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WELCOME TO FREE ERITREA ! ODER: ERITREA ... ... NACH MUSSOLINI, MENGISTU & DEM ‘DREISSIGJÄHRIGEN (BEFREIUNGS-) KRIEG’ !
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Früh (allerdings nicht freiwillig, sondern nur ‘unter tätiger Mithilfe’ meines Weckers) auf - denn: Heute ist Reisetag! Packen. Um Sieben Uhr nehme ich ein ‘Very Basic Breakfast’ im Hotel-Restaurant - dann schultere ich meinen Rucksack, marschiere den (knappen) Kilometer zum Busbahnhof an der Menelik Avenue ... ... & dort finde ich nicht nur augenblicklich einen ‘Massawa’-Bus, sondern auch Anschluß: Ein wie ein iranischer Imam gekleiderter (& von den übrigen Bus-Insassen auch wie ein solcher hofierter) ‘steinalter Eritreer’ schließt mich, den Touri, sofort in sein Herz. Vor dem mit laufendem Motor auf die letzten Fahrgäste wartenden Bus unterhalten wir uns (meine Camels paffend) - er arabisch, ich englisch sprechend ... ... beide jedoch ein Sprachbarrieren überwindendes Lächeln im Gesicht. Während der anschließenden, etwa dreistündigen Busfahrt erweist er sich zunehmend als Faxenmacher & Entertainer: Erst singt er so lange & alles andere als heimlich vor sich hin, bis der Busfahrer (endlich!) seine Bord-Musikanlage anwirft - dann gröhlt er jeden der arabischen Songs aus voller Kehle mit, interpretiert die Songs durch eine ausdrucksstarke Gebärdensprache auch optisch, dreht sich zu seinem unterhaltungswilligen Publikum (uns!) um (er hat sich strategisch-geschickt unmittelbar hinter den Busfahrer plaziert) - & heizt diesem (seinem Publikum) mittels von diversen Rock’n’Roll-Größen abgeschauten & hinreichend bekannten ‘I-Feel-Good!’-Gesten ein. Naja - alle Mitreisenden scheinen sich ausnehmend gut zu amüsieren - obwohl seine Show auf mich (zumal auf Dauer: nämlich drei volle Stunden lang!) etwas gezwungen-lustig & bemüht wirkt ... Anyway ... Während der Panorama-Busfahrt durch spektakuläres Terrain, weil von 2.300 Höhenmetern durch gebirgige, stark zerklüftete Landschaft hinunter auf ‘Red-Sea-Level’ führend (Wie die hier bloß diese gute & breite Asphaltstraße hineingebaut haben? Hm, es heißt immer: ‘Die Italiener!’ Aber natürlich haben DIE hier keinerlei körperliche Anstrengung vollbracht!), werde ich von zwei jungen Einheimischen über alles Wissenswerte sowie alle Sehenswürdigkeiten entlang der Piste aufgeklärt ... ... & im Gegenzug über Europa, Germany & meine Person befragt. Ausnahmslos alle Passagiere sind freundlich bis zurückhaltend interessiert, ohne aufdringlich zu wirken - & auch während der beiden Bus- (& Tee-) Stops ergeben sich ständig neue Kontakte & zwanglose Gespräche. Obwohl die schier endlose Karrusselfahrt (von einer Spitzkehre in die nächste) die Mägen einiger Fahrgäste augenscheinlich überfordert, genieße ich den Bus-Trip ohne jegliche Einschränkung ... & fühle mich (‘Back on the Road!’) verdammt gut! Hm - aber das kann sich ja bekanntlich sehr schnell ändern ... !? In Massawa angekommen erweist sich die Suche nach einem Zimmer als äußerst schwierig: Das Dahlak Hotel, augenscheinlich bestes & teuerstes Haus am Ort verschmähe ich ... natürlich. Nachdem ich mir ein paar extrem einfache Unterkünfte habe zeigen lassen, entscheide ich mich (wegen Hitze und Malaria-Risiko!) spontan für das Hotel Torino ... ... äh - mit einem Zimmerpreis von schlappen 20 US-Dollar zwar vermutlich die zweitbeste (& -teuerste) Herberge der Hafenstadt am Roten Meer - aber das ist mir heute egal! Ich befinde mich noch in der Ost-Afrika-Eingewöhnungsphase & habe (auch ‘for mental Reasons’) das Gefühl, mir etwas Gutes tun zu müssen ... Erstmal EISKALT DUSCHEN ... & (ich trau´s mich kaum niederzuschreiben) die ‘Air-Con’ bis zum Erreichen des Gefrierpunktes aufdrehen: Flachst auf dem Bett liegend, rauche ich zwei Zigaretten - dann starte ich zu einem ersten Orientierungs-Spaziergang. Wie bei den extremen Außentemperaturen nicht anders zu erwarten, verende ich schon nach kürzester Zeit in der Garten-Bar des Hotel Dhalak & treffe hier (Surprise!) auf David, den ‘ollen Iren aus Asmara’, der sich zusammen mit Anthony, einem englischen Touri, ‘systematisch die Bierkante gibt’! Hm - wissend, daß die Briten in dieser Disziplin unschlagbar sind (vermutlich aufgrund einer genetischen Übervorteilung!?), versuche ich gar nicht erst mitzuhalten & ziehe mich schon nach dem dritten Bier (also: quasi kampflos!) in meinen geräumigen Eisschrank zurück. Allerdings hat mir Anthony einiges Begrübelnswertes mit auf den Weg gegeben. Er ist eben erst von einer Trekking-Tour durch die Simien Mountains (in Nord-Äthiopien) zurückgekehrt & seine Schilderungen strotzen nur so von Superlativen: ... ein wunderschönes Wald- & Berg-Paradies (zwischen 2.500 und 4.000 Höhenmetern) mit einer enormen Vielfalt ‘Un-Dangerous Wildlife’. Naja - ein paar Tage Natur Pur - in völliger Abgeschiedenheit - nur mit mir & dem dort heimischen Simien-Rotfuchs (der mir abends eine ‘Gute Nacht!’ wünscht) ... ... könnten mir schon gefallen. We’ll See ... Zwei Stunden Relaxin’, Readin’ ‘n’ Smokin’ in meiner Luxus-Herberge. Da es am Roten Meer bereits um Sieben Uhr (!) stockdunkel ist, mache ich mich gegen Halb Sechs Uhr AUF, um die Rest-Sonne des Tages zu einer kurzen & ersten Foto-Safari durch ‘Old-Town Massawa’ zu nutzen. Mein erster Eindruck ist ein unerwarteter: Ich bin überrascht (mehr noch: geschockt!), wieviele unübersehbare Spuren des ‘ostafrikanischen Dreißigjährigen Krieges’ in der (zugegeben: geopolitisch so wichtigen & daher hart umkämpften) Hafenstadt noch heute, acht Jahre (!) nach Beendigung der Kämpfe vorhanden sind. Neben dem unübersehbar ehemals prunkvollen, nun jedoch (vollkommen zerschossen!) vor sich hin verrottenden Palast Haile Selassies (der übrigens bewußt in diesem desolaten Zustand belassen wird - also: der Palast! - & heute ein hoffentlich abschreckendes nationales Mahnmal darstellt) reiht sich, vornehmlich in den engen Seitengassen der Altstadt-Insel Port Island Bombenkrater an Häuserruine. Und doch ... scheinen all diese Gebäude-Wracks bewohnt: Zahllose Holz- & Gas-Kochstellen befeuern vor den baufälligen Hauseingängen rußgeschwärzte, stark dampfende & exotische Wohlgerüche ausatmende Kochtöpfe - die ‘Einwohner’ haben ihre Stühle & Bastmatten an die bauschutt-übersäten Ränder der Straßen herangerückt - man genießt ‘im Freien’ die sanfte Abendsonne & ... ... grüßt gleichermaßen stolz wie freundlich: Die Eritreer werden mir von Tag zu Tag sympathischer! (hoffentlich wird meine Reise durch Äthiopien nicht zum großen Fiasko ... äh - von wegen ‘Hass auf die brutalen Unterdrücker’!?). Ich belasse es bei einem kurzen Atmo-Schnupper-Schlender-Spaziergang (heute Abend nur wenige Fotos, aber MORGEN ...!) & kehre nach Einbruch der Dunkelheit im Eritrean Restaurant ein - einem Open-Air-Bambus-Kral mit sehr viel Flair & einer ausgewiesen umfangreichen ‘Red-Sea-Fish’-Speisekarte !!! Naja - es dauert zwar einige Zeit, bis ich bei den drei wuseligen Kellnern (jeweils separat) meine Bestellung aufgegeben habe (hm, EINE Fisch-Portion muß ich gar zurückgehen lassen - aber der mir kredenzte gedünstete, nackte Weißfisch Pur KANN nicht mein georderter ‘Ground Fish in Spicy Sauce’ sein, oder?) ... ... aber alle sind zuvorkommend & freundlich! Daher gibt’s hinterher (auch ICH bin guter Laune) ein großzügiges Trinkgeld: Scheiß-Ejaahl! ... ... der Tag war eh SAU-TEUER! Tagebuch im Gartenrestaurant & unter sternenklarem ‘Rot-Meer’-Himmel - alsdann den Tag abschließender Verdauungs- & Abend-Spaziergang: Zwar wirkt Massawa im Nacht-Dunkel weit atmosphärischer als bei Tage, leider aber wird auf den Straßen keinerlei eritreische Live-Kultur geboten (naja - sieht man vom an Schaulaufen erinnernden ‘Straß-Auf-&-Straß-Ab-Flanieren’ der einheimischen Jugend ab). SCHADE! Und das ... ... obwohl an diesem Wochenende der 8. Jahrestag der Befreiung Massawas - mit dem daraus resultierenden schnellen Kriegsende - sowie der Unabhängigkeit Eritreas gefeiert wird. Also mal wieder früh zu Bett - denn auf Disco im Dachterrassen-Nachtclub meines Hotels habe ich nun wirklich keine Lust! (Wieso eigentlich? In Eritrea soll’s doch die attraktivsten Frauen dieses unseres Planeten geben ...?). Lange Lese-Session: Robert Musils ‘Mann ohne Eigenschaften’ ...
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... Ziemlich unruhige Nacht: Zum einen macht mir die brutale Hitze in Massawa zu schaffen (obwohl hier niemand müde wird zu behaupten, ‘erst im August gibt’s die unangenehm-heißen Temperaturen!’ Hm - MIR reichen schon schlappe 30 Grad Celsius in der Nacht!). Darüberhinaus (also: ‘über mir’) befindet sich die Roof-Top-Night-Club-Disco des Hotels ... & auch wenn die Bee-Gees-&-Boney-M.-Hammerhits nicht unerträglich laut (die komplette letzte Nacht hindurch!) abgenudelt wurden, wäre die Bezeichnung ‘erträglich’ doch stark untertrieben. Anyway ... Ich stehe daher schon um Sieben Uhr kerzengerade in meinem Zimmer - was allerdings eindeutig zu früh ist für die Hafenstadt am Roten Meer: Duschen (äh ... problemlos) & anschließend die (allerdings verdammt schwierige) Suche nach einem Frühstücks-Cafe. Schließlich lande ich doch wieder (wie gestern Abend) im ‘Eritrean’ - diesmal jedoch nicht im Open-Air-, sondern im In-Door-Restaurant-Bereich: Da die Kaffeemaschine laut Aussage des verschlafen wirkenden Kellners erst im Laufe des Nachmittags eingeschaltet wird (???), muß ich mich mit einem ‘Light & Fast Breakfast’ auf SPÄTER vertrösten ... ... nur Brot, Butter, Marmelade & Tee sowie eine Fanta-Ex gegen den ‘ganz großen Post-Nacht-Durst’. Ausgiebiger Foto-Walk durch die zerbombte Altstadt Massawas: Atmo-Shots ... ... von Häuserruinen & den (sonstigen baulichen) Überresten eines einstmals idyllischen, arabischen Handelszentrums, ... von gläubigen Muslimen auf dem Weg zur Moschee (vornehmlich Frauen, die meist bis zur Unkenntlichkeit verschleiert sind) sowie ... von im (& zwischen dem) Bauschutt spielenden KnirpsInnen - übrigens mit den rotzigsten Nasen & den fröhlichsten Augen, die sich denken lassen. Ich schlendere den zwischen der Altstadt-Insel Port Island & der dem Festland zugewandten Taulud Insel aufgeschütteten Fahrdamm (Richtung Dahlak-Hotel) entlang & beobachte in Ufernähe die (meist kleinen) Bewohner des Roten Meeres. Aus der immensen Palette kunterbunter Exoten, die sich im glasklaren Wasser des Hafenbeckens tummeln, STICHT besonders eine Fisch-Spezies hervor ... ... die lediglich aus einer etwa dreißig Zentimeter langen, spitz-zulaufenden ‘Pinocchio’-Nase zu bestehen scheint. Ganze Schwärme dieses anatomischen Weltwunders ziehen in wohlgeordneten Formationen an mir vorbei ... ... & drehen mir eine (also: Nase!). Im Open-Air-Seaside-Café des Hotel Dahlak hole ich die heute Morgen versäumte Koffein-Infusion nach (in Form zweier Capuccini). Eine sehr attraktive, junge Eritreerin genießt, sich am Nebentisch genüßlich räkelnd, die Morgensonne ... ... hm - ist aber (eigentlich) nicht wirklich interessant. Da nehmen mich schon eher die ‘Törn’-Vorbereitungen der ‘Nobile’-Crew gefangen - eines