kleinen Stadt, bis der Fahrerassistent schließlich einen (gefüllten!) 20-Liter-Benzinkanister auftreibt. Als er (den Kanister schwenkend) aus einer Privat-Hütte heraustritt, liegt nicht nur Freude, sondern auch eine gehörige Portion Erleichterung auf seinem strahlenden Gesicht! Während sich der Fahrer tief unter die Motorhaube seines Busses beugt (übrigens: nicht zum letzte Mal am heutigen Tag!), genehmige ich mir eine eiskalte Fanta & lausche einem von fern zu uns herüberwehenden, traditionell-äthiopischen Chorgesang (inklusive typisch afrikanischer ‘Yoodle-Shouts’): ‘African Atmosphere AT ITS BEST!’ Eigentlich müßten wir das nur noch ‘schlappe’ dreißig Kilometer entfernte Axum um Halb Fünf Uhr erreichen. Hm - EIGENTLICH ... Aber NOCH sind ‘die Qualen eines verweichlichten Mitteleuropäers anläßlich seines ersten, RICHTIGEN Reisetages in Ostafrika’ nicht vorbei! Zehn Kilometer vor Axum beginnt der Busmotor auf ebener Strecke unüberhörbar zu stottern - & im folgenden, leichten Berg-Anstieg haben WIR ‘rein gar nichts mehr zuzusetzen’. Zweimal kann unser Fahrer zwar den mit lautem & ungesundem Gurgeln sich verabschiedenden Motor noch zum ‘Weitermachen’ überreden ... ... dann aber tut sich (trotz heftigster & batterie-schädigender Startversuche) rein GAR NIX mehr: TJA - & DAS WAR’S DANN! Ich bringe in Erfahrung, daß (erstens) der Ölfilter verstopft ist & (zweitens!) ‘Meine Crew’ das für eine Reparatur erforderliche Werkzeug nicht dabei hat: ÄH ... SCHÖNE GEGEND - HIER! Rauchend (Gott-sei-Dank reicht mein ‘Smoking-Survival-Kit’ LOCKER für die nächsten Tage, ... Wochen, ... Monate?) habe ich ausreichend Gelegenheit, die uns umgebende karge Landschaft, über die ein verdammt böiger Wind peitscht, (fotografierend) zu studieren ... Nach einer halben Stunde stoppt ein LKW. Das benötigte Werkzeug wird herangeschleppt & eine wabernde, unaufhörlich schnatternde, etwa zwölfeinhalb-händige Automechaniker-Masse kriecht unter die Motorhaube unsres Busses. Zwar habe ich zwischenzeitlich bemerkt, daß sich vom Motorblock aus eine ölige, schwarze Flüssigkeits-Fontäne den kürzesten Weg ins Erdreich (& zum Grundwasser?) sucht - aber vermutend, daß ein Protest meinerseits (‘For Ecological Reasons’) eh auf taube ‘Ethiopian-ears’ stoßen würde ... ... laß’ ich es lieber sein! Zehn ‘Mechaniker’-Minuten (?) später (die Sonne verabschiedet sich gerade hinter den hohen, uns umgebenden Hügeln) setzen wir die Fahrt fort & treffen schließlich ‘eben noch so bei Tageslicht’ in Axum ein. Am Busbahnhof werde ich (der einzige Touri!) von etwa fünfzig begeisterten Kindern & Jugendlichen empfangen. Meine umgehend abgegebene OFFIZIELLE Verlautbarung, ‘daß ich nicht nur genau weiß, in WELCHEM Hotel ich absteige, sondern darüberhinaus auch den Weg zum Hotel ALLEINE finde!’ ... ... verhallt im mich bedrängenden, lautstarken Freudentaumel natürlich ungehört: Und eine sich spontan findende, etwa zehnköpfige Eskorte läßt es sich (ebenso natürlich!) nicht nehmen, mich zum ‘Hotel Yeha (on-the-Hill)’ zu begleiten! Der ‘Touri-Protzo-Palazzo’ (mit Bar, Restaurant & Cocktail-Lounge) setzt in mir zwar einen langsam die Speiseröhre hinaufkriechenden Würge-Reiz in Bewegung ... ... aber: Wer weiß? Hätte der arrogante Angestellte am Empfang ETWAS kooperativer auf meine ‘Reisescheck-in-Bargeld-Wechsel’-Anfrage reagiert ...? Hm - vermutlich hätte ich (heute: ausnahmsweise!) die geforderten 36 US-Dollar für das schick-luxuriöse Zimmer bezahlt. So aber lasse ich mich (mit einem guten Gefühl!) die elend-lange Bergpiste wieder Richtung Stadtzentrum hinuntertreiben & ... ... checke im vergleichsweise ‘blutig-billigen’ Hotel Ghenet ein: Großer, bequemer Raum (mit eigenem Badezimmer!) für umgerechnet NUR 7 US-Dollar! Nebenbei bemerkt kostet ein Zimmer OHNE Bad zwar nur 4 US-Dollar ... ... aber ICH lasse mir von dem Umstand, daß es heute Abend in Axum weder Strom noch Wasser gibt, doch nicht die Freude an einem privaten Badezimmer vermiesen! Hm - das wär’ ja noch schöner - woll, Hans? Ich sage nur: ADAC! Apropos: Hans - die ‘blutjunge’ Äthiopierin, die mir mein Zimmer zeigt (& in deren Separeé ich die Hotel-Anmeldung ausfülle) sieht verdammt gut aus & ist sehr nett! HEUT’ MACH’ ICH NIX MEHR! Auspacken - Katzenwäsche (‘from the Bucket’) - anschließend (also nach etwa zehn Sekunden) zieht’s mich magnetisch ins hotel-eigene Restaurant! Zunächst einmal bemühe ich mich, gleichermaßen systematisch wie SCHNELL ‘den Abend einzutrinken’: Ich habe einen Riesen-Durst & spendiere mir (vor dem Essen) zwei ‘Birra Meta’, ein dunkles & sehr herbes äthiopisches Bier (zum Standardpreis von ‘Just Half A Buck - not more!’). DANN erst wende ich mich meinem Sekundär-Bedürfnis zu & stille meinen Bären-Hunger: mit (naja ...) ‘sättigenden Spaghetti Bolognese’ sowie (allerdings) SAU-gutem, pürriertem Gemüse. Während & nach dem Essen plausche ich