schmucken Zweimast-Seglers, der am Wochenende Touristen gegen Cash auf die vorgelagerten & als Tauchparadies bekannten Dahlak Islands übersetzt: Die braungebrannten, muskelbepackten (& tätowierten! ... Bettino!) Seebären tun allesamt sehr geschäftig. Highlights der Vorführung maritimen Alltags sind einige rasante Schlauchboot-Außenborder-Fahrten zwischen Pier & Schaluppe - wobei die wechselnden ‘Gummi-Käptns’ sich in ihrem aggressiv-künstlerischen Fahrstil gegenseitig zu übertrumpfen versuchen & das offensichtliche Ziel verfolgen, simultan zum Starten des Motors einen Looping zu produzieren. Hm - sehr beeindruckend ... äh ... das! Um Zehn Uhr begebe ich mich zurück ins Hotel Torino: Existentielles Duschen ... ... sowie Packen. Schon um Halb Elf Uhr befinde ich mich auf dem Weg zur Waterfront-Bushaltestelle. Ich belege einen Fensterplatz im nächsten Bus nach Asmara (hm - meinen großen Rucksack als Platzhalter wird sich wohl niemand zu klauen trauen, oder?) - setze mich zu den anderen Passagieren in den Schatten einiger den Wartesaal ersetzenden Palmen - & warte rauchend & plauschend die letztgültigen, vom Eingeweihten an der Ungeduldigkeit ihres Klangs & Rhythmus’ erkennbaren ‘Horn’-Signale des Busfahrers ab. Nach nur EINER (kurzweiligen) Wartestunde gehen wir’s an ... ... & durch die weitverstreuten, wildwuchernden Vororte Massawas SUCHT unser Bus (-fahrer?) die Landstraße nach Asmara. Am äußersten, nordwestlichen Stadtrand lassen wir schließlich auch die letzten, provisorischen Siedlungen hinter uns: Die Behausungen der Halbnomaden, deren Hütten entweder aus verrostetem Wellblech bestehen oder einfache Rundhütten der landestypischen (Leicht-) Bauweise sind. Sprich: mittels dünner, elastischer Äste wird ein Iglu-förmiges Gerippe erstellt - anschließend werden die Außenwand-Zwischenräume mit Reisig & Grasbüscheln aufgefüllt - & ... ... That’s It!. Übrigens: die Verwendung des reichlich vorhandenen Kamel-Dungs zum Bau der Unterkünfte verbietet sich, da dieser ein kostbares Brennmaterial darstellt. Im Vergleich zu gestern ist die heutige Busfahrt noch um einiges spektakulärer, habe ich doch permanent unser (vermeintliches) Reiseziel vor Augen: am westlichen Horizont zeichnet sich trotz Dunst deutlich erkennbar die Silhouette einer hohen Gebirgskette ab! Zunächst schmiegt sich die Straße an flach-hügeliges, karges Gelände & folgt den sanften Schwüngen der Eisenbahnschienen: Diese ... ... führten zu italienischen Kolonial-Hoch-Zeiten steilst hinauf nach Asmara (& von dort weiter in Richtung sudanesische Grenze bis ins west-eritreische Agordat). Die Pläne für den Ausbau der Bahnstrecke bis Khartoum (& damit den Anschluß an die britische Ägypten-Sudan-Linie) existierten schon, wurden aber nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (zusammen mit den Großmacht-Phantasien Mussolinis von einer ‘Kolonie Italienisch-Ostafrika’) begraben. Während des Eritreischen Befreiungskrieges war die strategisch wichtige Bahnlinie im ständig wechselnden Kriegsgeschehen ein bevorzugtes Angriffsziel beider Kriegsparteien ... & wurde systematisch zerstört. Bis zum heutigen Tag hat die staatliche Eisenbahngesellschaft lediglich eine kurze Gütertransport-Trasse von Massawa zu einem Container-Verlade-Terminal wiederhergestellt, der sich zwanzig Kilometer von der Küste entfernt (‘in the Middle of Nowhere’) im Landesinneren befindet. Die beeindruckenden (& ewig zu lächeln scheinenden) ‘Wüstenschiffe’ berauben die nur noch wenige Blätter besitzenden, sehr vereinzelt im kargen, steinigen Terrain stehenden Bäume ihres letzten Rest-Grüns. Kleinere Ziegen- & Rinder-Herden (von meist sehr jungen Einzel-HirtInnen eskortiert) hinterlassen ihre kaum sichtbaren Spuren in der unwirtlich-staubigen Landschaft. Nach einer knappen Fahrtstunde beginnt der beschwerliche Anstieg hinauf zum eritreischen Zentralplateau & ... unser klappriger Bus erweist sich entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen als ausgesprochen STARKER Kletterer! Gott-sei-Dank: denn selbst aus großer Entfernung gut einsehbar, windet sich die Piste durch unzählige enge Serpentinen die steil ansteigenden, noch üppig bewachsenen Berghänge hinauf. Wir passieren Dongollo, einen kleinen Ort mit landesweiter Bedeutung & Reputation. Befindet sich doch hier ‘die Mineralwasser-Quelle, aus der (ganz) Eritrea trinkt’! Hm - & nun auch ich ... Übrigens: ‘Dongollo’-Mineralwasser wird in großen, braunen Glasflaschen verkauft, die den in Eritrea handelsüblichen, allerdings nur halb so großen Bierflaschen aufs Haar gleichen. In (Old-Town-) Massawa nötigte ich gestern peinlicherweise einen bedauernswerten Kellner, DREIMAL (!) mit seinem Servier-Tablett quer über die Hafenpromenade zu laufen, bis ICH (schlußendlich doch!) kapierte ... ... daß die großen Flaschen zwar sehr GROSS sind, aber nun wirklich & wahrhaftig KEIN Bier enthalten (ich ungläubiges Dummerle, ich!). Als wir Ghinda erreichen (Bus-Stop auf halber Fahrtstrecke & Durstlöscher inmitten einer kontaktfreudigen, fröhlichen Großfamilie), haben wir gleichzeitig auch die von der Küste aus sichtbare, hohe Gebirgskette erklommen ... ... aber ein Ende der Kletterpartie ist noch lange nicht in Sicht! Und während der restlichen anderthalb Fahrtstunden nimmt unser ‘Gemsen’-Bus mit stoischem Gleichmut ein ums andere Mal den Anstieg in den jeweils nächsten der sich schier unaufhörlich über uns türmenden Berge in Angriff. Hm ... ... NUR 2.500 Höhenmeter können ‘in real’ schon verdammt beeindruckend sein! Unmerklich ändert sich die Vegetation ... & irgendwann stelle ich (überrascht) fest, daß wir nur noch von Agaven, riesigen Kakteen sowie nacktem Felsgestein umgeben sind. Nach einer weiteren Busstunde passieren wir Nefasit: Die relativ große Siedlung, die sich über ein breites Plateau erstreckt, befindet sich exakt 500 Höhenmeter unterhalb Asmara-Level. Auf einem über der Stadt thronenden, dramatischen Monolith-Felsen wurde im 14. Jahrhundert das koptische Kloster ‘Debre Bizen’ errichtet. Etwa 100 männliche Bewohner zählt das Kloster heutzutage. Die Mönche leben in vollkommener Abgeschiedenheit ... & Frauen ist der Zutritt strengstens untersagt! ‘Nicht’, wie der Abt behauptet, ‘weil wir keine Frauen mögen! Im Gegenteil: weil wir Frauen zu sehr mögen ...’ Hm - ich verzichte auf die Inspektion des sich vermutlich quer durch den Felsen (Richtung Stadt ...? & FRAUEN ...?) grabenden Tunnel-Irrgartens. Jaja - Umberto Eco, der alte Italiener (& damit Quasi-Landsmann) läßt grüßen ...!? Unser Bus nimmt all seine verbliebenen Energiereserven zusammen ... & einen letzten, langen Anstieg. Kurz vor Erreichen des Asmara-Plateaus passieren wir ein kleines Bergdörfchen in sowohl idyllischer, wie auch unzweifelhaft dramatischer ‘Hanglage’: ... unter- & oberhalb der Straße haben die Dorfbewohner den Berg stark & tief terrassiert, ... die einfachen Lehm- & Reisighütten sitzen dichtgedrängt an den abgrund-seitigen Rändern der Terrassen ... & sie (die Hütten) zeichnen mit ihrer jeweils halbkreisförmigen Anordnung exakt die topografischen Höhenzüge des Berges nach. Leider KEIN Foto ... ... möglich, da der Busfahrer nur seinen Fahrplan im Kopf hat (& aus dem fahrenden Bus heraus? Naja ...). Gegen Drei Uhr fahren wir in den Busbahnhof an der Menelik Avenue ein. Zwar ist es ‘hier oben’ klimatisch weit angenehmer als an der Rotmeer-Küste (die Luft ist frisch - die Temperaturen sind um mindestens zehn Celsius-Grade niedriger) ... ... zum Ausgleich aber wird man von dichten Staub- & Abgaswolken belästigt, die schwer (& sichtbar!) auf den engen Straßen lasten. But anyway: ERSTMAL ... ... bin ich froh, der Gluthitze entronnen zu sein! Ich habe während der morgendlichen Kraxeltour den spontanen Entschluß gefaßt, meine täglichen Fixkosten (gnadenlos!) zu kürzen - mache daher einen weiten (gedanklichen) Bogen ums geschichtsträchtige (& daher teure) Hotel Keren & checke im zentraleren Hotel Legese (in der Nähe des ‘Cinema Impero’) ein, wo man mir ein sauberes, wenn auch kleines & schmuckloses Einzelzimmer für NUR 44 Nacfa (umgerechnet: etwa 6 US-Dollar) anbietet. Hm - im für afrikanische Verhältnisse doch recht teuren Asmara, muß dies schon der Kategorie ‘Bloody Cheap’ zugerechnet werden. Auf dem Bett liegend: ein ‘Welcome-Back-to-the-Capitol-of-Free-Eritrea’-Bier. Dann Auspacken - Duschen - & raus auf die Straße (schließlich ist Samstag & heute muß doch IRGENDETWAS in dieser Stadt abgehen ...?). Bei einem Zeitungsjungen erstehe ich die neueste Ausgabe der ‘Eritrean Profile’, der einzigen englisch-sprachigen & wöchentlich (samstags!) erscheinenden Zeitung Eritreas ... ... & pflanze mich auf Capuccino, Zeitungs-Lektüre sowie Planung meines Abendprogramms in das Straßencafé der Impero Bar. NOCH aber komme ich nicht zum Studium des ‘Acht-Seiten-Blättchens’. Davor steht eine interessante & zwanglose Unterhaltung mit einem netten, mittelalten Eritreer, der mich vom Nebentisch aus anspricht & mir ‘sein Leben’ erzählt: 1984 ... ... mußte er aus politischen Gründen sein unter äthiopischer Okkupation leidendes Heimatland verlassen. In den folgenden zehn Jahren befuhr er als Matrose auf griechischen & italienischen Schiffen zunächst sämtliche (sieben!) Meere, bevor er sich wegen auftretender gesundheitlicher Probleme körperlich weniger anstrengende Jobs suchen mußte. Unter anderem verbrachte er ‘ein schönes Jahr in Berlin’ ... ... äh: natürlich ‘Ost’ (damals noch die ‘Hauptstadt der DDR’). Die sich anschließende politische Diskussion ist kurzweilig & anregend zugleich, denn (wie? ‘denn’) er ist erstaunlich gut über die Geschehnisse der Weltpolitik informiert (‘wieso eigentlich erstaunlich? Du gönnerhaft-eurozentristisches Arschloch, Du?’ ‘Äh, lassen wir das ...’). Später kehre ich heim in ‘meinen’ City-Park & widme mich bei Capuccino & saugutem, frischgepreßtem Orangensaft meiner Zeitungslektüre: Der Sudan wirft Eritrea die Verletzung seiner Grenzen vor. Angeblich hat bereits der zweite eritreische Raketenangriff auf Kassala im Osten Sudans stattgefunden. Die eritreische Regierung weist die Anschuldigungen als ‘aus der Luft ... äh ... gegriffen’ zurück. Die eritreische Frauenpartei (die ‘National Union of Eritrean Women’, die immerhin gut 200.000 Genossinen umfaßt) bereitet sich auf ihren 5.Kongress vor & legt in ihrem Parteiprogramm einen eindeutigen Schwerpunkt auf die Bekämpfung des Analphabetentums im & (speziell) auf dem Land. Aus Kenya erreichen mich neueste Horrormeldungen ... ... im ‘Rift-Valley-District’ (nordwestlich von Nairobi) ist es zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen (‘zwischen verfeindeten Volksstämmen ...’, wie die Regierung Kenyas in solchen Fällen immer stereotyp behauptet!), die bislang weit über 100 Menschenleben gekostet haben. Und Präsident Daniel Arap Moi fällt nichts anderes ein, als über die gesamte Region eine Ausgangssperre (von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens) zu verhängen, ... weiterhin wird nach Madagascar nun auch Kenya von einer Heuschrecken-Invasion unvorstellbaren Ausmaßes heimgesucht, welche die ‘El-Nino’-bedingt eh schlechte Ernte aufzufressen droht, ... & aus dem Norden Kenyas werden (ebenfalls ‘El-Nino’-bedingte, weil für die Jahreszeit ungewöhnlich starke) wolkenbruchartige Regenfälle gemeldet, die ein Befahren der Überland-Sand-(&-jetzt-Schlamm-)Pisten wenn nicht unmöglich, so doch zumindest zeit- & nervenraubend machen. Hm - IRGENDWIE beginne ich mich auf Kenya zu freuen ... !?! Um Halb Sieben Uhr schlendere ich ‘Back to my NEW Hotel Room’: zwei Stunden Muse ... äh: Muße ... doppel-äh: Musil! Anschließend einfaches Abendessen (ohne ‘Injera’ - aber mit Bier!) im Restaurante St.Giorgio. Während des Rückwegs zum Hotel fallen mir zwar ‘schiere Massen schick-gekleideter Amüsierwilliger’ auf (welche die zentrale Liberation Avenue hinauf- & hinunter flanieren) ... ... der einzige, für den heutigen Abend angezeigte ‘Cultural Event’ Asmaras aber ist die Aufführung des besonders wertvollen Hollywood-Streifens ‘Police Academy’ im Cinema Impero. Hm - & da ich auf ‘authentic Eritrean-Highland-Dance’, eine (alltäglich) im Schicki-Micki-Hotel Ambassador ‘durchgezogene’ Touri-Show, ebensowenig Lust habe ... ... erstehe ich in der Hotelbar des Legese eine große Flasche ‘Dongollo’ (Ja! Mineralwasser!) & betrüge für den kurzen Rest des Tages die Welt um mich: Rauchen, Lesen & ... ... mich (schlicht, ich!) der angenehm-kühlen Temperaturen im eritreischen Hochland (wieder) erfreuen. Und gegen Mitternacht: Licht Aus ...
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... LAZY SUNDAY! Warum auch nicht ... ich stehe dazu! Ausschlafen - ausgiebigst Duschen - Frühstück im Hotel-Restaurant - sowie lange Tagebuch-Session. Um Halb Elf Uhr raffe ich mich auf & unternehme einen ziellosen Spaziergang durch die Stadtviertel nördlich der die Innenstadt Asmaras halbierenden Liberation Avenue: Einige Atmo-Shots! Schließlich lande ich eher zufällig vor der St. Marys Church (im Nordosten der eritreischen Kapitale): ... monumentale Abmessungen, ... kunstvolle & SEHR bunte Glasmalereien über dem Kirchenportal, ... zwei hohe, extrem kantig wirkende Kirchtürme mit quadratischem Grundriss (die losgelöst vom langen Kirchenschiff sich vor diesem in den dunkelblauen Vormittagshimmel recken), ... ein ausladender, kopfstein-gepflasterter Kirchenvorplatz, der von einem zentralen, über eine enorme Spannweite verfügenden (& schatten-spendenden) Baum dominiert wird, ... etwas abseitig ein mannshohes Eisengerüst, an dem eine knappe Handvoll oval-rundlicher Natursteine mit Drahtschlingen befestigt sind & umherbaumeln (hm, vermutlich ‘religiös-spirituelle Devotionalien’ ...?), ... die gesamte Kirchenanlage ist weiträumig von einer hohen Ziegelstein-Mauer eingefaßt, die an der Westseite in ein filigran gestaltetes Eingangsportal übergeht (ein verwirrend-chaotisches Arrangement aus Türmchen, Erkern, Spitzdächern & sich an die Mauer duckenden Nebengebäuden). Hm - einfach ein ‘wunderschöner & friedvoller Ort, der zur die Zeit vergessen machenden Kontemplation geradezu ...’ ... WAS ICH DENN AUCH BEREITWILLIG TUE! (Sehr viel) später Capuccino & Zeitungslektüre im City-Park (natürlich!). Schließlich Siesta, Musil & Reiseführer-Studium im Hotel. Nachdem sich die Mittagshitze verabschiedet hat, starte ich zum ‘Sonntag-Nachmittag-Spaziergang’. Zunächst jedoch erkunde ich die Standorte & Abfahrt-Zeiten für meine Busse nach Keren (morgen) sowie Axum in Nord-Äthiopien (voraussichtlich: am Mittwoch). Eine Seitenstraße der Menelik Avenue führt als staubiger Pfad durch eine einfache Hütten-Wohnsiedlung auf einen park-ähnlichen, baum-bestandenen Hügel. An dessen höchstem Punkt zeichnet sich die Silhouette eines ultra-modernen, kreisrunden (& irgendwie pilzförmig aussehenden?) Etablissements ab ... ... ein ‘Bar-Disco-Nightclub-Live-Music-Spot’ für die High-Society Asmaras (was ich zum Zeitpunkt meines Aufstieges allerdings noch nicht weiß). Die vermeintlich grandiose Panorama-Aussicht auf die Stadt treibt mich den Hügel anwärts. Oben angekommen erweist sich aber diese, meine Motivation als frommer Wunsch & ich bereue mein Tun augenblicklich. Anyway ... Trotz ‘übler Schicki-Micki-Atmo’ gönne ich mir ein kühles Bier auf der ‘Sunny, though View-LESS Terrace’. ABER ... meine miese Laune ist durchaus noch steigerungsfähig ... ... & so inszeniert ‘man’ für mich (den Touri) eine ‘Show der ganz besonderen Art’: Ein angst-einflößendes Rudel von schätzungsweise zehn hellbraunen, riesigen Wolfshunden streunt um die ‘Lasterhöhle’ & stürzt sich in regelmäßigen Zeitabständen auf die Mutigeren (& Vorwitzigeren) der aus einer nahen Armen-Siedlung stammenden Kinderschar - die sich ein ums andere Mal vorsichtig an die Killer-Köter anschleichen, um beim ersten Hundegebell kreischend den Hügel hinabzurennen & sich in den heimischen Hütten in Sicherheit zu bringen. Als schließlich zwei mitfühlende & (zu Recht!) besorgte, schon etwas ältere eritreische Jugendliche versuchen, den Vorsprung der sich (zuweilen: ‘leicht’!) verschätzenden Knirpse durch je einen gezielten Steinwurf in Richtung ‘Leitwolf’ zu vergrößern ... ... bringt das den alten Wachmann (schwarze Hautfarbe! ... & mit einem ‘irgendwie aggressiv wirkenden Base-Cap’ ausgestattet) erst auf den Plan ... ... & dann DERART in Rage, daß er mit gezücktem Schlag-Prügel auf die beiden jungen Männer (die ‘offensichtlichen Ruhestörer & Tierquäler’!) losstürzt. UNBELIEVABLE! Sozialer (hautfarben-unabhängiger ... & doch) Rassismus in Reinkultur! MIR REICHT’S ... ... & ich setze ein Zeichen! (obwohl vermutlich mal wieder NIEMAND meinen knallharten Boykott