mit zwei jungen Deutschen, die mir erzählen, daß sie in neun Tagen mit dem Flieger alle Sehenswürdigkeiten Äthiopiens ‘machen’! Hm - EIGENTLICH ... ... freue ich mich ja über solche Kontakte - bestärken sie mich doch in der irrigen (weil: objektiv schlicht falschen!) Annahme, daß ich mir bei meinen Reisen UN-END-LICH VIEL ZEIT lasse! Trotzdem hat auch diese Begegnung ihr Gutes: Denn im Verlauf des Gespräches erzähle ich den beiden von der schieren Unmöglichkeit, an der Grenze eritreische Nacfa in äthiopische Birr zu wechseln. Und anschließend, in der Bar (naja: was in Ostafrika halt alles so Bar genannt wird!) macht mich Alex mit einem befreundeten Briten-Pärchen bekannt, das sich auf dem Weg nach Eritrea befindet ... ... & nach zwei Bier sind wir (die ‘Briten-Frau’ & ich) uns einig, ich eine Sorge los & um zwanzig US-Dollar reicher! Langes, interessantes Gespräch mit Greg (dem männlichen Part des ‘British Couple’) über deren neunmonatige Reise im alten Range-Rover von London nach Kapstadt ... ... & (nun) zurück. Untermalt wird diese, unsere Unterhaltung von einem, authentisches äthiopisches Volksliedgut zum besten gebenden, gemischten Duo: zweistimmiger, sehr melodischer Gesang, der von einem virtuos gehandhabten, ein-saitigen Zupfinstrument sowie ‘perkussiv-tänzerischem Schulterzucken’ (der EXTREM gelenkigen Künstler) begleitet wird. ‘Verrry Atmospheric ... ... REALLY!’ Gegen Neun Uhr (schon ... naja: MEIN Tag hat früh begonnen) verabschiede ich mich, ausgestattet mit einer bier-bedingten, ERHEBLICHEN Bettschwere, aus der multi-kulturellen Zech-Runde. SEHR kurze ‘Gute-Nacht’-Lektüre ... ... Then it’s Time to Say Good Night!
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Nachtrag: Wegen unzweideutigen ‘Moskito-Gesummses’ in meinem Zimmer, erlebe ich in dieser Nacht eine Reihe zusätzlicher, über die obligatorischen Rauch-Pausen hinausgehende, Wachphasen ‘In-Between’. ALSO: ENTWEDER liegt Axum weit niedriger als ich dachte? Oder David (der ‘irre Ire aus Asmara’) hat DOCH Recht mit seiner Behauptung: ‘The Mosquitos are goin’ to the Highlands More & More!’ WE’LL SEE !? ... ... (& Klatsch!) ...
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... Überraschenderweise kaum zerstochen erwache ich SANFT - sprich: OHNE die Hilfe meines Weckers. Heute lasse ich mir Zeit! Also: ausgiebig Duschen sowie mehrere ‘Welcome-to-Ethiopia’-Zigaretten ... ... DANN erst Frühstück im Hotel. Kurzer Plausch mit Alex & Werner über deren heutiges Tagesprogramm: Heute mittag geht’s mit dem Flieger nach Lalibela (Nein: NICHT für mich!) & ebenda Besichtigung der einzigartigen Naturkirchen & -klöster, die im 12. Jahrhundert gleich im Dutzend aus gigantischen Felsformationen & Gesteinsmonolithen (heraus geschlagen &) gestaltet wurden. Hm - aber wirklich nur KURZER Plausch: Ich MUSS unbedingt ‘Tagebuch beischreiben’ ... ... & dabei stört ‘das wirkliche Leben’ nur! Nach der ersten Tagebuch-Session (von insgesamt dreien am heutigen Tage!), schlendere ich ans andere, entfernte Ende der Stadt & wechsle in der Commercial Bank of Ethiopia einen Travellerscheck. Hier erfahre ich übrigens von einem freundlichen Äthiopier, ‘was die Zeit geschlagen hat’ - denn mein Wecker hat seine regelmäßig-unregelmäßigen Aussetzer (& so auch heute mal wieder): Also - ‘Es ist EXAKT Drei Uhr morgens!’ ‘Wie bitte? Ach so, ja!’ Der gemeine Äthiopier lebt nicht nach dem gregorianischen, sondern nach dem julianischen Kalender ... & das bedeutet (unter anderem), daß die Menschen hier mit ihrer Uhrzeit sechs Stunden ‘hinterherhinken’! Oder (anders ausgedrückt): Da sich New York sechs Zeitzonen vor Köln befindet, WÄRE die julianisch-äthiopische Zeit weltzeit-mäßig (!) mit der gregorianisch-ostküstenamerikanischen Zeit identisch ... ... DIES aber NUR, wenn sich Äthiopien nicht gleichzeitig (also zeitgleich) zwei Zeitzonen hinter Köln befände! Äh ... da dem aber so IST, entspricht die julianisch-äthiopische Ortszeit (UN-GE-FÄHR!) der ‘versunkenen Ortszeit in Zentral-Atlantis’ ... Hm - dies aber auch NUR, falls sich DIESE (die Atlantis-Zeit!) nach dem gregorianischen Kalender berechnet(e) ... !?! Lange Rede - kurzer Sinn: ES IST NEUN UHR VORMITTAGS! Ich unternehme einen ziellosen Morgen-Spaziergang durch Axum & schieße ein paar Atmo-Fotos. Trotz mehrfacher Aufforderung durch ‘strategisch günstig in der gesamten Stadt postierte Angestellte des Touristenbüros’, weigere ich mich standhaft, ‘das GANZ GROSSE Sight-Seeing-Ticket für alle archäologischen Ausgrabungsstätten, Kirchen & Museen’ (zum Preis von 40 US-Dollar!) zu kaufen. DENN - frei nach dem Motto: No Single German Dollar for Ethiopian Weapons ... ... boykottiere ich ALLE ‘State-Run Sights and Hotels’. Das Fotografieren der touristischen Sehenswürdigkeiten ist ohne dieses Ticket natürlich verboten. Also schaue ich mir die ‘Big Stelea’, den 23 Meter hohen & beeindruckendsten Zeitzeugen der Glanzzeit des axumitischen Reiches (vom 6. Jh. v.Chr. bis etwa 10. Jh. n.Chr.), zunächst nur im Vorübergehen an. Im provokativen Schlendergang (& unter den - darob! - argwöhnischen Blicken der nervösen, einheimischen ‘Sheriffs’) erklimme ich den bereits bekannten, nahen Hügel hinauf zum Fuckin’-Yeha-Hotel & ... oben angekommen gestatte ich mir dann großzügig einige Tele-Shots: - von der ‘großen Stele’ (natürlich!), - von ‘Shebas Pool’, einem an einen Stausee erinnernden, riesigen Regenwasser-Reservoir (Königin Sheba muß eine SEHR mollige Dame gewesen sein!?), - von der Kirche ‘St. Mary of Zion’, - sowie dem großen Museumsbau (in dem ‘Waren des täglichen Bedarfs’ aus der axumitischen Epoche ausgestellt ... äh ... sein sollen). Am stadt-seitigen Hang des Hotel-Hügels haben die Stadtväter übrigens eine Reihe mittlerweile hoher & dichter Eukalyptus-Bäume pflanzen lassen - vermutlich um das unberechtigte, weil ticket-lose Fotografieren der genannten Sehenswürdigkeiten zu erschweren (was ich prinzipiell natürlich voll unterstütze)! Auf der schattigen Panorama-Terrasse des Hotels genieße ich schließlich in himmlischer Ruhe den Rest des Vormittags: - sehr guter (weil sehr starker) & leicht bitterer äthiopischer Kaffee, - sporadische Unterhaltung mit dem nahezu beschäftigungslosen, einheimischen Kellner, - sowie umfangreicher Tagebuch-Eintrag! Um Halb Ein Uhr trolle ich mich zurück in mein Downtown-Hotel: Packen & Auschecken. Den anschließenden Marsch zum Busbahnhof unternehme ich (ahnungslos zwar, aber) noch gerade so ... ... Just In Time! Denn der tägliche (& einzige) Nachmittags-Bus, der Axum um Zwei Uhr Richtung Shire verlassen soll, ist bis auf einen einzigen Sitzplatz auf der schlagloch-fühligen Rückbank (Yippie!) schon völlig ausgebucht. Den Rucksack kann ich noch gerade unter die Vorderbank quetschen (Schieb - Stopf - Uff!) ... da beginnt auch schon (eine Stunde VOR der geplanten Abfahrtzeit!) ein weiteres, glücklicherweise NUR dreistündiges Kapitel der Endlos-Serie: ‘Die un-Glaub-lichsten Rappelkisten auf den brutalsten Rüttelstrecken im (NEU-) zeitlosen, authentisch-axumitischen Norden Äthiopiens!’ Die Busfahrt bietet keinerlei landschaftlich-spektakuläre Höhepunkte: wie schon am Vortag erlebt, führt die Geröll-Piste durch eine recht karge Landschaft - moderate ‘Ups & Downs in an Endless Row’ ... ... allerdings wird der staubige Boden augenscheinlich stärker landwirtschaftlich genutzt als auf eritreischer Seite dieses öden & ausgedörrten Hügel-Landstrichs. Die einzige, sich mir bietende (für mich, den Touri arrangierte ...?) Abwechslung besteht aus: - einer Reihe WÜSTER Raufereien zwischen den jungen, einheimischen Busbegleitern (offensichtliche Langeweile, da der Bus voll ist & Fahrgäste weder zu- noch aussteigen) sowie - monoton-NERVIGEN Gesangs-Darbietungen meines jungen, äthiopischen ‘Sitz-Nachbarn zur rechten’ ... ... isolierte, kinderlied-hafte Melodiekürzel, die von IHM (mit weitentrückter, ja: transzendentaler Miene, aber unzweideutig einem ernst- & zwanghaften Pflichtgefühl folgend) bis weit oberhalb MEINER persönlichen Schmerzgrenze wiederholt werden: AAAAAAHHHHHH ... !!! Gegen Halb Fünf Uhr rollen wir in den einem Hochsicherheitstrakt nicht unähnlichen, abgezäunten & strengstens bewachten Busbahnhof von Shire ein. Augenblicklich bin ich vom üblichen Helferschwarm umringt, ‘die ALLE nur mein Bestes wollen’. Immerhin kann ich in Erfahrung bringen, daß es hier, in Shire keinen Ticketschalter gibt - daß die Tickets für den morgigen Frühbus nach Gondar vielmehr direkt vom Busfahrer verkauft werden - & zwar, sobald dieser HEUTE (mit seinem Bus aus Gondar kommend) in Shire eintrifft: ‘Etwa in einer Stunde ... ... UN-GE-FÄHR!’ Ich beschließe, mich zunächst um eine Unterkunft zu kümmern & finde unmittelbar hinter dem Bahnhofsgelände ein sehr sauberes ‘Transit-Motel’: mit geräumigen, komfortablen & vergleichsweise spottbilligen Zimmern sowie (DAS ‘Bringer’-Kriterium in Anbetracht der zu erwartenden, sehr frühen Abfahrtzeit meines morgigen ‘Early-Bus’ nach Gondar) einer verkehrstechnisch äußerst günstigen Lage! Ich verstreue meine Klamotten im Zimmer, nehme eine Dusche sowie anschließend in der Hotel-Bar ein ‘schnelles Meta-Bier im Stehen’ (gegen den drängendsten Durst) & haste dann schnellstmöglich zurück zum ‘Unbelievably Crowded Bus-Terminal’: Bus-Tickets sind in Äthiopien notorisch knapp ... ... & entsprechend groß ist das Gedränge. Aber vom ‘Gondar’-Bus ist weit & breit (noch!) nichts zu sehen! Daher setze ich mich etwas abseitig in den Schatten & unterhalte die interessierte, vielköpfige Dorfjugend mit meinen Ansichten zu solch brisanten Themen wie ... ... ‘Rauchen im Allgemeinen & Rauchverbot für Kinder’ (kommt nicht SO gut an!), ... oder auch ‘warum mein häßlicher Knautsch-Hut auf Reisen eindeutige Vorteile gegenüber den mir im Schock angebotenen, stabilen Strohhüten besitzt?’ Naja - ich gebe den ‘Lustigen Knochen’ ... ... & ernte zahlreiche Lacher! Mit halbstündiger Verspätung trifft der von allen mit Ungeduld erwartete Bus schließlich ein. Bevor ich weiß, wie mir geschieht, befinde ich mich im Schlepptau eines ‘Brokers’ (wie er sich selbst bezeichnet) ... der mir (an der wartenden, einheimischen Menschenmenge VORBEI) einen der begehrten Fahrscheine besorgt. Naja - EIGENTLICH ... ... finde ich solch bevorzugte Behandlung der Touristen ja AUSGESPROCHEN SCHEISSE! Daher schäme ich mich auch ... ... im Anschluß ... ein wenig ... ... also: immerhin bis kurz vor Erreichen meines Hotels. Der Rest des Abends ist schnell erzählt: mehrere Biere (Halt! - VORHER zwei Tee) im Hotel-Restaurant - dazu ‘Tagebuch: dritter & letzter Teil’ (für heute) - dann wird der Fernseher eingeschaltet & ich schaue mir (JETZT natürlich Bier!) eine Halbzeit des Gruppenspiels im ‘African-Nations-Cup’ zwischen Tunesien & der Demokratischen Republik Kongo an ... (Ja, Fritz - Live aus Ouagadougou in Burkina Faso! Aber wem erzähle ich das ... ?). Während der Fußball-Show spachtele ich blind Spaghetti mit total ver-’chiliter’, SAU-SCHARFER Sauce in mich hinein (ich muß mehrfach ‘Brot zum Löschen / Neutralisieren’ nachordern & trotzdem: Elke - Ick jloob ick brenne, wa?). Als ich schließlich gegen Halb Neun Uhr das Fernseh-Restaurant verlasse, steht es 1:1 - erfahre aber am darauffolgenden Tag, daß Tunesien letztlich noch gewonnen hat & die Nordafrikaner somit ‘schon nach zwei Gruppenspielen durch sind ...’ Äh - interessiert das eigentlich IR-GEND-WEN ...? Wenn ich nicht einen vollen Tag ‘in the Very Middle of the Definite Nowhere’ verbringen will (& um die Frage eindeutig zu beantworten: ICH WILL NICHT!) ... ... dann muß ich morgen Früh um Fünf Uhr (!) vor dem eisernen Haupteingangs-Tor zum Busbahnhof stehen. Also: noch ein langes Kapitel ‘MoE’ - anschließend stelle ich meinen Wecker auf Halb Fünf Uhr ein - & dann ... ... na, was wohl? Übrigens: Keine Mosquitos in Shire! Ich habe allerdings keinerlei Ahnung, auf welcher ‘Altitude’ ich mich hier befinde (mein ‘Handbook: East Africa’ schweigt sich über meinen derzeitigen Aufenthaltsort beharrlich aus). Darüberhinaus ist es hier sehr (& wohltuend) RUHIG! Also - optimale Bedingungen, um (schlafend) wieder ausreichend Kraft für die nächste, lange & anstrengende Berg-Etappe zu sammeln ... ... was (ohne vorgreifen zu wollen) auch BITTER NÖTIG sein wird! Und: Licht Aus! ...
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... Heute ist ‘Freitag der Dreizehnte’ (Februar)! Na - wenn DAS mal gut geht ... !? Um Halb Fünf Uhr schreckt mich mein Wecker hoch - in völliger Dunkelheit (in der Stadt gibt’s keine Elektrizität!) & noch im Bett liegend, rauche ich mich erstmal mit zwei Zigaretten wach - anschließend Katzenwäsche & Packen - zwischendurch schaue ich (immer mal wieder) vom Hotel-Innenhof hinüber zum schwach von einem vollendeten Vollmond angestrahlten, ansonsten aber in vollkommener Dunkelheit vor sich hindösenden Busbahnhof. Es ist Viertel nach Fünf Uhr als ich in Richtung Haupttor des Terminals losstolpere. Dieses ist (der nicht-vorhandenen Geräuschkulisse nach zu urteilen) zwar noch verschlossen, vor ihm aber kampieren (fühlbar!) mehrere Dutzend schläfriger Gestalten. Ich spüre, wie die Vorfreude auf das zu erwartende ‘Rugby-Gedränge’ in mir anwächst. Meiner Devise ‘Immer dem Licht entgegen!’ folgend, lande ich (knapp!) NICHT auf dem Mond ... ... sondern in einer verführerisch nach Zimt-Tee duftenden, engen Bretterbude: Hier giere ich zwei glühend-heiße Gläser Tee sowie zwei trockne Brötchen in mich hinein (ein HIMMLICHES Frühstück, wenn man - wie ich - mit NICHTS gerechnet hat ... ehrlich!) & komme ins Gespräch mit einem jungen Äthiopier. Während ICH regelmäßig durchs Fenster luge (& das ‘Nicht-Geschehen’ am Bahnhofs-Tor beobachte), scheint IHN nichts aus der Ruhe bringen zu können: Er bietet mir an, meine Brötchen in sein ‘Wat’ zu tunken (eine ‘Extra-HOT-&-Extremely-SPICY-Breakfast-Sauce’ aus VIEL Chili, Tomaten & diversen Kräutern: LECKER!) - wir unterhalten uns mit Händen & Füßen - & marschieren um Viertel vor Sechs Uhr gemeinsam zum Bahnhofseingang. Diesen (den offiziellen Eingang) keines Blickes würdigend, fordert er mich auf ihm zu folgen ... ... & keinen Widerspruch duldend, schleust er mich durch einen unbewachten Nebeneingang auf das sich immer noch im Tiefschlaf befindende Bahnhofsgelände (obwohl mein großer Rucksack kaum durch die nur einen Spalt breit zu öffnende, schwere Eisentüre paßt). Im nächsten Moment ... ... ist mein Begleiter spurlos verschwunden! Mein Bus mit der Nummer ‘171’ wird für die große Reise präpariert, während der Busbegleiter seine Arbeit kurz unterbricht & mich freundlich auffordert ‘mir den besten Sitzplatz