bemerkt, geschweige denn: gespürt hat! Naja ...). Zurück ins Stadtzentrum: Kaffee & Musil im (na, wo schon?) City-Park, dem mit Abstand gesündesten Outdoor-Cafés Asmaras ... ... da es sich im Gegensatz zu den übrigen Straßencafés etwas abseitig vom EXTREM stinkenden Straßenverkehr befindet (äh ... vermutlich fahren die hier mit Altbier !?). Der Park ist mit Sonntags-Ausflüglern gut gefüllt. Die ‘Kenny-G’-Extremely-Easy-Listening-Musik nervt (NOCH!) ‘nur ein wenig’ & so gebe ich erst bei Einbruch der Dunkelheit mein Refugium auf. Mein Abendessen nehme ich heute im Restaurant meines Hotels - das zwar etwas schicker & teurer ist als ‘the usual Basic Local Restaurants’, dafür aber kredenzt man mir ein ‘den Preis wertes’, sau-gutes & -scharfes ‘Beef Zighini’ (so ‘ne Art eritreisches Stew). Äh ... ... auf den ‘Injera’-Lappen (Fladenbrot aus fermentiertem ‘Teff’-Getreide-Sauerteig, das sowohl geschmacklich wie auch optisch verblüffende Ähnlichkeit mit jener Art grauer Schaumstoffmatten besitzt, die man üblicherweise unter den Computer-Bildschirm packt, um dessen Verrutschen auf der Schreibtischplatte zu verhindern: WÜRG!) verzichte ich heute Abend (gerne!) ... ... nicht jedoch auf mein obligatorisches ‘Asmara’-Bier. Mit Rücksicht auf erste, deutlich sicht- & spürbare Anzeichen sich entwickelnder Blasen an meinen Füßen, verzichte ich auf den Verdauungs-Spaziergang - obschon ich ihn DIESES MAL eigentlich so nötig hätte, wie noch nie (äh ... während meines bisherigen, mittlerweile immerhin schon FÜNF Tage umfassenden Afrika-Trips). Mit letzter Kraft schleppe ich mich ein Stockwerk höher & in mein Hotel-Zimmer. Noch ein paar (wenige!) Seiten Reiseführer & Musil ... ... dann lösche ich (früh) das Deckenlicht: Denn morgen soll’s (ebenfalls früh) nach Keren (etwa drei Busstunden nordwestlich von Eritreas Hauptstadt) gehen ... ... & äh: Schluß! ...
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... Halb Sieben Uhr wach! Das kleine Reisegepäck zusammengerafft - Sieben Uhr ‘Light Breakfast’ im Hotel-Restaurant - um Halb Acht Uhr erreiche ich den Busbahnhof & ... ... finde auch sofort einen Bus mit ‘Destination: Keren’. DER ... erweist sich allerdings (schließlich) als der Falsche: große Hektik & endloses Palaver, an dessen Ende der Umzug sämtlicher Fahrgäste in den Neben-Bus steht. Ein junges & SEHR attraktives ‘Eritrean Girl’ (das mich an das Foto einer jungen EPLF-Befreiungskämpferin in einem GEO-Bericht erinnert) steigt zu, packt seinen Rucksack (als Platzhalter?) auf die Sitzbank schräg vor mir, verläßt den Bus & ... ... kehrt NICHT wieder zurück. Naja - was soll’s? Dann fährt der Rucksack halt unbegleitet nach Keren ... ... wer wird denn gleich hierin etwas Außergewöhnliches sehen (äh: wollen? Hm - OBWOHL ich mit dem Gedanken spiele, traue ich mich letztlich NICHT, an dem ‘lonely Backpack’ zu horchen ... äh: ob eventuell ein gleichmäßiges Ticken ...?). Am Stadtrand Asmaras angekommen, steuert unser Busfahrer erstmal die nächste Tankstelle an & verschwindet in dem flachen Gebäude: eine halbe Stunde tut sich rein gar nichts (der Bus wird natürlich NICHT betankt). Vermutlich nimmt der Fahrer seinen Morgentee & denkt ... ‘the Bus is Full! So - Why Hurry?’ Als es schließlich (aus unerfindlichen Gründen!) denn doch los geht, wird meine Erwartung (einer langweiligen Busfahrt über ödes & plattes Hochland) schnell eines besseren belehrt. Schon nach zehn Kilometern sagen wir der Ebene ‘Ade!’ ... ... & die Straße sucht (ein ums andere Mal erfolgreich) den jeweils einzig möglichen Durchschlupf durch eine stark zerklüftete & schroffe Gebirgslandschaft. Obwohl ... zunächst erweist sich der Verlauf der Piste (durch karges Gelände) noch als relativ moderat: zu beiden Seiten der Straße ducken sich in regelmäßigen Abständen (von etwa zwanzig Metern) kleine Eukalyptus-Bäumchen unter den noch dringend benötigten Schutz nur wenig höherer Maschendraht-Verhaue - vermutlich aber schon in zwei bis drei Jahren werden die (heute noch) ‘Baumzwerge’ der Straße den Naturtunnel-Charakter einer Allee verliehen haben. In weit unregelmäßigeren Abständen zeigen sich im Straßengraben die letzten, leblosen Zeitzeugen der heftigen militärischen Auseinandersetzungen, die in diesem Landstrich (zwischen ‘Eritrean Nacfa & Ethiopian Asmara’) über Jahrzehnte hinweg stattgefunden haben: vollkommen verrostete & dem Verrotten überlassene Panzer, Granatwerfer & sonstige Militär-(fahr-)zeuge ... ... ich scheine allerdings der einzige Mensch (wenigstens im Bus!) zu sein, der diese Wracks überhaupt (noch!) wahrnimmt. Die Landschaft ist zwar stark terrassiert & streng parzelliert - aber an Ackerbau ist auf dem grau-braunen, staubigen Boden (wenigstens während dieser, der trockenen Jahreszeit) nicht einmal zu denken. Die wenigen Kühe, Rinder & Ziegen, die das Terrain auf letzte Spuren grüner Mikroorganismen absuchen, machen einen verdammt mitleid-erregenden Eindruck. Einige (wenige) Male passieren wir (jedoch ... doch) kleine bis mittelgroße, in der Morgensonne glitzernde seichte Tümpel. Und um diese, in dieser Einöde wie surreal wirkenden ‘Ur-Quellen von Leben, Wachstum & Fruchtbarkeit’, zeigt sich gleich ein völlig verändertes Bild: satt-grüner Rasen erstreckt sich in einem breiten Streifen entlang des Ufers - der ‘Grünstreifen’ ist Heimat für eine Vielzahl & -falt diverser Bäume & Sträucher - die Gesichter des Nutzviehs zeigen sich um einige Lachfalten glücklicher - & sogar ein paar schneeweiße Reiher haben sich eingefunden & stehen starr bis reglos im ufernahen, flachen & kühlen (?) Nass. Je weiter wir uns von der Hauptstadt entfernen, umso karger & ursprünglicher wird das Leben: Die rarer sich zeigenden, kleinen Siedlungen bestehen nur noch aus maximal einem knappen Dutzend runder Lehmhütten, die mit zum Spitzdach geformten Strohgarben gedeckt sind. Weite, wallende & immer SEHR bunte Umhangtücher der im ‘Niemandsland’ lebenden Frauen stellen die einzigen Farbtupfer dar (in einer ansonsten uni-braunen, staubigen Landschaft). Die relativ komfortable Asphaltpiste beschreibt extremste Serpentinen & schlängelt sich von einem Berghang zum (& über den) nächsten. Nach anderthalb Stunden stoppt der Busfahrer seinen ‘Blechhaufen’ vor zwei einsam am Straßenrand kauernden Strohhütten: Tea-Stop! ... ... & die Gelegenheit (für mich) ein paar Fotos vom ‘Real Eritrean Life’ zu schießen sowie ... äh (‘Verrry Essential!’) ein paar Zigaretten durchzuziehen. Weitere anderthalb Fahrstunden später signalisiert ein schon aus großer Entfernung auszumachendes, hohes, grünes Minarett, daß wir uns Keren nähern. Der Bus-Terminal befindet sich auf dem staubigen Terrain des langsam verrottenden Bahnhofs der staatlich-eritreischen Eisenbahngesellschaft. Reich ornamentierte, allerdings extrem heruntergekommen nicht nur wirkende Jugendstil-Säulen (die das Sonnendach der alten Bahnhofshalle mehr schlecht als recht tragen) zeugen (noch!) von den Zeiten, da Keren ein wichtiger & vielbesuchter Handelsposten in ‘Italienisch-Eritrea’ war. Schlender-Walk durch das mittäglich-heiße Keren: ‘On the way - Political Shot’ ... von der mit kämpferischen Parolen übersäten Fassade der örtlichen ‘EPLF’-Zentrale. Im schattigen Garten des Hotel Keren gönne ich mir einen Cola-Stop & nutze die Gelegenheit, mich bei der Kellnerin nach dem Weg zum ‘Big & Famous Monday-Market’ zu erkundigen. Obwohl ... ... vermutlich hätte ich den (den Weg!) auch selbst gefunden: Naja - halt ‘immer den Kamelen nach!’ Der Markt ist zwar groß & farbenfroh, bei weitem aber nicht SO spektakulär, wie ich ihn nach den enthusiastischen Schilderungen Davids erwartet hatte: Das mit Abstand Exotischste sind die träge dahin schaukelnden, eine unendliche Ruhe & Gelassenheit zur Schau ‘tragenden’ Lasten-Kamele. Die feilgebotenen Leder- & Korbgeflecht-Handarbeiten sind durchweg beredter Beleg der großen Kunstfertigkeit ihrer Produzenten & gäben manch schönes Souvenir ab ... ... allein: Mein Rucksack ist halt einfach immer VIEL ZUUU KLEIN (hm - zumal am Beginn einer solch langen Reise !? ‘Wie?’). Ich streune eine halbe Stunde durch die staubigen Gassen der Altstadt & versuche schließlich aus sicherer Entfernung (für mich) ein paar Atmo-Tele-Shots: ... vornehmlich natürlich die majestätisch einher schwankenden Kamele, ... weiterhin geschäftig wirkende, eiligst umher wuselnde Frauen mit (für islamische Verhältnisse - übrigens: die Einwohnerschaft Kerens besteht mehrheitlich aus Muslimen) sehr bunten Capes & Schleiern, ... die stolzen männlichen Vertreter der einheimischen Bevölkerung mit ihren kunstvoll gestalteten & ebenso bemalten Spazierstöcken (die zum Teil stark an arabische Krummsäbel erinnern ... sollen?), ... sowie nicht minder stolz einher schreitende ‘Kiddies’, die zur Feier des (Markt-)Tages von ihren Erziehungsberechtigten in traditionelle Trachten gesteckt wurden. ‘HOPEFULLY ... some (few?) Nice Shots!’ Hm - weit weniger ‘nice’: Ein bedauernswertes Kamel, dem der linke Vorderlauf von der Kniescheibe abwärts abhanden gekommen ist, quält sich (natürlich trotzdem mit Waren schwer bepackt) durch das chaotische Marktgeschehen, während sein vermutlich ‘stinkender (!) Kameltreiber’ mit einer langen Gerte auf das arme Vieh eindrischt ... ... ohne jegliches Unrechtsbewußtsein & frei nach dem Motto: ‘Wer sein Kamel mägt ... äh: der es schlägt!’ Etwa zwei Kilometer außerhalb der Stadt befindet sich der St. Mariam Deirat Shrine, eine kleine Kapelle, die in einen steinalten, riesigen Baobab-Baum hinein gebaut wurde. Und genau dahin treibt mich das auf Dauer doch ziemlich nervige ‘myriadige Menschen-Massen-Markt-Martyrium’ ... Unterwegs sprechen mich eine Unzahl Schulkinder an (die natürlich in einheitlichen Uniformen stecken). Meist führt die Konversation zwar nicht über deren stereotype Frage ‘What’s your Name?’ hinaus. Die etwas älteren (& bei dieser Altersgruppe vornehmlich die Mädchen - die ja eh viel intelligenter ...) scheinen aber im Englisch-Unterricht schon fortgeschrittener - & es macht durchweg Spaß, mit den freundlichen (& NIE um Geld bettelnden) Kindern herumzuflachsen. Ich erreiche die letzten Häuser der Stadt, passiere den alten italienischen Kolonial-Friedhof (die einzelnen Grabsteine sind zwischen den sie überwuchernden Kakteen kaum mehr auszumachen), überquere eine etwa einen Kilometer breite Sandebene - & stehe urplötzlich an der Eingangspforte zum ‘Allerheiligsten’, das in der es einschließenden (bedrängenden?) unwirtlichen Einöde wie eine Oase wirkt: Ein schnurgerader, sehr gepflegter & baumbestandener Kiesweg führt direkt auf die Kapelle zu, die von dem weitausladenden, knorrigen Baum (mit faustgroßen & eßbaren Früchten - wie mich ein vorbeischlendernder Einheimischer informiert) um mehrere ‘K’- (sprich: ‘Kapellen’-) Höhen überragt wird ... ... ein ‘wahrhaftiger Ort des Friedens & der Stille’. Lediglich der Wind erzeugt in den Blättern der die Anlage ‘einfriedenden’ großen Eukalyptus-Bäume sanfte Säusel-Geräusche! Die Kapelle selbst ist ein nach vorne offener, quadratischer Raum. Das Inventar besteht aus einem eisernen Kerzenständer sowie zwei