auszusuchen’. Hm - was ich dann auch tue! Übrigens: KAUM ... äh ... Skrupel! Ich vertrete mir ein letztes Mal die Beine, rauche zwei Zigaretten unterm Vollmond & lausche den Geräuschen des langsam erwachenden, nahen Dorfes. Nach & nach schalten die der Abfahrt entgegenfiebernden Fahrer die watt-strotzenden (die Dunkelheit augenblicklich in Fetzen zerschneidenden) Scheinwerfer ihrer Busse ein: SURREALE, IRRE ATMOSPHÄRE! DANN ABER wird’s ernst! Der Busfahrer fordert mich auf meinen Sitzplatz einzunehmen & ... ... mich zu DUCKEN! Mir fällt auf, daß sich auf seiner Stirne deutlich einige dicke Schweißperlen abzeichnen! Kurz darauf gibt das Wachpersonal den Zugang zum Bahnhofsgelände frei ... ... & mehrere Hundertschaften wildentschlossen wirkender Einheimischer legen in weltrekord-verdächtiger Sprintzeit die knapp 100 Meter bis zu den (irgendwie ängstlich ...?) wartenden Bussen zurück: Wildes, chaotisches Gedränge & Geschubse - vereinzelte Ansätze handfester Keilereien - ohrenbetäubende, wechselseitige Schimpfkanonaden - der Bus beginnt bedenklich zu schaukeln. Auf dem Höhepunkt der bürgerkriegs-ähnlichen Auseinandersetzungen (nach etwa einer halben Stunde) ebbt der Krawall jedoch SEHR plötzlich ab ... ... & ‘ALLES befindet sich im Lot’! DENN: Die Anzahl der ausgegebenen Tickets ist immer EXAKT auf die Anzahl der verfügbaren Sitzplätze beschränkt - & der Grund für die (so weit ich festellen kann: UN-BLUTIGE!) Schlacht bestand lediglich in dem Wunsch ALLER, einen der besseren (sprich: vorderen) Sitzplätze zu ergattern. UFF ...! Mittlerweile ist es ‘hinreichend tag-hell’ & ... somit steht dem Antritt der Reise über Nord-Äthiopiens berüchtigte Fels- & Geröllpisten (außer eben DIESEN) nichts mehr im Wege: die erste Fahrtstunde führt uns über eine flache Ebene - die Straße zeichnet weite & harmonische Schwünge in die Landschaft - der Panorama-Horizont setzt sich jedoch durch hohe, messerscharf-gezackte & schwarze Gebirgs-Konturen vom durchgängigen Einheits-Blau über uns ab. Karge Geröll-Landschaften wechseln sich mit dichtem Eukalyptus-Wald ab. Zweimal heißt es für unseren Bus ‘Deep, Deep Down - Into the Valley’ ... ... & anschließend wieder hoch hinauf aufs nächste Plateau. Um Zehn Uhr erreichen wir Adi Arkay. Das einem Ameisenhaufen gleichende, geschäftige Bergdörfchen bietet einen weiten Ausblick hinein in einen tiefen Canyon, der uns von den in östlicher Richtung sich erhebenden Simien Mountains trennt. Diese Gebirgskette (übrigens: eine ‘UNESCO-World Heritage Site’) beherbergt den höchsten Berg Äthiopiens: den 4.620 Meter hohen Mt. Ras Desthen. Tea-Stop! Alle Fahrgäste folgen (lemming-gleich!) dem Busfahrer in ein Restaurant. Hm - wirklich ALLE? Natürlich alle, bis auf einen! Ich bummle die Landstraße entlang, lasse mich schließlich auf der einfachen, flachen Holzbank vor einem kleinen Tee-Haus nieder & sorge damit für das sofortige Erlahmen jeglicher Aktivitäten der lokalen Bevölkerung in meinem Sichtfeld. Oder richtiger: äh ... ... umgekehrt! Alle starren MICH an! Eine Traube jugendlicher Beobachter bildet sich spontan & halbkreisförmig um meinen Sitzplatz. Ohne Unterlaß werde ich ... zunächst NUR kontaktiert (‘You, You!’ & ‘What’s your Name?’), ... schneller aber, als mir lieb sein kann, geht man von der Phase der Beziehungs-Anbahnung zur -Vertiefung derselbigen über. UND ... dem Touri wird unzweideutig klargemacht, was von ihm erwartet wird: ‘Give Me Pen!’ rufen die (raren) Schüchternen ... ... ‘Money, Money!’ hingegen die große Mehrheit. Zwar zerstreuen energischste Drohungen einiger Erwachsener zwischenzeitlich den Teenie-Auflauf - langfristig aber (sprich: nach nur wenigen Augenblicken der Schames-Ruhe!) siegt dann doch wieder die Neugier der Kids. Ich schlürfe genüßlich zwei extrem gezuckerte Tees & gebe mir (noch) alle Mühe geduldig-freundlich zu reagieren. Zwei VERSUCHE, das mich umgebende Szenario fotografisch festzuhalten ... ... führen jedoch zu wilden Tumulten: JEDER drängt sich ins Motiv (& nestelt gleichzeitig nach in den Hosentaschen zusammengeknüllt steckenden DIN-A4-Vordrucken, die mit nur einem Wort: ‘Copyright’ oder so ähnlich ... überschrieben sind). Gott-sei-Dank (!) aber mahnt im gleichen Moment ‘das vernehmlich durchs Dorf hupende Bus-Horn’ zum Sammeln: BYE-BYE! Während wir den nächsten, endlos-langen, kurvenreichen Abstieg in ein tiefes Fluß-Tal nehmen, reckt die geballte Ladung aller Bus-Insassen die Hälse - & sucht systematisch die steile Bergwand ab ... ... bis schließlich einer entdeckt, wonach alle Ausschau halten: Auf halber Strecke, knappe 200 Höhenmeter unterhalb der Bergstraße, glänzt ein knallrotes Autowrack in der Morgensonne! Exakt DER PKW, der laut Zeitungsbericht am Wochenende hier eine Kurve verfehlte & vier Menschen mit in die Tiefe (& in den Tod) riß! Ehrfürchtig-simultanes Kopfnicken (um mich herum) ... Im Tal