Heiligen-Postern (rechts & links an den Innenwänden). Die Rückwand sowie eine Nische (der Schrein) wird von den drei Stämmen des Baobabs gebildet ... & in dieser Nische thront eine schwarze, kunstvoll geschnitzte Holz-Madonna, die ein leidendes Lächeln im Gesicht trägt. Außer mir streunt lediglich ein englisches ‘Backpacker’-Pärchen durch die atmosphärische Anlage ... ... & ich nehme mir sehr viel Zeit den Andachtsort ausgiebigst & aus allen denkbaren Perspektiven erst zu atmen & dann abzulichten. Anschließend Rast (wovon?) & ‘Besinnung’ (worauf?) an einem nahen, schmucklosen (& doch ‘sacred’!) ‘Pool’ ... sowie kurzer Plausch mit den diesen besonderen Ort ebenso wie ich genießenden Briten. Nach einer Stunde verlasse ich die heilige Stätte (unwillkürlich: auf leisen Sohlen!) & marschiere zurück Richtung ‘Keren-Town’. Der Wind frischt zusehends auf & während des langen Marsches über die ungeschützte Sandebene klebt mein Blick förmlich an meinen ‘unendlich interessanten Wanderschuhen’ - auch in den sandigen Gassen der Altstadt herrscht nun das originale Sahara-Feeling - & letztlich bin ich nur noch froh, als ich (endlich!) den schattigen & windgeschützten Garten des Hotel Keren erreiche: Bier & Macaroni! Keine Frage ... ... ich hab’s verdient! Nach Drei Uhr ziehe ich eine große Foto-Schleife durch die Stadt - hügelanwärts zum Keren überblickenden Busbahnhof. Nach einer kurzen Rundfrage bei den gelangweilt herumstehenden Busfahrern wird (speziell für mich!) ‘ein neuer Asmara-Bus eingerichtet’. Bis zur Abfahrt vergeht allerdings (nicht wirklich überraschend!) noch eine gute Stunde. Mir bleibt ausreichend Zeit, meine langsam den Bus auffüllenden Reisekollegen & -innen etwas genauer zu beobachten. Vornehmlich die kunstvoll geflochtenen Haartrachten der einheimischen, weiblichen Passagiere faszinieren mich: Deren Haar ist in dünnsten Löckchen (unmittelbar an der Kopfhaut beginnend & auf dieser flach aufliegend) geflochten, sodaß (jedenfalls für mich) der Eindruck einer ‘bemalten Glatze’ entsteht. Erst im Nacken lüften sich die Locken deutlich von der Kopfhaut & fallen als dünne Zöpfchen zu den Schultern herab. Im Gegensatz zu Dreadlocks ist jedes einzelne Haar gänzlich unverfilzt erkennbar & zusätzlich mit glänzender Pomade extrem geölt. Ich lasse (gut gelaunt) meinen Blick umherschweifen & erblicke schließlich ein etwa zweijähriges Mädchen, welches in einem farbenfrohen Kostümchen steckt & auf das riesige Portemonnaie der Mutter aufpaßt, die im Businneren mit dem Busbegleiter um Sitzplätze feilscht. Die Kleine wird zusehends unruhig (‘Mein Gott - wieso braucht die Olle denn wieder sooo lang?’). Sie schaut, ihre kleinen Händchen in die riesige Geldbörse krallend, ängstlich um sich, erhascht schließlich für den Bruchteil einer Sekunde einen Blick in mein, sie durchs Busfenster FREUNDLICH anlächelndes Gesicht & ... ... erleidet augenblicklich einen herzzerreißenden, ‘selbst Steine zum Weinen bringenden’ HEUL-KRAMPF !!! Die MIR wohl auf ewig unentschlüsselbar verbleibende ‘Sprache des Blutes’ dringt ans Ohr der Mama - sie ist ‘im Nu zur Stelle’ - & schließt die Kleine tröstend in ihre Arme ... ... was jedoch ein nur unmerkliches Nachlassen der konvulsivischen Flüssigkeits-Produktion des ‘Kiddies’ zur Folge hat! Aber: immerhin ... Und ICH? Wer nimmt MICH auf (oder lieber noch: IN) den Arm? Ich fühle mich entsetzlich! ... ... habe ich doch dem bedauernswerten Wurm das wohl schlimmste traumatische Erlebnis seines bisherigen, noch ach-so-kurzen Lebens verschafft! GOTT-SEI-DANK (!) ... ... verbleibt mir kaum Zeit, über dieses schreckliche (ja - auch für mich!) Horror-Erlebnis nachzugrübeln: Kurze Zeit später verläßt unser Bus den Bahnhof (übrigens: ohne Mutter & Kind!). Obwohl ich ‘alles schon einmal gesehen habe’, erweist sich die Rückfahrt nach Asmara keineswegs als langweilig: mit jedem Zentimeter, den die sinkende Abendsonne dem Horizont näher rückt, gewinnt die Atmosphäre (Licht & Schatten sowie die Palette der sich daraus ergebenden Farbnuancen) der durchfahrenen, eritreischen Hoch-Gebirgslandschaft an ... äh ... ‘Overwhelmability’. Ich lehne mich in meinen harten Sitz zurück - betrachte das außerhalb des Busses stattfindende Naturschauspiel ... & GENIESSE! Tja, Wollie - es stimmt: Afrika IST ein schönes Land! Und sogar die ohne Unterbrechung aus der Bordanlage sprudelnden & dudelnden afro-arabischen Pop-Songs werden zu einem unverzichtbaren & berechtigten Bestandteil der Gesamt-Inszenierung, die in mir ein uneingeschränkt-positives Gesamtgefühl entstehen läßt. Hm - SO ETWAS ... ... läßt sich einfach nicht in Worten ausdrücken (PUNKT!). Als wir Asmara erreichen, schickt die Sonne gerade ihre allerletzten ‘schrägen’ Strahlen (für heute) gen Eritrea. Bei angenehmen Abend-Temperaturen schlendere ich zur Impero Bar & gleiche mit Bier (in Massen!) sowie O-Saft & Tee den immensen Flüssigkeitsverlust dieses Tages (oder bilde ich mir den etwa nur ein?) ... ... äh ... aus: Relaxing & Happy Hour! Nach erfolgreicher inwändiger Reinigung unterziehe ich mich (zurück im Hotel) einer ‘Oberflächen-Waschung’, die gleichermaßen gründlich wie nötig ist ... ... denn ‘der heutige war der mit Abstand staubigste, sandigste & wüsteste Tag’ meiner bisherigen Reise. Zum Tagesabschluß gönne ich mir noch ... Nein! NUR ... ... ein paar Kapitel ‘Mann ohne Eigenschaften’. Aber schon um Elf Uhr kann ich dem Druck mehrerer LKW-Ladungen feinsten Traum-Sandes (schon wieder!) nicht mehr standhalten & ...
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