angekommen, überqueren wir die zur Zeit vollkommen nutzlose Stahlbrücke (das Flußbett ist knochentrocken!) & der spektakulärste Programmpunkt der heutigen Busfahrt drängt sich (verdammt physisch!) in mein Blickfeld: Als ‘Wunder italienischer Straßenbau- & Ingenieurs-Kunst’ wird der mehr als 1.000 Höhenmeter überwindende Aufstieg zum 3.200 Meter hohen Wolkefitt-Pass in meinem Reiseführer gefeiert! Hm - sieht man einmal von der ‘ausschließlichen Ehrerweisung für die italienischen Planer’ ab ... ... so ist die superlative Beschreibung NICHT übertrieben! Die Berge werden schroffer (denn erdgeschichtlich betrachtet, sind die Simien Mountains noch sehr jung & daher kaum geglättet) - die Grünfärbung zwischen den kahler werdenden, nackten Felsen ergibt sich zunehmend (& ... ‘schließlich: ausschließlich!’) aus Kakteen-Bewuchs - die Haarnadel-Kurven der unentschlossen-lavierend wirkenden Pass-Straße werden immer enger! Allerdings warte ich auf die in meinem Reiseführer versprochenen, mehr-etappigen Wende- & Rangier-Manöver (mit halb über dem dramatischen Abgrund heraus hängendem Busheck) vergeblich ... ... was einen ebenso schlichten wie beruhigenden Grund hat: Mein Busfahrer outet sich als DER KURVENGOTT! Er fährt voll konzentriert & gewissenhaft JEDE der engen Kehren mit größter Sorgfalt an & verschenkt NICHT EINEN Millimeter des kostbaren & raren festen Untergrunds! Die Piste führt ohne Unterbrechung SEHR steil berganwärts & ... es verwundert mich ‘schon ein wenig’, WIE problemlos & uhrwerk-gleich ‘unser oller Blech-Gaul’ die extreme Belastung bewältigt. Erst kurz vor Erreichen der Passhöhe gönnt der Fahrer seinem Gefährt eine kurze Rast & ‘Erfrischung’: Im Straßengraben gurgelt eine unscheinbare Quelle & der vermutlich knochentrockne Kühler des Busses wird unter Zuhilfenahme aller verfügbaren Gefäße mit frischem Wasser aufgefüllt. Die Passagiere nutzen derweil die willkommene Fahrtunterbrechung zur Befriedigung dringendster Bedürfnisse wie ... ... Pinkeln (viele, natürlich NUR Männer), ... die Beine vertreten (nahezu ALLE) sowie ... Schießen einiger ‘Mountain-Scenery-Panorama-&-Tele-Shots’ (EXAKT EINER!). Schließlich nimmt der hinreichend erfrischte Bus (mit unendlich grazil-harmonischen Schwüngen!) drei letzte, enge Serpentinen & ... ... befindet sich (wundersamerweise!?) urplötzlich wieder auf spiegelglattem, endlos eben wirkendem Terrain - allerdings auf sehr hohem Niveau: fruchtbare, kultivierte Landschaft - sattes Grün - gemischte Nutzvieh-Herden (bestehend aus Rindern & Kühen, Schafen & Ziegen sowie Eseln & ... erstaunlich vielen Pferden: ‘Mechtild!’). Unser Bus macht einen spürbaren ‘Sprung’ ... & nimmt (irgendwie erleichtert!) die Fahrt über flaches Terrain auf. Schon eine halbe Stunde später erreichen wir Debark. Die kleine Bergsiedlung ist der ‘Starting-Off-Point’ für Trekking-Touren in die nahen Simien Mountains - für uns (jedoch) heißt es: Lunch-Stop! Zweites Frühstück mit ‘Shai’ & trocknen Brötchen ... ... übrigens: meine letzte, feste Nahrungsaufnahme des heutigen Tages (was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht ahne). Kurzer Flachs mit dem jungen, äthiopischen Restaurant-Besitzer: Sein Cassetten-Deck leiert & eiert erbärmlich - wie auf ein verabredetes Zeichen verziehen wir synchron die Gesichter & prusten gleichzeitig los. Kurz bevor ich mich zurück in meinen Bus begebe, vertraut er (der ‘young Ethio-Guy’) mir verschwörerisch & mit kaum hörbarer, gesenkter Stimme an, ‘daß eins der durch das Lokal wuselnden, attraktiven Ethiopia-Girlies mich nett findet ... ... sich aber nicht traut, mir das selbst zu sagen !?’ Hm - ich muß gestehen, daß es unangenehmere Offenbarungen gibt. Die restlichen 120 Straßenkilometer nach Gondar (nun ‘straightly South-Bound!’) führen unspektakulär, in sanften Schwüngen, über das konstant (wenn auch unmerklich) Höhe einbüßende Gebirgsplateau. In regelmäßigen Abständen zeigen sich sowohl am westlichen, wie auch am näheren östlichen Horizont, tiefe Einschnitte & dramatische Abstiege in Täler mit Canyon-Ausmaßen. Hinter diesen Tälern streben (am allerdings SEHR entfernten Horizont) schroffe Gebirgsformationen in Regionen von mehr als 4.000 Höhenmeter vor. Landwirtschaft wird in Nord-Äthiopien übrigens vornehmlich ‘in Handarbeit’ verrichtet: die bedauernswerten Feldarbeiter (natürlich meist Frauen!) hocken einsam-vereinzelt mitten in den Getreidefeldern & schneiden (der sengenden ‘Mörder’-Sonne schutzlos ausgesetzt) mit ihren winzigen Hand-Sicheln jede Ähre einzeln von den Getreidehalmen. Die sich daran anschließenden Arbeitsschritte des ‘archetypisch-landwirtschaftlichen Produktionsprozesses’ werden ebenfalls (bei brüllender Bullen-Hitze) unter freiem Himmel durchgeführt: zu ‘tragfähigen’ Büscheln zusammengebunden, werden die Ähren an einem zentralen Platz des Feldes deponiert & dort gedroschen - bei dieser Tätigkeit kommen dann auch die geduldig sich im Kreis herumführen lassenden Pferde zum Einsatz. Bewußt wird mir diese ‘arbeitsintensivste Form eines vor-industriellen Agrariertums’ erst RICHTIG ... ... als sich mir plötzlich präsentiert, was ich bei der Beobachtung der Feldarbeit (unterbewußt) vermißt habe: Ein einziger (der einzige!?) Traktor zieht mit hochgestellter Mähvorrichtung seine einsame Bahn ... gänzlich unproduktiv & wider seine Bestimmung AUF unsrer Schotterpiste! Hm - wohin & wozu auch immer !? Ich vermute, daß es sich ‘um den staatlichen Einzel-&-Alibi-Traktor der gesamten Simien Region’ handelt, der einmal im Jahr (heute) seine Garage verlassen darf ... ... & zur landesweiten Ausstellung äthiopisch-landwirtschaftlichen Gerätes in Addis Ababa chauffiert wird (oder so) ... Aber diese wenigen, visuellen Eindrücke fliegen nur so an mir vorbei. Unser ‘Fahrer-Teufel’ legt ein Höllen-Tempo vor (oder ist es der Bus, der bereits seinen Stall riecht ...?) ... ... & bereits nach weiteren zwei Stunden zeigt sich die alte Königsstadt Gondar unter uns: nach drei weitausholende Serpentinen-Schleifen befinden wir uns am Rand eines breiten Talkessels, der von sanft ansteigenden, blaß-grünen Hügeln eingefaßt wird. Schon auf Distanz ist im Zentrum Gondars das Wahrzeichen der Stadt, der von einem hohen Steinwall umgebene ‘Königliche Distrikt’ auszumachen. In dieser weitläufigen Parkanlage stehen sich fünf (!) Schlösser einer im 17. Jahrhundert die axumitische Epoche ablösenden, ‘neuzeitlichen’ abessinischen Dynastie ‘gegenseitig auf den Füßen’. Denn NATÜRLICH hat sich jeder der zwischen 1632 und 1868 aufeinanderfolgenden Könige sein eigenes, persönliches Schloß errichten lassen (während das bettelarme, äthiopische Volk ... naja). Am zentralen Busbahnhof Gondars angekommen, lasse ich mir meinen Rucksack vom Busdach herunterreichen & versuche mich abzusetzen ... indem ich etwas abseitig (genüßlich & in langen Zügen jeglichen Anschein von Hektik weg-paffend) eine Zigarette rauche. Aber mit einer solch amateurhaften FINTE kann ich die mit allen Touri-Wassern gewaschenen, einheimischen Profi-Guides natürlich NICHT täuschen: Sechs (!) äthiopische Zwerge bilden gekonnt eine halbkreisförmige, undurchdringliche ‘Mauer aus nackter Freundlichkeit’ (in Insiderkreisen auch als ‘der halbe Gondar-Kessel’ bekannt), heißen mich ohne Unterlaß in ihrer Heimatstadt willkommen & versperren mir (der ich vor einer Wand des Bahnhofsgebäudes & somit ‘in der Falle’ hocke) jeglichen Fluchtweg. ABER ... ... schon naht die (ungewollte!) Rettung! Ein etwas älterer Jugendlicher stürzt herbei & verscheucht auf recht rüde Weise (sowohl handgreiflich als auch drohende Flüche ausstoßend) meine Begleiter. Auf meine Nachfrage hin, erklärt er mir mit einem mich von Anbeginn an gegen ihn einnehmenden altklugen Unterton in seiner ‘fiepsigen’ Stimme, daß die Polizei das Bahnhofsgelände schärfstens kontrolliert & ... ‘Kindern sei es verboten, Touristen anzusprechen’! ER aber darf - allem Anschein nach! Ich erkläre ihm (äußerlich gelassen), daß ich im Moment nur den einzigen Wunsch habe, ‘in Ruhe eine Zigarette zu rauchen’. ‘NO PROBLEM, MY FRIEND! I CAN WAIT!’ ... & DAS tut er dann auch! Schweigend (immerhin!) wartet er, sich seines Sieges sicher UND (oder bilde ich mir das nur ein ...?) arrogant grinsend. Nachdem ich den allerletzten Rest-Rauch aus meiner zweiten Zigarette heraus gesogen habe (Hm - irgendwie riecht’s hier nach Fingernagel ...?!) ... ... blicke ich mich mit dem heimtückischsten Lächeln, zu dem ich fähig bin, auf dem Bahnhofsvorplatz um, erkläre ihm freundlich, ‘daß ich keinen Guide benötige’, schultere meinen Rucksack, lasse ihn mit einem (zugegeben: UN-ehrlichen) ‘SEE YA!’ zurück & ... ... ‘Oh, Wunder!’: Er bleibt STEHEN! Immerhin fünfzig Schritte Richtung Zentrum darf ich meine wiedergewonnene Freiheit genießen - aber ich gebe mich keinen Illusionen hin ... ... & bin daher nicht WIRKLICH überrascht, als ich anhand ‘mich vollbrabbelnden Gebrabbels zweier Brabbler’ erkennen muß, daß ich (kaum merklich zwar, zumindest ohne eigenes Zutun) zum stolzen Besitzer einer neuen Eskorte geworden bin: Daß ich vorgebe, ALLES zu wissen ... ... interessiert die beiden Knirpse nicht im geringsten! Wie ‘des Menschen treuester Freund’ (Kläff!) weichen mir die zur gnadenlosen Freundlichkeit & rücksichtslosen Hilfe wild entschlossenen Knaben nicht mehr vom Bein! Zunächst checken WIR (‘Brabbel - Brabbel!’) das im ‘Handbook’ mit euphorischsten Superlativen beschriebene & empfohlene Hotel Terera: Naja - das alte Gebäude im italienischen Architekturstil der Jahrhundertwende ist mit seiner weitläufigen Grünanlage (& einladenden ‘Terrassen-&-Bambushütten-Relax-Sitzgelegenheiten’) SCHON sehr atmosphärisch & augenscheinlich ein Hort kontemplativer Ruhe ... zumal im Kontrast zur lauten, hektischen & aufdringlichen ‘You-You-You’-City. Aber ZWÖLF US-Dollar sind mir für ein winziges Zimmer mit einem ECHT schlechten Bett (!) einfach zu viel (& Entspannung, bei Kaffee oder Tee, kann ich hier auch tagsüber finden). Mein nächster Versuch, das Ethiopian Hotel, kommt trotz des mir angebotenen großen, sauberen & billigen Raumes heute (aufgrund Nichterfüllung meines einzigen Killer-Kriteriums: leider!) nicht in Frage: Im gesamten Haus gibt’s kein Wasser ... ... nicht einmal ‘from the Bucket’! ICH aber ... freue mich schon seit mehr als zehn Stunden auf ‘meine tägliche Dusche (gib’ uns heute)’. ‘SO - So Sorry!’ Als WIR (‘Brabbel - Brabbel!’) wieder auf die Straße hinaustreten, laufen mir Marianne & Pelle über den Weg - ein ‘Norwegian Couple’, mit dem ich (nach meiner Ankunft am Flughafen in Asmara) schon einmal ausführlich unsere sehr ähnlichen Reiseplanungen diskutiert habe. Die beiden sind bereits gestern in Gondar angekommen & empfehlen mir das nahe Hotel Fasil: ‘Cheap & with a HOT Shower!’ ... ... beseitigt Pelle meine letzten, nicht-vorhandenen Bedenken. Da die beiden noch eine Kirche besichtigen MÜSSEN (?), verabreden wir uns für später ... zum Bier. Apropos ‘Bier’: mein erstes (am heutigen Tag) genehmige ich mir unmittelbar nach der absichtlich (!) kalt-genossenen Dusche sowie dem Anlegen himmlisch frischer, sauberer Wäsche - flach & glücklich auf meinem Hotelbett liegend ... Äh ... ‘meanwhile, the Brabbeling has suddenly STOPPED !?’ Bei Einbruch der Dunkelheit unternehme ich einen ersten, nur kurzen Orientierungs-Spaziergang durch die lebhaften Kopfsteinpflaster-Gassen Gondars & schlendere einmal (im Uhrzeigersinn - also: quasi tibetisch-buddhistisch! ‘Äh - wo bin ich hier eigentlich?’) um die hohen Außenmauern der ‘Royal Enclosure’ herum. Dann steuere ich das Tele Club Café an: Wie der Name vermuten läßt, gibt’s im Gastraum NATÜRLICH einen Fernseher ... ... über dessen Bildschirm NATÜRLICH eine Fußball-Übertragung vom African-Nations-Cup flimmert! ‘But not for Me ... NOT Today!’ Lange Unterhaltung mit Marianne & Pelle (übrigens: Bier Nummer zwei + drei!): ... über Arbeiten & Aussteigen, ... über Reisen & Reisegründe, ... über den ‘Annapurna-Trail’ (den ER auch ‘gemacht’ hat!), ... über Calcutta (SIE kennt das Fairlawn-Hotel - die grüne Oase im ‘Low-Budget-&-Bloody-Cheapie-Hotel-District’ Calcuttas), ... über Clinton & Netanjahu (Marianne hat ein Jahr in Jerusalem gearbeitet & bezeichnet die Israelis als ein bewundernswertes Volk: Netanjahu & seiner Palästina-Politik aber steht sie äußerst kritisch gegenüber), ... über Heuschrecken in Kenya, ... sowie über unsere überraschend / erschreckend (?) ähnlichen Reiseplanungen (die beiden ‘Train-Freaks’ beabsichtigen - wie ich - von Addis aus mit dem Zug einen Trip zum östlich gelegenen Awash National Park zu machen). Zum Thema ‘Madagascar & wie hinkommen?’ ... gibt’s zwar noch nichts Neues: Nächste Woche aber werden die beiden von Freunden, die in Dar-Es-Salaam leben, erfahren, ob es denn nun wirklich ein Boot von Zanzibar nach Madagascar gibt & wenn ja, wann ... & überhaupt ... Tja - & DANN (da sind wir uns einig!) werd’ auch ICH im Besitz dieser Infos sein - weil: ‘Wir sehen uns ja eh unterwegs!’ Als sich Marianne & Pelle zum Abendessen ins Hotel Fasil zurückziehen, setze ich mich ab: Schließlich habe ICH noch keinen Feierabend & mich um meine täglichen Tagebuch-Pflichten zu kümmern. Tja - ganz schön HART ... DAS! (‘aber wer hat denn auch behauptet, daß Reisen SPASS macht ...!?’). Ich versuche, mich an den Weg, über mehrere Steiltreppen hinauf, zum Hotel Terera zu erinnern - stehe aber plötzlich vollkommen orientierungslos in ebenso vollkommener Dunkelheit ... ... & nicht einmal mein Freund, der Vollmond (!), springt mir hilfreich leuchtend zur Seite. Ich muß meine ‘Schnitzel-Jagd’ (im doppelten Wortsinn: Ich habe einen BÄREN-Hunger!) abbrechen & kehre, vorbei an einigen dunklen Gestalten, zur Hauptstraße zurück. Meinen heutigen Tagebuch-Eintrag beende ich in einer dubiosen, aber gut ausgeleuchteten Bar: Bier Nummer vier + fünf (!) - KEINE Speisekarte (leider!) - als Ersatz aber (wie?) hat’s hier einige VERDAMMT ATTRAKTIV aussehende äthiopische Kellnerinnen, die mich immer wieder von meinem Job ... äh ... ablenken. Gegen Zehn Uhr schlendere ich zurück in mein Hotel - bis ein schätzungsweise zwölfjähriger Junge mir im Vorübergehen ein deutlich vernehmbares ‘I Love You!’ zuflüstert (& mich kurz & fragend anschaut) ... ... woraufhin ich (mittelschwer verstört) meinen (aufreizenden?) Schlenderschritt deutlich beschleunige. Der Koch des Restaurants im Hotel Fasil hat zwar schon Feierabend - für ein Bier (Nummer sechs!) reicht’s zeitlich aber noch gerade. DANN ... ... Ab ins Bett! Heute KEINE Bettlektüre: Licht Aus ... ... & problemlos (wieso eigentlich?) Einschlafen!
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